Adhyāya 14: Agniṣṭoma-saṃvatsara-sāmya-nirūpaṇam
Der Aufbau des Agniṣṭoma im Gleichnis von Sonne und Jahr, und wie Agni durch die Preisungen der Götter zum Herrn der Himmelswelt wurde
Aufbau des Agniṣṭoma im Bild von Sonne und Jahreslauf.
[Anm.: Der Anfang dieses Khaṇḍa ist im vorliegenden Scan stark verblaßt und nur in Bruchstücken lesbar, [?]. Erkennbar ist folgender Gedankengang:] na ha vai gāyatrī kṣamā ramata, ūrdhvā ha vai gāyatrī kṣamā ramate [?]. na ha vai agniṣṭomaḥ kṣamā ramate, ūrdhvo ha vā eṣa ādāya svar eti. sā evaṃ saṃvatsara eva agniṣṭomaḥ, catur-viṃśatyardhamāso vai saṃvatsaraḥ, caturviṃśatir agniṣṭomasya stutaśastrāṇi. tathā yathā samudraṃ srotyā evaṃ sarve yajñakratavo 'py enti.
[Anm.: Der Wortlaut des Beginns dieses Khaṇḍa ist im benutzten Scan stellenweise unleserlich; der erkennbare Gedankengang lautet:] Die Gāyatrī ruht nicht auf der Erde — aufwärts strebend ruht die Gāyatrī [erst im Himmel]. Ebenso ruht der Agniṣṭoma nicht auf der Erde — aufwärts strebend geht er, [den Opferherrn] mit sich nehmend, zum Himmel. So ist der Agniṣṭoma gleichsam das Jahr: vierundzwanzig Halbmonate sind ja das Jahr, vierundzwanzig sind die Preis- und Rezitationslieder (stutaśastra) des Agniṣṭoma. So wie [die Flüsse] durch ihren Lauf in das Meer münden, so münden alle Opferhandlungen [in diesen Agniṣṭoma].
Dīkṣaṇīyeṣṭis tāyate; tām evānu yāḥ kāścid iṣṭayas, tāḥ sarvā agniṣṭomam apiyanti. iḍāvidhā vai pākayajñāḥ; iḍām evānu ke ca pākayajñās, te sarve 'gniṣṭomam apiyanti. sāyaṃprātar agnihotraṃ juhvati, svāhākāreṇāgnihotraṃ juhvati, svāhākāreṇa vrataṃ prayacchanti; svāhākāram evānv agnihotram agniṣṭomam apitam. pañcadaśa prāyaṇīye sāmidhenīr anvāha, pañcadaśa darśapūrṇamāsayoḥ; prāyaṇīyam apitaṃ, darśapūrṇamāsāv agniṣṭomam apitau. somaṃ rājānaṃ krīṇanty, auṣadho vai somo rājā, auṣadhībhis tam bhiṣajyanti, somam eva rājānaṃ bhiṣajyanti; somakrayaṇam agniṣṭomam apitam.
Das Weihopfer (dīkṣaṇīyeṣṭi) wird vollzogen; ihm folgen alle sonstigen Opferhandlungen (iṣṭi) nach — sie alle münden in den Agniṣṭoma. Auf der Iḍā [dem Opferspeise-Ritus] beruhen die einfachen Kochopfer (pākayajña); die Kochopfer, welche der Iḍā folgen, sie alle münden in den Agniṣṭoma. Man opfert morgens und abends das Agnihotra, opfert es mit dem Svāhā-Ruf, gewährt mit dem Svāhā-Ruf das [rituelle] Gelübde; eben mit dem Svāhā-Ruf mündet das Agnihotra in den Agniṣṭoma. Fünfzehn Anzündungsverse (sāmidhenī) spricht man beim Einleitungsopfer (prāyaṇīya), fünfzehn bei Neumonds- und Vollmondsopfer — das Einleitungsopfer mündet damit [in den Agniṣṭoma], Neumonds- und Vollmondsopfer münden in den Agniṣṭoma. Man kauft den König Soma; ein Heilkraut ist ja König Soma, mit Heilkräutern kuriert man ihn — [eben] den König Soma kuriert man damit; der Somakauf mündet [so] in den Agniṣṭoma.
