In östlicher Richtung machten die Götter Soma zu ihrem König; darum wird [der Somakauf] in östlicher Richtung vollzogen. Im dreizehnten Monat [seit dem letzten Kauf] soll man ihn nicht wieder erwerben; denn ein wiederholter Somakauf ist ein Übel. Als Soma gekauft war und sich [beim Kauf] von den Menschen aus allen Richtungen her wandte, gerieten deren Kräfte und Sinnesvermögen (vīrya, indriya) in Zerstreuung. Man suchte sie mit einem einzigen Vers festzuhalten — vergeblich; mit zweien — vergeblich; mit dreien, mit vieren, mit fünfen, mit sechsen, mit sieben — man konnte sie nicht festhalten. Erst mit acht [Versen] hielt man sie fest, mit acht Versen gewann man sie zurück. Daher rührt die Achtzahl der Achtergruppen: was immer einer sich wünscht, das erlangt er, wer dies so weiß. Darum werden bei diesen Riten [des Somakaufs] jeweils acht [Verse] zu je acht rezitiert — zur Wiedergewinnung der Sinnesvermögen und Kräfte.
Anyataro 'nadvān yuktaḥ syād anyataro vimukto 'tha rājānam upāvahareyur ubhayor vimuktayor upāvahareyuḥ, pitṛdevatyaṃ rājānaṃ kuryur ayogakṣemāḥ prajā vindet, tāḥ prajāḥ paripravante; yo yuktas tāś calāsadāṃ prajānāṃ rūpaṃ; yo yukte 'nye vimukte 'nyā upavaharantaḥ, ubhāv eva tat kṣemayogaṃ kalpayanti. devāsurā vā eṣu lokeṣu samayātanta; te 'syāṃ prācyāṃ diśy ayatanta, tāṃs tato 'surā ajayan; te dakṣiṇasyāṃ diśy ayatanta, tāṃs tato 'surā ajayan; te pratīcyāṃ diśy ayatanta, tāṃs tato 'surā ajayan; te udīcyāṃ diśy ayatanta, tāṃs tato na parājayanta; eṣā dig aparājitā, tasmād etasyāṃ diśi yajña iyate. te devā abruvann: 'arājānā vai na jayāma; rājānaṃ kurvāmahai' iti; tatheti; te somaṃ rājānam akurvan, te somena rājñā sarvā diśo 'jayan. eṣa vai somo rājā yatra tiṣṭhaty ādadhāti, tena prācīṃ diśaṃ jayati; taṃ dakṣiṇaṃ parivahanti, tena dakṣiṇāṃ diśaṃ jayati; taṃ pratyañcam āvartayanti, tena pratīcīṃ diśaṃ jayati; tam udīcīṃ tiṣṭhata upāharanti, tenodīcīṃ diśaṃ jayati; ya evaṃ vidvān somena rājñā sarvā diśo jayati.
Von zwei Zugochsen sei der eine angejocht, der andere frei — so soll man den König (Soma) herbeiführen, oder auch mit beiden ungejochten; [andernfalls] machte man den König den [bereits verstorbenen] Vätern zugehörig, ruhelos, und die Nachkommenschaft, die man erwürbe, bliebe unstet und liefe auseinander. Der angejochte Ochse steht für die Beständigkeit der Nachkommenschaft; indem der eine angejocht und der andere frei den Wagen ziehen, verwirklicht man eben beides zugleich: Ruhe und Erwerb (kṣema und yoga). Einst kämpften Götter und Asuras um diese Welten. Sie kämpften in östlicher Richtung — dort besiegten sie die Asuras; sie kämpften in südlicher Richtung — dort besiegten sie die Asuras; sie kämpften in westlicher Richtung — dort besiegten sie die Asuras; sie kämpften in nördlicher Richtung — dort wurden sie nicht besiegt. Diese Richtung ist die unbesiegte; darum wird das Opfer [in seinem Aufbruch] auf diese Richtung hin ausgerichtet. Da sprachen die Götter: 'Ohne König siegen wir nicht — lasst uns einen König machen.' 'So sei es.' Da machten sie Soma zum König, und mit dem König Soma besiegten sie alle Richtungen. Wo dieser König Soma steht und aufgestellt wird, damit erobert man die östliche Richtung; trägt man ihn nach Süden, damit erobert man die südliche Richtung; wendet man ihn nach Westen, damit erobert man die westliche Richtung; bringt man ihn nach Norden zum Stehen, damit erobert man die nördliche Richtung — wer dies so weiß, erobert mit dem König Soma alle Richtungen.
