Quellen der Menschheit

Aitareya-Brāhmaṇa · Saptamī Pañcikā

Adhyāya 34: Brahmakshatrasambandhaḥ Brahma und Kṣatra bei der Königsweihe

Das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Macht (brahma, kṣatra).

1 Prajāpatir yajñam asṛjata, yajñaṃ sṛishṭaṃ prajā asṛjyetām. brahmakshatre anu dvayyaḥ prajā asṛjyanta, hutādaś cāhutādaś ca; brahmaivānu hutādaḥ, kshatram anv āhutādaḥ. etā vai prajā hutādo yad brāhmaṇāḥ, athaitāḥ prajā ahutādo yad rājanyo vaiśyaḥ śūdras. taṃ brahmakshatre anv āhutādam udakrāmatāṃ, tāṃ eva brahmaṇa āyudhāni, tair brahmaṇvaid; yāni kshatrasya taiḥ kshatram. etāni vai brahmaṇa āyudhāni yad yajñāyudhāny, athaitāni kshatrasyāyudhāni yad aśvarathakavacaudhanvā; taṃ kshatram ananvāpya nyavartatātā, yudhebhyo ha smāsya vijamānaḥ parān avaiti. athainaṃ brahmaṇvait, tam āptvā, taṃ āptvā parastān nirudhyātishṭhat. sa āptaḥ parastān niruddhaḥ jishṭhāṃ jñātvā svāny āyudhāni brahmopāvartata. tasmād dhāpy etarhi yajño kshatraṃ brāhmaṇeshu pratishṭhitam. 4 'thainat brahmaṇy abravīd: upa māsminn yajñe bhavasveti. tat tathety abravīt, tad vai nidhāya svāny āyudhāni brahmaṇa evāyudhāir brāhmaṇa eva rūpeṇa brahma bhūtvā yajñam upāvartasveti. tatheti. tat kshatraṃ nidhāya svāny āyudhāni brahmaṇaivāyudhāir brāhmaṇa rūpeṇa brahma bhūtvā yajñam upāvartata. tasmād dhāpy etarhi kshatriyo yajamāno nidhāyaiva svāny āyudhāni, brahmaṇa evāyudhāir brāhmaṇa rūpeṇa brahma bhūtvā yajñam upāvartate ‖ 19 ‖ 1 ‖

1 Prajāpati schuf das Opfer; als das Opfer geschaffen war, wurden [von ihm] die Geschöpfe geschaffen. In [Verbindung mit] Brahma (der geistlichen Macht) und Kṣatra (der Herrschermacht) wurden zwei Arten von Geschöpfen geschaffen: Speiseesser (hutāda, wörtl. „Geopfertes essend") und Nicht-Speiseesser (ahutāda). Die Speiseesser sind eben jene Geschöpfe, die Brahmanen sind; die Nicht-Speiseesser hingegen sind Kṣatriya, Vaiśya und Śūdra. Als das mit dem Kṣatra verbundene nicht-speiseessende [Geschöpf, d. h. der Kṣatriya-Stand] sich [vom Bündnis mit Brahma] löste, [nahm es] eben die Waffen des Brahma [mit sich, wurde also feindlich]; womit Brahma [ausgestattet war], war Brahma[s eigen], womit Kṣatra [ausgestattet war], war Kṣatra[s eigen]. Brahmas Waffen sind eben die Opferwaffen [Opfergeräte], Kṣatras Waffen aber sind Pferd, Wagen, Panzer und Bogen. Da nun das Kṣatra, ohne mit [Brahma] verbündet zu sein, [in die Schlacht] zog, unterlag es stets in den Kämpfen und zog sich geschlagen zurück. Da verbündete sich Brahma mit ihm; nachdem es [Kṣatra so den Sieg] errungen hatte, blieb es, nachdem es die Fernstehenden [die Feinde] besiegt hatte, [siegreich] stehen. So gesiegt, die Fernstehenden besiegt, erkannte es [Kṣatra dies] und legte seine eigenen Waffen nieder und wandte sich [wieder] Brahma zu. Darum ist auch heute noch das Opfer[wesen], das Kṣatra, in den Brahmanen begründet. 4 Da sprach [Kṣatra] zu Brahma: „Sei du an diesem Opfer beteiligt." „So sei es", sprach [Brahma], „lege deine eigenen Waffen nieder, [nimm] allein Brahmas Waffen, und, in Brahmanengestalt zu Brahma geworden, nimm am Opfer teil." „So sei es." So legte es [Kṣatra] seine eigenen Waffen nieder, [nahm] allein Brahmas Waffen, und, in Brahmanengestalt zu Brahma geworden, nahm es am Opfer teil. Darum legt auch heute noch der kṣatriyische Opferherr seine eigenen Waffen nieder und nimmt, allein mit Brahmas Waffen, in Brahmanengestalt zu Brahma geworden, am Opfer teil. [Anm.: Kosmogonischer Ursprungsmythos zur Begründung, warum der kṣatriyische Opferherr beim Opfer selbst gleichsam die Rolle und Gestalt eines Brahmanen annimmt (seine Waffen ablegt und mit brahmanischen ‚Waffen', d. h. Opfergeräten, hantiert) — Grundlage der folgenden Erörterungen über das Verhältnis von Kṣatra und Brahma bei der Weihe (dīkshā) des Königs.]

