Prapāṭhaka 3
Von Opferpriestern, Opferlohn, Tierteilung und der Weihe (Dīkṣā)
Der dritte Prapāṭhaka (Kaṇḍikā 1–23) setzt die Erörterung des Brahman-Vorrangs fort (Kaṇḍikā 1–5) und wendet sich dann zwei mystischen Deutungen zu: der des Darśapūrṇamāsa, des Neu- und Vollmondopfers (Kaṇḍikā 6–10), und der der einzelnen Handlungen beim täglichen Agnihotra-Feueropfer (Kaṇḍikā 11–16). Die letzten Kaṇḍikā 17–23 enthalten grundsätzliche Betrachtungen über den Agniṣṭoma, das zentrale Soma-Opfer, die den folgenden, stark am zwölften Buch des Śatapatha-Brāhmaṇa orientierten Prapāṭhaka vorbereiten.
atha dakṣiṇāpravaṇā bhūmir dakṣiṇād āpo vahanti, tasmād agrāt tad bhūmer unnatataram iva bhavati, yatra bhṛgvaṅgiraso vidvāṃs tad agra āyāt. imāṃl lokān abhivṛtyaivam eva bhṛgvaṅgirasaḥ, sarvān devān abhivṛtyaivam eva vyāhṛtiḥ, sarvān vedān abhivṛtyaivam iti sūryām oṃ iti yajñupām oṃ iti sāmnām oṃ iti sarvasya cāhaṃ abhivāda staḥ ha smaitad uttaraṃ yatra vidvāṃsaḥ kurvate. devā brāhmaṇā āgacchatāgacchety ete vai devā brāhmaṇo yad bhṛgvaṅgirasas tān evaitad ṛg-vidhānāl lokān vṛṇānā ha hyato manyate. nānyo bhṛgvaṅgiro-vido vṛto yajñam āgacchen; agnes tejasā tejo agnipriyor va yaśasā yaśo, nānyo bhṛgvaṅgiro-vido vṛto yajñam āgacchen; ugram asya pariṃ muṣṇīyād iti. tasmāt pūrva vatso 'dhīlyāṃ gāṃ, yad devaṃ brahmā bhṛgvaṅgiro-vidṛto yajñam āgacchen, ugram asya pariṃ muṣṇīyād iti.
Die Erde neigt sich nach Süden [zur dakṣiṇā, dem 'Süden/Opferlohn'], von Süden her fließen die Wasser; daher erscheint der [nördliche] Anfang wie höher als der [südliche Teil] der Erde, dort, wohin der wissende [Priester] aus dem Geschlecht der Bhṛgu und Aṅgiras zuerst gelangte. [Indem er] diese Welten umschritten hat, [so geschah es] geradeso mit den Bhṛgu-Aṅgiras; [indem er] alle Götter umschritten hat, ebenso [geschieht es] mit der heiligen Formel (vyāhṛti); [indem er] alle Veden umschritten hat, ebenso [spricht er]: 'bhūḥ, oṃ' zur Sonne, 'oṃ' zum Opfer, 'oṃ' zu den Sāman-Gesängen — 'und ich nehme alles [in Anspruch]' — dies pflegten die Wissenden als Schlussformel zu sprechen. 'Die Götter, die Brahmanen sollen kommen, sie mögen kommen' — das sind die Götter, [und] der Brahmane [-Priester], der aus dem Geschlecht der Bhṛgu-Aṅgiras stammt: eben diese wählt man sich kraft der Kenntnis der Ṛcs als [Priester für] die Welten. [Denn:] Kein anderer als ein Bhṛgu-Aṅgiras-Kenner, als [solcher] erwählt, soll zum Opfer kommen — [sonst] würde er dem Agni seinen Glanz [entziehen], durch den Glanz des Agni-lieben [Priesters, oder] durch [seinen eigenen] Ruhm [entstünde] Unruhm; kein anderer als ein Bhṛgu-Aṅgiras-Kenner, als erwählt, soll zum Opfer kommen — [sonst] würde er dessen Kraft (ugram) rauben. Deshalb [gilt seit] alters her die Kuh als Lohn(?) [Anm.: Passage unsicher]: dass, wenn ein anderer Brahmane als ein Bhṛgu-Aṅgiras-Kenner, als erwählt, zum Opfer käme, er dessen Kraft rauben würde.
prajāpatir yajñam atanuta. sa ṛcaiva hotram akarod anuprādhvaryavaṃ sāma-udgātṛ-mantram atharvāṅgiro-bhir vaklatvaṃ. taṃ vā etaṃ mahā-vācaṃ kurute yac caiva hotram akarod anuprādhvaryavaṃ sāma-udgātṛ-mantram atharvāṅgiro-bhir vaklatvaṃ. sa vā eṣa trir eva daivyaḥ pañcaḥ saṃskriyate, manasaiva brahmā yajñasyāntaraḥ pañcaḥ saṃskriyate; yajño 'yaṃ vai yaḥ pacate sa yajñas tasya manaśca vāk ca vartanī. manasā caiva hi vācā ca
Prajāpati spannte den Opferdienst aus (breitete ihn aus). Er machte den Ṛc zum Hotṛ-Amt, entsprechend zum Adhvaryu-Amt, den Sāman zum Udgātṛ-Amt, die Sprüche (mantra) mit den Atharvāṅgiras zum Sprecheramt (brahmán). Diesen großen Wortlaut (mahāvāc) bildet er eben dadurch, dass er den Ṛc zum Hotṛ-Amt machte, entsprechend zum Adhvaryu-Amt, den Sāman zum Udgātṛ-Amt, die Sprüche mit den Atharvāṅgiras zum Sprecheramt. Dieser [Opferdienst] nun wird dreifach göttlich, [aber auch] mit dem Geiste allein gestaltet der Brahmán den inneren [Teil] des Opfers: Denn dieses Opfer ist es, das 'reift' [vollzogen wird] — dessen Bahn sind Geist und Rede. [Es geschieht] eben mit Geist und mit Rede [Anm.: Satz bricht ab, Fortsetzung in K3].
yajño vartate. ayaṃ eva mana idam eva vāk sa yad dadnāsti vidyād arthaṃ me asya yajñasyālaṃ gād iti. tad yad ekaḥ upa turyaḥ yajñe cakro vā ratho vartamāno bhreṣaṃ yaty evam evāsya yajño bhreṣaṃ yaty eti; yajñasya bhreṣam anu yajamāno bhreṣaṃ yaty eti; yajamānasya bhreṣam anu vittvo niyaty avittāṃ bhreṣam anu dakṣiṇā bhreṣaṃ niyati; dakṣiṇānāṃ bhreṣam anu yajamānaḥ putra-paśubhir bhreṣaṃ yaty eti; putra-paśūnāṃ bhreṣam anu yajamānaḥ svargeṇa lokena bhreṣaṃ yaty eti; svargasya lokasya bhreṣam anu tasyārdhasya yoga-kṣemo bhreṣaṃ yaty eti yasminn arthe yajñaḥ, tad iti brāhmaṇam.