Havir ātithyaṃ nirūpyate, some rājany āgate; somo vai rājā yajamānasya gṛhān āgacchati, tasmād etad dhavir ātithyaṃ nirūpyate; tad ātithyasyātithyatvam. navakapālo bhavati; nava vai prāṇāḥ, prāṇānāṃ kliptyai prāṇānāṃ pratiprajñātyai. Viṣṇur vai yajñaḥ, svayaivainaṃ tad devatayā svena chandasā samardhayati; sarvāṇi vāva chandāṃsi ca pṛṣṭhāni ca somaṃ rājānaṃ kritam ā yanti; yāvantaḥ khalu vai rājānam anuyanti, tebhyaḥ sarvebhyaḥ somāya rājñe kriyata etad ātithyam. tad yathaivātho manuṣyarājany āgate 'nyasmin rāṣṭre varhanty, ukṣāṇaṃ vehad vā kṣadante, evam evāsmā etac chandanti — Agnir hi devānāṃ paśuḥ, kilbiṣaspṛd iti eṣa u eva bhavati, yaḥ śreṣṭhatām aśnute, sa kilbiṣapṛd ity eṣa u eva bhavati, manuvoco mā pracāriḥ kilbiṣaṃ nu mā yātayann iti pituhaḥ punar iti.
Als Gastgeschenk (ātithya) für den König wird eine Opfergabe bestimmt, wenn König Soma [im Hause des Opferherrn] eintrifft — Soma kommt ja als König in das Haus des Opfernden, darum wird ihm dieses Gastgeschenk bestimmt; darin besteht das Wesen des Gastgeschenks (ātithya). Es besteht aus neun Scherben; denn neun sind die Lebenshauche (prāṇa) — zur Ordnung und rechten Erkenntnis der Lebenshauche. Viṣṇu ist das Opfer; damit stärkt man es durch die ihm eigene Gottheit und das ihm eigene Versmaß. Alle Versmaße und alle Pṛṣṭha-Sāmans kommen gleichsam zu dem gekauften König Soma; so vielen (Priestern und Sängern) er auf seinem Weg folgt, für alle diese wird dem König Soma dieses Gastgeschenk bereitet. Ganz so, wie man, wenn ein Menschenkönig in ein fremdes Reich kommt, für ihn einen Stier oder ein junges Rind schlachtet, so bereitet man ihm auch dieses [Gastgeschenk] — denn Agni ist das Opfertier der Götter, der 'Sündentilger' (kilbiṣaspṛt); und wer den höchsten Rang erlangt, ist eben auch der Sündentilger [Anm.: die letzten Sätze dieses Khaṇḍa sind im Original sprachlich sehr verdichtet, ihr genauer Wortlaut bleibt unsicher].
Agnaye mathyamānāyānubrūhīty āhādhvaryuḥ; 'abhi tvā devāḥ savitaḥ' iti sāvitrīm anvāha; tad āhuḥ: yad Agnaye mathyamānāyānu vācāhātha kasmāt sāvitrīm anv āheti; Savitā vai prasavānām īśe, savitṛprasūta evainaṃ tan manthanti, tasmāt sāvitrīm anvāha. 'mahī dyauḥ pṛthivī ca na' iti; tad āhuḥ: yad Agnaye mathyamānāyānu vācāhātha kasmād dyāvāpṛthivīyam anvāheti; dyāvāpṛthivībhyāṃ vā etaj jātaṃ devāḥ paryagṛhṇan, tābhyām evādyāpi parigṛhītaṃ; tasmād dyāvāpṛthivīyam anvāheti. 'tvam agne puṣkarād adhi' iti tṛcam āgneyaṃ gāyatram anvāhāgnau mathyamāne, svayaivainaṃ tad devatayā svena chandasā samardhayaty; Atharvā nir amanthata rūpasamṛddham. etad vai yajñasya samṛddhaṃ yad rūpasamṛddham, yat karma kriyamāṇam ṛg abhivadati. sa yadi ciraṃ jāyeta, rakṣoghnyo gāyatryo 'nūcyā hanty enaṃ rakṣāṃsi, na cirajāto rakṣāṃsy apahatyai; yarhi na jāyate yarhi ciraṃ jāyate, sa yady ekasminn evānūktāyāṃ jāyed …
Der Adhvaryu spricht: 'Sprich der Reihe nach [den Vers] für den gequirlten (gedrehten) Agni' und rezitiert dazu den Sāvitrī-Vers: 'Zu dir, o Savitṛ, [wenden sich] die Götter.' Dazu sagt man: Warum spricht man, während Agni [durch Reiben] entsteht, gerade diesen Vers und nicht einen anderen — warum den Sāvitrī-Vers? Weil Savitṛ über alle Antriebe (prasava) herrscht; von Savitṛ angetrieben wird eben dieser [Agni] gequirlt — darum spricht man den Sāvitrī-Vers. 'Groß sind Himmel und Erde für uns' — dazu sagt man: Warum spricht man dabei den Dyāvāpṛthivī-Vers? Weil die Götter dieses [Feuer], als es geboren wurde, zwischen Himmel und Erde in Empfang nahmen — von diesen beiden wird es auch heute noch umfangen; darum spricht man den Dyāvāpṛthivī-Vers. 'Du, Agni, vom Lotusteich her' — diesen dreiversigen, dem Agni geweihten Gāyatrī-Spruch rezitiert man, während das Feuer gequirlt wird; damit stärkt man es eben durch die ihm eigene Gottheit und das ihm eigene Versmaß. Atharvan quirlte es einst so heraus, dass es an Gestalt gedieh — das eben ist das Gedeihen des Opfers, wenn es an Gestalt gedeiht, wenn der Vers ausspricht, was gerade vollzogen wird. Würde es (das Feuer) spät geboren, so schlügen es die Unholde tötenden Gāyatrī-Verse, wenn sie der Reihe nach rezitiert werden, dennoch treffen die Unholde nicht das, was nicht spät geboren ist [Anm.: dieser Passus über die 'späte' bzw. rasche Geburt des Feuers ist im Sanskrit elliptisch formuliert und nur sinngemäß wiedergegeben; das Satzende ist im Scan nicht mehr sicher lesbar [?] und geht nahtlos in Khaṇḍa 5 über].