1 Athāto devayajanasyaiva yācñyāḥ. tad āhur: yad brāhmaṇo rājanyo vaiśyo dīkshishyamāṇaḥ kshatriyaṃ devayajanam yācati, kaṃ kshatriyo yāced iti. 2 daivaṃ kshatraṃ yāced, ity āhuḥ. Ādityo vai daivaṃ kshatram, Āditya eshāṃ bhūtānām adhipatiḥ. 3 sa yad ahar dīkshishyamāṇo bhavati, tad ahaḥ pūrvāhṇa evodayantam Ādityam upatishṭheta: śreshṭhaṃ jyotishām uttamam, deva savitar devayajanam me dehi devayajanāyeti, devayajanaṃ yācati. 4 yat tatra sarpaty, om tathā dadāmīti haiva tad ahaḥ syaṃ; na hā kā ena rishṭir bhavati devena Savitrā prasūtasyottarottariṇīṃ ha sa śriyam aśnute, aśnute ha prajām, aiśvaryam, ādhipatyaṃ, ya evam upasthāya yācitvā devayajanam adhyavasāya dīkshate kshatriyaḥ san ‖ 20 ‖ 2 ‖

1 Nun weiter zur Bitte um den Opferplatz (devayajana). Man fragt: Wenn ein Brahmane, Kṣatriya oder Vaiśya, der sich weihen lassen will, von einem Kṣatriya (dem König) einen Opferplatz erbittet — von wem soll [dann] der Kṣatriya [selbst] erbitten? 2 Er soll das göttliche Kṣatra erbitten, sagt man. Āditya (die Sonne) ist ja das göttliche Kṣatra, Āditya ist der Herr über diese Geschöpfe. 3 An dem Tag, an dem er sich weihen lassen will, soll er am Vormittag desselben Tages vor die aufgehende Sonne treten: „Bester unter den Lichtern, Höchster, Gott Savitṛ, gib mir den Opferplatz zum Opfern" — so erbittet er den Opferplatz. 4 Was da [an Boden vor ihm] kriecht [d.h. was er dabei betritt], [ist ihm] gleichsam mit ‚Om, so gebe ich' [von der Sonne zugesagt] für diesen Tag; keinerlei Schaden widerfährt dem, der so von Gott Savitṛ ausgesandt ist — er erlangt immer höheres Glück, er erlangt Nachkommenschaft, Herrschermacht, Oberherrschaft — wer so [vor die Sonne] tritt, [den Opferplatz] erbittet und sich, nachdem er den Opferplatz bestimmt hat, weihen läßt, obwohl er ein Kṣatriya ist. [Anm.: Regel, daß auch der König selbst — will er als Opferherr auftreten — den Opferplatz nicht von einem irdischen Kṣatriya, sondern vom „göttlichen Kṣatra", der Sonne Āditya, erbitten muß, mit festgelegtem Spruch bei Sonnenaufgang.]

