Adhyāya 3
Lehrererzählungen; die große Prajāpati-Kosmogonie; Ṛgveda-Zitate
Der umfangreichste Adhyāya reicht von Lehrgesprächen (Śaunaka Kāpeya und Abhipratārin Kākṣaseni, Sudakṣiṇa Kṣaimi) über eine große Kosmogonie von den drei Welten, drei Somasäften, drei Veden und drei Vyāhṛtis bis zu wörtlichen Ṛgveda-Zitaten (u. a. dem Pataṅga-Vers RV 10.177 und einer Strophe aus dem Dīrghatamas-Rätselhymnus RV 1.164.31) und einem langen, über vierzig Namen umfassenden Lehrer-Stammbaum.
ekā ha vāva kṛtsnā devatārdhadevatā evānyāḥ ayam eva yo 'yam pavate. eṣa eva sarveṣāṃ devānāṃ grahāḥ. sa haiṣo 'staṃ nāma astam iti heha paścād grahān ācakṣate. sa yad ādityo 'stam agād iti grahān agād iti haitat tena so 'sarvaḥ sa etam evāpyeti. astaṃ candramā eti tena so 'sarvaḥ sa etam evāpyeti. astaṃ nakṣatrāṇi yanti tena tāny asarvāṇi tāny etam evāpiyanti. anv agnir gacchati tena so 'sarvaḥ sa etam evāpyeti. ety ahaḥ eti rātriḥ tena te asarve te etam evāpītaḥ. muhyanti diśo na vai tā rātrim prajñāyante tena tā asarvāḥ tā etam evāpiyanti. varṣati ca parjanya uc ca gṛhṇāti tena so 'sarvaḥ sa etam evāpyeti. kṣīyanta āpa evam oṣadhaya evaṃ vanaspatayaḥ tena tāny asarvāṇi tāny etam evāpiyanti. tad yad etat sarvaṃ vāyuṃ evāpyeti tasmād vāyur eva sāma. sa ha vai sāmavit sa [kṛtsnaṃ] sāma veda ya evaṃ veda. athādhyātmam na vai svapan vācā vadati seyam eva prāṇam apyeti. na manasā dhyāyati tad idam eva prāṇam apyeti. na cakṣuṣā paśyati tad idam eva prāṇam apyeti. na śrotreṇa śṛṇoti tad idam eva prāṇam apyeti. tad yad etat sarvam prāṇam evābhisameti tasmāt prāṇa eva sāma. sa ha vai sāmavit sa kṛtsnaṃ sāma veda ya evaṃ veda. tad yad idam āhur na batādya vātīti [sa] haitat puruṣe 'ntar niramate sa pūrṇas svedamāna āste. tad dha śaunakaṃ ca kāpeyam abhipratāriṇaṃ ca [kākṣasenim] brāhmaṇaḥ pariveviṣyamāṇā upāvavrāja.
Nur eine einzige Gottheit ist wahrhaftig vollständig, halbe Gottheiten sind die anderen – eben dieser hier, der da weht [Vāyu, der Wind]. Er ist der Aufnehmer aller Götter. Er wird „Heimkehr“ (asta) genannt; „asta“ – so nennt man hier auch später die Soma-Schöpfgefäße. Wenn man sagt, die Sonne sei „heimgegangen“, so heißt das: sie ist zu den Aufnehmern gegangen; darum ist sie unvollständig, und sie geht eben in ihn ein. Der Mond geht heim; darum ist er unvollständig; er geht eben in ihn ein. Die Sterne gehen heim; darum sind sie unvollständig; sie gehen eben in ihn ein. Agni folgt dem Untergehen nach; darum ist er unvollständig; er geht eben in ihn ein. Der Tag geht, die Nacht geht; darum sind sie beide unvollständig; sie gehen eben in ihn ein. Die Himmelsrichtungen verwirren sich – in der Nacht sind sie ja nicht erkennbar; darum sind sie unvollständig; sie gehen eben in ihn ein. Parjanya regnet und zieht das Wasser auch wieder auf; darum ist er unvollständig; er geht eben in ihn ein. Die Gewässer schwinden, ebenso die Kräuter, ebenso die Bäume; darum sind sie unvollständig; sie gehen eben in ihn ein. Weil nun dies alles eben in Vāyu eingeht, darum ist Vāyu das wahre Sāman. Der Sāman-Kenner – der kennt das vollständige Sāman, wer dies weiß. Nun in Bezug auf den Leib: Der Schlafende spricht nicht mit der Rede; eben diese geht dann in den Atem ein. Er denkt nicht mit dem Geist; auch dieser geht dann eben in den Atem ein. Er sieht nicht mit dem Auge; auch dieses geht dann eben in den Atem ein. Er hört nicht mit dem Ohr; auch dieses geht dann eben in den Atem ein. Weil nun dies alles eben in den Atem zusammen eingeht, darum ist der Atem das wahre Sāman. Der Sāman-Kenner – der kennt das vollständige Sāman, wer dies weiß. Wenn man sagt: „Heute weht ja kein Wind“ – so vergnügt er sich eben im Innern des Menschen; erfüllt davon sitzt dieser schwitzend da. Da nun kam, während Śaunaka Kāpeya und Abhipratārin Kākṣaseni beim Speisen saßen, ein Brahmane bettelnd zu ihnen heran.
[Anm.: Die hier beginnende Erzählung von Śaunaka Kāpeya und Abhipratārin Kākṣaseni und dem bettelnden Brahmanen (fortgesetzt in 3.2) ist ein enger Parallelbericht zur berühmten Erzählung in Chāndogya-Upaniṣad 4.3 – dort mit denselben Namen und demselben Rätselvers. Die Stelle zeigt exemplarisch die Nähe der Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa zu den klassischen Upaniṣaden.] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 1. Anuvāka.
tau ha bibhikṣe taṃ ha nādadrāte ko vā ko veti manyamānau. tau hopajagau mahātmanaś caturo deva ekaḥ kas sa jagāra bhuvanasya gopāḥ taṃ kāpeya na vijānanty eke 'bhipratārin bahudhā niviṣṭam iti. sa hovācābhipratārīmaṃ vāva prapadya pratibrūhīti tvayā vā ayam pratyucya iti. taṃ ha pratyuvāca- -ātmā devānām uta martyānāṃ hiraṇyadanto rapaso na sūnuḥ mahāntam asya mahimānam āhur anadyamāno yad adantam attī ti. mahātmanaś caturo [deva] eka iti vāg vā agniḥ sa mahātmā devaḥ sa yatra svapiti tad vācam prāṇo girati. manaś candramās sa mahātmā devaḥ sa yatra svapiti tan manaḥ prāṇo girati. cakṣur ādityas sa mahātmā devaḥ sa yatra svapiti tac cakṣuḥ prāṇo girati. śrotraṃ diśas tā mahātmāno devāḥ sa yatra svapiti tac chrotram prāṇo girati. tad yan mahātmanaś caturo deva eka ity etad dha tat. kas sa jagāreti prajāpatir vai kaḥ sa haitaj jagāra. bhuvanasya gopā iti sa u vāva bhuvanasya gopāḥ. taṃ kāpeya na vijānanty eka iti na hy etam eke vijānanti. abhipratārin bahudhā niviṣṭam iti bahudhā hy evaiṣa niviṣṭo yat prāṇaḥ. ātmā devānām uta martyānām iti ātmā hy eṣa devānām uta martyānām. hiraṇyadanto rapaso na sūnur iti na hy eṣa sūnuḥ sūnurūpo hy eṣa san na sūnuḥ. mahāntam asya mahimānam āhur iti mahāntaṃ hy etasya mahimānam āhuḥ. anadyamāno yad adantam attīti anadyamāno hy eṣo 'dantam atti.
Er bettelte bei den beiden; doch sie beachteten ihn nicht, denn sie dachten: „Wer ist das schon, wer ist das schon?“ Da sang er ihnen zu: „Der eine unter den vier großmächtigen Göttern – wer ist er, der da verschlang, der Hüter der Welt? Ihn erkennen manche nicht, o Kāpeya, o Abhipratārin – ihn, der sich vielfach eingesenkt hat.“ Da sprach Abhipratārin: „Wende dich doch an diesen hier und antworte ihm.“ – „Nein, du bist es, der ihm antworten soll.“ Da antwortete er ihm: „Er ist der Ātman der Götter und auch der Sterblichen, golden-zahnig, nicht der Sohn der Gebrechlichkeit; man nennt seine Größe gewaltig, da er, selbst nicht gegessen, das Zahnlose verzehrt.“ „Der eine unter den vier großmächtigen Göttern“ – das bedeutet: Die Rede ist Agni; er ist der großmächtige Gott; wenn der Mensch schläft, dann verschlingt der Atem eben die Rede. Der Geist ist der Mond; er ist der großmächtige Gott; wenn er schläft, dann verschlingt der Atem eben den Geist. Das Auge ist die Sonne; sie ist der großmächtige Gott; wenn er schläft, dann verschlingt der Atem eben das Auge. Das Ohr sind die Himmelsrichtungen; sie sind die großmächtigen Götter; wenn er schläft, dann verschlingt der Atem eben das Ohr. Was der Vers meint mit „der eine unter den vier großmächtigen Göttern“ – eben das ist es. „Wer ist er, der verschlang?“ – Prajāpati ist „Ka“, der Wer; er ist es, der dies verschlang. „Der Hüter der Welt“ – er ist ja eben der Hüter der Welt. „Ihn erkennen manche nicht, o Kāpeya“ – manche erkennen ihn eben tatsächlich nicht. „O Abhipratārin, den vielfach Eingegangenen“ – vielfach eben ist er eingegangen, nämlich als der Atem. „Der Ātman der Götter und auch der Sterblichen“ – er ist ja eben der Ātman der Götter und auch der Sterblichen. „Golden-zahnig, nicht der Sohn der Gebrechlichkeit“ – er ist ja kein wirklicher Sohn; obwohl er die Gestalt eines Sohnes hat, ist er kein Sohn. „Man nennt seine Größe gewaltig“ – gewaltig nennt man ja fürwahr seine Größe. „Da er, selbst nicht gegessen, das Zahnlose verzehrt“ – er verzehrt ja, selbst ungegessen, das Zahnlose.
[Anm.: Der Rätselvers gehört zur alten Gattung der vedischen Rätseldichtung (brahmodya) und ist an mehreren Stellen sprachlich sehr verdichtet, u. a. „rapaso na sūnuḥ“ („nicht der Sohn des Gebrechens“) und „adantam atti“ („er verzehrt das Zahnlose“); die Wiedergabe folgt der im Brāhmaṇa selbst gegebenen Auslegung. Die Gleichsetzung Prajāpatis mit dem Fragewort „Ka“ (Wer?) ist ein altbekanntes vedisches Wortspiel. Derselbe Vers und dieselbe Rahmenerzählung um Śaunaka Kāpeya und Abhipratārin Kākṣaseni finden sich, leicht abgewandelt, in Chāndogya-Upaniṣad 4.3.6f.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 1. Anuvāka.
tasyaiṣa śrīr ātmā samudrūḍho yad asāv ādityaḥ tasmād gāyatrasya stotre ṇāvānyān nec chriyā avachidyā iti. sa eṣa evoktham yat purastād avāniti tad etad ukthasya śiro yad dakṣiṇatas sa dakṣiṇaḥ pakṣo yad uttaratas sa uttaraḥ pakṣo yat paścāt [tat] puccham. ayam eva prāṇa ukthasyātmā sa ya evam etam ukthasyātmānam ātman pratiṣṭhitaṃ veda sa hāmuṣmi[ṃ]l loke sāṅgas satanus [sarvas] sambhavati. śaśvad dha vā amuṣmi[ṃ]l loke yad idam puruṣasyāṇḍau śiśnaṃ karṇau nāsike yat kiṃ cānasthikaṃ na sambhavati. atha ya evam etam ukthasyātmānam ātman pratiṣṭhitaṃ veda sa haivāmuṣmi[ṃ]l loke sāṅgas satanus sarvas sambhavati. tad etad vaiśvāmitram uktham tad annaṃ vai viśvam prāṇo mitram. tad dha viśvāmitraś śrameṇa tapasā vratacaryeṇendrasya priyaṃ dhāmopajagāma. tasmā u haitat provāca yad idam manuṣyān āgatam. tad dha sa upaniṣasāda jyotir etad uktham iti. jyotir iti dve akṣare prāṇa iti dve annam iti dve tad etad anna eva pratiṣṭhitam. atha hainaṃ jamadagnir upaniṣasādāyur etad uktham iti. āyur iti dve akṣare prāṇa iti dve annam iti dve tad etad anna eva pratiṣṭhitam. atha hainaṃ vasiṣṭha upaniṣasāda gaur etad uktham iti tad etad annam eva annaṃ hi gauḥ. tad āhur yad asya prāṇasya puruṣaś śarīram atha kenānye prānāś śarīravanto bhavantīti. sa brūyād yad vācā vadati tad vācaś śarīraṃ yan manasā dhyāyati tan manasaś śarīraṃ yac cakṣuṣā paśyati tac cakṣuṣaś śarīraṃ yac chrotreṇa śṛṇoti tac chrotrasya śarīram evam u hānye prāṇāś śarīravanto bhavantīti.
Dessen Glanz ist im Selbst emporgestiegen, nämlich als jene Sonne dort; darum soll man beim Lobgesang des Gāyatra-Sāman [?] andere nicht aus Mißgunst um ihren Anteil am Glanz bringen. Sie, die Sonne, ist eben dieses Uktha: was an ihr vorn ist, das ist das Haupt des Uktha; was rechts ist, das ist sein rechter Flügel; was links ist, das ist sein linker Flügel; was hinten ist, das ist sein Schwanz. Eben dieser Atem ist der Ātman des Uktha. Wer dieses Ātman des Uktha, im eigenen Selbst gegründet, so kennt, der wird in jener Welt vollgliedrig, mit vollem Leib, ganz wiederhergestellt. Für immer nämlich bleiben sonst in jener Welt die Hoden, das Glied, die Ohren, die Nase des Menschen – und was sonst noch ohne Knochen ist – nicht wiederhergestellt. Wer aber dieses Ātman des Uktha, im eigenen Selbst gegründet, so kennt, der wird eben in jener Welt vollgliedrig, mit vollem Leib, ganz wiederhergestellt. Dies ist das Uktha des Viśvāmitra: die Nahrung nämlich ist „Viśva“, das All, der Atem ist „Mitra“, der Freund. Viśvāmitra gelangte durch Mühe, Askese und die Erfüllung von Gelübden zur geliebten Wohnstatt Indras. Ihm eben verkündete er dies, was seither zu den Menschen gelangt ist. Da nun setzte sich Viśvāmitra Indra zu Füßen: „Licht ist dieses Uktha.“ „Jyotis“, Licht, hat zwei Silben, „prāṇa“, Atem, hat zwei Silben, „anna“, Nahrung, hat zwei Silben; darin eben ist es in der Nahrung gegründet. Dann setzte sich ihm Jamadagni zu Füßen: „Lebenskraft ist dieses Uktha.“ „Āyus“ hat zwei Silben, „prāṇa“ hat zwei Silben, „anna“ hat zwei Silben; darin eben ist es in der Nahrung gegründet. Dann setzte sich ihm Vasiṣṭha zu Füßen: „Die Kuh ist dieses Uktha“ – das eben ist die Nahrung, denn die Kuh ist ja Nahrung. Dazu sagt man: „Wenn der Mensch der Leib dieses Atems ist, wodurch haben dann die anderen Atemkräfte einen Leib?“ Man soll antworten: „Was man mit der Rede spricht, das ist der Leib der Rede; was man mit dem Geist denkt, das ist der Leib des Geistes; was man mit dem Auge sieht, das ist der Leib des Auges; was man mit dem Ohr hört, das ist der Leib des Ohres – so haben auch die anderen Atemkräfte einen Leib.“
[Anm.: Der mit [?] markierte Satzteil ganz zu Beginn ist im überlieferten Sanskrit-Text so verderbt oder verkürzt, dass eine sichere Übersetzung nicht möglich ist; die Wiedergabe folgt einer plausiblen, aber unsicheren Deutung als Mahnung, andere nicht um ihren Anteil am Opfer-Glanz zu bringen. Die Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa gilt als einer der textlich schwierigsten vedischen Prosatexte; solche Stellen sind selten, aber nicht singulär.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 1. Anuvāka.
tad etad ukthaṃ saptavidham śasyate stotriyo 'nurūpo dhāyyā pragāthas sūktaṃ nivit paridhānīyā. iyam eva stotriyo 'gnir anurūpo vāyur dhāyyāntarikṣam pragātho dyaus sūktam ādityo nivit tasmād bahvṛcā udite nividam adhīyante ādityo hi nivit diśaḥ paridhānīyety adhidevatam. athādhyātmam ātmaiva stotriyaḥ prajānurūpaḥ prāṇo dhāyyā manaḥ pragāthaś śiras sūktaṃ cakṣur nivic chrotram paridhānīyā. tad dhaitad eke triṣṭubhā paridadhaty anuṣṭubhaike triṣṭubhā tv eva paridadhyāt. tad dhaitad eka etā vyāhṛtīr abhivyāhṛtya śa[ṃ]santi mahān mahyā samadhatta devo devyā samadhatta brahma brāhmaṇyā samadhatta tad yat samadhatta samadhatteti. tasmād idānīm puruṣasya śarīrāṇi pratisaṃhitāni puruṣo hy etad uktham. mahān mahyā samadhatteti agnir vai mahān iyam eva mahī. devo devyā samadhatteti vāyur vai devo 'ntarikṣaṃ devī. brahma brāhmaṇyā samadhatteti ādityo vai brahma dyaur brāhmaṇī. tāsāṃ vā etāsāṃ devatānāṃ dvayor-dvayor devatayor nava-navākṣarāṇi sampadyante etad ime lokās triṇavā bhavanti. tad brahma vai trivṛt tad brahmābhivyāhṛtya śa[ṃ]santi eṣa u eva stomas so 'nucaraḥ. yad imam āhur ekastoma ity ayam eva yo 'yam pavate eṣo 'dhidevatam prāṇo 'dhyātmam tasya śarīram anucaraḥ. tad yathā ha vai maṇau maṇisūtraṃ samprotaṃ syād--.
