Adhyāya 4
Schutzformeln; der Rangstreit der Götter; die Kena-Upaniṣad; die Sāvitrī
Der letzte Adhyāya beginnt mit atharvavedaartigen Schutz- und Segensformeln und der Erzählung von König Bhagaratha Aikṣvāka und Baka Dālbhya, erzählt vom Rangstreit der sechs Ur-Gottheiten und enthält in den Khaṇḍas 4.18–4.21 wortgleich die berühmte Kena-Upaniṣad. Es folgen eine Kosmogonie der fünf Atemarten, die Lehre vom „sechzehnteiligen Brahman“ und, den Abschluss des ganzen Werks bildend, eine Vers-für-Vers-Auslegung der Sāvitrī (des Gāyatrī-Mantras).
śvetāśvo darśato harinīlo 'si haritaspṛśas samānabuddho mā hi[ṃ]sīḥ na māṃ tvaṃ vettha pradrava. yad abhyavacaraṇo 'bhyavaiṣi svapantam puruṣam akovidam aśmamayena varmaṇā varuṇo 'ntar dadhātu mā. yad abhyavacaraṇo 'bhyavaiṣi svapantam puruṣam akovidam ayasmayena varmaṇā varuṇo 'ntar dadhātu mā. yad abhyavacaraṇo 'bhyavaiṣi svapantam puruṣam akovidaṃ lohamayena varmaṇā varuṇo 'ntar dadhātu mā. yad abhyavacaraṇo 'bhyavaiṣi svapantam puruṣam akovidaṃ rajatamayena varmaṇā varuṇo 'ntar dadhātu mā. yad abhyavacaraṇo 'bhyavaiṣi svapantam puruṣaṃ suvarṇamayena varmaṇā varuṇo 'ntar dadhātu mā. āyur mātā matiḥ pitā namas ta āviśoṣaṇa graho nāmāsi viśvāyus tasmai te viśvāhā namo namas tāmrāya namo varuṇāya namo jighā[ṃ]sate. yakṣma rājan mā māṃ hi[ṃ]sīḥ rājan yakṣma mā hi[ṃ]sīḥ tayos saṃvidānayos sarvam āyur ayāny aham.
„Weißpferdig, schön anzusehen, grünlich-blau bist du, die Grünen berührend, gleichgesinnt – schade mir nicht; du kennst mich nicht wirklich – lauf davon! Wenn du, heranschleichend, dich dem schlafenden, ahnungslosen Menschen näherst – mit einer Rüstung aus Stein möge mich Varuṇa verhüllen. Wenn du, heranschleichend, dich dem schlafenden, ahnungslosen Menschen näherst – mit einer Rüstung aus Eisen möge mich Varuṇa verhüllen. Wenn du, heranschleichend, dich dem schlafenden, ahnungslosen Menschen näherst – mit einer Rüstung aus Kupfer möge mich Varuṇa verhüllen. Wenn du, heranschleichend, dich dem schlafenden, ahnungslosen Menschen näherst – mit einer Rüstung aus Silber möge mich Varuṇa verhüllen. Wenn du, heranschleichend, dich dem schlafenden Menschen näherst – mit einer Rüstung aus Gold möge mich Varuṇa verhüllen. Die Lebenszeit ist meine Mutter, die Einsicht mein Vater; Verehrung dir, du eindringender Austrockner – ‚Ergreifer‘ ist dein Name, Alllebendiger; dir alltäglich Verehrung; Verehrung dem Kupferfarbenen, Verehrung Varuṇa, Verehrung dem, der zu töten trachtet. O König Yakṣma, schade mir nicht; o Yakṣma-König, schade mir nicht; im Einvernehmen mit euch beiden will ich die volle Lebenszeit durchschreiten.“
[Anm.: Mit diesem Abschnitt beginnt der 4. Adhyāya der Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa mit einer Sammlung von Schutz- und Bannformeln, wie sie in Stil und Thematik dem Atharvaveda nahestehen: eine nächtliche Beschwörung eines gefährlichen, sich anschleichenden Wesens (vermutlich eine Schlange oder ein anderes Kriechtier), gefolgt von einer Anrufung gegen die Krankheits- bzw. Auszehrungsgottheit Yakṣma. Wer oder was genau mit dem „weißpferdigen, grünlich-blauen“ Wesen gemeint ist, bleibt im Text unausgesprochen; einzelne Wendungen (etwa „eindringender Austrockner“) sind sprachlich verdichtet und sinngemäß wiedergegeben.] Kolophon: Ende des 1. Anuvāka.
puruṣo vai yajñaḥ. tasya yāni caturvi[ṃ]śatir varṣāṇi tat prātassavanam caturvi[ṃ]śatyakṣarā gāyatrī gāyatram prātassavanam. tad vasūnām prāṇā vai vasavaḥ prāṇā hīdaṃ sarvaṃ vasv ādadate. sa yady enam etasmin kāla upatapad upadravet sa brūyāt prāṇā vasava idam me prātassavanam mādhyandinena savanenānusaṃtanuteti agado haiva bhavati. atha yāni catuścatvāri[ṃ]śataṃ varṣāṇi tan mādhyandinaṃ savanam catuścatvāri[ṃ]śadakṣarā triṣṭup traiṣṭubham mādhyandinaṃ savanam. tad rudrāṇām prāṇā vai rudrāḥ prāṇā hīdaṃ sarvaṃ rodayanti. sa yady enam etasmin kāla upatapad upadravet sa brūyāt prāṇā rudrā idam me mādhyandinaṃ savanaṃ tṛtīyasavanenānusaṃtanuteti agado haiva bhavati. atha yāny aṣṭācatvāri[ṃ]śataṃ varṣāṇi tat tṛtīyasavanam aṣṭācatvāri[ṃ]śadakṣarā jagatī jāgataṃ tṛtīyasavanam. tad ādityānām prāṇā vā ādityāḥ prāṇā hīdaṃ sarvam ādadate. sa yady enam etasmin kāla upatapad upadravet sa brūyāt prāṇā ādityā idam me tṛtīyasavanam āyuṣānusaṃtanuteti agado haiva bhavati. etad dha tad vidvān brāhmaṇa uvāca mahidāsa aitareya upatapati kim idam upatapasi yo 'ham anenopatapatā na preṣyāmīti sa ha ṣoḍaśaśataṃ varṣāṇi jijīva pra ha ṣoḍaśaśataṃ varṣāṇi jīvati nainam prāṇas sāmy āyuṣo jahāti ya evaṃ veda.
Der Mensch nämlich ist das Opfer. Dessen Lebensjahre, die vierundzwanzig ersten, das ist die Morgenpressung; vierundzwanzigsilbig ist die Gāyatrī; das Gāyatra-Sāman ist die Morgenpressung. Dies gehört den Vasus; die Atemkräfte nämlich sind die Vasus, denn die Atemkräfte nehmen all dies als Gut in sich auf. Wenn ihn nun zu dieser Zeit ein Leiden befallen, ihn heimsuchen sollte, so soll er sprechen: „Ihr Atemkräfte, ihr Vasus, verlängert mir diese Morgenpressung mit der Mittagspressung“ – dann wird er gesund. Und die nächsten vierundvierzig Jahre, das ist die Mittagspressung; vierundvierzigsilbig ist der Triṣṭubh; das Traiṣṭubha-Sāman ist die Mittagspressung. Dies gehört den Rudras; die Atemkräfte nämlich sind die Rudras, denn die Atemkräfte lassen all dies weinen. Wenn ihn nun zu dieser Zeit ein Leiden befallen, ihn heimsuchen sollte, so soll er sprechen: „Ihr Atemkräfte, ihr Rudras, verlängert mir diese Mittagspressung mit der dritten Pressung“ – dann wird er gesund. Und die nächsten achtundvierzig Jahre, das ist die dritte Pressung; achtundvierzigsilbig ist die Jagatī; das Jāgata-Sāman ist die dritte Pressung. Dies gehört den Ādityas; die Atemkräfte nämlich sind die Ādityas, denn die Atemkräfte nehmen all dies in sich auf. Wenn ihn nun zu dieser Zeit ein Leiden befallen, ihn heimsuchen sollte, so soll er sprechen: „Ihr Atemkräfte, ihr Ādityas, verlängert mir diese dritte Pressung mit weiterer Lebenszeit“ – dann wird er gesund. Dies wissend, sprach ein Brahmane: „Mahidāsa Aitareya, du leidest – warum leidest du denn? Ich jedenfalls werde durch dieses Leiden nicht dahingerafft.“ Und er lebte hundertsechzehn Jahre; hundertsechzehn Jahre lebt fürwahr, und der Atem verlässt ihn nicht vor Ablauf seiner Lebenszeit, wer dies weiß.
[Anm.: Dieser Abschnitt gliedert das Menschenleben nach dem Vorbild der drei täglichen Soma-Pressungen (Morgen-, Mittags- und Dritte Pressung) in drei Lebensabschnitte von 24, 44 und 48 Jahren (macht 116 Jahre) und verknüpft sie mit den jeweiligen Versmaßen und Göttergruppen. Mahidāsa Aitareya ist eine auch sonst bekannte Gestalt der vedischen Überlieferung – ihm wird die Autorschaft des Aitareya-Brāhmaṇa (in dieser Bibliothek enthalten) zugeschrieben, und ihm wird ein sprichwörtlich hohes Alter von 116 Jahren nachgesagt, das mit der hier gelehrten Zählung genau übereinstimmt.] Kolophon: Ende des 2. Anuvāka.
tryāyuṣaṃ kaśyapasya jamadagnes tryāyuṣam trīṇy amṛtasya puṣpāṇi trīṇy āyū[ṃ]ṣi me 'kṛṇoḥ. sa no mayobhūḥ pitav āviśasva śāntiko yas tanuve syonaḥ. ye 'gnayaḥ purīṣyāḥ praviṣṭāḥ pṛṭhivīm anu teṣāṃ tvam asy uttamaḥ pra ṇo jīvātave suva.
„Die dreifache Lebenszeit des Kaśyapa, die dreifache Lebenszeit des Jamadagni – drei Blüten der Unsterblichkeit, drei Lebenszeiten hast du mir bereitet. Sei uns wohltuend, o Speise, tritt ein, besänftigend, dem Leib zuträglich. Die Feuer, die in die Erde eingegangen sind, in ihr wohnend – von ihnen bist du das Höchste; treibe uns voran zum Leben.“
[Anm.: Diese kurze Formel wird beim Essen bzw. bei der Speisung mit einer Opferspeise gesprochen, die hier als lebensspendend und mit den in der Erde ruhenden Feuern verwandt angesprochen wird.] Kolophon: Ende des 3. Anuvāka.
„Des Waldes Kalb bist du, allnamig, von allem beschützend; der Gewässer Reife bist du, Varuṇas Bote, mit Namen ‚Verhüller‘. Wie du, der Unsterbliche, den Sterblichen verborgen bist, so verbirg auch uns vor den Übelwollenden; du bist die Verhüllung vor den Dieben.“
[Anm.: Adressat dieser Schutzformel ist vermutlich eine Pflanze oder ein Amulett („des Waldes Kalb“), das als Bote Varuṇas Verborgenheit und Schutz vor Dieben und Übelwollenden verleihen soll.] Kolophon: Ende des 4. Anuvāka.
