Quellen der Menschheit

Aitareya-Brāhmaṇa · Prathamā Pañcikā

Adhyāya 5: Somakrayaṇa-Gandharvākhyāna-agnīṣomapraṇayana-nirūpaṇam Die Sage von Soma bei den Gandharven und das Voranführen von Agni und Soma zum Opferplatz

Die Gandharva-Soma-Sage und die Prozession zum Opferplatz.

Somo vai rājā Gandharveṣv āsīt, taṃ devāś cābhyaiyur ṛṣayaś cābhyadhyāyan: 'kathaṃ ayam asmān soma āgacched' iti. sā vāg abravīt: 'strīkāmā vai Gandharvā, mayaiva striyā bhūtayā vaḥ panāyadhvam' iti; 'na' iti devā abruvan, 'kathaṃ vayaṃ tvad ṛte syāma' iti. sābravīt: 'kriṇīta eva, vā ha yathaivaṃ no 'martho bhavitā, tarhy evāhaṃ punar āgantāsmi' iti; 'tatheti'. tayā vāgbhūtayā somaṃ rājānam akrinan; tām anukṛtim aśvāṃ vatsatarīm anayan; tayā somaḥ krayaṇīyo niṣkrīṇāti; punaḥ sā tān āgacchati. some rājani krīte 'tha Gandharvebhyas tarhi vai gacchati; sāṅgā vai praṇīyamāne punar āgacchati.

König Soma weilte einst bei den Gandharven. Die Götter näherten sich ihm, und die Ṛṣis sannen nach: 'Wie könnte dieser Soma zu uns gelangen?' Da sprach die Rede (Vāc): 'Die Gandharven begehren Frauen — kauft mich, wenn ich zur Frau geworden bin bin, [und handelt mit ihnen] um mich feil.' 'Nein', sprachen die Götter, 'wie sollten wir ohne dich sein?' Da sprach sie: 'So kauft mich nur; ich werde dann euer Besitz sein, und doch werde ich immer wieder zu euch zurückkehren.' 'So sei es.' Mit ihr, die zur Rede geworden war, kauften sie den König Soma von den Gandharven; als Gegenwert dafür führten sie ihnen ein Pferd [und] ein junges weibliches Rind (vatsatarī) zu. Mit ihr wird der käufliche Soma erworben, und sie selbst kehrt danach immer wieder zu ihnen zurück. Ist König Soma [einmal] gekauft, geht er [die Rede] zu den Gandharven; sie kehrt aber, sobald [Soma] weitergeleitet wird, sogleich mit ihm zurück.

Agnaye praṇīyamānāyānubrūhīty āhādhvaryuḥ. 'pra devy etu dhiyā bharatā jātavedasam' iti gāyatrīṃ brāhmaṇasyānubrūyād; gāyatro vai brāhmaṇas, tejo vai brahmavarcasaṃ gāyatrī; tejasvinam evainaṃ tad brahmavarcasena samardhayati. 'mahe vidathyāya sūṣam' iti triṣṭubham rājanyasyānubrūyāt; traiṣṭubho vai rājanyaḥ, ojo vā indriyaṃ vīryaṃ triṣṭub; ojasvinam evainaṃ tad indriyeṇa vīryeṇa samardhayati. 'ayam u ṣya pra devayur' iti jagatīṃ vaiśyasyānubrūyāj; jāgato vai vaiśyo, jātāḥ paśavaḥ, paśubhir evainaṃ tat samardhayati. 'vaneṣu citraṃ vibhavaṃ viśe-viśe' ity abhirūpaṃ; yad yajñe 'bhirūpaṃ tat samṛddham. 'iha prathamo dhāyi dhātṛbhir' ity anuṣṭubham; vāg vā anuṣṭub, vācaivainaṃ tad vy anakti. 'ayaṃ vā Agnir amṛtatvaṃ janma' ity amṛtatvam evāsminn tad dadhāti. 'sahasaś cit sahīyān devo jīvātave kṛtaḥ' iti; devo hy eṣa jīvātave kṛtaḥ. 'iḷāyāḥ pade rathe vayaṃ nābhā pṛthivyā adhi' iti; tad vā iḷāyāḥ padaṃ yad uttaravedir; 'jātavedo ni dhīmahi' iti nidhāyanto hy enaṃ bhavanti, havyaṃ vakṣyan bhāvayan.

