Adhyāya 30: Vṛṣhākapi-Evayāmarut-Adhyāyaḥ
Von den Śilpa-, Vālakhilya-, Vṛṣhākapi- und Evayāmarut-Versen und den Ursprungsmythen von Chandas, Aitaśa, Devanītha und Bhūtecchad
Vṛṣākapi/Evayāmarut, Aitaśa, Devanītha und Bhūtecchad.
1 Śilpāni saṃsanti 2 devaśilpāny, eteṣhāṃ vai śilpānām anukṛtyā śilpam adhigamyate: hastī, kaṃso, vāso, hiraṇyam, aśvatarī, rathaḥ 3 śilpaṃ hāsminn adhigamyate ya evaṃ veda 4 ātmasaṃskṛtir vāva śilpāni, chandomayaṃ vā etair yajamāna ātmānaṃ saṃskurute 5 Nābhānedishṭho retas tat siñcati, reto guhā yonyāṃ sicyate 6 sa retomiśro yonyāṃ sicyate: kṣhamayā retaḥ saṃjagmāno ni śiñcad iti, retaḥ kṣhamāyāṃ sicyata etena, tato vā ete prajāyante, prajātim eva tad dadhāti 7 dadhikrāvṇo akāriṣham iti Dadhikrāṃ śaṃsati. devapavitraṃ vā idam, vyāhanasyāṃ vācam āvadan tad devapavitreṇa vācaṃ punīte. vāg ghi devapavitraṃ, tad devapavitreṇa vācaṃ punīte 8 sānuṣhṭub bhavati. vāg vā anuṣhṭup, tat svena chandasā vācaṃ punīte 9 sutāso madhumattamā ā pavamānīr āsanety atra devapavitraṃ ca pāvamānīś ca. devapavitraṃ vai pāvamānyas, tad devapavitreṇaiva vācaṃ punīte || 27 || 1 ||
Man rezitiert die Kunst-/Werkstücke (śilpa): die Werke der Götter; durch die Nachbildung dieser [göttlichen] Werke wird [irdisches] Kunstwerk (śilpa) erlangt: Elefant, Bronzegefäß, Gewand, Gold, Maultierstute, Wagen. Kunstfertigkeit erlangt, wer dies weiß. Diese Kunstwerke sind gleichsam die Ausschmückung des eigenen Selbst; mit ihnen, die aus den Versmaßen (chandas) bestehen, schmückt der Opferherr sein Selbst aus. [Es folgt die Nābhānedishṭha-Erzählung:] Nābhānedishṭha gießt jenen Samen aus, der Same wird in einen verborgenen Mutterschoß (guhā yoni) gegossen; mit Samen vermischt wird er in den Mutterschoß gegossen: "Mit der Erde vereint, gieße den Samen hinein" — damit wird der Same in die Erde gegossen; daraus werden sie geboren, das bewirkt eben Nachkommenschaft. "Dem Dadhikrāvan habe ich [ein Loblied] bereitet" — damit besingt man den Dadhikrā [das rossgestaltige göttliche Wesen]. Dies ist das "Gottreinigungsmittel" (devapavitra); indem man die im Kampf vorgebrachte (vyāhanasī) Rede spricht, reinigt man die Rede mit dem Gottreinigungsmittel — denn die Rede selbst ist das Gottreinigungsmittel, damit reinigt man die Rede mit dem Gottreinigungsmittel. Es folgt ein Anuṣhṭubh-Vers: die Rede ist ja die Anuṣhṭubh, damit reinigt man die Rede mit ihrem eigenen Versmaß. "Die süßesten gepreßten [Somasäfte], die läuternden, seien hier" — hierin sind sowohl das Gottreinigungsmittel als auch die Pavamāna-Läuterungsverse [enthalten]; die Pavamāna-Verse sind ja das Gottreinigungsmittel, damit reinigt man eben mit dem Gottreinigungsmittel die Rede. [Anm.: Der Mythos von Nābhānedishṭha ("dem dem Nabel Nächsten"), einem Sohn des Manu, ist in der vedischen Literatur mit der Frage der Erbteilung und mit einem Same-Erde-Fruchtbarkeitsbild verknüpft; einzelne Wortformen dieses knappen Abschnitts sind in der Aufrecht-Ausgabe nur mit Unsicherheit zu lesen [?].]
