Adhyāya 25: Agnihotravidhiḥ, Vṛṣasuṣma-Jātūkarṇyākhyānam, Prajāpateḥ vedasṛṣṭiḥ, Caturhotṛvicāraḥ
Die Regeln des Agnihotra; die Erzählung von Vṛṣasuṣma und Jātūkarṇya über die rechte Opferzeit; Prajāpatis Erschaffung der Veden; die Erörterung des Caturhotṛ- und Brahman-Priesteramts
Agnihotra-Regeln, Vṛṣasuṣma und Jātūkarṇya, Prajāpatis Vedenschöpfung.
Uddharāhavanīyam ity aparāhṇa āha. Yad evāhaṃ sādhu karomi, tad eva tat prāg uddhṛtya tadabhaye nidhatte. Uddharāhavanīyam iti prātar āha. Yad eva rātryā sādhu karoti, tad eva tat prāṅ uddhṛtya tadabhaye nidhatte. Yajño vā āhavanīyaḥ, svargo loka āhavanīyo, yajña eva tat svarge loke svargaṃ lokaṃ nidhatte ya evaṃ veda.
Yo vā agnihotraṃ vaiśvadevaṃ ṣoḷaśakalaṃ paśuṣu pratiṣṭhitaṃ veda, vaiśvadevenāgnihotreṇa ṣoḷaśakalena paśūnāṃ pratiṣṭhitena rādhnoti. Raudram gavi sat, vāyavyam upāvasṛṣṭam, aśvinaṃ duhyamānam, saumyaṃ dagdham, vāruṇam adhiśritam, pauṣṇaṃ samudyantam, vaiśvadevaṃ vindumat, maitraṃ sarogṛhītam, dyāvāpṛthivyaṃ udvāsitam, sāvitraṃ prakrāntam, vaiṣṇavaṃ hriyamāṇam, bārhaspatyam upasannam, Agneḥ pūrvāhutiḥ, Prajāpater uttarāhutir hutam.
Etad vā agnihotraṃ vaiśvadevaṃ ṣoḷaśakalaṃ paśuṣu pratiṣṭhitam. Vaiśvadevenāgnihotreṇa ṣoḷaśakalena paśuṣu pratiṣṭhitena rādhnoti ya evaṃ veda. || 26 || 1 ||
"Hebe den Āhavanīya-Altar auf" — so spricht man am Nachmittag; denn was ich Gutes tue, das hebe ich zuvor auf und lege es damit in Sicherheit. "Hebe den Āhavanīya-Altar auf" — so spricht man am Morgen; denn was in der Nacht Gutes geschieht, das hebt man zuvor auf und legt es in Sicherheit. Das Opfer ist der Āhavanīya, die Himmelswelt ist der Āhavanīya; durch das Opfer legt man eben diese Himmelswelt in der Himmelswelt in Sicherheit, wer dies weiß.
Wer das Agnihotra als das dem Vieh entsprechende sechzehnteilige Viśvedevāḥ-Opfer kennt, dem gelingt es durch das im Vieh verankerte, sechzehnteilige Viśvedevāḥ-Agnihotra. (Es folgt die Zuordnung der sechzehn Teile des täglichen Milch-Agnihotra-Opfers zu je einer Gottheit und einem Zustand der Milch:) das Rudra-Teil ist die (Milch) in der Kuh, das Vāyu-Teil das Melken selbst, das Aśvin-Teil die gerade gemolkene, das Soma-Teil die erhitzte, das Varuṇa-Teil die aufgesetzte, das Pūṣan-Teil die aufwallende, das Viśvedevāḥ-Teil die schäumende, das Mitra-Teil die vom "Fehler" (Überkochen) ergriffene, das Dyāvāpṛthivī-Teil die abgesetzte, das Savitṛ-Teil die zu Beginn dargebrachte, das Viṣṇu-Teil die entnommene, das Bṛhaspati-Teil die niedergesetzte; Agnis Teil ist die erste, Prajāpatis Teil die letzte Spende.
