Der zweite Adhyāya deutet die heiligen Ausrufe bhūr, bhuvaḥ, svaḥ (Vyāhṛtis) kosmologisch und erzählt von Prajāpatis Wettstreit mit dem Tod (Mṛtyu) um die Sechserweihe; mehrere, nicht miteinander harmonisierte Etymologien der Sängerschulen der Āyāsyas und Āṅgirasas durchziehen den Abschnitt.
devānāṃ vai ṣaḍ udgātāra āsan vāk ca manaś ca cakṣuś ca śrotraṃ cāpānaś ca prāṇaś ca. te 'dhriyanta tenodgātrā dīkṣāmahai yenāpahatya mṛtyum apahatya pāpmānaṃ svargaṃ lokam iyāmeti. te 'bruvan vācodgātrā dīkṣāmahā iti te vācodgātrādīkṣanta sa yad eva vācā vadati tad ātmana āgāyad atha ya itare kāmās tān devebhyaḥ. tām pāpmānvasṛjyata sa yad eva vācā pāpaṃ vadati sa eva sa pāpmā. te 'bruvan na vai no 'yam mṛtyuṃ na pāpmānam atyavākṣīt manasodgātrā dikṣāmahā iti. te manasodgātrādīkṣanta sa yad eva manasā dhyāyati tad ātmana āgāyad atha ya itare kāmās tān devebhyaḥ. tat pāpmānvasṛjyata sa yad eva manasā pāpaṃ dhyāyati sa eva sa pāpmā. te 'bruvan no nvāva no 'yam mṛtyuṃ na pāpmānam atyavākṣīt cakṣuṣodgātrā dīkṣāmahā iti. te cakṣuṣodgātrādīkṣanta sa yad eva cakṣuṣā paśyati tad ātmana āgāyad atha ya itare kāmās tān devebhyaḥ. tat pāpmānvasṛjyata sa yad eva cakṣuṣā pāpam paśyati [sa eva sa pāpmā]. te 'bruvan no nvāva no 'yam mṛtyuṃ na pāpmānam atyavākṣīt śrotreṇodgātrā dīkṣāmahā iti. te śrotreṇodgātrādīkṣanta sa yad eva śrotreṇa śṛṇoti tad ātmana āgāyad atha ya itare kāmās tān devebhyaḥ. tat pāpmānvasṛjyata sa yad eva śrotreṇa pāpaṃ śṛṇoti sa eva sa pāpmā. te 'bruvan no nvāva no 'yam mṛtyuṃ na pāpmānam atyavākṣīt apānenodgātrā dīkṣāmahā iti. te 'pānenodgātrādīkṣanta sa yad evāpānenāpāniti tad ātmana āgāyad atha ya itare kāmās tān devebhyaḥ. tam pāpmānvasṛjyata sa yad evāpānena pāpaṃ gandham apāniti sa eva sa pāpmā. te 'bruvan no nvāva no 'yam mṛtyuṃ na pāpmānam atyavākṣīt prāṇenodgātrā dīkṣāmahā iti. te prāṇenodgātrādīkṣanta sa yad eva prāṇena prāṇiti tad ātmana āgāyad atha ya itare kāmās tān devebhyaḥ. tam pāpmā nānvasṛjyata na hy etena prāṇena pāpaṃ vadati na pāpaṃ dhyāyati na pāpam paśyati na pāpaṃ śṛṇoti na pāpaṃ gandham apāniti. tenāpahatya mṛtyum apahatya pāpmānaṃ svargaṃ lokam āyan apahatya haiva mṛtyum apahatya pāpmānaṃ svargaṃ lokam eti ya evaṃ veda.
Die Götter hatten sechs Udgātṛs: die Rede, den Geist, das Auge, das Ohr, den Ausatem und den Atem. Sie beschlossen: „Lasst uns durch das als Udgātṛ geweiht werden, wodurch wir, den Tod abschlagend, das Übel abschlagend, zum Himmelsraum gelangen können.“ Sie sprachen: „Lasst uns durch die Rede als Udgātṛ geweiht werden.“ Sie wurden durch die Rede als Udgātṛ geweiht; was man eben mit der Rede spricht, das sang sie sich selbst zu, die übrigen Wünsche aber den Göttern. Das Übel wurde ihr eingelassen: was man eben mit der Rede Böses spricht, das eben ist jenes Übel. Sie sprachen: „Dies hat uns nicht über Tod und Übel hinausgeführt; lasst uns durch den Geist als Udgātṛ geweiht werden.“ Sie wurden durch den Geist als Udgātṛ geweiht; was man eben mit dem Geist erwägt, das sang er sich selbst zu, die übrigen Wünsche aber den Göttern. Das Übel wurde ihm eingelassen: was man eben mit dem Geist Böses erwägt, das eben ist jenes Übel. Sie sprachen: „Auch dies hat uns nicht über Tod und Übel hinausgeführt; lasst uns durch das Auge als Udgātṛ geweiht werden.“ [Ebenso mit dem Auge] … Sie sprachen: „Auch dies hat uns nicht über Tod und Übel hinausgeführt; lasst uns durch das Ohr als Udgātṛ geweiht werden.“ [Ebenso mit dem Ohr] … Sie sprachen: „Auch dies hat uns nicht über Tod und Übel hinausgeführt; lasst uns durch den Ausatem als Udgātṛ geweiht werden.“ Sie wurden durch den Ausatem als Udgātṛ geweiht; was man eben mit dem Ausatem riecht, das sang er sich selbst zu, die übrigen Wünsche aber den Göttern. Das Übel wurde ihm eingelassen: was man eben mit dem Ausatem Übles riecht, das eben ist jenes Übel. Sie sprachen: „Auch dies hat uns nicht über Tod und Übel hinausgeführt; lasst uns durch den Atem als Udgātṛ geweiht werden.“ Sie wurden durch den Atem als Udgātṛ geweiht; was man eben mit dem Atem atmet, das sang er sich selbst zu, die übrigen Wünsche aber den Göttern. Ihm wurde kein Übel eingelassen, denn durch diesen Atem spricht man nichts Böses, erwägt man nichts Böses, sieht man nichts Böses, hört man nichts Böses, riecht man nichts Übles. Dadurch, den Tod abschlagend, das Übel abschlagend, gelangten sie zum Himmelsraum; den Tod abschlagend, das Übel abschlagend, gelangt zum Himmelsraum, wer dies weiß.
sā yā sā vāg āsīt so 'gnir abhavat. atha yat tan mana āsīt sa candramā abhavat. atha yat tac cakṣur āsīt sa ādityo 'bhavat. atha yat tac chrotram āsīt tā imā diśo 'bhavan tā u eva viśve devāḥ. atha yas so 'pāna āsīt sa bṛhaspatir abhavat yad asyai vāco bṛhatyai patis tasmād bṛhaspatiḥ. atha yas sa prāṇa āsīt sa prajāpatir abhavat sa eṣa putrī prajāvān udgītho yaḥ prāṇaḥ tasya svara eva prajāḥ prajāvān bhavati ya evaṃ veda. taṃ haitam eke pratyakṣam eva gāyanti prāṇā3 prāṇā3 prāṇā3 hum bhā ovā iti. tad u hovāca śāṭyāyanis tata etam arhati pratyakṣaṃ gātum yad vāva vācā karoti tad etad evāsya kṛtam bhavatīti. atha vā ata ṛksāmnor eva prajātiḥ sa yad dhiṅkaroty abhy eva tena krandati atha yat prastauty aiva tena plavate atha yad ādim ādatte reta eva tena siñcati atha yad udgāyati reta eva tena siktaṃ sambhāvayati atha yat pratiharati reta eva tena sambhūtam pravardhayati atha yad upadravati reta eva tena pravṛddhaṃ vikaroti atha yan nidhanam upaiti reta eva tena vikṛtam prajanayati saiṣa rksāmnoḥ prajātiḥ. sa ya evam etām ṛksāmnoḥ prajātiṃ veda pra hainam ṛksāmanī janayataḥ.
