1 Ā tvā vahantu haraya iti prātaḥsavana unnīyamānebhyo 'nvāha vṛṣhaṇvatīḥ pītavatīḥ sutavatīr madvatī rūpasamṛddhā 2 aindrīr anvāhaindro vai yajño 3 gāyatrīr anvāha, gāyatraṃ prātaḥsavanaṃ 4 nava nūnāḥ prātaḥsavane 'nvāha, nyūne vai retaḥ sicyate 5 daśa madhyaṃdine 'nvāha, nyūne vai retaḥ siktaṃ madhyaṃ striyai prāpya sthaviṣhṭhaṃ bhavati 6 nava nūnās tṛtīyasavane 'nvāha, nyūnād vai prajāḥ prajāyante 7 tad yad etāni kevalasūktāny anvāha, yajamānam eva tad garbhaṃ bhūtaṃ prajanayati jñād devayonyaḥ 8 te haike sapta-saptānūhuḥ: sapta prātaḥsavane, sapta mādhyaṃdine, sapta tṛtīyasavane; yāvatyo vai puronuvākyās tāvatyo yājyāḥ, sapta vai prāñco yanti sapta vaṣhaṭkurvanti, tāsām etāḥ puronuvākyā vadantīti. tathā na kuryād, yajamānasya hi tā reto vilumpanty. atho yajamāno hi sūktam 10 navabhir vā etaṃ maitrāvaruṇo 'smāl lokād antarikṣhalokam abhi pravahati, daśabhir antarikṣhalokād amuṃ lokam abhi — antarikṣhaloko hi jyeṣhṭho — navabhir amuṣhmāl lokāt svargaṃ lokam abhi. na ha vai te yajamānaṃ svargaṃ lokam abhi voḍhum arhanti ye sapta-saptānūvahuḥ 12 tasmāt kevalasa eva sūktāny anubrūyāt || 9 || 1 ||
"Es mögen dich die Falben herbeitragen" – dies rezitiert der [Hotṛ bzw. Maitrāvaruṇa] als Puronuvākyā-Vers für die bei der Morgenpressung emporgeführten [Trankgefäße]: an Bullen reich, an Trank reich, an Preßsaft reich, an Rauschtrank reich, an Gestalt vollkommen. Aindra-Verse rezitiert er – denn das Opfer gehört Indra. Gāyatrī-Verse rezitiert er – denn die Gāyatrī ist [das Versmaß] der Morgenpressung. Neun ungerade [Verse] rezitiert er bei der Morgenpressung – denn in ungerader (nyūna, "unvollständiger") [Zahl] wird der Same ausgegossen. Zehn rezitiert er bei der Mittagspressung – denn in gerader Zahl ausgegossener Same wird, nachdem er die Mitte der Frau erreicht hat, am festesten. Neun ungerade rezitiert er bei der dritten Pressung – denn aus ungerader [Zahl] werden Nachkommen geboren. Indem er also diese Lieder rein für sich (kevala) rezitiert, erzeugt er den Opferherrn, der zum Keim geworden ist, aus göttlichem Ursprung. Manche rezitierten sieben-und-sieben-weise: sieben bei der Morgen-, sieben bei der Mittags-, sieben bei der dritten Pressung, mit dem Gedanken: "So viele Puronuvākyā-Verse es gibt, so viele Yājyā-Verse [sollen es auch sein]; sieben schreiten ja vor, sieben rufen den Vaṣhaṭ-Ruf, für sie sollen diese Puronuvākyā-Verse gelten." So soll man es nicht machen, denn dadurch beraubt man den Opferherrn seines Samens. Vielmehr ist der Opferherr ja das Lied [selbst]. Mit neun trägt der Maitrāvaruṇa ihn von dieser Welt zur Luftraum-Welt hinüber, mit zehn von der Luftraum-Welt zu jener [Himmels-]Welt – denn die Luftraum-Welt ist die größte (mittlere) –, mit neun von jener Welt zur Himmelswelt hinüber. Diejenigen aber, die sieben-und-sieben-weise rezitierten, vermögen den Opferherrn nicht zur Himmelswelt hinüberzutragen. Deshalb rezitiere man die Lieder rein für sich [ohne solche Siebenerzählung]. [Anm.: Zahlensymbolik von 9-10-9 Versen für die drei Pressungen, gedeutet als Same-Empfängnis-Geburt-Analogie.]
