1 Yaḥ svaḥstotriyas tam anurūpaṃ kurvanti prātaḥsavane 'hīnasaṃtatyai 2 yathā vā ekāhaḥ suta, evam ahīnas. tad yathaikāhasya sutasya savanāni saṃtiṣhṭhamānāni yanty, evam evāhīnāny ahāni saṃtiṣhṭhamānāni yanti 3 [yac chvaḥstotriyam anurūpaṃ kurvanti prātaḥsavane 'hīnasaṃtatyā, ahīnam eva tat saṃtanvanti]. te vai devāś ca ṛṣhayaś cādriyanta: samānena yajñaṃ saṃtanavāmeti, ta etat samānaṃ yajñasyāpaśyan: samānān pragāthān samānīḥ sūktāny okaḥsārī vā Indro, yatra vā Indraḥ pūrvaṃ gachaty, aiva tatrāparaṃ gachati, yajñasyaiva sendratāyai || 17 || 1 ||
Man macht das "Morgen-Stotriya" (svaḥstotriya, den Stotriya-Vers des jeweils folgenden Tages) [schon heute] entsprechend, damit sich das mehrtägige Opfer (ahīna) fortsetzt (saṃtati). So wie ein Eintagesopfer (ekāha) gepreßt wird, so auch das mehrtägige; und wie beim Eintagesopfer die Pressungen sich fortlaufend aneinanderreihen, so reihen sich auch bei den mehrtägigen Opfern die Tage fortlaufend aneinander. Indem man also das "Morgen-Stotriya" bei der Morgenpressung der Fortsetzung des mehrtägigen Opfers entsprechend macht, spinnt man eben das mehrtägige [Opfer] fort. Die Götter und die Ṛṣis überlegten einst: "Wir wollen das Opfer mit demselben (samāna) fortspinnen." Da erkannten sie dieses "Selbe" des Opfers: dieselben Pragātha-Strophen, dieselben Lieder – [ebenso] wie Indra stets zum selben Ort zurückkehrt (okaḥsārin): wohin Indra zuerst geht, dorthin geht er auch das nächste Mal – dies dient eben der Indra-Zugehörigkeit (Kraft) des Opfers.
1 Tān vā etān sampātān Viśvāmitraḥ prathamam apaśyat, tān Viśvāmitreṇa dṛiṣhṭān Vāmadevo 'sṛijata: evaṃ tvām indra vajrinn atra, kathā mahām avṛidhat kasya hotur iti, tān kṣhipraṃ samapadyata. yat kṣhipraṃ samapadyata, tat sampātatvaṃ. sa hi kṣhemaṃ cakre Viśvāmitro: yān vā ahaṃ sampātān apaśyaṃ tān Vāmadevo 'sṛijata, kāni vā tāni sūktāni sampātāṃs tatpratimāṃ sṛijeyeti. tāni sūktāni sampātāṃs tatpratimām asṛijata: sadyo ha jāto vṛishabhaḥ kanīnā, indraḥ pūrvahid ātirad dāsam arkaiḥ, imāṃ tvā somyāsaḥ sakhāyaḥ, śaśad vahnir duhitur naptyaṃ gād, abhi tashṭeva didhaya manīshām iti 3 ya eka id dhvayasa carṣhaṇīnām iti Bharadvājo, yas tigmaśṛiṅgo vṛishabho na bhīma iti Śunaḥśepa Vāsiṣhṭho, ud u brahmāṇy airata śravasyeti Vasiṣhṭho, 'sma id u pra tavase turāyeti — ete prātaḥsavane śalahā stotriyāṃ ca stavā, madhyaṃdine 'hīnasūktāni śaṃsanti, tāny abhinaḥsaktāni: ā satyo yātu maghavān ṛjīṣhī satyavan maitrāvaruṇo, 'sma id u pra tavase turāya udrāya brahmāṇi gotamāso akrann iti brahmaṇvad brāhmaṇācchaṃsi, śaśad vahnir janayanta iti vahnivad ācāvākaḥ 7 vīryavān vā eṣha bahvṛico, vahnivad etat sūktaṃ vahati, ha vai vahnir dhuro yāsu yujyate. tasmād ācāvāko vahnivad etat sūktam ubhayatra śaṃsati parāñciṣhu caivāhassv abhyāvartiṣhu ca 8 tāni pañcasv abhassu bhavanti: caturviṃśe 'bhijiti viṣhuvati viśvajiti mahāvrate. hīnāni ha vā etāny ahāni, na hy eṣha madhya kiṃcid dīyate. parāñcīni ha vā etāny ahāni, tasmād enāny eteṣhv ahasu śaṃsanti: ahīnān svargāl lokān sarvasamṛddhān āvapnavemeti 10 yad evainaiḥ saṃsantīndram evaitair vāsitāyā ahīnasya saṃtatyai, ahīnam eva tat saṃtanvanti || 18 || 2 ||