1 Vālakhilyāḥ saṃsanti. prāṇā vai Vālakhilyāḥ, prāṇān evāsya tat kalpayati 2 tā vibhṛitā ime prāṇāḥ: prāṇenāpānena vyānena. sa pañcaśaḥ prathame sūkte vibharati, ardharcaśo dvitīye, ṛkśas tṛtīye 3 sa yat prathame sūkte vibharati, prāṇaṃ ca tad vācaṃ ca viharati; yad dvitīye, cakṣhuḥ ca tan manaś ca viharati; yat tṛtīye, śrotraṃ ca tad ātmānaṃ ca viharati 4 ātmā vai bṛihatī, prāṇaḥ satobṛihatī. sa ātmānaṃ prāṇaiḥ paribṛiṃhann eti, yad v evātimarśaṃ na vihared, yad v atimarśaṃ vihared, paśavo bṛihatyāṃ ca satobṛihatyāṃ ca. tad ātmānaṃ paśubhiḥ paribṛiṃhann eti 5 vy evottamaṃ sūktaṃ paryasya, ta evaitasya maitrāvaruṇāḥ prāṇān kalpayitvā brāhmaṇāchaṃsī pratijanayati, etaṃ tvā prajanayeti || 28 || 2 ||
Man rezitiert die Vālakhilya-Verse: Sie sind ja die Atemkräfte (prāṇa), man ordnet damit eben seine Atemkräfte. Diese Atemkräfte sind [dreifach] aufgeteilt: in den Ein-Atem (prāṇa), den Aus-Atem (apāna) und den Zwischen-Atem (vyāna). Man teilt sie [beim ersten Lied] fünffach [pro Vers], beim zweiten Lied halbversweise, beim dritten Lied versweise. Teilt man sie beim ersten Lied, so teilt man damit Atem und Rede; teilt man beim zweiten, so teilt man Auge und Denksinn; teilt man beim dritten, so teilt man Gehör und Selbst (ātman). Das Selbst ist die Bṛihatī, der Atem die Satobṛihatī. So schreitet er, sein Selbst mit den Atemkräften stärkend (paribṛiṃhayan), voran. Würde man aber nicht [in dieser rechten Weise] gliedern, oder überschreitend gliedern, [so verlöre man] das Vieh in Bṛihatī und Satobṛihatī — [rechtes Gliedern hingegen bedeutet:] er schreitet, sein Selbst mit dem Vieh stärkend, voran. Am Ende läßt man das letzte Lied [ungeteilt] herumgehen; für diesen [Opferherrn] ordnet dann der Maitrāvaruṇa die Atemkräfte, und der Brāhmaṇācchaṃsin erzeugt ihn [den Opferherrn] von neuem: "dich erzeuge ich von neuem".
1 Sukīrtiṃ saṃsanti. devayonir vai Sukīrtis, tad yajñād devayonyaḥ 2 Aitaśasya rūpam. Aitaśo ha vā ṛishir āsa, tam devāḥ svargaṃ lokam āyantam apṛichanta: kena no rūpeṇa svarge loke bhāsiṣhyasīti 3 sa hovāca: yenaiva vo rūpeṇa bhāsitha, tenaiva bhāsiṣhya iti. atho khalv āhuḥ: rathaṃtaram evāsya rūpaṃ syād, rathaṃtareṇa vai devāḥ svargaṃ lokam āyaṃs, tenaiva vayaṃ svargaṃ lokaṃ syāmeti || 29 || 3 ||
Man rezitiert das Lied "Sukīrti" ("Guter Ruhm"): Sukīrti ist ja göttlichen Ursprungs (devayoni), so [erlangt man] durch das Opfer göttlichen Ursprung. Es ist [zugleich] eine Gestalt des Aitaśa: Aitaśa war ein Ṛṣi, der zur Himmelswelt emporstieg; die Götter fragten ihn: "In welcher Gestalt wirst du in der Himmelswelt leuchten?" Er sprach: "In eben der Gestalt, in der ihr leuchtet, werde auch ich leuchten." Manche sagen aber auch: seine Gestalt sei eben das Rathaṃtara-Sāman gewesen — mit dem Rathaṃtara nämlich stiegen die Götter zur Himmelswelt empor; "mit eben diesem wollen [auch] wir zur Himmelswelt gelangen", [so dachten sie]. [Anm.: Dieser Khaṇḍa verknüpft das Lied "Sukīrti" mit dem Ṛṣi Aitaśa und dem berühmten *Rathaṃtara*-Sāman, einem der beiden ältesten und heiligsten Sāman-Melodien (neben dem Bṛhat), die den Aufstieg zum Himmel symbolisieren.]