[Vom Weihopfer] geht [der Opferherr] zum Agniṣṭoma [im engeren Sinn]; zum Ukthya[-Opfer] geht er, zum Atirātra und zum Aptoryāma geht er, denn dies ist ja [dann] eine [Opfer]nacht mit Rezitationslied (ukthya). Zwölf sind die Umläufe der Nacht [beim Zwölfnächte-Opfer], alle je fünfzehn[gliedrig] — das macht neunzig. Von dieser Neunzahl mal Zehn (Neunzig) [aber] leuchtet ein einziger [Zusatztag], obenauf gesetzt. Der Viṣuvant-[Mitteltag] nun ist unter den Preisliedern (stoma) [derjenige, wo] die vorwärts gerichteten [Tage] mit dem Trivṛt beginnen, in der Mitte der einundzwanzigfache [Stoma], obenauf gesetzt, leuchtet. Zehn sind es von diesem [Mitteltag] an, obenauf gesetzt, mit dem Trivṛt rückwärts gerichtet, in der Mitte der einundzwanzigfache — auf beiden Seiten umläuft [der Opferherr] so eben das Jahr, [er,] der Opfernde; damit erlangt er die göttliche Kṣatra-Macht, Kraft und Stärke — ja eben die göttliche Kṣatra-Macht, Kraft und Stärke. Verbindung mit ihr, Wesensgleichheit und gemeinsame Welt mit ihr erlangt, wer dies weiß.
Devā asurair vijigyānā ūrdhvāḥ svargaṃ lokam āyan; so 'gnir divispṛg ūrdhva udaśrayata, sa svargasya lokasyādhipatiḥ. Agnir vai svargasya lokasyādhipatis, taṃ Vasavaḥ prathamā āgacchaṃs, ta enam abruvann: ati no 'rjasy, ākāśaṃ naḥ kurv iti; sa nāstuto 'tirakṣya ity abravīt, stuta nu me iti; tatheti. taṃ te trivṛtā stomenāstuvaṃs, tān stuto 'tyārjata, te yathālokam agacchan. tam Rudrā āgacchaṃs, ta enam abruvann: ati no 'rjasy, ākāśaṃ naḥ kurv iti; sa nāstuto 'tirakṣya ity abravīt, stuta nu me iti; tatheti. taṃ te pañcadaśena stomenāstuvaṃs, tān stuto 'tyārjata, te yathālokam agacchan. tam Ādityā āgacchaṃs, ta enam abruvann: ati no 'rjasy, ākāśaṃ naḥ kurv iti; sa nāstuto 'tirakṣya ity abravīt, stuta nu me iti; tatheti. taṃ te saptadaśena stomenāstuvaṃs, tān stuto 'tyārjata, te yathālokam agacchan. taṃ Viśve devā āgacchaṃs, ta enam abruvann: ati no 'rjasy, ākāśaṃ naḥ kurv iti; sa nāstuto 'tirakṣya ity abravīt, stuta nu me iti; tatheti. taṃ te ekaviṃśena stomenāstuvaṃs, te yathālokam agacchan. atha hainam eṣa eva sarvaiḥ stomair astaut, yo yajate 'yaṃ caivam evaṃ vedeti; tam ārjayate svargaṃ lokam abhi ya evaṃ veda.
Die Götter, nachdem sie über die Asuras gesiegt hatten, stiegen aufwärts zur Himmelswelt empor; da erhob sich Agni, den Himmel berührend, aufwärts — er wurde der Herr der Himmelswelt. Agni ist ja der Herr der Himmelswelt: zu ihm kamen zuerst die Vasu; sie sprachen zu ihm: 'Übertriff [dies für] uns, schaffe uns Raum.' Er sprach: 'Ungepriesen werde ich [euch] nicht übertreffen — preist mich erst.' 'So sei es.' Da priesen sie ihn mit dem dreifachen Preislied (trivṛt stoma); als er gepriesen war, übertraf er [den vorigen Zustand für sie]; sie gelangten [je] zu ihrer Welt. Da kamen die Rudra zu ihm; sie sprachen zu ihm: 'Übertriff [dies] für uns, schaffe uns Raum.' Er sprach: 'Ungepriesen werde ich nicht übertreffen — preist mich erst.' 'So sei es.' Da priesen sie ihn mit dem fünfzehnfachen Preislied; als er gepriesen war, übertraf er [den vorigen Zustand]; sie gelangten [je] zu ihrer Welt. Da kamen die Āditya zu ihm; sie sprachen zu ihm: 'Übertriff [dies] für uns, schaffe uns Raum.' Er sprach: 'Ungepriesen werde ich nicht übertreffen — preist mich erst.' 'So sei es.' Da priesen sie ihn mit dem siebzehnfachen Preislied; als er gepriesen war, übertraf er [den vorigen Zustand]; sie gelangten [je] zu ihrer Welt. Da kamen die Viśvedevas zu ihm; sie sprachen zu ihm: 'Übertriff [dies] für uns, schaffe uns Raum.' Er sprach: 'Ungepriesen werde ich nicht übertreffen — preist mich erst.' 'So sei es.' Da priesen sie ihn mit dem einundzwanzigfachen Preislied; sie gelangten [je] zu ihrer Welt. Da nun pries ihn [jedes Mal] eben derjenige mit allen [diesen] Preisliedern, der, [dies] wissend, so opfert; ihn läßt [Agni] über die Himmelswelt hinausragen (übertreffen), wer dies weiß.