Diese Sampāta-Verse (die "Zusammentreffenden", die die mehrtägigen Opfertage verbindenden Verse) erblickte zuerst Viśvāmitra; nachdem Viśvāmitra sie erschaut hatte, brachte Vāmadeva sie [zur Verwendung]: "So [erhöhten wir] dich, o Indra, Keulenträger, hierbei... wie hat er den Großen gestärkt, wessen Opferpriester?" – sie [die Verse] trafen sich (samapadyata) rasch [aneinander]. Weil sie sich rasch trafen, [heißt] dies "Sampāta" ("Zusammentreffen"). Viśvāmitra nämlich sicherte [dies], [indem er dachte]: "Welche Sampāta-Verse ich erblickt habe, die möge Vāmadeva [nutzbar] machen; welche Lieder sollen als deren Gegenbild, den Sampātas entsprechend, geschaffen werden?" Diese Lieder schuf er als der Sampātas Gegenbild: "Sogleich geboren, der junge Stier", "Indra überholte mit seinen Strahlen zuerst den Dasyu", "dich, ihr somakundigen Freunde", "der Wagenlenker (vahni) trieb voran den Enkel der Tochter", "gleich einem Zimmermann formte er sein Denken" — [ferner] "der Eine allein bewegt die Völker" [dichtete] Bharadvāja, "der scharfgehörnte Stier, nicht furchtbar" Śunaḥśepa Vāsiṣhṭha, "empor erhoben sich die Gebete, ruhmbegierig" Vasiṣhṭha, "auch dieser [Vers] treibt an zur Kraft" — diese rezitieren sie bei der Morgenpressung als kraftvolle (śalaha) und lobreiche (stotriyā) Preisungen, bei der Mittagspressung [dagegen] die dem mehrtägigen Opfer eigenen Lieder, die "nicht-verknüpften" (abhinaḥsakta): "Es komme der wahre, keulenreiche, wahrhafte [Indra]" der Maitrāvaruṇa, "auch dieser [treibt an] zur Kraft, dem reißenden [Strom], die Gotamas verfaßten Gebete" mit Gebet versehen der Brāhmaṇācchaṃsin, "der Wagenlenker trieb den Erzeuger voran" wagenlenkerhaft der Ācāvāka. Denn dieses Lied ist kraftvoll und vielversig; wie ein Wagenlenker trägt es [die anderen] – ein Wagenlenker wird ja an die Deichseln gespannt, an denen [die Rosse] gebunden werden. Deshalb rezitiert der Ācāvāka dieses Lied wagenlenkerhaft auf beiden [Seiten], sowohl bei den vorwärtsschreitenden als auch bei den [zurück-]wendenden Tagen. Diese [Verse] finden sich bei fünf besonderen Tagen: am vierundzwanzigsten, beim Abhijit, beim Viṣhuvant, beim Viśvajit, beim Mahāvrata. Dies sind nämlich Tage des "Abbruchs" (hīna) – denn hier wird in der Mitte nichts [Neues] hinzugegeben; sie sind auch "vorwärtsgewandte" Tage. Deshalb rezitieren sie an diesen Tagen [diese Verse], in der Absicht: "Wir wollen die ungebrochenen (ahīna), vollkommen gediehenen Himmelswelten erlangen." Und indem sie damit Indra anrufen, dienen sie der Fortsetzung des mehrtägigen Opfers wie [man] eine [läufige] Stute [durch ihr Fohlen herbeiruft]; so spinnen sie eben das mehrtägige [Opfer] fort. [Anm.: einzelne Wortübertragungen in diesem stark elliptischen mythologisch-etymologischen Passus bleiben unsicher; mit [?] wo die Aufrecht-Ausgabe selbst schwer lesbar war.]
