Quellen der Menschheit

Kāṭha-Āraṇyaka

Kapitel 1: (kein fortlaufender Sanskrit-Titel – deutschsprachige Handschriftenstudie) Einleitung: Die Tübinger Kaṭha-Handschriften – Herkunft, Beschaffenheit, Katalogisierung

Zusammenfassende Wiedergabe von Schroeders einleitendem Abschnitt (Originalseiten 1-16 = Faksimile-S.1-13): Herkunft und physischer Zustand der Handschriften, Akzentuationssystem der Kaṭha-Schule, Übersicht über die einzelnen Manuscripte. Rein deutschsprachige Gelehrten-Prosa, hier zusammengefasst statt wortwörtlich reproduziert, da kein Sanskrit-Ausgangstext zu übersetzen ist.

[kein Sanskrit-Text – deutsche Gelehrten-Prosa Schroeders, S.1-3]

Die königliche Universitätsbibliothek zu Tübingen hatte kurz vor 1898 durch Vermittlung von Dr. M. A. Stein (Lahore) eine bedeutende Sammlung indischer Handschriften erworben, ursprünglich aus Śrīnagar/Kaschmir stammend. Darunter befanden sich acht mit fortlaufenden Katalognummern (M. a. I. 396-403) versehene Handschriften-Konvolute von besonderem Interesse für die Kaṭha-Schule (Kaṭhaka) des Schwarzen Yajurveda – auf Birkenrinde in Śāradā-Schrift geschrieben und daher älteren Ursprungs, wenngleich ohne genaue Datierung. Die Direction der Tübinger Bibliothek überließ Schroeder das Material zur Durcharbeitung in Innsbruck. Schroeder bezeichnet die acht Nummern fortlaufend als T1 bis T8 [Anm.: die genaue Durchnummerierung wird im Original erst im Folgenden festgelegt]. Die Handschriften waren zum großen Teil in sehr schlechtem, zerbrochenem, zerrissenem Zustand nach Europa gekommen – von stattlichen, gut erhaltenen Stücken bis zu winzigen, kaum mehr verwertbaren Fragmenten und Fetzen war jede Erhaltungsstufe vertreten; bei einer Nummer (T1 = M.a.I.396) füllten die kleineren Fragmente allein einen ganzen Kasten. Ein Vorbearbeiter namens Roth hatte bereits begonnen, zusammengehörige Stücke zu identifizieren und zu kleben, doch blieb Schroeder noch erhebliche Arbeit überlassen; er ergänzte und korrigierte diese Rekonstruktionsarbeit, wo nötig unter vorsichtiger Entfernung des von Roth verwendeten, den Text streckenweise verdeckenden undurchsichtigen Klebepapiers.

Herkunft: Sammlung Stein, Kaschmir/Śrīnagar → Tübinger Universitätsbibliothek. 8 Handschriften-Konvolute (M.a.I.396-403), Birkenrinde, Śāradā-Schrift. Physischer Zustand größtenteils sehr schlecht (zerbrochen/zerrissen/fragmentiert); Vorarbeit von Roth, fortgeführt von Schroeder.

[kein Sanskrit-Text – deutsche Gelehrten-Prosa Schroeders, S.2-3]