Dies ist das Agnihotra als sechzehnteiliges, dem Vieh entsprechendes Viśvedevāḥ-Opfer. Wer dies weiß, dem gelingt es durch das im Vieh verankerte, sechzehnteilige Viśvedevāḥ-Agnihotra. || 26 || 1 ||
Yasyāgnihotry upāvasṛṣṭā duhyamānopaviśet, kā tatra prāyaścittir iti. Tām abhimantrayeta: yasmād bhīṣā niṣīdasi, tato no bhayaṃ kṛdhi, paśūn naḥ sarvān gopāya, namo Rudrāya milhuṣa iti. Tām utthāpayed: uy asthād devy Aditir āyur yajñapatāv adhāt, Indrāya kṛṇvatī bhāgam, Mitrāya Varuṇāya ceti.
Athāsyā udapātrād ūdhaś copagṛhṇīyāt, athainām brāhmaṇāya dadyāt. Sā tatra prāyaścittiḥ. Yasyāgnihotry upāvasṛṣṭā duhyamānā vāśyeta, kā tatra prāyaścittir ity: asanāyāṃ ha vā eṣā yajamānasya pratikṛtāyai vāśyate. Tām annam apy adeyāc chāntayo vānnaṃ, "suyavasād bhagavatī hi bhūyāḥ" iti.
Sā prāyaścittiḥ. Yasyāgnihotry upāvasṛṣṭā duhyamānā syandeta, kā tatra prāyaścittir iti. Sā yat tatra skandayet, tad abhimṛśed japet: "adyā dugdhaṃ pṛthivīm ā sṛpad, yad oṣadhīr atyasṛpad, yad āpaḥ, payo goṣu payo agnyāyāṃ, payas tsu, payo asthu tan mayi." Tatra yat pariśiṣṭaṃ syāt, tena juhuyād yad alaṃ homāya syāt; athānyāṃ siktaṃ syād, athānyāṃ ahūyā
tāṃ dugdhvā tena juhuyāt; ā tv eva śraddhāyai hotavyam. Sā tatra prāyaścittiḥ. Sarvaṃ vā asya barhiṣy avyaṃ dādhārāyatanād, ya evaṃ vidvān agnihotraṃ juhoti. || 27 || 2 ||
Wessen Agnihotra-Kuh während des Melkens den Kopf senkt und sich niedersetzt — was ist da die Sühne? Man bespreche sie: "Weil du aus Furcht dich niedersetzt, nimm uns die Furcht, behüte uns all unser Vieh, Verbeugung dem freigebigen Rudra!" Man richte sie auf mit den Worten: "Auf stand die Göttin Aditi, legte Lebenskraft in den Opferherrn, indem sie Indra, Mitra und Varuṇa ihren Anteil gab."
Dann nehme man von ihrem Wassergefäß (Vorderteil?) und dem Euter (etwas) und gebe es dem Brahmanen. Dies ist dort die Sühne. Wessen Agnihotra-Kuh während des Melkens brüllt — was ist da die Sühne? Aus Hunger brüllt sie fürwahr, als Abbild des Opferherrn selbst. Man solle ihr Futter nicht vorenthalten oder es unfriedlich (behandeln), sondern (sprechen): "Von guter Weide mögest du, Herrliche, sein."
Dies ist die Sühne. Wessen Agnihotra-Kuh während des Melkens (die Milch) verspritzt — was ist da die Sühne? Was dabei verschüttet wird, das berühre man und murmle: "Heute möge die gemolkene (Milch) zur Erde kriechen, mag sie über die Kräuter, über die Wasser kriechen — Milch sei in den Kühen, Milch im Feuer, Milch in den Gewässern, Milch sei in mir." Was dann übrig ist, damit opfere man, soviel zum Opfer reicht; ist es zu wenig, so melke man eine andere (Kuh) hinzu, gieße es zusammen und opfere damit; nur mit Vertrauen (Śraddhā) soll geopfert werden.
Dies ist dort die Sühne. Denn all dies (Milch-Opfer) hat im Opfergras (Barhis) seinen ganzen Grund und Halt, wer, so wissend, das Agnihotra darbringt. || 27 || 2 ||
Asau vā asyādityo yūpaḥ, pṛthivī vediḥ, oṣadhayo barhir, vanaspataya idhmā, āpaḥ prokṣaṇyo, diśaḥ paridhayo, yan mriyate yad apakṣīyate, sarvaṃ haivainaṃ tad amuṣmiṃl loke yathā barhiṣi dattam āgached, evam āgachati ya evaṃ vidvān agnihotram juhoti. Ubhayān vā eṣa devamanuṣyān viparyāsaṃ dakṣiṇā nayati, sarvaṃ cedam idaṃ kiñca.