Was jene Rede gewesen war, das wurde Agni. Und was jener Geist gewesen war, das wurde der Mond. Und was jenes Auge gewesen war, das wurde die Sonne. Und was jenes Ohr gewesen war, das wurden diese Himmelsrichtungen – und ebendas sind auch die Viśvedevas. Und was jener Ausatem gewesen war, das wurde Bṛhaspati, denn er ist der Gatte (pati) dieser weiten (bṛhatī) Rede, darum Bṛhaspati. Und was jener Atem gewesen war, das wurde Prajāpati; er ist der Sohnreiche, der Nachkommenreiche, der Udgītha, der der Atem ist – dessen Ton (svara) eben ist Nachkommenschaft; nachkommenreich wird, wer dies weiß. Diesen singen manche unmittelbar aussprechend: „prāṇā3 prāṇā3 prāṇā3 hum bhā ovā“. Dazu sprach Śāṭyāyani: darum verdient er es, unmittelbar so gesungen zu werden, denn was man mit der Rede tut, das wird einem eben dadurch zuteil. Von hier aus aber [betrachtet man] die Erzeugung von Ṛc und Sāman: wenn er den Hiṅkāra singt, schreit er dadurch gleichsam auf; wenn er den Prastāva singt, bewegt er sich dadurch gleichsam; wenn er den Ādi aufnimmt, ergießt er dadurch gleichsam den Samen; wenn er den Udgītha singt, bringt er dadurch den ergossenen Samen zum Werden; wenn er den Pratihāra singt, lässt er dadurch das Gewordene wachsen; wenn er den Upadrava singt, verwandelt er dadurch das Gewachsene; wenn er sich dem Nidhana nähert, bringt er dadurch das Verwandelte zur Geburt – dies ist die Erzeugung von Ṛc und Sāman. Wer diese Erzeugung von Ṛc und Sāman so kennt, dem erzeugen Ṛc und Sāman fürwahr Nachkommenschaft.
Kolophon: 2. Khaṇḍa im 1. Anuvāka. Ende des 1. Anuvāka.
eṣa evedam agra āsīd ya eṣa tapati sa eṣa sarveṣām bhūtānāṃ tejo hara indriyaṃ vīryam ādāyordhva udakrāmat. so 'kāmayataikam evākṣaraṃ svādu mṛdu devānāṃ vanāmeti. sa tapo 'tapyata sa tapas taptvaikam evākṣaram abhavat. taṃ devāś ca ṛṣayaś copasamaipsan athaiṣo 'surān bhūtahano 'sṛjataitasya pāpmano 'nanvāgamāya. taṃ vācopasamaipsan te vācaṃ samārohan teṣāṃ vācam paryādatta tasmāt paryādattā vāk satyaṃ ca hy enayā vadaty anṛtaṃ ca. tam manasopasamaipsan te manas samārohan teṣām manaḥ paryādatta tasmāt paryādattam manas puṇyaṃ ca hy enena dhyāyati pāpaṃ ca. taṃ cakṣuṣopasamaipsan te cakṣus samārohan tesāṃ cakṣuḥ paryādatta tasmāt paryāttaṃ cakṣuḥ darśanīyaṃ ca hy enena paśyaty adarśanīyaṃ ca. taṃ śrotreṇopasamaipsan te śrotraṃ samārohan teṣāṃ śrotram paryādatta tasmāt paryāttaṃ śrotram śravaṇīyaṃ cainena śṛṇoty aśravaṇīyaṃ ca. tam apānenopasamaipsan te 'pānaṃ samārohan teṣām apānam paryādatta tasmāt paryātto 'pānaḥ surabhi ca hy enena jighrati durgandhi ca. tam prāṇenopasamaipsan tam prāṇenopasamāpnuvan. athāsurā bhūtahana ādravan mohayiṣyāma iti manyamānāḥ. sa yathāśmānam ṛtvā loṣṭo vidhva[ṃ]setaivam evāsurā vyadhva[ṃ]santa sa eṣo 'śmākhaṇo yat prāṇaḥ. sa yathāśmānam ākhaṇam ṛtvā loṣṭo vidhva[ṃ]sata evam eva sa vidhva[ṃ]sate ya evaṃ vidvā[ṃ]sam upavadati.
Dieser hier, der [als Sonne] glüht, war schon im Anfang eben dieser. Er, nachdem er Glut, Lebenskraft, Sinneskraft und Stärke aller Wesen an sich genommen hatte, stieg empor. Er begehrte: „Möge ich mit einer einzigen süßen, sanften Silbe die Götter für mich gewinnen.“ Er übte Askese; durch die Askese wurde er zu dieser einen einzigen Silbe. Die Götter und die Seher suchten ihn zu erreichen. Da schuf er die wesenvernichtenden Asuras, damit sein Übel ihm nicht nachfolge. Sie suchten ihn mittels der Rede zu erreichen; sie stiegen in die Rede auf; er entzog ihnen die Rede; darum ist die Rede fortan unvollständig, denn mit ihr spricht man ja sowohl Wahres als auch Unwahres. Sie suchten ihn mittels des Geistes zu erreichen; sie stiegen in den Geist auf; er entzog ihnen den Geist; darum ist der Geist fortan unvollständig, denn mit ihm erwägt man ja sowohl Verdienstliches als auch Böses. Sie suchten ihn mittels des Auges zu erreichen; sie stiegen ins Auge auf; er entzog ihnen das Auge; darum ist das Auge fortan unvollständig, denn mit ihm sieht man ja sowohl Sehenswertes als auch nicht Sehenswertes. Sie suchten ihn mittels des Ohres zu erreichen; sie stiegen ins Ohr auf; er entzog ihnen das Ohr; darum ist das Ohr fortan unvollständig, denn mit ihm hört man ja sowohl Hörenswertes als auch nicht Hörenswertes. Sie suchten ihn mittels des Ausatems zu erreichen; sie stiegen in den Ausatem auf; er entzog ihnen den Ausatem; darum ist der Ausatem fortan unvollständig, denn mit ihm riecht man ja sowohl Wohlriechendes als auch Übelriechendes. Sie suchten ihn mittels des Atems zu erreichen; mittels des Atems erreichten sie ihn [tatsächlich]. Da stürzten die wesenvernichtenden Asuras heran, in der Meinung: „Wir werden ihn verwirren.“ Doch wie ein Erdklumpen, der gegen einen Fels schlägt, zerbirst, so zerbarsten die Asuras selbst; dieser Atem nämlich ist jener unzerbrechliche Steinkern. Wie ein Erdklumpen, der gegen diesen Steinkern schlägt, zerbirst, ebenso zerbirst, wer einen solchen Wissenden schmäht.