Der überwiegende Inhalt der Handschriften folgt dem bekannten Ṛcaka-Charakter (d.h. sie enthalten überwiegend metrisch-liedhaftes, akzentuiertes Material). Die zahlreichen Kaṭhaka-Kapitel, Reste eines mutmaßlichen 'Kaṭha-Brāhmaṇa' sowie zahlreiche Ṛgveda-Lieder sind im Allgemeinen vorzüglich geschrieben und sorgfältig akzentuiert; nur die unakzentuierten Paddhati-Partien (formelhafte Verweisabschnitte, die nur Anfangs-/Schlussworte der zu rezitierenden Abschnitte nennen, ohne diese auszuschreiben) und einige andere Texte sind ohne Akzente überliefert. Nachlässigkeiten in der Akzentuierung, wie sie in anderen, sonst vorzüglichen Kaṭha-Handschriften (z.B. dem Wiener Manuscript W1) vorkommen, fehlen hier fast völlig – ein Zeichen, dass die Tübinger Handschriften aus einer Zeit noch sorgfältiger und kundiger Texttradierung stammen. Das im Wesentlichen von Schroeder bereits andernorts beschriebene Akzentsystem der Kaṭha-Schule verwendet: den senkrechten Strich ÜBER der Silbe für den Udātta; den senkrechten Strich UNTER der Silbe für den Anudāttatara; den Punkt UNTER der Silbe für den sekundären Svarita; den Haken ⌣ UNTER der Silbe für den echten/primären Svarita vor einer Tonsilbe. Bei einem echten Svarita vor einer unbetonten Silbe herrscht in den Kaṭha-Handschriften allgemein größere Uneinheitlichkeit – bald wird er durch den Haken ÜBER der Silbe, bald durch verschiedene Kurven über oder unter der Silbe bezeichnet.

Beschreibung des Kaṭha-Akzentsystems (Udātta/Anudāttatara/Svarita-Zeichen); die Tübinger Handschriften gelten als besonders sorgfältig und einheitlich akzentuiert im Vergleich zu anderen bekannten Kaṭha-Handschriften.

[kein Sanskrit-Text – deutsche Gelehrten-Prosa Schroeders, S.7ff]

Schroeder beschreibt die Handschriften in der Reihenfolge des Tübinger Katalogs, beginnend mit T1 (M.a.I.396) als der umfangreichsten und inhaltsreichsten – vier große Pappkästen, wovon der vierte allein eine Menge kleinerer, kaum mehr verwertbarer Fragmente enthält. Dr. Steins Originalnotiz beschreibt sie als 'ca. 345 Blätter, ca. 15 Zeilen, ca. 26 Silben [pro Zeile]; Śāradā-Schrift; Birkenrinden-Blätter in originalem Ledereinband; die Blätter am Anfang und Ende haben durch Reibung stark gelitten; Paginierung bis Blatt 354' – eine Sammlung von Sūktas und Brāhmaṇas aus dem Kaṭhaka, für den Ritualgebrauch geordnet, mit eingestreuten Paddhatis. In der Folge katalogisiert Schroeder detailliert die einzelnen erhaltenen Fragment-Serien dieser Handschrift (von ihm mit Unternummern wie T1 Nr.5a, 5b usw. bezeichnet) und ordnet sie bestimmten Kaṭhaka-Kapiteln (Kaṭh. 16-18, 35, 38, 40 u.a.) sowie ihren Ṛgveda-Parallelen zu, darunter dem 'Lied des Arztes und Apothekers' (≈ṚV 10,97, dem bekannten Kräuter-/Heilpflanzen-Hymnus) und dem Hiraṇyagarbha-Lied (≈ṚV 10,121) in einer bei den Kaṭhas und Maitrāyaṇīyas eigentümlichen, von der bekannten Ṛgveda-Fassung nur unwesentlich abweichenden Gestalt. Ein Großteil des Materials wird wegen seines fragmentarischen, katalogartigen Charakters (bloße Anfangs-/Schlussworte mit Kapitelnummer) hier nicht einzeln nachvollzogen; die inhaltlich wichtigsten, vollständiger zitierten Stellen werden in den folgenden Einheiten gesondert übersetzt.

Katalogisierende Übersicht über Handschrift T1: enthält Fragmente vieler Kaṭhaka-Kapitel (u.a. Kaṭh.16-18, 35, 38, 40) sowie Ṛgveda-Parallelen (Arzt-Apotheker-Lied ≈ṚV 10,97; Hiraṇyagarbha-Lied ≈ṚV 10,121) in eigentümlicher Kaṭha/Maitrāyaṇīya-Fassung. Rein katalogartiges Material wird zusammenfassend referiert statt einzeln übersetzt.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks