Originalseiten ~80-95 (Faksimile). Ab hier vergleicht Schroeder die Kaṭha-Handschriften nicht mehr nur mit Tāitt.Ār.2, sondern auch mit den Büchern 4 (Gharma-/Rudra-Mantra-Sammlung, in unserer Taittirīya-Übersetzung Teil von Prap.4-5) und den mit 'Bṛhatpuruṣasūkta' bezeichneten Abschnitten aus Tāitt.Ār.3 und 10 (letzteres = die bereits vollständig übersetzte Mahānārāyaṇa-Upaniṣad). Auch hier gilt erneut die von Schroeder wiederholt betonte Kernbeobachtung: DIE KAPITELREIHENFOLGE WEICHT AB, DER WORTLAUT STIMMT ABER IM WESENTLICHEN ÜBEREIN.
[nach T1 sub Nr.8, viermal ohne Accente wiederholt laut Vermerk:] oṃ vidhuṃ-dvārāṇāṃ (?) saṃmane bahnāṃ yuvāṃ saṃnaṃ pavitrī jagāra deva sa pañca kāvya mahilvā vāṃ mamāra saṃdhyāssamāna || oṃ bhūḥ svāhā [4x, ohne Accente]
[?, stark unsicher wegen fehlender Akzente und abweichender Orthographie der Handschrift:] 'OM. DER BLITZE ... [VERSAMMELND?] DIE BEIDEN [Aśvin? oder Feuer-Paar] REINIGEND, WACHTE DER GOTT ... FÜNF DICHTERGABEN [Kāvya], EUCH BEIDEN GRÖSSE ... ZUSAMMENKUNFT ... OM BHŪḤ SVĀHĀ' [viermal, ohne Akzente]. (Kaṭha-Recension = Tāitt.Ār.4,20,1) [Anm.: entspricht dem bereits übersetzten Beginn von Taittirīya-Āraṇyaka Prapāṭhaka 4/5 (Gharma-Mantra-Sammlung des Pravargya-Rituals); Schroeder bemerkt ausdrücklich, dass auch hier die Kapitelreihenfolge zwischen Kaṭha- und Taittirīya-Rezension abweicht, der Wortlaut im Wesentlichen aber übereinstimmt. Die Handschrift überliefert den Mantra viermal identisch und ausdrücklich OHNE Akzentzeichen (ungewöhnlich für die sonst sorgfältig akzentuierten Tübinger Handschriften) – möglicherweise, weil es sich um eine rein rezitatorisch-praktische Ritualformel handelt.]
Wort für Wort
- oṃ bhūḥ svāhā
- Om, Erde, Opferruf!
Rudra-/Vidyut-(Blitz-)Mantra, viermal ohne Akzente überliefert; entspricht Taittirīya-Āraṇyaka 4,20,1 (Gharma-/Pravargya-Mantra-Sammlung). Text an mehreren Stellen unsicher lesbar.
[kein durchlaufendes Sanskrit-Zitat in dieser Einheit – zusammenfassender Bericht über Schroeders Kollationsbefund, S.82-85]
Schroeder weist eine zusammenhängende Kapitelreihe in den Handschriften T5 und St (fol.96) nach, die – unter der Sammelbezeichnung 'BṚHATPURUṢASŪKTA' – bestimmten Kapiteln des Taittirīya-Āraṇyaka entsprechen: der Reihe nach Tāitt.Ār.3,12,7; 3,13,1-2; 10,1,2-3; 10,1,13-14; und abermals 10,1,3-4. Fragmente der Handschrift T1 (Unternummer 1c) liefern ergänzendes Material für dieselben Passagen. In allen drei Handschriften (T5, St, T1) GEHT DEM GANZEN ABSCHNITT DAS PURUṢA-SŪKTA (ṚV 10,90) VORAN – und zwar ZWEIMAL HINTEREINANDER GEGEBEN –, woran sich der im Wesentlichen mit Taittirīya übereinstimmende Text anschließt. [Anm.: das Puruṣa-Sūkta (ṚV 10,90, der kosmogonische Hymnus vom geopferten Urmenschen, aus dessen Körperteilen die vier Kasten und die Weltordnung entstehen) haben wir bereits vollständig im Rahmen von Taittirīya-Āraṇyaka Prapāṭhaka 1-3 übersetzt; ebenso die Mahānārāyaṇa-Upaniṣad (=Tāitt.Ār. Prapāṭhaka 10) mit ihren zahlreichen Puruṣa-bezogenen Passagen im Rahmen von Prapāṭhaka 10. Die Kaṭha-Rezension bestätigt hier abermals eine vom Taittirīya-Āraṇyaka abweichende Kapitelfolge, wobei bemerkenswert ist, dass die zweimalige Wiederholung des Puruṣa-Sūkta als Einleitung dieses Abschnitts eine eigenständige liturgische Praxis der Kaṭha-Schule widerzuspiegeln scheint, die im überlieferten Taittirīya-Text so nicht auftritt. Auf eine erneute Volltext-Übersetzung wird verzichtet, da der Wortlaut im Wesentlichen bereits aus der taittiriya-Division bekannt ist (s. dort Prap.1-3 und Prap.10).]
BṚHATPURUṢASŪKTA-Komplex: Kaṭha-Parallelen zu Tāitt.Ār.3,12-13 und 10,1 (=Mahānārāyaṇa-Upaniṣad), mit dem Puruṣa-Sūkta (ṚV 10,90) ZWEIMAL vorangestellt – eine eigenständige liturgische Kaṭha-Praxis. Abweichende Kapitelreihenfolge (3,12,7→3,13,1-2→10,1,2-3→10,1,13-14→10,1,3-4), im Wesentlichen übereinstimmender Wortlaut mit bereits übersetztem Material.