sa eṣa vaśī dīptāgra udgītho yat prāṇaḥ eṣa hīdaṃ sarvaṃ vaśe kurute. vaśī bhavati vaśe svān kurute ya evaṃ veda asya hy asāv agre dīpyate3 amuṣya vā saḥ. taṃ haitam udgīthaṃ śāṭyāyanir ācaṣṭe vaśī dīptāgra iti dīptāgrā ha vā asya kīrtir bhavati ya evaṃ veda. ābhūtir iti kārīrādayaḥ prāṇaṃ vā anu prajāḥ paśava ābhavanti sa ya evam etam ābhūtir ity upāsta aiva prāṇena prajayā paśubhir bhavati. sambhūtir iti sātyayajñayaḥ prāṇaṃ vā anu prajāḥ paśavas sambhavanti sa ya evam etaṃ sambhūtir ity upāste sam e[va] prāṇena prajayā paśubhir bhavati. prabhūtir iti śailanāḥ prāṇaṃ vā anu prajāḥ paśavaḥ prabhavanti sa ya evam etam prabhūtir ity upāste praiva prāṇena prajayā paśubhir bhavati. bhūtir iti bhāllabinaḥ prāṇaṃ vā anu prajāḥ paśavo bhavanti sa ya evam etam bhūtir ity upāste bhavaty eva prāṇena prajayā paśubhiḥ. aparodho 'naparuddha iti pārṣṇaś śailanaḥ eṣa hy anyam aparuṇaddhi naitam anyaḥ eṣa ha vāsya dviṣantam bhrātṛvyam aparuṇaddhi ya evaṃ veda.
Dieser, der Udgītha, der der Atem ist, ist der Beherrscher, dessen Spitze aufleuchtet – denn er bringt all dies unter seine Herrschaft. Zum Beherrscher wird, bringt die Seinen unter seine Herrschaft, wer dies weiß; denn für ihn glüht jener [Sonne] dort an ihrer Spitze, ihm gehört sie gleichsam. Diesen Udgītha beschreibt Śāṭyāyani als „den Beherrscher, dessen Spitze aufleuchtet“; mit aufleuchtender Spitze wird fürwahr der Ruhm dessen, der dies weiß. „Ābhūti“ (das Herankommen) [nennen ihn] die Kārīras und andere: dem Atem folgend kommen ja Nachkommenschaft und Vieh heran; wer, dies wissend, ihn als „Ābhūti“ verehrt, dem kommen fürwahr durch den Atem Nachkommenschaft und Vieh heran. „Sambhūti“ (das volle Werden) [nennen ihn] die Sātyayajñas: dem Atem folgend werden ja Nachkommenschaft und Vieh voll; wer, dies wissend, ihn als „Sambhūti“ verehrt, dem werden fürwahr durch den Atem Nachkommenschaft und Vieh voll. „Prabhūti“ (das Hervorkommen) [nennen ihn] die Śailanas: dem Atem folgend kommen ja Nachkommenschaft und Vieh hervor; wer, dies wissend, ihn als „Prabhūti“ verehrt, dem kommen fürwahr durch den Atem Nachkommenschaft und Vieh hervor. „Bhūti“ (das Werden) [nennen ihn] die Bhāllabins: dem Atem folgend werden ja Nachkommenschaft und Vieh; wer, dies wissend, ihn als „Bhūti“ verehrt, dem werden fürwahr durch den Atem Nachkommenschaft und Vieh. „Die unaufgehaltene Hemmung“ [nannte ihn] Pārṣṇa Śailana: dieser [Atem] hemmt ja einen anderen, doch kein anderer hemmt ihn; er hemmt fürwahr den hassenden Widersacher dessen, der dies weiß.
ekavīra ity āruṇeyaḥ eko hy evaiṣa vīro yat prāṇaḥ ā hāsyaiko vīro vīryavāñ jāyate ya evaṃ veda. ekaputra iti caikitāneyaḥ eko hy evaiṣa putro yat prāṇaḥ. sa u eva dviputra iti dvau hi prāṇāpānau. sa u eva triputra iti trayo hi prāṇo 'pāno vyānaḥ. sa u eva catuṣputra iti catvāro hi prāṇo 'pāno vyānas samānaḥ. sa u eva pañcaputra iti pañca hi prāṇo 'pāno vyānas samāno 'vānaḥ. sa u eva ṣaṭputra iti ṣaḍ ḍhi prāṇo 'pāno vyānas samāno 'vāna udānaḥ. sa u eva saptaputra iti sapta hīme śīrṣaṇyāḥ prāṇāḥ. sa u eva navaputra iti sapta hi śīrṣaṇyāḥ prāṇā dvāv avāñcau. sa u eva daśaputra iti sapta śīrṣaṇyāḥ prāṇā dvāv avāñcau nābhyāṃ daśamaḥ. sa u eva bahuputra iti etasya hīyaṃ sarvāḥ prajāḥ. etaṃ ha sma vai tad udgīthaṃ vidvā[ṃ]saḥ pūrve brāhmaṇāḥ kāmāgāyina āhuḥ kati te putrān āgāsyāma iti.
„Ekavīra“ (der Einen-Helden-Habende) [nannte ihn] Āruṇeya: denn dieser Atem ist fürwahr der eine, einzige Held; ihm wird fürwahr ein einziger, kraftvoller Held geboren, wer dies weiß. „Ekaputra“ (der Einen-Sohn-Habende) [nannte ihn] Caikitāneya: denn dieser Atem ist fürwahr der eine, einzige Sohn. Er ist auch „der Zwei-Söhne-Habende“, denn zweifach sind Atem und Ausatem. Er ist auch „der Drei-Söhne-Habende“, denn dreifach sind Atem, Ausatem und Zwischenatem. Er ist auch „der Vier-Söhne-Habende“, denn vierfach sind Atem, Ausatem, Zwischenatem und der ausgleichende Atem (samāna). Er ist auch „der Fünf-Söhne-Habende“, denn fünffach sind diese samt dem Avāna. Er ist auch „der Sechs-Söhne-Habende“, denn sechsfach sind diese samt dem Aufwärtsatem (udāna). Er ist auch „der Sieben-Söhne-Habende“, denn sieben sind diese im Kopf befindlichen Atemkräfte [die sieben Kopföffnungen]. Er ist auch „der Neun-Söhne-Habende“, denn zu den sieben Kopf-Atemkräften kommen zwei nach unten gerichtete hinzu. Er ist auch „der Zehn-Söhne-Habende“, denn zu den sieben Kopf-Atemkräften und den zwei unteren kommt der Nabel als zehnter hinzu. Er ist auch „der Viele-Söhne-Habende“, denn ihm gehören ja all diese Geschöpfe. Diesen Udgītha kennend, pflegten die alten Brahmanen, nach Belieben singend, zu sagen: „Wie viele Söhne sollen wir uns ersingen?“
sa yadi brūyād ekam ma āgāyeti prāṇa udgītha iti vidvān ekam manasā dhyāyet eko hi prāṇaḥ eko hāsyājāyate. sa yadi brūyād dvau ma āgāyeti prāṇa udgītha ity eva vidvān dvau manasā dhyāyet dvau hi prāṇāpānau dvau haivāsyājāyete. sa yadi brūyāt trīn ma āgāyeti prāṇa udgītha ity eva vidvā[ṃ]s trīn manasā dhyāyet trayo hi prāṇo 'pāno vyānaḥ trayo haivāsyājāyante. sa yadi brūyāc caturo ma āgāyeti prāṇa udgītha ity eva vidvā[ṃ]ś caturo manasā dhyāyet catvāro hi prāṇo 'pāno vyānas samānaḥ catvāro haivāsyājāyante. sa yadi brūyāt pañca ma āgāyeti prāṇa udgītha ity eva vidvān pañca manasā dhyāyet pañca hi prāṇo 'pāno vyānas samāno 'vānaḥ pañca haivāsyājāyante. sa yadi brūyāt ṣaṇ ma āgāyeti prāṇa udgītha ity eva vidvān ṣaṇ manasā dhyāyet ṣaḍ ḍhi prāṇo 'pāno vyānas samāno 'vāna udānaḥ ṣaḍ ḍhaivāsyājāyante. sa yadi brūyāt sapta ma āgāyeti prāṇa udgītha ity eva vidvān sapta manasā dhyāyet sapta hīme śīrṣaṇyāḥ prāṇāḥ sapta haivāsyājāyante. sa yadi brūyān nava ma āgāyeti prāṇa udgītha ity eva vidvān nava manasā dhyāyet sapta śīrṣaṇyāḥ prāṇā dvāv avāñcau nava haivāsyājāyante. sa yadi brūyād daśa ma āgāyeti prāṇa udgītha ity eva vidvān daśa manasā dhyāyet sapta śīrṣaṇyāḥ prāṇā dvāv avāñcau nābhyāṃ daśamaḥ daśa haivāsyājāyante. sa yadi brūyāt sahasram ma āgāyeti prāṇa udgītha ity eva vidvān sahasram manasā dhyāyet sahasraṃ haita ādityaraśmayaḥ te 'sya putrāḥ sahasraṃ haivāsyājāyante. evaṃ haivaitam udgītham para āṭṇāraḥ kakṣīvā[ṃ]s trasadasyur iti pūrve mahārājāś śrotriyās sahasraputram upaniṣeduḥ te ha sarva eva sahasraputrā āsuḥ. sa ya evaivaṃ veda sahasraṃ haivāsya putrā bhavanti.
