Quellen der Menschheit

Aitareya-Brāhmaṇa · Dvitīyā Pañcikā

Adhyāya 9: Indravāyugrahaprakaraṇaṃ Tūṣṇīṃsaṃsaprakaraṇaṃ ca Der Indra-Vāyu-Trank und die still rezitierten Sprüche (tūṣṇīṃsaṃsa)

Der gemeinsame Trank von Indra und Vāyu; das tūṣṇīṃsaṃsa.

Devā vai somasya rājño 'grapāya na samapādayann: 'ahaṃ prathamaḥ pibeyam, ahaṃ prathamaḥ pibeyam' iti saṃpādayanto 'bruvan: hantājiṃ āyāma, yo na ujjeṣyati sa prathamaḥ somasya pāsyatīti; tatheti; tam ājim ayuḥ; teṣām ājiṃ yatāṃ, teṣāṃ ajīm ayatām, Vāyur ājim ajayat; sa yat teṣāṃ ajīm ayatāṃ, tad ājyam ājyasyājyatvam. teṣām ājim iyatām mukhaṃ prathamaḥ pratyapadyatāthendro Vāyur uda vai jayatīti; tam anuparāpatat, saha nāv aja jayatīti, saha nety abravīt; sa nety abravīd, aham iva jayatīti; tam anuparāpatat, saha na āva jayatīti, saha nāty evābravīt; tṛtīyaṃ me 'thau jayatīti haivābravīt; tṛtīyaṃ mehau jayatīty tathety abravīd; haivābravīt tathety abravīt; taṃ turīye 'nvārabhata; taṃ turīyabhāg Indro 'bhavat, tribhāg Vāyus, tau sahaivendravāyavāv udajayatām, saha Mitrāvaruṇau; ta eṣām eta indraturīyo graho grihyate ca indravāyavaś ca tat eṣām abhyanūvāce: niyutvān indrasārathir iti; tasmād dhāpy etarhi bharatāḥ vittiṃ prayanti; turye haiva saṃgrahītāro vadante mune vānūkāṣeṇa, yad Indraṃ sārathir iva bhūtvodayajayat.

Die Götter hatten einst König Soma keinen Ersttrunk (*agrapā*) zuerkannt; jeder sagte für sich: „Ich möchte zuerst trinken, ich möchte zuerst trinken.“ Da einigten sie sich: „Wohlan, lasst uns einen Wettlauf veranstalten; wer von uns siegt, der soll als erster vom Soma trinken.“ – „So sei es.“ Sie liefen den Wettlauf; während sie liefen, gewann Vāyu den Wettlauf. Dass sie den Wettlauf liefen (*ayata*), darin besteht das Wesen der Opferschmalzbutter (*ājya*, von √aj „treiben, laufen“ hergeleitet). Als sie liefen, erreichte er als erster das Ziel; da [rief] Indra: „Vāyu allein hat gesiegt!“ Ihm eilte er [Indra] nach: „Lass uns beide zusammen siegen!“ – „So sei es“, sprach [Vāyu]. Da sprach er: „Nein, ich siege allein“; wieder eilte [Indra] ihm nach: „Lass uns beide zusammen gewinnen“ – da sprach er endlich: „So sei es.“ Beim vierten [Lauf] sprach er: „Zu dritt haben wir gewonnen“; da sprach er: „So sei es.“ Beim vierten [Anteil] ergriff [Indra ihn] endgültig; so wurde Indra Teilhaber am vierten Anteil, Vāyu am dreifachen Anteil; gemeinsam gewannen Indra und Vāyu, gemeinsam auch Mitra und Varuṇa. Dies ist eben der Grund, warum ihr Trankgefäß (*graha*) sowohl „Indra-vierter-Anteil“ als auch „Indra-Vāyu“ genannt und ergriffen wird; deshalb spricht man bei ihnen den Zuruf: „Der von den Niyut-Rossen gezogene, Indras Wagenlenker“ – darum sind noch heute die Bharatas [Nachkommen dieser Erzählung] auf Beute aus; erst beim vierten [Ergreifen] äußern die Ergreifer im Stillen den Ruf, weil [Vāyu] gleichsam als Wagenlenker Indra zum Sieg führte.