„Beim Aufleuchten der Morgenröte bist du Savitṛ; im Aufsteigen-Wollen Viṣṇu; im Aufsteigen Puruṣa; aufgestiegen Bṛhaspati; heranziehend der freigebige Indra Vaikuṇṭha; zu Mittag Bhaga; am Nachmittag der schreckliche Gott, rötlich erglühend; bei Sonnenuntergang bist du Yama. In den Speisen bist du König Soma; in der Nacht der Väterkönig; im Schlaf trittst du in die Menschen ein, mit der Milch in das Vieh. In der Mitte der Nacht bist du Bhava; in der letzten Nachtwache Aṅgiras; zur Zeit des Agnihotra Bhṛgu. Dessen Scheibe ist eben dies das Euter; dessen zwei Zitzen sind Rede und Atem; mit ihnen beiden melke mir das Studium, die Keuschheit des Schülers, Nachkommenschaft, Vieh, den Himmelsraum, das Wohlwollen der Verwandten. Diese Wünsche wünsche ich mir: Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ; im Aufgegangenen weise den lichten Glanz zu; diesen lege ich in mein Selbst.“
[Anm.: Diese Formel identifiziert die Sonne im Tages- und Nachtverlauf nacheinander mit einer ganzen Reihe von Göttern (Savitṛ, Viṣṇu, Puruṣa, Bṛhaspati, Indra, Bhaga, Yama, Soma, Bhava, Aṅgiras, Bhṛgu) und schließt mit dem eindrücklichen Bild der Sonne als melkbarer Kuh, deren „Euter“ die Sonnenscheibe, deren „Zitzen“ Rede und Atem sind.] Kolophon: Ende des 5. Anuvāka.
bhageratho haikṣvāko rājā kāmapreṇa yajñena yakṣyamāṇa āsa. tad u ha kurupañcālānām brāhmaṇā ūcur bhageratho ha vā ayam aikṣvāko rājā kāmapreṇa yajñena yakṣyamāṇaḥ etena kathāṃ vadiṣyāma iti. taṃ hābhyeyuḥ tebhyo hābhyāgatebhyo 'pacitīś cakāra. atha haiṣāṃ sa bhāga āvavrājoptvā keśaśmaśrūṇi nakhān nikṛtyājyenābhyajya daṇḍopānaham bibhrat. tān hovāca brāhmaṇā bhagavantaḥ katamo vas tad veda yathāśrāvitapratyāśrāvite devān gacchata iti. atha hovāca katamo vas tad veda yadviduṣas sūdgātā suhotā svadhvaryus sumānuṣavid ājāyata iti. atha hovāca katamo vas tad veda yac chandā[ṃ]si prayujyante yat tāni sarvāṇi saṃstutāny abhisampadyanta iti. atha hovāca katamo vas tad veda yathā gāyatryā uttame akṣare punar yajñam apigacchata iti. atha hovāca katamo vas tad veda yathā dakṣiṇāḥ pratigṛhītā na hi[ṃ]santīti.
Bhagaratha Aikṣvāka, ein König, wollte einst mit dem Kāmapra-Opfer opfern. Da sprachen die Brahmanen der Kurus und Pañcālas: „Dieser König Bhagaratha Aikṣvāka will mit dem Kāmapra-Opfer opfern; wie wollen wir mit ihm reden?“ Sie kamen zu ihm; den Angekommenen erwies er Ehrerbietung. Da trat ihr Sprecher vor, nachdem er Haar und Bart geschoren, die Nägel geschnitten, sich mit Ghee gesalbt hatte, Stab und Schuhe tragend. Zu ihnen sprach er: „Verehrte Brahmanen, wer von euch weiß, wie Āśrāvita und Pratyāśrāvita zu den Göttern gelangen?“ Dann sprach er: „Wer von euch weiß, durch wessen Wissen ein guter Udgātṛ, ein guter Hotṛ, ein guter Adhvaryu, ein die Menschen gut Kennender geboren wird?“ Dann sprach er: „Wer von euch weiß, wodurch, wenn die Versmaße verwendet werden, sie alle zusammen gepriesen zur Vollendung gelangen?“ Dann sprach er: „Wer von euch weiß, wie man auf der letzten Silbe der Gāyatrī zum Opfer zurückkehrt?“ Dann sprach er: „Wer von euch weiß, wie die empfangenen Opfergaben nicht schaden?“
[Anm.: „Āśrāvita“ und „Pratyāśrāvita“ sind feste liturgische Ausrufe („Hört!“ – „Wir hören!“), mit denen im Ritual Priester und Opferherr einander die Bereitschaft zum nächsten Schritt bestätigen. Wer genau der „ihr Sprecher“ ist, der die fünf Rätselfragen stellt, wird im Sanskrit nicht namentlich genannt; die Antworten gibt in 4.7 Baka Dālbhya, eine auch aus Chāndogya-Upaniṣad 1.2.13 bekannte Gestalt.] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 6. Anuvāka.
Diese fünf Fragen stellte er ihnen. Unter diesen Kurus und Pañcālas war Baka Dālbhya der Gelehrteste. Da sprach er: „Zur Frage, wie Āśrāvita und Pratyāśrāvita zu den Göttern gelangen: In östlicher Richtung, o König, gelangen Āśrāvita und Pratyāśrāvita zu den Göttern; darum ruft man, nach Osten gewandt stehend, ‚Āśrāvaya‘, und nach Osten gewandt stehend ‚Pratyāśrāvaya‘.“ Dann sprach er: „Zur Frage, durch wessen Wissen ein guter Udgātṛ, ein guter Hotṛ, ein guter Adhvaryu, ein die Menschen gut Kennender geboren wird: Wer die Entstehung des Menschen kennt“, sprach er, „dessen Sohn wird ein guter Udgātṛ, ein guter Hotṛ, ein guter Adhvaryu, ein die Menschen gut Kennender; die Atemkräfte nämlich, o König, sind fürwahr die Entstehung des Menschen.“ Dann sprach er: „Zur Frage, wodurch alle Versmaße, wenn verwendet, zusammen gepriesen zur Vollendung gelangen: In der Gāyatrī, o König, gelangen fürwahr alle Versmaße zusammen gepriesen zur Vollendung.“ Dann sprach er: „Zur Frage, wie man auf der letzten Silbe der Gāyatrī zum Opfer zurückkehrt: Durch den Vaṣaṭ-Ruf, o König, kehrt man fürwahr auf der letzten Silbe der Gāyatrī zum Opfer zurück.“ Dann sprach er: „Zur Frage, wie die empfangenen Opfergaben nicht schaden:“
yo vai gāyatryai mukhaṃ vedeti hovāca taṃ dakṣiṇā pratigṛhītā na hi[ṃ]santīti. agnir ha vāva rājan gāyatrīmukham tasmād yad agnāv abhyādadhāti bhūyān eva sa tena bhavati vardhate evam evaivaṃ vidvān brāhmaṇaḥ pratigṛhṇan bhūyān eva bhavati vardhata u eveti. sa hovācānūcāno vai kilāyam brāhmaṇa āsa tvām aham anena yajñenaimīti. tasya vai te tathodgāsyāmīti hovāca yathaikarāḍ eva bhūtvā svargaṃ lokam eṣyasīti. tasmā etena gāyatreṇodgīthenojjagau sa haikarāḍ eva bhūtvā svargaṃ lokam iyāya tena haitenaikarāḍ eva bhūtvā svargaṃ lokam eti [ya evaṃ veda]. oṃ vā iti dve akṣare oṃ vā iti caturthe oṃ vā iti ṣaṣṭhe hum bhā oṃ vāg ity aṣṭame. tena haitena pratīdarśo 'sya bhayadasyāsamātyasyojjagau. taṃ hovāca kiṃ ta āgāsyāmīti sa hovāca harī me devāśvāv āgāyeti tatheti tau hāsmā ājagau tau hainam ājagmatuḥ. sa vā eṣa udgīthaḥ kāmānāṃ sampad oṃ vā3c oṃ vā3c oṃ vā3c hum bhā oṃ vāg iti sāṅgo haiva satanur amṛtas sambhavati ya etad evaṃ vedātho yasyaivaṃ vidvān udgāyati.
„Wer den Mund der Gāyatrī kennt“, sprach er, „den schädigen die empfangenen Opfergaben nicht. Agni nämlich, o König, ist der Mund der Gāyatrī; darum, was man in Agni hineinlegt, dadurch wird er nur noch mehr, wächst er; ebenso wird ein solcher wissender Brahmane, wenn er Gaben empfängt, nur noch mehr, wächst er.“ Da sprach der König: „Dieser Brahmane ist wahrhaftig gelehrt; mit diesem Opfer wende ich mich an dich.“ „So werde ich dir vorsingen“, sprach er, „dass du, zum Alleinherrscher geworden, zum Himmelsraum gelangen wirst.“ Ihm sang er mit diesem Gāyatra-Udgītha vor; da gelangte er, zum Alleinherrscher geworden, zum Himmelsraum. Durch eben dieses gelangt, zum Alleinherrscher geworden, zum Himmelsraum, wer dies weiß. „Om vā“ zählt zwei Silben; „om vā“ an vierter Stelle; „om vā“ an sechster Stelle; „hum bhā om vāk“ an achter Stelle. Mit eben diesem sang er dem Pratīdarśa vor, dem furchterregenden, unvergleichlichen. Zu ihm sprach er: „Was soll ich dir ersingen?“ Er sprach: „Ersinge mir die beiden falben Rosse, die Götterpferde.“ „So sei es“, und er ersang ihm die beiden; und die beiden kamen zu ihm. Dies eben ist der Udgītha, die Erfüllung der Wünsche: „Om vā3c om vā3c om vā3c hum bhā om vāk“ – vollgliedrig, mit vollem Leib, unsterblich entsteht, wer dies so weiß, und ebenso der, für den ein solcher Wissender vorsingt.
[Anm.: Dieser Abschnitt beendet die Antworten Baka Dālbhyas auf die fünf Rätselfragen des Königs Bhagaratha und geht dann zu einer weiteren Erzählung über: dem Fürsten Pratīdarśa, dem ein Sänger auf seinen Wunsch hin zwei Pferde ersingt. Die Silbenformel „om vā ... hum bhā om vāk“ ist eine Gesangsformel, deren einzelne Positionen (2., 4., 6., 8. Silbe) im Text aufgezählt, aber nicht weiter erläutert werden.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 6. Anuvāka. Ende des 6. Anuvāka.
puruṣo vai yajñaḥ puruṣo hodgīthaḥ athaita eva mṛtyavo yad agnir vāyur ādityaś candramāḥ. te ha puruṣaṃ jāyamānam eva mṛtyupāśair abhidadhati tasya vācam evāgnir abhidadhāti prāṇaṃ vāyuś cakṣur ādityaś śrotraṃ candramāḥ. tad āhus sa vā udgātā yo yajamānasya prāṇebhyo 'dhi mṛtyupāśān unmuñcatīti. tad yasyaivaṃ vidvān prastauti ya evāsya vāci mṛtyupāśas tam evāsyonmuñcati. atha yasyaivaṃ vidvān udgāyati ya evāsya prāṇe mṛtyupāśas tam evāsyonmuñcati. atha yasyaivaṃ vidvān pratiharati ya evāsya cakṣuṣi mṛtyupāśas tam evāsyonmuñcati. atha yasyaivaṃ vidvān nidhanam upaiti ya evāsya śrotre mṛtyupāśas tam evāsyonmuñcati. evaṃ vā evaṃvid udgātā yajamānasya prāṇebhyo 'dhi mṛtyupāśān unmuñcati. tad āhus sa vā udgātā yo yajamānasya prāṇebhyo 'dhi mṛtyupāśān unmucyāthainaṃ sāṅgaṃ satanuṃ sarvamṛtyos spṛṇātīti.
