1 Viśvaṃtaro ha Saushadmanaḥ Syāparṇān paricakshaṇo vaiśyāparṇaṃ yajñam ājahre. tad dhainam abhyadhyāyaṃ Syāparṇās; taṃ yajñam ājagmus, te ha tad antarvedy āsāṃ cakrire. tān ha dṛishṭvovāca: pāpasā vā ime karmaṇaḥ kartāra āsate, pūtāyai vāco vaditāro yac Cyāparṇā, imān utthāpayata, ime 'ntarvedi māsīshateti; tān utthāpayāṃ cakruḥ.
2 te hotthāpyamānā rurūvire: ye tebhyo Bhūtavirebhyo 'sitamṛigebhyaḥ Kaśyapānāṃ somapītham abhijigyuḥ Pārikshitasya Janamejayasya vaikaśyape yajñe, tais tatra vīravanta āsuḥ. kaḥ svit so 'smākāsti vīro, yo imaṃ somapītham abhijeshyatīti. ayam ahaṃ asmi vīra, iti hovāca Rāmo Mārgaveyaḥ. 4 Rāmo hāsa Mārgaveyo 'nūcānaḥ Syāparṇīyāḥ, teshāṃ hotthāpyatām uvāca: api nu rājann itthaṃvidaṃ veda, utthāpayatīti. yas tvaṃ kathaṃ vettha brahmabandho, iti hovāca ‖ 27 ‖ 1 ‖
1 Viśvantara, der Sohn des Sushadman, der über die Syāparṇas zu herrschen pflegte, veranstaltete ein Opfer, dem er den Zutritt der Vaiśyas untersagte [Anm.: *vaiśyāparṇa*, unsicher, wohl „unter Ausschluß bestimmter Personen"]. Darüber waren die Syāparṇas erzürnt; sie kamen zu diesem Opfer und setzten sich [einfach] innerhalb der Opferstätte (vedi) nieder. Als er [Viśvantara] sie sah, sprach er: „Diese hier sind wohl Übeltäter [oder: sitzen da wie Übeltäter], solche, die für reine [d.h. rechtmäßig gesprochene] Worte gelten wollen, diese Syāparṇas [Anm.: ironisch]; man treibe sie hinaus, sie sollen sich nicht innerhalb der Vedi aufhalten." Man trieb sie hinaus.
2 Als sie hinausgetrieben wurden, brüllten [heulten] sie: „Diejenigen [Ṛishis], die für jene Bhūtaviras — die Asitamṛigas [Anm.: unsicherer Name] der Kaśyapas — beim Opfer des Parikṣita Janamejaya, dem den Kaśyapas [vorbehaltenen] Opfer, den Soma-Trunk erkämpft hatten, jene waren dort an Helden reich [gesegnet]. Wer nur ist unser Held, der uns diesen Soma-Trunk erkämpfen könnte?" — „Der Held bin ich", sprach da Rāma Mārgaveya. 4 Rāma Mārgaveya war nämlich ein Schriftgelehrter [Rezitator, *anūcāna*] der Syāparṇas. Zu den [gerade] Hinausgetriebenen sprach er: „Weiß denn der König [Viśvantara] etwas von dieser Sache — [wenn er es wüßte, würde er sie] nicht hinaustreiben." [Viśvantara] sprach: „Woher weißt denn du, Brahmanenfreund [herablassend: ‚Brahmanen-Verwandter'], [überhaupt etwas] davon?"
[Anm.: Rahmenerzählung des letzten Adhyāya der Pañcikā — der König Viśvantara vertreibt zürnende Syāparṇa-Priester vom Opferplatz; einer von ihnen, Rāma Mārgaveya, behauptet, das Geheimnis eines besonderen, siegbringenden Soma-Trankes (bhaksha) zu kennen, das im folgenden entfaltet wird.]