Der Adhvaryu spricht: 'Sprich [den Vers] für den weitergeleiteten Agni.' — 'Es trete voran die Göttliche mit Andacht, tragt den Jātavedas herbei' — diesen Gāyatrī-Vers rezitiere man für den Brahmanen; Gāyatrī-Natur hat ja der Brahmane, und Glut und geistliche Kraft ist die Gāyatrī — damit stattet man ihn eben mit Glut und geistlicher Kraft aus. 'Für das große, weisheitsvolle Werk lasst uns preisen' — diesen Triṣṭubh-Vers rezitiere man für den Kṣatriya (rājanya); Triṣṭubh-Natur hat ja der Kṣatriya, und Stärke, Sinneskraft und Tatkraft ist die Triṣṭubh — damit stattet man ihn eben mit Stärke und Tatkraft aus. 'Dieser, der Gottliebende' — diesen Jagatī-Vers rezitiere man für den Vaiśya; Jagatī-Natur hat ja der Vaiśya, denn zur Jagatī gehört das Vieh — damit stattet man ihn eben mit Vieh aus. 'In den Wäldern der leuchtende Reichtum, einem jeden Volksstamm' — dies ist ein angemessener Vers, und was im Opfer angemessen ist, das ist vollkommen. 'Hier zuerst wurde er von den Ordnern eingesetzt' — diesen Anuṣṭubh-Vers [rezitiert man für den vierten Stand]; die Anuṣṭubh ist ja die Rede, mit der Rede eben gliedert man ihn heraus. 'Dieser Agni ist die Geburt zur Unsterblichkeit' — damit legt man ihm eben Unsterblichkeit hinein. 'Stärker als die Stärke, als Gott zum Leben geschaffen' — denn dieser [Agni] ist ja als Gott zum Leben geschaffen. 'An der Stätte der Iḷā, im Wagen, im Nabel der Erde' — die Stätte der Iḷā ist ja der Nordaltar (uttaravedi). 'Jātavedas, lasst uns [ihn] niederlegen' — damit legen sie ihn eben nieder, im Begriff, die Opfergabe darzubringen und zu mehren.

Havirdhānābhyāṃ prohyamānābhyām anubrūhīty āhādhvaryuḥ. 'yuje vāṃ brahma pūrvyaṃ namobhir' ity anvāha; brahmaṇā vai devā ayunjata yad dhavirdhāne; brahmaṇaivaitad yunkte, na brahmaṇvad riṣyati. tṛcaṃ dyāvāpṛthivīyam anvāha; kasmād dhavirdhānābhyām anu vācāhātha kasmāt tṛcaṃ dyāvāpṛthivīyam anvāheti; dyāvāpṛthivī vai devānāṃ havirdhāne āstāṃ, te idam antareṇa sarvaṃ haviḥ dadhāti kiṃ ca, tasmāt tṛcaṃ dyāvāpṛthivīyam anvāha. 'yam eva yamāv atathā aitam' iti; yamāv iva hy ete yatamāne prabāhur itaḥ. 'pra vāṃ bharan mānuṣā devayanto' iti; devayanto hy ene mānuṣāḥ prabharanti. 'sīdataṃ svaṃ u lokaṃ vidāne svāsasthe bhavataṃ indave' iti; somo vai rājendur, somāyaivaitat sādhu āsyate. 'adhi dvayor adadhā ukthyaṃ vacaḥ' iti; dvayor hy etat tṛtīyaṃ chadir adhi nidhīyate.