Von diesen [drei je verschiedenen Sampāta-Sätzen] rezitiert der Maitrāvaruṇa diese drei Sampāta-Verse Tag für Tag jeweils in vertauschter Reihenfolge: "So dich, Indra, Keulenträger, hierbei..." am ersten Tag, "was Indra nicht liebte und was er begehrt" am zweiten, "wie hat er den Großen gestärkt, wessen Opferpriester" am dritten. Ebenso rezitiert der Brāhmaṇācchaṃsin drei Sampāta-Verse Tag für Tag in vertauschter Reihenfolge: "Indra überholte zuerst mit Strahlen den Dasyu" am ersten Tag, "der Eine allein bewegt die Völker" am zweiten, "der scharfgehörnte Stier, nicht furchtbar" am dritten. Ebenso rezitiert der Ācāvāka drei Sampāta-Verse Tag für Tag in vertauschter Reihenfolge: "Dich, ihr somakundigen Freunde" am ersten Tag, "euch, die somakundigen Freunde... der Wagenlenker trieb den Enkel der Tochter voran" am zweiten [usw.]. Diese neun [Verse] sind je auf drei Tage [verteilt]; sie ergeben zusammen zwölf [Tage]: zwölf Monate macht das Jahr, das Jahr ist Prajāpati, Prajāpati ist das Opfer; damit erlangen sie das Jahr, Prajāpati, das Opfer; damit stehen sie, im Jahr, in Prajāpati, im Opfer, Tag für Tag fest und gehen [weiter]. Zwischen diese [drei mal drei Tage] fügten sie einen "Einschub" (āvāpa) ein: den "Anyūṅkhyā"-Virāj des Vaimada am vierten Tag, den Pāṅkti-Vers am fünften, den Pāruchepi-Vers am sechsten. Und für die Tage mit großem Stoma [gilt]: "Wer heute, mannhaft, gottbegehrend" fügte der Maitrāvaruṇa ein, "wie einer, der nicht im Wald verborgen wurde" der Brāhmaṇācchaṃsin, "komm herbei, zum Wagensitz" der Ācāvāka. Dies sind die "Einschübe" (āvāpana); mit diesen Einschüben gewannen die Götter die Himmelswelt, mit ihnen die Ṛṣis. Ebenso gewinnen die Opferherren mit diesen Einschüben die Himmelswelt.