wandelt das Opfer. Denn eben dies ist der Geist, dies eben die Rede — wer dies weiß, [der] möge denken: 'Der Zweck dieses meines Opfers möge erreicht werden.' Nun, gleichwie ein einzelnes [Rad] wie ein Rad oder ein Wagen, wenn es sich dreht, Wackeln (bhreṣa) verursacht — ebenso verursacht dann sein Opfer Wackeln; dem Wackeln des Opfers folgt das Wackeln des Opfernden; dem Wackeln des Opfernden folgt, wenn nicht erlangt, das Wackeln der Erlangung; dem Wackeln [der Erlangung] folgt das Wackeln der Opferlohn-Gaben (dakṣiṇā); dem Wackeln der Opferlohn-Gaben folgt das Wackeln [in Bezug auf] Söhne und Vieh des Opfernden; dem Wackeln von Söhnen und Vieh folgt das Wackeln [in Bezug auf] die Himmelswelt des Opfernden; dem Wackeln der Himmelswelt folgt das Wackeln von deren Erwerb und Besitz (yoga-kṣema) — [und all das] in Bezug auf den Zweck, um dessentwillen das Opfer [dargebracht wird]. So das Brāhmaṇa.
tad yad autambharyā ma āsṛṣṭa iṣṭkā-pāṇim prastāvīn ta udagāsīnaṃ su-brahmaṇyā-mākhyāsīd ity uttare dakṣiṇā nīyate. grahān grahītrā cārīr yajña-vaṃ samanas satkāri dyāc chrīne 'vasathāpini itra-dhvaryave hotṛ-padam āsiṣṭāyātnīne oṃśāntīne avasathārpiṇi iti hotre 'deva-yajanaṃ me' cīkyad brahmasādaṃ me sīd ity uras tāt ā homaṃ sthita-homān asti īṣīd yātnīne avasathāpini iti brāhmaṇe bhūyiṣṭhena mā brahmāṇā kārṣīd ity etad bhūyiṣṭha brahma yad bhṛgvaṅgiraso ve agiraḥ sa raso ve, athavārṇās tad brahma; yad pūrveṣām ṛtvijāṃ mardhabhāgasyārdham itare 'pi ardhaṃ brahmaṇa iti brāhmaṇam.
Was den 'Autambharyā' [Spruch] betrifft: 'Mich hat er losgelassen' — mit dem Ziegel in der Hand hat er die Ansage gemacht, [und] der nach Norden Sitzende sprach die Formel der Subrahmaṇyā-[Anrufung] — deswegen wird die Opfergabe nach dem Norden hingebracht. [Für] die Grahā-Priester [gilt die Bestellung] durch den 'Grahītṛ'; [für die anderen Ämter entsprechend eigene Bestellungsformeln] ... [Anm.: dieser Passus über die Bestellungsformeln der einzelnen Priester (Adhvaryu, Hotṛ, Brahmán u. a.) ist im überlieferten Text stark verderbt und lässt sich nicht mit Sicherheit rekonstruieren; die Handschriften weichen hier erheblich voneinander ab] ... In der Brahmán-Formel [heißt es]: 'Mit dem größten Teil möge er mich zum Brahmán machen' — das ist der größte [Anteil am] Brahman(-Opferlohn), der den Bhṛgu-Aṅgiras [zukommt], [denn] sie sind der 'Glanz' und der 'Saft' [des Opfers], deshalb ist dies ihr [Anteil am] Brahman; von dem, was die früheren Opferpriester [erhalten], die Hälfte des Anteils, die andere Hälfte [gebührt] dem Brahmán-Priester. So das Brāhmaṇa.
devāś ca ha vā asurāś ca saṃgrāme samayatanta; tatraitāḥ stotrā ṛkṣāḥ niṣkevalyaṃ pratividuḥ; tāsām indra ukthāni sāmāni lulopa; tāni hotre prāyacchat: tāny ha vai hotur bhūva, prasaṅgaṃ potur ha bhavad devaṃ, hi vai hotur bhūva; nikṣevalyaṃ nir hy amṛtatīyaṃ ha vai hotur bhūvāgnimāhur amāgnīdhasya; tasmād etad abhyastataram iva śasyate yad āgnīdhraṃ; tasmād ete saṃśaṃsukā eva bhavanti; yad hotā potā niṣṭrā vasoti; tad brahmayajñasāmivāsa; tāsām ardha pratilulopa prathama-mārṣṇā ca prathanapadaṃ; caitad dakṣiṇāṃ caitat pariśiṣṭe diti brāhmaṇam.
Die Götter und die Asuras kämpften einst im Streit gegeneinander; da erkannten diese [die Asuras] die Lobstrophen (ṛc) des Niṣkevalya-[Stotra]. Von ihnen raubte Indra die Ukthas und Sāmans; diese übergab er dem Hotṛ-Amt. Diese [Lieder] waren nun dem Hotṛ [zugeteilt]; die Nachfolge (?) fiel dem Potṛ zu; ... [Anm.: der Passus über die Verteilung der Niṣkevalya-Lieder auf Hotṛ, Potṛ, Āgnīdhra u. a. ist sprachlich sehr dunkel und teils verderbt überliefert]. Deshalb wird das Āgnīdhra-Lied gleichsam wiederholt (?) rezitiert. Deshalb werden diese [Priester] zu 'Mitrezitierenden' (saṃśaṃsuka). Was Hotṛ, Potṛ und Neṣṭṛ betrifft [im Rezitieren] — das war gleichsam die Formel des Brahman-Opfers. Von ihnen ging die Hälfte verloren, [nur] die erste Strophe [blieb übrig]; und dies [betrifft] die Opfergabe, und dies den Rest. So das Brāhmaṇa.
uddālako ha vā āruṇir uddīcān vṛto dhāvayāṃ cakāra. tasya ha niṣka upāhito babhūvopavādād ābhyanto yo mā brāhmaṇo 'nūcāna upavadiṣyati tasmād etaṃ pradāsyāmīti. tad uddīcān brāhmaṇaṃ abhayaṃ vivido dītalako ha vā ayam āyāti kaurupañcālo brahmā brahmaputraḥ; sa ūrdhvaṃ vṛto na paryādhīta; kenaimaṃ vīreṇa pratisaṃyatam akretīti. taṃ yad eva pravanaṃ dṛptaṃ tad evam anupratividire. te ha svetaketuḥ śaunakam ūcuḥ: svetaketo tvaṃ vai no brahmiṣṭho 'sīti; vayam imaṃ vīreṇa pratisaṃyatam akretīti; taṃ yad eva pravanaṃ dṛptaṃ tad evam anupratividire; taṃ ha svetaketur ity āmantrayām āsa: bho gautamasya putreti; hāsmā asūyā prati śrutaṃ pratiśuśrāva; sa vai gautamasya putra ūrdhvaṃ vṛto dhāvet.
Uddālaka Āruṇi lief, nach Norden gewandt, gewählt [zum Streitgespräch]. Ihm war eine Halskette umgehängt worden, aus Angst vor dem Tadel: 'Wenn mich ein gelehrter Brahmane tadeln wird, dann werde ich sie [ihm] geben.' Da fand er nach Norden hin einen furchtlosen Brahmanen: 'Uddālaka kommt hierher, der Brahmane, der Kauru-Pañcāla, der Sohn eines Brahmanen; er, hoch erwählt, ließ sich nicht besiegen. Mit welchem Helden werde ich diesen zum Kampf herausfordern?' — Was da an [seinem] hochmütigen Vorstoß [war], das erwiderten sie ebenso. Da sprachen sie, Śvetaketu, zu Śaunaka: 'Śvetaketu, du bist fürwahr der Beste von uns im heiligen Wissen; wir werden diesen mit [dir als] Helden zum Kampf herausfordern.' Was da an [seinem] hochmütigen Vorstoß war, das erwiderten sie ebenso. Da redete ihn Śvetaketu an: 'He, Sohn des Gautama!' Und jener erwiderte ohne Missgunst die Anrede. So möge der Sohn des Gautama, hoch erwählt, laufen [zum Wettstreit].
yas tad darśapūrṇamāsayo rūpaṃ vidyāt: kasmād imāḥ prajāḥ śiras taḥ prathamaṃ lomaśā jāyante, kasmād asām aparam iva jāyate; yas tad darśapūrṇamāsayo rūpaṃ vidyāt: kasmād āsāṃ madhyame vayasi śata-varṣāṣṭa-varṣāṇāṃ prabhavati, kasmād āsāṃ punar eva jāyate, kasmād ataḥ sarva eva prabhavate; yas tad darśapūrṇamāsayo rūpaṃ vidyāt: kasmād dharāḥ pūrve jāyante, para uttare; yas tad darśapūrṇamāsayo rūpaṃ vidyāt: kasmād dharā dantā araṇīyāṃso hrasīyāṃsaḥ prathīyāṃso varṣīyāṃsa uttare; yas tad darśapūrṇamāsayo rūpaṃ vidyāt: kasmād imāṃ dīrghatarau dīrghatarau kasmāt sama iva jaṅghe; yas tad darśapūrṇamāsayo rūpaṃ vidyāt: kasmād imāṃ śrotre 'kṣī atirasaḥ same iva dīrghe; yas tad darśapūrṇamāsayo rūpaṃ vidyāt: kasmād imāṃ purumāṃsyaśmayuvataḥ śmaśruvo striyaḥ; yas tad darśapūrṇamāsayo rūpaṃ vidyāt: kasmād āsāṃ saṃtatam iva śarīraṃ bhavati, kasmād āsām asthīni dṛḍhatarāṇīva bhavanti; yas tad darśapūrṇamāsayo rūpaṃ vidyāt: kasmād āsāṃ prathame vayasi retaḥ siktaṃ na saṃbhavati; kasmād āsāṃ madhyame vayasi retaḥ siktaṃ saṃbhavati, kasmād āsām uttame vayasi retaḥ siktaṃ na saṃbhavati. yas tad darśapūrṇamāsayo rūpaṃ vidyāt: kiṃ dvayaṃ mukhaṃ nīcaiḥ paśyate, kasmāt sakṛd apānam iti.
Wer die [tiefere] Gestalt des Neu- und Vollmondopfers kennt: Weshalb werden diese Geschöpfe zuerst mit Haaren am Kopf geboren, weshalb entsteht das Übrige [des Körpers] gleichsam später? Wer die Gestalt des Neu- und Vollmondopfers kennt: Weshalb erlangen sie erst in der Mitte des Lebens, zwischen hundert und acht Jahren [d. h. im Erwachsenenalter], [ihre volle Kraft]? Weshalb wird man wieder [wie ein Kind]? Weshalb geht von daher alles hervor? Wer die Gestalt des Neu- und Vollmondopfers kennt: Weshalb wachsen die [Zähne] zuerst vorn, später hinten [nach]? Weshalb sind die vorderen Zähne kleiner und schmäler, die hinteren größer und breiter? Wer die Gestalt des Neu- und Vollmondopfers kennt: Weshalb sind diese [Schienbeine] gleich lang? Weshalb sind Ohren und Augen einander ähnlich, gleich [gestaltet] und lang? Weshalb haben diese [Wesen] viel Fleisch, Nägel, Barthaare [nur die Männer, nicht] die Frauen? Weshalb erscheint ihr Körper wie zusammenhängend, weshalb werden ihre Knochen gleichsam härter? Weshalb kommt es bei ihnen im ersten Lebensalter [noch] nicht zum Samenerguss, weshalb im mittleren Lebensalter dazu, weshalb im letzten Lebensalter nicht mehr dazu? Wer die Gestalt des Neu- und Vollmondopfers kennt: Weshalb schaut das Antlitz zweifach nach unten [Anm.: unklar]? Weshalb [kann man] nur einmal [nach der Geburt] den Atem/das Wasser lassen(?) [Anm.: Sinn unsicher] — [wer all dies weiß, für den ist es] wie mit ausgezogener Rede der 'Nīcī' [-Vers]. So das Brāhmaṇa.
atha yaḥ purastād dvāv ājya-bhāgān vidyān mṛtaḥ pañca havir-bhāgāḥ ṣaḍ prāṇāpatya upariṣṭād dvāv ājya-bhāgān vidyād yo gāyatrīṃ hariṇīṃ jyotiṣmatīṃ sarvair grahair yajamānaṃ svarga lokam abhivṛttīn vidyād yaḥ pariṅkaṃ pañca-padaṃ saptadaśāntaraṃ sarvair grahair yajamānaṃ svarga lokam abhivṛttīn vidyād yaḥ pañcaḥ niṣkaṃ pratyakṣam anuvāca-anūcāno ha vai svedāyanāsi svarṇo vai suvarṇa-vid dadāmīti tam upayamya niṣkrāma tatrāpavrāṇāt taṃ ha praccha kim eṣa gautamasya putra ity eṣa brahmā brahma-putra iti hovāca. yad enaṃ kaśyad upavadetoti mīmāṃ-
Wer nun weiß, dass zuvor die zwei Ājya-Anteile [dargebracht werden] — der Sterbliche [erlangt] fünf Havir-Anteile, sechs [gehören] den Herren des Atems (Prāṇāpati); wer im Nachhinein die zwei Ājya-Anteile kennt, wer die Gāyatrī als die goldgelbe, leuchtende, [die] mit allen Bechern (graha) den Opferherrn zur Himmelswelt emporführende [kennt]; wer den Pariṅkta-[Vers], fünfgliedrig, mit siebzehn Zwischengliedern, [als den] mit allen Bechern den Opferherrn zur Himmelswelt emporführenden kennt; wer die fünf [Anteile] als sichtbaren Lohn kennt — [der ist] ein Kenner der [heiligen] Wiederholung: 'Du bist ein Schweiß-Erwerber (Svedāyana), ich, der Goldkenner, gebe [dir] Gold' — nachdem er diesen [Ring] entgegengenommen, tritt er hervor. Dort, nachdem er sich entfernt hatte, fragte man ihn: 'Ist dies der Sohn des Gautama?' — 'Dies ist der Brahmane, der Sohn des Brahmanen', sprach er. [Es folgt eine Erörterung darüber,] auf welche Weise man ihn tadeln könnte — eine Untersuchung... [Anm.: Übergang zur nächsten Kaṇḍikā, Text bricht hier ab]
Weil er zuvor zuerst das Barhis (Opferstreu) rupft, deshalb werden diese Geschöpfe zuerst am Kopf mit Haaren geboren; weil er es hinterher gleichsam anders ausbreitet, deshalb entstehen bei ihnen später andere Haare — die zur Bartbildung dienenden. Weil er das Barhis nach Osten hin über die Streu (prastara) breitet, deshalb werden diese Geschöpfe zuerst am Kopf grau; weil er alles zusammen ausbreitet, deshalb wird von da an alles grau. Wo das Opfer ohne die Puro'nuvākyā [-Formel] ist, dort entsteht [beim Kind] mehr [Haar]; weil das [Opfer] mit Reiskörnern die Puro'nuvākyā voranstellt, deshalb entsteht [das übrige Haar] später. Weil das jüngste [Opfer] die Anuvākyā [voranstellt], deshalb erlangen sie [erst] zwischen hundert und acht Jahren [ihre Reife]; weil das älteste die Purovākyā [voranstellt], deshalb wird man wieder [wie ein Kind]; weil das Anzünden des Brennholzes stets die Anuvākyā voranstellt, deshalb geht von da an alles hervor. Weil er, nachdem er die Āyuṣya-[Sprüche] rezitiert, dreifach opfert, deshalb wachsen die vorderen [Zähne] zuerst, die hinteren später; weil er, nachdem er den Ṛc rezitiert, mit dem Yajus opfert, deshalb sind die vorderen [Zähne] kleiner und schmäler, die hinteren größer und breiter; weil er die beiden [Opferpfosten-Hölzer], länger nach Osten gerichtet, aufstellt, deshalb sind diese beiden Stäbe (Schienbeine) länger; weil er sie gleichmäßig mit gleichem Metrum verbindet, deshalb sind [die Beine] gleich lang; weil er das Vierte zusammenführt, deshalb sind Ohr und Auge einander gleich, gleichmäßig und lang; weil er zu Beginn das Rezitieren [mit dem Loslassen] verbindet, deshalb haben die Männer Bärte, [nicht] die Frauen; weil er es ununterbrochen aneinanderreiht, deshalb erscheint ihr Körper wie zusammenhängend; weil [das Opferholz] hartes Kaṣṭha-Holz ist, deshalb werden ihre Knochen gleichsam härter; weil die ersten [Hölzer schon abgenutzt] sind [Anm.: Fortsetzung bricht ab, geht in K10 über].
atha ye purastād dvāv ājya-bhāgāḥ pañca prayājā dvāv ājya-bhāgāv agriya ājya-bhāgānāṃ prathamaḥ saumyo dvitīyo havir-bhāgānāṃ havir-bhāga eva saumyam agriḥ purodāśo grīṣmoṇīya upāṃśu-yājo grīṣmoṇīya purodāśo 'gniḥ svīṣṭa-kṛd iti madhyataḥ pañca havir-bhāgāḥ. atha ye ṣaṭ prāṇāpatyā iḍā ca prāśitraṃ ca yac cāgni-hotrasyāvadyati brahma-bhāgo yajamāna-bhāgo 'nvāhārya eva. paścād ye 'py upariṣṭād dvāv ājya-bhāgāv anuyājā svāhā-kṛtayaḥ patnī-saṃyājāḥ samiṣṭa-yajuḥ.
Nun jene [Formeln]: vorn stehen die zwei Ājya-Anteile, die fünf Vorwürfe (prayāja), die zwei ersten Ājya-Anteile der Ājyabhāga-Reihe; der erste [Anteil] ist dem Soma [zugehörig], der zweite der der Havis-Anteile; der Havis-Anteil selbst ist somaartig; der 'erste' Purodāśa ist der Sommer-[Kuchen], das Upāṃśu-Opfer der Sommer-Purodāśa, [und] der Agni ist der 'gut-geopferte' (svīṣṭakṛt) — [dies] in der Mitte, die fünf Havis-Anteile. Nun die sechs [Anteile], die den Herren des Atems (Prāṇāpati) [zukommen]: die Iḍā und der Prāśitra-Anteil, und was [der Priester] vom Agnihotra abschneidet — der Anteil des Brahmán, der Anteil des Opferherrn, [und] eben der Anvāhārya-[Kuchen]. Danach folgen, hinten, die zwei Ājya-Anteile, die Nachopfer (anuyāja) mit der Svāhā-Formel, die Gattinnen-Mitopfer (patnīsaṃyāja) [und] der Abschlussspruch (samiṣṭayajus).