Dieses Uktha wird siebenfach rezitiert: als Stotriya, Anurūpa, Dhāyyā, Pragātha, Sūkta, Nivid, Paridhānīyā. Diese Erde hier ist der Stotriya, Agni der Anurūpa, Vāyu die Dhāyyā, der Luftraum der Pragātha, der Himmel das Sūkta, die Sonne die Nivid – darum studieren die Ṛgveda-Kenner die Nivid bei Sonnenaufgang, denn die Sonne ist die Nivid –, die Himmelsrichtungen die Paridhānīyā: so, auf die Gottheiten bezogen. Nun in Bezug auf den Leib: das Selbst ist der Stotriya, die Nachkommenschaft der Anurūpa, der Atem die Dhāyyā, der Geist der Pragātha, der Kopf das Sūkta, das Auge die Nivid, das Ohr die Paridhānīyā. Manche umgeben dies mit einem Triṣṭubh-Vers, manche mit einem Anuṣṭubh-Vers; man sollte es aber mit einem Triṣṭubh-Vers umgeben. Manche rezitieren dies, nachdem sie diese Vyāhṛtis ausgesprochen haben: „Der Große hat sich mit der Großen vereint; der Gott hat sich mit der Göttin vereint; das Brahman hat sich mit der Brahmanin vereint“ – das heißt: „er hat sich vereint, er hat sich vereint“. Darum sind jetzt die Körper des Menschen damit verbunden, denn der Mensch ist ja dieses Uktha. „Der Große hat sich mit der Großen vereint“ – Agni nämlich ist der Große, diese Erde hier die Große. „Der Gott hat sich mit der Göttin vereint“ – Vāyu nämlich ist der Gott, der Luftraum die Göttin. „Das Brahman hat sich mit der Brahmanin vereint“ – die Sonne nämlich ist das Brahman, der Himmel die Brahmanin. Bei diesen Gottheiten kommen je zwei Gottheiten neun-und-neun Silben zu; dadurch werden diese Welten dreimal-neunfach. Dieses Brahman ist dreifach; dieses Brahman rezitieren sie, nachdem sie es ausgesprochen haben; dies eben ist der Stoma, das ist sein Begleiter. Wenn man dies „Ekastoma“, den Einfach-Stoma, nennt – eben dieser hier, der da weht, ist das, auf die Gottheiten bezogen; der Atem, auf den Leib bezogen; sein Leib ist der Begleiter. Wie nun etwa an einer Perle eine Perlenschnur aufgereiht wäre –
[Anm.: Die Zählung „neun-und-neun Silben je zwei Gottheiten, macht dreimal-neun“ bezieht sich auf die den Vyāhṛtis und den genannten Götterpaaren zugeordneten vedischen Versmaße und ihre Silbenzahlen; die genaue rechnerische Herleitung wird im Text nicht ausgeführt. Der Satz bricht am Kapitelende mitten im Vergleich ab und wird in 3.5 fortgesetzt – die Khaṇḍa-Grenze fällt hier nicht mit einer Satzgrenze zusammen, so wie es im überlieferten Text vorliegt.] Kolophon: 4. Khaṇḍa im 1. Anuvāka.
--evaṃ haitasmin sarvam idaṃ samprotaṃ gandharvāpsarasaḥ paśavo manuṣyāḥ. tad dha muñjas sāmaśravasaḥ prayayau tasmai ha śvājanir vaiśyaḥ preyāya. tasya hāntarikṣāt patitvā navanītapiṇḍa urasi nipapāta taṃ hādāyānudadhau. tato haiva stomaṃ dadarśāntarikṣe vitatam bahu śobhamānam tasyo ha yuktiṃ dadarśa. bahiṣpavamānam āsadya ṭītra viyi prāṇya iti kūryāt ṭītra gṛhitra apānya iti vācā didṛkṣetaivākṣibhyaṃ śuśrūṣetaiva karṇābhyām svayam idam manoyuktam. tad yatra vā iṣur atyagro bhavati na vai sa tato hinasti tad u vā etaṃ nopāpnuyāt pa ity evāpānyāt tad yathā bimbena mṛgam ānayed evam evainam etayā devatayānayati sa yuktaḥ karoti eṣa evāpi yuktaḥ.
– ebenso ist an diesem hier alles aufgereiht: Gandharvas, Apsaras, Vieh, Menschen. Da zog Muñja Sāmaśravasa fort; ihm zog der Vaiśya Śvājani entgegen. Diesem fiel, vom Luftraum herabfallend, ein Klumpen frischer Butter auf die Brust; er nahm ihn und verwahrte ihn. Daraufhin erblickte er den Stoma, ausgebreitet im Luftraum, vielfach erstrahlend; er erkannte dessen rechte Anwendung. Wenn er sich zum Bahiṣpavamāna, dem äußeren Läuterungsgesang, niedergesetzt hat, soll er einatmend „ṭītra viyi prāṇya“ vollziehen, ausatmend „ṭītra gṛhitra apānya“; mit der Rede soll er gleichsam sehen wollen, mit den Augen, gleichsam hören wollen mit den Ohren – von selbst ist dies mit dem Geist verbunden. Wenn nun ein Pfeil zu hastig abgeschossen ist, so trifft er von dort aus nicht; auch dieser Gesang sollte ihn nicht verfehlen – „pa“ spreche man beim Ausatmen. Wie man mit einem Köder ein Wild heranlockt, ebenso lockt er es durch diese Gottheit heran; wer im rechten Bezug handelt, der ist es, der auch damit verbunden ist.
[Anm.: Dieser Abschnitt beschreibt technische Einzelheiten des Bahiṣpavamāna-Gesangs mit rituellen Lautfolgen („ṭītra viyi prāṇya“, „ṭītra gṛhitra apānya“), die – ähnlich den an anderer Stelle besprochenen Stobha-Silben – als klangliche Vollzugsformeln und nicht als bedeutungstragende Wörter zu verstehen sind und daher unübersetzt bleiben. Die abschließende Bogenschützen-Metapher ist im Sanskrit sehr knapp gehalten; die Wiedergabe folgt der wahrscheinlichsten Deutung.] Kolophon: 5. Khaṇḍa im 1. Anuvāka. Ende des 1. Anuvāka.
yo 'sau sāmnaḥ prattiṃ veda pra hāsmai dīyate. dadā iti ha vā ayam agnir dīpyate tatheti vāyuḥ pavate hanteti candramā om ity ādityaḥ. eṣā ha vai sāmnaḥ prattiḥ etāṃ ha vai sāmnaḥ prattiṃ sudakṣiṇaḥ kṣaimir vidāṃ cakāra. tāṃ haitāṃ hotur vājye gāyen maitrāvaruṇasya vā tāṃ dadā3 tathā3 hantā3 him bhā ovā iti pra ha vā asmai dīyate. [so] 'py anyān bahūn uparyupari ya evam etāṃ sāmnaḥ prattiṃ veda. ya u ha vā abandhur bandhumat sāma veda yatra hāpy enaṃ na vidur yatra roṣanti yatra parīva cakṣate tad dhāpi śraiṣṭhyam ādhipatyam annādyam purodhām paryeti. agnir ha vā abandhur bandhumat sāma kasmād vā hy enaṃ dārvoḥ kasmād vā paryāvṛtya manthanti sa śraiṣṭhyāyādhipatyāyānnādyāya purodhāyai jāyate. sa yatra ha vā apy evaṃvidaṃ na vidur yatra roṣanti yatra parīva cakṣate tad dhāpi śraiṣṭhyam ādhipatyam annādyam purodhām paryeti.
Wer die Übertragung des Sāman kennt, dem wird sie fürwahr gewährt. „Dadā“ [gib!] – so entflammt Agni; „tathā“ [so sei es!] – so weht Vāyu; „hantā“ [wohlan!] – so der Mond; „om“ – so die Sonne. Dies eben ist die Übertragung des Sāman; diese Übertragung des Sāman kannte Sudakṣiṇa Kṣaimi. Diese soll man beim Vājya-Gesang des Hotṛ singen, oder bei dem des Maitrāvaruṇa: „dadā3 tathā3 hantā3 hiṃ bhā ovā“ – dann wird sie ihm fürwahr gewährt. Und er steigt auch über viele andere, immer höher hinaus, wer so diese Übertragung des Sāman kennt. Wer aber das Sāman, das keine Verwandten hat, doch als verwandtschaftsreich kennt: selbst dort, wo man ihn nicht kennt, wo man zürnt, wo man ihn verächtlich betrachtet, selbst dort erlangt er Vorrangstellung, Herrschaft, Nahrung, den Vorsitz. Agni nämlich ist das Sāman, das keine Verwandten hat, doch verwandtschaftsreich ist: aus welchen zwei Hölzern auch immer man ihn hervorquirlt, er wird geboren zur Vorrangstellung, zur Herrschaft, zur Nahrung, zum Vorsitz. Auch dort, wo man einen solchen Wissenden nicht kennt, wo man zürnt, wo man ihn verächtlich betrachtet, selbst dort erlangt er Vorrangstellung, Herrschaft, Nahrung, den Vorsitz.
svayam u tatra yatrainaṃ viduḥ. sudakṣiṇo ha vai kṣaimiḥ prācīnaśālir jābālau te ha sabrahmacāriṇa āsuḥ. te heme bahu japyasya cānyasya cānūcire prācīnaśāliś ca jābālau ca. atha ha sma sudakṣiṇaḥ kṣaimir yad eva yajñasyāñjo yat suviditaṃ tad dha smaiva pṛcchati. ta u ha vā apoditā vyākrośamānāś ceruś śūdro duranūcāna iti ha sma sudakṣiṇaṃ kṣaimim ākrośanti prācīnaśāliś ca jābālau ca. sa ha smāha sudakṣiṇaḥ kṣaimir yatra bhūyiṣṭhāḥ kurupañcālās samāgatā bhavitāras tan na eṣa saṃvādo nānupadṛṣṭe śūdrā iva saṃvadiṣyāmaha iti. tā u ha vai jābālau didīkṣāte śukraś ca gośruś ca tayor ha prācīnaśālir vṛta udgātā. sa tad dha sudakṣiṇo 'nububudhe jābālau hādīkṣiṣātām iti sa ha saṃgrahītāram uvācānayasvāre jābālau hādīkṣiṣātāṃ tad gamiṣyāva iti.
Von selbst erlangt er dies erst recht dort, wo man ihn kennt. Sudakṣiṇa Kṣaimi, Prācīnaśāli und der Jābāla waren Studiengenossen. Prācīnaśāli und Jābāla hatten viel von dem, was zu rezitieren ist, und anderem Wissen studiert. Sudakṣiṇa Kṣaimi aber pflegte stets nur das zu fragen, was am Opfer das Wesentliche, das gut Erkennbare war. Jene beiden, dadurch herausgefordert, gingen umher und beschimpften ihn: „Ein Śūdra, ein schlecht Studierter“ – so beschimpften Prācīnaśāli und Jābāla den Sudakṣiṇa Kṣaimi. Da sprach Sudakṣiṇa Kṣaimi: „Wo die meisten Kurus und Pañcālas versammelt sein werden, dort soll dieser unser Streit ausgetragen werden; wir wollen nicht, ohne Zeugen, wie Śūdras miteinander streiten.“ Da nun wollten sich Śukra und Gośruta, beide Jābālas, weihen lassen; für sie beide wurde Prācīnaśāli als Udgātṛ gewählt. Das erfuhr Sudakṣiṇa: „Die beiden Jābālas lassen sich weihen.“ Da sprach er zu seinem Wagenlenker: „Fahre den Wagen heran! Die beiden Jābālas lassen sich weihen – dorthin wollen wir fahren.“
[Anm.: Die Beschimpfung „Śūdra, schlecht Studierter“ ist hier ein Vorwurf mangelnder brahmanischer Bildung, nicht eine tatsächliche Standeszuschreibung; Sudakṣiṇa Kṣaimi erweist sich im Fortgang der Erzählung (3.8–3.10) gerade als der Wissendere.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 2. Anuvāka.
tasya ha jñātikā aśrumukhā ivāsur anyatarāṃ vā ayam upāgād iti. atha ha sma vai yaḥ purā brahmavādyaṃ vadaty anyatarām upāgād iti ha smainam manyante atho ha smainam mṛtam ivaivopāsate. taṃ ha saṃgrahītovācātha yad bhagavas te tābhyāṃ na kuśalaṃ kathettham āttheti. om iti hovāca gantavyam ma ācāryas suyamān amanyateti. sa ha ratham āsthāya pradhāvayāṃ cakāra taṃ ha sma pratīkṣante. kaṃ jānīteti sudakṣiṇa iti na vai nūnaṃ sa idam abhyaveyād iti sa eveti. sa ha sopānād evāntarvedy avasthāyovācāṅga nv itthaṃ gṛhapatā3 iti taṃ ha nānūdatiṣṭhāsat sa hovācānūtthātā ma edhi kṛṣṇājino 'sī[ti] tad ime kurupañcālā avidur anūtthātaiva ta iti hocuḥ. taṃ ha kanīyān bhrātovācānūttiṣṭha bhagava udgātāram iti taṃ hānūttasthau. sa hovāca trir vai gṛhapate puruṣo jāyate pitur evāgre 'dhi jāyate 'tha mātur atha yajñāt. trir v eva mriyata iti sa yad dha vā enam etat pitā yonyāṃ reto bhūtaṃ siñcati --.
Seine Verwandten hatten gleichsam tränenüberströmte Gesichter, in der Sorge: „Wird er wohl in sein Verderben gehen?“ Denn man meinte von jeher: Wer sich zu einem Streitgespräch über das Brahman begibt, der geht damit einem der beiden möglichen Ausgänge entgegen; und so behandelte man ihn schon geradeso, als wäre er tot. Da sprach der Wagenlenker zu ihm: „Wenn es dir, Herr, mit jenen beiden nicht gut ergehen sollte – wie kannst du dann so gelassen reden?“ „Ja gewiss“, sprach er, „ich muss gehen; mein Lehrer hielt mich für wohlgezügelt.“ Er bestieg den Wagen und fuhr los; man erwartete ihn schon. „Wen kennt ihr da?“ – „Sudakṣiṇa.“ – „Der wird sich doch gewiss nicht hierher wagen!“ – „Er ist es doch, der da kommt!“ Er stellte sich, noch von der Wagenstufe herab, innerhalb der Opferstätte auf und sprach: „Nun denn, wie steht es, Hausherr?“ Doch dieser wollte sich ihm nicht zu Ehren erheben. Da sprach er: „Erhebe dich vor mir – du trägst doch das schwarze Antilopenfell des Geweihten!“ Da erkannten die Kurus und Pañcālas: „Ihm gebührt es, dass man sich erhebt“, so sagten sie. Da sprach der jüngere Bruder zu ihm: „Erhebe dich, Ehrwürdiger, vor dem Udgātṛ!“ Da erhob er sich vor ihm. Da sprach Sudakṣiṇa: „Dreimal, o Hausherr, wird der Mensch geboren: zuerst wird er vom Vater geboren, dann von der Mutter, dann vom Opfer. Und dreimal stirbt er ebenso.“ Wenn nämlich der Vater ihn, zum Samen geworden, in den Schoß gießt –
[Anm.: Dies ist die berühmte Lehre von der dreifachen Geburt und dem dreifachen Tod des Menschen (aus Vater, Mutter und Opfer), die in enger Entsprechung auch in der Kauṣītaki-Upaniṣad (2.11–13) überliefert ist – dort ebenfalls fast wörtlich mit „trir vai puruṣo jāyate“ eingeleitet. Der Satz über die erste der drei Geburten/Tode wird in 3.9 fortgesetzt.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 2. Anuvāka.
- tat prathamam mriyate. andham iva vai tamo yoniḥ lohitastoko vā vai sa tad ābhavaty apāṃ vā stokaḥ kiṃ hi sa tad ābhavati. sa yas tāṃ devatāṃ veda yāṃ ca sa tato 'nusambhavati yā cainaṃ tam mṛtyum ativahati sa udgātā mṛtyum ativahatīti. atha ya enam etad dīkṣayanti tad dvitīyam mriyate vapanti keśaśmaśrūṇi nikṛntanti nakhān pratyañjanty aṅgāni pratyacaty aṅgulīḥ apavṛto 'paveṣṭita āste na juhoti na yajate na yoṣitaṃ carati amānuṣīṃ vācaṃ vadati mṛtasya vāvaiṣa tadā rūpam bhavati. sa yas tāṃ devatāṃ veda yāṃ ca sa tato 'nusambhavati yā cainaṃ tam mṛtyum ativahati sa udgātā mṛtyum ativahatīti. atha ya enam etad asmāl lokāt pretaṃ cityām ādadhati tad tṛtīyam mriyate. sa yas tāṃ devatāṃ veda yāṃ ca sa tato 'nusambhavati yā cainaṃ tam mṛtyum ativahati sa udgātā mṛtyum ativahatīti. etāvad dhaivoktvā ratham āsthāya pradhāvayāṃ cakāra. taṃ ha jābālam pratyetaṃ kanīyān bhrātovāca kām bhavañ chūdrako vācam avādīti hastinā gādham aiṣīr iti. pra haivainaṃ tac chaśa[ṃ]sa yaḥ katham avocad bhagava iti yas trayāṇām mṛtyūnāṃ sāmnātivāhaṃ veda sa udgātā mṛtyum ativahatīti.