1 „Als die Götter [einst] Indra ausschlossen [wegen seiner Verfehlungen] — man rechnete ihm den [Mord an] Viśvarūpa, dem Sohn des Tvashṭṛ, an; er schlug den Vṛtra nieder; er gab die Yati den Wölfen preis; er erschlug den Arurmagha [Namangi]; er erschlug [oder: verletzte] den Bṛhaspati — da war Indra im Soma-Trunk beeinträchtigt, und dem Mindern von Indras Gedeihen folgend war auch das Kṣatra im Soma-Trunk beeinträchtigt. Indra aber gewann seinen [eigenen] Soma-Trunk wieder, indem er dem Tvashṭṛ den Soma stahl. Wer nun jenen [besonderen] Trankanteil (bhaksha) kennt, durch den das im Soma-Trunk beeinträchtigte Kṣatra [wieder] gedeiht — wie kann man den [Kenner dieses Geheimnisses] von der Opferstätte vertreiben?" 2 „Kennst du, Brahmane, [wirklich] jenen Trankanteil?" — so sprach [Viśvantara].
[Anm.: Rāma Mārgaveya begründet seinen Anspruch mit einem knappen mythologischen Exkurs über Indras zeitweiligen Ausschluß vom Soma-Trunk wegen seiner Untaten (Tötung Viśvarūpas und Vṛtras, Verrat an den Yatis u.a.) und seine Wiedergewinnung des Soma-Anteils durch List gegenüber Tvashṭṛ — als Vorbild für den nun zu offenbarenden, kṣatriya-stärkenden Soma-Anteil.]
1 Trayāṇāṃ bhakshāṇām ekam āharishyanti: somaṃ vā dadhi vāpo vā. 2 sa yadi somaṃ, tena bhakshena jinvishyasi brāhmaṇānāṃ sa bhaksho, brāhmaṇāṃs tena bhakshena jinvishyasi; brāhmaṇakalpas te prajāyām ājanishyata, ādāyāpāya yathākāmaprāyāpyo. yadā vai kshatriyāya pāpaṃ bhavati, brāhmaṇakalpo 'sya prajāyām ājāyate, īśvaro hāsmād dvitīyo vā tṛitīyo vā brāhmaṇatām abhyupaitoḥ, sa brahmabandhur bhūyishṭho. 'tha yadi dadhi, vaiśyānāṃ sa bhaksho, vaiśyakalpas te prajāyām ājanishyata, anyasyādyo yathākāmajeyo. yadā vai kshatriyāya pāpaṃ bhavati, vaiśyakalpo 'sya prajāyām ājāyate, īśvaro hāsmād dvitīyo vā tṛitīyo vā vaiśyatayā jijīvishitaḥ. 3 'tha yady āpaḥ, śūdrāṇāṃ sa bhaksho, śūdrakalpas te prajāyām ājanishyata, jāyāṃ ajāyata; īśvaro hāsmād dvitīyo vā tṛitīyo vā śūdratām abhyupaitoḥ, sa śūdratayā jijīvishitaḥ ‖ 29 ‖ 3 ‖
1 „Von drei Trankanteilen wird man [dir] einen [zur Wahl] bringen: Soma, oder Sauermilch (dadhi), oder Wasser. 2 Wählst du den Soma, so [gilt]: dieser Trankanteil belebt die Brahmanen, mit diesem Trankanteil belebst du die Brahmanen; nach Brahmanenart wird dir Nachwuchs entstehen — auf-und-abnehmend, [d. h. instabil,] nach Belieben zunehmend oder abnehmend. Denn wenn dem Kṣatriya [durch diese Wahl] Unheil widerfährt, entsteht ihm brahmanenartige Nachkommenschaft — schon sein Enkel oder Urenkel wird dann zum Brahmanentum übergehen, [dieser] wird meist [nur noch] ein ‚Brahmanenfreund' [d.h. ein Kṣatriya mit brahmanischer Gesinnung, kein echter Brahmane] sein. Wählst du hingegen die Sauermilch, so ist dies der Trankanteil der Vaiśyas — nach Vaiśya-Art wird dir Nachwuchs entstehen, [dessen Besitz] von einem anderen nach Belieben genommen werden kann [d. h. unfrei, abhängig]. Denn wenn dem Kṣatriya Unheil widerfährt, entsteht ihm vaiśya-artige Nachkommenschaft — schon sein Enkel oder Urenkel wird dann als Vaiśya weiterleben wollen [d.h. dahin absinken]. 3 Wählst du aber das Wasser, so ist dies der Trankanteil der Śūdras — śūdra-artige Nachkommenschaft wird dir entstehen, [ihm] wird [nur] eine Gattin [von niederem Stand] geboren [oder: er wird zum Gatten einer solchen]; schon sein Enkel oder Urenkel wird zum Śūdratum übergehen, [dieser] wird als Śūdra weiterleben wollen [d.h. dahin absinken].