1 Athāha: yad indro vai yajño, 'tha kasmād dvāv eva prātaḥsavane prasthitānāṃ pratyakṣhād aindribhyo yajato hotā yajati caiva brāhmaṇācchaṃsi, cad ete somyaṃ madhv iti hotā yajati, indra tvā vṛṣhabhaṃ vayam iti brāhmaṇācchaṃsi, nānādevatābhir itare: kathaṃ teṣhām aindriyo bhavantīti 2 mitraṃ vayaṃ havāmaha iti maitrāvaruṇo yajati, varuṇaṃ somapītaya iti. yad vai kiṃca pītavat padaṃ tad aindraṃ rūpaṃ, tenendraṃ prīṇāti 3 māruto yasya hi kṣhaya iti potā yajati, sa gopātamo janā itīndro vai gopāḥ, tad aindraṃ rūpaṃ, tenendraṃ prīṇāti 4 agne patnīr ihā vaheti neṣhṭā yajati, tvaṣhṭāraṃ somapītaya itīndro vai Tvaṣhṭā, tad aindraṃ rūpaṃ, tenendraṃ prīṇāti 5 ukṣhaṇṇāyeti agnīdhro yajati, somapṛiṣhṭhāya vedhasā itīndro vai vedhāḥ, tad aindraṃ rūpaṃ, tenendraṃ prīṇāti 6 prātaryāvabhir ā gataṃ devebhir jenyāvasū | indrāgnī somapītaya iti svayaṃ samṛddhācāvākasyai 7 vam u haitā aindryo bhavanti 8 yan nānādevatyās, tenāyā devatāḥ prīṇāti 9 yad u gā haitābhis trayam upāpnoti || 10 || 2 ||
Man fragt weiter: Das Opfer gehört Indra – warum aber opfern beim Beginn der Morgenpressung offensichtlich nur zwei [Priester] dem Indra unmittelbar zugewandt (der Hotṛ und der Brāhmaṇācchaṃsin: "diesen somischen Süßtrank" opfert der Hotṛ, "dich, Indra, den Bullen, wir" der Brāhmaṇācchaṃsin), während die übrigen [Priester] an verschiedene Gottheiten [gerichtete Verse] opfern – wieso gehören auch diese zu Indra? [Antwort:] "Mitra rufen wir" opfert der Maitrāvaruṇa, "Varuṇa zum Somatrunk" – denn jedes Wort, das "Trinken" bedeutet, ist eine Indra-Gestalt (aindra rūpa), damit erfreut er Indra. "Die Marut, in dessen Wohnsitz" opfert der Potṛ, "er, der beste Kuhhirte der Völker" – Indra ist ja der Kuhhirte, das ist eine Indra-Gestalt, damit erfreut er Indra. "Agni, führe die Gattinnen herbei" opfert der Neṣhṭṛ, "Tvaṣhṭṛ zum Somatrunk" – Indra ist ja Tvaṣhṭṛ, das ist eine Indra-Gestalt, damit erfreut er Indra. "Dem Stier" opfert der Āgnīdhra, "dem somabesprengten Ordner (vedhas)" – Indra ist ja der Ordner, das ist eine Indra-Gestalt, damit erfreut er Indra. "Kommt herbei mit den frühkommenden, edlen, reichen Göttern, Indra-Agni, zum Somatrunk" [rezitiert] von selbst gedeihend der Ācāvāka. So sind auch diese [Verse] Indra-Verse. Obwohl sie [scheinbar] verschiedenen Gottheiten [gelten], erfreut man dadurch jene [anderen] Gottheiten [zugleich mit Indra]. Und durch diese [Verse] erlangt er zugleich die drei [Welten].
1 Asāv indra devam gaur ijyāṃ dadha iti mādhyaṃdina unnīyamānebhyo 'nvāha vṛṣhaṇvatīḥ pītavatīḥ sutavatīr madvatī rūpasamṛddhā 2 aindrīr anvāhaindro vai yajñas, triṣhṭubho 'nvāha, traiṣhṭubhaṃ vai mādhyaṃdinaṃ savanaṃ 3 tad yat tṛtīyasavanasyaiva rūpaṃ madvad, atha kasmān madhyaṃdine madvatīr anucā yanti cābhir iti 4 madyantī vai madhyaṃdine devatāḥ, tena madhyaṃdine madvatīr anucā yanti cābhis 5 te vai khalu sarva eva madhyaṃdine prasthitānāṃ pratyakṣhād aindribhīr yajanty 6 abhitrinnavatibhir eke 7 pibā somam abhi yam ugra tarda iti hotā yajati 8 sa im pāhi ya ṛjīśhī tarutā iti maitrāvaruṇo yajaty 9 evā pāhi pratnathā manditveti brāhmaṇāchaṃsī 10 arvāṇ ehi somakāmaṃ tvāhur iti potā yajaty 12 indrāya somāḥ pradivo vidānety ācāvāko yajaty 13 āpūrṇo asya kalaśaḥ svāhety agnīdhro yajaty 14 tāsām etā abhitrinnavatyo bhavanty, Indro vai prātaḥsavane na vyajayata, sa etābhir eva mādhyaṃdinaṃ savanam abhyatrinat. yad abhyatrinat, tasmād etā abhitrinnavatyo bhavanti || 11 || 3 ||
"Er, o Indra, hat wie eine Kuh die Opfergabe [aufgesucht]" – dies rezitiert er als Puronuvākyā für die bei der Mittagspressung emporgeführten [Gefäße]: an Bullen reich, an Trank reich, an Preßsaft reich, an Rauschtrank reich, an Gestalt vollkommen. Aindra-Verse rezitiert er – denn das Opfer gehört Indra; Triṣhṭubh-Verse rezitiert er – denn die Triṣhṭubh gehört der Mittagspressung. Da nun eigentlich die "rauschtrankreiche" (madvat) Gestalt der dritten Pressung zukommt – warum rezitiert man dann bei der Mittagspressung [ebenfalls] "rauschtrankreiche" [Verse]? [Antwort:] Bei der Mittagspressung sind die Gottheiten [gerade] im Rausch begriffen (madyantī); deshalb rezitiert man bei der Mittagspressung rauschtrankreiche [Verse]. Alle diese [Priester] opfern nun bei Beginn der Mittagspressung unmittelbar dem Indra zugewandt mit den sogenannten "Dreiundneunzig-durchbohrenden" (abhitrinnavatī) Versen, wie manche sagen: "Trink den Soma, o Gewaltiger, der du [die Feinde] durchbohrst" opfert der Hotṛ; "trink ihn, du Geradheitsliebender, Überwinder" der Maitrāvaruṇa; "trink so, wie einst, dich berauschend" der Brāhmaṇācchaṃsin; "komm herbei, dich nach Soma sehnend, so ruft man dich" der Potṛ; "für Indra sind die Somasäfte von alters her bekannt" der Ācāvāka; "gefüllt ist sein Krug, Segen!" der Āgnīdhra. Diese [Verse] heißen "Dreiundneunzig-durchbohrende": Indra hatte bei der Morgenpressung [die Asuras] nicht besiegt, mit diesen [Versen] durchbohrte (abhyatrinat) er die Mittagspressung; weil er sie durchbohrte, heißen diese Verse "die Durchbohrenden".