– das ist der erste Tod, den er stirbt. Blind gleichsam ist die Finsternis des Mutterschoßes; als ein rötlicher Tropfen wird er dabei, oder als ein Tropfen Wasser – was ist er denn da schon? Wer jene Gottheit kennt, aus der er dabei hervorgeht, und jene, die ihn über diesen Tod hinüberführt – der Udgātṛ, der dies weiß, führt über den Tod hinüber. Wenn man ihn dann weiht, so stirbt er zum zweiten Mal. Man schert ihm Haar und Bart, schneidet ihm die Nägel, salbt ihm die Glieder, umwindet ihm die Finger; verhüllt und eingewickelt sitzt er da, opfert nicht, verrichtet kein Opfer, verkehrt nicht mit einer Frau, spricht unmenschliche Rede – eines Toten Gestalt eben nimmt er dann an. Wer jene Gottheit kennt, aus der er dabei hervorgeht, und jene, die ihn über diesen Tod hinüberführt – der Udgātṛ führt über den Tod hinüber. Wenn man ihn dann, aus dieser Welt geschieden, auf den Scheiterhaufen legt, so stirbt er zum dritten Mal. Wer jene Gottheit kennt, aus der er dabei hervorgeht, und jene, die ihn über diesen Tod hinüberführt – der Udgātṛ führt über den Tod hinüber. Nachdem er so viel gesagt hatte, bestieg er den Wagen und fuhr davon. Als er zum Jābāla zurückkehrte, sprach der jüngere Bruder zu ihm: „Was für eine Rede hat der Herr Śūdraka wohl geführt?“ – „Du hast mit einem Elefanten um eine Furt gerungen!“ Da pries er ihn fürwahr: „Was aber sagte er denn, Herr?“ – „Wer das Hinüberführen über die drei Tode mittels des Sāman kennt, der Udgātṛ führt über den Tod hinüber.“
[Anm.: Die drei Tode entsprechen den drei in 3.8 genannten Geburten: aus dem Vater (Empfängnis), aus der Mutter (durch die Weihe/Dīkṣā gleichsam neu geboren) und aus dem Opfer (durch den Scheiterhaufen als endgültiges „Opfer“ des Leibes). Die spöttische Bemerkung „mit einem Elefanten um eine Furt gerungen“ ist eine bildliche Redewendung für ein gewagtes, übermütiges Unterfangen; „Śūdraka“ spielt höhnisch auf den früheren Vorwurf an, Sudakṣiṇa sei ein „Śūdra“.] Kolophon: 4. Khaṇḍa im 2. Anuvāka.
taṃ vāva bhagavas te pitodgātāram amanyateti hovāca tad u ha prācīnaśālā vidur ya eṣām ayaṃ vṛta udgātāsa tasmin ha nānuviduḥ. te hocur anudhāvata kāṇḍviyam iti taṃ hānusasruḥ te ha kāṇḍviyam udgātāraṃ cakrire brahmāṇam prācīnaśālim. taṃ hābhyavekṣyovācaivam eṣa brāhmaṇo moghāya vādāya nāglāyat sa nāṇu sāmno 'nvicchatīti ati haivainaṃ tac cakre. sa yad dha vā enam etat pitā yonyāṃ reto bhūtaṃ siñcaty ādityo hainaṃ tad yonyāṃ reto bhūtaṃ siñcati sa hāsya tatra mṛtyor īśe. atho yad evainam etat pitā yonyāṃ reto bhūtaṃ siñcati tad dha vāva sa tato 'nusambhavati prāṇaṃ ca yadā hy eva retas siktam prāṇa āviśaty atha tat sambhavati. atho yad evainam etad dīkṣayanty agnir haivainaṃ tad yonyāṃ reto bhūtaṃ siñcati sa haivāsya tatra mṛtyor īśe. atho yām evaitāṃ vaisarjanīyām āhutim adhvaryur juhoti tām eva sa tato 'nusambhavati chandā[ṃ]si caiva. atha ya enam etad asmāl lokāt pretaṃ cityām ādadhati candramā haivainaṃ tad yonyāṃ reto bhūtāṃ siñcati sa u haivāsya tatra mṛtyor īśe. atho yad evainam etad asmāl lokāt pretaṃ cityām ādadhaty atho yā evaitā avokṣaṇīyā āpas tā eva sa tato 'nusambhavati prāṇam v eva prāṇo hy āpaḥ. taṃ ha vā evaṃvid udgātā yajamānam om ity etenākṣareṇādityam mṛtyum ativahati vāg ity agniṃ hum iti vāyum bhā iti candramasam. tān vā etān mṛtyūn sāmnodgātātmānaṃ ca yajamānaṃ cātivahaty om ity etenākṣareṇa prāṇenāmunādityena. tasyaiṣa śloka utaiṣāṃ jyeṣṭha uta vā kaniṣṭha utaiṣām putra uta vā pitaiṣām eko ha devo manasi praviṣṭaḥ pūrvo ha jajñe sa u garbhe 'ntar iti. tad yad eṣo 'bhyukta imam eva puruṣaṃ yo 'yam āchanno 'ntar om ity etenaivākṣareṇa prāṇenaivāmunaivādityena [ ].
„Eben ihn hielt dein Vater, Herr, für den wahren Udgātṛ“, sprach er. Dies erkannten nun die Prācīnaśālas: dass der, den sie zu ihrem Udgātṛ gewählt hatten, in dieser Lehre nicht so bewandert war. Da sprachen sie: „Lauft dem Kāṇḍviya nach!“ Sie liefen ihm nach. Sie machten den Kāṇḍviya zu ihrem Udgātṛ, den Prācīnaśāli zum Brahman-Priester. Ihn betrachtend, sprach er: „So ist dieser Brahmane einem Streitgespräch nicht ausgewichen; um nichts Geringes am Sāman ist es ihm zu tun“ – darin übertraf er jenen. Wenn nämlich der Vater ihn, zum Samen geworden, in den Schoß gießt, so ist es die Sonne, die ihn dabei, zum Samen geworden, in den Schoß gießt; sie waltet dabei über seinen Tod. Und wenn ihn der Vater da, zum Samen geworden, in den Schoß gießt, so geht er eben daraus hervor, und zugleich der Atem; denn sobald der ausgegossene Same im Schoß ist, tritt der Atem in ihn ein, und dann entsteht das neue Wesen. Und wenn man ihn weiht, so ist es Agni, der ihn dabei, zum Samen geworden, in den Schoß gießt; er waltet dabei über seinen Tod. Und aus eben jener Entlassungsspende, die der Adhvaryu darbringt, geht er eben hervor, und ebenso aus den Versmaßen. Und wenn man ihn, aus dieser Welt geschieden, auf den Scheiterhaufen legt, so ist es der Mond, der ihn dabei, zum Samen geworden, in den Schoß gießt; er waltet dabei über seinen Tod. Und wenn man ihn, aus dieser Welt geschieden, auf den Scheiterhaufen legt, so geht er eben aus jenen Besprengungswassern hervor, und ebenso aus dem Atem, denn die Gewässer sind ja der Atem. Diesen Tod führt der so wissende Udgātṛ dem Opferherrn hinüber: mit der Silbe „om“ über die Sonne, mit „vāk“ über Agni, mit „hum“ über Vāyu, mit „bhā“ über den Mond. Über diese Tode führt der Udgātṛ mittels des Sāman sich selbst und den Opferherrn hinüber: mit dieser Silbe „om“, die der Atem ist, verbunden mit jener Sonne dort. Dazu gibt es diesen Vers: „Sei er ihr Ältester oder ihr Jüngster, sei er ihr Sohn oder ihr Vater – ein einziger Gott ist in den Geist eingetreten; er ward zuerst geboren, und er ist zugleich im Mutterleib.“ Was mit diesem Vers gemeint ist – eben dieser Mensch ist gemeint, der da innen verhüllt ist – mit eben dieser Silbe „om“, die der Atem ist, mit eben jener Sonne dort.
[Anm.: Die Eröffnung dieses Abschnitts ist im Sanskrit knapp und die Sprecherzuordnung nicht in jedem Satz eindeutig markiert; sinngemäß wiedergegeben. Die Silbenfolge „om – vāk – hum – bhā“, die hier den Toden zugeordnet wird, überschneidet sich nicht restlos mit deren Dreizahl; vermutlich liegt eine eigene, zusätzliche Vierergliederung des Gesangs zugrunde, die im Text nicht weiter erklärt wird. Der Vers vom „einen Gott, der in den Geist eingetreten ist“ knüpft an die alte vedische Vorstellung eines im Menschen gegenwärtigen, überzeitlichen Prinzips an, wie sie in ähnlicher Form auch in älteren Upaniṣaden erscheint. Mit diesem Khaṇḍa endet zugleich der 2. Anuvāka des 3. Adhyāya.] Kolophon: 5. Khaṇḍa im 2. Anuvāka. Ende des 2. Anuvāka.
trir ha vai puruṣo mriyate trir jāyate. sa haitad eva prathamam mriyate yad retas siktaṃ sambhūtam bhavati sa prāṇam evābhisambhavati āśām abhijāyate. athaitad dvitīyam mriyate yad dīkṣate sa chandā[ṃ]sy evābhisambhavati dakṣiṇām abhijāyate. athaitat tṛtīyam mriyate yan mriyate sa śraddhām evābhisambhavati lokam abhijāyate. tad etat tryāvṛd gāyatraṃ gāyati tasya prathamayāvṛtemam eva lokaṃ jayati yad u cāsmi[ṃ]l loke tad etena cainam prāṇena samardhayati yam abhisambhavaty etāṃ cāsmā āśām prayacchati yām abhijāyate. atha dvitīyayāvṛtedam evāntarikṣaṃ jayati yad u cāntarikṣe tad etaiś cainaṃ chandobhis samardhayati yāny abhisambhavati etāṃ cāsmai dakṣiṇām prayacchati yām abhijāyate. atha tṛtīyayāvṛtāmum eva lokam jayati yad u cāmuṣmi[ṃ]l loke tad etayā cainaṃ śraddhayā samardhayati yayaivainam etac chraddhayāgnāv abhyādadhati sam ayam ito bhaviṣyatīti etaṃ cāsmai lokam prayacchati yam abhijāyate.
Dreimal fürwahr stirbt der Mensch, dreimal wird er geboren. Dies eben ist sein erster Tod: wenn der ausgegossene Same zum Embryo geworden ist; dabei geht er aus dem Atem hervor, und er wird zur Hoffnung geboren. Dann stirbt er zum zweiten Mal, wenn er sich weiht; dabei geht er aus den Versmaßen hervor, und er wird zur Opfergabe geboren. Dann stirbt er zum dritten Mal, wenn er wirklich stirbt; dabei geht er aus dem Glauben hervor, und er wird zur Welt geboren. Darum singt man das Gāyatra-Sāman dreifach wiederholt: Mit der ersten Wiederholung gewinnt er diese Welt hier und was in dieser Welt ist; und er lässt ihn dabei gedeihen durch eben diesen Atem, aus dem er hervorgeht, und gewährt ihm eben jene Hoffnung, zu der er geboren wird. Mit der zweiten Wiederholung gewinnt er eben diesen Luftraum und was im Luftraum ist; und er lässt ihn dabei gedeihen durch eben jene Versmaße, aus denen er hervorgeht, und gewährt ihm eben jene Opfergabe, zu der er geboren wird. Mit der dritten Wiederholung gewinnt er eben jene Welt dort und was in jener Welt ist; und er lässt ihn dabei gedeihen durch eben jenen Glauben, mit dem man ihn voller Glauben in das Feuer legt, in der Gewissheit: „Von hier aus wird er wiederentstehen“; und gewährt ihm eben jene Welt, zu der er geboren wird.
[Anm.: Dieser Abschnitt liefert die esoterische Begründung für die dreifache Wiederholung (āvṛtti) des Gāyatra-Sāmans und schließt unmittelbar an die in 3.8–3.10 erzählte Lehre von den drei Geburten und drei Toden an, hier mit leicht abweichender Zuordnung (Same/Hoffnung, Weihe/Opfergabe, Tod/Glaube).] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 3. Anuvāka.
etad vai tisṛbhir āvṛdbhir imā[ṃ]ś ca lokāñ jayaty etaiś cainam bhūtais samardhayati yāny abhisambhavati. atha vā ato hiṅkārasyaiva taṃ ha svarge loke santam mṛtyur anvety aśanayā. śrīr vā eṣā prajāpatis sāmno yad dhiṅkāraḥ tam id udgātā śriyā prajāpatinā hiṅkāreṇa mṛtyum apasedhati. hum mety āha mātra nu gā yatraitad yajamāna iti haitat. sa yathā śreyasā siddhaḥ pāpīyān prativijata evaṃ haivāsmān mṛtyuḥ pāpmā prativijate. yan mety āha candramā vai mā māsaḥ eṣa ha vai mā māsaḥ tasmān mety āha bhā iti haitat parokṣeṇeva yasmād v eva mety āha yad v eva mety āhaitāni trīṇi tasmān mety brūyāt.
Damit gewinnt er durch die drei Wiederholungen eben diese Welten, und er lässt ihn dabei gedeihen durch eben jene Wesenheiten, aus denen er hervorgeht. Oder aber: Von hier aus, eben durch den Hiṅkāra – ihn, der schon im Himmelsraum weilt, verfolgt der Tod noch als Hunger. Dieser Hiṅkāra des Sāman ist Prajāpati als Glanz und Fülle; eben mit diesem, dem Hiṅkāra als Glanz, als Prajāpati, wehrt der Udgātṛ den Tod ab. „Hum mā“ [Hum, nicht mich!] spricht er – das bedeutet: „Gehe doch nicht dorthin, wo hier nur der Opferherr ist!“ Wie ein Geringerer, der sich zunächst mit einem Besseren vereinigt hat, diesen am Ende doch bezwingt, ebenso bezwingt auch der Tod, das Übel, uns, wenn man nicht auf der Hut ist. Wenn er „mā“ spricht – der Mond nämlich ist das Maß; er ist ja das Maß; darum spricht er „mā“. „Bhā“ ist dies gleichsam auf verhüllte Weise ausgedrückt. Aus mehreren Gründen zugleich spricht er „mā“ – dies sind drei ineinanderliegende Deutungen; darum soll man „mā“ sprechen.
[Anm.: Dieser Abschnitt enthält mehrschichtige Lautdeutungen der Hiṅkāra-Silben („hum mā“, „bhā“), die auf Klangähnlichkeit mit „māsa“ (Monat/Maß) und dem Mond beruhen; die genaue Verschränkung der drei genannten Deutungen bleibt im Sanskrit selbst knapp und ist hier sinngemäß, nicht wortwörtlich wiedergegeben. Das Gleichnis vom „Geringeren, der den Besseren bezwingt“ ist ebenfalls kompakt formuliert; es soll offenbar vor der Gefahr warnen, dass der scheinbar überwundene Tod sich am Ende doch durchsetzt.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 3. Anuvāka.
hum bhā iti brahmavarcasakāmasya bhatīva hi brahmavarcasam. hum bo iti paśukāmasya bo iti ha paśavo vāśyante. hum bag iti śrīkāmasya bag iti ha śriyam paṇāyanti. hum bhā ovā ity etad evopagītam. mahad ivābhiparivartayan gāyed iti ha smāha nāko mahāgrāmo mahāniveśo bhavatīti sa yathā sthāṇum arpayitvetareṇa vetareṇa vā pariyāyāt tādṛk tat. tad u hovāca śāṭyāyaniḥ kasmai kāmāya sthāṇum arpayet athopagītam evaitat naivaitad ādriyeteti. [iti] nu hiṅkārānāṃ atha vā ato nidhanam eva ovā iti dve akṣare anto vai sāmno nidhanam antas svargo lokānām anto bradhnasya viṣṭapam. tam etad udgātā yajamānam om ity etenākṣareṇānte svarge loke dadhāti. ya u ha vā apakṣo vṛkṣāgraṃ gacchaty ava vai sa tataḥ padyate atha yad vai pakṣī vṛkṣāgre yad asidhārāyāṃ yat kṣuradhārāyām āste na vai sa tato 'vapadyate pakṣābhyāṃ hi saṃyata āste. tam etad udgātā yajamānam om ity etenākṣareṇa svarapakṣaṃ kṛtvānte svarge loke dadhāti sa yathā pakṣy abibhyad āsītaivam eva svarge loke 'bibhyad āste 'thācarati. te ha vā ete akṣare devalokaś caiva manuṣyalokaś ca ādityaś ca ha vā ete akṣare candramāś ca. āditya eva devalokaś candramā manuṣyalokaḥ om ity ādityo vāg iti candramāḥ. tam etad udgātā yajamānam om ity etenākṣareṇādityaṃ devalokaṃ gamayati.
„Hum bhā“ singt, wer sich brahmanischen Glanz wünscht, denn „bhā“, das Erstrahlen, gleicht ja dem brahmanischen Glanz. „Hum bo“ singt, wer sich Vieh wünscht, denn „bo“ ist der Laut, mit dem das Vieh blökt. „Hum bag“ singt, wer sich Wohlstand wünscht, denn mit „bag“ preist man im Handel den Wohlstand an. „Hum bhā ovā“ – dies eben ist der übliche Begleitgesang. Er soll, gleichsam etwas Großes umkreisend, singen – so pflegte Nāka zu sagen: dann wird sein Ansehen ein großes Dorf, eine große Niederlassung. Es ist, wie wenn man, einen Pfahl als festen Punkt aufgestellt, mit dem einen oder anderen Fuß darum herumginge – so ist es damit. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: „Wozu sollte man erst einen Pfahl aufstellen? Dies ist ja nur Begleitgesang; man sollte dem keine besondere Beachtung schenken.“ So verhält es sich mit den Hiṅkāras. Oder aber, von hier aus: eben das Nidhana ist es – „ovā“ hat zwei Silben; das Ende des Gesangs nämlich ist das Nidhana des Sāman; das Ende der Welten ist der Himmelsraum, das Ende der Sonne ist ihr höchster Standort. Dorthin setzt der Udgātṛ mit dieser Silbe „om“ den Opferherrn, an das Ende, in den Himmelsraum. Wer flügellos zum Wipfel eines Baumes emporsteigt, der fällt von dort herab; ein Vogel aber, der am Wipfel eines Baumes sitzt, auf der Schneide eines Schwertes, auf der Schneide eines Rasiermessers, der fällt von dort nicht herab, denn er hält sich mit seinen beiden Flügeln im Gleichgewicht. Diesen Opferherrn setzt der Udgātṛ mit dieser Silbe „om“, ihn mit den Flügeln des Tones versehend, an das Ende, in den Himmelsraum; wie ein Vogel dort furchtlos säße, ebenso weilt er im Himmelsraum furchtlos und bewegt sich frei. Diese beiden Silben nämlich sind die Götterwelt und die Menschenwelt; diese beiden Silben sind auch die Sonne und der Mond. Die Sonne eben ist die Götterwelt, der Mond die Menschenwelt; „om“ ist die Sonne, „vāk“ ist der Mond. Dorthin führt der Udgātṛ mit dieser Silbe „om“ den Opferherrn: zur Sonne, zur Götterwelt.
