Mit dem Einleitungsopfer (prāyaṇīya) begeben sich die Opfernden auf den Weg (pra-i) zur Himmelswelt — darin besteht das Wesen des Prāyaṇīya. Der Einatem (prāṇa) ist das Prāyaṇīya, der Ausatem (udāna) das Ausgangsopfer (udayanīya), der gleichbleibende Atem (samāna) ist der Hotṛ-Priester — beide, Ein- und Ausatem, dienen der Ordnung und dem rechten Erkennen der Lebenskräfte. Einst wich das Opfer von den Göttern; da vermochten die Götter nichts mehr zu tun, sie wussten keinen Rat. Sie sprachen zu Aditi: 'Du kennst dieses Opfer.' Und sie sagte: 'So wählt euch von mir eine Gunst.' Da wählte sie sich diese Gunst: 'Mit mir sollen die Opfer beginnen (prāyaṇa) und mit mir enden (udayana).' 'So sei es.' Darum ist der Aditi geweihte Brei (caru) das Einleitungsopfer und der Aditi geweihte das Ausgangsopfer, denn sie hat sich diese Gunst erwählt. Ferner erwählte sie sich diese Gunst: 'Durch mich allein sollt ihr die östliche Richtung erkennen, durch Agni die südliche, durch Soma die westliche, durch Savitṛ die nördliche.' Darum geht jene (Sonne) im Osten auf und im Westen unter. Man opfert der Pathyā (Svasti, der 'Wegegöttin'): weil man der Pathyā opfert, geht jene (Sonne) darum ihren Weg. Man opfert Agni: weil man Agni opfert, kommen darum von Süden her die reifenden Pflanzen (Heilkräuter) — denn die Pflanzen gehören Agni. Man opfert Soma: weil man Soma opfert, fließen darum die mit dem Wasser verwandten, somahaften Gewässer. Man opfert Savitṛ: weil man Savitṛ opfert, läutert sich darum diese (Sonne) von Westen und danach am meisten — eben von Savitṛ angetrieben läutert sie sich so. Man opfert die höchste Aditi: weil man die höchste Aditi opfert, befeuchtet und durchdringt darum jene (Sonne) diese (Erde) mit Regen. Man opfert fünf Gottheiten: das Opfer hat Pāṅkti-Natur (fünfteilige Struktur), alle Himmelsrichtungen werden geordnet, das Opfer gelingt — und es gelingt auch für jenes Volk (die Opfergemeinde), bei dem ein solchermaßen Wissender Hotṛ ist.
Yas tejo brahmavarcasam icchet, prayājāhutibhiḥ prāṅ sa iyāt; tejo vai brahmavarcasaṃ prācī dik; tejasvī brahmavarcasī bhavati ya evaṃ vidvān prāṅ eti. yo 'nnādyam icchet, prayājāhutibhir dakṣiṇā sa iyāt; annādo vā eṣo 'nnapatir yad Agnis; annādo 'nnapatir bhavaty, aśnute prajayānnādyaṃ ya evaṃ vidvān dakṣiṇaiti. yaḥ paśūn icchet, prayājāhutibhiḥ pratyaṅ sa iyāt; paśavo vai te yad āpaḥ; paśumān bhavati ya evaṃ vidvān pratyaṅ eti. yaḥ somapītham icchet, prayājāhutibhir udaṅ sa iyāt; uttarā ha vai somapīthasyāpnoti ya evaṃ vidvān udaṅ eti. yaḥ svargaṃ lokam icchet, prayājāhutibhir ūrdhvaḥ sa iyāt; svargā haivordhvā dik; sarvāsu dikṣu rādhnoti, samyañco vā ime lokāḥ, samyañco 'smai lokāḥ śriyai dīdyati ya evaṃ veda. yat Pathyāṃ yajati, vācam eva tad yajñamukhe sambharati. prāṇāpānāv Agnīṣomau, prasavāya Savitā, pratiṣṭhityai Aditiḥ. Pathyāṃ yajati, vācaiva tad yajñaṃ pathā nayaty apinayati. cakṣuṣī evāgnīṣomau, prasavāya Savitā, pratiṣṭhityai Aditiḥ. cakṣuṣā vai devā yajñaṃ prajānan, cakṣuṣā vai etat prajñāyate yad aprajñeyam; tasmād api mugdhaś caritvā yadaivānuṣṭhveya cakṣuṣā prajñāyate 'tha prajñāti. yad vai tad devā yajñaṃ prajānann, āsyāṃ vāva tat prājānan, asyāṃ kriyate, 'syai kriyate, 'syai sambhriyata iyaṃ hy Aditis, tad uttamām Aditiṃ yajati; yad uttamām Aditiṃ yajati, yajñasya prajñātyai, svargasya lokasyānukhyātyai.