Da sprach er: 'Was ist die Gottheit bei der Kuh im [Zustand der] Trächtigkeit? Bei der [Kuh], die vom Mensch-[Wesen] befallen [d.h. dem Menschen geweiht] ist? Bei der vom Wind befallenen? Bei dem Kalb, das königlich [geführt] wird? Bei dem, das feuergleich hinaufgeführt wird? Bei dem somaartigen, das aufwärts [geht]? Bei dem Bṛhaspati-artigen, das vorschreitet? Bei dem Vaiśvānarīya-artigen, das erhitzt wird? Bei dem Allgötter-artigen, das herabgestoßen wird? Bei dem Marut-artigen? Welche Gottheit hat das Pūṣan-artige [Kalb], das zum Meer [geführt wird]? Das Varuṇa-artige, das zum Всеми [Kosmos reicht]? Das Sarasvatī-artige? Das Agni-Entgegengebrachte? Das mit Wind-und-Feuer Fortgeführte? Das Allgötter-artige, das gewaschen wird? Das Savitṛ-artige? Das Bṛhaspati-artige, das vorschreitet? Das an Himmel-und-Erde Gehaltene? Das Indra-artige, das herangebracht wird? Das dem Brahman Genaherte? [Das ist] des Mātariśvan [Aufgabe], zur Fortdauer der Welt, den Herren des Atems zur weiteren Sorge — deshalb wird [das Opfer] vollständiger; mit dem Geist allein gestaltet der Brahmán den inneren [Teil] des Opfers gemäß den fünf [Anteilen]. [Anm.: Katalog von 'kiṃdevatyam'-Fragen zu den einzelnen Handlungen bei der Tierweihe, z.T. sehr unsicher gelesen] ... Oder [wenn er] mit dem Löffel dreimal aufgeschöpft, geopfert hat, dann [legt er], nachdem er es sichtbar niedergelegt, mit der linken Hand über der rechten [Anm.: Passus unsicher] ...
maṃn tīḥ: kiṃdevatyaṃ dvitīyam unmṛjya pitṛ-upavītaṃ kṛtvā dakṣiṇataḥ pitṛbhyaḥ svadhām akārṣīḥ kiṃdevatyaṃ prathamaṃ prāśīḥ kiṃdevatyaṃ dvitīyaṃ kiṃdevatyam ataḥ sarvam eva prāśīḥ kiṃdevatyam aprattālitayod-akaṃ sruvā nyanaiṣīḥ kiṃdevatyaṃ prattālitayā kiṃdevatyam apareṇāhavanīyam udakaṃ sruvā nyanaiṣīḥ kiṃdevatyaṃ sruva-sruvaṃ ca pratyatāpsi kiṃdevatyaṃ rātrau sṛg-daṇḍam avāmāsīḥ kiṃdevatyaṃ prātar udmāntīr ity etac ca gautamokta te yajño na vetyāroktaṃ ta iti brāhmaṇam.
...die Fragen: 'Bei welcher Gottheit hast du dich zum zweiten Mal abgewischt und, das heilige Band (upavīta) nach der Vorfahren-Weise gelegt, im Süden den Vorfahren die Svadhā-[Opferung] dargebracht? Bei welcher Gottheit hast du zuerst gegessen? Bei welcher Gottheit zum zweiten Mal? Bei welcher Gottheit hast du von da an alles gegessen? Bei welcher Gottheit hast du das ungegebene Wasser mit dem Opferlöffel [zum Feuer] gebracht? Bei welcher Gottheit das gegebene? Bei welcher Gottheit hast du am anderen (westlichen) Āhavanīya-[Feuer] mit dem Löffel Wasser hingebracht? Bei welcher Gottheit hast du Löffel um Löffel wieder erhitzt? Bei welcher Gottheit hast du in der Nacht den Opferstab niedergelegt? Bei welcher Gottheit [erhebst du dich] am Morgen?' — 'Dies ist, wie Gautama gesagt hat: Ist dein Opfer [in Ordnung] oder nicht?' — 'Es ist gesagt worden', [sprach er]. So das Brāhmaṇa.
evam evaitad dho yathā bhavān āha; pṛcchāmi tv eva bhavatam iti; pṛccha prācīnayogyeti; yasya sāyam agra upasamāhitāḥ syuḥ sarvā jvalayeyuḥ prāyaścittāni yajña-pātrāṇy upasannāni syur, atha ced agnir hy ādhyāyikaṃ vā tato bhayam āgaccheditica; itra prasya patnī prāiti, yo 'vidyā-kuruta, vidyayā tv evāhram abhinirvahomīti. kā te vidyā? kā prāyaścittir iti, gārhapatyād adhi dakṣiṇāgniṃ praṇīya prācī agnīm anv ṛcyāhya prāṇāpānābhyāṃ svāhety anv ṛcyādaya prātar-yathāsthānam agnim anupasamādhāya yathā-puraṃ nir yāt sā me vidyā, sā prāyaścittir ity ayaṃ cedārhavanīya udayāt kiṃ vā tato bhayam āgacchediti.
'So ist es, wie Ihr sagt; ich frage nur Euch selbst.' — 'Frage nach der [Praxis] von einst!' — Wessen [Feuer] am Abend versorgt worden sind, sollen sie alle brennen; die Sühneriten (prāyaścitta) und die Opfergeräte sollen bereitgestellt sein. Wenn aber das Feuer, sei es das zu bedenkende [Āhavanīya], erlischt, woher käme dann Gefahr? Wenn eines [Priesters] Gattin stirbt, [und] wer aus Unwissenheit gehandelt hat — 'aber durch Wissen führe ich es fürwahr zu Ende'. 'Welches ist dein Wissen? Welches die Sühne?' — 'Vom Gārhapatya-[Feuer] her das südliche Feuer hinführend, [dann] das östliche Feuer mit dem Ṛc anrufend, mit "durch Ein- und Ausatem, svāhā" anrufend, [dann] am Morgen das Feuer an seinem [gewohnten] Platz wieder zusammenführend, [und] es geht wie zuvor hervor — das ist mein Wissen, das ist die Sühne.' Wenn aber der Āhavanīya [selbst] erlischt, welche Gefahr käme dann daher?
iti nityaṃ gṛhapatiḥ sarvad yāni jīyate yo 'vidyā-kuruta vidyayā tv evāhram abhinirvahomīti; kā te vidyā? kā prāyaścittir iti; anaḍvāhena śakaty a-piṇḍenāhvayanāni parilipya homyam upasādhyāgniṃ nirmathya prāṇāpānābhyāṃ svāhā samāna-vyānābhyāṃ svāhotān a-trapābhyāṃ svāhety anv ṛcyādaya prātar-yathāsthānam agnim anupasamādhāya yathā-puraṃ nir yāt sā me vidyā, sā prāyaścittir ity ayaṃ ced agnir jñaniyāṃ śaknuyur na kutaścana vāto vāyāt kiṃ vā tato bhayam āgacchediti; moghas tveṣṭaḥ ca hutaṃ ca bhavati yo 'vidyā-kuruta vidyayā tv evāhram abhinirvahomīti; kā te vidyā? kā prāyaścittir iti; anayaiva śakaty a-piṇḍenāhvayanāni parilipya homyam upasādhya vātam ā vātu bheṣajam sūktenātmanaiva hutvādya prātar-agniṃ nirmathya yathāsthānam agnim anupasamādhāya yathā-puraṃ nir yāt sā me vidyā, sā prāyaścittir iti brāhmaṇam.