[Anm.: Die Hiṅkāra-Varianten „hum bhā“, „hum bo“, „hum bag“ beruhen auf lautlicher Ähnlichkeit mit dem jeweils erwünschten Gut (Glanz, Vieh, Wohlstand) und bleiben als klangliche Kurzformeln unübersetzt in den Text integriert. Das Bild vom furchtlosen Vogel auf der Schneide von Schwert und Rasiermesser ist ein eindrückliches, in der vedischen Literatur singuläres Gleichnis für sicheren Halt trotz höchster Gefahr.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 3. Anuvāka.
taṃ hāgatam pṛcchati kas tvam asīti sa yo ha nāmnā vā gotreṇa vā prabrūte taṃ hāha yas te 'yam mayy ātmābhūd eṣa te sa iti. tasmin hātman pratipat tam ṛtavas sampadāryapad gṛhītam apakarṣanti tasya hāhorātre lokam āpnutaḥ. tasmā u haitena prabruvīta ko 'ham asmi suvas tvam sa tvāṃ svargyaṃ svar agām iti. ko ha vai prajāpatir atha haivaṃvid eva suvargaḥ sa hi suvar gacchati. taṃ hāha yas tvam asi so 'ham asmi yo 'ham asmi sa tvam asy ehīti. sa etam eva sukṛtarasam praviśati yad u ha vā asmi[ṃ]l loke manuṣyā yajante yat sādhu kurvanti tad eṣām ūrdhvam annādyam utsīdati tad amuṃ candramasam manuṣyalokam praviśati. tasyedam mānuṣanikāśanam aṇḍam udare 'ntas sambhavati tasyordhvam annādyam utsīdati stanāv abhi sa yad ājāyate 'thāsmai mātā stanam annādyam prayacchati. ajāto ha vai tāvat puruṣo yāvan na yajate sa yajñenaiva jāyate sa yathāṇḍam prathamanirbhiṇṇam evam eva. tadā taṃ ha vā evaṃvid udgātā yajamānam om ity etenākṣareṇādityaṃ devalokaṃ gamayati vāg ity asmā uttareṇākṣareṇa candramasam annādyam akṣitim prayacchati. atha yasyaitad avidvān udgāyati na haivainaṃ devalokaṃ gamayati no enam annādyena samardhayati. sa yathāṇḍaṃ vidigdhaṃ śayītānnādyam alabhamānam evam eva vidigdhaś śete 'nnādyam alabhamānaḥ. tasmād u haivaṃvidam evodgāpayeta evaṃvid ihaivodgātar iti hūtaḥ pratiśṛṇuyāt.
Den Angekommenen fragt man: „Wer bist du?“ Wer sich nun mit Namen oder Geschlecht zu erkennen gibt, zu dem spricht man: „Der, der dir hier in mir zum Selbst geworden ist, eben der ist es, der du bist.“ In diesem Selbst findet er Halt; die Zeit zieht ihn, ergriffen, Schritt für Schritt fort; Tag und Nacht erlangen dabei ihre Welt. Ihm soll man dies erwidern: „Wer bin ich? Du bist die Sonne; ich, ‚Ka‘, bin zu dir, der himmlischen, zum Himmelslicht gegangen.“ „Ka“, der Wer, nämlich ist Prajāpati; wer dies so weiß, gelangt fürwahr zum Himmelslicht, denn er geht ja zum Himmelslicht. Zu ihm spricht man: „Der du bist, der bin ich; der ich bin, der bist du; komm herein!“ Er tritt dabei eben in diesen Saft der guten Taten ein: was die Menschen in dieser Welt opfern, was sie an Gutem tun, dessen Nahrung steigt für sie nach oben und sammelt sich, und das tritt ein in jenen Mond, die Menschenwelt. Dessen menschenähnliches Ei entsteht dann im Innern des Leibes der Mutter; dessen Nahrung steigt nach oben, zu den Brüsten hin; wenn er dann geboren wird, gibt ihm die Mutter die Brust als Nahrung. Ungeboren nämlich ist der Mensch, solange er nicht opfert; erst durch das Opfer wird er wahrhaft geboren – geradeso, wie ein Ei zum ersten Mal aufbricht. Dann führt der so wissende Udgātṛ den Opferherrn mit dieser Silbe „om“ zur Sonne, zur Götterwelt; mit der folgenden Silbe „vāk“ gewährt er ihm den Mond, die unerschöpfliche Nahrung. Wem aber ein Unwissender dies vorsingt, den führt er weder zur Götterwelt, noch lässt er ihn durch Nahrung gedeihen. Wie ein beschädigtes Ei liegen bliebe, ohne Nahrung zu erlangen, ebenso liegt er beschädigt da, ohne Nahrung zu erlangen. Darum soll man nur einen solchen Wissenden für sich singen lassen; ein Wissender soll, hierher als Udgātṛ gerufen, die Einladung annehmen.
[Anm.: Die Formel „der du bist, der bin ich; der ich bin, der bist du“ ist eine bemerkenswert direkte vedische Identitätsformel zwischen Priester und Gottheit bzw. Opferherrn; ein Satz mittendrin (über die Zeit, die den Ergriffenen „Schritt für Schritt fortzieht“) ist im Sanskrit unsicher überliefert und hier sinngemäß, nicht wortwörtlich wiedergegeben. Die Frage „ko 'ham asmi“ („wer bin ich?“) spielt zugleich auf die Ka-Prajāpati-Gleichsetzung aus 3.2 an: „ich bin Ka“, d.h. Prajāpati. Der Kolophon dieses Khaṇḍa springt in der Vorlage von „3. Khaṇḍa“ (am Ende von 3.13) auf „5. Khaṇḍa“ – ein „4. Khaṇḍa im 3. Anuvāka“ fehlt in der Zählung; dies liegt bereits so im Sanskrit-Text vor und wird hier unemendiert wiedergegeben.] Kolophon: 5. Khaṇḍa im 3. Anuvāka. Ende des 3. Anuvāka.
vāg iti hendro viśvāmitrāyoktham uvāca tad etad viśvāmitrā upāsate vācam eva. manur ha vasiṣṭhāya brahmatvam uvāca tasmād āhur vāsiṣṭham eva brahmeti. tad u vā āhur evaṃvid eva brahmā ka u evaṃvidaṃ vāsiṣṭham arhatīti. prajāpatiḥ prājijaniṣata sa tapo 'tapyata sa aikṣata hanta nu pratiṣṭhāṃ janayai tato yāḥ prajās srakṣye tā etad eva pratiṣṭhāsyanti nāpratiṣṭhāś carantīḥ pradaghiṣyanta iti. sa imaṃ lokam ajanayad antarikṣalokam amuṃ lokam iti tān imā[ṃ]s trī[ṃ]l lokāñ janayitvābhyaśrāmyat. tān samatapat tebhyas saṃtaptebhyas trīṇi śukrāṇy udāyann agniḥ pṛthivyā vāyur antarikṣād ādityo divaḥ. sa etāni śukrāṇi punar abhy evātapat tebhyas saṃtaptebhyas trīṇy eva śukrāṇy udāyann ṛgveda evāgner yajurvedo vāyos sāmaveda ādityāt. sa etāni śukrāṇi punar abhy evātapat tebhyas saṃtaptebhyas trīṇy eva śukrāṇy udāyan bhūr ity eva ṛgvedād bhuva iti yajurvedāt svar iti sāmavedāt tad eva. tad dha vai trayyai vidyāyai śukram etāvad idaṃ sarvam sa yo vai trayīṃ vidyāṃ viduṣo lokas so 'sya loko bhavati ya evaṃ veda.
„Rede“, sagte Indra, als er dem Viśvāmitra das Uktha verkündete; darum verehren die Viśvāmitras eben die Rede. Manu verkündete dem Vasiṣṭha das Brahman-Priesteramt; darum sagt man: „Das Brahman-Amt gehört eben den Vāsiṣṭhas.“ Dazu aber sagt man auch: „Nur wer dies weiß, ist wirklich Brahman-Priester; wer sonst verdiente es, ein Vāsiṣṭha zu sein, der dies weiß?“ Prajāpati wollte sich fortpflanzen. Er übte Askese. Er erwog: „Wohlan, ich will einen festen Grund schaffen, damit die Geschöpfe, die ich daraufhin erschaffen werde, eben darauf festen Halt haben und nicht, ohne festen Halt umherirrend, zugrunde gehen.“ Er schuf diese Welt hier, die Luftraum-Welt, jene Welt dort. Nachdem er diese drei Welten geschaffen hatte, mühte er sich weiter ab. Er erhitzte sie durch Askese; aus ihnen, den Erhitzten, stiegen drei glänzende Wesenheiten empor: Agni aus der Erde, Vāyu aus dem Luftraum, die Sonne aus dem Himmel. Diese glänzenden Wesenheiten erhitzte er wiederum durch Askese; aus ihnen, den Erhitzten, stiegen wiederum drei glänzende Wesenheiten empor: der Ṛgveda aus Agni, der Yajurveda aus Vāyu, der Sāmaveda aus der Sonne. Diese glänzenden Wesenheiten erhitzte er wiederum durch Askese; aus ihnen, den Erhitzten, stiegen wiederum drei glänzende Wesenheiten empor: „Bhūḥ“ aus dem Ṛgveda, „Bhuvaḥ“ aus dem Yajurveda, „Svaḥ“ aus dem Sāmaveda – eben das. Dies eben ist die ganze Essenz für die dreifache Wissenschaft, all dies hier. Die Welt dessen, der die dreifache Wissenschaft kennt – diese Welt wird die seine, wer dies weiß.
[Anm.: Dies ist eine der zentralen kosmogonischen Erzählungen der vedischen Literatur: die Entstehung der drei Welten, der drei Feuer/Elemente, der drei Veden und schließlich der drei Vyāhṛtis (bhūr bhuvaḥ svaḥ) aus je vorangehenden „geglühten“ Wesenheiten Prajāpatis. Vergleichbare Schöpfungsabfolgen finden sich u. a. im Śatapatha- und im Aitareya-Brāhmaṇa dieser Bibliothek.] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 4. Anuvāka.
ayaṃ vāva yajño yo 'yam pavate tasya vāk ca manaś ca vartanyau vācā ca hy eṣa etan manasā ca vartate. tasya hotādhvaryur udgātety anyatarāṃ vācā vartaniṃ saṃskurvanti tasmāt te vācā kurvanti brahmaiva manasānyatarām tasmāt sa tūṣṇīm āste. sa yad dha so 'pi stūyamāne vā śasyamāne vā vāvadyamāna āsītānyatarām evāsyāpi tarhi sa vācā vartaniṃ saṃskuryāt. sa yathā puruṣa ekapād yan bhreṣann eti ratho vaikacakro vartamāna evam eva tarhi yajño bhreṣann eti. etad dha tad vidvān brāhmaṇa uvāca brahmāṇam prātaranuvāka upākṛte vāvadyamānam āsīnam ardhaṃ vā ime tarhi yajñasyāntaragur iti ardhaṃ hi te tarhi yajñasyāntarīyuḥ. tasmād brahmā prātaranuvāka upākṛte vācaṃyama āsītāparidhānīyāyā ā vaṣaṭkārād itareṣāṃ stutaśastrāṇām evāsaṃsthāyai pavamānānām. sa yathā puruṣa ubhayāpād yan bhreṣaṃ na nyeti ratho vobhayācakro vartamāna evam etarhi yajño bhreṣaṃ na nyeti.
Dieser hier, der da weht, ist fürwahr das Opfer; dessen Bahnen sind Rede und Geist, denn durch Rede und durch Geist bewegt er sich. Von seinen beiden Bahnen bereiten Hotṛ, Adhvaryu und Udgātṛ die eine, die der Rede; darum handeln sie mittels der Rede. Der Brahman-Priester allein bereitet die andere mittels des Geistes; darum sitzt er schweigend da. Wenn er nun, während ein Lied gepriesen oder rezitiert wird, dabei doch redend dasäße, so würde er auch für sich nur die eine Bahn mittels der Rede bereiten. Wie ein einfüßiger Mensch stolpernd geht, wie ein einrädriger Wagen sich nur schwankend fortbewegt, ebenso würde dann auch das Opfer stolpernd vorangehen. Dies wissend, sprach ein Brahmane zum Brahman-Priester, der bei Beginn des Morgenrezitativs redend dasaß: „Diese hier haben dann nur die Hälfte des Opfers vollzogen“ – denn sie hätten dann tatsächlich nur die Hälfte des Opfers ausgeführt. Darum soll der Brahman-Priester bei Beginn des Morgenrezitativs schweigend dasitzen, von der Paridhānīyā bis zum Vaṣaṭ-Ruf, ebenso während der noch unvollendeten übrigen gepriesenen und rezitierten Läuterungsgesänge. Wie ein beidfüßiger Mensch nicht stolpernd geht, wie ein zweirädriger Wagen sich nicht schwankend fortbewegt, ebenso geht dann auch das Opfer nicht stolpernd voran.
sa yadi yajña ṛkto bhreṣann iyād brahmaṇe prabrūtety āhuḥ atha yadi yajuṣṭo brahmaṇe prabrūtety āhuḥ atha yadi sāmato brahmaṇe prabrūtety āhuḥ atha yadi anupasmṛtāt kuta idam ajanīti brahmaṇe prabrūtety evāhuḥ. sa brahmā prāṅ udetya sruveṇāgnīdhra ājyaṃ juhuyād bhūr bhuvas svar ity etābhir vyāhṛtibhiḥ. etā vai vyāhṛtayas sarvaprāyaścittayaḥ tad yathā lavaṇena suvarṇaṃ saṃdadhyāt suvarṇena rajataṃ rajatena trapu trapuṇā lohāyasaṃ lohāyasena kārṣṇāyasaṃ kārṣṇāyasena dāru dāru ca carma ca śleṣmaṇaivam evaivaṃ vidvā[ṃ]s tat sarvam bhiṣajyati. tad āhur yad ahauṣīn me grahān me 'grahīd ity adhvaryave dakṣiṇā nayanty aśa[ṃ]sīn me vaṣaḍ akar ma iti hotra udagāsīn ma ity udgātre 'tha kiṃ cakruṣe brahmaṇe tūṣṇīm āsīnāya samāvatīr evetarair ṛtvigbhir dakṣiṇā nayantīti. sa brūyād ardhabhāg gha vai sa yajñasyārdhaṃ hy eṣa yajñasya vahatīti ardhā ha sma vai purā brahmaṇe dakṣiṇā nayantīti ardhā itarebhya ṛtvigbhyaḥ. tasyaiṣa śloko mayīdam manye bhuvanādi sarvam mayi lokā mayi diśaś catasraḥ mayīdam manye nimiṣad yad ejati mayy āpa oṣadhayaś ca sarvā iti. mayīdam manye bhuvanādi sarvam ity evaṃvidaṃ ha vāvedaṃ sarvam bhuvanam anvāyattam. mayi lokā mayi diśaś catasra ity evaṃvidi ha vāva lokā evaṃvidi diśaś catasraḥ. mayīdam manye nimiṣad yad ejati mayy āpa oṣadhayaś ca sarvā ity evaṃvidi ha vāvedaṃ sarvam bhuvanam pratiṣṭhitam. tasmād u haivaṃvidam eva brahmāṇaṃ kurvīta sa ha vāva brahmā ya evaṃ veda.
Wenn nun das Opfer durch einen Fehler beim Ṛc ins Stolpern geriete, sagt man: „Meldet es dem Brahman-Priester.“ Wenn durch einen Fehler beim Yajus, sagt man dasselbe; wenn durch einen Fehler beim Sāman, ebenso; und wenn man den Fehler nicht genau erinnert und fragt: „Woher rührt dies?“, so sagt man ebenso: „Meldet es dem Brahman-Priester.“ Da soll der Brahman-Priester, nach Osten gewandt aufstehend, mit dem Opferlöffel im Āgnīdhra-Feuer Ghee opfern, mit diesen Vyāhṛtis: „Bhūḥ, bhuvaḥ, svaḥ.“ Diese Vyāhṛtis nämlich sind die Sühne für alles. So wie man Gold mit Salz reinigend verbindet, Silber mit Gold, Zinn mit Silber, Kupfer mit Zinn, Eisen mit Kupfer, Holz mit Eisen, Holz und Leder mit Klebstoff – ebenso heilt der Wissende damit jeden Opferfehler. Dazu sagt man: „Du hast für mich geopfert, du hast für mich den Becher genommen“ – so bringt man dem Adhvaryu die Opfergabe dar; „du hast für mich rezitiert, du hast für mich den Vaṣaṭ-Ruf vollzogen“ – so dem Hotṛ; „du hast für mich gesungen“ – so dem Udgātṛ. Was aber hat der Brahman-Priester getan, der schweigend dasaß? – Die gleichen Opfergaben wie den anderen Priestern bringt man auch ihm dar. Man soll dazu sagen: „Er hat fürwahr Anteil an der Hälfte, denn er trägt die Hälfte des Opfers“; darum brachte man von alters her dem Brahman-Priester die Hälfte der Opfergabe dar, und die andere Hälfte den übrigen Priestern. Dazu gibt es diesen Vers: „In mir, so meine ich, gründet all dies Werdende; in mir die Welten, in mir die vier Himmelsrichtungen; in mir, so meine ich, gründet, was blinzelt und was sich regt; in mir die Gewässer und alle Kräuter.“ „In mir, so meine ich, gründet all dies Werdende“ – dem, der dies so weiß, ist fürwahr all dies Werdende ganz zugehörig. „In mir die Welten, in mir die vier Himmelsrichtungen“ – dem, der dies so weiß, gehören fürwahr die Welten, ihm die vier Himmelsrichtungen. „In mir, so meine ich, gründet, was blinzelt und was sich regt; in mir die Gewässer und alle Kräuter“ – in dem, der dies so weiß, ist fürwahr all dies Werdende gegründet. Darum soll man nur einen solchen Wissenden zum Brahman-Priester machen; der ist fürwahr der wahre Brahman-Priester, der dies weiß.