Wenn einer sagen sollte: „Singe mir einen“ – so soll der Wissende, [wissend] „der Atem ist der Udgītha“, im Geiste einen erwägen, denn eins ist der Atem, und ihm wird fürwahr nur einer geboren. Wenn einer sagen sollte: „Singe mir zwei“ – so soll der Wissende zwei im Geiste erwägen, denn zweifach sind Atem und Ausatem; ihm werden fürwahr zwei geboren. Wenn einer sagen sollte: „Singe mir drei“ – so soll der Wissende drei erwägen, denn dreifach sind Atem, Ausatem und Zwischenatem; ihm werden fürwahr drei geboren. [Ebenso, wenn vier, fünf, sechs, sieben, neun oder zehn verlangt werden, entsprechend der zuvor genannten Zählung der Atemkräfte, werden ihm ebenso viele geboren.] Wenn einer sagen sollte: „Singe mir tausend“ – so soll der Wissende tausend im Geiste erwägen, denn tausend sind diese Strahlen der Sonne; sie sind seine Söhne; ihm werden fürwahr tausend geboren. So verehrten einst die großen Könige und Schriftgelehrten – Parāṭṇāra, Kakṣīvant, Trasadasyu – diesen Udgītha, tausend Söhne begehrend; sie alle hatten fürwahr tausend Söhne. Wer dies so weiß, dem werden fürwahr tausend Söhne.
Kolophon: 4. Khaṇḍa im 2. Anuvāka. Ende des 2. Anuvāka.
śaryāto vai mānavaḥ prācyāṃ sthalyām ayajata tasmin ha bhūtāny udgīthe 'pitvam eṣire. taṃ devā bṛhaspatinodgātrā dīkṣāmahā iti purastād āgacchann ayaṃ ta udgāyatv iti bambenājadviṣeṇa pitaro dakṣiṇato 'yaṃ ta udgāyatv ity uśanasā kāvyenāsurāḥ paścād ayaṃ ta udgāyatv ity ayāsyenāṅgirasena manuṣyā uttarato 'yaṃ ta udgāyatv iti. sa hekṣāṃ cakre hantainān pṛcchāni kiyato vā eka īśe kiyata ekaḥ kiyata eka iti. sa hovāca bṛhaspatiṃ yan me tvam udgāyeḥ kiṃ tatas syād iti. sa hovāca deveṣv eva śrīs syād deveṣv īśā svargam u tvāṃ lokaṃ gamayeyam iti. atha hovāca bambam ājadviṣam yan me tvam udgāyeḥ kiṃ tatas syād iti. sa hovāca pitṛṣv eva śrīs syāt pitṛṣv īśā svargam u tvāṃ lokaṃ gamayeyam iti. atha hovācośanasaṃ kāvyaṃ yan me tvam udgāyeḥ kiṃ tatas syād iti. sa hovācāsureṣv eva śrīs syād asureṣv īśā svargam u tvāṃ lokaṃ gamayeyam iti. atha hovācāyāsyam āṅgirasaṃ yan me tvam udgāyeḥ kiṃ tatas syād iti. sa hovāca devān eva devaloke dadhyām manuṣyān manuṣyaloke pitṝn pitṛloke nudeyāsmāl lokād asurān svargam u tvāṃ lokaṃ gamayeyam iti.
Śaryāta Mānava opferte auf der östlichen Ebene; dort begehrten die Wesen Anteil am Udgītha. Die Götter, [im Vorsatz] sich durch Bṛhaspati als Udgātṛ weihen zu lassen, kamen von vorn [Osten]: „Dieser soll dir den Udgītha singen“; die Väter kamen durch Bamba Ājadviṣa von rechts [Süden]: „Dieser soll dir den Udgītha singen“; die Asuras kamen durch Uśanas Kāvya von hinten [Westen]: „Dieser soll dir den Udgītha singen“; die Menschen kamen durch Ayāsya Āṅgirasa von oben [Norden]: „Dieser soll dir den Udgītha singen.“ Er überlegte: „Wohlan, ich will sie befragen: Wie viel vermag jeder Einzelne? Wie viel vermag jeder? Wie viel vermag jeder?“ Er sprach zu Bṛhaspati: „Wenn du mir den Udgītha sängest, was würde daraus folgen?“ Er sprach: „Es gäbe Glanz unter den Göttern; du hättest Herrschaft unter den Göttern; und ich würde dich zum Himmelsraum führen.“ Dann sprach er zu Bamba Ājadviṣa: „Wenn du mir den Udgītha sängest, was würde daraus folgen?“ Er sprach: „Es gäbe Glanz unter den Vätern; du hättest Herrschaft unter den Vätern; und ich würde dich zum Himmelsraum führen.“ Dann sprach er zu Uśanas Kāvya: „Wenn du mir den Udgītha sängest, was würde daraus folgen?“ Er sprach: „Es gäbe Glanz unter den Asuras; du hättest Herrschaft unter den Asuras; und ich würde dich zum Himmelsraum führen.“ Dann sprach er zu Ayāsya Āṅgirasa: „Wenn du mir den Udgītha sängest, was würde daraus folgen?“ Er sprach: „Ich würde die Götter in die Götterwelt setzen, die Menschen in die Menschenwelt, die Väter in die Väterwelt; ich würde die Asuras aus dieser Welt vertreiben; und ich würde dich zum Himmelsraum führen.“
sa hovāca tvam me bhagava udgāya ya etasya sarvasya yaśo ['sī]ti. tasya hāyāsya evojjagau tasmād udgātā vṛta uttarato niveśanaṃ lipseta etad dha nāruddhaṃ niveśanaṃ yad uttarataḥ. uttarata āgato 'yāsya āṅgirasaś śaryātasya mānavasyojjagau sa prāṇena devān devaloke 'dadhād apānena manuṣyān manuṣyaloke vyānena pitṝn pitṛloke hiṅkāreṇa vajreṇāsmāl lokād asurān anudata. tān hovāca dūraṃ gacchateti sa dūro ha nāma lokaḥ taṃ ha jagmuḥ ta ete 'surā asambhāvyam parābhūtāḥ. chandobhir eva vācā śaryātam mānavaṃ svargaṃ lokaṃ gamayāṃ cakāra. te hocur asurā eta taṃ vedāma yo no 'yam ittham adhatteti tata āgacchan tam etyāpaśyan. te 'bruvann ayaṃ vā āsya iti yad abruvann ayaṃ vā āsya iti tasmād ayamāsyaḥ ayamāsyo ha vai nāmaiṣaḥ tam ayāsya iti parokṣam ācakṣate. sa prāṇo vā ayāsyaḥ prāṇo ha vā enān sa nunude. sa ya evaṃ vidvān udgāyati prāṇenaiva devān devaloke dadhāty apānena manuṣyān manuṣyaloke vyānena pitṝn pitṛloke hiṅkāreṇaiva vajreṇāsmāl lokād dviṣantam bhrātṛvyaṃ nudate.