1 Sadyo ha jāto vṛishabhaḥ kanīneti Vāmadevaḥ purastāt sūktānām ahar-ahaḥ śaṃsati 2 tad etat sūktaṃ svargyam. etena vai sūktena devāḥ svargaṃ lokam ajayann, etena ṛṣhayas. tathaivaitad yajamāna etena sūktena svargaṃ lokaṃ jayanti 3 tad u vaiśvāmitraṃ. viśvasya ha vai mitram Viśvāmitra āsa 4 viśvaṃ hāsmai mitraṃ bhavati ya evaṃ veda, tad Vāmadevaḥ purastāt sūktānām ahar-ahaḥ śaṃsati 5 tathaivaitad ṛṣhayaḥ pūrve pretās, te vai kavayas, tān eva tad abhyativadati 17 tad u vaiśvāmitraṃ. viśvasya ha vai mitraṃ Viśvāmitra āsa. viśvaṃ hāsmai mitraṃ bhavati ya evaṃ veda 18 tad aniruktaṃ prājāpatyaṃ. Prajāpatir vai aniruktaḥ, Prajāpater āptyai 19 sakṛd Indraṃ nirāha, daśākṣharā virāj, annaṃ virāj, annādyasyāvaruddhyai 21 daśākṣharāḥ 22 prāṇān ātman dadhāte, uparishṭāt sampātānāṃ saṃsaty. āptaiva tat svargaṃ lokaṃ yajamāna asmiml loke pratitiṣhṭhanti || 20 || 4 ||
"Sogleich geboren, der junge Stier" rezitiert Vāmadeva am Anfang der Lieder (sūkta) Tag für Tag. Dieses Lied führt zum Himmel (svargya). Mit diesem Lied gewannen die Götter die Himmelswelt, mit ihm die Ṛṣis; ebenso gewinnen die Opferherren mit diesem Lied die Himmelswelt. Dieses [Lied] gehört auch dem Viśvāmitra (vaiśvāmitra) — denn Viśvāmitra war "aller [Welt] Freund" (viśvasya mitra); wer dies weiß, dem wird alles zum Freund. Dies rezitiert Vāmadeva am Anfang der Lieder Tag für Tag. So [ehrt man damit] die früheren, dahingegangenen Ṛṣis, die ja die Seher (kavi) sind — sie spricht er dabei zugleich an. Und dieses [Lied] gehört [zugleich] dem Viśvāmitra — denn Viśvāmitra war "aller [Welt] Freund"; wer dies weiß, dem wird alles zum Freund. Es ist [zugleich] "das Unbenannte, Prajāpati-Gehörige" — denn Prajāpati ist unbenannt (anirukta), zur Erlangung Prajāpatis. Es benennt Indra nur einmal. [Es gilt:] die zehnsilbige [Strophe] ist Virāj, Virāj ist Speise, zur Erlangung dieser Speise [dient es]. [Es sind] zehnsilbige [Verse]. Sie legen [damit] die Atemkräfte (prāṇa) in sich selbst; oberhalb der Sampāta-Verse rezitiert man dies. So erlangen die Opferherren die Himmelswelt und gründen sich fest in dieser Welt.
1 Kas tam indra tvāvasuḥ, kan navyo asyākṛtam iti kadvantaḥ pragāthā ārambhaṇīyā ahar-ahaḥ śasyante 2 ko vai Prajāpatiḥ, Prajāpater āptyai 3 yad eva kadvantāḥ, annam avaruddhyai 4 yad v eva kadvantāḥ, annādyasyāvaruddhyai. yac caite śāntāni cāntāni kaṃvadbhiḥ pragāthaiḥ śamayanti, tāny ebhyaḥ śāntāni ca bhavanti, tāny enāṃ śāntāni saṃvahanti, tāny enāṃ śāntāni saṃvahanti 5 triṣhṭubhaḥ sūktapratipadaḥ śaṃseyus, tad tathā na vidyāt, tad yathā sarair atiṃ nāvaṃ pārakāmāḥ samāroheyur, evam etaiś chandobhis triṣhṭubhaḥ samārohanti 6 na ha vā etac chando gamayitvā svargaṃ lokam upāvartate, vīryavattamaṃ tābhyo vyāhayitā, samānaṃ hi chandas, 'tho na ekaṃ dhāyyaḥ karavāntīti, yad enāḥ saṃsanti: prajñātābhiḥ sūktapratipadbhiḥ sūktāni samārohāmeti, yad evainā saṃsantīndram evaitābhir nihvayante, yathā ṛṣhabhaṃ vāsitāyai, ahīnasya saṃtatyā, ahīnam eva tat saṃtanvanti || 21 || 5 ||