1 Evayāmarutaṃ saṃsanti. Nābhānedishṭhasya Vālakhilyā ṛiṣhayo Vṛiṣhākapim evayāmarutam apaśyan; te samvatsare dve madhyaṃdine 'bhi pratyetāṃ hantāham iti śaṃsayāṃniti; tad athā tathā saṃśayāṃ cakāra 2 tad dhaithat Aśvatara Āśvir Vaiśvajito hotā, san īkṣhāṃ cakre: hotaḥ kathaṃ sastram vikrama, plavata iti kim hy abhūd, ity evāyāmarud amuttarataḥ kim hy abhūd, ity evāyāmarud amuttarataḥ kathendram vai madhyaṃdinaḥ ninīśhāsi. kathendraṃ vai madhyaṃdinān ninīśhāmi, nendraṃ chandas tv idam a-madhyaṃdinasāc, ayaṃ jāgato vā, sarvaṃ vā idaṃ jāgatam. vātijāgato vā. maiva saṃsiśheti sa hovācāraṃ acāha vākety atha hasminn anuśāsanam īṣhe hovaindraṃ || 30 || 4 ||
Man rezitiert das "Evayāmarut" [den Marut-Hymnus, RV 5.87]: Nābhānedishṭhas Söhne, die Vālakhilya-Ṛṣis, erblickten [einst] den Vṛishākapi als Evayāmarut; zwei [Jahre] lang traten sie bei der Mittagspressung [an ihn] heran: "Wohlan, ich will [ihn] besingen lassen", [so dachten sie]; und so geschah es. Da nun trat der Priester Bulila Āśvatara Āśvi, ein Vaiśvajit-Hotṛ, [hinzu] und überlegte: "O Hotṛ, wie überschreitest du das Sastra (Rezitations-Opfer), es springt gleichsam über — was ist da geschehen?" [Es antwortete jener:] "Eben das Evayāmarut. Was ist da anderes geschehen? Eben das Evayāmarut." — "Wie willst du denn Indra zur Mittagspressung führen?" — "Wie ich Indra zur Mittagspressung führen will? Nicht Indra [allein gehört] dieses Versmaß, sondern es ist Jagatī — ja, dies alles ist Jagatī, ja mehr als Jagatī." — "So besinge es nicht [auf diese Weise]!", sprach jener. Da erwiderte er ihm ein Wort, und so behielt er [dennoch] die Oberhand in dieser Unterweisung — er sprach von Indra. [Anm.: Der Vṛṣhākapi-Hymnus (RV 10.86) und das Evayāmarut (RV 5.87) werden hier über eine Priesterdisputation zwischen den Vālakhilya-Ṛṣis und dem Priester Bulila Āśvatara Āśvi Vaiśvajit eingeführt; dieser Abschnitt ist im Aufrecht-Druck stellenweise sehr knapp und elliptisch, einzelne Wortfolgen daher unsicher übersetzt [?].]