Wer nach Glut und geistlicher Kraft (tejas, brahmavarcasa) verlangt, soll während der Vor-Opferungen (prayāja) mit den Spenden nach Osten schreiten; denn Glut und geistliche Kraft ist die östliche Richtung — voller Glut und geistlicher Kraft wird, wer dies so wissend nach Osten geht. Wer nach Speise verlangt, schreite bei den Prayāja-Spenden nach Süden; denn Speiseesser und Speiseherr ist Agni — Speiseesser und Speiseherr wird, gewinnt durch Nachkommenschaft Speise, wer dies so wissend nach Süden geht. Wer nach Vieh verlangt, schreite nach Westen; denn Vieh sind ja die Gewässer [dort verortet] — viehreich wird, wer dies so wissend nach Westen geht. Wer nach dem Soma-Trunk verlangt, schreite nach Norden; denn den höheren (besseren) Anteil am Soma-Trunk erlangt, wer dies so wissend nach Norden geht. Wer nach der Himmelswelt verlangt, schreite aufwärts; denn die Himmelswelt ist ja die obere Richtung — in allen Richtungen gelangt er zum Ziel, denn vereint (im rechten Sinn geordnet) sind diese Welten, vereint erstrahlen sie ihm zum Glanz, wer dies so weiß. Indem man der Pathyā opfert, versammelt man damit die Rede (vāc) am Beginn des Opfers (yajñamukha). Ein- und Ausatem sind Agni und Soma, zum Antrieb dient Savitṛ, zur Festigung Aditi. Man opfert der Pathyā: damit eben führt man das Opfer mittels der Rede auf seinen Weg und leitet es ein. Die beiden Augen sind Agni und Soma, zum Antrieb Savitṛ, zur Festigung Aditi. Mit dem Auge erkennen die Götter das Opfer; mit dem Auge wird eben erkannt, was sonst nicht erkennbar wäre; darum kann man, auch nachdem man wie blind (unwissend) gehandelt hat, sobald das Ritual vollzogen ist, es mit dem Auge (rückblickend) erkennen — dann erkennt man es. Dass die Götter das Opfer erkannten, das erkannten sie eben in dieser (Aditi): in ihr wird es vollzogen, für sie wird es vollzogen, für sie wird es zusammengebracht, denn sie ist [die Erde,] Aditi. Darum opfert man die höchste Aditi; weil man die höchste Aditi opfert, dient dies der Erkenntnis des Opfers und der Erschließung der Himmelswelt.
Man solle, so sagt man, die (Marut-)Volksstämme der Götter [rituell] 'ordnen' (kalpayitavya) — sind sie geordnet, so ordnen sich danach auch die Volksstämme der Menschen: alle Stämme ordnen sich, auch das Opfer ordnet sich, und es gelingt jenem Volk, bei dem ein solchermaßen Wissender Hotṛ ist. Er spricht die Anuvākyā: 'Heil uns auf den Wegen und in den Weiten' und 'Heil in den Gewässern, im Wirkungsbereich sei uns Heil, Heil zum Reichtum möget ihr, Marut, uns verleihen.' Die Marut sind ja der Volksstamm der Götter — mit diesem (Spruch) haben sie sich am Beginn des Opfers geordnet (eingerichtet). Man solle, so sagt man, mit allen Versmaßen opfern; denn mit allen Versmaßen opfernd haben die Götter die Himmelswelt gewonnen — ebenso gewinnt der Opfernde, mit allen Versmaßen opfernd, die Himmelswelt. 'Heil uns auf den Wegen und in den Weiten, Heil sei der Absicht auf dem besten Fernweg' — dies sind die beiden Triṣṭubh-Verse der Pathyā Svasti; 'Agni, führe uns auf gutem Weg zum Reichtum, wir sind auf den Weg der Götter gelangt' — die beiden Triṣṭubh-Verse Agnis; 'Du, Soma, bist durch Einsicht bekannt, [du kennst] deine Wohnstätten im Himmel und auf Erden' — die beiden Triṣṭubh-Verse Somas; 'Tritt herbei zu unserer Gunst, du All-Gott, der du all dies erschaffen hast' — die beiden Gāyatrī-Verse Savitṛs; 'die wohlschützende Erde, den makellosen Himmel, die große, wahrhaft gute Mutter der Guten' — die beiden Gāyatrī-Verse Aditis. Dies sind die Versmaße: Gāyatra, Traiṣṭubha und Jāgata; die anderen (Versmaße) folgen ihnen entsprechend, denn diese werden im Opfer gleichsam als die ersten (grundlegenden) verwendet. Mit all diesen Versmaßen ist ihm geopfert, wer dies so weiß.
