Quellen der Menschheit

Aitareya-Brāhmaṇa · Prathamā Pañcikā

Adhyāya 1: Āgnāvaiṣṇavapuroḍāśavidhi-dīkṣāvidhi-nirūpaṇam Der Agni-Viṣṇu-Opferkuchen und die Weihe (dīkṣā) des Opferherrn

Der Āgnāvaiṣṇava-Kuchen und die Weihe (dīkṣā) des Opferherrn.

Agnir vai devānām avamo, Viṣṇuḥ paramas, tadantareṇa sarvā anyā devatāḥ. āgnāvaiṣṇavam purolāśam nirvapanti dīkṣaṇīyam ekādaśakapālam. sarvābhya evainaṃ tad devatābhyo 'ntarāyaṃ nirvapanti. Agnir vai sarvā devatāḥ, Viṣṇuḥ sarvā devatāḥ; ete vai yajñasyāntye tanvau yad Agniś ca Viṣṇuś ca. tad yad āgnāvaiṣṇavam purolāśaṃ nirvapanti, antata eva tad devān ṛdhnuvanti. tad āhuḥ: yad ekādaśakapālaḥ purolāśo dvāv Agnāviṣṇū, kayor nu tatra kliptiḥ sā vibhaktir iti. aṣṭākapāla āgneyo, 'ṣṭākṣarā vai gāyatrī, gāyatram Agneś chandaḥ; trikapālo vaiṣṇavas, trir idaṃ Viṣṇur vicakrame: kayor nu tatra kliptiḥ sā vibhaktiḥ. ghṛite carum nirvapeta yo 'pratiṣṭhito manyeta; asyāṃ vāva sa na pratitiṣṭhati yo na taṇḍulān pacet. taṇḍulās tanūḥ: tan mithunam; mithunenaivainaṃ tat prajayā paśubhiḥ prajanayati; prajāyate prajayā paśubhir ya evaṃ veda. ārabdhayajño vā eṣa ārabdhadevato yo darśapūrṇamāsābhyāṃ yajate. amāvāsyayā vā haviṣā iṣṭvā paurṇamāsena vā, tasminn eva haviṣi tasmin barhiṣi dīkṣetaiṣā ekā dīkṣā. saptadaśa sāmidhenīr anubrūyāt; saptadaśo vai Prajāpatiḥ: dvādaśa māsāḥ, pañcartavo, hemantaśiśirayoḥ samāsena; tāvān saṃvatsaraḥ, saṃvatsaraḥ Prajāpatiḥ; prajāpatyāyatanābhir evaibhī rādhnoti ya evaṃ veda.

Agni ist von den Göttern der unterste, Viṣṇu der höchste, und zwischen diesen beiden stehen alle anderen Gottheiten. Man opfert daher für die Weihe (dīkṣaṇīya-Opfer) einen Agni-und-Viṣṇu geweihten (āgnāvaiṣṇava) Reiskuchen (purolāśa) auf elf Scherben. Man bringt ihn allen jenen Gottheiten dar als das, was ihnen zunächst folgt (als Ergänzung). Denn Agni ist alle Gottheiten, und Viṣṇu ist alle Gottheiten; diese beiden sind gleichsam der Anfang und das Ende des Opfers, Agni und Viṣṇu. Indem man also den Agni-Viṣṇu-Kuchen darbringt, gewinnt man die Götter von Anfang bis Ende. Dazu sagt man: Weshalb ist der Kuchen auf elf Scherben den beiden Agni und Viṣṇu geweiht — welcher Anteil da wem zukommt, das ist eben die Aufteilung. Auf acht Scherben gehört er Agni, denn die Gāyatrī hat acht Silben, und das Gāyatra-Versmaß ist Agnis Versmaß; auf drei Scherben gehört er Viṣṇu, dem Vaiṣṇava-Anteil, denn dreimal ist Viṣṇu diese (Welt) durchschritten: welcher Anteil da wem zukommt, das ist die Aufteilung. Wer meint, im Ghee (Butterschmalz) einen Brei (caru) darbringen zu müssen, weil er sich sonst nicht für gefestigt hält — der steht in Wahrheit nicht fest, wenn er nicht auch die Reiskörner kocht: die Reiskörner sind der Leib (des Opfers). Diese beiden [Kuchen und Brei] bilden ein Paar; durch dieses Paar eben erzeugt er sich Nachkommen und Vieh. Nachkommen zeugt und Vieh gewinnt, wer dies so weiß. Wer mit Neumonds- und Vollmondsopfer (darśapūrṇamāsa) opfert, dessen Opfer und Gottheit sind schon in Angriff genommen [ihm also schon vertraut]. Nach dem Neumondsopfer oder nach dem Vollmondsopfer soll er sich mit derselben Opfergabe, auf demselben Opferstreu (barhis) weihen (dīkṣā) — das ist die eine [Art der] Weihe. Man soll siebzehn Anzündungsverse (sāmidhenī) rezitieren; denn siebzehnfach ist Prajāpati: zwölf Monate und fünf Jahreszeiten — Winter und Vorfrühling (hemanta und śiśira) als eine gerechnet —, soviel macht das Jahr, und das Jahr ist Prajāpati. Eben durch die Grundlagen (āyatana) Prajāpatis gedeiht, wer dies so weiß.

Yajño vai devebhya udakrāmat, tam iṣṭibhiḥ praiṣam aicchan yad iṣṭibhiḥ praiṣam aicchan, tad iṣṭīnām iṣṭitvam. tam anvavindan dvāv anuvittayajño rādhnoti ya evaṃ veda ya evaṃ vidvān hūtayo vai naimitāḥ, yad āhutāḥ etābhir devān yajamāno hvayati, tad āhutīnām āhutitvam. yat panthāno yāḥ śrutayas tā vā ūtayaḥ, tā u evaitat svargayāṇaṃ yajamānasya bhavanti; tad āhuḥ: yad anyo juhoti, atho 'nyo 'nu cāha yajati ca, kasmāt tad hotaiva ācakṣata iti; yad vāva sa tatra yathābhājanaṃ devatām amum āvahāmy āvahati, tad eva hotur hotṛtvam; hotā bhavati, hotety evaṃ veda.

Das Opfer wich einst von den Göttern; sie suchten es mit den Einleitungs- und Ladungssprüchen (iṣṭi) heim und riefen es. Weil sie es mit den Iṣṭi-Sprüchen suchten und riefen, kommt den Iṣṭis das Wesen des Suchens und Rufens zu. Sie fanden es wieder: Wer dies so weiß, dessen Opfer gelangt zum Ziel, weil es wiedergefunden ist. Die Anrufungen (hūti) sind gleichsam Einladungen: weil der Opfernde mit ihnen die Götter herbeiruft, kommt den Anrufungen das Wesen der Anrufung (āhuti) zu. [Anm.: die letzten Sätze dieses Khaṇḍa sind im Sanskrit stark verkürzt/elliptisch und lassen sich nur sinngemäß wiedergeben]. Die Wege, welche man kennt (śruti), sind Hilfen (ūti); eben diese werden dem Opfernden zum Weg in den Himmel. Dazu sagt man: Weshalb spendet (juhoti) der eine und opfert (yajati) und ruft (āha) doch ein anderer — weshalb nennt man dies eben 'die Aufgabe des Hotṛ-Priesters' (hotṛtva)? Weil er dort, je nachdem es sich gehört, die betreffende Gottheit herbeiruft ('ich rufe herbei'), eben darin besteht das Amt des Hotṛ; er wird zum Hotṛ, wer dies so weiß.

Punar vā etam ṛtvijo garbhaṃ kurvanti yaṃ dīkṣayanti. adbhir abhiṣiñcanti: reto vā āpaḥ, saretasam evainaṃ tat kṛtvā dīkṣayanti. nāvanītenābhyañjanti: ājyaṃ vai devānāṃ, surabhi ghṛtaṃ manuṣyāṇāṃ, āyutaṃ pitṝṇāṃ, nāvanītenābhyañjanti; tad yan nāvanītenābhyañjanti, svenaivainaṃ tad bhāgadheyena samardhayanti. aṅgy aṅgy antas tejo hy etad añjanaṃ, satejasam evainaṃ tat kṛtvā dīkṣayanti. ekaviṃśatyā darbhapiñjūlaiḥ pāvayanti; śuddham evainaṃ tat pūtaṃ dīkṣayanti. dīkṣitāvimitaṃ prapādayanti: yonir vā eṣa dīkṣitasya. yad dīkṣitāvimitaṃ prapādayanti, yonim evainaṃ tat svāṃ prapādayanti. tasmād dhruvād yoner āste ca carati ca; tasmād dhruvād yoner garbhā dhīyante ca prajāyante ca. tasmād dīkṣitaṃ nānyatra dīkṣitāvimitād ādityo 'bhyudiyād vābhyastamiyād vāpi vyābhyāsravayeyus. vāsasā prorṇuvanti; ulbaṃ vā etad dīkṣitasya, yad vāsaḥ; ulbenaivainaṃ tat prorṇuvanti. kṛṣṇājinam uttaraṃ bhavati; uttaraṃ vā ulbāj jarāyu, jarāyuṇaivainaṃ tat prorṇuvanti. muṣṭiṃ kurute: muṣṭiṃ vai kṛtvā garbho 'ntaḥ sete, muṣṭiṃ kṛtvā kumāro jāyate; tad yan muṣṭiṃ kurute, yajñaṃ caiva tat sarvāś ca devatā muṣṭyoḥ kurute. tad āhuḥ: na pūrvadīkṣitānāṃ saṃsavo 'sti, parigṛhīto vā etasya yajñaḥ, parigṛhītā devatā, naitasyārtiḥ asty aparādhīkṣiṇa evaṃ yathātathety. unmucya kṛṣṇājinam avabhṛthaṃ abhyaiti; tasmān muktā garbhā jarāyor jāyante; sahaiva vāsasābhyaiti, tasmāt sahaivolbena kumāro jāyate.

Wiederum machen die Priester ihn (den Opferherrn), den sie weihen, zu einem Embryo (garbha). Sie besprengen ihn mit Wasser: Wasser ist Same (retas), so machen sie ihn samenhaft und weihen ihn. Sie salben ihn mit frischer Butter (navanīta): geklärte Butter (ājya) gehört den Göttern, duftendes Ghee den Menschen, altes/verdorbenes den Vätern (Ahnen) — mit frischer Butter salben sie ihn; dadurch stärken sie ihn eben mit seinem eigenen [dem Lebenden gehörenden] Anteil. In jedem Glied steckt Glut (tejas) — diese Salbung ist eben das —, so machen sie ihn glutvoll (voller Kraft) und weihen ihn. Mit einundzwanzig Kuśagras-Büscheln reinigen sie ihn; so machen sie ihn rein und weihen ihn als Gereinigten. Sie lassen den Geweihten auf ein abgemessenes Fell (dīkṣitāvimita) treten: dies ist der Mutterschoß (yoni) des Geweihten. Indem er auf das Dīkṣitāvimita tritt, tritt er eben in seinen eigenen Mutterschoß. Darum sitzt und geht man von diesem festen Mutterschoß aus; darum werden von diesem festen Mutterschoß aus die Embryonen empfangen und geboren. Darum soll der Geweihte nirgends anders als auf dem Dīkṣitāvimita sein, sei es beim Aufgehen oder beim Untergehen der Sonne, damit sie [die Sonne] ihn nicht [dabei] überstrahle. Man umhüllt ihn mit einem Gewand: eine Eihaut (ulba) ist ja das Gewand des Geweihten, mit der Eihaut umhüllt man ihn also. Ein schwarzes Antilopenfell kommt darüber: eine äußere Nachgeburtshülle (jarāyu) ist ja das, das obere Fell — mit der Nachgeburtshülle umhüllt man ihn also. Er ballt die Faust: mit geballter Faust liegt ja der Embryo im Mutterleib, mit geballter Faust wird das Kind geboren; indem er also die Faust ballt, ballt er zugleich das Opfer und alle Gottheiten in seinen beiden Fäusten. Dazu sagt man: Für schon früher Geweihte gibt es keine erneute Weihe, denn sein Opfer ist [von den Göttern] in Besitz genommen, die Gottheit ist in Besitz genommen — ihm geschieht kein Schaden, mag es sich verhalten, wie es will, wenn er nicht erneut geweiht wird [Anm.: Sinn dieses Satzes im Sanskrit knapp und nicht ganz eindeutig überliefert]. Er löst das schwarze Fell und geht zum Abwaschungsbad (avabhṛtha): darum werden Embryonen, aus der Nachgeburtshülle gelöst, geboren. Zugleich mit dem Gewand geht er dorthin: darum wird das Kind zugleich mit der Eihaut geboren.