"Dieser [Vers] besinge gleichsam als Glied den Viṣhṇu — nun aber, o Hotṛ, füge diesen [Vers] oberhalb der Rudra-Betrachtung (dhyāyyā) und vor das dem Marut Zugehörige" — so ordnete er es eben. [Anm.: unmittelbarer, knapper Abschluß des Evayāmarut-Disputs; die genaue rituelle Anweisung bleibt im Sanskrit-Text kompakt und an dieser Stelle mit [?] zu kennzeichnen.]
1 Chandasāṃ vai ṣhaṣhṭhenāhnāptānāṃ raso 'tyanedat. sa Prajāpatim abhyait: parān ayaṃ chandasāṃ raso 'tyanedad, iti evaityāhaḥ, tam etyāhaḥ paraṃ ayaṃ chandasāṃ raso 'tyanedad iti evaityāhaḥ. sa Prajāpatir abravīt: parastāc chandasāṃ raso 'tyanedat, kāravyānushṭubhas. tat punaś chandassu rasam adadhāt. sarasair hāsya chandobhir iṣhṭaṃ bhavaty evaṃ veda 2 prajā vai naro vāk śaṃsaḥ, prajāsv eva tad vācaṃ dadhāti. tasmād imāḥ prajā vadatyo jāyante. ya evaṃ veda yad eva nārāśaṃsi3ṃ sansanto vai devāś ca ṛishayaś ca svargaṃ lokam āyaṃs, tathaivaitad yajamāna sansanta eva svargaṃ lokaṃ yanti 3 tāḥ pragrāhaṃ saṃsati yathā Vṛiṣhākapiṃ vārṣhākapaṃ hi, Vṛiṣhākapes tan nyāyam eti || 31 || 5 ||
Nachdem am sechsten Tag [des großen Ritus] die Essenz (rasa) der Versmaße (chandas) [von ihnen] abgetropft war, wandte sie [die Essenz] sich an Prajāpati. Man sagte zu ihm: "Fort ist diese Essenz der Versmaße abgetropft" — so sagte man wiederum zu ihm: "Fort ist diese Essenz der Versmaße abgetropft." Da sprach Prajāpati: "Fortan ist die Essenz der Versmaße abgetropft, [sie ist zu] Kāravī- und Anuṣhṭubh-Versen [geworden]." So legte er die Essenz wieder in die Versmaße zurück. Wer dies weiß, dessen Wunsch wird durch die essenzreichen Versmaße erfüllt. Die Menschen (naraḥ) sind Nachkommenschaft, das Menschenlob (Nārāśaṃsa) ist Rede; damit legt man eben die Rede in die Nachkommenschaft. Deshalb werden diese Nachkommen redend geboren — wer dies weiß [erlangt das]. Indem die Götter und die Ṛishis einst das Nārāśaṃsa-Lied rezitierend zur Himmelswelt gelangten, gelangen ebenso die Opferherren, [dieses Lied] rezitierend, zur Himmelswelt. Diese [Verse] rezitiert man als Pragāha-Strophe, wie [man] den Vṛṣhākapi [preist], denn es ist das dem Vṛṣhākapi Zugehörige (vārṣhākapa); so geht es dem rechten Brauch des Vṛṣhākapi entsprechend vor sich. [Anm.: Mythos vom Ursprung des Nārāśaṃsa-Versmaßes aus der "herabtropfenden Essenz" der übrigen Versmaße am sechsten Tag eines mehrtägigen Opfers (etwa des Chandomasa-Sattra); zentrale, aber knapp erzählte Ätiologie.]