"Kommt hierher, o Söhne der Kraft" – dies rezitiert er als Puronuvākyā für die bei der dritten Pressung emporgeführten [Gefäße]: an Bullen reich, an Trank reich, an Preßsaft reich, an Rauschtrank reich; diese [Verse] sind zugleich Indra und den Ṛibhus [zugehörig]. Man fragt: Warum nennt man sie "Ārbhava-pavamāna" (die den Ṛibhus gehörenden "Läuternden"), obwohl man dabei nicht ausschließlich die Ṛibhus preist? [Antwort:] Vater Prajāpati machte die Ṛibhus, die Sterbliche waren, zu Sterblichen [und dann Unsterblichen] und teilte ihnen die dritte Pressung zu; deshalb preist man nicht ausschließlich in Ṛibhu[-Versen], nennt sie aber "die Ṛibhus, die Läuternden". Wie man bei den beiden früheren Pressungen dem [jeweiligen] Versmaß entsprechend rezitiert – Gāyatrī bei der Morgen-, Triṣhṭubh bei der Mittagspressung –, warum rezitiert man dann bei der dritten Pressung, wo doch die Jagatī zuständig wäre, Triṣhṭubh-Verse? [Antwort:] Die Triṣhṭubh ist das "festigende" (dhītarasa) [Versmaß], und dieses festigende [Maß] ist ein reines (śukriya) Versmaß; man sage: "Damit [festigt man] Indra für die Kraft (sarasatva) dieser Pressung." Man fragt ferner: Die dritte Pressung gehört Indra und den Ṛibhus – warum opfern dann bei deren Beginn offensichtlich nur [einer], dem Indra-und-den-Ṛibhus unmittelbar zugewandt ("Indra, mit den kraftreichen Ṛibhus besprengt", der Hotṛ), während die übrigen an verschiedene Gottheiten [gerichtete Verse] opfern – wieso gehören auch diese zu Indra-und-den-Ṛibhus? [Antwort, mit den einzelnen Hotraka-Versen:] "Diesen Trankgenießer, diesen Preßsaft" opfert der Maitrāvaruṇa – "euer Wagen [fahre] zum Opfer, zum Göttermahl" ist darin vielfach enthalten: das ist eine Ṛibhu-Gestalt. "Und Indra und Bṛhaspati, trinkt den Soma" opfert der Brāhmaṇācchaṃsin – "es mögen euch die Somatropfen wohlgesinnt eindringen" ist vielfach darin: das ist eine Ṛibhu-Gestalt. "Euch mögen die raschlaufenden Rosse herbeitragen" opfert der Potṛ – "die raschfliegenden [Rosse] schnellten mit den Armen voran" ist darin vielfach: das ist eine Ṛibhu-Gestalt. "Kommt gleichermaßen zu uns, ihr gut zu Rufenden" opfert der Neṣhṭṛ – "kommt" ist darin vielfach: das ist eine Ṛibhu-Gestalt. "Indra und Viṣhṇu, trinkt von diesem Süßtrank" opfert der Ācāvāka – "euch kamen die berauschenden Somasäfte" ist darin vielfach: das ist eine Ṛibhu-Gestalt. "Dieses Lobgebet dem Würdigen, dem Jātavedas" opfert der Āgnīdhra – "wie einen Wagen haben wir [es] mit Weisheit zusammengefügt" ist darin vielfach: das ist eine Ṛibhu-Gestalt. So sind auch diese [Verse] Ṛibhu-Gestalten. Obwohl sie [scheinbar] verschiedenen Gottheiten [gelten], erfreut man dadurch jene [anderen] Gottheiten [zugleich]. Und daß sie voll von Jagatī-Inhalt sind, [erklärt sich so]: Die Jagatī gehört der dritten Pressung, zu deren eigenem Gedeihen. [Anm.: Die *Ṛibhus* sind ursprünglich sterbliche kunstfertige Brüder, die durch Askese Unsterblichkeit und einen Anteil am Soma-Opfer (die dritte Pressung) erlangten – ein bekannter Rigveda-Mythos, hier ritualtheoretisch ausgedeutet.]