"Wer, o Indra, [ist] dein Wohltäter, was hat der Neue [noch] nicht getan" — diese "Kad-haltigen" (kadvant, das Fragewort kad enthaltenden) Pragātha-Strophen werden Tag für Tag als Ārambhaṇīya-Eröffnungsverse rezitiert. "Wer" (kad) ist Prajāpati — zur Erlangung Prajāpatis. Und daß sie "kad-haltig" sind, [dient] auch zur Erlangung von Speise, zur Erlangung von Nahrung. Und indem man diese friedvollen [Verse], die mit "kaṃ" [Freude/Frieden] versehenen Pragāthas, [gleichsam] beruhigend rezitiert, werden sie ihnen [den Opfernden] friedvoll; sie tragen ihnen Frieden zusammen, sie tragen ihnen Frieden zusammen. Man mag Triṣhṭubh-Verse als "Lied-Anfänge" (sūktapratipad) rezitieren wollen — das soll man aber nicht so tun: wie Bootlose eine Fähre zu besteigen versuchen würden, die überzusetzen wünschen, ebenso besteigt man mit diesen [Kad-]Versmaßen die Triṣhṭubh. Denn dieses Versmaß bringt, einmal beschritten, [den Opfernden] nicht wieder zur Himmelswelt zurück, [es ist] das kraftvollste unter ihnen und würde [ihn sonst] davontragen; denn das Versmaß ist [überall] dasselbe, und man soll nicht ein einziges [Gefäß, Versmaß] zum [alleinigen] Träger machen. Wenn sie also rezitieren: "Mit den wohlbekannten Lied-Anfängen besteigen wir die Lieder", so rufen sie damit eben Indra an, wie [man] einen Stier zu einer läufigen Stute [ruft], zur Fortsetzung des mehrtägigen Opfers — so spinnen sie eben das mehrtägige [Opfer] fort.
1 Apa prāca indra viśvāṃ amitrān iti maitrāvaruṇaḥ purastāt sūktānām ahar-ahaḥ śaṃsaty 2 apāpāco 'bhibhūte nudasva, apodīco apa suradharācarau, yathā tava śarma mademety abhayasya rūpaṃ, abhayam iva hi yann ichati 3 brahmaṇā yunajmīti brāhmaṇācchaṃsy ahar-ahaḥ śaṃsati. yunajmi yuktavatīty 5 uraṃ no lokam anu neṣhi vidvān ity ācāvāko 'har-ahaḥ śaṃsati. anu neṣhīty etayā ahar-ahaḥ śaṃsati || 22 || 6 ||
"Vertreibe, o Indra, unsere gesamten Feinde nach Osten" rezitiert der Maitrāvaruṇa am Anfang der Lieder Tag für Tag: "vertreibe [sie] weg nach Westen, o Überwältiger, weg nach Norden, weg auch nach Süden — auf daß wir uns [in] deinem Schutz freuen" — dies ist die Gestalt der Furchtlosigkeit (abhaya), denn er begehrt gleichsam furchtlos zu gehen. "Ich verbinde [mich] mit dem Gebet" rezitiert der Brāhmaṇācchaṃsin Tag für Tag — "ich verbinde [mich] mit der Verbundenen [Rede]", [bedeutet dies]. "Führe uns, du Wissender, dem weiten Ort entsprechend" rezitiert der Ācāvāka Tag für Tag; mit diesem "führe uns hin" rezitiert er Tag für Tag.
1 [Fortsetzung, Erklärung zum Abschluss des mehrtägigen Opfers:] tad yac chaturviṃśe 'han ete devā vitasoṃ nihvayante 'tha yat purastād udayanīyasyātirātrasya vimucyante, sā vimuktiḥ 2 yac chaturviṃśe 'han aikāhikābhiḥ paridhīyate, atrāhaiva yajñaṃ saṃsthāpayeyur, nāhinakarma kuryuḥ. atha yad ahīnaparidhānīyāḥ paridhīyeraṃ, yathā śrānto 'vimucyamāna utkṛṣhyotkṛṣhyeraṃ. ubhayībhiḥ paridhīyate 3 tad yathā dīrghādhva upavimokaṃ yāyāt, tādṛk tad. saṃtato haiṣhāṃ yajño bhavati 4 ekāṃ dve na dvayoḥ savanayoḥ stomam atiśaṃset, dīrghātanyāni ha vai bhavanti yatra bahvṛibhiḥ stomo 'tiśaṃsyate 5 'parimito vai svargo lokaḥ, svargasya lokasyāptyai. aparimitābhis tṛtīyasavane samāptā hāsyābhyārabdho 'visraṣṭo hīno bhavati ya evaṃ vidvān ahīnaṃ tanute || 23 || 7 ||
Was das betrifft, daß man am vierundzwanzigsten Tag [besondere Verse] rezitiert und daß [die Priester] schon vor dem Beginn des abschließenden Atirātra-Opfers [gleichsam vorzeitig] entbunden (vimukta) werden — das ist die "Entbindung" (vimukti) [von den Bindungen des mehrtägigen Ritus]. Da am vierundzwanzigsten Tag mit den für das Eintagesopfer bestimmten [Versen] umschlossen (paridadhāti) wird, könnte man meinen, man solle das Opfer eben dort abschließen und keine weiteren Handlungen des mehrtägigen Opfers mehr vollziehen. Würde man aber [stattdessen] mit den für das mehrtägige Opfer bestimmten Paridhānīya-Versen umschließen, so wäre das, als ob ein Ermüdeter, statt entbunden zu werden, sich immer weiter fortschleppen müßte. [Deshalb] umschließt man mit beiderlei [Versen]. Das ist, wie wenn man auf langer Wegstrecke eine Rastpause einlegte — genauso ist es hier: ihr Opfer bleibt [dennoch] zusammenhängend (saṃtata). Man überschreite den Stoma bei den beiden [übrigen] Pressungen nicht um mehr als ein oder zwei [Verse] — denn allzu langwierig würde es, wollte man den Stoma mit vielen Versen überschreiten. Die Himmelswelt ist unbegrenzt (aparimita); zu ihrer Erlangung [rezitiert man] bei der dritten Pressung unbegrenzt [viele Verse]. Wer, dies wissend, das mehrtägige Opfer so ausspannt, dessen [Opfer] wird, obwohl damit begonnen, nicht [vorzeitig] fallengelassen oder abgebrochen (hīna).
1 Devā vai vale gāḥ paryapaśyaṃs, tā yajñenaivāpsan. te prātaḥsavane Nabhākena valam anabhyayan | aśrathayann evainat. tat tṛtīyasavane vajreṇa vālakhilyābhir vācā kūjenaikapadayā valam avirujya gā udājan tathaivaitad yajamānā prātaḥsavane Nabhākena valam anabhyayanty, aśrathayanty evainat. tam u tat tṛtīyasavane bharaṇam ity ācāvākas, tā hi mādhyandinapayaidam apratatāya iti brāhmaṇāchaṃsina, pūrvīṣh ta indropamātaya ity brāhmaṇāchaṃsina, madhya bharaṇam ity ācāvākas, tā hi madhyaṃ bharāṇam ity ācāvākas 4 tu madhyaṃ bharāṇaṃ, kāny ātaśthāya