Dies sind die 'fließenden', den Fortgang [zum Ziel] bewirkenden, heilbringenden (svastimat) Sprüche als Opferspruch- und Anrufungsverse (yājyā-anuvākyā) dieser Opfergabe: mit ihnen haben die Götter geopfert und die Himmelswelt gewonnen — ebenso gewinnt der Opfernde mit ihnen die Himmelswelt. In ihnen steht der Vers: 'Heil zum Reichtum möget ihr, Marut, uns verleihen.' Die Marut sind ja der Volksstamm der Götter, die Anteil am Luftraum haben. Wer, ohne sich ihnen [den Marut] kundzugeben, zur Himmelswelt gelangt, den treffen sie als einen Unwissenden [Anm.: der genaue Wortlaut dieses Satzes ist im Original schwer lesbar und nur sinngemäß übersetzt]. Wer aber dies so weiß und zur Himmelswelt zu gelangen wünscht, den lassen sie wohlbehalten zur Himmelswelt gelangen — so bringen die Marut den solchermaßen Wissenden zur Himmelswelt. Als Svishṭakṛt-Opferspruchpaar dieser Opfergabe sollen zwei Virāj-Verse dienen: 'welche dreiunddreißig Silben haben, diese seien den anderen [Versmaßen] überlegen; dieser Agni sei den anderen Feuern überlegen, dieser Agni, der den Mißgünstigen niederstreckt.' Mit diesen beiden Virāj-Versen haben die Götter geopfert und die Himmelswelt gewonnen — ebenso gewinnt der Opfernde, mit diesen beiden Virāj-Versen opfernd, die Himmelswelt.
Tā vā etāḥ svastyayanyaḥ, satīr eva tā abhūvan, satyaṃ vai devāḥ, satyenaivaitat svargaṃ lokam ajayan; tathaivaitad yajamānaḥ satyenaiva svargaṃ lokaṃ jayati. kṣatrāya vā etāḥ pathyāsv iṣyante, viśe dhanvasu; kṣatraṃ ha vā etat svaṃ dhatte yo yajate, viśam anu svāṃ dadhāti kṣatrāya vā etāḥ pathyāsu, viśe dhanvasv iṣyante. svasti nāma yaivetaḥ svastyai prayanti, pathyāṃ svastim abhy udyanti; svasty evetaḥ prayanti, svasty udyanti, svasty udyanti.
Diese (fünf oder sieben Verse) sind heilbringende (svastyayanī) Sprüche und wahr zugleich (satya); denn die Götter sind die Wahrheit — eben durch die Wahrheit haben sie die Himmelswelt gewonnen; ebenso gewinnt der Opfernde durch die Wahrheit die Himmelswelt. Zum Zweck der Herrschaftsmacht (kṣatra) werden diese Verse auf den 'Wegen' (pathyā) vorgetragen, zum Zweck des Volkes (viś) 'in den Weiten' (dhanvan); denn wer opfert, eignet sich dabei seine eigene Herrschaftsmacht an und ordnet sich zugleich sein eigenes Volk — darum werden sie zum Zweck der Herrschaft auf den Wegen und zum Zweck des Volkes in den Weiten vorgetragen. 'Heil' (svasti) heißt es darum, weil diejenigen, die von hier aus [zum Opfer] fortgehen, zum Heil fortgehen, und auf dem Wege der Pathyā sich zum Heil erheben — in Heil gehen sie fort von hier, in Heil erheben sie sich, in Heil erheben sie sich.