1 Kāma-tam indra tvāvasum, kan navyo asyākṛtam ity aitaśapralāpaṃ saṃsati 2 Aitaśo ha vā munir agner āyur dadarśa, yajñasyāyatanam iti haika ābravīt: putrakā agner āyur adarṣham, tad ahaṃ vaḥ pratigṛihṇāmi, yat kiñca vadāmi tan me mā parigatety 3 sa pratyapadyata, tāsyābhyagnir Aitasāyana etyākhyad bibhāya mukhaṃ, adripaṃ naḥ pitī, alaso 'bhūr yo me vācam avadhīḥ; śatāyuṃ gām akāriṣham ahareṣhamahar, satyaṃ te prajāṃ karomi mettham iti tasmād āhur: Abhyagnayaḥ Aitaśāyanā Aurvāṇāḥ pāpiṣhṭhaṃ na niśheded, yāvatkāmaṃ saṃśety eva brūyāt || 32 || 6 ||
"Wer, o Indra, [ist] dein Wohltäter, was hat der Neue [noch] nicht getan" — dies rezitiert man als "Aitaśas Geschwätz" (Aitaśapralāpa). Aitaśa nämlich, der Weise (muni), erblickte einst das Lebensalter (āyus) des Agni — die Grundlage des Opfers, sagten die einen —, und sprach: "Meine Söhnchen, ich habe des Agni Lebensalter erschaut; das nehme ich für euch entgegen — was immer ich [dabei irrtümlich] sage, das soll mir nicht zur Last gelegt werden." So erklärte er sich bereit. Da erschien ihm Agni Aitaśāyana und erschreckte [ihn] mit [furchtbarem] Antlitz: "Erbarmungslos [warst du] gegen unseren Vater; träge bist du geworden, der du mein Wort verletzt hast; hundertjährige Kuh habe ich [dir dennoch] verschafft, Tag für Tag [neue] Speise — wahrhaftig mache ich dir Nachkommenschaft, mach du es ebenso." Deshalb sagt man: die Abhyagni-, Aitaśāyana- und Aurva-[Priestergeschlechter] sollen das Schlechteste nicht [von sich] weisen, sondern man soll sagen: "Soviel man begehrt, soviel besinge man auch." [Anm.: Mythos vom Weisen (muni) Aitaśa, der vorzeitig und ohne göttliche Erlaubnis in Agnis verborgenes Lebensalter/Geheimnis blickte und dafür von einer Erscheinung des Agni (Aitaśāyana) gerügt, aber am Ende doch mit Nachkommenschaft gesegnet wurde; Erklärung der eigentümlichen Bezeichnung "Aitaśapralāpa" ("Aitaśas Geschwätz") für diesen Pragātha. Der Sanskrit-Text ist an mehreren Stellen sehr knapp und schwer eindeutig zu lesen [?].]
1 Devanītham saṃsaty 2 Ādityāś ca ha vā Aṅgirasaś ca svarge loke spardhanta: vayaṃ pūrve eṣhyāmo vayam iti. te hāṅgirasaḥ pūrve svargasya lokasya dadhriṣhus, te 'gnim prajighyuḥ — Aṅgirasām parehy Ādityebhyaḥ svargasya lokasya prabrūhīti. te hādityā Agnim dṛiṣhṭvā sadyaḥ svargasya lokasya prabrūhīti. tān etyābravīc: chvaḥ svargasya lokasya prabhrūma iti; te hocuḥ: atha vayaṃ tubhyaṃ sadyaḥsutyāṃ vaḥ svargaṃ lokaṃ prabrūma iti, te hocuḥ: prāvocāḥ satyaṃ yad ṛtvijyena tam prativadhet, na hi nāḥ pratyajñāsad ity, yadi tv asmād apojijigāṃsed, yajñenāsmād apodiyāt tv ayāyaṃ syāvaditam tasmāt || 34 || 8 ||
Man rezitiert das "Devanītha" ("Götterführung"): Die Ādityas und die Aṅgirasas stritten einst um die Himmelswelt: "Wir werden zuerst kommen, [nein] wir!" Da gelangten die Aṅgirasas zuerst zur Himmelswelt; sie schickten Agni [zurück]: "Geh zu den Ādityas [im Namen] der Aṅgirasas und verkünde ihnen [den Anspruch] auf die Himmelswelt." Die Ādityas, als sie Agni erblickten, [sprachen]: "Verkünde uns sogleich [den Weg zur] Himmelswelt." Er ging zu ihnen und sprach: "Morgen werde ich euch die Himmelswelt verkünden." Sie aber sprachen: "So wollen wir dir sogleich, mit sofortiger Somapressung, die Himmelswelt verkünden." Sie sprachen [weiter]: "Du hast die Wahrheit verkündet, [nun] soll man das durch priesterliches Amt entsprechend vergelten, denn er hat uns [sonst] nicht anerkannt"; wenn man ihn aber [aus dem Amt] verdrängen wollte, so würde man ihn durch das Opfer [wieder] daraus entfernen — so sprach man dies fest. [Anm.: Mythos vom Wettstreit zwischen den Ādityas und den Aṅgirasas um den Vorrang beim Erreichen der Himmelswelt, in dem Agni als Bote zwischen beiden Parteien vermittelt; Ursprungserzählung für den Pragātha "Devanītha". Wegen der komprimierten, dialogreichen Erzählweise des Originals bleiben einzelne Formulierungen unsicher übersetzt [?].]