1 Athāta ishṭāpūrtasya parijñānaṃ kshatriyasya yajamānasya. sa purastād dīkshāyā āhutiṃ juhuyāc caturgṛhītam ājyam āhavanīya ishṭāpūrtasya parijñānāya. 2 punar na Indro maghavā dadātu, brahma punar ishṭaṃ pūrtaṃ dāt svāhety athānūbandhyai samishṭayajusham uparishṭāt. 3 punar no agnir jātavedā dadātu, brahma punar ishṭaṃ pūrtaṃ dāt svāheti. 4 saishṭāpūrtasya parijñānir kshatriyasya yajamānasya, yad ete hotavye, tasmād ete hotavye ‖ 21 ‖ 3 ‖

1 Nun weiter zur [Vor-]Kenntnisnahme des [bisher erworbenen] Verdienstes an ishṭā-pūrta (dem Lohn für vollzogene Opfer und milde Stiftungen) durch den kṣatriyischen Opferherrn. Er soll vor der Weihe eine mit vier Schöpflöffeln entnommene Schmelzbutter-Opferung ins Āhavanīya-Feuer darbringen, zur [vorherigen] Kenntnisnahme seines ishṭā-pūrta-Verdienstes. 2 [Mit dem Spruch:] „Indra, der Gabenreiche, gebe [es mir] wieder; Brahma gebe das Erworbene und Gestiftete wieder, svāhā" — dann, bei der abschließenden Sammelspruch-Opferung (samishṭayajus) nachher. 3 „Agni Jātavedas gebe [es mir] wieder, Brahma gebe das Erworbene und Gestiftete wieder, svāhā." 4 Dies ist die [vorherige] Kenntnisnahme des ishṭā-pūrta-Verdienstes des kṣatriyischen Opferherrn — daß diese [beiden Sprüche] zu opfern sind; darum sind sie zu opfern. [Anm.: Kurzer Khaṇḍa mit den beiden Sprüchen, mit denen der König vor seiner Weihe symbolisch sein bisheriges religiöses Verdienst zurückerbittet/bestätigt.]

1 Tad u ha smāha Saujātā Ārālhiḥ: ajitapunarvanyam etad yad etā āhutī iti. yathā hi kāmayetaitāny eva kuryād, ya ito 'nuśāsanaṃ kuryād itīme tv eva juhuyāt. 2 brahma prapadye, yo yajñaṃ prapadyate, brahmaṇe kshatrād gopāyatu, brahmaṇa esha prapadyate svāheti. 3 tat-tad iti3ṃ | brahma vai yajño; yajñaṃ hu vā esha punar jāyate. taṃ brahma prapannaṃ kshatraṃ na parijānāti. brahma mā kshatrād gopāyatv ity āha, yathainaṃ kshatraṃ brāhmaṇo gopāyet. kshatrāya svāheti, tad enat prīṇāti. tad enaṃ prītaṃ kshatrād gopāyaty, athānūbandhyai samishṭayajusham uparishṭāt 4 kshatraṃ prapadye, kshatraṃ mā brāhmaṇo gopāyatu, kshatrāya svāheti. tat-tad iti3ṃ | brahma vā esha prapadyate, yo rāshṭraṃ prapadyate, kshatraṃ hi rāshṭram. taṃ kshatraṃ prapannaṃ brahma na parijānāti. kshatraṃ mā brāhmaṇo gopāyatv ity āha, yathainaṃ kshatraṃ brāhmaṇo gopāyet. kshatrāya svāheti, tad enat prīṇāti. tad enaṃ prītaṃ brāhmaṇo gopāyati. tad ishṭāpūrtasyaiva parijñānir kshatriyasya yajamānasya, yad ete āhutī, tasmād ete hotavye ‖ 22 ‖ 4 ‖