[Anm.: Die vermeintliche Alternative — Soma, Sauermilch oder Wasser als Trankanteil — erweist sich als Falle: jede der drei üblichen Wahlmöglichkeiten führt langfristig zum sozialen Abstieg der Nachkommenschaft des Kṣatriya. Erst der folgende Khaṇḍa löst dies auf, indem er den wahren, vierten (ihm eigentümlichen) Trankanteil des Kṣatriya nennt.]
1 Ete vai te trayo bhakshā rājann, iti hovāca, yeshām āsāṃ neyāt kshatriyo yajamānaḥ. 2 'thāsyaisha svo bhaksho: nyagrodhasyāvarodhāś ca phalāny caudumbarāṇy aśvatthāni plākshāṇy abhishuṇuyāt, tāni bhakshayet, so 'sya svo bhaksho, yato 'dhi devā yajñenaitya svargaṃ lokam āyāṃs, tatraitāṃś cāmasān anujajñan, te nyagrodhā abhavan; nyubjā iti hāpy enāny etarhy ācakshate Kurukshetre. te ha prathamajā nyagrodhānāṃ, tebhyo hānyc 'dhijātās tān yañco 'rohans, tasmān nyañ rohati nyagroho, nyagroho nāma. taṃ nyagroham śāntaṃ nyagrodha ity ācakshate, parokshapriyā iva hi devāḥ ‖ 30 ‖ 4 ‖
1 „Dies sind, o König", so sprach [Rāma Mārgaveya], „jene drei Trankanteile, unter denen der kṣatriyische Opferherr [zwischen ihnen] nicht [frei] wählen sollte. 2 Dies aber ist sein eigener Trankanteil: die Luftwurzeln (avarodha) des Nyagrodha (der Banyan-Feige) samt seinen Früchten, sowie [Früchte] des Udumbara, des Aśvattha und des Plaksha soll man auspressen und [ihn] diese essen lassen — das ist sein eigener Trankanteil. Denn als die Götter einst durch das Opfer zur Himmelswelt emporstiegen, gewährten sie dort jenen Camasa-Bechern [ihre Gunst]; diese wurden [dabei] zu Nyagrodha-Bäumen — man nennt sie im Kurukshetra auch noch heute ‚Nyubjā' [die Umgestülpten/Umgekehrten]. Diese sind die zuerst geborenen unter den Nyagrodhas; von ihnen entstanden [danach] weitere, die sich [wie Luftwurzeln] nach unten wandten — daher wächst der Nyagrodha [gleichsam] abwärts (nyañc), daher der Name ‚Nyagrodha' [wörtl. etwa ‚der abwärts Wachsende']. Diesen zum Nyagrodha gewordenen [Camasa] nennt man Nyagrodha — denn die Götter lieben ja das Verborgene [Anspielung auf den geheimen, verhüllten Ursprung des Namens].