… dvayor jātayor jātavatīm abhirūpām anubrūyād; yad yajñe 'bhirūpaṃ tat samṛddham. 'ā yaṃ haste na khādinam' iti, hastābhyāṃ hy enaṃ manthanti. 'śiśur iva vā eṣa prathamajāto yad Agnir' iti tad āhuḥ. 'ā jātaṃ jātavedasi jāta itaraḥ, ā sve yonau ni ṣīdati' iti; sa ha vā asya svo yonir yaj Jātavedā itaraḥ. 'priyaṃ hi śiśitātithim' iti; eṣa ha vā asya priyo 'tithir yad Agniḥ, śāntyam evainaṃ tad dadhāti. 'agninā vipro vipreṇa san sateti; tvaṃ hy agne agninā vipro vipreṇa san sateti' [?]. 'vipra itaro vipra itaraḥ, san itaraḥ san itaraḥ, sakhā sakhyā samidhyase' iti; eṣa ha vā asya svaḥ sakhā yad Agniḥ, samidhyaiva tad enaṃ dadhāti.
… für den zweifach Geborenen (Agni, der zunächst durch Reiben und dann durch die Flamme 'geboren' wird) soll man den passenden Vers rezitieren; was im Opfer angemessen (abhirūpa) ist, das ist vollkommen. 'Der du in der Hand nicht nagst [nicht zerstörst]' — mit den beiden Händen quirlt man ihn ja. 'Wie ein neugeborenes Kind ist dieser Agni, wenn er zuerst geboren wird', so sagt man. 'Zum Geborenen im Jātavedas ist der andere geboren, in seinem eigenen Mutterschoß setzt er sich nieder' — sein eigener Mutterschoß ist eben dies: dass der eine Jātavedas [im Feuerholz] ist. 'Denn lieb ist der bereitete Gast' — dieser [Feuer-]Gott ist ja sein lieber Gast, der Agni; damit verschafft man ihm eben Beruhigung (śānti). 'Als Weiser mit dem Weisen, als Seiender mit dem Seienden bist du durch Agni, o Agni …' [Anm.: dieser Vers ist im Scan nur bruchstückhaft lesbar und mit [?] gekennzeichnet]. 'Weise ist der eine, weise der andere, seiend der eine, seiend der andere, als Freund wirst du mit dem Freund entzündet' — sein eigener Freund ist eben dieser Agni; eben durch das Entzünden verschafft man ihm diesen [Freund].
'Mit Brennholz ehret den Agni, mit Ghee weckt den Gast, bringt ihm hier eine Opfergabe dar' — dies sind Opferspruch und Anrufungsvers dieser Opfergabe. Beide sind der Gastesehrung (ātithya) gemäß und vollkommen an Gestalt, weil der Vers ausspricht, was gerade vollzogen wird. [Anm.: der mittlere Teil dieses Khaṇḍa, der von einer Reihe von dreizehn bzw. dreiunddreißig Anuṣṭubh-Versen handelt, ist im Scan stark verblasst und nur in Umrissen lesbar [?]; die Übersetzung folgt dem in Adhyāya 1 gleichlautend belegten Formelmuster.] Diese [Verse] ergeben zusammen siebzehn; denn siebzehnfach ist Prajāpati: zwölf Monate und fünf Jahreszeiten, soviel macht das Jahr, und das Jahr ist Prajāpati — eben durch die Grundlagen Prajāpatis gedeiht, wer dies so weiß. Damit bindet man das Opferstreu (barhis) fest, zur Festigkeit und damit die Kraft nicht entgleite.