nadha vālakhilyābhir vācā kūtenaikapadayā valaṃ virujya gā apnuvanti 5 tathaivaitad yajamānāḥ pacchaḥ prathamaṃ ṣhad vālakhilyānāṃ sūktāni bhavaty, ardharcaśo dvitīyam, ṛkśas tṛtīye 6 sa paccho viharan pragāthe-pragātha evaikapadaṃ dadhyāt, prāṇaṃ ca tad vācaṃ ca viharati. yad dvitīyaṃ, cakṣhuḥ ca tan manaś ca viharati. yat tṛtīyaṃ, śrotraṃ ca tad ātmānaṃ ca viharati. tad upāpto vihāre kāma, upāptas vajre vālakhilyāsūpāpto vācaḥ kūta ekapadāyāṃ, upāptaḥ prāṇakliptyāṃ, apaśuṃ enam akar iti | savyat tathā syāt, tasmāt tatraikapadāṃ na vyavadadhyād, vācā kūtena yajamānān pashūn nirhaṇyāt || 24 || 8 ||
Die Götter erblickten einst im Vala[-Felsen] die Kühe [verborgen], konnten sie aber [zunächst] durch das Opfer nicht erlangen. Bei der Morgenpressung näherten sie sich durch Nabhāka dem Vala — sie lockerten ihn eben nur. Bei der dritten Pressung durchbrachen sie mit dem Vajra (der Keule), mit Hilfe der Vālakhilya-Verse und mit einsilbig-gemurmelter Rede den Vala und trieben die Kühe heraus. Ebenso nähern sich die Opferherren bei der Morgenpressung durch Nabhāka dem Vala und lockern ihn nur; erst bei der dritten Pressung [erfolgt] das Durchbrechen. "Das ist bei der dritten Pressung das Herbeitragen (bharaṇa)", [sagt] der Ācāvāka: [zwischen die Verse eingeschoben] "das ist die mittlere Herbeiführung" [sagt] der Brāhmaṇācchaṃsin, [entsprechend] der Ācāvāka. Denn dies ist eben das mittlere Herbeitragen — womit [die Götter] hinzutraten und mit den Vālakhilya-Versen, mit gemurmelter, einsilbiger Rede den Vala durchbrachen und die Kühe erlangten. Ebenso [gilt] für die Opferherren: Zuerst [rezitiert man] sechs Vālakhilya-Lieder in halben [Versgruppen, dh. jeweils in vier Teile geteilt], das zweite Mal halbversweise, das dritte Mal versweise. Wer sie so, jeweils bei jeder Pragātha-Strophe teilend, um ein Wort/eine Silbe (ekapada) vermehrt vorträgt, teilt damit [zugleich] Atem und Rede; teilt er das zweite Mal, teilt er Auge und Denksinn; teilt er das dritte Mal, teilt er Gehör und Selbst (ātman). Damit ist das Teilen ausreichend vollzogen — ausreichend beim Vajra, bei den Vālakhilyas ausreichend bei der einsilbigen Rede, ausreichend bei der Atem-Gliederung. [Ansonsten] macht man ihn [den Opferherrn] viehlos (apaśu) — falls es verkehrt geschähe. Deshalb soll man dort die einzelne Silbe/das einzelne Wort nicht auslassen; [sonst] würde man durch das gemurmelte Wort dem Opferherrn das Vieh vernichten. [Anm.: Bezug auf den *Vala*-Mythos (Höhle mit den gestohlenen Kühen/dem Licht) und die geheimnisvollen *Vālakhilya*-Verse (RV 8,49–59), deren Rezitationsweise hier rituell begründet wird; einige Wortformen im Sanskrit-Text bleiben wegen der Kürze und Elliptik der Aufrecht-Ausgabe unsicher [?].]
