[kein Sanskrit-Fließtext – zusammenfassende Würdigung von Schroeders deutschsprachiger Schlussdiskussion, S.123-126]
Schroeder bespricht auf den letzten Seiten seiner Abhandlung mehrere besonders aufschlussreiche Einzelfälle, in denen die Kaṭha-Lesart die ursprünglichere gegenüber einer im überlieferten Taittirīya-Āraṇyaka-Text bereits korrumpierten Stelle bewahrt hat: (1) An einer Stelle des Nārāyaṇa-Textes (Tāitt.Ār.3,13,2), wo die überlieferte Lesart 'HRĪŚ TE LAKṢMĪŚ CA PATNYAU' ('deine Gattinnen sind Hrī und Lakṣmī') sinnlos erscheint (Nārāyaṇa-Viṣṇu wird sonst nicht mit Hrī, wohl aber mit ŚRĪ verbunden), bietet das Kāṭhaka an erster Stelle das richtige 'ŚRĪ' – Schroeder erklärt die Verwechslung phonetisch durch die im späteren Sanskrit ähnlich klingenden Lautgruppen 'śr' und 'hr' (vergleichbar dem deutschen 'ch' in 'ich'). (2) Beim Namen 'GRĪCA ĀHNEYAḤ' (Tāitt.Ār.2,12) gegenüber dem vom Kāṭhaka gebotenen richtigeren 'GRĪCA ĀGNEYAḤ' ('Sohn des Agni') erklärt Schroeder den Fehler paläographisch: die Verwechslung der in der Grantha-Schrift einander sehr ähnlichen Zeichen für 'ha' und 'ga' – ein wichtiges Indiz dafür, dass die überlieferten Devanāgarī-Handschriften des Taittirīya-Āraṇyaka letztlich auf eine Grantha-Vorlage zurückgehen (Südindien, vermutlich nach dem 10. Jahrhundert n.Chr.). (3) Weitere besprochene Fälle betreffen anomale Nasalierungs-Entwicklungen (z.B. 'īṭāṃ maniṣāṇa' vs. Kāṭhaka 'īḍāmasumaniṣāṇa') und eine fehlerhafte Konsonantenverdopplung (Tāitt.Ār.4,5,7 'ambhuvam' vs. Kāṭhaka 'ambhūm', mit Sāyaṇas irriger Zerlegung als 'ap+bhuvam'). Schroeder schließt seine Abhandlung mit der methodischen Empfehlung, eine systematische Untersuchung ALLER Lautvarianten in den vedischen Handschriften im Lichte der modernen Sanskrit-Aussprache in verschiedenen Regionen Indiens, der Prakrit-Lautentwicklungen und der Prātiśākhya-Aussprachelehren durchzuführen.
Schlussdiskussion textkritischer Einzelfälle: Kāṭhaka bewahrt an mehreren Stellen die ursprünglichere Lesart gegenüber später korrumpiertem Taittirīya-Āraṇyaka-Text (Śrī/Hrī-Lautverwechslung; Grantha-Paläographie ha/ga bei 'Āgneyaḥ'/'Āhneyaḥ'; Nasalierungs- und Konsonantenverdopplungs-Fehler). Wichtiger Beleg für die Grantha-Herkunft der Taittirīya-Āraṇyaka-Devanāgarī-Überlieferung.