Man fragt weiter: Manche Hotrā-Ämter sind "uktha-tragend" (ukthinī, rezitieren ein Uktha-Preislied), andere sind "ohne Uktha" (anuktha) – wie kommt es, daß dennoch alle diese [Ämter] als "uktha-tragend" gelten und vollständig (samṛddha) sind? [Antwort:] Weil man sie, gemeinsam vorgetragen (sampragīrya), [insgesamt] als "die Hotrā-Ämter" bezeichnet – dadurch [gilt], obwohl das eine uktha-tragend, das andere uktha-los ist [im Einzelnen], daß gleichwohl alle diese [Ämter] als uktha-tragend und vollständig gelten. Man fragt ferner: Bei der Morgenpressung rezitieren die Hotrā-Priester [je ein Lied] – warum rezitieren sie dann bei der dritten und bei der Mittagspressung je zwei Lieder (dve-dve)? Man antworte entsprechend [aus dem Zusammenhang der Ritualstruktur]. Man fragt schließlich: Der Hotṛ ist "zweifach-uktha" (dvyuktha) – wie kommt es, daß auch die Hotrakas [Neben-Hotṛ-Priester] "zweifach-uktha" sind? Man antworte entsprechend.
1 Athāha: yad etās tisra ukthinyo hotrāḥ, kathaṃ itarā ukthinyo bhavantīty 2 ājyam evāgnīdhrīyāya uktham, mārutvatīyaṃ potrīyāya, vaiśvadevaṃ neṣhṭrīyāyai. tā vā etā hotrā evam anyāṅga eva bhavanty 3 athāha: yad ekapraiṣhā anye hotrakā, atha kasmād dvipraiṣho potā dvipraiṣheṇeṣhṭeti 4 yatrādo gāyatrī suparṇo bhūtvā somam āharat, tad etāsāṃ hotrāṇāṃ parilupya hotre pradadau: yūyaṃ mābhyāvayadhvaṃ yūyam asyāveditheti brūyāt, tenaiva hocur devāḥ: vāceme hotre prabhāvayāmeti, tasmāt te dvipraiṣhe bhavataḥ. ṛg āgnīdhrīyāṃ prabhāvyāṃ cakruḥ, tasmāt tasyaikayārcā bhūyaso yājyā bhavanty 5 yad dhotā yakṣhad dhotā yakṣhaded iti maitrāvaruṇaḥ preṣhyaty, atha kasmād ahotṛbhyaḥ sadbhyo hotrāṃśāsy hotrā saṃsi preṣhyati 6 prāṇo vai hotā, prāṇaḥ sarva ṛtvijaḥ, prāṇo vai hotā prāṇaḥ khaśad iti preṣhyati, prāṇo yakṣhad ity eva tad āha 7 tāhāsty udgātṛīnāṃ praiṣhāḥ nāṃ iti asti brūyāt. yad evaitat prasastā japaṃ japitvā studhvam ity āha, sa eṣhāṃ praiṣho 'thāhāsty adhvaryor ācāvākasya pravaraṃ nāṃ iti asti brūyāt. yad evainam adhvaryur ācāvāka vadasva yat tvādyam iti, eṣho 'sya pravaro 'thāhaiva tāḥ tṛtīyasavane maitrāvaruṇaḥ saṃsaty, atha kasmād eṣha eṣho enayor aindrābhaiṣhṇavam ācāvākaḥ, kathaṃ enayor aindrāḥ stotriyānurūpā bhavantīti? Indro ha sma vā asurāṇāṃ uktebhyaḥ prajigāya. sa eṣhāṃ enayor aindrāḥ stotriyānurūpā bhavanti. yad v aham ahaṃ ceti ha sma devatā anvavāyanti, tasmād enayor aindrāḥ stotriyānurūpā bhavanti. yad v evaṃ nānādevatyāni saṃsati || 14 || 6 ||