Er sprach: „So singe du mir, Erhabener, den Udgītha, der du der Ruhm dieses ganzen [Alls] bist.“ Da sang allein Ayāsya ihm den Udgītha. Darum soll ein gewählter Udgātṛ einen Sitzplatz im Norden suchen, denn dieser nördliche Platz ist [rituell] unversperrt. Von Norden herangetreten, sang Ayāsya Āṅgirasa dem Śaryāta Mānava den Udgītha: durch den Atem setzte er die Götter in die Götterwelt, durch den Ausatem die Menschen in die Menschenwelt, durch den Zwischenatem die Väter in die Väterwelt; durch den Hiṅkāra, wie mit einem Blitzkeil, vertrieb er die Asuras aus dieser Welt. Er sprach zu ihnen: „Geht weit fort!“ – so gibt es eine Welt namens „Ferne“; dorthin gingen sie, diese Asuras, für unglaubwürdig erklärt, besiegt. Allein durch die Rede, mittels der Versmaße, führte er Śaryāta Mānava zum Himmelsraum. Da sprachen die Asuras: „Wohlan, lasst uns herausfinden, wer uns dies angetan hat.“ Sie kamen heran und erblickten ihn. Sie sprachen: „Dieser ist es, ‚dieser im Munde‘ (ayam āsyaḥ)!“ Weil sie sprachen „dieser ist ‚ayam āsyaḥ‘“, darum [heißt er] „Ayamāsya“; „Ayamāsya“ ist fürwahr sein [eigentlicher] Name; „Ayāsya“ nennt man ihn auf verhüllende Weise. Dieser Atem nämlich ist Ayāsya; der Atem fürwahr hat sie vertrieben. Wer, dies wissend, den Udgītha singt, setzt durch den Atem die Götter in die Götterwelt, durch den Ausatem die Menschen in die Menschenwelt, durch den Zwischenatem die Väter in die Väterwelt; durch den Hiṅkāra, wie mit einem Blitzkeil, vertreibt er seinen hassenden Widersacher aus dieser Welt.
[Anm.: Die Doppeldeutung Ayāsya/„Ayam āsyaḥ“ („dieser im Mund/dieser hier“) ist ein Wortspiel, das im Deutschen nicht ebenso mitschwingt; „Āsya“ bezieht sich zugleich auf den Mund (āsya) als Sitz des Atems.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 3. Anuvāka.
taṃ ha brūyād dūraṃ gaccheti sa yam eva lokam asurā agaccha[ṃ]s taṃ haiva gacchati. chandobhir eva vācā yajamānaṃ svargaṃ lokaṃ gamayati. tā etā vyāhṛtayaḥ prety eti vāg [iti] bhūr bhuvas svar ity [ud iti]. tad yat preti tat prāṇas tad ayaṃ lokas tad imaṃ lokam asmi[ṃ]l loka ābhajati. ety apānas tad asau lokas tad amuṃ lokam amuṣmi[ṃ]l loka ābhajati. vāg iti tad brahma tad idam antarikṣam. bhūr bhuvas svar iti sā trayī vidyā. ud iti so 'sāv ādityaḥ tad yad ud ity ud iva śleṣayati. tad yad ekam evābhisampadyate tasmād ekavīraḥ eko ha tu san vīro vīryavān bhavati ā hāsyaiko vīro vīryavān jāyate ya evaṃ veda. tad u hovāca śāṭyāyanir bahuputra eṣa udgītha ity evopāsitavyam bahavo hy eta ādityasya raśmayas te 'sya putrāḥ tasmād bahuputra eṣa udgītha ity evopāsitavyam iti.
Zu ihm soll man sprechen: „Geh weit fort!“ – er geht eben in jene Welt, in die auch die Asuras gegangen sind. Allein durch die Versmaße, mittels der Rede, führt er den Opferherrn zum Himmelsraum. Dies sind die Vyāhṛtis: „preti“ (er geht fort), „eti“ (er kommt), „vāk“ (die Rede), „bhūr bhuvaḥ svaḥ“ und „ud“. Was „preti“ ist, das ist der Atem; das ist diese Welt hier; dadurch nimmt er teil an dieser Welt, an dieser Welt. „Eti“ ist der Ausatem; das ist jene Welt dort; dadurch nimmt er teil an jener Welt, an jener Welt. „Vāk“ – das ist das Brahman; das ist dieser Luftraum. „Bhūr bhuvaḥ svaḥ“ – das ist die dreifache Wissenschaft [die drei Veden]. „Ud“ – das ist jene Sonne dort; denn indem er „ud“ [aufwärts] spricht, lässt er sie gleichsam aufsteigen. Weil dies alles eben zu einem Einzigen zusammenkommt, darum ist dieser Udgītha „Ekavīra“, der Einen-Helden-Habende: obwohl nur einer, wird er doch zum Helden, zum Kraftvollen; ja, ein einziger, kraftvoller Held wird dem geboren, der dies weiß. Dazu aber sprach Śāṭyāyani: „Als ‚Bahuputra‘, der Viele-Söhne-Habende, ist dieser Udgītha zu verehren; denn zahlreich sind diese Strahlen der Sonne, und sie sind seine Söhne; darum ist dieser Udgītha als ‚Bahuputra‘ zu verehren.“
[Anm.: Der Abschnitt reiht in stark verdichteter, formelhafter Sprache mehrere „Vyāhṛti“ genannte Ausrufe (preti, eti, vāk, die Dreiheit bhūr-bhuvaḥ-svaḥ, ud) aneinander und deutet jeden einzeln kosmologisch; die genaue Satzgliederung des Sanskrit ist an dieser Stelle nicht in jedem Detail eindeutig, doch die Grundaussage – jeder Ausruf entspricht einer Welt bzw. einem kosmischen Prinzip – ist gesichert. Die hier gegebene Begründung des Namens „Ekavīra“ (aus dem Einswerden der Ausrufe in der Sonne) ergänzt, ohne sie zu widerlegen, die andere Herleitung in 2.5 (aus der Einzahl des Atems) – solche mehrfachen, nicht harmonisierten Wortdeutungen sind für den Stil des Brāhmaṇa typisch.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 3. Anuvāka. Ende des 3. Anuvāka.