Der Adhvaryu spricht: 'Sprich [den Vers] für die beiden getragenen Havirdhāna-Wagen.' — 'Ich verbinde für euch beide das erste Weltgesetz mit Verehrung' — mit dem Weltgesetz (brahma) spannten die Götter einst die beiden Havirdhāna-Wagen an; eben damit spannt man sie auch jetzt an, so dass ihm, dem mit dem Weltgesetz Verbundenen, kein Schaden widerfährt. Man spricht einen dreiversigen, Himmel und Erde geweihten Spruch. Warum spricht man eben diesen dreiversigen Dyāvāpṛthivī-Spruch für die beiden Havirdhāna? Weil Himmel und Erde einst die beiden Havirdhāna-Wagen der Götter waren — ohne diese beiden hätte man ja gar keine Opfergabe; darum spricht man den dreiversigen Dyāvāpṛthivī-Spruch. 'Wie die beiden Zwillinge [Yama-Paar] seid ihr gemeinsam gegangen' — wie die Zwillinge nämlich, die miteinander streben, gehen diese beiden [Wagen] von hier mit vorgestreckten Deichseln. 'Euch beide brachten die Gott-liebenden Menschen herbei' — denn gott-liebende Menschen tragen sie eben herbei. 'Setzt euch nieder an eurem eigenen, wohlbekannten Ort, seid dem Somasaft wohlgesinnt' — Soma ist ja der Mondkönig (indu), für Soma eben wird hier der rechte Sitz bereitet. 'Auf euch beide habe ich mein würdiges Wort gerichtet' — denn dieses ist die dritte, auf die beiden [Wagen] gelegte Bedeckung [nach den vorherigen zwei Formelpaaren].

Agnīṣomābhyāṃ praṇīyamānābhyām anubrūhīty āhādhvaryuḥ. 'sāvīr hi deva prathamāya pitrā' iti sāvitrīm anvāha; Savitā vai prasavānām īśe, savitṛprasūta evainau tat praṇayati, tasmāt sāvitrīm anvāha. 'praitu brahmaṇaḥ patiḥ' iti; brahma vai Bṛhaspatiḥ, brahmaṇaivaitau prāṇayati, na brahmaṇvad riṣyataḥ. some rājani praṇīyamāne antarikṣam eva sadohavirdhānāny ajighāṃsann asurā rakṣāṃsy ajighāṃsuḥ; tam Agnir māyayā puraḥ prāyacchat; na hiṃsitum aśaknuvan; tasmād v asyāgniḥ purastād eti māyayā. 'upa tvāgne dive-dive' iti tisraś caikayā svāhākṛtayā; Aśvinau vai devānāṃ sakhīvantau; Viṣṇur vai devānāṃ dvārapāḥ, sa evāsmā etad dvāraṃ vivṛṇoti. 'antaś ca prāg aditir bhavāsi' iti prapadyamāne 'nvāha. 'śyeno na yonim sadanaṃ dhiyā kṛtaṃ, hiraṇyayam āsadaṃ devā eṣṭi' iti; hiraṇmayam iva ha vā eṣa etad devebhyaḥ chadayati. yat kṛṣṇājinam anv āha: 'stabhnād dyām āsuro viśvavedāḥ' iti Vāruṇyā paridadhāti; Varuṇadevatyo vā eṣa, tāvad yāvad upanaddho, yāvat pariśritāni prapadyate; svayaivainaṃ tad devatayā svena chandasā samardhayati. taṃ yady upāvartayed enāṃ vandasva Varuṇaṃ bṛhantam iti etayā paridadhyāt; yāvadbhyo hābhayam icchati, yāvadbhyo hābhayaṃ bhavati yatraivaṃ vidvān paridadhāti, tasmād evaṃ vidvān paridadhyāt. tā etāḥ saptadaśānvāha rūpasamṛddhāḥ; etad vai yajñasya samṛddhaṃ yad rūpasamṛddham, yat karma kriyamāṇam ṛg abhivadati; tāsāṃ trir prathamām anvāha, trir uttamāṃ, tā ekaviṃśatiḥ sampadyante; ekaviṃśo vai Prajāpatiḥ: dvādaśa māsāḥ, pañcartavas, trya ime lokās, asāv āditya ekaviṃśa uttamā pratiṣṭhā; tad daivaṃ kṣatraṃ, sā śrīḥ, sādhipatyaṃ, tad bradhnasya viṣṭapaṃ, tat svārājyam; ṛdhnoty etam evaitābhir ekaviṃśatyaikaviṃśatyā.