Man fragt weiter: Nur drei Hotrā-Ämter sind [ausdrücklich] uktha-tragend – wie werden die übrigen [dennoch] uktha-tragend? [Antwort:] Der Ājya-Vers dient dem Āgnīdhra als Uktha, der Mārutvatīya[-Vers] dem Potṛ, der Vaiśvadeva[-Vers] der Neṣhṭṛ [-Handlung]; so werden auch diese Hotrā-Ämter [jeweils durch] ein weiteres Glied [zu Uktha-tragenden]. Man fragt: Die übrigen Hotrakas haben nur einen [einfachen] Auftragsspruch (ekapraiṣha) – warum hat der Potṛ einen doppelten Auftragsspruch (dvipraiṣha) und opfert mit doppeltem Auftrag? [Antwort, mit Mythos:] Als einst jene [Göttin] Gāyatrī, zum Adler geworden, den Soma herbeiholte, da zerteilte sie [gleichsam] die [Ämter] dieser Hotrā-Priester und übergab sie dem Hotṛ-Amt: "Ihr sollt mir [dabei] beistehen, ihr sollt es [das Geheimnis] kennen", so sagte sie. Darauf sprachen die Götter: "Wir wollen diese beiden Hotrā[-Ämter, Potṛ und ??] mit der Rede [besonders] hervorheben (prabhāvayāma)" – deshalb sind diese beide doppelt-beauftragt (dvipraiṣha). Den Ṛc-Vers machten sie zur hervorgehobenen Āgnīdhrīya-Formel, deshalb hat dieser mit nur einem Ṛc-Vers eine besonders reiche (bhūyasī) Yājyā. [Der Auftrag lautet] "Der Hotṛ möge opfern, der Hotṛ möge opfern" – dies trägt der Maitrāvaruṇa auf; warum aber trägt er [diesen Auftrag] den [übrigen], die keine Hotṛ sind, unter der Bezeichnung "Hotrā"-Ämter auf? [Antwort:] Der Hotṛ ist ja der Atem (prāṇa), der Atem ist [in] allen Opferpriestern; "der Hotṛ [=Atem] möge opfern, der Atem möge sich [dazu] regen" trägt er auf – "der Atem möge opfern", das eben meint er damit. Es gibt auch Auftragssprüche der Udgātṛ-Sänger; man sage: "es gibt [solche]". Wenn er, nachdem er das vorgeschriebene stille Gebet (japa) gemurmelt hat, spricht: "stimmt an!" – das ist ihr Auftragsspruch. Es gibt auch eine "Erwählung" (pravara) des Adhvaryu für den Ācāvāka; man sage: "es gibt [eine solche]". Wenn nämlich der Adhvaryu zum Ācāvāka spricht: "Sprich, was heute [dein Text] ist" – das ist seine Erwählung. Bei der dritten Pressung rezitiert der Maitrāvaruṇa jene [Verse] – warum aber [rezitiert] eben dieser Ācāvāka das Indra-und-Viṣhṇu[-Lied] (aindrābhaiṣhṇava)? Wie kommt es, daß deren Indra-Verse dem Stotriya[-Sāman] entsprechen? [Antwort:] Indra besiegte einst die Asuras durch [seine] Ukthas (Preislieder); deshalb entsprechen die Indra-Verse dieser beiden [Ämter] dem Stotriya. Oder auch: weil die Gottheiten [dabei] einander im Wettstreit "ich, ich" folgten, entsprechen deshalb die Indra-Verse dieser beiden dem Stotriya. Oder auch, weil sie so [ihre Verse] an verschiedene Gottheiten richten.