[Anm.: Ursprungsmythos des Nyagrodha (Banyan-)Baumes als verwandelter Opfer-Camasa (Trinkbecher) der Götter — Begründung, warum dessen Luftwurzeln und Früchte den eigentlichen, dem Kṣatriya zukommenden Soma-Ersatz-Trankanteil bilden.]
1 Teshāṃ yaś camasānāṃ raso 'vāṅ ait, tam avarodhā abhavann; atha ha vā ūrdhvas tāni phalāni. 2 esha ha vāva kshatriyaḥ svaṃ bhakshān naiti, yo nyagrodhasyāvarodhāṃś ca phalāni ca bhakshayaty. upāha paroksheṇaiva somapīthaṃ āpnoti, nāsya pratyaksham bhakshito bhavati; parokṣam iva hā vā esha somo rājā yan nyagrodhaḥ, paroksham iva brahmaṇo rūpam upanigachati yat kshatriyaḥ — purodhāyaiva dīkshayā pravaraṇena. 3 kshatram etad vanaspatīnāṃ yan nyagrodhaḥ, kshatraṃ rājanyo. nitatam iva hi kshatriyo rāshṭre vasati pratishṭhita iva, nitatam iva nyagrodho 'varodhair bhūmyāṃ pratishṭhita iva. 4 tad yat kshatriyo yajamāno nyagrodhasyāvarodhāṃś ca phalāni ca bhakshayaty, ātmany eva tat kshatraṃ vanaspatīnāṃ pratishṭhāpayati. 5 kshatraṃ vai sā, vātmani kshatraṃ vanaspatīnāṃ pratishṭhāpayati, nyagrodha ivāvarodhair bhūmyāṃ prati rāshṭre tishṭhaty; ugraṃ kāsya rāshṭram avyathyaṃ bhavati, ya evam etaṃ bhaksham bhakshayati kshatriyo yajamānaḥ ‖ 31 ‖ 5 ‖
1 Von jenen Camasa-Bechern floß der Saft (Wesenskern) [teilweise] nach unten — daraus wurden die Luftwurzeln (avarodha); [was] noch oben [verblieb], wurde zu den Früchten. 2 Ein solcher Kṣatriya nun kommt eigentlich [nie ganz] von seinem [wahren] Trankanteil ab, der die Luftwurzeln und Früchte des Nyagrodha genießt. Auf verborgene, unsichtbare Weise erlangt er [dennoch] den Soma-Trunk, ohne daß er ihn sichtbar [wirklich] genossen hätte — denn verborgen gleichsam ist ja dieser König Soma, der [in Gestalt] des Nyagrodha [erscheint]; verborgen gleichsam nimmt der Kṣatriya die Gestalt des Brahmanen an — eben durch die Voranstellung [des Hauspriesters bei der Weihe] und durch die Wahl [des Purohita]. 3 Dieser Nyagrodha ist das Kṣatra unter den Bäumen, wie der Rājanya [das Kṣatra] unter den Menschen ist. Wie der Kṣatriya gleichsam fest verwurzelt in seinem Reich wohnt, gleichsam gegründet, so steht auch der Nyagrodha gleichsam fest verwurzelt durch seine Luftwurzeln in der Erde gegründet. 4 Wenn also der kṣatriyische Opferherr die Luftwurzeln und Früchte des Nyagrodha genießt, gründet er eben dadurch in sich selbst das Kṣatra der Bäume [d.h. die im Nyagrodha verkörperte Herrschermacht]. 5 Das ist ja Kṣatra — und indem er [so] in sich selbst das Kṣatra der Bäume gründet, steht er gleich dem Nyagrodha mit seinen Luftwurzeln fest verwurzelt in seinem Reich; furchtbar (ugra) wird das Reich dessen und unerschütterlich, der so, als kṣatriyischer Opferherr, diesen Trankanteil genießt.
[Anm.: Ausdeutung des Nyagrodha-Bildes: die Luftwurzeln, die den Baum fest im Boden verankern, symbolisieren die feste, unerschütterliche Verwurzelung des Königs in seinem Reich.]