1 Dazu sagte Saujātā Ārālhi: „Nicht rückforderbar (unwiderruflich) ist es, was diese beiden Opfergaben [betrifft]." Man solle sie also je nach eigenem Wunsch [entweder als vier oder als zwei] ausführen; wer die [strengere] Lehrmeinung von hier [von Saujātā] befolgen wolle, solle eben nur diese [zwei folgenden] opfern. 2 „Ich begebe mich zu Brahma — wer sich zum Opfer begibt, den möge Brahma vor dem Kṣatra schützen; zu Brahma begibt sich dieser, svāhā." 3 „So sei es." Das Opfer ist ja Brahma; durch das Opfer wird er [der Opferherr] gleichsam wiedergeboren. Kṣatra erkennt den, der sich zu Brahma begeben hat, nicht [mehr als seinesgleichen] an. „Brahma möge mich vor dem Kṣatra schützen", so spricht er, damit ihn der Brahmane [d.h. Brahma] vor dem Kṣatra schütze. „Dem Kṣatra, svāhā" — damit besänftigt er es [Kṣatra]. So, besänftigt, schützt es [Kṣatra] ihn dann [seinerseits] vor [den Übergriffen des] Kṣatra — [dies alles] darauf bei der abschließenden Sammelspruch-Opferung. 4 „Ich begebe mich zu Kṣatra — Kṣatra möge mich vor dem Brahmanen schützen; dem Kṣatra, svāhā." „So sei es." Zu Brahma begibt sich nämlich auch, wer sich zum Reich (rāshṭra) begibt, denn Kṣatra ist eben das Reich. Brahma erkennt den, der sich zum Kṣatra begeben hat, nicht [mehr als seinesgleichen] an. „Kṣatra möge mich vor dem Brahmanen schützen", so spricht er, damit ihn Kṣatra vor dem Brahmanen schütze. „Dem Kṣatra, svāhā" — damit besänftigt er es. So, besänftigt, schützt ihn [in der Folge] der Brahmane. Dies ist die [vorherige] Kenntnisnahme des ishṭā-pūrta-[Verdienstes] des kṣatriyischen Opferherrn — daß diese beiden Opfergaben [dargebracht werden]; darum sind sie zu opfern. [Anm.: Fortsetzung — zwei alternative (bzw. nach Saujātā Ārālhi allein maßgebliche) Sprüche, mit denen sich der werdende König wechselseitig unter den Schutz von Brahma und Kṣatra stellt, um beider Übergriffe gegeneinander abzuwehren.]

1 Athendro vai devatayā kshatriyo bhavati, traishṭubhaś chandasā, pañcadaśaḥ stomena, somo rājyena, rājanyo bandhunā. sa ha dīkshamāṇa eva brāhmaṇatām abhyupaiti — yat kṛishṇājinam abhyudhyāt, yad dīkshitavratam carati, yad enaṃ brāhmaṇā abhisamgacchante. tasya ha dīkshamāṇasyendra evendriyam ādatte, traishṭubhaṃ vīryam, pañcadaśaḥ stoma āyuḥ, somo rājyaṃ, pitaro yaśaḥ kīrtiṃ — 'nyo vā ayam asmād bhavati, brahma vā ayam bhavatīty avadantām. sa purastād dīkshāyā āhutiṃ hutvāhavanīyam upatishṭheta: na indrād devatāyā emi, na traishṭubhāc chandaso, na pañcadaśāt stomān, na somād rājño, na pitrād bandhor. mā ma Indra indriyam ādita, mā traishṭubhaṃ vīryam, mā pañcadaśaḥ stoma āyur, mā somo rājyaṃ, mā pitaro yaśaḥ kīrtiṃ, sahendriyeṇa vīryeṇāyushā rājyena yaśasā bandhunāgnim upaimi, gāyatraṃ chandas trivṛitaṃ stomaṃ, somaṃ rājānam iti. 4 tasya ha nendra indriyam ādatte, na traishṭubhaṃ vīryam, na pañcadaśaḥ stoma āyur, na somo rājyaṃ, na pitaro yaśaḥ kīrtim, ya evam etāṃ āhutiṃ hutvāhavanīyam upasthāya dīkshate kshatriyaḥ san ‖ 23 ‖ 5 ‖