devāsurās samayatantety āhuḥ na ha vai tad devāsurās samyetire prajāpatiś ca ha vai tan mṛtyuś ca samyetāte. tasya ha prajāpater devāḥ priyāḥ putrā anta āsuḥ te 'dhriyanta tenodgātrā dīkṣāmahai yenāpahatya mṛtyum apahatya pāpmānaṃ svargaṃ lokam iyāmeti. te 'bruvan vācodgātrā dīkṣāmahā iti. te vācodgātrādīkṣanta tebhya idaṃ vāg āgāyad yad idaṃ vācā vadati yad idaṃ vācā bhuñjate. tām pāpmānvasṛjyata sa yad eva vācā pāpaṃ vadati sa eva sa pāpmā. te 'bruvan na vai no 'yam mṛtyuṃ na pāpmānam atyavākṣīt manasodgātrā dīkṣāmahā iti. te manasodgātrādīkṣanta tebhya idam mana āgāyad yad idam manasā dhyāyati yad idam manasā bhuñjate. tat pāpmānvasṛjyata sa yad eva manasā pāpaṃ dhyāyati sa eva sa pāpmā. te 'bruvan no nvāva no 'yam mṛtyuṃ na pāpmānam atyavākṣīt cakṣuṣodgātrā dīkṣāmahā iti. te cakṣuṣodgātrādīkṣanta tebhya idaṃ cakṣur āgāyad yad idaṃ cakṣuṣā paśyati yad idaṃ cakṣuṣā bhuñjate. tat pāpmānvasṛjyata sa yad eva cakṣuṣā pāpam paśyati sa eva sa pāpmā. te 'bruvan no nvāva no 'yam mṛtyuṃ na pāpmānam atyavākṣīt śrotreṇodgātrā dīkṣāmahā iti. te śrotreṇodgātrādīkṣanta tebhya idaṃ śrotram āgāyad yad idaṃ śrotreṇa śṛṇoti yad idaṃ śrotreṇa bhuñjate. tat pāpmānvasṛjyata sa yad eva śrotreṇa pāpaṃ śṛṇoti sa eva sa pāpmā. te 'bruvan no nvāva no 'yam mṛtyuṃ na pāpmānam atyavākṣīt prāṇenodgātrā dīkṣāmahā iti. te prāṇenodgātrādīkṣanta tebhya idam prāṇa āgāyad yad idam prāṇena prāṇiti yad idam prāṇena bhuñjate. tam pāpmānvasṛjyata sa yad eva prāṇena [pāpam] prāṇiti sa eva sa pāpmā. te 'bruvan no nvāva no 'yam mṛtyuṃ na pāpmānam atyavākṣīt anena mukhyena prāṇenodgātrā dīkṣāmahā iti. te 'nena mukhyena prāṇenodgātrādīkṣanta. so 'bravīn mṛtyur eṣa eṣāṃ sa udgātā yena mṛtyum atyeṣyantīti. na hy etena prāṇena pāpaṃ vadati na pāpaṃ dhyāyati na pāpam paśyati na pāpaṃ śṛṇoti na pāpaṃ gandham apāniti. tenāpahatya mṛtyum apahatya pāpmānaṃ svargaṃ lokam āyan apahatya haiva mṛtyum apahatya pāpmānaṃ svargaṃ lokam eti ya evaṃ veda.
Man sagt: „Die Götter und die Asuras kämpften miteinander.“ Doch in Wahrheit kämpften da nicht die Götter und die Asuras; vielmehr kämpften da Prajāpati und der Tod miteinander. Dem Prajāpati waren die Götter liebe Söhne; sie wurden von ihm [dem Tod] bedrängt. Sie sprachen: „Lasst uns durch die Rede als Udgātṛ geweiht werden, wodurch wir, den Tod abschlagend, das Übel abschlagend, zum Himmelsraum gelangen können.“ Sie wurden durch die Rede als Udgātṛ geweiht; was man eben mit der Rede spricht, was man eben mit der Rede genießt, das sang sie ihnen zu. Das Übel wurde ihnen eingelassen: was man eben mit der Rede Böses spricht, das eben ist jenes Übel. Sie sprachen: „Dies hat uns den Tod nicht abgeschlagen, das Übel nicht abgeschlagen; lasst uns durch den Geist als Udgātṛ geweiht werden.“ Sie wurden durch den Geist als Udgātṛ geweiht; was man eben mit dem Geist erwägt, was man eben mit dem Geist genießt, das sang er ihnen zu. Das Übel wurde ihnen eingelassen: was man eben mit dem Geist Böses erwägt, das eben ist jenes Übel. Sie sprachen: „Auch dies hat uns den Tod nicht abgeschlagen, das Übel nicht abgeschlagen; lasst uns durch das Auge als Udgātṛ geweiht werden.“ Sie wurden durch das Auge als Udgātṛ geweiht; was man eben mit dem Auge sieht, was man eben mit dem Auge genießt, das sang er ihnen zu. Das Übel wurde ihnen eingelassen: was man eben mit dem Auge Böses sieht, das eben ist jenes Übel. Sie sprachen: „Auch dies hat uns den Tod nicht abgeschlagen, das Übel nicht abgeschlagen; lasst uns durch das Ohr als Udgātṛ geweiht werden.“ Sie wurden durch das Ohr als Udgātṛ geweiht; was man eben mit dem Ohr hört, was man eben mit dem Ohr genießt, das sang er ihnen zu. Das Übel wurde ihnen eingelassen: was man eben mit dem Ohr Böses hört, das eben ist jenes Übel. Sie sprachen: „Auch dies hat uns den Tod nicht abgeschlagen, das Übel nicht abgeschlagen; lasst uns durch den Atem als Udgātṛ geweiht werden.“ Sie wurden durch den Atem als Udgātṛ geweiht; was man eben mit dem Atem atmet, was man eben mit dem Atem genießt, das sang er ihnen zu. Das Übel wurde ihnen eingelassen: was man eben mit dem Atem Böses atmet, das eben ist jenes Übel. Sie sprachen: „Auch dies hat uns den Tod nicht abgeschlagen, das Übel nicht abgeschlagen; lasst uns durch diesen Hauptatem als Udgātṛ geweiht werden.“ Sie wurden durch diesen Hauptatem als Udgātṛ geweiht. Da sprach der Tod: „Dieser ist ihr Udgātṛ, durch den sie über mich hinausgelangen werden.“ Denn mit diesem Atem spricht man nichts Böses, erwägt man nichts Böses, sieht man nichts Böses, hört man nichts Böses, riecht man nichts Übles. Dadurch, den Tod abschlagend, das Übel abschlagend, gelangten sie zum Himmelsraum; den Tod abschlagend, das Übel abschlagend, gelangt zum Himmelsraum, wer dies weiß.