1 Atha yad audumbarāṇy. ūrjo vā esho 'nnādyaṃ vanaspatir ājāyata udumbaro, bhaunjyaṃ vā etad vanaspatīnām; ūrjam evāsmiṃs tad annādyaṃ ca bhaunjyaṃ ca vanaspatīnāṃ kshatre dadhāti. 2 atha yad āśvatthāni. tejaso vā esha vanaspatir ājāyata aśvatthaḥ, sāmrājyaṃ vā etad vanaspatīnāṃ; teja evāsmiṃs tat sāmrājyaṃ ca vanaspatīnāṃ kshatre dadhāti. 3 atha yat plākshāṇi. yaśaso vā esha vanaspatir ājāyata yat plakshaḥ, svārājyaṃ vā etad vanaspatīnāṃ; yaśa evāsmiṃs tat svārājyaṃ tat svārājyavairājye vanaspatīnāṃ kshatre dadhāti. 4 etāny asya purastād upaklṛptāni bhavanty, athā somaṃ rājānaṃ kṛiṇanti. te rājña evāvṛtopavasathāt prativeśaiḥ caranty, athopavasathāhar adhvaryuḥ prāsādāt upakalpayed adhishavaṇaṃ carmādhishavaṇaṃ phalake droṇakalaśaṃ daśāpavitram adriṃ pūtabhṛtam adriṃ ca sthālīm udañcanaṃ camasam. tad yad etad rājānam prātar abhishuṇvanti, te enāni dvedhā vigṛihṇīyād: abhy anyāni sunuyāt, mādhyaṃdināyānyāni pariśinshyāt ‖ 32 ‖ 6 ‖
1 Was nun die Udumbara-Früchte [betrifft]: Dieser Baum, der Udumbara, entstand aus der Nahrungskraft (ūrja) — Genuß(kraft) [bhaunjya] ist er unter den Bäumen; eben diese Nahrungskraft und diesen Genuß der Bäume verleiht er [so] dem Kṣatra. 2 Was die Aśvattha-Früchte [betrifft]: Dieser Baum, der Aśvattha, entstand aus der Glut (tejas) — Alleinherrschaft (sāmrājya) ist er unter den Bäumen; eben diese Glut und diese Alleinherrschaft der Bäume verleiht er dem Kṣatra. 3 Was die Plaksha-Früchte [betrifft]: Dieser Baum, der Plaksha, entstand aus dem Ansehen (yaśas) — Eigenherrschaft (svārājya) ist er unter den Bäumen; eben dieses Ansehen und diese Eigen- und Vollherrschaft (svārājya-vairājya) der Bäume verleiht er dem Kṣatra. 4 Diese [vier Baumarten] werden ihm [dem König] vorher bereitgestellt, dann bereitet man den König Soma. Sie [die Priester] gehen, nachdem [der König] den Vorbereitungstag vollendet hat, mit den Nachbarn [seines Hauses] umher [um die Zutaten zu sammeln]; am Vorbereitungstag [selbst] soll der Adhvaryu vom [Opfer-]Sitz aus die Preßgeräte bereitstellen: den Preßstein-Untersatz, die Fellunterlage, das Brett, den Faßeimer, die zehn Läuterungsgräser, den Läuterungsstein, den [Stein für den] Reinhalter, den Kessel, das Schöpfgefäß, den Camasa-Becher. Wenn man nun diesen [Soma für den] König morgens preßt, soll man diese [Preßvorgänge] zweifach trennen: den einen Teil soll man auspressen, den anderen für die Mittagspressung übriglassen.
[Anm.: Fortsetzung der Nyagrodha-Symbolik mit den drei verwandten Feigenbaum-Arten Udumbara, Aśvattha und Plaksha, denen je eine eigene Königstugend (Nahrungsfülle, Glut/Alleinherrschaft, Ansehen/Eigenherrschaft) zugeschrieben wird; anschließend knappe technische Angaben zur Vorbereitung der Soma-Pressung für den König.]