1 Bhūtecchadaḥ saṃsaty 2 bhūtechadbhir vai devā asurān upāsacantovaya yuddhenaiva māyayā. teṣhāṃ devā bhūtecchadbhir eva bhūtāṃ chādayitvāthainān atyāyaṃs, tathaivaitad yajamānā bhūtecchadbhir evāpriyasya bhrātṛivyasya bhūtaṃ chādayitvāthainam atiyanti 3 ardharcaśaḥ śaṃsati, pratiṣhṭhāyā eva 4 hanasyāḥ 5 ahanasyād vai retaḥ sicyate, retasaḥ prajāyante, prajātim eva tad dadhāti 6 tā daśākṣharā virāj, annaṃ virāj, annādyasyāvaruddhyai 7 tā nyūṅkhayati, nyūṅkho, retaḥ sicyate, retasaḥ prajāyante, prajātim eva tad dadhāti. annaṃ vai nyūṅkhāyaty, ’nnād retaḥ sicyate, retasaḥ prajāyante, prajātim eva tad dadhāti || 35 || 9 ||
Man rezitiert das "Bhūtecchad" ("Wesen-Verhüllend"): Mit den Bhūtecchad[-Versen] näherten sich die Götter den Asuras wie [in einem] Kampf, durch bloße Zaubertäuschung (māyā). Die Götter verhüllten damit deren Wesen (bhūta) mit den Bhūtecchad[-Versen] und übertrafen sie danach. Ebenso verhüllen die Opferherren mit den Bhūtecchad[-Versen] das Wesen des unliebsamen feindlichen Rivalen (bhrātṛvya) und übertreffen ihn danach. Man rezitiert halbversweise, um des festen Standes willen. [Es folgt eine kurze etymologische Erörterung der Wortformen "ahanasya" und "nyūṅkha":] Aus dem "Nicht-Erschlagenen" (ahanasya) wird Same ausgegossen, aus dem Samen wird Nachkommenschaft geboren — das bewirkt eben Nachkommenschaft. Diese [Verse sind] zehnsilbig, [also] Virāj; Virāj ist Speise, zur Erlangung dieser Speise [dient es]. Er läßt sie "schwanken" (nyūṅkhayati) — im Schwanken wird Same ausgegossen, aus dem Samen wird Nachkommenschaft geboren, das bewirkt eben Nachkommenschaft. Speise nämlich läßt man schwanken, aus der Speise wird Same ausgegossen, aus dem Samen wird Nachkommenschaft geboren — das bewirkt eben Nachkommenschaft. [Anm.: Der Mythos deutet die *Bhūtecchad*-Verse als magische "Verhüllung" (māyā), mit der die Götter die Asuras im Opferkampf täuschten und überwanden — ein Motiv der Asura-Kriegsmythologie, das auch der Opferherr gegen seinen Rivalen (bhrātṛvya) nutzt. Die anschließende Wort-Etymologie (ahanasya, nyūṅkha) folgt dem für die Brāhmaṇas typischen Lautspiel und bleibt im Deutschen notwendig interpretierend.]