1 Nun: durch die Gottheit Indra ist einer Kṣatriya, durch das Versmaß Triṣṭubh, durch das Preislied (stoma) der Fünfzehnzahl, durch die Königsherrschaft Soma, durch die Verwandtschaft ein Rājanya (Adliger). Wenn er sich weihen läßt, geht er nun [zeitweilig] in den Brahmanenstand über — indem er das schwarze Antilopenfell anlegt, das Weihegelübde erfüllt, indem sich die Brahmanen um ihn versammeln. Von ihm, dem sich Weihenden, nimmt eben Indra die Kraft (indriya), die Triṣṭubh die Manneskraft (vīrya), das Fünfzehner-Lied die Lebenskraft (āyus), Soma die Königsherrschaft, die Väter (Ahnen) Ansehen und Ruhm — [sonst] könnte man sagen: „dieser ist ein anderer geworden als [der er war], dieser ist [nun bloß noch] Brahma [Priester] geworden." Er soll darum vor der Weihe eine Opfergabe darbringen und vor das Āhavanīya-Feuer treten: „Nicht gehe ich fort von der Gottheit Indra, nicht vom Versmaß Triṣṭubh, nicht vom Fünfzehner-Lied, nicht vom König Soma, nicht von der väterlichen Verwandtschaft. Nicht nehme mir, Indra, die Kraft, nicht die Triṣṭubh die Manneskraft, nicht das Fünfzehner-Lied die Lebenskraft, nicht Soma die Königsherrschaft, nicht die Väter Ansehen und Ruhm — mit Kraft, Manneskraft, Lebenskraft, Königsherrschaft, Ansehen und Verwandtschaft [zugleich] nahe ich mich Agni, dem Gāyatrī-Versmaß, dem Dreifach-Preislied, dem König Soma." 4 Von ihm nimmt dann Indra nicht die Kraft, nicht die Triṣṭubh die Manneskraft, nicht das Fünfzehner-Lied die Lebenskraft, nicht Soma die Königsherrschaft, nicht die Väter Ansehen und Ruhm — wer so, nachdem er diese Opfergabe dargebracht und sich vor das Āhavanīya-Feuer gestellt hat, sich weihen läßt, obwohl er ein Kṣatriya ist. [Anm.: Da die Weihe (dīkshā) den König rituell in einen Brahmanen verwandelt (Indra→Agni, Triṣṭubh→Gāyatrī, Fünfzehner-→Dreifach-Lied, Soma-Königtum→bloßes Priestertum), bewahrt dieser Spruch ihm ausdrücklich seine kṣatriyischen Eigenschaften, damit er sie nach der Weihe zurückerhält.]

1 Athāgneyo vai devatayā kshatriyo dīkshito bhavati, gāyatraś chandasā, trivṛit stomena, brāhmaṇo bandhunā. sa hodavasyann eva kshatriyatām abhyupaiti. tasya hodavasyato 'gnir eva teja ādatte, gāyatrī vīryam, trivṛit stoma āyur, brāhmaṇā brahma yaśaḥ kīrtiṃ — anyo vā asmād bhavati, kshatraṃ vā ayam bhavatīti vadantaḥ. 2 so 'nūbandhyāyai samishṭayajusham upatishṭheta, hutvāhutim āhavanīyam upatishṭheta. 3 nāgner devatāyā emi, na gāyatryāś chandaso, na trivṛitaḥ stomān, na brāhmaṇā brahmaṇo bandhor. mā me 'gnis teja ādita, mā gāyatrī vīryam, mā trivṛit stoma āyur, mā brāhmaṇā brahma yaśaḥ kīrtim, sahatejasā vīryeṇāyushā brāhmaṇā yaśasā kīrtyendraṃ devatām upaimi, traishṭubhaṃ chandaḥ, pañcadaśaṃ stomaṃ, somaṃ rājānaṃ, kshatraṃ prapadye, kshatriyo bhavāmi | svam idam ishṭaṃ, svam pūrtaṃ, svaṃ śrāntaṃ, svaṃ hutam | tasya me 'yam Agnir upadrashṭāyaṃ Vāyur upasrotāsāv Ādityo 'nukhyātedam ahaṃ, ya evāsmi so 'smīti. 4 tasya ha nāgnis teja ādatte, na gāyatrī vīryaṃ, na trivṛit stoma āyur, na brāhmaṇā brahma yaśaḥ kīrtim, ya evam etāṃ āhutiṃ hutvāhavanīyam upasthāyaitat kshatriyaḥ san ‖ 24 ‖ 6 ‖