1 Tad yatraitāṃs camasān unnayeyus, tad etaṃ yajamānacamasam unnayet. tasmin dve darbhataruṇake prāste syātāṃ. tayor vashaṭkṛite 'ntaḥparidhi pūrvam prāsyed: dadhikrāvṇo akārisham ity etayarcā; svāhākāre 'nuvashaṭkṛite 'param — ā dadhikrāḥ śavasā pañca kṛishṭīr iti. 2 yatraitāṃs camasān āhareyus, tad etaṃ yajamānacamasam āharet. tān yatrodgṛihṇīyus, tad enam upodgṛihṇīyāt. tad yad alaṃ hotāpahvayate, tāvad enaṃ bhakshayed; athainam etayā bhakshayed: yad atra śishṭaṃ rasino sutasya, yad Indro apibac chacībhiḥ | idaṃ tad asya manasā śivaṃ, somaṃ rājānam ihā bhakshayāmīti. 4 śivo ha vā asmā esha vānaspatyaḥ, śivena manasā bhakshito bhavaty, ugraṃ hāsya rāshṭram avyathyaṃ bhavati, ya evam etaṃ bhaksham bhakshayati kshatriyo yajamānaḥ.
5 saṃ na edhi bhadrayā te dhiyā, vayaṃ sumataye punaḥ | pītāḥ praṇa āyur jīvase, somā tārīr ity ātmanaḥ pratyabhimṛiśa. 6 īśvaro ha vā esho 'pratyabhimṛishṭo manushyasyāyuḥ pratyavahartor: anarhaṇ mā bhakshayātīti, tad yad etenātmānam abhimṛiśāty, āyur eva tat pratirata. ā pyāyasva sam etu te viśvataḥ soma vṛishṇyaṃ, bhavā vājasya saṃgathe iti sam u payāṃsy abhirūpābhyāṃ, yad yajñe 'bhirūpaṃ yat samṛiddham ‖ 33 ‖ 7 ‖
1 An der Stelle, wo man [sonst] diese Camasa-Becher hinaufhebt, dort soll man den Opferherren-Camasa hinaufheben. Zwei junge Darbha-Grasbüschel sollen dabei ausgestreut liegen. Bei ihrer [ersten] Vaṣaṭ-Rufung soll man das eine [Büschel] zuvor innerhalb der Umfriedung (paridhi) ausstreuen, mit dem Vers „Dadhikrāvan habe ich [preisend] hervorgebracht" [RV 4,39,6]; bei der [zweiten] auf den svāhā-Ruf folgenden Vaṣaṭ-Rufung das andere — mit dem Vers „Herbei [gerufen], Dadhikrā, mit Kraft die fünf Völker" [RV 4,38,10]. 2 An der Stelle, wo man [sonst] diese Camasa-Becher herbeibringt, dort soll man den Opferherren-Camasa herbeibringen. Wo man sie [gewöhnlich] hebt (entnimmt), dort soll man auch von diesem entnehmen. Soweit der Hotṛ [den König zum Trinken] auffordert, soweit soll er ihn trinken lassen; dann soll er ihn mit diesem [Vers] trinken lassen: „Was hier vom saftigen, gepreßten [Soma] übrig ist, was Indra mit [seiner] Kraft trank — dies, ihm mit [gutem] Sinn heilsame, den König Soma trinke ich hier." 4 Heilsam ist ihm ja dieser Baumstoff, mit heilsamem Sinn wird er genossen; furchtbar und unerschütterlich wird das Reich dessen, der so, als kṣatriyischer Opferherr, diesen Trankanteil genießt.