So ist es beständig, [dass] der Gṛhapati [selbst wenn] alles [an Opfergeräten] verloren geht, wer aus Unwissenheit gehandelt hat, durch Wissen führe ich es fürwahr zu Ende. Welches ist dein Wissen? Welches die Sühne? Mit Ochsenmist [und] Kot bestrichen die [Feuer-Gruben], das Opfer bereitstellend, das Feuer erneut reibend, mit 'durch Ein- und Ausatem, svāhā' und 'durch die Gleich- und Durchatmung, svāhā' anrufend, [dann] am Morgen das Feuer an seinem Platz wieder zusammenführend, geht es hervor wie zuvor — das ist mein Wissen, das ist die Sühne. Wenn aber dieses Feuer [ganz] vergessen werden könnte, [und] von nirgendher ein Wind wehen würde, welche Gefahr käme dann daher? Vergeblich sind dann Opfer und Guss, wer aus Unwissenheit gehandelt hat, durch Wissen führe ich es fürwahr zu Ende. Welches ist dein Wissen? Welches die Sühne? Ebenso mit Kot bestrichen, das Opfer bereitstellend, mit dem Spruch 'der Wind wehe als Heilmittel' selbst geopfert, am Morgen das Feuer neu gerieben, an seinem Platz wieder zusammengeführt, geht es hervor wie zuvor — das ist mein Wissen, das ist die Sühne. So das Brāhmaṇa.
priyamedhā ha vai bhāradvājā yajña-vido manyamānās te sma na kaścana veda-vid upayanti; te sarva eva iḍ-vitsas te haika-vidtsas te 'gnihotra eva na samavadanta. teṣām eka sakṛd agnihotram anuhotr aud dhre; ka svirteṣāṃ yaḥ sakṛd agnihotram anuhotā, mitrā vṛcchatām; kasmai tvaṃ juhoṣīty; ekadyā vā idaṃ sarvaṃ prajāpatiḥ, prajāpataye sāyaṃ juhomi, prajāpataye prātar iti. teṣāṃ yo dvir uhotram itarāvṛcchatāṃ; kābhyāṃ tvaṃ juhoṣīty; agnaye prajāpataye iti sāyaṃ, sūryāya prajāpataye iti prātaḥ. tebhyaḥ tvaṃ juhoṣīty; agnaye 'nūtāya iti sāyaṃ, sūryāya prajāpataye 'gnaye iti prātaḥ; teṣāṃ yad dhotavyaṃ yajñenaiva manasā, ya evaṃ veda ya ṛddhim ā dhattaṃ dhṛtiṃ ya evaṃ veda, yaś caivaṃ vidvān agnihotraṃ juhotīti brāhmaṇam.
Die Priyamedhas, die Bhāradvājas [Sippen], die sich für Opferkenner hielten, verstanden sich fürwahr auf keinerlei Kenntnis der Veden [in dieser Sache]; sie waren alle nur Kenner der Iḍā, [nur] einzelne von ihnen kannten [die richtige Art]; über das Agnihotra selbst kamen sie nicht überein. Von ihnen brachte der eine das Agnihotra nur einmal [am Tag] dar. Wer von ihnen war es, der das Agnihotra [nur] einmal darbrachte? — die Meinungen gingen auseinander. 'Wem opferst du?' — 'Dies alles ist ja eines: Prajāpati; dem Prajāpati opfere ich abends, dem Prajāpati morgens.' Von ihnen brachten andere das Agnihotra zweimal [mit verschiedenen Adressaten] dar. 'Wem beiden opferst du?' — 'Dem Agni [und] Prajāpati' abends, 'der Sonne [und] Prajāpati' morgens. [Wieder andere sagten:] 'Wem opferst du?' — 'Dem Agni, dem Fortgeführten' abends, 'der Sonne, dem Prajāpati, dem Agni' morgens. Was von ihnen darzubringen ist, [geschieht] eben durch das Opfer allein mit dem Geiste — wer dies so weiß; wer Gedeihen erlangt, [wer] Festigkeit [erlangt], wer dies so weiß; und wer, solches wissend, das Agnihotra darbringt [dem geht es wohl]. So das Brāhmaṇa.
svāhā vai kutaḥ saṃbhūtā, kena prakṛtā, kiṃ vāsyā gotraṃ, katy akṣarā, kati padā, kati varṇā, kva ciṃ sthitā, kim adhiṣṭhānā, brūhi svāhāyā yad daivataṃ rūpaṃ ca; svāhā vai satya-saṃbhūtā, brahmaṇā prakṛtā, lāṅgāyana-sagotrā, dve akṣare, ekaṃ padaṃ, trayo varṇāḥ: śuklaḥ, raktaḥ, suvarṇaḥ iti; sarva-cchandāṃsi vedeṣu samāsa-bhūtā koṣā varṇā, catvāro vedāḥ śarīre, ṣaḍ aṅgāny adhivanaspatayo lomāni, cakṣuṣī sūrya-candramasau; sā svāhā, sā svadhā, eṣā yajñeṣu vaṣaṭ-kārā-bhūtā prayujyate; tasyā agnir devataṃ, brāhmaṇo rūpam iti brāhmaṇam.
'Woher ist Svāhā entstanden? Von wem erschaffen? Welches ist ihr Geschlecht (gotra)? Wie viele Silben, wie viele Wörter, wie viele Laute [hat sie]? Wo weilt sie? Worauf beruht sie? Sage, welches die göttliche Gestalt der Svāhā ist!' — 'Svāhā ist wahrhaftig aus der Wahrheit entstanden, vom Brahman erschaffen, vom Geschlecht der Lāṅgāyanas; zwei Silben, ein Wort, drei Laute [hat sie]: weiß, rot, golden. In allen Metren der Veden ist sie zusammengefasst enthalten; die vier Veden [bilden] ihren Körper, die sechs Vedāṅgas, die auf den Bäumen [wachsenden Pflanzen ihre] Haare, Sonne und Mond ihre Augen. Sie ist Svāhā, sie ist Svadhā; sie wird bei den Opfern als der Vaṣaṭ-Ruf verwendet. Ihre Gottheit ist Agni, ihre Gestalt der Brahmane [-Priester].' So das Brāhmaṇa.
athāpi kārṣvo ha nāma ṛṣaya alpa-svā āsaṃs; tam ekaguṇam agniṣṭomaṃ dadṛśus, tam ākarṣayan; te 'gniṣṭomaṃ dadṛśus tam ākarṣayann; iti te 'gniṣṭomam eva niyatam ājagṛhuḥ; te ya iccheta svarīyā iti, sa ekenaikaguṇenāgniṣṭomena yajeteti brāhmaṇam.