1 Dūrohaṇaṃ rohati, yat tad uktaṃ brāhmaṇaṃ 2 āndre pashukāmasya rohed, aindrā vai paśavas, tāj jāgataṃ syāt, bhūyiṣhṭheṣhv eva tat paśuṣhu yajamānaṃ pratiṣhṭhāpayati 5 bāraṇ rohet, tan mahāsūktaṃ ca jāgatāṃ caindrāvaruṇaṃ rohet, eṣhā hy atra hotraikakāmasya rohed, nividā vai kāmā āpyante. sa yady aindrāvaruṇe rohet, upāptā aindrāvaruṇe kāmā, upāptaḥ saupraṇe rohet, tad āpta aindrāvaruṇe kāma || 25 || 9 ||
Er besteigt die "Steilbesteigung" (dūrohaṇa) — so lautet der überlieferte Lehrsatz. Wer nach Vieh verlangt, soll die Indra[-Verse] besteigen — denn das Vieh gehört Indra; jenes [Lied] sei Jagatī, so gründet er den Opferherrn eben inmitten des reichlichsten Viehs. [Wer nach anderem verlangt,] mag [die entsprechenden Verse] besteigen: dieses große Lied und die Jagatī-[Verse]; das Indra-Varuṇa[-Lied] mag besteigen, wer allein nach diesem [einen] Hotrā-Amt verlangt — denn durch die Nivid-Rufe werden ja die Wünsche erlangt. Steigt er zum Indra-Varuṇa[-Lied] auf, sind die Wünsche nach Indra und Varuṇa ausreichend erfüllt; besteigt er das Saupraṇa[-Lied], so sind ebenfalls die Wünsche nach Indra-Varuṇa erfüllt. [Anm.: Der *Dūrohaṇa*-Vers (RV 4,20 bzw. verwandt) gilt als besonders kraftvoll und wird beim Besteigen eines höheren Grades der Rezitation eingesetzt; die Zuordnung einzelner Verse zu bestimmten Wünschen (Vieh, Hotrā-Amt usw.) folgt dem Muster der Wunsch-Opfer (kāmyeṣhṭi). Der Sanskrit-Text ist an dieser Stelle in der Aufrecht-Ausgabe knapp und an einzelnen Wörtern unsicher lesbar [?].]
1 Tad āhuḥ: saṃsanti ṣhaṣhṭhe 'hann, na saṃsaṃsed3iti | saṃsanty ity āhuḥ 3 katham anyeṣhv ahassu saṃsati, katham atra na saṃsaṃsed ity, atho khalv āhuḥ: naiva saṃsanset 5 svargo vai lokaḥ ṣhaṣhṭham ahar, asamāyī vai svargo lokaḥ, kaścid asvarge loke saṃsetīti. sa yat saṃsanset, samānaṃ tat kuryād atha yan na saṃsaṃsati3n, tat svargasya lokasya rūpaṃ. tasmān na saṃsanset. yad eva na saṃsaṃsati3n tat svargasya lokasyāptyai || 26 || 10 ||
Iti shashthapañcikāyāṃ caturtho 'dhyāyaḥ.
Iti ekonatriṃśādhyāye daśamaḥ khaṇḍaḥ.
Dazu sagt man: "Sollen sie am sechsten Tag [des mehrtägigen Opfers etwas] verkünden (saṃśaṃsanti, ein besonderer Zusatzruf) oder nicht?" — "Sie verkünden es", sagen die einen. "Wie kommt es dann, daß man es an anderen Tagen verkündet, hier aber nicht verkünden sollte?", [fragen sie]. Andere hingegen sagen: "Man soll es keinesfalls verkünden." [Begründung:] Die Himmelswelt ist der sechste Tag; die Himmelswelt aber ist unvergleichlich (asamāyin, ohnegleichen) — irgendjemand [Geringeres] könnte da in einer Welt [ohne Himmelscharakter] verkünden [wollen]. Würde er nun [dennoch] verkünden, so machte er [die Himmelswelt] zu etwas Gewöhnlichem (samāna); daß man aber nicht verkündet, das ist eben das [wahre, einzigartige] Wesen der Himmelswelt. Deshalb soll man [am sechsten Tag] nicht verkünden. Eben dieses Nicht-Verkünden dient zur Erlangung der Himmelswelt.
So [endet] in der sechsten Pañcikā der vierte Adhyāya.
So [endet] im neunundzwanzigsten Adhyāya der zehnte Khaṇḍa.