5 „Sei uns [gnädig], mit heilsamem Gedanken uns [zugewandt] — wir [wenden uns] wieder deinem Wohlwollen zu; getrunken, mögest du, Soma, uns das Leben zum Leben verlängern" — [so spreche er,] sich selbst dabei berührend. 6 Dieser [Soma] hat nämlich die Macht, wenn man ihn nicht [rituell] berührt, das Leben des Menschen [wieder] wegzunehmen: „nicht möge er mich, den Unwürdigen, verzehren" [so denkt man]; indem man sich also damit selbst berührt, verlängert man eben dadurch das Leben. „Schwelle an, es komme dir von allen Seiten, Soma, [deine] Bullenkraft zu, sei [uns hilfreich] bei der Erlangung der Beute" — so [wachse] auch die Milch [Fülle] durch die beiden Ebenbildlichen [Camasa-Becher], was beim Opfer wohlgestaltet, was gediehen ist.
[Anm.: Technische Ausführung der Soma-Reichung an den königlichen Opferherrn selbst, mit den begleitenden Sprüchen; Schutzformel gegen die gefährliche Kraft des ungeweiht genossenen Soma.]
1 Tad yatraitāṃs camasān sādayeyus, tad etaṃ yajamānacamasaṃ sādayet. tān yatra prakampayeyus, tad enam anuprakampayet. athainam ābhṛitaṃ bhakshayeta: nārāśaṃsapītasya, deva soma, te ma tivida ūmaiḥ, pitṛibhir bhakshitasya bhakshayāmi — prātaḥsavane nārāśaṃso bhaksha, ūrvair iti mādhyaṃdine, kāvyair iti tṛitīyasavane. 2 ūmā vai pitaraḥ prātaḥsavane, ūrvā mādhyaṃdine, kāvyās tṛitīyasavane, tad etat pitṝn evāmṛitān prāpnoti. 3 sarvo haiva so 'mṛita, iti ha smāha Priyavrataḥ Sāmāpo: yaḥ kaśca savanabhāj iti. 4 amṛitaṃ ha vā esha pitaraḥ savanabhāji bhavanti, ugraṃ hāsya rāshṭram avyathyaṃ bhavati, ya evam etaṃ bhaksham bhakshayati kshatriyo yajamānaḥ. 5 samāna ātmanaḥ pratyabhimarśaḥ, samānam āpyāyanaṃ, kamasasya mādhyaṃdine tṛitīyasavanasya tṛitīyasavane.
6 taṃ etaṃ bhaksham provāca Rāmo Mārgaveyo Viśvaṃtarāya Saushadmanāya; satasmin hovāca prokte: sahasraṃ ha u brāhmaṇa tubhyaṃ dadmaḥ, sasyāparṇa u me yajña iti. 9 etam u haiva provāca Turaḥ Kāvasheyo Janamejayāya Pārikshitāyaitam u haiva procatuḥ Parvatanāradau Somakāya Sāhadevyāya, Sahadevāya Sāraṃjayāya, Babhrave Daivāvṛidhāya, Bhīmāya Vaidarbhāya, Nagnajite Gāndhārāyaitam u haiva provācāgniḥ Sanaśrutāyārindamāya, Kratuvide Jānakāya, etam u haiva provāca Vasishṭhaḥ Sudāse Paijavanāya.
te ha te sarva eva mahāj jaginur, etam bhaksham bhakshayitvā sarve haiva mahārājā āsur; Āditya iva ha sma śriyāṃ pratishṭhitās tapanti, sarvābhyo digbhyo balim āvahanta. 10 Āditya iva ha vai śriyāṃ pratishṭhitas tapati, sarvābhyo digbhyo balim āvahaty, ugraṃ hāsya rāshṭram avyathyaṃ bhavati, ya evam etaṃ bhaksham bhakshayati kshatriyo yajamāno yajamānaḥ ‖ 34 ‖ 8 ‖
Iti saptamapañcikāyāṃ pañcamo 'dhyāyaḥ.
Iti pañcatriṃśādhyāye 'shṭamaḥ khaṇḍaḥ.