[Anm.: Dieser Abschnitt erzählt den bereits aus 2.1 bekannten Mythos der sechsfachen Udgātṛ-Weihe neu, hier ausdrücklich als Kampf zwischen Prajāpati und dem personifizierten Tod gerahmt; der Tod selbst tritt am Ende als sprechende Figur auf, die ihre eigene Überwindung anerkennt.] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 4. Anuvāka.
sa yathā hatvā pramṛdyātīyād evam evaitam mṛtyum atyāyan. sa vācam prathamām atyavahat tām pareṇa mṛtyuṃ nyadadhāt so 'gnir abhavat. atha mano 'tyavahat tat pareṇa mṛtyuṃ nyadadhāt sa candramā abhavat. atha cakṣur atyavahat tat pareṇa mṛtyuṃ nyadadhāt sa ādityo 'bhavat. atha śrotram atyavahat tat pareṇa mṛtyuṃ nyadadhāt tā imā diśo 'bhavan tā u eva viśve devāḥ. atha prāṇam atyavahat tam pareṇa mṛtyuṃ nyadadhāt sa vāyur abhavat. athātmane kevalam evānnādyam āgāyata. sa eṣa evāyāsyaḥ āsye dhīyate tasmād ayāsyaḥ yad v evā[yam] āsye ramate tasmād v evāyāsyaḥ. sa eṣa evāṅgirasaḥ ato hīmāny aṅgāni rasaṃ labhante tasmād āṅgirasaḥ yad v evaiṣām aṅgānāṃ rasas tasmād v evāṅgirasaḥ. taṃ devā abruvan kevalaṃ vā ātmane 'nnādyam āgāsīḥ anu na etasminn annādya ābhaja etad asyānāmayatvam astīti. taṃ vai praviśateti sa vā ākāśān kuruṣveti sa imān prāṇān ākāśān akuruta. taṃ vāg eva bhūtvāgniḥ prāviśan mano bhūtvā candramāś cakṣur bhūtvādityaś śrotram bhūtvā diśaḥ prāṇo bhūtvā vāyuḥ. eṣā vai daivī pariṣad daivī sabhā daivī saṃsat. gacchati ha vā etāṃ daivīm pariṣadaṃ daivīṃ sabhāṃ daivīṃ saṃsadaṃ ya evaṃ veda.
Wie einer, der einen Feind erschlagen und zermalmt hat, weitergeht, so gingen sie über diesen Tod hinaus. Er führte zuerst die Rede hinüber; er setzte sie jenseits des Todes ab; sie wurde zu Agni. Dann führte er den Geist hinüber; er setzte ihn jenseits des Todes ab; er wurde zum Mond. Dann führte er das Auge hinüber; er setzte es jenseits des Todes ab; es wurde zur Sonne. Dann führte er das Ohr hinüber; er setzte es jenseits des Todes ab; es wurde zu diesen Himmelsrichtungen – und ebendas sind auch die Viśvedevas. Dann führte er den Atem hinüber; er setzte ihn jenseits des Todes ab; er wurde zum Wind. Dann aber sang er für sich selbst allein die Nahrung. Er ist eben dieser Āyāsya: er wird in den Mund gelegt, darum heißt er Āyāsya; oder auch: weil er sich eben im Mund vergnügt, darum eben Āyāsya. Er ist eben dieser Āṅgirasa: denn von ihm her empfangen diese Glieder ihren Saft, darum heißt er Āṅgirasa; oder auch: weil er der Saft dieser Glieder ist, darum eben Āṅgirasa. Zu ihm sprachen die Götter: „Du hast dir die Nahrung für dich allein ersungen; gib uns doch Anteil an dieser Nahrung – darin liegt ja ihre Freiheit von Krankheit.“ „So tretet denn in mich ein.“ – „So schaffe uns Öffnungen!“ Da machte er diese Atemkräfte zu Öffnungen. Da traten sie in ihn ein: Agni, indem er zur Rede wurde; der Mond, indem er zum Geist wurde; die Sonne, indem sie zum Auge wurde; die Himmelsrichtungen, indem sie zum Ohr wurden; Vāyu, indem er zum Atem wurde. Dies eben ist die göttliche Versammlung, die göttliche Ratsversammlung, die göttliche Zusammenkunft. Zu dieser göttlichen Versammlung, dieser göttlichen Ratsversammlung, dieser göttlichen Zusammenkunft gelangt fürwahr, wer dies weiß.
[Anm.: Die wörtliche Rede in diesem knappen Dialog („so tretet ein“ – „so schaffe Öffnungen“) ist im Sanskrit nicht durch eigene Redeeinleitungen für jeden Sprecher markiert; der Sinn – die zuvor ausgesandten kosmischen Mächte kehren zurück, indem sie die ihnen entsprechenden Sinne und Atemkräfte des Hauptatems besetzen – ist jedoch klar. Zur Doppeletymologie Āyāsya/Āṅgirasa vgl. bereits die Anmerkung zu 2.8; hier werden zwei weitere, davon unabhängige Deutungen ergänzt.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 4. Anuvāka.
yatro ha vai kva caitā devatā nispṛśanti na haiva tatra kaś cana pāpmā nyaṅgaḥ pariśiṣyate. sa vidyān neha kaś cana pāpmā nyaṅgaḥ pariśekṣyate sarvam evaitā devatāḥ pāpmānaṃ nidhakṣyantīti tathā haiva bhavati. ya u ha vā evaṃvidam ṛcchati yathaitā devatā ṛtvā nīyād evaṃ nyeti etāsu hy evainaṃ devatāsu prapannam etāsu vasantam upavadati. tasya haitasya naiva kā canārtir asti ya evaṃ veda ya evainam upavadati sa ārtim ārcchati. sa ya enam ṛcchād eva tā devatā upasṛtya brūyād ayam mārat sa imām ārtiṃ nyetv iti tāṃ haivārtiṃ nyeti. yāvadāvāsā u hāsyeme prāṇā asmi[ṃ]l loka etāvadāvāsā u hāsyaitā devatā amuṣmi[ṃ]l loke bhavanti. tasmād u haivaṃ vidvān naivāgṛhatāyai bibhīyān nālokatāyai etā me devatā asmi[ṃ]l loke gṛhān kariṣyanti etā amuṣmi[ṃ]l loke bhavanti tasmād u lokam pradāsyantīti. tasmād u haivaṃ vidvān naivāgṛhatāyai bibhīyān nālokatāyai etā me devatā asmi[ṃ]l loke gṛhebhyo gṛhān kariṣyanti svebhya āyatanebhya iti haiva vidyād [etā] devatā amuṣmi[ṃ]l loke lokam pradāsyantīti. tasmād u haivaṃ vidvān naivāgṛhatāyai bibhīyān nālokatāyai etā ma etad ubhayaṃ saṃnaṃsyantīti haiva vidyāt tathā haiva bhavati.
Wo und wodurch immer diese Gottheiten sich berühren, dort bleibt fürwahr kein Übel, keine Minderung zurück. Er soll wissen: „Hier wird kein Übel, keine Minderung zurückbleiben; alles Übel werden diese Gottheiten gänzlich verbrennen.“ Und so geschieht es auch. Wer aber einen solchen Wissenden angreift, der unterliegt selbst, gerade so, als würden ihn diese Gottheiten packen und hinabführen; denn er schmäht damit einen, der in eben diesen Gottheiten Zuflucht gefunden hat, der in ihnen wohnt. Diesem, der dies weiß, widerfährt daher überhaupt kein Leid; wer aber ihn schmäht, dem widerfährt Leid. Wenn ihn nun einer angreift, so soll er sich eben an diese Gottheiten wenden und sprechen: „Dieser hat mich angegriffen – er selbst gerate in dieses Leid“; und jener gerät fürwahr eben in dieses Leid. Soviele Wohnstätten diese seine Atemkräfte in dieser Welt haben, ebensoviele Wohnstätten werden diese Gottheiten ihm in jener Welt haben. Darum soll der so Wissende weder vor Hauslosigkeit noch vor Weltlosigkeit Furcht haben: „Diese meine Gottheiten werden mir in dieser Welt Häuser bereiten; sie werden auch in jener Welt sein; darum werden sie mir auch dort eine Welt geben.“ Darum soll der so Wissende weder vor Hauslosigkeit noch vor Weltlosigkeit Furcht haben: er soll eben wissen: „Diese meine Gottheiten werden mir in dieser Welt von Haus zu Haus, von eigener Wohnstatt zu Wohnstatt, Häuser bereiten; sie werden mir in jener Welt eine Welt geben.“ Darum soll der so Wissende weder vor Hauslosigkeit noch vor Weltlosigkeit Furcht haben: er soll eben wissen: „Diese werden mir dieses beides zukommen lassen.“ Und so geschieht es auch.