Der Mensch nämlich ist das Opfer; der Mensch ist der Udgītha; diese aber, Agni, Vāyu, Āditya, Candramā, sind eben die Todesmächte. Diese binden den Menschen schon bei der Geburt mit Todesschlingen: seine Rede bindet Agni, den Atem Vāyu, das Auge Āditya, das Ohr Candramā. Dazu sagt man: „Der ist ein wahrer Udgātṛ, der von den Atemkräften des Opferherrn die Todesschlingen löst.“ Wem also ein solcher Wissender den Prastāva singt, dessen Todesschlinge an der Rede löst er ihm eben. Und wem er den Udgītha singt, dessen Todesschlinge am Atem löst er ihm eben. Und wem er den Pratihāra singt, dessen Todesschlinge am Auge löst er ihm eben. Und wem er sich dem Nidhana nähert, dessen Todesschlinge am Ohr löst er ihm eben. So löst der so wissende Udgātṛ von den Atemkräften des Opferherrn die Todesschlingen. Dazu sagt man: „Der ist ein wahrer Udgātṛ, der, nachdem er von den Atemkräften des Opferherrn die Todesschlingen gelöst hat, ihn dann vollgliedrig, mit vollem Leib, vom ganzen Tod befreit.“
Wem also ein solcher Wissender den Hiṅkāra singt, dessen Todesschlinge an den Körperhaaren, davon eben befreit er ihn. Und wem er den Prastāva singt, dessen Todesschlinge an der Haut, davon eben befreit er ihn. Und wem er den Ādi aufnimmt, dessen Todesschlinge im Fleisch, davon eben befreit er ihn. Und wem er den Udgītha singt, dessen Todesschlinge an den Sehnen, davon eben befreit er ihn. Und wem er den Pratihāra singt, dessen Todesschlinge an den Gliedern, davon eben befreit er ihn. Und wem er den Upadrava singt, dessen Todesschlinge an den Knochen, davon eben befreit er ihn. Und wem er sich dem Nidhana nähert, dessen Todesschlinge im Mark, davon eben befreit er ihn. So löst der so wissende Udgātṛ von den Atemkräften des Opferherrn die Todesschlingen und befreit ihn dann, vollgliedrig, mit vollem Leib, vom ganzen Tod. Dazu sagt man: „Der ist ein wahrer Udgātṛ, der, nachdem er von den Atemkräften des Opferherrn die Todesschlingen gelöst und ihn, vollgliedrig, mit vollem Leib, vom ganzen Tod befreit hat, ihn dann siebenfach im Himmelsraum ansiedelt.“ Dies eben ist Indra Vaimṛdha, wenn er aufsteigt; Savitṛ, wenn er aufgestiegen ist; Mitra zur Zeit des Rinderzusammentriebs; Indra Vaikuṇṭha am Mittag; Śarva im Sich-Wenden des Nachmittags; der schreckliche Gott, rötlich erglühend, am Abend; eben Prajāpati beim Zurruhegehen, wenn er untergegangen ist. Wem also ein solcher Wissender den Hiṅkāra singt, in dessen Himmelsraum-Anteil beim Aufsteigen, in eben diesem siedelt er ihn an. Und wem er den Prastāva singt, in dessen Anteil beim Aufgestiegensein, in eben diesem siedelt er ihn an. Und wem er den Ādi aufnimmt, in dessen Anteil zur Zeit des Rinderzusammentriebs, in eben diesem siedelt er ihn an. Und wem er den Udgītha singt, in dessen Anteil am Mittag, in eben diesem siedelt er ihn an. Und wem er den Pratihāra singt, in dessen Anteil am Nachmittag, in eben diesem siedelt er ihn an. Und wem er den Upadrava singt, in dessen Anteil beim Untergehen, in eben diesem siedelt er ihn an. Und wem er sich dem Nidhana nähert, in dessen Anteil beim Untergegangensein, in eben diesem siedelt er ihn an. So löst der so wissende Udgātṛ von den Atemkräften des Opferherrn die Todesschlingen und siedelt ihn dann, nachdem er ihn vollgliedrig, mit vollem Leib, vom ganzen Tod befreit hat, siebenfach im Himmelsraum an.
[Anm.: Dieser Abschnitt führt die in 4.9 begonnene Lehre von den „Todesschlingen“ (mṛtyupāśa) fort, nun in der ausführlicheren siebengliedrigen Form des Sāman-Gesangs (Hiṅkāra, Prastāva, Ādi, Udgītha, Pratihāra, Upadrava, Nidhana), die den sieben Körperschichten (Haar, Haut, Fleisch, Sehnen, Glieder, Knochen, Mark) und sodann den sieben Tageszeiten-Gottheiten der Sonne entsprechen – dieselbe Siebenerreihe wie zuvor in 4.5, dort jedoch mit teils anderen Götternamen (dort u. a. Viṣṇu, Bṛhaspati, Bhaga, Yama; hier Vaimṛdha, Mitra, Śarva, Prajāpati) – ein Hinweis darauf, dass mehrere parallele, nicht vereinheitlichte Zuordnungstraditionen nebeneinander bestehen.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 7. Anuvāka. Ende des 7. Anuvāka.
ṣaḍ ḍha vai devatās svayambhuvo 'gnir vāyur asāv ādityaḥ prāṇo 'nnaṃ vāk. tāś śraiṣṭhye vyavadantāhaṃ śreṣṭhāsmy ahaṃ śreṣṭhāsmy māṃ śriyam upādhvam iti. tā anyonyasyai śreṣṭhatāyai nātiṣṭhanta tā abruvan na vā anyonyasyai śreṣṭhatāyai tiṣṭhāmaha etā samprabravāmahai yathā śreṣṭhās sma iti. tā agnim abruvan kathaṃ tvaṃ śreṣṭho 'sīti. so 'bravīd ahaṃ devānām mukham asmy aham anyāsām prajānām mayāhutayo hūyante ahaṃ devānām annaṃ vikaromy aham manuṣyāṇām. sa yan na syām amukhā eva devās syur amukhā anyāḥ prajāḥ nāhutayo hūyeran na devānām annaṃ vikriyeta na manuṣyāṇām. tata idaṃ sarvam parābhavet tato na kiṃ cana pariśiṣyeteti. evam eveti hocur naiveha kiṃ cana pariśiṣyeta yat tvaṃ na syā iti. atha vāyum abruvan katham u tvaṃ śreṣṭho 'sīti. so 'bravīd ahaṃ devānām prāṇo 'smy aham anyāsām prajānām yasmād aham utkrāmāmi tatas sa praplavate. sa yad ahaṃ na syāṃ tata idaṃ sarvam parābhavet tato na kiṃ cana pariśiṣyeteti. evam eveti hocur naiveha kiṃ cana pariśiṣyeta yat tvaṃ na syā iti.
Sechs sind fürwahr die selbstexistenten (svayambhu) Gottheiten: Agni, Vāyu, jener Āditya, der Atem, die Speise und die Rede. Sie stritten über den Vorrang: „Ich bin der Beste, ich bin der Beste – kommt zu mir um Glanz und Fülle (śrī)!“ Sie wichen einander im Vorrang nicht. Da sprachen sie: „Lasst uns einander im Vorrang nicht weichen, sondern miteinander besprechen, wodurch wir die Besten sind.“ Sie sprachen zu Agni: „Wodurch bist du der Beste?“ Er sprach: „Ich bin der Mund der Götter, und der anderen Geschöpfe; durch mich werden die Opferspenden dargebracht; ich verwandle die Speise der Götter, und die der Menschen. Wäre ich nicht, so wären die Götter mundlos, und die anderen Geschöpfe mundlos; keine Opferspenden würden dargebracht, die Speise der Götter würde nicht verwandelt, noch die der Menschen; dann würde all dies zunichtewerden, dann bliebe gar nichts übrig.“ „So ist es“, sprachen sie, „nichts bliebe hier übrig, wärest du nicht.“ Dann sprachen sie zu Vāyu: „Und wodurch bist du der Beste?“ Er sprach: „Ich bin der Atem der Götter, und der anderen Geschöpfe; von wem ich weiche, der vergeht [wörtlich: „schwimmt davon“]. Wäre ich nicht, so würde all dies zunichtewerden, dann bliebe gar nichts übrig.“ „So ist es“, sprachen sie, „nichts bliebe hier übrig, wärest du nicht.“
[Anm.: Hier beginnt eine Version des altbekannten Erzähltyps vom „Rangstreit der Gottheiten/Vermögen“ (śraiṣṭhya-vivāda bzw. prāṇasaṃvāda), der in ähnlicher Form auch in Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 6.1 (= Chāndogya-Upaniṣad 5.1), Kauṣītaki-Upaniṣad 2.14 und Praśna-Upaniṣad 2 überliefert ist – dort meist mit Rede, Auge, Ohr, Denken und Atem als Streitenden. Die vorliegende JUB-Fassung wählt eine andere Sechsergruppe (Agni, Vāyu, Āditya, Atem, Speise, Rede) und endet nicht mit einer Weggang-Probe, sondern mit der in 4.13 folgenden Vereinigung aller sechs.] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 8. Anuvāka.
athādityam abruvan katham u tvaṃ śreṣṭho 'sīti. so 'bravīd aham evodyann ahar bhavāmy aham astaṃyan rātriḥ mayā cakṣuṣā karmāṇi kriyante sa yad ahaṃ na syāṃ naivāhas syān na rātriḥ na karmāṇi kriyeran. tata idaṃ sarvam parābhavet tato na kiṃ cana pariśiṣyeteti. evam eveti hocur naiveha kiṃ cana pariśiṣyeta yat tvaṃ na syā iti. atha prāṇam abruvan katham u tvaṃ śreṣṭho 'sīti. so 'bravīt prāṇo bhūtvāgnir dīpyate prāṇo bhūtvā vāyur ākāśam anubhavati prāṇo bhūtvāditya udeti prāṇād annam prāṇād vāk. sa yad ahaṃ na syāṃ tata idaṃ sarvam parābhavet tato na kiṃ cana pariśiṣyeteti. evam eveti hocur naiveha kiṃ cana pariśiṣyeta yat tvaṃ na syā iti. athānnam abruvan katham u tvaṃ śreṣṭham asīti. tad abravīn mayi pratiṣṭhāyāgnir dīpyate mayi pratiṣṭhāya vāyur ākāśam anuvibhavati mayi pratiṣṭhāyāditya udeti mad eva prāṇo mad vāk. sa yad ahaṃ na syāṃ tata idaṃ sarvam parābhavet tato na kiṃ cana pariśiṣyeteti. evam eveti hocur naiveva kiṃ cana pariśiṣyeta yat tvaṃ na syā iti. atha vācam abruvan katham u tvaṃ śreṣṭhāsīti. sābravīn mayaivedaṃ vijñāyate mayādaḥ sa yad ahaṃ na syāṃ naivedaṃ vijñāyeta nādaḥ. tata idaṃ sarvam parābhaven naiveha kiṃ cana pariśiṣyeteti. evam eveti hocur naiveha kiṃ cana pariśiṣyeta yat tvaṃ na syā iti.