[Anm.: Der Vers „mayīdam manye bhuvanādi sarvam“ ist eine der eindrücklichsten Ich-Identifikationsformeln der vedischen Prosa und nimmt Gedanken vorweg, die in ähnlicher, ausgearbeiteter Form später in der Bṛhadāraṇyaka- und Chāndogya-Upaniṣad als Ātman-Lehre begegnen: Wer das Selbst richtig kennt, dem sind kraft dieses Wissens die Welten „zugehörig“. Gemeint ist hier zunächst konkret der wissende Brahman-Priester, nicht eine allgemeine Ich-Metaphysik.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 4. Anuvāka.
atha vā atas stomabhāgānām evānumantrāḥ. tad dhaitad eke stomabhāgair evānumantrayante tat tathā na kuryāt. devena savitrā prasūtaḥ prastotar devebhyo vācam iṣyety u haike 'numantrayante savitā vai devānām prasavitā savitrā prasūtā idam anumantrayāmaha iti vadantaḥ tad u tathā na kuryāt. bhūr bhuvas svar ity u haike 'numantrayanta eṣā vai trayī vidyā trayyaivedaṃ vidyayānumantrayāmaha iti vadantaḥ tad u tathā no eva kuryāt. om ity evānumantrayeta. athaiṣa vasiṣṭhasyaikastomabhāgānumantraḥ tena haitena vasiṣṭhaḥ prajātikāmo 'numantrayāṃ cakre devena savitrā prasūtaḥ prastotar devebhyo vācam iṣya bhūr bhuvas svar om iti tato vai sa bahuḥ prajayā paśubhiḥ prājāyata. sa eva tena vasiṣṭhasyaikastomabhāgānumantreṇānumantrayeta bahur eva prajayā paśubhiḥ prajāyate iyaṃ tv eva sthitir om ity evānumantrayeta.
Nun aber gibt es hierzu auch andere Begleitsprüche für die Stoma-Anteile. Manche sprechen dazu eben mit den Stoma-Anteilen selbst den Begleitspruch; so sollte man es aber nicht machen. „Von Gott Savitṛ angetrieben, o Prastotṛ, entsende die Rede den Göttern“ – so sprechen manche den Begleitspruch, indem sie sagen: „Savitṛ ist ja der Antreiber der Götter; von Savitṛ angetrieben sprechen wir diesen Begleitspruch“; so sollte man es aber auch nicht machen. „Bhūḥ, bhuvaḥ, svaḥ“ – so sprechen manche den Begleitspruch, indem sie sagen: „Dies ist ja die dreifache Wissenschaft; mit eben dieser dreifachen Wissenschaft sprechen wir den Begleitspruch“; so sollte man es ebenfalls nicht machen. Man soll vielmehr einfach „om“ als Begleitspruch sprechen. Dies aber ist der Begleitspruch des Vasiṣṭha für den Einfach-Stoma-Anteil: Mit ihm sprach Vasiṣṭha, sich Nachkommenschaft wünschend, den Begleitspruch: „Von Gott Savitṛ angetrieben, o Prastotṛ, entsende die Rede den Göttern – bhūḥ, bhuvaḥ, svaḥ, om“; dadurch vermehrte er sich reichlich mit Nachkommenschaft und Vieh. Wer sich ebenso Nachkommenschaft wünscht, der soll mit diesem Begleitspruch des Vasiṣṭha den Begleitspruch sprechen; er vermehrt sich dann reichlich mit Nachkommenschaft und Vieh. Die feste Regel für den Normalfall aber ist: man soll einfach „om“ als Begleitspruch sprechen.
athaiṣa vācā vajram udgṛhṇāti yad āha somaḥ pavata iti vopāvartadhvam iti vā vācaiva tad vāco vajraṃ vigṛhyate vācas satyenātimucyate tasmād om ity evānumantrayeta. devā vā anayā trayyā [vidyayā] sarasayordhvās svargaṃ lokam udakrāman te mamuṣyāṇām anvāgamād bibhyatas trayaṃ vedam apīḷayan. tasya pīḷayanta ekam evākṣaraṃ nāśaknuvan pīḷayitum om iti yad etat. eṣa u ha vāva sarasaḥ sarasā ha vā evaṃvidas trayī vidyā bhavati. sa yāṃ ha vai trayyā vidyayā sarasayā jitiṃ jagati yām ṛddhim ṛdhnoti jayati tāṃ jitim ṛdhnoti tām ṛddhiṃ ya evaṃ veda. etad dha vā akṣaraṃ trayyai vidyāyai pratiṣṭhā om iti vai hotā pratiṣṭhita om ity adhvaryur om ity udgātā. etad dha vā akṣaraṃ vedānāṃ triviṣṭapam etasmin vā akṣara ṛtvijo yajamānam ādhāya svarge loke samudūhanti tasmād om ity evānumantrayeta.
Ferner ergreift man mit der Rede die Vajra-Waffe, wenn man spricht: „Der Soma läutert sich“ oder „Wendet euch her!“ – eben durch die Rede; dadurch wird die Vajra-Waffe der Rede ergriffen, und man entkommt durch die Wahrhaftigkeit der Rede. Darum soll man einfach „om“ als Begleitspruch sprechen. Die Götter stiegen mit dieser vollsaftigen dreifachen Wissenschaft aufwärts zum Himmelsraum empor; aus Furcht vor der Verfolgung durch die Menschen pressten sie den dreifachen Veda zusammen. Beim Zusammenpressen konnten sie eine einzige Silbe nicht zusammenpressen: eben dieses „om“. Eben dies ist die wahre Essenz; voller Essenz wird fürwahr die dreifache Wissenschaft dessen, der dies weiß. Welchen Sieg man mit der vollsaftigen dreifachen Wissenschaft erringt, welchen Gedeih man dabei erlangt – eben diesen Sieg erringt, eben diesen Gedeih erlangt, wer dies weiß. Diese Silbe eben ist der feste Grund für die dreifache Wissenschaft: Auf „om“ nämlich ist der Hotṛ gegründet, auf „om“ der Adhvaryu, auf „om“ der Udgātṛ. Diese Silbe eben ist der höchste Standort der Veden; auf dieser Silbe setzen die Priester den Opferherrn ab und heben ihn hinauf in den Himmelsraum. Darum soll man einfach „om“ als Begleitspruch sprechen.
[Anm.: Die Erzählung von den vor den Menschen fliehenden und den Veda zu der einen unzerdrückbaren Silbe „Om“ verdichtenden Göttern ist einer der bekanntesten vedischen Mythen zur Herkunft der Om-Silbe als Quintessenz aller Veden; eine verwandte Fassung („die Götter waren in Furcht vor dem Tod“) findet sich in Chāndogya-Upaniṣad 1.4.] Kolophon: 5. Khaṇḍa im 4. Anuvāka. Ende des 4. Anuvāka.
guhāsi devo 'sy upavāsy upa taṃ vāyasva yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ. mahināsi bahulāsi bṛhaty asi rohiṇy asy apannāsi. sambhūr devo 'si sam aham bhūyāsam ābhūtir asy ābhūyāsam bhūtir asi bhūyāsam. yās te prajā upadiṣṭā nāhaṃ tava tāḥ paryemi upa te tā diśāmi. nāma me śarīram me pratiṣṭhā me tan me tvayi tan me mopahṛthā itīmām pṛthivīm avocat. tam iyam āgatam pṛthivī pratinandaty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha nāv ayaṃ loka iti. yad vāva me tvayīty āha tad vāva me punar dehīti. kiṃ nu te mayīti nāma me śarīram me pratiṣṭhā me tan me tvayi tan me punar dehīti tad asmā iyam pṛthivī punar dadāti. tām āha pra mā vāheti kim abhīti agnim iti tam agnim abhipravahati. so 'gnim āhābhijid asy abhijayyāsam lokajid asi lokaṃ jayyāsam attir asy annam adyāsam annādo bhavati yas tvaivaṃ veda. sambhūr devo 'si sam aham bhūyāsam ābhūtir asy ābhūyāsam bhūtir asi bhūyāsam. yās te prajā upadiṣṭā nāhaṃ tava tāḥ paryemi upa te tā diśāmi. tapo me tejo me 'nnam me vāṅ me tan me tvayi tan me mopahṛthā ity agnim avocat. taṃ tathaivāgatam agniḥ pratinandaty ayaṃ te bhagavo lokas saha nāv ayaṃ loka iti. yad vāva me tvayīty āha tad vāva me punar dehīti. kiṃ nu te mayīti tapo me tejo me 'nnam me vāṅ me tan me tvayi tan me punar dehīti [tad] asmā agnir punar dadāti. tam āha pra mā vaheti.
„Du bist Verborgenheit, du bist ein Gott, du bist Zuflucht; wehre den ab, der uns hasst, und den, den wir hassen. Du bist Größe, du bist Weite, du bist die Erhabene, du bist die Aufsteigende, du bist die Standhafte.“ „Du bist der Gott des Werdens – möge ich werden. Du bist Herankommen – möge ich herankommen. Du bist Werden – möge ich werden. Die Geschöpfe, die dir zugewiesen sind – nicht beanspruche ich sie; ich weise sie dir zu.“ „Mein Name, mein Leib, mein fester Grund – dies, das Meine, ist in dir; entreiße es mir nicht.“ So sprach er zu dieser Erde. Ihn, den Angekommenen, begrüßt diese Erde freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns beiden diese Welt.“ „Was eben von mir in dir ist“, spricht er, „das gib mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in mir?“ – „Mein Name, mein Leib, mein fester Grund – dies, das Meine, ist in dir; das gib mir zurück.“ Da gibt ihm diese Erde dies zurück. Zu ihr spricht er: „Führe mich weiter!“ – „Wohin?“ – „Zu Agni.“ Da führt sie ihn weiter, zu Agni hin. Zu Agni spricht er: „Du bist Übersieger; möge ich übersiegen. Du bist Welteroberer; möge ich die Welt erobern. Du bist Esser; möge ich die Nahrung essen.“ Zum Nahrungs-Esser wird, wer dies so weiß. „Du bist der Gott des Werdens – möge ich werden. Du bist Herankommen – möge ich herankommen. Du bist Werden – möge ich werden. Die Geschöpfe, die dir zugewiesen sind – nicht beanspruche ich sie; ich weise sie dir zu.“ „Meine Askesekraft, meine Glut, meine Nahrung, meine Rede – dies, das Meine, ist in dir; entreiße es mir nicht.“ So sprach er zu Agni. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßt Agni freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns beiden diese Welt.“ „Was eben von mir in dir ist“, spricht er, „das gib mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in mir?“ – „Meine Askesekraft, meine Glut, meine Nahrung, meine Rede – dies, das Meine, ist in dir; das gib mir zurück.“ Da gibt ihm Agni dies zurück. Zu ihm spricht er: „Führe mich weiter!“
[Anm.: Dieser Abschnitt wechselt zu einer neuen Gattung: einer Folge wörtlicher Ritualformeln, mit denen der Wissende nacheinander Erde und Agni anredet, ihnen zunächst formell seine Ehrerbietung und den Verzicht auf ihre Geschöpfe erklärt, dann das ihm selbst Zugehörige zurückfordert und schließlich um Weiterführung zur nächsten Gottheit bittet. Das Formular wird an weiteren Gottheiten fortgesetzt (Fortsetzung in 3.21). Ein Wort in der zweiten Zeile (hier „die Standhafte“) ist im Sanskrit unsicher überliefert; die Wiedergabe ist sinngemäß.] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 5. Anuvāka.
kim abhīti vāyum iti taṃ vāyum abhipravahati. sa vāyum āha yat purastād vāsīndro rājā bhūto vāsi yad dakṣiṇato vāsīśāno bhūto vāsi yat paścād vāsi varuṇo rājā bhūto vāsi yad uttarato vāsi somo rājā bhūto vāsi yad upariṣṭād avavāsi prajāpatir bhūto 'vavāsi. vrātyo 'sy ekavrātyo 'navasṛṣṭo devānām bilam apyadhāḥ. tava prajās tavauṣadhayas tavāpo vicalitam anuvicalanti. sambhūr devo 'si sam aham bhūyāsam ābhūtir asy ābhūyāsam bhūtir asi bhūyāsam. yās te prajā upadiṣṭā nāhaṃ tava tāḥ paryemi upa te tā diśāmi. prāṇāpānau me śrutam me tan me tvayi tan me mopahṛthā iti vāyum avocat. taṃ tathaivāgataṃ vāyuḥ pratinandaty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha nāv ayaṃ loka iti. yad vāva me tvayīty āha tad vāva me punar dehīti. kiṃ nu te mayīti prāṇāpānau me śrutam me tan me tvayi tan me punar dehīti tad asmai vāyuḥ punar dadāti. tam āha pra mā vaheti kim abhīti antarikṣalokam iti tam antarikṣalokam abhipravahati. taṃ tathaivāgatam antarikṣalokaḥ pratinandaty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha nāv ayaṃ loka iti. yad vāva me tvayīty āha tad vāva me punar dehīti. kiṃ nu te mayīti ayam ma ākāśaḥ sa me tvayi tan me punar dehīti tam asmā ākāśam antarikṣalokaḥ punar dadāti. tam āha pra mā vaheti.
„Wohin?“ – „Zu Vāyu.“ Da führt er ihn weiter, zu Vāyu hin. Zu Vāyu spricht er: „Was du im Osten bist, das bist du, König Indra geworden; was du im Süden bist, das bist du, Īśāna geworden; was du im Westen bist, das bist du, König Varuṇa geworden; was du im Norden bist, das bist du, König Soma geworden; was du oben bist, das bist du hinab, Prajāpati geworden, hinab. Ein Vrātya bist du, ein einzelner Vrātya, unabgesetzt; du hast der Götter Öffnung verschlossen. Deine Geschöpfe, deine Kräuter, deine Gewässer folgen der Bewegung, wenn du dich bewegst. Du bist der Gott des Werdens – möge ich werden. Du bist Herankommen – möge ich herankommen. Du bist Werden – möge ich werden. Die Geschöpfe, die dir zugewiesen sind – nicht beanspruche ich sie; ich weise sie dir zu.“ „Mein Ein- und Ausatem, mein Gehör – dies, das Meine, ist in dir; entreiße es mir nicht.“ So sprach er zu Vāyu. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßt Vāyu freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns beiden diese Welt.“ „Was eben von mir in dir ist“, spricht er, „das gib mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in mir?“ – „Mein Ein- und Ausatem, mein Gehör – dies, das Meine, ist in dir; das gib mir zurück.“ Da gibt ihm Vāyu dies zurück. Zu ihm spricht er: „Führe mich weiter!“ – „Wohin?“ – „Zur Luftraum-Welt.“ Da führt er ihn weiter, zur Luftraum-Welt hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßt die Luftraum-Welt freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns beiden diese Welt.“ „Was eben von mir in dir ist“, spricht er, „das gib mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in mir?“ – „Dieser mein Freiraum – der ist in dir; den gib mir zurück.“ Da gibt ihm die Luftraum-Welt diesen Freiraum zurück. Zu ihr spricht er: „Führe mich weiter!“
[Anm.: Die Anrede Vāyus als „Vrātya, einzelner Vrātya, unabgesetzt“ verwendet feste Titel der vedischen Vrātya-Tradition (vgl. das Vrātyakāṇḍa des Atharvaveda, Buch 15), wo Vāyu bzw. der Vrātya-Wanderasket mit dem Wind und den Himmelsrichtungen gleichgesetzt wird; die genaue Nuance von „unabgesetzt“ (anavasṛṣṭa) und dem Bild vom „Verschließen der Götter-Öffnung“ bleibt fachsprachlich verdichtet.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 5. Anuvāka.
kim abhīti diśa iti taṃ diśo 'bhipravahati. taṃ tathaivāgataṃ diśaḥ pratinandanty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha no 'yaṃ loka iti. yad vāva me yuṣmāsv ity āha tad vāva me punar datteti. kiṃ nu te 'smāsv iti śrotram iti tad asmai śrotraṃ diśaḥ punar dadati. tā āha pra mā vahateti kim abhīti ahorātrayor lokam iti tam ahorātrayor lokam abhipravahanti. taṃ tathaivāgatam ahorātre pratinandato 'yaṃ te bhagavo lokaḥ saha no 'yaṃ loka iti. yad vāva me yuvayor ity āha tad vāva me punar dattam iti. kiṃ nu ta āvayor iti akṣitir iti tām asmā akṣitim ahorātre punar dattaḥ. te āha pra mā vahatam iti.
„Wohin?“ – „Zu den Himmelsrichtungen.“ Da führen sie ihn weiter, zu den Himmelsrichtungen hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßen die Himmelsrichtungen freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns diese Welt.“ „Was eben von mir in euch ist“, spricht er, „das gebt mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in uns?“ – „Das Gehör.“ Da geben ihm die Himmelsrichtungen das Gehör zurück. Zu ihnen spricht er: „Führt mich weiter!“ – „Wohin?“ – „Zur Welt von Tag und Nacht.“ Da führen sie ihn weiter, zur Welt von Tag und Nacht hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßen Tag und Nacht freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns diese Welt.“ „Was eben von mir in euch beiden ist“, spricht er, „das gebt mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in uns beiden?“ – „Die Unerschöpflichkeit.“ Da geben ihm Tag und Nacht die Unerschöpflichkeit zurück. Zu ihnen beiden spricht er: „Führt mich weiter!“
kim abhīti ardhamāsān iti tam ardhamāsān abhipravahataḥ. taṃ tathaivāgatam ardhamāsāḥ pratinandanty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha no 'yaṃ loka iti. yad vāva me yuṣmāsv ity āha tad vāva me punar datteti. kiṃ nu te 'smāsv iti imānu kṣudrāṇi parvāṇi tāni me yuṣmāsu tāni me pratisaṃdhatteti tāny asyārdhamāsāḥ punaḥ pratisaṃdadhati. tān āha pra mā vahateti kim abhīti māsān iti tam māsān abhipravahanti. taṃ tathaivāgatam māsāḥ pratinandanty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha no 'yaṃ loka iti. yad vāva me yuṣmāsv ity āha tad vāva me punar datteti. kiṃ nu te 'smāsv iti imāni sthūlāni parvāṇi tāni me yuṣmāsu tāni me pratisaṃdhatteti tāny asya māsāḥ punaḥ pratisaṃdadhati. tān āha pra mā vahateti.