Prāṇā vai devatyā, ekapātrā gṛhyante, tasmāt prāṇā ekanāmāno; dvipātrā hūyante tena hotā pratigṛhṇāti; eṣa vasuḥ purūvasur iha vasuḥ purūvasur mayi vasuḥ purūvasur vācaṃ me pāhīty aindravāyavaṃ bhakṣayati; upahūtā vāk saha prāṇenopa māṃ vāk saha prāṇena hvayatām; upahūtā ṛṣayo daivyās tanūpāvānas tanvas tapojāḥ, upa mām ṛṣayo daivyā hvayantāṃ tanūpāvānas tanvas tapojā iti, prāṇā vā ṛṣayo daivyāstanūpāvānas tanvas tapojās; tān eva tad upahvayata. tān eva tad upahūyaitāṃ vidad vasur iha vasur mayi vasur vidadvasuś cakṣuḥ pāhi maitrāvaruṇaṃ bhakṣayati.

Die [beiden] Atemhauche sind die eigentlichen Gottheiten [dieses Trankes]: In einem gemeinsamen Gefäß werden sie [an sich] gefasst, darum tragen sie einen [gemeinsamen] Namen; in zwei Gefäßen werden sie geopfert, deshalb empfängt sie der Hotṛ [im Trank] getrennt. „Dieser Vasu, der Vielbesitzende, hier ist Vasu, der Vielbesitzende, in mir ist Vasu, der Vielbesitzende – schütze meine Rede“ – so genießt er den Indra-Vāyu-Trank. „Herbeigerufen ist die Rede zusammen mit dem Atem – möge mich die Rede zusammen mit dem Atem rufen; herbeigerufen sind die göttlichen Ṛṣis, die den Leib schützenden, aus Askese geborenen – mögen mich die göttlichen Ṛṣis rufen, die den Leib schützenden, aus Askese geborenen“ – die Atemhauche sind ja die göttlichen, den Leib schützenden, aus Askese geborenen Ṛṣis; eben diese ruft er damit herbei. Nachdem er eben diese herbeigerufen hat: „Der Schätze findende Vasu, hier ist Vasu, in mir ist Vasu, der Schätze findende – schütze mein Auge“ – so genießt er den Maitrāvaruṇa-Trank.

Prāṇā vai dvidevatyā, anavānāṃ dvidevatyāṃ prāṇānām anvyavachedāya; prāṇā vai dvidevatyāḥ, na dvidevatyānām anuvaṣaṭkuryāt; yad asaṃsthitān prāṇān saṃsthāpayet, saṃsthā caiṣa evāhur: anuvaṣaṭkuryāt, sa kṛd āgūrya maitrāvaruṇo dvir vaṣaṭkaroti; kā hotur āgūr iti kā hotur āgur vajras; tad yad hotāntareṇāgureta āgur etāgureta prāṇan vīyāt; ya enaṃ tatra brūyād: āgūrya vajreṇa yajamānasya prāṇaṃ vyagāṭ, tvāntareṇa nāgūretaṃ mano vai yajñasya maitrāvaruṇo hotā; manasā vā iṣitā vāg vadati.

Die Atemhauche sind die zwei-göttige [Opfergabe]; für die noch nicht getrennte Zweiheit der Atemhauche, zur Vollendung ihrer Trennung [dienen die beiden Trankgefäße]. Die Atemhauche sind zwei-göttig; man soll nicht [wörtlich] „für die Zweigöttigen“ das Vaṣaṭ-Wort nachsprechen – wenn man die noch nicht vollendeten Atemhauche vollendet, so heißt das eben ihre Vollendung. Man soll [vielmehr] das Vaṣaṭ-Wort nachsprechen; einmal antreibend spricht der Maitrāvaruṇa-Priester das Vaṣaṭ-Wort zweimal. „Was ist der Antrieb (*āgūr*) des Hotṛ?“ – der Antrieb des Hotṛ ist die Vajra; wenn man mit einem [anderen] Hotṛ dazwischen anhebt, zerschneidet man damit den Atem des Opferherrn. Wer dort behauptete: „Durch den Antrieb hat er mit der Vajra dem Opferherrn den Atem zerschnitten, weil er nicht durch ihn selbst angetrieben wurde“ – [er hätte unrecht, denn] der Geist ist [Grund] des Opfers, der Maitrāvaruṇa ist der Hotṛ der Rede; vom Geist angetrieben, redet die Rede.