1 Während der Weihe ist er [nun] durch die Gottheit Agni [charakterisiert], durch das Versmaß Gāyatrī, durch das Dreifach-Preislied, durch die Verwandtschaft ein Brahmane. Sobald er nach der Weihe [wieder] zur Konsekration schreitet [d. h. den Vorbereitungsritus für den eigentlichen Weihe-Trank vollzieht], geht er [wieder] in den Kṣatriya-Stand über. Von ihm nimmt dann eben Agni die Glut (tejas), Gāyatrī die Manneskraft, das Dreifach-Lied die Lebenskraft, die Brahmanen [das ihm während der Weihe verliehene] Brahma-Ansehen und den Ruhm — [sonst] könnte man sagen: „dieser ist ein anderer geworden, dieser ist [nun wieder] Kṣatra geworden". 2 Er soll darum bei der abschließenden Sammelspruch-Opferung eine Opfergabe darbringen und vor das Āhavanīya-Feuer treten [mit dem Spruch]: 3 „Nicht gehe ich fort von der Gottheit Agni, nicht vom Versmaß Gāyatrī, nicht vom Dreifach-Lied, nicht von der brahmanischen Verwandtschaft. Nicht nehme mir Agni die Glut, nicht Gāyatrī die Manneskraft, nicht das Dreifach-Lied die Lebenskraft, nicht die Brahmanen Ansehen und Ruhm — mit Glut, Manneskraft, Lebenskraft, brahmanischem Ansehen und Ruhm [zugleich] nahe ich mich der Gottheit Indra, dem Versmaß Triṣṭubh, dem Fünfzehner-Lied, dem König Soma; ich begebe mich zum Kṣatra, ich werde [wieder] ein Kṣatriya. Mein ist dieses [Opfer, das ich] geopfert, mein das [was ich] gestiftet, mein das [wofür ich mich] abgemüht, mein das [was ich] dargebracht habe. Dieser Agni sei mir Zeuge, jener Vāyu Zuhörer, jene Sonne Beobachter dessen — ich bin, wer ich [wirklich] bin." 4 Von ihm nimmt dann nicht Agni die Glut, nicht Gāyatrī die Manneskraft, nicht das Dreifach-Lied die Lebenskraft, nicht die Brahmanen Ansehen und Ruhm — wer so, nachdem er diese Opfergabe dargebracht und sich vor das Āhavanīya-Feuer gestellt hat, [wieder] zum Kṣatriya wird. [Anm.: Spiegelbildliches Gegenstück zum vorigen Khaṇḍa — Rückverwandlungsspruch, mit dem der geweihte König nach Abschluß der eigentlichen Weihe-Handlung wieder in seine kṣatriyische Eigenart zurückkehrt, ohne die während der Weihe erworbenen brahmanischen Eigenschaften einzubüßen.]

1 Athāto dīkshāyā āvedanasyaiva. tad āhur: yad brāhmaṇasya dīkshitasya brāhmaṇo dīkshiteti dīkshām āvedayanti, kathaṃ kshatriyasyāvedayed iti. 2 yathaivaitad brāhmaṇasya dīkshiteti dīkshām āvedayanty, evam etat kshatriyasyāvedayet, purohitasyārsheyeṇa. 3 tat-tad iti3ṃ | 4 nidhāya vā esha svāny āyudhāni brāhmaṇa rūpeṇa brahma bhūtvā yajñam upāvartate. tasmāt tasya purohitasyārsheyeṇa dīkshām āvedayanti, purohitasyārsheyeṇa pravṛiṇīran ‖ 25 ‖ 7 ‖

1 Nun weiter zur Ankündigung der Weihe selbst. Man fragt: Bei einem geweihten Brahmanen kündigt man die Weihe [mit den Worten] an: „[Dieser] Brahmane ist geweiht" — wie soll man sie bei einem Kṣatriya ankündigen? 2 Ebenso wie man beim Brahmanen die Weihe mit „[dieser] Brahmane ist geweiht" ankündigt, so soll man sie [auch] beim Kṣatriya ankündigen — [aber] mit dem Ṛishi-Geschlechtsnamen (ārsheya) seines Hauspriesters (purohita). 3 „So sei es." 4 Denn indem er [der König] seine eigenen Waffen niederlegt, nimmt er in Brahmanengestalt am Opfer teil, zu Brahma geworden. Darum kündigt man seine Weihe mit dem Geschlechtsnamen seines Hauspriesters an — man soll [dabei stets] den Geschlechtsnamen des Hauspriesters wählen. [Anm.: Bestätigung des Grundgedankens des Adhyāya — da der König beim Opfer symbolisch zum Brahmanen wird, wird auch seine Weihe formal nicht mit seinem eigenen (kṣatriyischen), sondern mit dem brahmanischen Ṛishi-Geschlechtsnamen seines Purohita (Hauspriesters) angekündigt.]