Dann sprachen sie zu Āditya: „Und wodurch bist du der Beste?“ Er sprach: „Wenn ich aufgehe, werde ich zum Tag; wenn ich untergehe, zur Nacht; durch mein Auge [i.e. mein Licht] werden die Werke vollbracht. Wäre ich nicht, so gäbe es weder Tag noch Nacht, und keine Werke würden vollbracht; dann würde all dies zunichtewerden, dann bliebe gar nichts übrig.“ „So ist es“, sprachen sie, „nichts bliebe hier übrig, wärest du nicht.“ Dann sprachen sie zum Atem: „Und wodurch bist du der Beste?“ Er sprach: „Zum Atem geworden, entflammt Agni; zum Atem geworden, durchdringt Vāyu den Luftraum; zum Atem geworden, geht Āditya auf; vom Atem kommt die Speise, vom Atem die Rede. Wäre ich nicht, so würde all dies zunichtewerden, dann bliebe gar nichts übrig.“ „So ist es“, sprachen sie, „nichts bliebe hier übrig, wärest du nicht.“ Dann sprachen sie zur Speise: „Und wodurch bist du die Beste?“ Sie sprach: „Auf mich gegründet, entflammt Agni; auf mich gegründet, durchdringt Vāyu den Luftraum; auf mich gegründet, geht Āditya auf; von mir kommt der Atem, von mir die Rede. Wäre ich nicht, so würde all dies zunichtewerden, dann bliebe gar nichts übrig.“ „So ist es“, sprachen sie, „nichts bliebe hier übrig, wärest du nicht.“ Dann sprachen sie zur Rede: „Und wodurch bist du die Beste?“ Sie sprach: „Durch mich wird dies hier erkannt, durch mich jenes dort. Wäre ich nicht, so würde weder dies erkannt noch jenes; dann würde all dies zunichtewerden, dann bliebe gar nichts übrig.“ „So ist es“, sprachen sie, „nichts bliebe hier übrig, wärest du nicht.“
tā abruvann etā vai kila sarvā devatāḥ ekaikām evānu smaḥ sa yan nu nas sarvāsāṃ devatānām ekā cana na syāt tata idaṃ sarvam parābhavet tato na kiṃ cana pariśiṣyeta hanta sārdhaṃ sametya yac chreṣṭhaṃ tad asāmeti. tā etasmin prāṇa okāre vācy akāre samāyan tad yat samāyan tat sāmnas sāmatvam. tā abruvan yāni no martyāny anapahatapāpmāny akṣarāṇi tāny uddhṛtyāmṛteṣv apahatapāpmasu śuddheṣv akṣareṣu gāyatraṃ gāyāmāgnau vāyāv āditye prāṇe 'nne vāci tenāpahatya mṛtyum apahatya pāpmānaṃ svargaṃ lokam iyāmeti. ety agner amṛtam apahatapāpma śuddham akṣaram gnir ity asya martyam anapahatapāpmākṣaram. veti vāyor amṛtam apahatapāpma śuddham akṣaram yur ity asya martyam anapahatapāpmākṣaram. ety ādityasyāmṛtam apahatapāpma śuddham akṣaram tyety asya martyam anapahatapāpmākṣaram. preti prāṇasyāmṛtam apahatapāpma śuddham akṣaram ṇety asya martyam anapahatapāpmākṣaram. ety annasyāmṛtam apahatapāpma śuddham akṣaram nam ity asya martyam anapahatapāpmākṣaram. veti vāco 'mṛtam apahatapāpma śuddham akṣaram g ity asyai martyam anapahatapāpmākṣaram. tā etāni martyāny anapahatapāpmāny akṣarāṇy uddhṛtyāmṛteṣv apahatapāpmasu śuddheṣv akṣareṣu gāyatram āgāyann agnau vāyāv āditye prāṇe 'nne vāci tenāpahatya mṛtyum apahatya pāpmānaṃ svargaṃ lokam āyan. apahatya mṛtyum apahatya pāpmānaṃ svargaṃ lokam eti ya evaṃ veda.
Da sprachen sie: „Wir alle sind ja Gottheiten, jede für sich; wäre auch nur eine einzige von uns allen Gottheiten nicht, so würde all dies zunichtewerden, dann bliebe gar nichts übrig. Wohlan, lasst uns gemeinsam zusammenkommen und das werden, was das Beste ist.“ Sie vereinigten sich in diesem: im Atem als o-Laut, in der Rede als a-Laut; und dass sie sich „vereinigten“ (sam-ā-yan) – das ist die Sāman-Natur des Sāman [Wortspiel: die Silbenfolge sam-ā-i, „zusammengehen“, wird als Ursprung des Wortes sāman gedeutet]. Sie sprachen: „Unsere sterblichen, vom Übel noch nicht befreiten Silben – lasst uns diese herausnehmen und auf den unsterblichen, vom Übel befreiten, reinen Silben das Gāyatra singen, in Agni, Vāyu, Āditya, dem Atem, der Speise, der Rede; dadurch wollen wir, den Tod abschüttelnd, das Übel abschüttelnd, zur Himmelswelt gehen.“ „A“ ist Agnis unsterbliche, vom Übel befreite, reine Silbe; „-gniḥ“ ist seine sterbliche, vom Übel noch nicht befreite Silbe. „Vā“ ist Vāyus unsterbliche, vom Übel befreite, reine Silbe; „-yuḥ“ ist seine sterbliche, noch nicht befreite Silbe. „Ā“ ist Ādityas unsterbliche, vom Übel befreite, reine Silbe; „-tyaḥ“ ist seine sterbliche, noch nicht befreite Silbe. „Pra“ ist des Atems unsterbliche, vom Übel befreite, reine Silbe; „-ṇaḥ“ ist seine sterbliche, noch nicht befreite Silbe. „A“ ist der Speise unsterbliche, vom Übel befreite, reine Silbe; „-nnam“ ist ihre sterbliche, noch nicht befreite Silbe. „Vā“ ist der Rede unsterbliche, vom Übel befreite, reine Silbe; „-g“ ist ihre sterbliche, noch nicht befreite Silbe. Diese sterblichen, vom Übel noch nicht befreiten Silben nahmen sie heraus und sangen auf den unsterblichen, vom Übel befreiten, reinen Silben das Gāyatra, in Agni, Vāyu, Āditya, dem Atem, der Speise, der Rede; dadurch, den Tod abschüttelnd, das Übel abschüttelnd, gingen sie zur Himmelswelt. Den Tod abschüttelnd, das Übel abschüttelnd, geht zur Himmelswelt, wer dies so weiß.
[Anm.: Aus jedem Gottesnamen wird lautlich eine „unsterbliche, reine“ Anfangssilbe und eine „sterbliche, noch unreine“ Restsilbe herausgelöst (Agni → a + -gniḥ; Vāyu → vā + -yuḥ; Āditya → ā + -tyaḥ; Prāṇa → pra + -ṇaḥ; Anna → a + -nnam; Vāc → vā + -g); nur die reinen Silben werden zum Gāyatra-Gesang verwendet. Diese Silben-Mystik der „Herauslösung des Reinen“ aus einem Namen ist strukturell mit der berühmten „sat-ti-yam“-Lehre zu satyam in Chāndogya-Upaniṣad 8.3.5 vergleichbar.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 8. Anuvāka.
tā brahmābruvan tvayi pratiṣṭhāyaitam udyacchāmeti tā brahmābravīd āsyena prāṇena yuṣmān āsyena prāṇena mām upāpnavātheti. tā etena prāṇenaukāreṇa vācy akāram abhinimeṣyantyo hiṅkārād bhakāram okāreṇa vācam anusvarantya ubhābhyām prāṇābhyāṃ gāyatram agāyann ovā3c ovā3c ovā3c hum bhā vo vā iti. sa yathobhayāpadī pratitiṣṭhaty evam eva svarge loke pratyatiṣṭhan prati svarge loke tiṣṭhati ya evaṃ veda. ya u ha vā evaṃvid asmāl lokāt praiti sa prāṇa eva bhūtvā vāyum apyeti vāyor adhy abhrāṇy abhrebhyo 'dhi vṛṣṭiṃ vṛṣṭyaivemaṃ lokam anuvibhavati. ṛṣayo ha sattram āsāṃ cakrire te punaḥ-punar bahvībhir-bahvībhiḥ pratipadbhis svargasya lokasya dvāraṃ nānu cana bubudhire. ta u śrameṇa tapasā vratacaryeṇendram avarurudhire. taṃ hocus svargaṃ vai lokam aipsiṣma te punaḥ-punar bahvībhir-bahvībhiḥ pratipadbhis svargasya lokasya dvāraṃ nānu canābhutsmahi tathā no 'nuśādhi yathā svargasya lokasya dvāram anuprajñāyānārtās svasti saṃvatsarasyodṛcaṃ gatvā svargaṃ lokam iyāmeti. tān hovāca ko vas sthaviratama iti.
Sie sprachen zu Brahman: „Auf dich gegründet, wollen wir dieses [Gāyatra] erheben.“ Brahman sprach zu ihnen: „Durch den Mund-Atem möget ihr mich erreichen, durch den Mund-Atem.“ Mit diesem Atem, als o-Laut, indem sie in der Rede den a-Laut zum Verschwinden brachten, vom Hiṅkāra zum bha-Laut, mit dem o-Laut die Rede nachklingen lassend, sangen sie mit beiden Atemzügen das Gāyatra: „ovā3 ovā3 ovā3 hum bhā vo vā“ [klangliche Vollzugsformeln des Gesangs; die hochgestellte 3 bezeichnet einen dreifach gedehnten (pluta) Laut]. Wie ein Zweibeiniger fest steht, so standen sie fest in der Himmelswelt; fest steht in der Himmelswelt, wer dies so weiß. Wer, dies so wissend, aus dieser Welt hinscheidet, der geht, selbst zum Atem geworden, in den Wind ein; vom Wind in die Wolken, von den Wolken in den Regen; durch den Regen durchdringt er diese Welt. Die Seher hielten eine Sattra-Sitzung ab; immer wieder, mit vielen, vielen Eröffnungsversen, entdeckten sie die Tür der Himmelswelt nicht. Da bedrängten sie, durch Mühsal, durch Askese, durch Gelübdeerfüllung, Indra. Sie sprachen zu ihm: „Wir haben nach der Himmelswelt verlangt; immer wieder, mit vielen, vielen Eröffnungsversen, haben wir die Tür der Himmelswelt nicht entdeckt. Belehre uns so, dass wir, die Tür der Himmelswelt erkennend, unversehrt, wohlbehalten, den Wendepunkt (udṛc) des Jahres erreicht habend, zur Himmelswelt gehen mögen.“ Er sprach zu ihnen: „Wer von euch ist der Älteste?“
[Anm.: Der Weg des Wissenden nach dem Tod über Atem – Wind – Wolke – Regen zurück in diese Welt ist eine frühe Form der später in Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 6.2 und Chāndogya-Upaniṣad 5.10 ausgeführten Pañcāgnividyā (Lehre von den fünf Feuern) mit ihrer Unterscheidung von Devayāna und Pitṛyāna. Der genaue rituelle Sinn von „udṛc des Jahres“ [wörtlich etwa „Aufwärtswendung“] bleibt unsicher [?]; vermutlich ist ein Wende- bzw. Abschlusspunkt des liturgischen Jahreslaufs gemeint.] Kolophon: 4. Khaṇḍa im 8. Anuvāka.
aham ity agastyaḥ. sa vā ehīti hovāca tasmai vai te 'haṃ tad vakṣyāmi yad vidvā[ṃ]sas svargasya lokasya dvāram anuprajñāyānārtās svasti saṃvatsarasyodṛcaṃ gatvā svargaṃ lokam eṣyatheti. tasmā etaṃ gāyatrasyodgītham upaniṣadam amṛtam uvācāgnau vāyāv āditye prāṇe 'nne vāci. tato vai te svargasya lokasya dvāram anuprajñāyānārtās svasti saṃvatsarasyodṛcaṃ gatvā svargaṃ lokam āyan. evam evaivaṃ vidvān svargasya lokasya dvāram anuprajñāyānārtas svasti saṃvatsarasyodṛcaṃ gatvā svargaṃ lokam eti.
