Glossar zum Niśvāsakārikātantra (Paṭala 12)
Niśvāsakārikātantra (Jñānakāṇḍa / Nayasūtra) · 26 Begriffe
- praṇava
- Die aus den Lauten A, U, M sowie Bindu (Punkt) und Nāda (Klang) zusammengesetzte Ur-Silbe, die in diesem Kapitel als Inbegriff und Trägerin aller Wirklichkeit (tattva) gilt. die heilige Silbe Oṃ (praṇava)
- bindu
- Der über das Silbenzeichen gesetzte Nasalierungspunkt (Anusvāra); in der Silbenmystik die vierte, subtilere Stufe des Praṇava nach A, U und M. Punkt, Tropfen (bindu)
- nāda
- Die feinste, dem Bindu noch vorausliegende Klangschwingung; fünfte und subtilste Stufe des Praṇava, dem Śiva selbst gleichgesetzt. (mystischer) Klang, Ton (nāda)
- kalā
- Eine der 38 im Kapitel aufgezählten feinstofflichen Kräfte, die den Lautbestand des Sanskrit-Alphabets und die Stufen des Praṇava durchdringen. Teil, Kraft, Silbenkraft (kalā)
- ardhacandra
- Eine Stufe in der subtilen Silbenhierarchie oberhalb des Bindu, bildlich als Halbmond dargestellt. Halbmond (ardhacandra)
- nirodhinī
- Eine weitere subtile Stufe der Silbenhierarchie, dem Ardhacandra und der Śakti benachbart. die Zurückhaltende, Hemmende (nirodhinī)
- vyāpinī
- Die höchste, alles durchdringende Stufe in der subtilen Hierarchie der Silbenkräfte. die Alldurchdringende (vyāpinī)
- sakala
- Die manifeste, in Silben gegliederte Form des Praṇava, im Gegensatz zur niṣkala-Form. mit Teilen, „grob" (sakala)
- niṣkala
- Die reine, silbenlose, unmanifeste Form des Praṇava, die mit Erlösung (mokṣa) verbunden wird. ohne Teile, „subtil" (niṣkala)
- mantroddhāra
- Das im Kapitel beschriebene Verfahren, mittels eines Lotos-Diagramms bestimmten Gottheiten und Buchstabenbereichen eigene Mantras zuzuordnen. Mantra-Gewinnung (mantroddhāra)
- padma / karṇikā
- Das für die Mantra-Gewinnung verwendete Lotos-Diagramm mit vier (oder mehr) Blütenblättern (Bīja) um den zentralen Fruchtboden (Karṇikā, dem die Silbe M zugeordnet wird). Lotos / Lotos-Fruchtboden (padma, karṇikā)
- pañcabrahman
- Die fünf Aspekte Śivas – Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā, Śānti und Śāntyatīta –, die im Kapitel den fünf Stufen des Praṇava zugeordnet werden. die fünf Brahman-Gesichter (pañcabrahman)
- cakravartin
- Ein im Rahmen der Buchstaben-Gottheiten-Zuordnung genannter Herrschertypus, dem bestimmte Lautbereiche des Alphabets zugeordnet werden. Weltenherrscher (cakravartin)
- lokapāla
- Die Schutzgottheiten der Himmelsrichtungen, denen im Zuge der Mantra-Gewinnung ebenfalls bestimmte Lautbereiche zugewiesen werden. Welthüter (lokapāla)
- mṛtyuñjaya
- Bezeichnung des im Kapitel beschriebenen Rituals (Mṛtyuñjaya-Cakra) sowie des zugehörigen, 64-mal zu wiederholenden Mantras zur Überwindung des Todes. „Todesbesieger" (mṛtyuñjaya)
- nāḍī
- Die Kanäle des feinstofflichen Körpers, deren Kenntnis (insbesondere der Suṣumnā) im Kapitel als Voraussetzung der Todesüberwindung genannt wird. feinstofflicher Kanal (nāḍī)
- suṣumnā
- Der mittlere der drei Hauptkanäle des feinstofflichen Körpers, durch den beim yogischen Tod der Austritt der Lebenskraft erfolgen soll. zentraler feinstofflicher Kanal (suṣumnā)
- dīkṣā
- Die rituelle Einweihung, deren Diagramm (dīkṣā-cakra) im Kapitel gegen Ende eingeführt wird. Initiation, Weihe (dīkṣā)
- nyāsa
- Das rituelle „Einsetzen" von Mantras oder Gottheiten in bestimmte Körperstellen (hier v.a. im Herz-Cakra) mittels Berührung und Rezitation. rituelle Einsetzung/Berührung (nyāsa)
- homa
- Das im Herz-Cakra (hṛccakra) vorzunehmende Feueropfer, das im Kapitel im Zusammenhang mit dem Dīkṣā-Cakra erwähnt wird. Feueropfer (homa)
- japa
- Die wiederholte, meist leise oder innerlich vollzogene Rezitation eines Mantras. Mantra-Wiederholung (japa)
- mātṛkā
- Die Personifikation der Laute des Sanskrit-Alphabets als Göttinnen; Gegenstand des im Kapitel beschriebenen Mātṛkā-Yāga (Alphabet-Verehrung). „die kleinen Mütter", Buchstaben-Göttinnen (mātṛkā)
- yāga
- Allgemeiner Begriff für eine rituelle Verehrungshandlung, hier speziell auf die Mātṛkā (mātṛkā-yāga) bezogen. Verehrung, Opferhandlung (yāga)
- sāyujya
- Die engste Form der Vereinigung mit der Gottheit, hier als Frucht des Mātṛkā-Yāga genannt. Vereinigung (mit Śiva) (sāyujya)
- tattva-jñāna
- Die Erkenntnis der wahren Natur der Wirklichkeit (tattva), die im Kapitel als das entscheidende, alle Kastenunterschiede aufhebende Kriterium der Erlösung dargestellt wird. Wirklichkeits-Erkenntnis (tattva-jñāna)
- paśu
- Bezeichnung der noch nicht befreiten, an die Bindungen (pāśa) gebundenen individuellen Seele, im Gegensatz zum befreiten oder initiierten Zustand. „Tier", gebundene Seele (paśu)