1 An der Stelle, wo man [sonst] diese Camasa-Becher niedersetzt, dort soll man den Opferherren-Camasa niedersetzen. Wo man sie [sonst] schwenkt, dort soll man auch diesen mitschwenken. Dann soll er ihn, [zum Trinken] herangebracht, trinken [mit dem Spruch]: „Vom Nārāśaṃsa-Trank getrunken, Gott Soma, finde du mich mit [deinen] Hilfen; was von den Vätern (Ahnen) genossen wurde, das genieße ich [nun]" — bei der Morgenpressung [heißt der Trankanteil] der Nārāśaṃsa-Anteil, bei der Mittagspressung „mit den Urvas" [benannt], bei der dritten Pressung „mit den Kāvyas". 2 Die Väter (Ahnen) nämlich sind bei der Morgenpressung die Ūmās, bei der Mittagspressung die Urvas, bei der dritten Pressung die Kāvyas — damit erlangt er eben die unsterblichen Väter [selbst]. 3 „Ganz und gar unsterblich wird [dadurch], wer nur immer an der [königlichen] Pressung teilhat" — so pflegte Priyavrata Sāmāpa zu sagen. 4 Unsterblich werden ihm ja die Väter zu Teilhabern an der Pressung; furchtbar und unerschütterlich wird das Reich dessen, der so, als kṣatriyischer Opferherr, diesen Trankanteil genießt. 5 Gleichartig ist die Selbstberührung, gleichartig die Anschwellungs-[Formel] des Camasa bei der Mittagspressung wie bei der dritten Pressung — [nur je] auf die dritte Pressung [entsprechend angepaßt].
6 Diesen Trankanteil verkündete Rāma Mārgaveya dem Viśvantara, Sohn des Sushadman; und als er ihm so verkündet war, sprach dieser: „Tausend [Kühe], o Brahmane, geben wir dir — und die Syāparṇas [sollen wieder] an meinem Opfer [teilnehmen]." 9 Eben diesen [Trankanteil] verkündete auch Tura Kāvasheya dem Janamejaya Pārikshita; ebendiesen verkündeten Parvata und Nārada dem Somaka Sāhadevya, [ebenso verkündete man ihn] dem Sahadeva Sāraṃjaya, dem Babhru Daivāvṛidha, dem Bhīma Vaidarbha, dem Nagnajit Gāndhāra; ebendiesen verkündete Agni [oder: ein Ṛishi namens Agni] dem Sanaśruta Arindama, [sowie] dem Kratuvid Jānaka; ebendiesen verkündete Vasishṭha dem Sudās Paijavana.
Alle diese wurden dadurch groß und erhaben; nachdem sie diesen Trankanteil genossen hatten, wurden sie alle zu Großkönigen; wie die Sonne, fest gegründet im Glanz, leuchteten sie, und aus allen Himmelsrichtungen brachte man ihnen Tribut dar. 10 Wie die Sonne, fest gegründet im Glanz, leuchtet, und aus allen Himmelsrichtungen Tribut dargebracht bekommt — so wird furchtbar und unerschütterlich das Reich dessen, der so, als kṣatriyischer Opferherr, diesen Trankanteil genießt.
[Anm.: Abschluß des Adhyāya (und der ganzen siebten Pañcikā) mit der feierlichen Aufzählung berühmter Könige der Sagenzeit — darunter Janamejaya Pārikshita, Sudās Paijavana (bekannt aus dem berühmten Daśarājña-Hymnus des Ṛgveda, hier von Vasishṭha unterwiesen) und andere —, denen dieser besondere Soma-Trankanteil (unter Vermittlung verschiedener Priester) verkündet wurde und die dadurch zu mächtigen Großkönigen aufstiegen. Der Schlußvers kehrt zur Rahmenerzählung von Khaṇḍa 1–2 zurück: Viśvantara nimmt die Syāparṇas, die er zuvor vertrieben hatte, wieder in sein Opfer auf.]