Sa vā eṣo 'gnir eva yad agniṣṭomas; tam yad agniṣṭhā astuvaṃs, tasmād agniṣṭomas. tam agniṣṭomam santam agniṣṭoma ity ācakṣate parokṣeṇa, parokṣapriyā hi devāḥ. taṃ yac caturthyā devāś caturbhiḥ stomair astuvaṃs, tasmāc catuṣṭomaḥ; taṃ catuṣṭomaṃ santaṃ catuṣṭoma ity ācakṣate parokṣeṇa, parokṣapriyā hi devāḥ. atha yad enam ūrdhvaṃ santaṃ jyotirbhūtam astuvaṃs, tasmāj jyotiṣṭomas; taṃ jyotiṣṭomaṃ santaṃ jyotiṣṭoma ity ācakṣate parokṣeṇa, parokṣapriyā hi devāḥ. sa eṣo 'gnir eva yaḥ pūrvo 'paro yajñakratur; yathā racakraṃ ānantaṃ evaṃ yad agniṣṭomas, tasya yathaiva prāyaṇaṃ tathodayanam. tad eṣābhi yajñagāthā gīyate: 'yad asya pūrvam aparaṃ tad asya, yad v asyāparaṃ tad v asya pūrvam, aher iva sarpaṇaṃ sākalasya, na vijānanti yatarat parastād' iti; yathā hy evāsya prāyaṇam evam udayanam. tad āhuḥ: yat trivṛt prāyaṇam evam udayanaṃ, kena samety, atho yad ubhau tricau tricinau, teneti.
Dieser [Aufstieg] ist ja eben Agni, das ist der Agniṣṭoma; weil sie ihn, im Feuer stehend (agniṣṭhā), priesen, [heißt es] darum Agniṣṭoma. Diesen, obwohl er 'Agniṣṭoma' ist, nennt man verhüllend (parokṣeṇa) 'Agniṣṭoma' [im Sinn von 'Agni-Lobpreis'] — denn die Götter lieben das Verhüllte. Weil ihn die Götter beim vierten Mal mit vier Preisliedern priesen, [heißt er] darum Catuṣṭoma ('Vierpreis'); diesen, obwohl 'Catuṣṭoma', nennt man verhüllend 'Catuṣṭoma' — denn die Götter lieben das Verhüllte. Und weil sie ihn, als er, emporgestiegen, zum Licht (jyotis) geworden war, priesen, [heißt er] darum Jyotiṣṭoma ('Licht-Lobpreis'); diesen, obwohl 'Jyotiṣṭoma', nennt man verhüllend 'Jyotiṣṭoma' — denn die Götter lieben das Verhüllte. Dieser [Agniṣṭoma] ist ja eben Agni selbst, welcher der erste und der letzte Opferritus ist; wie ein Rad ohne Ende, so ist der Agniṣṭoma — wie sein Anfang (prāyaṇa), so auch sein Ende (udayana). Dazu wird jenes Opferlied gesungen: 'Was von ihm das Erste, das ist auch sein Letztes, und was sein Letztes, das ist auch sein Erstes — wie das Kriechen der Schlange in Ringen, so erkennt man nicht, welches [Ende] vorn [und welches hinten] ist.' Denn so wie sein Anfang, so ist auch sein Ende. Dazu sagt man: womit stimmt der dreifache (trivṛt) Anfang und ebenso das Ende überein? Und [die Antwort]: mit den beiden je dreifachen [Enden, den] Tricas, die zueinander gehören — damit.