Der Adhvaryu spricht: 'Sprich [den Vers] für Agni und Soma, die vorangeführt werden.' — 'Denn du, o Gott, hast dich vorm ersten Vater erregt' — man spricht den Sāvitrī-Vers; Savitṛ waltet ja über alle Antriebe, von Savitṛ angetrieben führt man die beiden eben voran — darum spricht man den Sāvitrī-Vers. 'Es trete voran der Herr des Weltgesetzes' — das Weltgesetz ist ja Bṛhaspati, mit dem Weltgesetz eben führt man die beiden voran, so dass ihnen kein Schaden widerfährt. Als König Soma vorangeführt wurde, wollten die Asuras und Unholde den Opferplatz mit den beiden Havirdhāna-Wagen im Luftraum angreifen; Agni aber stellte sich durch seine Zauberkraft (māyā) voran, so dass sie [ihn] nicht zu verletzen vermochten — darum geht Agni ihm mit seiner Zauberkraft voran. 'Zu dir, Agni, Tag für Tag' — dreimal mit je einem Svāhā-Ruf. Die Aśvin sind ja die Gefährten der Götter; Viṣṇu ist der Türhüter der Götter, er eben öffnet ihm dieses Tor. 'Sei innen und vorn Aditi (die Unbegrenzte)' spricht man beim Eintreten. 'Wie ein Adler zu seinem Nest, zum kunstvoll bereiteten Sitz, zum goldenen Platz streben die Götter' — gleichsam golden bedeckt er dies für die Götter. Wenn man das schwarze Antilopenfell umbindet, spricht man dazu: 'Der allwissende Asura [Varuṇa] hat den Himmel gestützt' — mit diesem Varuṇa geweihten Vers umhüllt man es; denn dieser [Sitz] gehört ja, solange er verhüllt und umschlossen bleibt, der Gottheit Varuṇa — damit stärkt man ihn eben durch die ihm eigene Gottheit und das ihm eigene Versmaß. Wollte man ihn [den Sitz] später wieder aufdecken, so spreche man dazu: 'Verehre diesen hohen Varuṇa' — soviel Sicherheit man sich wünscht, so viel Sicherheit erlangt man, wenn ein solchermaßen Wissender ihn umhüllt; darum umhülle ihn ein solchermaßen Wissender. Diese [Verse] rezitiert man zu siebzehn, vollkommen an Gestalt; das eben ist das Gedeihen des Opfers, wenn es an Gestalt gedeiht und der Vers ausspricht, was gerade vollzogen wird. Von ihnen rezitiert man den ersten dreimal und den letzten dreimal, so dass sie sich zu einundzwanzig ergänzen; einundzwanzigfach ist ja Prajāpati: zwölf Monate, fünf Jahreszeiten, diese drei Welten und jene Sonne als Einundzwanzigste — die höchste Grundlage. Das ist die göttliche Herrschaftsmacht (kṣatra), das ist Glanz (śrī), das ist Oberherrschaft, das ist die Wölbung der Sonne (bradhna), das ist Selbstherrschaft (svārājya) — eben diese erlangt, wer mit diesen einundzwanzig zu je einundzwanzig [Versen opfert].

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