„Ich“, sprach Agastya. Er [Indra] sprach: „So komm her; dir will ich das sagen, wodurch ihr, wissend, die Tür der Himmelswelt erkennend, unversehrt, wohlbehalten, den Wendepunkt des Jahres erreicht habend, zur Himmelswelt gelangen werdet.“ Ihm verkündete er diese unsterbliche Geheimlehre (Upaniṣad) vom Udgītha des Gāyatra, in Agni, Vāyu, Āditya, dem Atem, der Speise, der Rede. Da erkannten sie die Tür der Himmelswelt, gingen unversehrt, wohlbehalten, den Wendepunkt des Jahres erreicht habend, zur Himmelswelt. Ebenso geht, wer dies so weiß, die Tür der Himmelswelt erkennend, unversehrt, wohlbehalten, den Wendepunkt des Jahres erreicht habend, zur Himmelswelt.
[Anm.: Agastya, der sich hier als „der Älteste“ meldet, ist einer der berühmtesten vedischen Seher, dem u. a. zahlreiche Ṛgveda-Hymnen zugeschrieben werden und der in der Tradition oft als besonders altehrwürdig gilt. Mit seiner Belehrung durch Indra endet der 8. Anuvāka.] Kolophon: 5. Khaṇḍa im 8. Anuvāka. Ende des 8. Anuvāka.
[dieser lehrte sie] Śaṅkha Bābhravya; Śaṅkha Bābhravya [lehrte sie] Dakṣa Kātyāyani Ātreya; Dakṣa Kātyāyani Ātreya [lehrte sie] Kaṃsa Vārakya; Kaṃsa Vārakya [lehrte sie] Suyajña Śāṇḍilya; Suyajña Śāṇḍilya [lehrte sie] Agnidatta Śāṇḍilya; Agnidatta Śāṇḍilya [lehrte sie wiederum einem] Suyajña Śāṇḍilya; dieser Suyajña Śāṇḍilya [lehrte sie] Jayanta Vārakya; Jayanta Vārakya [lehrte sie] Janaśruta Vārakya; Janaśruta Vārakya [lehrte sie] Sudatta Pārāśarya. Dies ist Śāṭyāyanis Geheimlehre des Gāyatra; so soll sie verehrt werden.
[Anm.: Die Lehrer-Schüler-Kette läuft unmittelbar über die Khaṇḍa-Grenze zwischen 4.16 und 4.17 hinweg mitten im Namen weiter (wie zuvor schon zwischen 3.4/3.5 und im Stammbaum 3.40–3.42) – ein Hinweis, dass die Khaṇḍa-Einteilung nicht immer mit inhaltlichen Sinneinheiten zusammenfällt. Der Name „Suyajña Śāṇḍilya“ erscheint zweimal in der Kette (als Schüler des Kaṃsa Vārakya und, eine Generation später, als Schüler des Agnidatta Śāṇḍilya); da Śāṇḍilya ein Gotra- bzw. Sippenname ist, dürfte es sich um zwei verschiedene Träger dieses Familiennamens handeln, wie es in vedischen Lehrer-Stammbäumen (vgl. etwa Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 2.6, 4.6, 6.5) nicht ungewöhnlich ist. Mit diesem Stammbaum endet der 9. Anuvāka.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 9. Anuvāka. Ende des 9. Anuvāka.
keneṣitam patati preṣitam manaḥ kena prāṇaḥ prathamaḥ praiti yuktaḥ keneṣitāṃ vācam imāṃ vadanti cakṣuś śrotraṃ ka u devo yunakti. śrotrasya śrotram manaso mano yad vāco ha vācaṃ sa u prāṇasya prāṇaḥ cakṣuṣaś cakṣur atimucya dhīrāḥ pretyāsmāl lokād amṛtā bhavanti. na tatra cakṣur gacchati na vāg gacchati no manaḥ na vidma na vijānīmo yathaitad anuśiṣyāt. anyad eva tad viditād atho aviditād adhi iti śuśruma pūrveṣāṃ ye nas tad vyācacakṣire. yad vācānabhyuditaṃ yena vāg abhyudyate tad eva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yad idam upāsate. yan manasā na manute yenāhur mano matam tad eva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yad idam upāsate. yac cakṣuṣā na paśyati yena cakṣū[ṃ]ṣi paśyati tad eva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yad idam upāsate. yac chrotreṇa na śṛṇoti yena śrotram idaṃ śrutam tad eva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yad idam upāsate. yat prāṇena na prāṇiti yena prāṇaḥ praṇīyate tad eva brahma tvaṃ viddhi nedaṃ yad idam upāsate.
„Von wem gewollt fliegt der entsandte Geist seinem Ziele zu? Von wem gelenkt geht der Atem, der erste, ins Werk gesetzt, voran? Von wem gewollt sprechen sie diese Rede hier? Welcher Gott ist es fürwahr, der Auge und Ohr in Dienst nimmt?“ Das, was das Ohr des Ohres ist, der Geist des Geistes, was der Rede Rede ist, das eben ist der Atem des Atems, das Auge des Auges; davon losgelöst, werden die Weisen, aus dieser Welt hinscheidend, unsterblich. Dorthin geht das Auge nicht, dorthin geht die Rede nicht, noch der Geist; wir wissen es nicht, wir verstehen nicht, wie man dies lehren sollte. Anders fürwahr ist es als das Erkannte, und auch über das Nichterkannte erhaben – so haben wir es von den Alten gehört, die es uns erklärten. Was durch die Rede nicht ausgesprochen wird, wodurch aber die Rede ausgesprochen wird – das allein erkenne als Brahman, nicht dies, was man hier verehrt. Was man mit dem Geist nicht denkt, wodurch aber, wie man sagt, der Geist gedacht wird – das allein erkenne als Brahman, nicht dies, was man hier verehrt. Was man mit dem Auge nicht sieht, wodurch aber die Augen sehen – das allein erkenne als Brahman, nicht dies, was man hier verehrt. Was man mit dem Ohr nicht hört, wodurch aber dieses Hören gehört wird – das allein erkenne als Brahman, nicht dies, was man hier verehrt. Was man mit dem Atem nicht atmet, wodurch aber der Atem geleitet wird – das allein erkenne als Brahman, nicht dies, was man hier verehrt.
[Anm.: Dieser Abschnitt und die drei folgenden (4.19–4.21) sind, von geringfügigen Lesartunterschieden abgesehen, wortgleich mit der berühmten Kena-Upaniṣad (auch Talavakāra-Upaniṣad genannt) – tatsächlich ist die Kena-Upaniṣad überhaupt nichts anderes als dieser Abschnitt der Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa, der als eigenständige Upaniṣad aus dem größeren Werk herausgelöst und gesondert überliefert wurde. Ihr Name „Kena“ („von wem“) stammt vom ersten Wort dieses Textes. Der vorliegende Abschnitt entspricht Kena-Upaniṣad, 1. Khaṇḍa.] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 10. Anuvāka.
yadi manyase su vedeti dahram evāpi nūnaṃ tvaṃ vettha brahmaṇo rūpaṃ yad asya tvaṃ yad asya deveṣu atha nu mīmā[ṃ]syam eva te manye 'viditam. nāham manye su vedeti no na vedeti veda ca yo nas tad veda tad veda no na vedeti veda ca. yasyāmataṃ tasya matam mataṃ yasya na veda saḥ avijñātaṃ vijānatāṃ avijānatām. pratibodhaviditam matam amṛtatvaṃ hi vindate ātmanā vindate vīryaṃ vidyayā vindate 'mṛtam. iha ced avedīd atha satyam asti na ced ihāvedīn mahatī vinaṣṭiḥ bhūteṣu-bhūteṣu vivicya dhīrāḥ pretyāsmāl lokād amṛtā bhavanti.
„Wenn du meinst: ‚Ich weiß es wohl‘ – so kennst du doch wohl nur wenig von der Gestalt des Brahman, [sei es] das, was von ihm [in dir] ist, [sei es] das, was von ihm unter den Göttern ist; so, meine ich, ist es dir noch zu erforschen, [denn es ist dir] unbekannt.“ „Ich meine nicht: ‚Ich weiß es wohl‘, noch [meine ich]: ‚Ich weiß es nicht.‘ Wer von uns dies weiß [in beider Weise – als Wissen und Nichtwissen zugleich], der weiß es.“ Wem es nicht als Gegenstand gedacht ist, dem ist es gedacht [im wahren Sinn]; wer es als Gegenstand zu wissen meint, der weiß es nicht: unerkannt [bleibt es] denen, die [es gegenständlich] erkennen [wollen], [erkannt aber] denen, die es nicht [gegenständlich zu er]kennen [meinen]. Erkannt wird es im Erwachen [an jeder Erfahrung]; dadurch erlangt man Unsterblichkeit; durch das Selbst erlangt man Kraft, durch Erkenntnis erlangt man Unsterblichkeit. Wenn man es hier erkannt hat, dann ist es Wirklichkeit; wenn man es hier nicht erkannt hat, ist es ein großer Verlust. Indem sie es in jedem einzelnen Wesen unterscheidend erkennen, werden die Weisen, aus dieser Welt hinscheidend, unsterblich.
[Anm.: Entspricht Kena-Upaniṣad, 2. Khaṇḍa, mit dem berühmten Paradox vom Wissen und Nichtwissen des Brahman (Vers 2.3: „unerkannt denen, die es erkennen [wollen], erkannt denen, die es nicht [zu er]kennen [meinen]“) – eine der meistzitierten Stellen der gesamten Upaniṣad-Literatur.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 10. Anuvāka.
brahma ha devebhyo vijigye tasya ha brahmaṇo vijaye devā amahīyanta ta aikṣantāsmākam evāyaṃ vijayaḥ asmākam evāyam mahimeti. tad dhaiṣāṃ vijajñau tebhyo ha prādur babhūva tan na vyajānanta kim idaṃ yakṣam iti. te 'gnim abruvañ jātaveda etad vijānīhi kim etad yakṣam iti tatheti. tad abhyadravat tam abhyavadat ko 'sīti agnir vā aham asmīty abravīj jātavedā vā aham asmīti. tasmi[ṃ]s tvayi kiṃ vīryam iti apīdaṃ sarvaṃ daheyam yad idam pṛthivyām iti. tasmai tṛṇaṃ nidadhāv etad daheti tad upapreyāya sarvajavena tan na śaśāka dagdhum sa tata eva nivavṛte nainad aśakaṃ vijñātuṃ yad etad yakṣam iti. atha vāyum abruvan vāyav etad vijānīhi kim etad yakṣam iti tatheti. tad abhyadravat tam abhyavadat ko 'sīti vāyur vā aham asmīty abravīn mātariśvā vā aham asmīti. tasmi[ṃ]s tvayi kiṃ vīryam iti apīdaṃ sarvam ādadīya yad idam pṛthivyām iti. tasmai tṛṇaṃ nidadhāv etad ādatsveti tad upapreyāya sarvajavena tan na śaśākādātum sa tata eva nivavṛte nainad aśakaṃ vijñātuṃ yad etad yakṣam iti. athendram abruvan maghavann etad vijānīhi kim etad yakṣam iti tatheti tad abhyadravat tasmāt tiro 'dadhe. sa tasminn evākāśe striyam ājagāma bahu śobhamānām umāṃ haimavatīm tāṃ hovāca kim etad yakṣam iti.