Yo vā eṣa tapaty eṣo 'gniṣṭomaḥ, eṣa sāhnā. taṃ sahaivāhnā saṃsthāpayeyuḥ, sāhno vai nāma; tenāhnaivā careyur, yathaiva prātaḥsavane evaṃ mādhyaṃdine ca tṛtīyasavane; evam u ha yajamāno 'pramāyuko bhavati; ye hy evaṃvidaḥ pūrvayoḥ savanayor asaṃvaramāṇāś careyus, tasmād dhedaṃ prācyo grāmatā bahulāviṣṭhā; atha yad dhedaṃ pratyañci dīrghāraṇyāni bhavanti, tathā ha yajamānaḥ pramāyuko bhavati. tenāsaṃvaramāṇāḥ careyur, yathaiva prātaḥsavane evaṃ mādhyaṃdine ca tṛtīyasavane; evam u ha yajamāno 'pramāyuko bhavati. sa etam eva śastreṇānuparyāvarteta. yadā vā eṣa prātar udety, tasmān mandrayā vācā tapati; tasmān mandrayā vācā prātaḥsavane śaṃset. atha yad abhy ety, atha balīyasyā vācā tapati; tasmād balīyasyā vācā mādhyaṃdine śaṃset. atha yad abhitaraṃ ety, atha baliṣṭhatamayā tapati; tasmād baliṣṭhatamayā vācā tṛtīyasavane śaṃset. evaṃ śaṃset, yadi vāg dhi śastraṃ, yayā tu vācottararocanotsavaṃ saṃdhāya tayā pratipadyeta, etat suśastatamam iva bhavati. sa yad eṣa kadā canāstam eti nodetīti manyante, 'hnā tv antam ivāstāt kurute, 'hnaḥ parastād viparyāsyate, rātrim evāvastāt kurute, 'har eva antam ivāstāt kurute, rātreḥ parastād viparyāsyate. sa yathā kadā cana nimrocati, etasya ha sāyujyaṃ sarūpatāṃ salokatām aśnute ya evaṃ veda ya evaṃ veda.
Diese [Sonne], die dort glüht, ist eben der Agniṣṭoma, ein 'ein-Tag'-[Opfer]. Man solle es an einem einzigen Tag vollenden — 'ein-Tag' (sāhna) ist ja sein Name; man solle mit dem [Lauf des] Tages [selbst] verfahren, ebenso beim Morgentrank wie beim Mittagstrank und beim dritten Trank; so wird der Opferherr nicht vorzeitig sterben. Denn diejenigen Wissenden, die bei den beiden ersten Trankopfern nicht die [rechte] Beschränkung einhielten [d.h. den zeitlichen Ablauf nicht einhielten], [deren Nachkommen] verfahren [seither so, daß] hier im Osten [die Bevölkerung] dörflich [dicht besiedelt und] überreich ist; daß es aber hier im Westen weite, dünn besiedelte Wildnisse gibt, [das rührt daher, daß] der Opferherr sonst vorzeitig stirbt. Darum solle man ohne [solche] Beschränkung verfahren, ebenso beim Morgentrank wie beim Mittagstrank und beim dritten Trank; so stirbt der Opferherr nicht vorzeitig. Er soll eben diesem [Lauf der Sonne] mit dem Rezitationslied folgen. Wenn diese [Sonne] morgens aufgeht, glüht sie mit sanfter (mandra) Stimme — darum solle man beim Morgentrank mit sanfter Stimme rezitieren. Wenn sie [höher] hinaufsteigt, glüht sie mit kräftigerer Stimme — darum solle man beim Mittagstrank mit kräftigerer Stimme rezitieren. Wenn sie noch weiter hinaufsteigt, glüht sie mit der allerkräftigsten [Stimme] — darum solle man beim dritten Trank mit der allerkräftigsten Stimme rezitieren. So solle man rezitieren, denn die Rede (vāc) ist ja das Rezitationslied (śastra); wer aber mit einer Stimme antritt, die den höheren Glanz und die Festfreude [zugleich] mit einbezieht, dessen [Rezitation] wird gleichsam die bestgesprochene. Man meint, diese [Sonne] gehe niemals unter, gehe niemals auf; [in Wahrheit] macht sie am Tag gleichsam ein Ende im Westen, [und] jenseits des Tages wird sie umgewendet; sie macht die Nacht gleichsam zu ihrem Westen, den Tag gleichsam zu ihrem Ende im Westen, [und] jenseits der Nacht wird sie umgewendet. So wie diese [Sonne] niemals untergeht, so erlangt Verbindung, Wesensgleichheit und gemeinsame Welt mit ihr, wer dies weiß, wer dies weiß.