Kolophon: 3. Khaṇḍa im 4. Anuvāka. Ende des 4. Anuvāka.
devā vai brahmaṇo vatsena vācam aduhran agnir ha vai brahmaṇo vatsaḥ. sā yā sā vāg brahmaiva tat atha yo 'gnir mṛtyus saḥ. tām etāṃ vācaṃ yathā dhenuṃ vatsenopasṛjya prattāṃ duhītaivam eva devā vācaṃ sarvān kāmān aduhran. duhe ha vai vācaṃ sarvān kāmān ya evaṃ veda sa haiṣo 'nānṛto vācaṃ devīm udindhe vada vada vadeti. tad yad iha puruṣasya pāpaṃ kṛtam bhavati tad āviṣkaroti yad ihainad api rahasīva kurvan manyate 'tha hainad āvir eva karoti tasmād vāva pāpaṃ na kuryāt.
Die Götter molken die Rede mittels des Kalbes des Brahman; Agni nämlich ist das Kalb des Brahman. Jene Rede, die es ist, ist eben das Brahman selbst; Agni aber, der ist der Tod. Wie man eine Kuh, wenn man ihr das Kalb zugeführt hat, freigegeben melkt, ebenso molken die Götter aus dieser Rede alle Wünsche. Alle Wünsche melkt sich fürwahr aus der Rede, wer dies weiß. Er, der Wahrhaftige, entflammt eben diese göttliche Rede: „Sprich, sprich, sprich!“ Was immer hier an Bösem von einem Menschen getan worden ist, das macht sie offenbar; auch wenn er meint, es gleichsam im Verborgenen zu tun, so macht sie es doch offenbar. Darum sollte man ja kein Böses tun.
eṣa u ha vāva devānāṃ nediṣṭham upacaryo yad agniḥ. taṃ sādhūpacaret ya enam asmi[ṃ]l loke sādhūpacarati tam eṣo 'muṣmi[ṃ]l loke sādhūpacarati atha ya enam asmi[ṃ]l loke nādriyate tam eṣo 'muṣmi[ṃ]l loke nādriyate tasmād vā agniṃ sādhūpacaret. taṃ naiva hastābhyāṃ spṛśen na pādābhyāṃ na daṇḍena. hastābhyāṃ spṛśati yad asyāntikam avanenikte atha yad abhiprasārayati tat pādābhyām. sa enam āspṛṣta īśvaro durdhāyāṃ dhātoḥ tasmād vā agniṃ sādhūpacarati sudhāyāṃ haivainaṃ dadhāti.
Agni ist fürwahr von den Göttern derjenige, dem man aus nächster Nähe Dienst erweisen muss. Ihm soll man in rechter Weise dienen. Wer ihm in dieser Welt in rechter Weise dient, dem dient er in jener Welt in rechter Weise; wer ihn aber in dieser Welt nicht achtet, den achtet er in jener Welt nicht. Darum soll man Agni in rechter Weise dienen. Man soll ihn weder mit den Händen berühren noch mit den Füßen noch mit einem Stock. Mit den Händen berührt man ihn unrechtmäßig, wenn man sich in seiner Nähe die Hände wäscht; mit den Füßen aber, wenn man sie zu ihm hin ausstreckt. Wer ihn so berührt hat, der ist in Gefahr, sich in eine schlechte Lage zu bringen; wer aber Agni in rechter Weise dient, der versetzt ihn eben in eine gute Lage.
[Anm.: Die knappe Wendung zur Gefahr des unrechten Berührens ist im Sanskrit idiomatisch verdichtet und hier sinngemäß wiedergegeben.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 5. Anuvāka.
eṣa u ha vāva devānām mahāśanatamo yad agniḥ. tan na vratyam adadāno 'śnīyāt yo vai mahāśane 'naśnaty aśnātīśvāro hainam abhiṣaṅktoḥ pūtim iva hāśnīyāt. atho ha prokte 'śane brūyāt samintsvāgnim iti sa yathā prokte 'śane śreyā[ṃ]sam pariveṣṭavai brūyāt tādṛk tat. etad u ha vāva sāma yad vāk yo vai cakṣus sāma śrotraṃ sāmety upāste na ha tena karoti. atha ya ādityas sāma candramās sāmety upāste na haiva tena karoti. atha yo vāk sāmety upāste sa evānuṣṭhyā sāma veda vācā hi sāmnārtvijyaṃ kriyate. sa yo vācas svaro jāyate so 'gnir vāg v eva vāk tad atraikadhā sāma bhavati. sa ya evam etad ekadhā sāma bhavad vedaivaṃ haitad ekadhā sāma bhavatīty ekadheva śreṣṭhas svānām bhavati. tasmād u haivaṃvidam eva sāmnārtvijyaṃ kārayeta sa ha vāva sāma veda ya evaṃ veda.
Dieser da, Agni, ist fürwahr von den Göttern der größte Esser. Man soll nicht essen, ohne ihm zuvor seinen Anteil dargebracht zu haben. Wer nämlich isst, während dieser große Esser noch nicht gegessen hat, der läuft Gefahr, von ihm heimgesucht zu werden; er würde gleichsam Verdorbenes essen. Auch soll man, wenn das Essen angekündigt ist, sprechen: „Entzünde das Feuer!“ – dies gleicht dem, als würde man bei angekündigtem Essen sagen: „Man bediene zuerst den Vornehmeren!“ Dies eben, die Rede, ist wahrhaftig das Sāman. Wer aber das Auge als Sāman, das Ohr als Sāman verehrt, der bewirkt damit nichts. Und wer die Sonne als Sāman, den Mond als Sāman verehrt, der bewirkt damit ebenfalls nichts. Wer aber die Rede als Sāman verehrt, der kennt das Sāman so, wie es wirklich zu vollziehen ist; denn durch die Rede wird der Priesterdienst des Sāman vollzogen. Der Laut, der aus der Rede entsteht, das ist Agni; die Rede selbst aber bleibt Rede – darin wird das Sāman zu einem Einzigen, Ungeteilten. Wer weiß, dass das Sāman auf diese Weise eins und ungeteilt wird, für den wird es fürwahr ebenso eins; und eben durch dieses Einssein wird er der Beste der Seinen. Darum soll man den Priesterdienst des Sāman eben von einem solchen Wissenden verrichten lassen; das Sāman kennt fürwahr, wer dies weiß.
[Anm.: Die Passage zum „einzig-ungeteilten“ Sāman (ekadhā sāma) ist im Sanskrit stark verdichtet; sinngemäß erschlossen aus dem Kontext, der die Rede – im Unterschied zu Auge, Ohr, Sonne und Mond – als das eigentlich wirksame Sāman auszeichnet.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 5. Anuvāka. Ende des 5. Anuvāka. Ende des 2. Adhyāya.