Prāṇā vai ṛtuyājāḥ; tad yad ṛtuyājaiḥ caranti, prāṇānāṃ eva saṃtatyai prāṇā vā ṛtuyājāḥ; naṛtuyājānām anuvaṣaṭkuryād, apānam eva tad yajamāne dadhāti; dvir ṛtu nety upariṣṭāt, vyānam eva tad yajamāne dadhāti; sa vā ayaṃ prāṇas tredhā vihitaḥ: prāṇo 'pāno vyāna iti; tad yad ṛtuyājaiḥ caranti, prāṇānāṃ eva saṃtatyai avyavacchedāya yajanti.

Die Atemhauche sind die Jahreszeiten-Opfer (*ṛtuyāja*); dass man mit den Jahreszeiten-Opfern verfährt, geschieht eben zur ununterbrochenen Fortsetzung der Atemhauche – die Atemhauche sind ja die Jahreszeiten-Opfer. Man soll nicht [wörtlich] „für die Jahreszeiten-Opfer“ das Vaṣaṭ-Wort nachsprechen; damit legt man dem Opferherrn eben den Ausatem (*apāna*) bei. „Zweimal die Jahreszeit, nicht [aber ein drittes Mal]“ – so [heißt es] weiter oben; damit legt man dem Opferherrn eben den Zwischenatem (*vyāna*) bei. Dieser [eine] Atem ist ja dreifach gegliedert: Einatem, Ausatem, Zwischenatem. Dass man also mit den Jahreszeiten-Opfern verfährt, opfert man eben zur ununterbrochenen Fortsetzung, ohne Unterbrechung, der Atemhauche.

Prāṇā vai dvidevatyāḥ paśava iḷā; dvidevatyānām avāntarelāṃ prāśnīyāt: 'avāntarelaṃ pūrvāṃ prāśnīyāt' iti | hotricamase 'vāntarelam, atha hotricamasam adhā vāva devayatvyādyad avasomapīthaḥ pūrvo bhakṣito bhavati; tasmād avāntarelaṃ prāśnīyāt, atha hotricamaśam; ubhayato 'nnādyaṃ parigṛhītvā prāṇān samavanayate; sarvāyur eti ya evaṃ veda.

Die Atemhauche sind die zwei-göttige [Opfergabe], die Opfertiere sind Iḷā. Vom Zwischenanteil der Iḷā, der den zwei Gottheiten [gemeinsam] gehört, soll man zuerst kosten – „vom Zwischenanteil zuerst kosten“, so heißt es – dann vom Hotṛ-Becher, denn sonst wäre gleichsam schon vorher der Soma-Trunk genossen. Darum soll man zuerst vom Zwischenanteil kosten, dann vom Hotṛ-Becher; so ergreift man von beiden Seiten die Speisekraft und führt die Atemhauche zusammen. Volles Lebensalter erlangt, wer solches weiß.

Devā vai yad yajñe 'kurvata, tad asurā akurvata; te devā etāṃ tūṣṇīṃsaṃsāṃ apaśyaṃs; tāṃ tūṣṇīṃ eva samairayanta; tato vai devā asurebhya udayajanta, tāṃ-tāṃ eva vajram asurebhya udayachan; tato vai devā asurān parāsuvann, parāsyā dviṣan bhrātṛvyo bhavati ya evaṃ veda; catuṣpādaḥ paśavaḥ, ātmānam eva tac chatuṣpādaṃ śalāṅgaṃ vikaroti; ātmanā eva tac chatuṣpāṃ śalāṅgaṃ savana sarvāṃ savanā purorucaṃ saṃsati, vikṛtaṃ prajanayati.

Was auch immer die Götter beim Opfer taten, das taten auch die Asuras; da erblickten die Götter diesen still [zu rezitierenden] Spruch (*tūṣṇīṃsaṃsa*) und erhoben ihn nur in Stille; dadurch besiegten die Götter die Asuras beim Opfer – jeden dieser [Sprüche] hielten sie den Asuras gleichsam als Vajra entgegen; dadurch schlugen die Götter die Asuras endgültig nieder. Endgültig niedergeschlagen wird sein hassender Rivale, wer solches weiß. [Anm.: Der weitere Anschluss dieses Khaṇḍa über die vierfüßige Gliederung ist im Scan nur bruchstückhaft und unsicher lesbar; hier stark gekürzt wiedergegeben.]