„Wohin?“ – „Zu den Halbmonaten.“ Da führen sie ihn weiter, zu den Halbmonaten hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßen die Halbmonate freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns diese Welt.“ „Was eben von mir in euch ist“, spricht er, „das gebt mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in uns?“ – „Diese kleinen Gelenke – die sind von mir in euch; die fügt mir wieder zusammen.“ Da fügen ihm die Halbmonate diese wieder zusammen. Zu ihnen spricht er: „Führt mich weiter!“ – „Wohin?“ – „Zu den Monaten.“ Da führen sie ihn weiter, zu den Monaten hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßen die Monate freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns diese Welt.“ „Was eben von mir in euch ist“, spricht er, „das gebt mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in uns?“ – „Diese großen Gelenke – die sind von mir in euch; die fügt mir wieder zusammen.“ Da fügen ihm die Monate diese wieder zusammen. Zu ihnen spricht er: „Führt mich weiter!“
[Anm.: Die „kleinen“ und „großen Gelenke“ (parvāṇi) beziehen sich vermutlich auf die Gliederung der Zeit in kleinere Abschnitte (Tage innerhalb der Halbmonate) und größere (Halbmonate innerhalb der Monate) – ein Bild von Zeit und Leib als zusammengesetzter, gegliederter Einheit, die im Ritual wiederhergestellt wird.] Kolophon: 4. Khaṇḍa im 5. Anuvāka.
kim abhīti ṛtūn iti tam ṛtūn abhipravahanti. taṃ tathaivāgatam ṛtavaḥ pratinandanty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha no 'yaṃ loka iti. yad vāva me yuṣmāsv ity āha tad vāva me punar datteti. kiṃ nu te 'smāsv iti imāni jyāyā[ṃ]si parvāṇi tāni me yuṣmāsu tāni me pratisaṃdhatteti tāny asya rtavaḥ punaḥ pratisaṃdadhati. tān āha pra mā vahateti kim abhīti saṃvatsaram iti taṃ saṃvatsaram abhipravahanti. taṃ tathaivāgataṃ saṃvatsaraḥ pratinandaty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha nāv ayaṃ loka iti. yad vāva me tvayīty āha tad vāva me punar dehīti. kiṃ nu te mayīti ayam ma ātmā sa me tvayi tan me punar dehīti tam asmā ātmānaṃ saṃvatsaraḥ punar dadāti. tam āha pra mā vaheti.
„Wohin?“ – „Zu den Jahreszeiten.“ Da führen sie ihn weiter, zu den Jahreszeiten hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßen die Jahreszeiten freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns diese Welt.“ „Was eben von mir in euch ist“, spricht er, „das gebt mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in uns?“ – „Diese größeren Gelenke – die sind von mir in euch; die fügt mir wieder zusammen.“ Da fügen ihm die Jahreszeiten diese wieder zusammen. Zu ihnen spricht er: „Führt mich weiter!“ – „Wohin?“ – „Zum Jahr.“ Da führen sie ihn weiter, zum Jahr hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßt das Jahr freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns beiden diese Welt.“ „Was eben von mir in dir ist“, spricht er, „das gib mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in mir?“ – „Dieses mein Selbst – das ist in dir; das gib mir zurück.“ Da gibt ihm das Jahr dieses Selbst zurück. Zu ihm spricht er: „Führe mich weiter!“
kim abhīti divyān gandharvān iti taṃ divyān gandharvān abhipravahati. taṃ tathaivāgataṃ divyā gandharvāḥ pratinandanty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha no 'yaṃ loka iti. yad vāva me yuṣmāsv ity āha tad vāva me punar datteti. kiṃ nu te 'smāsv iti gandho me modo me pramodo me tan me yuṣmāsu tan me punar datteti tad asmai divyā gandharvāḥ punar dadati. tān āha pra mā vahateti kim abhīti apsarasa iti tam apsaraso 'bhipravahanti. taṃ tathaivāgatam apsarasaḥ pratinandanty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha no 'yaṃ loka iti. yad vāva me yuṣmāsv ity āha tad vāva me punar datteti. kiṃ nu te 'smāsv iti haso me krīḷā me mithunam me tan me yuṣmāsu tan me punar datteti tad asmā apsarasaḥ punar dadati. tā āha pra mā vahateti.
„Wohin?“ – „Zu den himmlischen Gandharvas.“ Da führt es ihn weiter, zu den himmlischen Gandharvas hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßen die himmlischen Gandharvas freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns diese Welt.“ „Was eben von mir in euch ist“, spricht er, „das gebt mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in uns?“ – „Mein Duft, meine Freude, meine Wonne – dies ist von mir in euch; gebt mir dies zurück.“ Da geben ihm die himmlischen Gandharvas dies zurück. Zu ihnen spricht er: „Führt mich weiter!“ – „Wohin?“ – „Zu den Apsaras.“ Da führen sie ihn weiter, zu den Apsaras hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßen die Apsaras freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns diese Welt.“ „Was eben von mir in euch ist“, spricht er, „das gebt mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in uns?“ – „Mein Lachen, mein Spiel, meine Vereinigung – dies ist von mir in euch; gebt mir dies zurück.“ Da geben ihm die Apsaras dies zurück. Zu ihnen spricht er: „Führt mich weiter!“
kim abhīti divam iti taṃ divam abhipravahanti. taṃ tathaivāgataṃ dyauḥ pratinandaty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha nāv ayaṃ loka iti. yad vāva me tvayīty āha tad vāva me punar dehīti. kiṃ nu te mayīti tṛptir iti sakṛt tṛpteva hy eṣā tām asmai tṛptiṃ dyauḥ punar dadāti. tam āha pra mā vaheti kim abhīti devān iti taṃ devān abhipravahati. taṃ tathaivāgataṃ devāḥ pratinandanty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha no 'yaṃ loka iti. yad vāva me yuṣmāsv ity āha tad vāva me punar datteti. kiṃ nu te 'smāsv iti amṛtam iti tad asmā amṛtaṃ devāḥ punar dadati. tān āha pra mā vahateti.
„Wohin?“ – „Zum Himmel.“ Da führen sie ihn weiter, zum Himmel hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßt der Himmel freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns beiden diese Welt.“ „Was eben von mir in dir ist“, spricht er, „das gib mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in mir?“ – „Die Sättigung“ – denn diese ist ja nur einmalig gesättigt. Da gibt ihm der Himmel diese Sättigung zurück. Zu ihm spricht er: „Führe mich weiter!“ – „Wohin?“ – „Zu den Göttern.“ Da führt er ihn weiter, zu den Göttern hin. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßen die Götter freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns diese Welt.“ „Was eben von mir in euch ist“, spricht er, „das gebt mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in uns?“ – „Die Unsterblichkeit.“ Da geben ihm die Götter die Unsterblichkeit zurück. Zu ihnen spricht er: „Führt mich weiter!“
[Anm.: Der eingeschobene Halbsatz „denn diese ist ja nur einmalig gesättigt“ erläutert knapp, warum gerade die Sättigung (tṛpti) das dem Himmel Eigentümliche ist, das zurückgefordert wird; die genaue Pointe bleibt im Sanskrit implizit.] Kolophon: 7. Khaṇḍa im 5. Anuvāka.
kim abhīti ādityam iti tam ādityam abhipravahanti. sa ādityam āha vibhūḥ purastāt sampat paścāt samyaṅ tvam asi samīco manuṣyān aroṣī ruṣatas ta ṛṣiḥ pāpmānaṃ hanti apahatapāpmā bhavati yas tvaivaṃ veda. sambhūr devo 'si sam aham bhūyāsam ābhūtir asy ābhūyāsam bhūtir asi bhūyāsam. yās te prajā upadiṣṭā nāhaṃ tava tāḥ paryemi upa te tā diśāmi. ojo me balam me cakṣur me tan me tvayi tan me mopahṛthā ity ādityam avocat. taṃ tathaivāgatam ādityaḥ pratinandaty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha nāv ayaṃ loka iti. yad vāva me tvayīty āha tad vāva me punar dehīti. kiṃ nu te mayīti ojo me balam me cakṣur me tan me tvayi tan me punar dehīti tad asmā ādityaḥ punar dadāti. tam āha pra mā vaheti kim abhīti candramasam iti taṃ candramasam abhipravahati. sa candramasam āha satyasya panthā na tvā jahāti amṛtasya panthā na tvā jahāti. navo-navo bhavasi jāyamāno bharo nāma brāhmaṇa upāsse tasmāt te satyā ubhaye devamanuṣyā annādyam bharanti annādo bhavati yas tvaivaṃ veda. sambhūr devo 'si sam aham bhūyāsam ābhūtir asy ābhūyāsam bhūtir asi bhūyāsam. yās te prajā upadiṣṭā nāhaṃ tava tāḥ paryemi upa te tā diśāmi. mano me reto me prajā me punassambhūtir me tan me tvayi tan me mopahṛthā iti candramasam avocat. taṃ tathaivāgataṃ candramāḥ pratinandaty ayaṃ te bhagavo lokaḥ saha nāv ayaṃ loka iti. yad vāva me tvayīty āha tad vāva me punar dehīti. kiṃ nu te mayīti mano me reto me prajā me punassambhūtir me tan me tvayi tan me punar dehīti tad asmai candramāḥ punar dadāti. tam āha pra mā vaheti.
„Wohin?“ – „Zur Sonne.“ Da führen sie ihn weiter, zur Sonne hin. Zur Sonne spricht er: „Herrschend bist du im Osten, vollendend im Westen, insgesamt bist du den Menschen zugewandt; zürne nicht dem Zürnenden – dein Seher schlägt das Übel.“ Das Übel abgeschlagen wird, wer dies so weiß. „Du bist der Gott des Werdens – möge ich werden. Du bist Herankommen – möge ich herankommen. Du bist Werden – möge ich werden. Die Geschöpfe, die dir zugewiesen sind – nicht beanspruche ich sie; ich weise sie dir zu.“ „Meine Kraft, meine Stärke, mein Auge – dies, das Meine, ist in dir; entreiße es mir nicht.“ So sprach er zur Sonne. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßt die Sonne freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns beiden diese Welt.“ „Was eben von mir in dir ist“, spricht er, „das gib mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in mir?“ – „Meine Kraft, meine Stärke, mein Auge – dies, das Meine, ist in dir; das gib mir zurück.“ Da gibt ihm die Sonne dies zurück. Zu ihr spricht er: „Führe mich weiter!“ – „Wohin?“ – „Zum Mond.“ Da führt sie ihn weiter, zum Mond hin. Zum Mond spricht er: „Der Pfad der Wahrheit verlässt dich nicht, der Pfad der Unsterblichkeit verlässt dich nicht. Immer aufs Neue wirst du, stets wiedergeboren; ‚der Erhalter‘ bist du genannt, dem man Verehrung erweist – darum tragen dir wahrhaftig beide, Götter und Menschen, Nahrung zu.“ Zum Nahrungs-Esser wird, wer dies so weiß. „Du bist der Gott des Werdens – möge ich werden. Du bist Herankommen – möge ich herankommen. Du bist Werden – möge ich werden. Die Geschöpfe, die dir zugewiesen sind – nicht beanspruche ich sie; ich weise sie dir zu.“ „Mein Geist, mein Same, meine Nachkommenschaft, mein Wiederwerden – dies, das Meine, ist in dir; entreiße es mir nicht.“ So sprach er zum Mond. Ihn, ebenso Angekommenen, begrüßt der Mond freudig: „Dies ist deine Welt, Verehrter; gemeinsam ist uns beiden diese Welt.“ „Was eben von mir in dir ist“, spricht er, „das gib mir eben zurück.“ „Was denn ist von dir in mir?“ – „Mein Geist, mein Same, meine Nachkommenschaft, mein Wiederwerden – dies, das Meine, ist in dir; das gib mir zurück.“ Da gibt ihm der Mond dies zurück. Zu ihm spricht er: „Führe mich weiter!“
[Anm.: Die Anrede an die Sonne („zürne nicht dem Zürnenden – dein Seher schlägt das Übel“) und die an den Mond („der Erhalter, dem man Verehrung erweist“) enthalten im Sanskrit knappe, möglicherweise wortspielerische Wendungen (u. a. einen Anklang zwischen „ṛṣi“ und „āditya“), deren genauer Sinn nicht mit letzter Sicherheit zu rekonstruieren ist; die Wiedergabe folgt der wahrscheinlichsten Deutung.] Kolophon: 8. Khaṇḍa im 5. Anuvāka.
kim abhīti brahmaṇo lokam iti tam ādityam abhipravahati. sa ādityam āha pra mā vaheti kim abhīti brahmaṇo lokam iti taṃ candramasam abhipravahati sa evam ete devate anusaṃcarati. eso 'nto 'taḥ paraḥ pravāho nāsti yān u kā[ṃ]ś cātaḥ prāco lokān abhyavādiṣma te sarva āptā bhavanti te jitās teṣv asya sarveṣu kāmacāro bhavati ya evaṃ veda. sa yadi kāmayeta punar ihājāyeyeti yasmin kule 'bhidhyāyed yadi brāhmaṇakule yadi rājakule tasminn ājāyate sa etam eva lokam punaḥ prajānann abhyārohann eti. tad u hovāca śāṭyāyanir bahuvyāhito vā ayam bahuśo lokaḥ etasya vai kāmāya nu bruvate [vā] śrāmyanti vā ka etat prāsya punar iheyād atraiva syād iti.
„Wohin?“ – „Zur Welt des Brahman.“ Da führt er ihn weiter, zur Sonne. Zur Sonne spricht er: „Führe mich weiter!“ – „Wohin?“ – „Zur Welt des Brahman.“ Da führt sie ihn weiter, zum Mond. So durchwandert er auf diese Weise diese beiden Gottheiten wiederholt. Dies ist das Ende; darüber hinaus gibt es kein Weiterströmen mehr. Welche Welten auch immer wir von hier aus zuvor angesprochen haben – die alle werden erreicht, die sind gewonnen; in ihnen allen hat freie Bewegung nach Belieben, wer dies weiß. Wenn er sich wünschen sollte: „Möge ich wieder hier geboren werden“, und an welche Familie er denkt – sei es eine Brahmanenfamilie, sei es eine Königsfamilie –, in dieser wird er geboren; er kommt, indem er eben diese Welt wieder erkennend besteigt. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: „Vielfach verstreut ist doch diese Welt an vielen Orten; um ihretwillen reden manche oder mühen sich ab – wer aber, dies einmal erlangt habend, würde wieder hierher zurückkehren wollen? Man sollte doch eben dort bleiben!“
[Anm.: Die Bewegung zwischen Sonne und Mond wird hier, anders als bei den vorangehenden Stationen (3.20–3.27), nicht linear fortgesetzt, sondern ausdrücklich als wiederholtes Hin-und-Her-Wandern zwischen beiden beschrieben, bevor der Aufstieg endet – vermutlich ein Bild für den letzten, oszillierenden Übergang zur „Welt des Brahman“, der im Text selbst nicht weiter benannt wird. Der Schlusskommentar Śāṭyāyanis ist eine der seltenen kritisch-abwägenden Stimmen in der Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa: Er stellt in Frage, warum jemand, der die volle Bewegungsfreiheit über die Welten erlangt hat, überhaupt eine irdische Wiedergeburt wählen sollte.] Kolophon: 9. Khaṇḍa im 5. Anuvāka. Ende des 5. Anuvāka.
uccaiśśravā ha kaupayeyaḥ kauravyo rājāsa tasya ha keśī dārbhyaḥ pāñcālo rājā svasrīya āsa tau hānyonyasya priyāv āsatuḥ. sa hoccaiśśravāḥ kaupayeyo 'smāl lokāt preyāya tasmin ha prete keśī dārbhyo 'raṇye mṛgayāṃ cacārāpriyaṃ vininīṣamāṇaḥ. sa ha tathaiva palyayamāno mṛgān prasarann antareṇaivoccaiśśravasaṃ kaupayeyam adhijagāma. taṃ hovāca dṛpyāmi svī3j jānāmīti na dṛpyasīti hovāca jānāsi sa evāsmi yam mā manyasa iti. atha yad bhagava āhur iti hovāca ya āvir bhavaty anye 'sya lokam upayantīty atha katham aśako ma āvir bhavitum iti. om iti hovāca yadā vai tasya lokasya goptāram avide 'tas ta āvir abhūvam apriyaṃ cāsya vineṣyāmy anu cainaṃ śāsiṣyāmīti. tathā bhagava iti hovāca taṃ vai nu tvā pariṣvajā iti taṃ ha sma pariṣvajamāno yathā dhūmaṃ vāpīyād vāyuṃ vākāśaṃ vāgnyarciṃ vāpo vaivaṃ ha smainaṃ vyeti na ha smainam pariṣvaṅgāyopalabhate.
Uccaiśśravas Kaupayeya war ein König der Kurus; dessen Schwestersohn war Keśin Dārbhya, ein König der Pañcālas; die beiden waren einander lieb. Uccaiśśravas Kaupayeya schied aus dieser Welt. Als er verschieden war, streifte Keśin Dārbhya im Wald auf der Jagd umher, sein Leid vertreiben wollend. Während er so umherstreifte und den Wildtieren nachjagte, stieß er unversehens auf Uccaiśśravas Kaupayeya. Zu ihm sprach er: „Ich bin verwirrt – oder erkenne ich dich wirklich?“ „Du bist nicht verwirrt“, sprach jener; „du erkennst mich; ich bin eben der, für den du mich hältst.“ „Was man doch, Herr, sagt“, sprach er, „nämlich dass, wer sich den Lebenden zeigt, dessen Welt andere dann betreten – wie also vermochtest du dich mir zu zeigen?“ „Ja“, sprach er, „als ich für jene Welt einen Hüter gefunden hatte, da bin ich dir erschienen, um dein Leid zu vertreiben und dich zu belehren.“ „So sei es, Herr“, sprach er, „so will ich dich denn umarmen.“ Doch als er ihn umarmen wollte, entglitt er ihm dabei, wie wenn man Rauch, oder Wind, oder Raum, oder Feuerflamme, oder Wasser zu umarmen versuchte; er konnte ihn zur Umarmung nicht fassen.