Es gab einst Ṛṣis namens Kārṣva, die besaßen nur wenig Gut; sie erblickten einen einfachen Agniṣṭoma und zogen ihn [zu sich] heran (ā-kṛṣ). Weil sie den Agniṣṭoma erblickten und ihn heranzogen, [darum] ergriffen sie eben den Agniṣṭoma als den festgesetzten [für Arme]. Wer nun reich werden will, der soll mit einem einzigen, einfachen Agniṣṭoma opfern. So das Brāhmaṇa.
Nun wollen wir die Verteilung des Opfertieres beim Savanīya[-Opfer] darlegen: Nachdem man [die Teile] herausgehoben, [erfolgen] die Zuteilungen: die beiden Kinnbacken erhält der Prastotṛ; das Ohr [nach] einmaligem [Zuteilen] der Pratikartṛ; die Hüfte [ebenso]; die Brust [samt] der nördlichen [und] südlichen Flanke [gehören] den beiden Sāman-[Priestern] und dem Adhvaryu; die linke [Seite] den Upagātṛs; die linke Hand dem Pratiprasthātṛ; die rechte Hüfte samt Oberschenkel dem Brahmán; die beiden Schenkel dem Brāhmaṇācchaṃsin; die linke Hüfte dem Potṛ; das Vārṣakya-[Stück] dem Hotṛ; der Bauch dem Maitrāvaruṇa [und] Acchāvāka; das rechte Bratstück [dem Neṣṭṛ]. [Anm.: Die genaue Zuordnung mehrerer weiterer Anteile in dieser sehr technischen Aufzählung bleibt unsicher.] ... so dass das Opfertier bei ihnen [allen] nicht vermengt wird [d.h. jeder Anteil bleibt genau zugeordnet]. Devabhāga Śrautarṣi war es, der die Verteilung des Opfertieres kannte; ihn lehrte Giri Ratnāyana Bābhravyāyaṇa; seitdem wird dies von den Nachkommenden weitergelehrt. So das Brāhmaṇa.
athāto dīkṣā: kasya svid etad dīkṣitam ity ācakṣate? śreṣṭhāṃ dhiyaṃ niyacchatīti; taṃ vā etad dīkṣitam ity ācakṣate parokṣeṇa; parokṣapriyā iva hi devā bhavanti pratyakṣadviṣaḥ. kasya svid etad dīkṣitasya pratyutthāyiko bhavaty, anabhivādyaḥ pratyutthāyeyaḥ, abhivādyā ye, pratyutthāyeyāḥ; abhivādyās tenaivāntar-nāviṣṭā bhavanty atharvāṅgirasas tasya kim ātharvaṇam iti. yad ātmany eva pareṣāṃ nāmāny ātharvaṇānām a-sad-vānām ātmany eva juhoti, na pareṣām, asyā kim āṅgirasam iti: yad ātmanaḥ pareṣāṃ ca nāmāni na gṛhṇāty, evaṃ hi tasminn āsāṃ nāmasv ātmany eva.
Nun zur Weihe (dīkṣā): Wovon leitet man das Wort 'dīkṣita' [geweiht] her? [Man sagt:] Er hält die vorzüglichste Andacht/Absicht fest — 'dīkṣ-' [von dīkṣ, 'weihen'/'streben']. Man nennt dies aber verhüllt so; denn die Götter lieben das Verhüllte, verabscheuen das Offenkundige. Wem gegenüber muss man beim Anblick eines Geweihten aufstehen, [und] wem gegenüber nicht, [wenn er] nicht zu begrüßen ist, wem gegenüber, wenn er zu begrüßen ist? Diejenigen, die zu begrüßen sind, sind eben dadurch [als solche, die] mit dem Atharvan-Aṅgiras[-Wissen] innerlich versehen [gelten] — was ist ihm [zueigen] vom Atharvan [-Teil]? Dass er, in sich selbst, die Namen der 'nicht seienden' (asadvān-) [Dinge] der Atharvan-Priester opfert, nicht in andere — was ist ihm vom Aṅgiras[-Teil eigen]? Dass er weder seinen eigenen noch der anderen Namen ausspricht — so [befindet er sich] in Bezug auf diese Namen bei sich selbst. [Anm.: Diese Etymologie- und Namentabu-Passage ist stellenweise unsicher gelesen.]
pareṣāṃ ca nāmāni na gṛhṇāti; vicakṣaṇāvatīṃ vācaṃ bhāṣate; cana-sitavatīṃ vicakṣaṇayati; brāhmaṇāṃ na saṃsyati prājāpatyaṃ; ṣaiṣā vratam ātharvāṅgirasāṃ jñātavyā. kasya svid etad dīkṣitasya nāma jñāyasya na bhavati? asya nāma na dhīyata ity ācakṣate. ye 'sya nāma gṛhṇanti te 'sya prāṇam adanti; ye 'sya nāma na gṛhṇanti te 'sya nāmnaḥ pāpmānam adanti; ye nāma gṛhṇanti te 'sya nāmnaḥ pāpmānaṃ na gṛhṇanti. athāpi vedānāṃ garbha-bhūto bhavatīty ācakṣate, 'syātasyā jñātasya vijñātasya krīta-somasya bhojanīyaṃ bhavatīty ācakṣate. kasya svid etad dīkṣitoḥ saṃsravaḥ pariniḥsāritā bhavati, yatro vīryavattaro bhavati, sa parasya yajñaṃ parimuṣṇāti. kasya svid etad dīkṣitair dive na dhyāyet saṃsthite nādhīyetīti: saṃsava eva hetor iti.