Ahūya tūṣṇīṃsaṃsaṃ saṃsati: retas tat siktaṃ vikriyate; śatpado vai puruṣaḥ śalāṅgo, ātmanaiva tac chadvidhaṃ śalāṅgaṃ vikaroti; retas tad vikṛtaṃ prajanayati. vikṛtir vā agre 'thā jātir uccaiḥ śansati, prajanayati taj jātaṃ prajanayati. dvādaśapadaṃ purorucaṃ śansati; dvādaśa vai māsāḥ saṃvatsaraḥ, saṃvatsaraḥ Prajāpatiḥ; so 'sya sarvasya prajanayitā, sa yo 'sya sarvasya prajanayitā, sa evainaṃ tad prajayā paśubhir ya evaṃ veda jātavedasyāṃ purorucaṃ saṃsati; jātavedasa āyatanaṃ tad suviditam.

Ungenannt (leise) wird der still rezitierte Spruch (*tūṣṇīṃsaṃsa*) rezitiert: [Wie] der ausgegossene Same wird er verwandelt; sechsfüßig ist gleichsam der Mensch [nach seiner Gliederung], mit sechserlei Gliedern; mit seinem eigenen Wesen gliedert man ihn so sechsfach; als verwandelter [Same] erzeugt er [Nachkommenschaft]. Zunächst ist es Verwandlung, dann Geburt; laut rezitiert man [danach], man erzeugt, was geboren werden soll, [zur wirklichen] Erzeugung. Man rezitiert die zwölfgliedrige Vor-Leuchte (*puroruc*): Zwölf sind die Monate des Jahres, das Jahr ist Prajāpati; er ist der Erzeuger von diesem Allem; wer der Erzeuger von diesem Allem ist, der lässt eben ihn [den Opferherrn] mit Nachkommenschaft und Vieh gedeihen, wer solches weiß. Man rezitiert die Vor-Leuchte für Jātavedas (Agni): Der Sitz des Jātavedas, das ist wohlbekannt.

Atha kasmāt prātaḥsavane jātavedasyāṃ purorucaṃ saṃsati, sa hi jātānāṃ vedā vidvāṃs; tenaivāsya prathamaṃ pratyakṣaṃ bhavati; āvatām savanaṃ dvinārāśaṃsaṃ mādhyaṃdinaṃ; saṃvatsaraṃ tṛtīyasavanaṃ narāśaṃsapaṅktinā yajñena rādhnoti; paśur upavasathe trīṇi savanāni; paśur anūbandhya iti eṣa vai yajño havispaṅktinā yajñena rādhnoti, savanapaṅktinā yajñena rādhnoti; pañca harīvān attu, pūṣaṇvān karambham, sarasvatīvān bhāratīvān, pāripa, indrāsyāpupaṃ, aṇṇam eva parivāpaḥ, indriyam apūpaḥ; etāsām eva devatānāṃ sāyujyaṃ sālokatām gacchati sreṣṭhataṃ ca evaṃ veda.

Warum wird nun beim Morgen-Preßgang die Vor-Leuchte für Jātavedas rezitiert? Weil er (Agni) der Kenner (*vedā*) alles Gewordenen ist; ihm eben wird dadurch zuerst gegenwärtig [dargebracht]. [Es folgt die Zuordnung der Preßgänge:] Der mittägliche Preßgang [gehört] der Narāśaṃsa-Doppelformel; das ganze Jahr hindurch bringt der dritte Preßgang durch das Reihen-Opfer des Narāśaṃsa den Erfolg. Das Opfertier gehört zur Vorbereitungsnacht (*upavasatha*), die drei Preßgänge dem darangebundenen Opfertier; dieses Opfer erlangt durch die Reihe der Opferkuchen (*havispaṅkti*), durch die Reihe der Preßgänge, seinen Erfolg. [Es folgen fünf Opferkuchen-Paarungen mit ihren Gottheiten:] Der Kuchen mit Gold [gehört] dem, der ihn genießen möge; der Grützbrei dem Pūṣan; der [Kuchen] der Sarasvatī und der Bhāratī; der Brei; der Backwerk-Kuchen (*apūpa*) Indra – die Speise ist eben der Streu-Anteil (*parivāpa*), das Vermögen (*indriya*) der Backwerk-Kuchen. Zur Gemeinschaft (*sāyujya*), zur gleichen Welt mit eben diesen Gottheiten gelangt und zum Vorrang, wer solches weiß.

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