'Tvam agne saprathā asi, soma yās te mayobhuva' ity āyajyabhāgayoḥ puronuvākye anubrūyād, yaḥ pūrvam anījānaḥ syāt tasmai; 'tvayā yajñaṃ vitanvata' iti, yajñam evāsmā etad vitanoti; 'agniḥ pratnena manmanā, soma gīrbhis tvā vayam' iti, yaḥ pūrvam ījānaḥ syāt tasmai; pratnena iti pūrvaṃ karmābhivadati, tat tan nādṛtyam abhavat. 'tvam agne vṛtrāṇi jaṅghanat, tvaṃ soma asi satpatiḥ' — vṛtraghnāv eva kuryāt; vṛtraṃ vā eṣa hanti yaṃ yajño 'panamati, tasmād vṛtraghnāv eva kartavyau. 'agnir mukhaṃ prathamo devatānām', 'agniś ca viṣṇo tapa uttamaṃ mahaḥ' ity āgnāvaiṣṇavasya haviṣo yājyānuvākye bhavataḥ; āgnāvaiṣṇavaṃ vā yad rūpasamṛddham. etad vai yajñasya samṛddhaṃ yad rūpasamṛddham, yat karma kriyamāṇam ṛg abhivadati. Agniś ca ha vai Viṣṇuś ca devānāṃ dīkṣāpālau, tau dīkṣitāram avantām, tad yad āgnāvaiṣṇavaṃ havir bhavati, yau dīkṣitāraṃ tau dīkṣayetām iti. triṣṭubhau bhavataḥ sendriyatvāya.

Als Puronuvākyā (Einleitungsspruch) zu den beiden Opferanteilen (āyajya-bhāga) soll man rezitieren: 'Du, Agni, bist der Ausgebreitete, Soma, der du unser Heil bist' — für den, der noch nicht (vorher) geweiht war ('anījāna'); 'durch dich wird das Opfer ausgebreitet' — damit breitet er ihm eben dieses Opfer aus; 'Agni durch altes Denken, Soma, dich mit Lobliedern' — für den, der schon (vorher) geopfert hatte ('ījāna'). Mit 'pratnena' (durch das Alte) verweist er auf das frühere Werk — so bleibt es nicht unbeachtet [Anm.: der Sinn dieses Satzes ist im Original knapp und nur sinngemäß wiedergegeben]. 'Du, Agni, hast die Feinde (vṛtra) erschlagen, du, Soma, bist der Herr der Guten' — diese beiden [Sprüche] soll man als vṛtra-tötende verwenden; denn er erschlägt ja den Feind (vṛtra), den das Opfer bedrängt — darum müssen diese beiden eben vṛtra-tötend sein. 'Agni ist das Antlitz, das erste der Gottheiten' und 'Agni und Viṣṇu, höchste Kraft (tapas), großer Glanz' — dies sind die Opferspruch- und Anubrüche (yājyā und anuvākyā) der Agni-Viṣṇu-Opfergabe; denn der Agni-Viṣṇu-Anteil ist es ja, der [dem Opfer] die volle Gestalt gibt (rūpasamṛddha). Das eben ist das Gedeihen des Opfers, wenn es an Gestalt gedeiht — wenn der Vers das ausspricht, was gerade rituell vollzogen wird. Agni und Viṣṇu sind ja die Hüter der Weihe (dīkṣā) der Götter; sie sollen den Geweihten schützen — darum, weil die Agni-Viṣṇu-Opfergabe dargebracht wird: 'diese beiden mögen den Geweihten weihend schützen'. Es sind Triṣṭubh-Verse, zum Zweck der Kraft (indriya).