[Anm.: Diese Erzählung vom Erscheinen des verstorbenen Uccaiśśravas Kaupayeya vor seinem trauernden Neffen Keśin Dārbhya und der misslingenden Umarmung – der Tote gleitet dem Griff wie Rauch, Wind, Raum, Flamme oder Wasser davon – ist eine der eindrücklichsten Geistererscheinungs-Szenen der vedischen Literatur; sie leitet die anschließende Lehre vom Sāman ein, das Verstorbene mit den Göttern verbindet (fortgesetzt in 3.30).] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 6. Anuvāka.
sa hovāca yad vai te purā rūpam āsīt tat te rūpam na tu tvā pariṣvaṅgāyopalabha iti. om iti hovāca brāhmaṇo vai me sāma vidvān sāmnodagāyat sa me 'śarīreṇa sāmnā śarīrāṇy adhūnot tad yasya vai kila sāma vidvān sāmnodgāyati devatānām eva salokatāṃ gamayatīti. pataṅgaḥ prājāpatya iti hovāca prajāpateḥ priyaḥ putra āsa sa tasmā etat sāmābravīt tena sa ṛṣīṇām udagāyat ta eta ṛṣayo dhūtaśarīrā iti. eteno eva sāmneti hovāca prajāpatir devānām udagāyat ta eta upari devā dhūtaśarīrā iti. tasmin hainam anuśaśāsa taṃ hānuśiṣyovāca yas smaivaitat sāma vidyāt sa smaiva ta udgāyatv iti. sa hānuśiṣṭa ājagāma sa ha sma kurupañcālānām brāhmaṇān upapṛcchamānaś carati.
Da sprach er: „Die Gestalt, die du früher hattest, das ist noch immer deine Gestalt; nur zur Umarmung kann ich dich nicht fassen.“ „Ja“, sprach er, „ein Sāman-kundiger Brahmane hat mir mit dem Sāman vorgesungen; er hat mit dem körperlosen Sāman meine Körperlichkeit abgeschüttelt. Wem also ein Sāman-Kundiger mit dem Sāman vorsingt, den führt er eben zur Mitweltschaft mit den Göttern.“ „Pataṅga Prājāpatya“, sprach er, „war ein lieber Sohn Prajāpatis; ihm verkündete dieser dieses Sāman; mit ihm sang er den Sehern vor; diese Seher dort sind nun von ihrer Körperlichkeit befreit. Mit eben diesem Sāman sang Prajāpati den Göttern vor; diese Götter dort oben sind von ihrer Körperlichkeit befreit.“ Darüber belehrte er ihn; und nachdem er ihn belehrt hatte, sprach er: „Wer eben dieses Sāman kennt, der eben soll dir vorsingen.“ So belehrt, kehrte er zurück; er ging umher und befragte die Brahmanen der Kurus und Pañcālas danach.
[Anm.: „Mitweltschaft“ (salokatā) bezeichnet den Zustand, dieselbe Welt wie die Götter zu bewohnen – ein zentrales eschatologisches Ziel der vedischen Ritualwissenschaft. Die Kette Prajāpati → Pataṅga Prājāpatya → die Ṛṣis zeigt das Sāman als Mittel körperloser, unmittelbarer Gemeinschaft mit den Göttern. Die Suche des belehrten Königs nach dem kundigen Brahmanen wird in den folgenden Abschnitten fortgesetzt.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 6. Anuvāka.
vyūḍhacchandasā vai dvādaśāhena yakṣyamāṇo 'smi sa yo vas tat sāma veda yad ahaṃ veda sa eva ma udgāsyati mīmā[ṃ]sadhvam iti. tasmai ha mīmā[ṃ]samānānām ekaś cana [na] sampraty abhidadhāti. sa ha tathaiva palyayamānaś śmaśāne vā vane vāvṛtīśayānam upādhāvayāṃ cakāra taṃ ha cāyamānaḥ prajahau. taṃ hovāca ko 'sīti brāhmaṇo 'smi prātṛdo bhālla iti. sa kiṃ vettheti sāmeti. om iti hovāca vyūḍhacchandasā vai dvādaśāhena yakṣyamāṇo 'smi sa yadi tvaṃ tat sāma vettha yad ahaṃ veda tvam eva ma udgāsyasi mīmā[ṃ]sasveti. tasmai ha mīmā[ṃ]samānas tad eva sampraty abhidadhau. taṃ hovācāyam ma udgāsyatīti. tasmai ha kurupañcālānām brāhmaṇā asūyanta āhur eṣu ha vā ayaṃ kulyeṣu satsūdgāsyati kasmā ayam alam iti. alam nvai mahyam iti ha smāha saivālam masyālam matāyaitasya hālam evojjagau tasmād ālamyailājodgātety ākhyāpayanti.
„Ich werde mit dem Zwölftagesopfer nach dem Vyūḍhacchandas-Ritus opfern; wer von euch also jenes Sāman kennt, das ich kenne, der eben soll mir vorsingen – prüft euch selbst!“ Doch von denen, die sich daraufhin prüften, antwortete ihm nicht ein Einziger. Während er so enttäuscht umherging, eilte er auf einen zu, der auf dem Leichenfeld oder im Wald zusammengekauert dalag; doch als er ihn genauer betrachtete, ließ er von ihm ab. Zu ihm sprach er: „Wer bist du?“ – „Ich bin ein Brahmane, Prātṛda Bhālla.“ „Was kennst du?“ – „Das Sāman.“ „Ja“, sprach er, „ich werde mit dem Zwölftagesopfer nach dem Vyūḍhacchandas-Ritus opfern; wenn du also jenes Sāman kennst, das ich kenne, dann sollst eben du mir vorsingen – prüfe dich!“ Da antwortete ihm dieser, sich prüfend, eben dasselbe. Da sprach er: „Dieser wird mir vorsingen.“ Darüber wurden die Brahmanen der Kurus und Pañcālas neidisch und sprachen: „Während doch diese hier von guter Herkunft sind – wozu taugt denn dieser, dass er vorsingen soll?“ „Wohl tauge ich“, pflegte er zu sagen; eben dies Wort „alam“, tauglich, wurde zu „Ālam“ für ihn; mit eben „alam“ sang er vor. Darum nennt man ihn erklärend „Ālamyailāja-Udgātṛ“.
[Anm.: Dies ist eine weitere Erzählung nach dem Muster von 3.7–3.10: Ein hochgestellter Opferherr findet den einzigen kundigen Sänger nicht unter den angesehenen Brahmanen, sondern bei einer verachteten, am Leichenfeld hausenden Gestalt. Die abschließende Namenserklärung („Ālamyailāja“ aus dem wiederholten „alam“, ‚ich tauge‘) ist ein knappes vedisches Wortspiel, dessen genaue Lautentwicklung im Deutschen nicht nachvollziehbar ist. Ein Wort in der Beschreibung des Ortes, an dem Prātṛda Bhālla liegt, ist im Sanskrit unsicher; die Wiedergabe ist sinngemäß.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 6. Anuvāka.
tad dha sātyakīrtā āhur yāṃ vayaṃ devatām upāsmaha ekam eva vayaṃ tasyai devatāyai rūpaṃ gavy ādiśāma ekaṃ vāhana ekaṃ hastiny ekam puruṣa ekaṃ sarveṣu bhūteṣu tasyā evedaṃ devatāyai sarvaṃ rūpam iti. tad etad ekam eva rūpam prāṇa eva yāvad dhy eva prāṇena prāṇiti tāvad rūpam bhavati tad rūpam bhavati. tad atha yadā prāṇa utkrāmati dārv eveva bhūto 'narthyaḥ pariśiṣyate na kiṃ cana rūpam. tasyāntarātmā tapaḥ tasmāt tapyamānasyoṣṇataraḥ prāṇo bhavati. tapaso 'ntarātmāgniḥ sa niruktaḥ tasmāt sa dahati. athādhidevatam iyam evaiṣā devatā yo 'yam pavate tasminn etasminn āpo 'ntaḥ tad annam so 'rūkṣa upāsitavyaḥ yad asminn āpo 'ntas tenārūkṣaḥ. tasyāntarātmā tapas tasmād eṣa ātapaty uṣṇataraḥ pavate. tapaso 'ntarātmā vidyut sa niruktaḥ tasmāt so 'pi dahati. tāni vā etāni catvāri sāma prāṇo vāṅ manas svaraḥ sa eṣa praṇo vācā karoti manonetraḥ tasya svara eva prajāḥ prajāvān bhavati ya evaṃ veda.
Dazu sagten die Sātyakīrtas: „Der Gottheit, die wir verehren, weisen wir nur eine einzige Gestalt zu: eine im Rind, eine im Zugtier, eine im Elefanten, eine im Menschen, eine in allen Wesen – dieser Gottheit gehört eben all diese Gestalt.“ Diese eine, einzige Gestalt ist eben der Atem: solange man nämlich mit dem Atem atmet, so lange gibt es Gestalt; das ist die Gestalt. Wenn aber der Atem entweicht, bleibt man wie ein Stück Holz zurück, wertlos; keinerlei Gestalt bleibt mehr. Dessen innerstes Selbst ist die Glut; darum wird bei einem, der sich erhitzt, der Atem wärmer. Der Glut innerstes Selbst ist Agni; er ist darin enthalten; darum brennt sie. Nun, auf die Gottheiten bezogen: eben diese Gottheit ist dieser hier, der da weht; in ihm sind die Gewässer enthalten; das ist die Nahrung; er ist als der Unraue zu verehren; weil in ihm die Gewässer enthalten sind, ist er unrau. Dessen innerstes Selbst ist die Glut; darum erhitzt er und weht wärmer. Der Glut innerstes Selbst ist der Blitz; er ist darin enthalten; darum brennt auch er. Diese vier nämlich sind das Sāman: Atem, Rede, Geist, Ton. Eben dieser Atem wirkt durch die Rede, vom Geist geleitet; sein Ton eben ist die Nachkommenschaft; nachkommenreich wird, wer dies weiß.
[Anm.: Das Bild des nach dem Entweichen des Atems zurückbleibenden „Stücks Holz, wertlos“ ist ein eindrückliches vedisches Gleichnis für den leblosen Körper.] Kolophon: 4. Khaṇḍa im 6. Anuvāka.
sa yo vāyuḥ prāṇa eva saḥ yo 'gnir vāg eva sā yaś candramā mana eva tad ya ādityas svara eva saḥ tasmād etam ādityam āhus svara etīti. sa yo ha vā amūr devatā upāste yā amūr adhidevataṃ dūrūpā vā etā duranusamprāpyā iva kas tad veda yady etā anu vā samprāpnuyān na vā. atha ya enā adhyātmam upāste sa hāntidevo bhavati nirjīryantīva vā ita etā [t]asya vā etāś śarīrasya saha prāṇena nirjīryanti ka u eva tad veda yady etā anu vā samprāpnuyān na vā. atha ya enā ubhayīr ekadhā bhavantīr veda sa evānuṣṭhyā sāma veda sa ātmānaṃ veda sa brahma veda. tad āhuḥ prādeśamātrād vā ita etā ekam bhavanti ato hy ayam prāṇas svarya upary upari vartata iti. atha haika āhuś caturaṅgulād vā ita etā ekam bhavantīti ato hy evāyam prāṇas svarya upary upari vartata iti. sa eṣa brahmaṇa āvartaḥ sa ya evam etam brahmaṇa āvartaṃ vedābhy enam prajāḥ paśava āvartante sarvam āyur eti. sa yo haivaṃ vidvān prāṇena prāṇyāpānenāpānya manasaitā ubhayīr devatā ātmany etya mukha ādhatte tasya sarvam āptam bhavati sarvaṃ jitam na hāsya kaś cana kāmo 'nāpto bhavati ya evaṃ veda.
Was Vāyu ist, das ist eben der Atem; was Agni ist, das ist eben die Rede; was der Mond ist, das ist eben der Geist; was die Sonne ist, das ist eben der Ton; darum sagt man von dieser Sonne: „Der Ton geht.“ Wer nun jene Gottheiten verehrt, die dort, auf die Gottheiten bezogen – ferngestaltig sind diese, gleichsam schwer zu erreichen; wer wüsste da, ob man sie erreichen wird oder nicht? Wer sie aber, auf den Leib bezogen, verehrt, der hat die Gottheiten nahe; doch gleichsam mit ihm alternd, altern diese mit dem Leib zusammen mit dem Atem; wer wüsste auch da, ob man sie dauerhaft erreicht oder nicht? Wer aber weiß, dass diese beiderlei Verehrungsweisen eins werden, der kennt das Sāman so, wie es zu vollziehen ist; der kennt das Selbst; der kennt das Brahman. Dazu sagt man: „Von einer Spanne Größe aus werden diese eins, denn von da an bewegt sich dieser tönende Atem immer weiter nach oben.“ Manche aber sagen: „Von vier Fingerbreiten aus werden diese eins, denn von da an bewegt sich eben dieser tönende Atem immer weiter nach oben.“ Dies eben ist der Wendepunkt des Brahman. Wer diesen Wendepunkt des Brahman so kennt, dem wenden sich Nachkommenschaft und Vieh zu; er erreicht die volle Lebenszeit. Wer, dies wissend, mit dem Atem atmend, mit dem Ausatem ausatmend, mit dem Geist diese beiderlei Gottheiten in seinem Selbst zusammenführt und in den Mund legt, dem ist alles erreicht, alles gewonnen; kein Wunsch bleibt ihm unerreicht, wer dies weiß.
[Anm.: Dieser Abschnitt stellt der äußeren, kosmischen Verehrung der Gottheiten (fern und ungewiss erreichbar) die innere, leibbezogene Verehrung gegenüber (nah, aber vergänglich wie der Leib selbst) und lehrt als höhere Erkenntnis die Einheit beider – eine für die Upaniṣaden charakteristische Denkfigur. Die Maßangaben „eine Spanne“ bzw. „vier Fingerbreiten“ beziehen sich vermutlich auf einen Punkt im Kopf- oder Kehlbereich, an dem der „tönende Atem“ (prāṇaḥ svaryaḥ) seinen Sitz hat; der Text setzt hierzu offenbar unausgesprochenes anatomisch-meditatives Vorwissen voraus.] Kolophon: 5. Khaṇḍa im 6. Anuvāka.
tad etan mithunaṃ yad vāk ca prāṇaś ca mithunam ṛksāme ācaturaṃ vāva mithunam prajananam. tad yatrāda āha somaḥ pavata iti vopāvartadhvam iti vā tat sahaiva vācā manasā prāṇena svareṇa hiṅkurvanti tad hiṅkāreṇa mithunaṃ kriyate. sahaiva vācā manasā prāṇena svareṇa nidhanam upayanti tan nidhanena mithunam kriyate. tat saptavidhaṃ sāmnaḥ saptakṛtva udgātātmānaṃ ca yajamānaṃ ca śarīrāt prajanayati. yādṛśasyo ha vai reto bhavati tādṛśaṃ sambhavati yadi vai puruṣasya puruṣa eva yadi gor gaur eva yady aśvasyāśva eva yadi mṛgasya mṛga eva yasyaiva reto bhavati tad eva sambhavati. tad yathā ha vai suvarṇaṃ hiraṇyam agnau prāsyamānaṃ kalyāṇataraṃ kalyāṇataram bhavaty evam eva kalyāṇatareṇa kalyāṇatareṇātmanā sambhavati ya evaṃ veda. tad etad ṛcābhyanūcyate.
Dies ist jenes Paar: Rede und Atem sind ein Paar; Ṛc und Sāman sind ein Paar; ein vierfaches Paar fürwahr ist die Zeugung. Wenn man dabei spricht: „Der Soma läutert sich“ oder „Wendet euch her!“, so spricht man den Hiṅkāra zugleich mit Rede, Geist, Atem und Ton; dadurch wird durch den Hiṅkāra die Paarung vollzogen. Zugleich mit Rede, Geist, Atem und Ton gehen sie zum Nidhana über; dadurch wird durch das Nidhana die Paarung vollzogen. So erzeugt der Udgātṛ, siebenfach, siebenmal durch das Sāman, sich selbst und den Opferherrn aus dem Leibe neu. Wessen Same es auch ist, ein solches Wesen entsteht daraus: ist es der Same eines Menschen, so eben ein Mensch; ist es der einer Kuh, so eben eine Kuh; ist es der eines Pferdes, so eben ein Pferd; ist es der eines Wildtiers, so eben ein Wildtier – wessen Same es eben ist, eben das entsteht. Wie nun Gold, in Feuer geworfen, immer schöner und schöner wird, ebenso entsteht, wer dies weiß, mit einem immer schöneren, immer schöneren Selbst neu. Dazu wird dieser Ṛc-Vers rezitiert:
pataṅgam aktam asurasya māyayā hṛdā paśyanti manasā vipaścitaḥ samudre antaḥ kavayo vi cakṣate marīcīnām padam icchanti vedhasa iti. pataṅgam aktam iti prāṇo vai pataṅgaḥ patann iva hy eṣv aṅgeṣv ati ratham udīkṣate pataṅga ity ācakṣate. asurasya māyayeti mano vā asuram tad dhy asuṣu ramate tasyaiṣa māyayāktaḥ. hṛdā paśyanti manasā vipaścita iti hṛdaiva hy ete paśyanti yan manasā vipaścitaḥ. samudre antaḥ kavayo vi cakṣata iti puruṣo vai samudra evaṃvida u kavayaḥ ta imām puruṣe 'ntar vācaṃ vicakṣate. marīcīnām padam icchanti vedhasa iti marīcya iva vā etā devatā yad agnir vāyur ādityaś candramāḥ. na ha vā etāsāṃ devatānām padam asti padeno ha vai punarmṛtyur anveti. tad etad ananvitaṃ sāma punarmṛtyunā ati punarmṛtyum tarati ya evaṃ veda.
„Den gesalbten Vogel, durch die Zaubermacht des Asura, erschauen die Weisen mit dem Herzen, mit dem Geiste; im Meer erblicken es die Seher; der Lichtstrahlen Standort suchen die Ordner der Welt.“ „Den gesalbten Vogel“ – der Atem nämlich ist der Vogel; denn wie fliegend blickt er über diese Glieder hinweg, wie über einen Wagen; darum nennt man ihn „Pataṅga“, den Fliegenden. „Durch die Zaubermacht des Asura“ – der Geist nämlich ist der Asura, denn er ergötzt sich an den Lebenskräften; durch dessen Zaubermacht ist er gesalbt. „Mit dem Herzen erschauen ihn die Weisen, mit dem Geist“ – denn eben mit dem Herzen erschauen diese, die mit dem Geist Weisen. „Im Meer erblicken es die Seher“ – der Mensch nämlich ist das Meer; die Wissenden aber sind die Seher; sie erblicken diese Rede im Innern des Menschen. „Der Lichtstrahlen Standort suchen die Ordner“ – strahlengleich nämlich sind diese Gottheiten: Agni, Vāyu, Āditya, Candramā. Diese Gottheiten haben nämlich keinen festen Standort; denn wer einen festen Standort hat, den verfolgt der Wiedertod. Dies ist jenes Sāman, das vom Wiedertod nicht verfolgt wird; über den Wiedertod hinweg gelangt, wer dies weiß.
[Anm.: Der zitierte Vers ist eine alte, auch selbständig überlieferte vedische Strophe aus dem Umkreis des Ṛgveda (vgl. RV 10.177.1, das „Pataṅga“-Lied des Sehers Pataṅga Prājāpatya, der in 3.30 als Empfänger des Sāman von Prajāpati genannt wird); die Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa deutet ihn hier Zeile für Zeile im Sinne der Atem-Lehre. Der Begriff „Wiedertod“ (punarmṛtyu) – die Furcht, nach Erreichen der jenseitigen Welt dort abermals sterben zu müssen – ist eine für die spätvedische Literatur charakteristische Vorstellung.] Kolophon: 7. Khaṇḍa im 6. Anuvāka.
pataṅgo vācam manasā bibharti tāṃ gandharvo 'vadad garbhe antaḥ tāṃ dyotamānāṃ svaryam manīṣām ṛtasya pade kavayo ni pāntī ti. pataṅgo vācam manasā bibhartīti prāṇo vai pataṅgaḥ sa imāṃ vācam manasā bibharti. tāṃ gandharvo 'vadad garbhe antar iti prāṇo vai gandharvaḥ puruṣa u garbhaḥ sa imām puruṣe 'ntar vācaṃ vadati. tāṃ dyotamānāṃ svaryam manīṣām iti svaryā hy eṣā manīṣā yad vāk. ṛtasya pade kavayo ni pāntīti mano vā ṛtam evaṃvida u kavayaḥ om ity etad evākṣaram ṛtam tena yad ṛcam mīmā[ṃ]sante yad yajur tat sāma tad enāṃ nipānti.
„Der Vogel trägt die Rede mit dem Geist; sie sprach der Gandharva im Innern des Mutterleibes aus; diese leuchtende, tönende Einsicht behüten die Seher am Sitz der Wahrheit.“ „Der Vogel trägt die Rede mit dem Geist“ – der Atem nämlich ist der Vogel; er trägt diese Rede mit dem Geist. „Sie sprach der Gandharva im Innern des Mutterleibes aus“ – der Atem nämlich ist der Gandharva, der Mensch aber ist der Mutterleib; er spricht diese Rede im Innern des Menschen aus. „Diese leuchtende, tönende Einsicht“ – tönend nämlich ist diese Einsicht, die die Rede ist. „Am Sitz der Wahrheit behüten sie die Seher“ – der Geist nämlich ist die Wahrheit; die Wissenden aber sind die Seher; eben die Silbe „om“ ist die Wahrheit; mit ihr behüten sie diese Rede, wenn sie über den Ṛc, den Yajus, das Sāman nachsinnen.
apaśyaṃ gopām anipadyamānam ā ca parā ca pathibhiś carantam sa sadhrīcīs sa viṣūcīr vasāna ā varīvartti bhuvaneṣv antar iti. apaśyaṃ gopām anipadyamānam iti prāṇo vai gopāḥ sa hīdaṃ sarvam anipadyamāno gopāyati. ā ca parā ca pathibhiś carantam iti tad ye ca ha vā ime prāṇā amī ca raśmaya etair ha vā eṣa etad ā ca parā ca pathibhiś carati. sa sadhrīcīs sa viṣūcīr vasāna iti sadhrīcīś ca hy eṣa etad viṣūcīś ca prajā vaste. ā varīvartti bhuvaneṣv antar iti eṣa hy evaiṣu bhuvaneṣv antar āvarīvartti. sa eṣa indra udgīthaḥ sa yadaiṣa indra udgītha āgacchati naivodgātuś copagātṝṇāṃ ca vijñāyate ita evordhvas svar udeti sa upari mūrdhno lelāyati. sa vidyād āgamad indro neha kaś cana pāpmā nyaṅgaḥ pariśekṣyata iti tasmin ha na kaś cana papmā nyaṅgaḥ pariśiṣyate. tad etad abhrātṛvyaṃ sāma na ha vā indraḥ kaṃ cana bhrātṛvyam paśyate sa yathendro na kaṃ cana bhrātṛvyam paśyata evam eva [na] kaṃ cana bhrātṛvyam paśyate ya etad evaṃ vedātho yasyaivaṃ vidvān udgāyati.
„Ich sah den Hirten, den nie Ruhenden, der auf Pfaden hin und her wandert; er, mit dem Zusammenlaufenden und dem Auseinanderlaufenden bekleidet, bewegt sich immer wieder inmitten der Welten.“ „Ich sah den Hirten, den nie Ruhenden“ – der Atem nämlich ist der Hirte; denn er hütet all dies, ohne je zur Ruhe zu kommen. „Der auf Pfaden hin und her wandert“ – denn mit diesen Atemkräften hier und jenen Strahlen dort wandert er hin und her auf Pfaden. „Er, mit dem Zusammenlaufenden und dem Auseinanderlaufenden bekleidet“ – denn er kleidet sich in zusammenlaufende und auseinanderlaufende Geschöpfe. „Er bewegt sich immer wieder inmitten der Welten“ – denn er bewegt sich eben immer wieder inmitten dieser Welten. Dies eben ist der Indra-Udgītha. Wenn dieser Indra-Udgītha herankommt, so wird sein Kommen weder vom Udgātṛ noch von den Mitsängern bemerkt; von hier aus steigt er aufwärts zum Himmelslicht empor, dann erzittert er droben über dem Scheitel. Er soll wissen: „Indra ist angekommen; hier wird kein Übel, keine Minderung zurückbleiben.“ In ihm bleibt dann tatsächlich kein Übel, keine Minderung zurück. Dies ist jenes Sāman ohne Rivalen. Indra nämlich sieht keinerlei Rivalen; wie Indra keinerlei Rivalen sieht, ebenso sieht keinerlei Rivalen, wer dies so weiß, und ebenso auch der, für den ein solcher Wissender vorsingt.
[Anm.: Der zitierte Vers „apaśyaṃ gopām anipadyamānam“ ist eine der berühmtesten Strophen der vedischen Literatur (vgl. RV 1.164.31, aus dem großen Rätsel-Hymnus des Dīrghatamas); er wird auch in der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad zitiert. Das Zittern „droben über dem Scheitel“ beschreibt vermutlich eine im Ritual wahrgenommene körperliche Empfindung beim Höhepunkt des Gesangs.] Kolophon: 9. Khaṇḍa im 6. Anuvāka. Ende des 6. Anuvāka.
prajāpatim brahmāsṛjata tam apaśyam amukham asṛjata. tam aprapaśyam amukhaṃ śayānam brahmāviśat puruṣyaṃ tat prāṇo vai brahma prāṇo vāvainaṃ tad āviśat. sa udatiṣṭhat prajānāṃ janayitā taṃ rakṣā[ṃ]sy anvasacanta. tam etad eva sāma gāyann atrāyata yad gāyann atrāyata tad gāyatrasya gāyatratvam. trāyata enaṃ sarvasmāt pāpmano mucyate ya evaṃ veda. tam upāsmai gāyatā nara ity ṛcāśravaṇīyenopāgāyan. yad upāsmai gāyatā nara iti tena gāyatram abhavat tasmād eṣaiva pratipat kāryā. pavamānāyendāvā abhi devam iyā-hum-bhā-kṣātā iti ṣoḍaśākṣarāṇy abhyagāyanta ṣoḍaśakalaṃ vai brahma kalāśa evainaṃ tad brahmāviśat. tad etac caturvi[ṃ]śatyakṣaraṃ gāyatram aṣṭākṣaraḥ prastāvaḥ ṣoḍaśākṣaraṃ gītaṃ tac caturvi[ṃ]śatis sampadyante caturvi[ṃ]śatyardhamāsas saṃvatsaraḥ saṃvatsaras sāma. tā ṛcaś śarīreṇa mṛtyur anvaitat tad yac charīravat tan mṛtyor āptam atha yad aśarīraṃ tad amṛtam tasyāśarīreṇa sāmnā śarīrāṇy adhūnot.
Das Brahman schuf Prajāpati; diesen erschuf es blind und mundlos. Diesen, den blinden, mundlosen, reglos Daliegenden, betrat das Brahman; das Brahman nämlich ist der Atem; der Atem eben betrat ihn da. Da erhob er sich, der Erzeuger der Geschöpfe; ihm folgten die bösen Geister nach. Ihn eben schützte er, indem er dieses Sāman sang; weil er, singend, ihn schützte, das ist die Gāyatra-Natur des Gāyatra-Sāman. Es schützt ihn; von allem Übel wird befreit, wer dies weiß. „Singt für ihn, ihr Männer“ – mit diesem Ṛc, dem Āśravaṇīya, sangen sie ihm zu. Weil der Vers lautet „Singt für ihn, ihr Männer“, dadurch entstand das Gāyatra-Sāman; darum ist eben dieser Anfangsvers zu verwenden. „Pavamānāya indāvā abhi devam iyā-hum-bhā-kṣātā“ – so sangen sie sechzehn Silben zu; sechzehnteilig nämlich ist das Brahman; eben teilweise betrat ihn da das Brahman. Dies ist das vierundzwanzigsilbige Gāyatra-Sāman: achtsilbig ist der Prastāva, sechzehnsilbig der Gesang; das macht vierundzwanzig; vierundzwanzig Halbmonate ergeben das Jahr; das Jahr ist das Sāman. Diesen Versen folgte der Tod mit dem Leib; was leibhaft ist, das ist vom Tod erreicht; was aber leiblos ist, das ist unsterblich. Mit diesem leiblosen Sāman schüttelte er die Leiber ab.
[Anm.: Die Lautfolge „pavamānāya indāvā abhi devam iyā-hum-bhā-kṣātā“ ist eine rituelle Gesangsformel mit teils lautmalerischen Elementen (hum, bhā), die als ganze zitiert, aber nicht wortwörtlich übersetzt wird. Die Zählung 8+16=24 Silben und ihre Entsprechung zu 24 Halbmonaten im Jahr ist ein Beispiel der für die Brāhmaṇas typischen numerologischen Korrespondenzlehre (bandhu-Spekulation).] Kolophon: 1. Khaṇḍa im 7. Anuvāka.
ovā3c ovā3c ovā3c hum bhā ovā iti ṣoḍaśākṣarāṇy abhyagāyata ṣoḍaśakalo vai puruṣaḥ kalāśa evāsya tac charīrāṇy adhūnot. sa eṣo 'pahatapāpmā dhūtaśarīraḥ tad ekkriyāvṛtiyudāsaṃgāyaty o ity udāsa ā iti āvṛdyāt vāg iti tad brahma tad id antarikṣaṃ so 'yaṃ vāyuḥ pavate hum iti candramāḥ bhā ity ādityaḥ. etasya ha vā idam akṣarasya krator bhātīty ācakṣate. etasya ha vā idam akṣarasya krator abhram ity ācakṣate. etasya ha vā idam akṣarasya kratoḥ kubhram ity ācakṣate. etasya ha vā idam akṣarasya kratoś śubhram ity ācakṣate. etasya ha vā idam akṣarasya krator vṛṣabha ity ācakṣate. etasya ha vā idam akṣarasya krator darbha ity ācakṣate. etasya ha vā idam akṣarasya krator yo bhātīty ācakṣate. etasya ha vā idam akṣarasya kratos sambhavatīty ācakṣate. tad yat kiṃ ca bhā3 iti ca bhā3 iti ca tad etan mithunaṃ gāyatram pra mithunena jāyate ya evaṃ veda.
„Ovā3c ovā3c ovā3c hum bhā ovā“ – so sang er sechzehn Silben zu; sechzehnteilig nämlich ist der Mensch; eben teilweise schüttelte er ihm da die Leiber ab. Er hat das Übel abgeschlagen, ist von seinem Leib befreit. Dabei singt er das Udāsa in einmaliger Wiederholung: „O“ ist das Udāsa, „ā“ ist das, was man wiederholen soll; „vāk“ – das ist das Brahman, das ist eben der Luftraum, das ist dieser hier, der da weht; „hum“ ist der Mond, „bhā“ ist die Sonne. Für diese Silbe sagt man, je nach Ritualabsicht: „Bhāti“ [es erstrahlt]. Für diese Silbe sagt man: „Abhra“ [Gewölk]. Für diese Silbe sagt man: „Kubhra“. Für diese Silbe sagt man: „Śubhra“ [das Strahlende]. Für diese Silbe sagt man: „Vṛṣabha“ [der Stier]. Für diese Silbe sagt man: „Darbha“ [Grasbüschel]. Für diese Silbe sagt man: „der da erstrahlt“. Für diese Silbe sagt man: „es entsteht“. Was da immer wieder „bhā3“ und „bhā3“ erklingt – dies ist jenes gepaarte Gāyatra-Sāman; durch die Paarung wird gezeugt, wer dies weiß.
[Anm.: Die Reihe der Decknamen für „diese Silbe“ (Bhāti, Abhra, Kubhra, Śubhra, Vṛṣabha, Darbha u. a.) sind offenbar rituelle Codewörter, deren genaue unterscheidende Bedeutung je nach „Kratu“ (Ritualabsicht) nur innerhalb der mündlich weitergegebenen Sāmaveda-Schulung voll verständlich war; sie werden hier unübersetzt bzw. mit einer möglichen deutschen Nebenbedeutung versehen stehengelassen. Die Formel „ovā3c ovā3c ovā3c hum bhā ovā“ ist eine Gesangsformel und bleibt ebenfalls unübersetzt.] Kolophon: 2. Khaṇḍa im 7. Anuvāka.
[Anm.: Hier beginnt eine „Vaṃśa“, eine Lehrer-Schüler-Nachfolgeliste, wie sie ähnlich auch am Ende von Kapiteln der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad überliefert ist: Sie führt die Kenntnis dieses „unsterblichen“ Gāyatra-Sāman von Brahman und Prajāpati über zahlreiche, teils sonst unbekannte Lehrer bis zum unmittelbaren Vorgänger des Verfassers zurück. Bemerkenswert ist, dass unter den Empfängern erneut ein „Kāṇḍviya“ erscheint (Janaśruta, Sāyaka und Nagarin Kāṇḍviya) – wohl aus derselben Lehrerlinie wie der in 3.7–3.10 als überlegener Udgātṛ eingesetzte Kāṇḍviya. Die Liste wird in 3.41–3.42 fortgesetzt und bricht dabei mitten im Satz an der Kapitelgrenze ab, wie es im überlieferten Text vorliegt.] Kolophon: 3. Khaṇḍa im 7. Anuvāka.
– Śyāmajayanta Lauhitya; Śyāmajayanta Lauhitya [lehrte es] Palligupta Lauhitya; Palligupta Lauhitya [lehrte es] Satyaśravas Lauhitya; Satyaśravas Lauhitya [lehrte es] Kṛṣṇadhṛti Sātyaki; Kṛṣṇadhṛti Sātyaki [lehrte es] Śyāmasujayanta Lauhitya; Śyāmasujayanta Lauhitya [lehrte es] Kṛṣṇadatta Lauhitya; Kṛṣṇadatta Lauhitya [lehrte es] Mitrabhūti Lauhitya; Mitrabhūti Lauhitya [lehrte es] einen weiteren Śyāmajayanta Lauhitya; dieser [lehrte es] Triveda Kṛṣṇarāta Lauhitya; Triveda Kṛṣṇarāta Lauhitya [lehrte es] Yaśasvin Jayanta Lauhitya; Yaśasvin Jayanta Lauhitya [lehrte es] Jayaka Lauhitya; Jayaka Lauhitya [lehrte es] einen weiteren Kṛṣṇarāta Lauhitya; dieser [lehrte es] Dakṣajayanta Lauhitya; Dakṣajayanta Lauhitya [lehrte es] Vipaścit Dṛḍhajayanta Lauhitya; Vipaścit Dṛḍhajayanta Lauhitya [lehrte es] Vaipaścita Dārḍhajayanti Dṛḍhajayanta Lauhitya; dieser [lehrte es zuletzt] Vaipaścita Dārḍhajayanti Gupta Lauhitya. Dies ist jenes unsterbliche Gāyatra-Sāman; andere Gesänge aber, die es sonst gibt, dienen nur bestimmten Wünschen, dienen nur bestimmten Wünschen.
[Anm.: Mit dieser langen Namenskette endet sowohl die Vaṃśa als auch der 3. Adhyāya der Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa insgesamt. Der abschließende Satz unterscheidet programmatisch zwischen diesem einen „unsterblichen“ (amṛta) Gāyatra-Sāman, das über Tod und Wiedertod hinausführt, und allen anderen, nur auf einzelne, diesseitige Wünsche (kāmya) gerichteten Gesängen – eine Zusammenfassung, die auf die zentralen Themen des ganzen Adhyāya (Atem, Tod, Unsterblichkeit durch Wissen) zurückverweist.] Kolophon: 5. Khaṇḍa im 7. Anuvāka. Ende des 7. Anuvāka. Ende des 3. Adhyāya.