1 Athāha: yad vaiśvadevaṃ vai tṛtīyasavanam, atha kasmād etāny aindrāṇi jāgatāni sūktāni tṛtīyasavana ārambhaṇīyāni śasyanta iti? Indro ha vā etair ārabhya yantīti brūyāt. atho yat kiṃcaitad ūrdhvaṃ chandaḥ śasyate, tad hi sarvaṃ jāgataṃ bhavaty, etāni jāgatāni sūktāni tṛtīyasavana ārambhaṇīyāni śasyante 2 'tha traiṣhṭubham ācāvāko 'ntataḥ śaṃsati: saṃ vāṃ karmaṇeti 3 sam eva panāyyaṃ karma, tad etad abhidati saṃ eveṣhety. annaṃ vā iṣho, 'nnādyasyāvaruddhyai 4 ariṣhṭair naḥ pathibhiḥ pārayanteti svastitāyaivaitad āhur, ahaḥ śaṃsati 5 athāha: yaj jāgataṃ vai tṛtīyasavanaṃ, atha kasmād eṣhāṃ triṣhṭubhaḥ paridhānīyā bhavantīti. vīryaṃ vai triṣhṭub, vīrya eva tad antataḥ pratitiṣhṭhanti: antyaṃ Indraṃ Varuṇam aṣhṭa me gīr iti maitrāvaruṇasya, bṛhaspatir naḥ pari pātu paścād iti brāhmaṇāchaṃsina, ubhā jigyathur ity ācāvākasya 7 ubhā jigyathur ity ācāvākasya, na parā jayethe na parā jigya iti, na hi tayoḥ kataraś cana parājigye. Indraś ca vai Viṣhṇuś cāsurair yuyudhāte, tān hi sma jitvocatuḥ: kalpāmahā iti. te ha tathety ūcur. bravīd Indro: yāvad evāyaṃ Viṣhṇus trir vikramate, tāvad asmākam, atha yushmākam ity. sa imāṃl lokān vicakrame, 'tho vedān atho vācaṃ. tad āhuḥ: kiṃ tat sahasram itīme lokā ime vedā atho vāg iti. āyaithām-airayethām ity ācāvāka ukthye 'bhyasyati, sa hi tāntryo bhavaty agniṣhṭome hotr-atirātre ca. tasmād abhyasyet, ṣhoḍaśinīm nābhyasyed ity āhuḥ, kathaṃ anyeṣhv aha āsy abhyasyati, kathaṃ atra nābhyasyad iti. tasmād abhyasyet || 15 || 7 ||
Man fragt: Die dritte Pressung gehört den Allgöttern (vaiśvadeva) – warum rezitiert man dann diese Indra-Jagatī-Lieder als Ārambhaṇīya-Eröffnungsverse der dritten Pressung? [Antwort:] Man sage: "Mit ihnen [als Führer] gehen ja [die Opfernden], von Indra ausgehend, voran." Und was auch immer sonst danach [an weiteren Versen] rezitiert wird, das ist alles Jagatī – deshalb werden diese Indra-Jagatī-Lieder als Eröffnungsverse der dritten Pressung rezitiert. Am Ende rezitiert der Ācāvāka einen Triṣhṭubh-Vers: "Zu eurem [gemeinsamen] Werk" – ein preiswürdiges gemeinsames Werk eben, das bezeichnet er damit; "gemeinsam auch zur Speise (iṣh)" – Speise ist ja Nahrung, zur Erlangung der Nahrung. "Führt uns auf unversehrten Wegen hinüber" – das spricht man zum Heil (svasti); [dies] rezitiert man Tag für Tag. Man fragt weiter: Die dritte Pressung ist Jagatī – warum sind dann ihre Paridhānīya-Schlußverse Triṣhṭubh? [Antwort:] Die Triṣhṭubh ist Manneskraft (vīrya); eben durch Manneskraft gründen sie sich am Ende fest: "zuletzt Indra