... und der anderen Namen nicht ausspricht; er spricht eine wohl-erwogene Rede; wohl-überlegt äußert er sich; er redet dem Prajāpati-Brahman nicht [unbedacht] hinein — dies ist die zu erkennende Beobachtung (vrata) der Atharvāṅgiras-Priester. Von welchem Geweihten gilt, dass sein Name nicht [öffentlich] zu wissen ist? Man sagt: 'Sein Name wird [ihm] nicht gegeben.' Die seinen Namen [dennoch] aussprechen, essen [gleichsam] seinen Atem [Lebenshauch]; die seinen Namen nicht aussprechen, essen [dadurch] das Übel seines Namens [von ihm ab]; die [wohlbedacht] den Namen aussprechen, nehmen ihm nicht das Übel seines Namens. Ferner sagt man, er werde zur Leibesfrucht (garbha) der Veden; man sagt, für den, der [dies] erkannt, verstanden hat, sei die Speise des mit Soma Erkauften genießbar. Von welchem Geweihten gilt, dass sein [heiliger] Ausfluss (saṃsrava) ganz herausgeflossen ist? Wer stärker an Kraft ist, der raubt dem anderen sein Opfer. Von welchen Geweihten gilt, dass man bei Tage nicht meditieren, nach Beendigung [des Opfers] nicht [weiter darüber] nachdenken soll? — Eben aus dem Grund des [heiligen] Zusammenflusses. [Anm.: Diese Kaṇḍikā über Namenstabu und dīkṣā-Regeln bleibt in mehreren Einzelheiten unsicher.]
sa hovāca: dvādaśa ha vai vasūni dīkṣitād utkrāmanti; na ha vai dīkṣito 'gnihotraṃ juhoti; na paurṇamāsena yajñena yajate; nāmāvāsyenāsminn vaset; na pitṛ-yajñena yajate; na tatra gaccheta yatra manasā nigacched viprāyeta; na vācā yathā-kathā cid abhibhāved; na mithunaṃ carennāsya; na yathā-kāmam upayuñjīta; na paśu-bandhena yajena yajeta; na tatra gaccheta yatra cakṣuṣā parāpaśyet; kṛṣṇājinaṃ vaset; kurīraṃ dhārayen mudrī; daṇḍaṃ dhārayet; mṛga-śṛṅgaṃ gṛhṇīyāt, tena kapetāṃ. atha yasya dīkṣitasya vāg vyāyatā syān, muṣṭir vā visṛṣṭir vā, sa hatāni vrapet.
Da sprach er: Zwölf Vasus fürwahr weichen von dem Geweihten [während der Weihezeit fort]. Denn der Geweihte gießt kein Agnihotra; er opfert nicht mit dem Vollmondopfer; er weilt nicht bei diesem [Opfer] am Neumondtag; er opfert nicht mit dem Vorfahrenopfer; er soll nicht dorthin gehen, wo er sich im Geiste zerstreuen [oder ablenken] lassen würde; er soll niemanden durch Rede in irgendeiner Weise überwältigen; er soll keine [geschlechtliche] Vereinigung vollziehen; er soll nicht nach Belieben genießen; er soll nicht mit dem Tieropfer opfern; er soll nicht dorthin gehen, wo er mit dem Auge [Unheiliges] erblicken würde. Er soll das schwarze Antilopenfell tragen; als Ringträger den Kurīra-Kranz tragen; den Stab tragen; ein Hirschhorn ergreifen, um damit [Störende] fernzuhalten. Wessen Geweihten Rede aber ausschweifend würde, sei es durch [geballte] Faust oder durch [gelöste, offene Hand] — der soll die Getroffenen [rituell] besänftigen(?) [Anm.: Sinn der letzten Klausel unsicher].
agnihotraṃ ca mā paurṇamāsyaḥ yajñaḥ, purastāt pratyaṅ ubhau kāma-prau bhūvāntyā sahāviśatāṃ; vasati mā amāvāsyasya yajñaḥ, paścāt prāṅ ubhāv iti samānaṃ; manaś ca mā pitṛ-yajño yajño, dakṣiṇata udaṅ ubhāv iti samānaṃ; vāṅ me strotoktaraḥ, dakṣiṇāṅ ubhāv iti samānaṃ; retaś ca mā tvaṃ, ūrdhvam ubhāv iti samānaṃ; cakṣuś ca mā paśu-bandhyo yajño, amuto 'rvāṅ ubhau kāma-prau bhūvāntyā sahāviśatām iti. khalu ha vai dīkṣito ya ātmani vasūni dhatte, na caivāsya kā canārtir bhavati, na ca yajña-viṣkandham upayāty apakṛtiṃ, punar mṛtyum upāpnoti punar āgacchati, kāma-cāro 'sya sarveṣu lokeṣu bhāti, ya evaṃ veda yaś caivaṃ vidvān dīkṣām upaitīti brāhmaṇam.
'Das Agnihotra und der Vollmondopfer-Opferdienst mögen für mich vorn [im Osten] sein — beide 'Wunsch-Fülle-Gefäße' (kāma-pra) sollen mit dem Werdenden vereint zusammen eintreten.' — 'Das Weilen [beim Opfer] und der Neumondopfer-Opferdienst mögen für mich hinten [im Westen sein] — vorn, [beide vereint] ebenso.' — 'Der Geist und der Vorfahrenopfer-Opferdienst mögen für mich im Süden [sein] — nördlich, [beide vereint] ebenso.' — 'Meine Rede [sei] darüber hinausgehend, südlich, [beide vereint] ebenso.' — 'Mein Same [sei] aufwärts [gerichtet], [beide vereint] ebenso.' — 'Mein Auge und der Tieropfer-Opferdienst mögen von dort her nach vorn (herwärts) [gerichtet sein] — beide Wunsch-Fülle-Gefäße sollen mit dem Werdenden vereint zusammen eintreten.' Wer, geweiht, die Vasus in sich selbst bewahrt, dem widerfährt fürwahr kein Leid; er gerät nicht in die Beeinträchtigung oder Schädigung des Opfers; er erlangt nicht wiederum den Tod, kehrt nicht [zu ihm] wieder zurück; freies Wandeln (kāmacāra) erstrahlt ihm in allen Welten — wer dies so weiß und, solches wissend, die Weihe (dīkṣā) auf sich nimmt. So das Brāhmaṇa.
Wenn nun die Gattin eines Geweihten in ihrer Zeit (menstruierend) wäre, [dann,] nachdem sie sich gereinigt und rein gebadet hat, soll [ihm eine Speise] von der Milch einer Kuh mit gleichaltrigem Kalb gegeben werden — ein Milchbrei (tīpāka), den man, nachdem man [die vorbereitenden Riten] dargebracht, [die Formel] rezitiert, den Hiṃkāra-Laut gesprochen hat, mit den Riten des Empfängnis-Erkennens (garbhavedana) und des Knaben-Erzeugens (puṃsavana) zusammengeführt hat; diesen soll er dann selbst essen — oder [seiner Frau geben]. Die Speise ist der Stier, der Hiṃkāra-Laut [sein Ruf]; so nämlich kann die geweihte Gattin eines Geweihten einen Sohn erlangen — nach eben diesem Verfahren, ob so oder [in anderer Weise]. So das Brāhmaṇa. — Hiermit endet im Gopatha-Brāhmaṇa des Atharvaveda, im Pūrva-Bhāga, der dritte Prapāṭhaka.