1 Athāto yajamānabhāgasyaiva. tad āhuḥ: prāśnīyāt kshatriyo yajamānabhāgā3ṃ | na prāśnīyā3d iti. 2 yat prāśnīyād āhutid dhutaṃ ca pāpīyān syāt; yan na prāśnīyād ātmānam antaryād, yajña u ha eshaḥ kshatriyasya yad brahmā, 'rdhya u ha esha kshatriyasya yat purohitaḥ. upāha parokshenaiva prāśitaṃ bhāgam āpnoti, nāsya pratyaksham bhakshito bhavati. 5 yajña eva tad yajñam apyatyarjati yāthāgnāv agnim. tad vai nātirīceyate, tad enan na hinasti. tasmāt sa brahmaṇe parihṛitya. 6 'gnau haike juhvati: prājāpater vibhāṃ nāma lokas, tasmiṃs tvā dadhāmi saha yajamānena svāheti. tat tathā na kuryāt. yajamāno vai yajamānabhāgo, yajamānam ha eso 'gnau pravṛiṇakti; ya enaṃ tatra brūyāt „yajamānam agnau prāvṛktha" iti, prāṇān bhakshayati, marishyati yajamāna iti śaśvat tathā syāt. tasmāt tasyāsāṃ neyād āsāṃ neyāt ‖ 26 ‖ 8 ‖ Iti saptamapañcikāyāṃ caturtho 'dhyāyaḥ. Iti catustriṃśādhyāye 'shṭamaḥ khaṇḍaḥ.

1 Nun weiter zum Opferherrn-Anteil selbst. Man fragt: Soll der Kṣatriya [selbst als Opferherr] von den [für ihn bestimmten] Anteilen der Opferspeise essen, oder nicht essen? 2 Äße er davon, so wäre das Geopferte und Dargebrachte schlechter [wirksam]; äße er nicht davon, so würde er sein [eigenes wahres] Selbst schädigen — Opfer ist ja das, was für den Kṣatriya der Brahmane [Priester] ist, [nur] halb-wirksam aber ist das, was für den Kṣatriya der Hauspriester (purohita) ist [d.h. ohne den vollziehenden Brahmanen bleibt sein Anteil unvollständig]. Auf verborgene Weise (unsichtbar) erlangt er [dennoch] den genossenen Anteil, ohne daß er ihn sichtbar [selbst] gegessen hätte. 5 Denn das Opfer selbst überträgt das Opfer weiter [an ihn], so wie Feuer [von] Feuer [entzündet wird]. Es wird dadurch nicht vermindert, es schadet ihm [dem Opferherrn] nicht. Darum überlasse er [seinen Anteil] dem Brahmanen(-Priester). 6 Manche opfern [dabei] ins Feuer: „‚Vibhā' heißt Prajāpatis Welt — in sie setze ich dich, zusammen mit dem Opferherrn, svāhā." So solle man es aber nicht tun. Der Opferherr selbst ist ja der ‚Opferherren-Anteil' — [ein solcher Spruch] schiebt den Opferherrn [gleichsam] ins Feuer hinein; wer dabei spräche „du hast den Opferherrn ins Feuer geschoben", [dem entzieht man damit] die Lebenshauche [des Opferherrn] — „der Opferherr wird sterben", so würde es stets [tatsächlich] eintreten. Darum soll man diese [Formel] nicht [in dieser Weise] anwenden, man soll sie nicht anwenden. [Anm.: Letzter Khaṇḍa des Adhyāya (und damit Abschluß des Adhyāya 34 mit acht Khaṇḍas) — Erörterung, ob der königliche Opferherr selbst von seinem Opferanteil essen dürfe (nein — der Brahmane vertritt ihn), sowie eine ausdrückliche Warnung vor einer gefährlich mißzuverstehenden Opferformel, die den Opferherrn scheinbar „ins Feuer schickt".]

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