1 [Fortsetzung, letzter Khaṇḍa des Adhyāya:] etad Aindrābārhaspatyaṃ tricanam āsanya sasati, viṣho adevīr āsanya sasaty 2 tā asuravīr abhy ācarantīr bṛihaspatinaiva yujendraḥ Bṛihaspatinaiva vyajāsuryaṃ varṇam abhyadāsantam apāhan, tathaivaitad yajamānā Indrābṛihaspatibhyām eva yujāsuryaṃ varṇam abhyadāsantam apāghnate 3 tad āhuḥ: saṃsanti ṣhaṣhṭhe 'hann, na saṃsaṃsed3iti | saṃsanty ity āhuḥ. kathaṃ anyeṣhv ahassu saṃsati, kathaṃ atra na saṃsaṃsed iti, atho khalv āhuḥ: naiva saṃsaṃset. svargo vai lokaḥ ṣhaṣhṭham ahar, asamāyī vai svargo lokaḥ, kaścid asvarge loke saṃsetīti. sa yat saṃsaṃset, tat svargasya lokasya rūpaṃ. tasmān na saṃsaṃset. yad eva na saṃsaṃsati, tat svargasya lokasyāptyai 4 etāni vātrokthāni: nābhānedishṭho vālakhilyā Vṛiṣhākapir Evayāmarut. yat saṃsed, apaiva tataḥ kāmān rādhnuyād, aindraṃ vṛishākapim evāyāmarutam kāmam upāpto ya evaṃ jāgate 'thedam aindrābārhaspatyaṃ sūktam, aindrābārhaspatyā paridhānīyāḥ. tasmān na saṃsaṃsen na saṃsaṃset || 36 || 10 ||
Iti shashthapañcikāyāṃ pañcamo 'dhyāyaḥ.
Iti triṃśādhyāye daśamaḥ khaṇḍaḥ.
Dieses Indra-und-Bṛihaspati-Lied (Aindrābārhaspatya) rezitiert man an dritter Stelle, sitzend; die gottlosen [Verse gegen die Asuras] rezitiert man ebenfalls sitzend. Diese [Verse] richten sich gegen die Asura-Kraft: mit Bṛihaspati als Verbündetem erschlug Indra eben mit Bṛihaspati als Verbündetem die asurische Farbe (varṇa), die [ihn] zu unterjochen suchte. Ebenso erschlagen die Opferherren mit Indra und Bṛihaspati als Verbündeten die asurische Farbe, die [sie] zu unterjochen sucht. Dazu sagt man [abermals, wie schon zuvor]: "Soll man am sechsten Tag [dies] verkünden oder nicht?" — "Man verkündet es", sagen die einen: "Wie sollte man an anderen Tagen verkünden, hier aber nicht?" Andere hingegen sagen: "Man soll keinesfalls verkünden." Denn die Himmelswelt ist der sechste Tag, und die Himmelswelt ist unvergleichlich; würde da irgendjemand [Geringeres] in einer Welt ohne Himmelscharakter verkünden? Würde er verkünden, so wäre das [dem wahren] Wesen der Himmelswelt [zuwider]; deshalb soll man nicht verkünden. Eben dieses Nicht-Verkünden dient zur Erlangung der Himmelswelt. Dies sind hier die Ukthas [Preislieder dieses Adhyāya]: Nābhānedishṭha, die Vālakhilya-Verse, Vṛishākapi, Evayāmarut. Würde man [dennoch] verkünden, so könnte man dadurch immerhin [gewisse] Wünsche erfüllen: den auf Indra, den auf Vṛishākapi, den auf Evayāmarut gerichteten Wunsch erlangt, wer dies weiß, an einem Jagatī-Tag. Und dies ist [ferner] das Indra-und-Bṛihaspati-Lied, [dem entsprechen] die Aindrābārhaspatya-Paridhānīya-Schlußverse. Deshalb soll man [dennoch] nicht verkünden, soll man nicht verkünden.
So [endet] in der sechsten Pañcikā der fünfte Adhyāya.
So [endet] im dreißigsten Adhyāya der zehnte Khaṇḍa.