Brahman errang für die Götter den Sieg. In diesem Siege Brahmans nun überhoben sich die Götter; sie dachten: „Unser allein ist dieser Sieg, unser allein ist diese Größe.“ Das erkannte Brahman von ihnen; da erschien es ihnen, doch sie erkannten nicht, was das für ein Wundergeist (yakṣa) sei. Sie sprachen zu Agni: „Jātavedas [Beiname Agnis: der ‚das Entstandene Kennende‘], finde heraus, was das für ein Wundergeist ist!“ – „So sei es.“ Er eilte auf ihn zu; da sprach jener zu ihm: „Wer bist du?“ „Agni bin ich fürwahr“, sprach er, „Jātavedas bin ich.“ „Welche Kraft ist in dir, der du bist?“ „Dies alles könnte ich verbrennen, was hier auf der Erde ist.“ Da legte er ihm einen Grashalm hin: „Verbrenne diesen.“ Er näherte sich ihm mit aller Schnelligkeit, [doch] er vermochte ihn nicht zu verbrennen. Da kehrte er von dort zurück: „Ich vermochte nicht zu erkennen, was das für ein Wundergeist ist.“ Dann sprachen sie zu Vāyu: „Vāyu, finde heraus, was das für ein Wundergeist ist!“ – „So sei es.“ Er eilte auf ihn zu; da sprach jener zu ihm: „Wer bist du?“ „Vāyu bin ich fürwahr“, sprach er, „Mātariśvan bin ich.“ „Welche Kraft ist in dir, der du bist?“ „Dies alles könnte ich hinwegnehmen, was hier auf der Erde ist.“ Da legte er ihm einen Grashalm hin: „Nimm diesen hinweg.“ Er näherte sich ihm mit aller Schnelligkeit, [doch] er vermochte ihn nicht hinwegzunehmen. Da kehrte er von dort zurück: „Ich vermochte nicht zu erkennen, was das für ein Wundergeist ist.“ Dann sprachen sie zu Indra: „Maghavan [Beiname Indras: der ‚Freigebige‘], finde heraus, was das für ein Wundergeist ist!“ – „So sei es.“ Er eilte auf ihn zu; da entschwand jener vor ihm. In eben diesem Raume nun begegnete er einer Frau, überaus schön leuchtend, Umā, der Tochter des Himavat; zu ihr sprach er: „Was ist das für ein Wundergeist?“
[Anm.: Entspricht Kena-Upaniṣad, 3. Khaṇḍa – die berühmte Erzählung vom rätselhaften Geistwesen (yakṣa), an dem Agni, Vāyu und schließlich Indra ihre Kraft erproben, bis Umā Haimavatī (die Tochter des Himavat, later mit Śiva-Parvatī gleichgesetzt) Indra offenbart, dass es Brahman war.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 10. Anuvāka.
brahmeti hovāca brahmaṇo vā etad vijaye mahīyadhva iti tato haiva vidāṃ cakāra brahmeti. tasmād vā ete devā atitarām ivānyān devān yad agnir vāyur indraḥ te hy enan nediṣṭham paspṛśus sa hy enat prathamo vidāṃ cakāra brahmeti. tasmād vā indro 'titarām ivānyān devān sa hy enan nediṣṭham pasparśa sa hy enat prathamo vidāṃ cakāra brahmeti. tasyaiṣa ādeśo yad etad vidyuto vyadyutad ā3 iti nyamiṣad ā3 ity adhidevatam. athādhyātmam yad enad gacchatīva ca mano 'nena cainad upasmaraty abhīkṣṇaṃ saṃkalpaḥ. tad dha tadvanaṃ nāma tadvanam ity upāsitavyam sa ya etad evaṃ vedābhi hainaṃ sarvāṇi bhūtāni saṃvāṅchanti. upaniṣadam bho brūhīti uktā ta upaniṣat brāhmīṃ vāva ta upaniṣadam abrūmeti. tasyai tapo damaḥ karmeti pratiṣṭhā vedās sarvāṅgāṇi satyam āyatanam. yo vā etām evaṃ vedāpahatya pāpmānam anante svarge loke 'jyeye pratitiṣṭhati.
„Brahman ist es“, sprach sie, „im Siege Brahmans fürwahr habt ihr euch überhoben.“ Da erst erkannte er: „Brahman ist es.“ Darum eben übertreffen diese Götter – Agni, Vāyu und Indra – gleichsam die anderen Götter, weil sie ihm am nächsten kamen, weil er [Indra] es zuerst erkannte: „Brahman ist es.“ Darum eben übertrifft Indra gleichsam die anderen Götter, weil er ihm am nächsten kam, weil er es zuerst erkannte: „Brahman ist es.“ Dies ist die Unterweisung darüber, [gegeben] durch dieses: wie wenn der Blitz aufblitzt – ‚Ah!‘ –, wie wenn [das Auge] blinzelt – ‚Ah!‘ –, so bezogen auf die Gottheiten. Nun bezogen auf das Selbst: das, wohin der Geist gleichsam zu gehen scheint, und wodurch man sich seiner immer wieder erinnert – das ist die Willensregung (saṃkalpa). Das eben trägt den Namen ‚Tadvana‘ [‚das ersehnte Ziel‘, wörtlich ‚das, wonach man verlangt‘]; als ‚Tadvana‘ soll es verehrt werden. Wer dies so weiß, nach ihm verlangen alle Wesen. „Die Geheimlehre, o Herr, verkünde [mir]!“ – „Verkündet ist dir die Geheimlehre; die auf Brahman bezogene Geheimlehre haben wir dir verkündet.“ Askese, Selbstbeherrschung und rechtes Handeln sind ihre Grundlage, die Veden all ihre Glieder, Wahrheit ihre Wohnstatt. Wer sie so weiß, steht, nachdem er das Übel abgeschüttelt hat, fest in der endlosen, unübertrefflichen Himmelswelt.
[Anm.: Entspricht Kena-Upaniṣad, 4. Khaṇḍa, mit dem sie ihren Abschluss findet. Mit diesem Khaṇḍa endet zugleich der 10. Anuvāka der Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa.] Kolophon: 4. Khaṇḍa im 10. Anuvāka. Ende des 10. Anuvāka.
āśā vā idam agra āsīd bhaviṣyad eva tad abhavat tā āpo 'bhavan. tās tapo 'tapyanta tās tapas tepānā huss ity eva prācīḥ prāśvasan sa vāva prāṇo 'bhavat. tāḥ prāṇyāpānan sa vā apāno 'bhavat. tā apānya vyānan sa vāva vyāno 'bhavat. tā vyānya samānan sa vāva samāno 'bhavat. tās samānyodānan sa vā udāno 'bhavat. tad idam ekam eva sadhamādyam āsīd aviviktam. sa nāmarūpam akuruta tenainad vyavinak vi ha pāpmano vicyate ya evaṃ veda. tad asau vā ādityaḥ prāṇo 'gnir apāna āpo vyāno diśas samānaś candramā udānaḥ. tad vā etad ekam abhavat prāṇa eva sa ya evam etad ekam bhavad vedaivaṃ haitad ekadhā bhavatīty ekadhaiva śreṣṭhas svānām bhavati. tad agnir vai prāṇo vāg iti pṛthivī vāyur vai prāṇo vāg ity antarikṣam ādityo vai prāṇo vāg iti dyaur diśo vai prāṇo vāg iti śrotraṃ candramā vai prāṇo vāg iti manaḥ pumān vai prāṇo vāg iti strī. tasyedaṃ sṛṣṭaṃ śithilam bhuvanam āsīd aparyāptam. sa manorūpam akuruta tena tat paryāpnot dṛḍhaṃ ha vā asyedaṃ sṛṣṭam aśithilam bhuvanam paryāptam bhavati ya evaṃ veda.
Hoffnung (āśā) war dies im Anfang; das Künftige selbst wurde [wirklich]; das wurden die Wasser. Diese übten Askese; diese, Askese übend, hauchten nach Osten hin mit dem Laut „huḥ“ – das eben wurde der Atem (prāṇa). Nachdem sie ausgeatmet hatten, atmeten sie ein – das eben wurde der Einatem (apāna). Nachdem sie eingeatmet hatten, atmeten sie auseinander – das eben wurde der Zwischenatem (vyāna). Nachdem sie auseinandergeatmet hatten, atmeten sie gleichmäßig – das eben wurde der ausgleichende Atem (samāna). Nachdem sie gleichmäßig geatmet hatten, atmeten sie aufwärts – das eben wurde der Aufwärtsatem (udāna). Dies war dann eines allein, in gemeinsamer Festfreude (sadhamādya), ungesondert. Es machte Name und Gestalt (nāmarūpa); dadurch sonderte es dies. Vom Übel gesondert wird, wer dies so weiß. Nun: jener Āditya ist der Atem, Agni der Einatem, die Wasser der Zwischenatem, die Himmelsrichtungen der ausgleichende Atem, der Mond der Aufwärtsatem. Dies wurde dann eines: eben der Atem. Wer weiß, dass dies so eines wurde, wird ebenso [in sich] eines; und so wird er, eben in solcher Einheit, der Beste unter den Seinen. Nun: Agni fürwahr ist der Atem, die Erde ist die Rede; Vāyu fürwahr ist der Atem, der Luftraum ist die Rede; Āditya fürwahr ist der Atem, der Himmel ist die Rede; die Himmelsrichtungen fürwahr sind der Atem, das Ohr ist die Rede; der Mond fürwahr ist der Atem, der Geist ist die Rede; der Mann fürwahr ist der Atem, die Frau ist die Rede. Diese seine geschaffene Welt war locker, nicht ausreichend. Da machte er die Gestalt des Geistes; dadurch machte er sie ausreichend. Fest, nicht locker, ausreichend wird diese seine geschaffene Welt, für wen dies so weiß.
[Anm.: Eine eigenständige Kosmogonie, die die fünf Atemarten (Prāṇa, Apāna, Vyāna, Samāna, Udāna) aus den anfänglichen, Askese übenden Wassern über eine Lautspielerei ableitet (jede Atemart trägt den Namen des Verbs, mit dem ihr jeweiliger Atemvorgang bezeichnet wird) und sie sodann kosmisch (Sonne, Agni, Wasser, Himmelsrichtungen, Mond) auslegt. Die daran anschließende Reihe von sechs Paaren, in denen der Atem stets dem männlichen, die Rede stets dem weiblichen Prinzip zugeordnet wird (Agni/Erde, Vāyu/Luftraum, Āditya/Himmel, Himmelsrichtungen/Ohr, Mond/Geist, Mann/Frau), führt die schon in 3.34 begegnete Atem-Rede-Geschlechterpolarität weiter aus.] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 11. Anuvāka.
saiṣā caturdhā vihitā śrīr udgīthas sāmārkyaṃ jyeṣṭhabrāhmaṇam. prāṇo vāvod vāg gī sa udgīthaḥ. prāṇo vāvāmo vāk sā tat sāma. prāṇo vāva ko vāg ṛk tad arkyam. prāṇo vāva jyeṣṭho vāg brāhmaṇaṃ taj jyeṣṭhabrāhmaṇam. upaniṣadam bho brūhīti uktā ta upaniṣad yasya te dhātava uktāḥ tridhātu viṣu vāva ta upaniṣadam abrūmeti. etac chuklaṃ kṛṣṇaṃ tāmraṃ sāmavarṇa iti ha smāha yadaiva śuklakṛṣṇe tāmro varṇo 'bhyavaiti sa vai te vṛṅte daśama mānuṣam iti tridhātu sa aikṣata kva nu ma uttānāya śayānāyemā devatā baliṃ hareyur iti.
