Quellen der Menschheit

Kāṭha-Āraṇyaka

Kapitel 3: (Kaṭha-Recension, unnummerierte Kapitel = Tāitt.Ār. 2,3–8) Teil II, Abschnitt 2: Weitere Kaṭha-Parallelen zu Tāitt.Ār. 2,3–8 (Sünden-Lösungsformeln, Vaiśvānara-Gebet) — abermals abweichende Kapiteleinteilung

Originalseiten 72-80 (Faksimile). Schroeder notiert ausdrücklich, dass die Kaṭha-Manuscripte auch für die Tāitt.Ār.2,3-5 entsprechenden Stücke eine EIGENE, VON TAITTIRĪYA ABWEICHENDE KAPITELEINTEILUNG haben (für 2,6-8 fehlt laut Schroeder sogar jede Kapitelzählung in den Handschriften). Der Wortlaut entspricht inhaltlich dem bereits übersetzten Taittirīya-Āraṇyaka 2, Anuvāka 3 (Sünden-/Falschheits-Bekenntnisformel) und Anuvāka 4-6 (Sāvitrī-Rezitation, Agni-Ṛṣi-Anrufung u.a., dort wegen schwer lesbarem Quell-Scan als unsicherer Sammelblock übersetzt). Eine hier neu gefundene, in der Kaṭha-Handschrift deutlicher lesbare Passage (Vaiśvānara-Gebet, s.u.) dürfte diesem Sammelblock zuzuordnen sein und liefert eine klarere Lesart als die seinerzeit verfügbare Taittirīya-Quelle – ohne dass hier eine rückwirkende Korrektur der bereits veröffentlichten Taittirīya-Übersetzung vorgenommen wird (dies bliebe einer künftigen Überarbeitung vorbehalten).

[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT, [?] an vielen Stellen wegen Handschriften-Ligaturen:] vaiśvānarāya prativedayāmahe yad dīnṛgvat saṃkaraṃ devatāsu | sa etān mpāṃ āgham pramuñcatv eda saṃ no śubhaṃ tu duritād avadyāt || vaiśvānaraḥ pāvayā naḥ pariviśvataḥ tasyā jñam abhidhāva mrama | anena jānann abhi nūnaṃ yāco mano yad enāṃ no'va tat suvāmi || amū ye subhage divi vicṛtinā tārake | prehy amṛtasya yac chatam etad dvakamocanam [?] || vijihīrṣva lokān adhi baddhān mukhāsi bandhaḥ | yonir iva pracyuto garbhaḥ sarvān padhyān anuṣyāt [?] || saṃ prajānan prati gṛhṇāti vidvān prajāpatiṃ prathamajāṃ ṛtasya | asmābhir dattaṃ jarasaḥ purastād aścinnaṃ ...

[zusammenfassend, mit erheblicher Leseunsicherheit an mehreren Stellen:] 'DEM VAIŚVĀNARA [Agni] TUN WIR KUND, WAS AN VERWIRRUNG/VERMISCHUNG UNTER DEN GOTTHEITEN [UNS WIE] EIN ELENDES LIED [GESCHEHEN IST]; ER MÖGE UNS VON DIESEM ÜBEL LÖSEN, UND [UNS] ZUM GLÜCK, NICHT ZUM FEHLTRITT UND ÜBEL [FÜHREN]. VAIŚVĀNARA, REINIGE UNS VON ALLEN SEITEN [Pariviśvataḥ] — zu SEINEM OPFER laufe ich; MIT DIESEM [GEBET], [IHN] ERKENNEND, BITTE ICH NUN [MIT] GEDANKEN [Manas] — WAS AN ÜBEL [Enas] AN UNS [HAFTET], DAS LÖSE ER. JENE [STERNE?], DIE GLÜCKVERHEISSENDEN, AM HIMMEL VERTEILT, DIE STERNE — TRITT HERVOR, [DU,] DIE HUNDERTFACHE UNSTERBLICHKEIT [VERLEIHENDE], DIES [SEI] DIE LÖSUNG VOM ÜBEL/BAND. LÖSE DIE [AN DICH] GEBUNDENEN WELTEN, [DU BIST] DAS BAND SELBST [bzw. der Mund ist das Band] — WIE DER AUS DEM MUTTERSCHOSS HERVORGETRETENE EMBRYO, SO MÖGE [ER] ALLEN WEGEN [SICHER] FOLGEN. DER WISSENDE ERKENNEND-EMPFÄNGT [DEN] PRAJĀPATI, DEN ERSTGEBORENEN DER WAHRHEIT [Ṛta]; VON UNS SEI [IHM] GEGEBEN, VOM ALTER [Jaras] HER, VORAN ...' (Kaṭha-Recension = Tāitt.Ār.2,6) [Anm.: dieses VAIŚVĀNARA-GEBET dürfte inhaltlich zu dem bereits als Sammelblock übersetzten Taittirīya-Āraṇyaka 2, Anuvāka 4-6 gehören, wo Ähnliches – Sünden-/Schuld-Lösungsbitten, Agni-Anrufung, Sāvitrī-Rezitation – bereits (dort mit erhöhter Unsicherheit wegen schlechterer Quellscan-Qualität) übersetzt wurde. Die Kaṭha-Version, obwohl selbst nicht leicht zu lesen, liefert teils klarere Formulierungen (z.B. die Bitte 'vaiśvānaraḥ pāvayā naḥ pariviśvataḥ' – 'Vaiśvānara, reinige uns von allen Seiten' – als eindeutige Parallele zu ähnlichen Reinigungsbitten in der Taittirīya-Fassung) und bestätigt den insgesamt erkannten Themenkomplex: Sühne für begangenes Unrecht/Unwahrheit, Anrufung Agnis als Reiniger, Wiedergeburts-Gleichnis (Embryo aus dem Mutterschoß) als Bild für Erneuerung nach der Sühne, Prajāpati als 'Erstgeborener der Wahrheit'.]

Wort für Wort
vaiśvānarāya prativedayāmahe
dem Vaiśvānara tun wir kund
vaiśvānaraḥ pāvayā naḥ pariviśvataḥ
Vaiśvānara, reinige uns von allen Seiten
yoniriva pracyuto garbhaḥ
wie der aus dem Mutterschoß hervorgetretene Embryo
vidvān prajāpatiṃ prathamajāṃ ṛtasya
der Wissende [erkennt] Prajāpati, den Erstgeborenen der Wahrheit

Vaiśvānara-Reinigungsgebet, thematisch verwandt mit Taittirīya-Āraṇyaka 2, Anuvāka 3-6 (Sünden-/Schuld-Lösungsformeln); liefert teils klarere Lesarten als die dort verwendete Quelle. Embryo-aus-dem-Mutterschoß-Gleichnis als Bild der Erneuerung; Prajāpati als 'Erstgeborener der Wahrheit' (ṛtasya prathamajām).

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