Gāyatryau svishṭakṛtaḥ samyājye kurvīta tejaskāmo brahmavarcasakāmaḥ; tejo vai brahmavarcasaṃ gāyatrī; tejasvī brahmavarcasī bhavati ya evaṃ vidvān gāyatryau samyājye kurute. uṣṇihāv anuṣṭubhkāmaḥ kurvīta; āyur vā uṣṇik; kāmam āyur eti ya evaṃ vidvān uṣṇihau kurute. anuṣṭubhau svargakāmaḥ kurvīta; catuḥṣaṣṭir vā anuṣṭubho 'kṣarāṇi, traya ime 'rdhvā ekaviṃśā lokāḥ; ekaviṃśatyaikaviṃśatyaivemāl lokān rohati, svarga eva loke catuḥṣaṣṭitamena pratitiṣṭhati ya evaṃ vidvān kurute. bṛhatyau śrīkāmo yaśaskāmaḥ kurvīta; śrīr vai yaśaś chandasāṃ bṛhatī; śriyam eva yaśa ātmani dhatte ya evaṃ vidvān bṛhatyau kurute. pāṅktī yajñakāmaḥ kurvīta; pāṅkto vai yajñaḥ, upainaṃ yajño namati ya evaṃ vidvān pāṅktau kurute. triṣṭubhau vīryakāmaḥ kurvīta; ojo vā indriyaṃ vīryaṃ triṣṭub; ojasvīndriyavān vīryavān bhavati ya evaṃ vidvāṃs triṣṭubhau kurute. jagatyau paśukāmaḥ kurvīta; jāgatā vai paśavaḥ; paśumān bhavati ya evaṃ vidvāñ jagatyau kurute. virājau annādyakāmaḥ kurvīta; annaṃ vai virāṭ; tasmād yasyaiva bhūyiṣṭham annaṃ bhavati, sa eva bhūyiṣṭho loke virājati, vi ca sveṣu rājati, śreṣṭhaḥ svānāṃ bhavaty evaṃ veda.

Wer nach Glut (tejas) und geistlicher Kraft (brahmavarcasa) verlangt, soll die beiden Svishṭakṛt-Opferverse als Gāyatrī gestalten; denn Glut und geistliche Kraft ist die Gāyatrī. Voller Glut und geistlicher Kraft wird, wer dies so wissend die beiden Svishṭakṛt-Sprüche als Gāyatrī gestaltet. Wer nach Lebenskraft verlangt, gestalte sie als Uṣṇih; denn die Uṣṇih ist das Leben (āyus) — nach Wunsch erreicht sein Leben (sein volles Maß), wer dies so wissend sie als Uṣṇih gestaltet. Wer nach dem Himmel verlangt, gestalte sie als Anuṣṭubh; denn die Anuṣṭubh hat vierundsechzig Silben, und ebenso viele sind die dreiundzwanzig aufwärts gerichteten Himmelswelten [Anm.: Zahlenverhältnis im Text knapp und nicht restlos aufgelöst] — Welt um Welt steigt er so empor und steht mit der vierundsechzigsten eben im Himmel fest, wer dies so wissend verfährt. Wer nach Glanz (śrī) und Ruhm (yaśas) verlangt, gestalte sie als Bṛhatī; denn Glanz und Ruhm ist unter den Versmaßen die Bṛhatī — Glanz und Ruhm eignet sich an, wer dies so wissend die beiden Sprüche als Bṛhatī gestaltet. Wer nach dem Opfer (als solchem) verlangt, gestalte sie als Pāṅkti; denn Pāṅkti-Natur hat das Opfer — das Opfer neigt sich ihm zu, wer dies so wissend sie als Pāṅkti gestaltet. Wer nach Kraft (vīrya) verlangt, gestalte sie als Triṣṭubh; denn Stärke (ojas) und vitale Kraft (indriya, vīrya) ist die Triṣṭubh — voller Stärke, Kraft und Tatkraft wird, wer dies so wissend sie als Triṣṭubh gestaltet. Wer nach Vieh verlangt, gestalte sie als Jagatī; denn Vieh gehört zur Jagatī — viehreich wird, wer dies so wissend sie als Jagatī gestaltet. Wer nach Speise (annādya) verlangt, gestalte sie als Virāj; denn Speise ist die Virāj; darum: wessen Speise am reichlichsten ist, der herrscht (virājati) auch am reichlichsten in der Welt und herrscht über die Seinen — der Beste der Seinen wird, wer dies so weiß.

Atho pañcavidhaṃ vā etac chando yad virāṭ. yat tripadā, tenoṣṇihāgāyatryau; yad asyā ekādaśākṣarāṇi padāni, tena triṣṭub; yat trayastriṃśadakṣarā, tenānuṣṭub. na vā ekenākṣareṇa chandāṃsi viyanti, na dvābhyām; yad virāṭ tat pañcamam. sarveṣāṃ chandasāṃ vīryam aśnute, sarveṣāṃ chandasāṃ sāyujyaṃ sarūpatāṃ salokatām aśnute, annādo 'nnapatir bhavati, aśnute prajayānnādyaṃ ya evaṃ vidvān virājau kurute. tasmād virājāv eva kartavyau: 'pra dado agna', 'imā ū agna' iti. ṛtaṃ vāva dīkṣā, satyam; tasmād dīkṣitena satyam eva vaktavyam. atho khalv āhuḥ: ko 'rhati manuṣyaḥ sarvaṃ satyaṃ vadituṃ; satyasaṃhitā vai devāḥ, anṛtasaṃhitā manuṣyāḥ. vicakṣaṇāvatīṃ vācaṃ vadet; cakṣur vai vicakṣaṇaṃ, vi hy enena paśyati; etad dha vā manuṣyeṣu satyaṃ nihitaṃ yac cakṣuḥ; tasmād acakṣāṇam āhur: 'adrāg' iti; sa yady adarśam ity āhāthāsya śrad dadhāti. yadi u vai svayam paśyati, na bahūnāṃ tanānām eṣāṃ śrad dhāti; tasmād vicakṣaṇavatīm eva vācaṃ vadet, satyottarā haivāsya vāg uditā bhavati.

Die Virāj ist gleichsam ein fünffaches Versmaß: weil sie drei Pāda (Verszeilen) hat, ist darin Uṣṇih und Gāyatrī enthalten; weil ihre Pāda elf Silben haben, ist darin Triṣṭubh enthalten; weil sie dreiunddreißig Silben hat, ist darin Anuṣṭubh enthalten. Kein Versmaß trennt sich [von den übrigen] durch nur eine oder zwei [gemeinsame] Silben — die Virāj ist eben das fünfte [das alle in sich vereint]. Die Kraft aller Versmaße erlangt, die Vereinigung, Wesensgleichheit und gemeinsame Welt mit allen Versmaßen erlangt, wird ein Esser der Speise und Herr der Speise, gewinnt durch Nachkommenschaft Speise, wer dies so wissend die beiden [Svishṭakṛt-Sprüche] als Virāj gestaltet. Darum sind eben als Virāj zu gestalten: 'pra dado agna ...' und 'imā ū agna ...'. Die Weihe (dīkṣā) ist ja Wahrheit (ṛta), ist Wahrhaftigkeit (satya); darum soll der Geweihte nur die Wahrheit sprechen. Dazu sagt man auch: Wer unter den Menschen vermöchte wirklich in allem die Wahrheit zu sagen? Mit der Wahrheit verbunden sind die Götter, mit der Unwahrheit die Menschen. Er spreche daher eine 'sehende' [dem Augenschein entsprechende] Rede; denn das Auge ist das, was sieht/unterscheidet (vicakṣaṇa) — mit ihm sieht man ja. Eben dies ist unter den Menschen die Wahrheit, worauf es ankommt: das Auge. Darum sagt man zu einem, der nicht sieht: 'du hast [es] nicht gesehen'; wenn er aber sagt 'ich habe [es] gesehen', dann glaubt man ihm. Denn wenn er selbst sieht, dann verlässt er sich nicht auf die Aussagen vieler anderer. Darum spreche man stets eine dem Augenschein gemäße Rede — dann ist seine Rede, wenn sie ausgesprochen ist, auch im weiteren Verlauf von Wahrheit bestätigt.

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