Dieser Glanz (śrī) ist vierfach verteilt: Udgītha, Sāman, das zur Ṛc Gehörige, das Jyeṣṭha-Brahman [das „älteste“, vornehmste Brahman-Wort]. Der Atem fürwahr ist „ud“, die Rede ist „gī“ – das ist der Udgītha. Der Atem fürwahr ist „ama“, die Rede ist „sā“ – das ist das Sāman. Der Atem fürwahr ist „ka“, die Rede ist „ṛc“ – das ist das Ārkya. Der Atem fürwahr ist „jyeṣṭha“ [das Vornehmste], die Rede ist „brāhmaṇa“ – das ist das Jyeṣṭhabrāhmaṇa. „Die Geheimlehre, o Herr, verkünde!“ – „Verkündet ist dir die Geheimlehre, deren Bestandteile dir genannt wurden: eine dreifache haben wir dir verkündet, [in den drei Bereichen] verteilt [?].“ Dies ist weiß, schwarz, kupferfarben – „die Farbe des Sāman“, wie man zu sagen pflegte. Wenn eben inmitten des Weißen und Schwarzen die kupferne Farbe hervortritt – „diese wählt dich als die zehnte, menschliche [Farbe/Gabe]“ [?] –, so dreifach. Er [jenes Wesen] erwog: „Wie nur sollten mir, dem ausgestreckt Daliegenden, diese Gottheiten Tribut darbringen?“
[Anm.: Die Ableitung von Udgītha, Sāman, Ārkya und Jyeṣṭhabrāhmaṇa aus je einer Silbe des Atems und einer der Rede ist – wie zuvor etwa bei Hiṅkāra und Sāman (3.12–3.13) – eine lautspielerische, nicht sprachhistorische Etymologie. Der Abschnitt über die drei Augenfarben (weiß, schwarz, kupferfarben) als „Farbe des Sāman“ und ihre Deutung ist im Sanskrit stark verdichtet und an mehreren Stellen unsicher [?]; die Fortsetzung in 4.24 macht deutlich, dass hier von den drei im Auge sichtbaren Farben die Rede ist, die dort ausdrücklich den Ṛc-, Sāman- und Yajus-Texten zugeordnet werden.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 11. Anuvāka.
sa puruṣam eva prapadanāyāvṛṇīta. tam purastāt pratyañcam prāviśat tasmā urur abhavat tad urasa urastvam. tasmā atrasada etā devatā baliṃ haranti. vācam anuharantīm agnir asmai baliṃ harati. mano 'nuharac candramā asmai baliṃ harati. cakṣur anuharad ādityo 'smai baliṃ harati. śrotram anuharad diśo 'smai baliṃ haranti. prāṇam anuharantaṃ vāyur asmai baliṃ harati. tasyaite niṣkhātāḥ panthā balivāhanā ime prāṇāḥ evaṃ haitaṃ niṣkhātāḥ panthā balivāhanās sarvato 'piyanti prāṇā ya evaṃ veda. sā haiṣā brahmāsandīm ārūḍhā ā hāsmai brahmāsandīṃ haranty adhi ha brahmāsandīṃ rohati ya evaṃ veda. tad etad brahmayaśaś śriyā parivṛḍham brahma ha tu san yaśasā śriyā parivṛḍho bhavati ya evaṃ veda. tasyaiṣa ādeśo yo 'yaṃ dakṣiṇe 'kṣann antaḥ tasya yac chuklaṃ tad ṛcāṃ rūpaṃ yat kṛṣṇaṃ tat sāmnāṃ yad eva tāmram iva babhrur iva tad yajuṣām. ya evāyaṃ cakṣuṣi puruṣa eṣa indra eṣa prajāpatis samaḥ pṛthivyā sama ākāśena samo divā samas sarveṇa bhūtena eṣa paro divo dīpyate eṣa evedaṃ sarvam ity upāsitavyam.
Er erwählte die Person (puruṣa) allein zum Ort der Zuwendung [für die Gottheiten]. [Ihm] trat man von vorn her, ihm zugewandt, entgegen [?]; dadurch wurde er breit (uru) – das ist die Breite (urastva) der Brust (uras) [Lautspiel: uras von uru]. Deshalb bringen ihm, dem so gleichsam Erschauernden [?], diese Gottheiten Tribut dar. Der Rede entsprechend bringt Agni ihm Tribut dar. Dem Geist entsprechend bringt der Mond ihm Tribut dar. Dem Auge entsprechend bringt Āditya ihm Tribut dar. Dem Ohr entsprechend bringen die Himmelsrichtungen ihm Tribut dar. Dem Atem entsprechend bringt Vāyu ihm Tribut dar. Dies sind seine ausgehobenen, tributbringenden Pfade: eben diese Atemkräfte. So nähern sich ihm, dem so Wissenden, von allen Seiten, wie über ausgehobene, tributbringende Pfade, die Atemkräfte. Dieser [Glanz] ist auf den Brahman-Thron (brahmāsandī) gestiegen; ihm bringen sie den Brahman-Thron dar, auf den Brahman-Thron steigt, wer dies so weiß. Dies eben ist Brahmans Ruhm, durch Glanz vermehrt; Brahman zwar seiend, wird man durch Ruhm und Glanz vermehrt, wer dies so weiß. Dies ist die Unterweisung darüber: Diese Person, die im rechten Auge ist – von ihr ist, was weiß ist, die Gestalt der Ṛc-Verse; was schwarz ist, die der Sāman; was kupferfarben, bräunlich ist, die der Yajus-Formeln. Eben diese Person, die im Auge ist, sie ist Indra, sie ist Prajāpati; sie ist der Erde gleich, dem Luftraum gleich, dem Himmel gleich, jedem Wesen gleich; sie leuchtet jenseits des Himmels; sie allein ist dies alles – so soll sie verehrt werden.
[Anm.: Die mit [?] markierten Wendungen zu Beginn dieses Abschnitts sind im Sanskrit grammatisch und inhaltlich schwer fassbar; der Sinngehalt – die Person/das Wesen wird von den Gottheiten mit Tribut versehen – ist jedoch aus dem Folgenden klar erschließbar. Die Lehre von der im Auge wohnenden Person (puruṣa), die mit Indra und Prajāpati gleichgesetzt wird, ist ein klassisches Upaniṣad-Motiv, vgl. Chāndogya-Upaniṣad 1.7.5, 4.15.1 und Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 5.5.2.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 11. Anuvāka.
sac cāsac cāsac ca sac ca vāk ca manaś ca [manaś ca] vāk ca cakṣuś ca śrotraṃ ca śrotraṃ ca cakṣuś ca śraddhā ca tapaś ca tapaś ca śraddhā ca tāni ṣoḍaśa. ṣoḍaśakalam brahma sa ya evam etat ṣoḍaśakalam brahma veda tam evaitat ṣoḍaśakalam brahmāpyeti. vedo brahma tasya satyam āyatanaṃ śamaḥ pratiṣṭhā damaś ca. tad yathā śvaḥ praiṣyan pāpāt karmaṇo jugupsetaivam evāhar-ahaḥ pāpāt karmaṇo jugupsetākālāt. athaisāṃ daśapadī virāṭ. daśa puruṣe svarganarakāṇi tāny enaṃ svargaṃ gatāni svargaṃ gamayanti narakaṃ gatāni narakaṃ gamayanti.
Das Seiende und das Nichtseiende, und das Nichtseiende und das Seiende; Rede und Geist, und Geist und Rede; Auge und Ohr, und Ohr und Auge; Glaube (śraddhā) und Askese, und Askese und Glaube – das sind sechzehn. Das sechzehnteilige Brahman: Wer so dieses sechzehnteilige Brahman kennt, den erreicht eben dieses sechzehnteilige Brahman selbst. Der Veda ist Brahman; dessen Wohnstatt ist die Wahrheit, dessen Grundlage Gelassenheit (śama) und Selbstbeherrschung (dama). Wie einer, der morgen aufbrechen wird, sich vor übler Tat hüten würde, so sollte man sich Tag für Tag vor übler Tat hüten, ohne Rücksicht auf den [rechten] Zeitpunkt [d.h. beständig, nicht nur in Erwartung des Todes]. Von diesen [Kräften] nun die zehnfüßige Virāj: Zehn Himmel-und-Höllen sind in der Person; diese, zum Himmel gegangen, führen ihn zum Himmel, zur Hölle gegangen, führen ihn zur Hölle.
[Anm.: Die Lehre vom „sechzehnteiligen Brahman“ (ṣoḍaśakalam brahma) erinnert in Struktur und Bezeichnung an die Lehre vom „Puruṣa mit sechzehn Teilen“ (ṣoḍaśakalaḥ puruṣaḥ) in Praśna-Upaniṣad 6, wenn auch die hier aufgezählten sechzehn Teile (vier Paare, je in beiden Reihenfolgen genannt) andere sind. Die abschließende Bemerkung zu den „zehn Himmeln-und-Höllen in der Person“ leitet unmittelbar zu der in 4.26 folgenden Aufzählung der zehn Sinnes- und Körperkräfte über.] Kolophon: 4. Khaṇḍa im 11. Anuvāka.
mano narako vāṅ narakaḥ prāṇo narakaś cakṣur narakaś śrotraṃ narakas tvaṅ narako hastau narako gudaṃ narakaś śiśnaṃ narakaḥ pādau narakaḥ. manasā parīkṣyāṇi vedeti veda. vācā rasān vedeti veda. prāṇena gandhān vedeti veda. cakṣuṣā rūpāṇi vedeti veda. śrotreṇa śabdān vedeti veda. tvacā saṃsparśān vedeti veda. hastābhyāṃ karmāṇi vedeti veda. udareṇāśanayāṃ vedeti veda. śiśnena rāmān vedeti veda. pādābhyām adhvano vedeti veda. plakṣasya prāsravaṇasya prādeśamātrād udak tat pṛthivyai madhyam atha yatraite sapta ṛṣayas tad divo madhyam. atha yatraita ūṣās tat pṛthivyai hṛdayam atha yad etat kṛṣṇaṃ candramasi tad divo hṛdayam. sa ya evam ete dyāvāpṛthivyor madhye ca hṛdaye ca veda nākāmo 'smāl lokāt praiti. namo 'tisāmāyaituretāya dhṛtarāṣṭrāya pārthuśravasāya ye ca prāṇaṃ rakṣanti te mā rakṣantu svasti karmeti gārhapatyaś śama ity āhavanīyo dama ity anvāhāryapacanaḥ.