und Varuṇa, meine acht Lobreden" [rezitiert] der Maitrāvaruṇa; "Bṛhaspati möge uns von hinten beschützen" der Brāhmaṇācchaṃsin; "beide habt ihr gesiegt" der Ācāvāka. "Beide habt ihr gesiegt, keiner von euch beiden wurde besiegt" – denn keiner von ihnen beiden wurde je besiegt. [Mythos:] Indra und Viṣhṇu kämpften einst gegen die Asuras; nachdem sie [die Asuras] besiegt hatten, sprachen diese: "Laßt uns teilen (kalpāmahai)!" Sie [Indra und Viṣhṇu] stimmten zu. Da sprach Indra: "Soweit dieser Viṣhṇu dreimal ausschreitet, so weit [gehört es] uns, das Übrige euch." Da durchschritt er [Viṣhṇu] diese Welten, und auch die Veden, und auch die Rede. Man fragt: Was war jenes Tausend? [Antwort:] Diese Welten, diese Veden und die Rede. "Ihr seid gekommen, ihr habt geführt" wiederholt der Ācāvāka beim Ukthya[-Opfer]; denn dieser [Vers] ist ein wiederkehrender (tāntrya) sowohl beim Agniṣhṭoma als auch beim Hotṛ-Atirātra. Deshalb soll man ihn wiederholen. Beim Ṣhoḍaśin[-Opfer] solle man ihn nicht wiederholen, sagen manche – aber warum wiederholt man ihn an anderen Tagen und nicht hier? Deshalb soll man ihn [auch dort] wiederholen. [Anm.: Bezug auf den *Trivikrama*-Mythos, Viṣhṇus drei Schritte, mit denen er im Bund mit Indra den Asuras die drei Welten abgewann.]
1 Athāha: yan Nārāśaṃsaṃ tṛtīyasavanam, atha kasmād ācāvāko 'ntataḥ śilpeṣv anārāśaṃsīḥ śaṃsatīti. kiṃ iva ca vai kiṃ iva ca reto vikriyate, tad tad vikṛtaṃ prajātaṃ bhavaty. atha eṣha mṛdv eva chandaḥ sthiraṃ yan Nārāśaṃsam, antyo yad ācāvākas tad dṛḷhatāyai pratiṣhṭhāyai iti, tasmād ācāvāko 'ntataḥ śilpeṣv anārāśaṃsīḥ śaṃsati: dṛḷhatāyai dṛḷhe pratiṣhṭhāyāya iti dṛḷhe pratiṣhṭhāyāya || 16 || 8 ||
Iti shashthapañcikāyāṃ tṛtīyo 'dhyāyaḥ.
Iti aṣhṭāviṃśādhyāye aṣhṭamaḥ khaṇḍaḥ.
Man fragt schließlich: Die dritte Pressung ist [dem Metrum nach] Nārāśaṃsa ["Menschenlob"] – warum rezitiert der Ācāvāka dann am Ende unter den Kunstversen (śilpa) Verse, die nicht Nārāśaṃsa sind? [Antwort:] Je nachdem, in welcher Art (kim iva) der Same verändert (vikriyate) wird, in ebendieser Art wird auch das daraus Geborene verändert [sein]. Das Nārāśaṃsa ist ein weiches, aber [zugleich] festes Versmaß; da der Ācāvāka der letzte [Rezitator] ist, [dient] dies der Festigung, dem festen Stand; deshalb rezitiert der Ācāvāka am Ende unter den Kunstversen [Verse], die nicht Nārāśaṃsa sind: "zur Festigung, zum festen Stand" – zum festen Stand.
So [endet] in der sechsten Pañcikā der dritte Adhyāya.
So [endet] im achtundzwanzigsten Adhyāya der achte Khaṇḍa.