Der Geist ist eine Hölle, die Rede ist eine Hölle, der Atem ist eine Hölle, das Auge ist eine Hölle, das Ohr ist eine Hölle, die Haut ist eine Hölle, die Hände sind eine Hölle, der After ist eine Hölle, das Glied ist eine Hölle, die Füße sind eine Hölle. „Mit dem Geist erkenne ich das zu Prüfende“ – so [wissend] weiß er [wahrhaft]. „Mit der Rede erkenne ich die Geschmäcke“ – so weiß er. „Mit dem Atem erkenne ich die Gerüche“ – so weiß er. „Mit dem Auge erkenne ich die Formen“ – so weiß er. „Mit dem Ohr erkenne ich die Töne“ – so weiß er. „Mit der Haut erkenne ich die Berührungen“ – so weiß er. „Mit den Händen erkenne ich die Handlungen“ – so weiß er. „Mit dem Bauch erkenne ich den Hunger“ – so weiß er. „Mit dem Glied erkenne ich die Lustempfindungen“ – so weiß er. „Mit den Füßen erkenne ich die Wege“ – so weiß er. Eine Hand breit nördlich vom Plakṣa Prāsravaṇa [der heiligen Feige an der Quelle, die in der vedischen Geographie als „Nabel der Erde“ gilt] – das ist die Mitte der Erde. Und wo die Sieben Seher (die sieben Sterne des Großen Bären) sind – das ist die Mitte des Himmels. Und wo diese Uṣas-Gefilde [?] sind – das ist das Herz der Erde. Und was an dem Mond dunkel ist – das ist das Herz des Himmels. Wer so diese Mitte und dieses Herz von Himmel und Erde kennt, scheidet nicht ohne erfüllten Wunsch aus dieser Welt. Verehrung dem Atisāma Aitureya, dem Dhṛtarāṣṭra Pārthuśravasa; und die, die den Atem schützen, mögen mich schützen; Heil sei dem Werk. Der Gārhapatya[-Feuer] ist Gelassenheit (śama); der Āhavanīya ist Selbstbeherrschung (dama); der Anvāhāryapacana ist –
[Anm.: Die zehn hier genannten „Höllen“ entsprechen genau den in 4.25 angekündigten „zehn Himmeln-und-Höllen in der Person“. Bemerkenswert ist, dass die zweite Aufzählung (der Erkenntnisformeln) an neunter Stelle „Bauch“ (udara, für Hunger) nennt, wo die erste Liste „After“ (guda) hatte – eine kleine Unstimmigkeit zwischen beiden Listen, die im Sanskrit-Text so vorliegt und hier unemendiert wiedergegeben wird. Der Plakṣa Prāsravaṇa als „Nabel der Erde“ ist auch aus anderen vedischen Texten (u. a. dem Baudhāyana-Śrautasūtra) als mythischer Ursprungsort der Sarasvatī bekannt. Die Bedeutung von „ūṣās“ (hier probeweise mit „Uṣas-Gefilde“ wiedergegeben) an dieser Stelle bleibt unsicher [?] – gemeint sein könnte auch ein Salzland (ūṣara) oder ein mit der Morgenröte (Uṣas) verbundener Ort. Der Abschnitt endet mitten im Satz mit der Zuordnung des Anvāhāryapacana-Feuers, ohne dass – anders als zuvor bei Gārhapatya und Āhavanīya – noch ein Begriff genannt wird; dies liegt bereits so im Sanskrit-Text vor.] Kolophon: 5. Khaṇḍa im 11. Anuvāka. Ende des 11. Anuvāka.
kā sāvitrī agnir eva savitā pṛthivī sāvitrī. sa yatrāgnis tat pṛthivī yatra vā pṛthivī tad agniḥ te dve yonī tad ekam mithunam. kas savitā kā sāvitrī varuṇa eva savitā āpas sāvitrī. sa yatra varuṇas tad āpo yatra vāpas tad varuṇaḥ te dve yonī [tad ekam mithunam.] kas savitā kā sāvitrī vāyur eva savitā ākāśas sāvitrī. sa yatra vāyus tad ākāśo yatra vākāśas tad vāyuḥ te dve yonī tad ekam mithunam. kas savitā kā sāvitrī yajña eva savitā chandā[ṃ]si sāvitrī. sa yatra yajñas tac chandā[ṃ]si yatra vā chandā[ṃ]si tad yajñaḥ te dve yonī tad ekam mithunam. kas savitā kā sāvitrī stanayitnur eva savitā vidyut sāvitrī. sa yatra stanayitnus tad vidyud yatra vā vidyut tat stanayitnuḥ te dve yonī tad ekam mithunam. kas savitā kā sāvitrī āditya eva savitā dyaus sāvitrī. sa yatrādityas tad dyaur yatra vā dyaus tad ādityaḥ te dve yonī tad ekam mithunam. kas savitā kā sāvitrī candra eva savitā nakṣatrāṇi sāvitrī. sa yatra candras tan nakṣatrāṇi yatra vā nakṣatrāṇi tac candraḥ te dve yonī tad ekam mithunam. kas savitā kā sāvitrī mana eva savitā vāk sāvitrī. sa yatra manas tad vāg yatra [vā] vāk tan manaḥ te dve yonī tad ekam mithunam. kas savitā kā sāvitrī puruṣa [eva] savitā strī sāvitrī sa yatra puruṣas tat strī yatra vā strī tat puruṣaḥ te dve yonī tad ekam mithunam.
Was ist die Sāvitrī? Agni fürwahr ist Savitṛ, die Erde ist Sāvitrī. Wo Agni ist, das ist die Erde; und wo die Erde ist, das ist Agni; diese beiden sind ein [gemeinsamer] Ursprung (yoni); das ist ein einziges Paar (mithuna). Wer ist Savitṛ, wer ist Sāvitrī? Varuṇa fürwahr ist Savitṛ, die Wasser sind Sāvitrī. Wo Varuṇa ist, das sind die Wasser; und wo die Wasser sind, das ist Varuṇa; diese beiden sind ein Ursprung; das ist ein einziges Paar. Wer ist Savitṛ, wer ist Sāvitrī? Vāyu fürwahr ist Savitṛ, der Luftraum ist Sāvitrī. Wo Vāyu ist, das ist der Luftraum; und wo der Luftraum ist, das ist Vāyu; diese beiden sind ein Ursprung; das ist ein einziges Paar. Wer ist Savitṛ, wer ist Sāvitrī? Das Opfer fürwahr ist Savitṛ, die Versmaße (Chandas) sind Sāvitrī. Wo das Opfer ist, das sind die Versmaße; und wo die Versmaße sind, das ist das Opfer; diese beiden sind ein Ursprung; das ist ein einziges Paar. Wer ist Savitṛ, wer ist Sāvitrī? Der Donner fürwahr ist Savitṛ, der Blitz ist Sāvitrī. Wo der Donner ist, das ist der Blitz; und wo der Blitz ist, das ist der Donner; diese beiden sind ein Ursprung; das ist ein einziges Paar. Wer ist Savitṛ, wer ist Sāvitrī? Āditya fürwahr ist Savitṛ, der Himmel ist Sāvitrī. Wo Āditya ist, das ist der Himmel; und wo der Himmel ist, das ist Āditya; diese beiden sind ein Ursprung; das ist ein einziges Paar. Wer ist Savitṛ, wer ist Sāvitrī? Der Mond fürwahr ist Savitṛ, die Sternbilder sind Sāvitrī. Wo der Mond ist, das sind die Sternbilder; und wo die Sternbilder sind, das ist der Mond; diese beiden sind ein Ursprung; das ist ein einziges Paar. Wer ist Savitṛ, wer ist Sāvitrī? Der Geist fürwahr ist Savitṛ, die Rede ist Sāvitrī. Wo der Geist ist, das ist die Rede; und wo die Rede ist, das ist der Geist; diese beiden sind ein Ursprung; das ist ein einziges Paar. Wer ist Savitṛ, wer ist Sāvitrī? Der Mann fürwahr ist Savitṛ, die Frau ist Sāvitrī. Wo der Mann ist, das ist die Frau; und wo die Frau ist, das ist der Mann; diese beiden sind ein Ursprung; das ist ein einziges Paar.
[Anm.: Diese neunfache Reihe von Savitṛ-Sāvitrī-Paaren (Agni/Erde, Varuṇa/Wasser, Vāyu/Luftraum, Opfer/Versmaße, Donner/Blitz, Āditya/Himmel, Mond/Sternbilder, Geist/Rede, Mann/Frau) bereitet unmittelbar die in 4.28 folgende Deutung der Sāvitrī-Strophe (Ṛgveda 3.62.10, des berühmten Gāyatrī-Mantras) vor und knüpft an die schon in 3.34 begegnete Mithuna-Lehre (Paarbildung als gemeinsamer Ursprung) an.] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 12. Anuvāka.
tasyā eṣa prathamaḥ pādo bhūs tat savitur vareṇyam iti agnir vai vareṇyam āpo vai vareṇyam candramā vai vareṇyam. tasyā eṣa dvitīyaḥ pādo bhargamayo bhuvo bhargo devasya dhīmahīti agnir vai bhargaḥ ādityo vai bhargaḥ candramā vai bhargaḥ. tasyā eṣa tṛtīyaḥ pādas svar dhiyo yo naḥ pracodayād iti yajño vai pracodayati strī ca vai puruṣaś ca prajanayataḥ. bhūr bhuvas tat savitur vareṇyam bhargo devasya dhīmahīti agnir vai bhargaḥ ādityo vai bhargaḥ candramā vai bhargaḥ. svar dhiyo yo naḥ pracodayād iti yajño vai pracodayati strī ca vai puruṣaś ca prajanayataḥ. bhūr bhuvas svas tat savitur vareṇyam bhargo devasya dhīmahi dhiyo yo naḥ pracodayād iti yo vā etāṃ sāvitrīm evaṃ vedāpa punarmṛtyuṃ tarati sāvitryā eva salokatāṃ jayati sāvitryā eva salokatāṃ jayati.
Ihr erster Versfuß ist „bhūḥ, tat savitur vareṇyam“ [„Bhūḥ – jenes Begehrenswerte des Savitṛ“]: Agni fürwahr ist das Begehrenswerte, die Wasser sind das Begehrenswerte, der Mond ist das Begehrenswerte. Ihr zweiter Versfuß ist, aus Glanz (bharga) bestehend, „bhuvaḥ, bhargo devasya dhīmahi“ [„Bhuvaḥ – des Gottes Glanz wollen wir erdenken“]: Agni fürwahr ist der Glanz, Āditya ist der Glanz, der Mond ist der Glanz. Ihr dritter Versfuß ist „svaḥ, dhiyo yo naḥ pracodayāt“ [„Svaḥ – der unsere Gedanken antreiben möge“]: Das Opfer fürwahr treibt an; und Frau und Mann zeugen [Nachkommenschaft]. „Bhūḥ bhuvaḥ, tat savitur vareṇyam bhargo devasya dhīmahi“: Agni fürwahr ist der Glanz, Āditya ist der Glanz, der Mond ist der Glanz. „Svaḥ, dhiyo yo naḥ pracodayāt“: Das Opfer fürwahr treibt an; und Frau und Mann zeugen. „Bhūḥ bhuvaḥ svaḥ, tat savitur vareṇyam bhargo devasya dhīmahi dhiyo yo naḥ pracodayāt“: Wer so diese Sāvitrī kennt, überwindet den Wiedertod; er gewinnt eben durch die Sāvitrī gemeinsame Welt [mit Savitṛ] (salokatā); er gewinnt eben durch die Sāvitrī gemeinsame Welt.
[Anm.: Hier wird Vers für Vers die berühmteste aller vedischen Strophen gedeutet: die Sāvitrī bzw. Gāyatrī (Ṛgveda 3.62.10) – „Bhūr bhuvaḥ svaḥ, tat savitur vareṇyam bhargo devasya dhīmahi, dhiyo yo naḥ pracodayāt“ („Wir wollen jenes begehrenswerte Licht des Gottes Savitṛ erdenken, der unsere Gedanken antreiben möge“), bis heute der zentrale Rezitationsvers des täglichen brahmanischen Gebets (Sandhyāvandana). Mit der zweifachen Schlussformel „er gewinnt eben durch die Sāvitrī gemeinsame Welt“ und dem Kolophonzusatz „damit ist das Upaniṣad-Brāhmaṇa beendet“ schließt die gesamte Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 12. Anuvāka. Ende des 12. Anuvāka. Damit ist das Upaniṣad-Brāhmaṇa beendet.