Manuṣyān vā eṣa sāyamāhutyā viparyāsaṃ dakṣiṇā nayati, sarvaṃ cedam idaṃ kiñca. Te ta pralīnā nyokasa iva sere manuṣyā devebhyo dakṣiṇā nītāḥ. Manuṣyebhyo dakṣiṇā nayati, sarvaṃ cedam idaṃ kiñca. Te ta vividānā ivotpatanty: "ado 'haṃ gamiṣyāmī" ti vadanto.
Yāvantaṃ ha vai sarvam idaṃ dattvā lokaṃ jayati, tāvantaṃ ha lokaṃ jayaty a evaṃ vidvān agnihotraṃ juhoti. Agnaye vā eṣa sāyamāhutyāśvinam upākaroti, vāg vāgnir; vāg vāgninā hāsya rātryāśvinaṃ sastaṃ bhavati ya evaṃ vidvān agnihotraṃ juhoti. Ādityāya vā eṣa prātar āhutyā mahāvratam upākaroti, tat prāṇaḥ pratigṛhṇāti: annam-annam ity, Ādityena hy āhnā mahāvratam sastaṃ bhavati ya evaṃ vidvān agnihotraṃ juhoti.
Tasyaitasyāgnihotrasya sapta ca śatāni viṃśatiś ca saṃvatsare sāyamāhutayaḥ, sapta ca śatāni viṃśatiś ca saṃvatsare prātarāhutayas, tāvatyo 'gner yajuṣmatya iṣṭakāḥ; sāṃvatsareṇa hāsyāgninā cityaneṣṭaṃ bhavati ya evaṃ vidvān agnihotraṃ juhoti. || 28 || 3 ||
Jener Āditya (die Sonne) ist ihm (dem Agnihotra) der Opferpfahl, die Erde der Altar, die Kräuter das Opfergras, die Bäume das Brennholz, die Wasser die Besprengung, die Himmelsrichtungen die Umzäunung; was stirbt, was schwindet — dies alles gelangt eben zu ihm in jene Welt, so wie es (im irdischen Opfer) auf das Opfergras gelegt wird; ebenso gelangt (dorthin), wer, so wissend, das Agnihotra darbringt. Er führt so beide, Götter und Menschen, wechselseitig als "Dakṣiṇā" (Opferlohn, Gegengabe) — nämlich alles, was irgend ist.
Mit der Abendspende führt er den Menschen wechselweise (den Göttern) zu — alles, was irgend ist; diese liegen dann wie in ihrem Nest geborgen, die Menschen, den Göttern als Gabe zugeführt. Er führt (die Götter) den Menschen als Gabe zu — alles, was irgend ist; diese fliegen dann wie erwacht empor und sprechen: "Ich werde dorthin gehen."
Wieviel Welt einer erlangt, indem er so alles (im Opfer) hingibt, so viel Welt gewinnt, wer, so wissend, das Agnihotra darbringt. Mit der Abendspende bereitet er dem Agni das Aśvin-Opfer vor; die Rede ist ja Agni — durch die Rede, durch Agni, wird ihm das nächtliche Aśvin-(Opfer) vollzogen, wer, so wissend, das Agnihotra darbringt. Mit der Morgenspende bereitet er dem Āditya das Mahāvrata vor; das nimmt der Atem (Prāṇa) auf: "Speise, Speise!" — denn durch den Tag, durch Āditya, wird ihm das Mahāvrata vollzogen, wer, so wissend, das Agnihotra darbringt.
Dieses Agnihotra hat siebenhundertzwanzig Abendspenden im Jahr und siebenhundertzwanzig Morgenspenden im Jahr — ebenso viele sind die geweihten Ziegel des Feueraltars; im Laufe des Jahres wird ihm mit diesem Feuer gleichsam ein Altar aufgeschichtet, wer, so wissend, das Agnihotra darbringt. || 28 || 3 ||
Vṛṣasuṣmo ha Vātavata uvāca Jātūkarṇyaḥ: vaktā smo 'ham idaṃ devebhyo, yad vai tad agnihotram ubhayedur hūyate 'nyedur vāva tad etarhi hūyata iti. Etad u tv id dhaivocha kumārī gandharvagṛhītā: vaktā smo 'ham idaṃ pitṛbhyo, yad vai tad agnihotram ubhayedur hūyate 'nyedur vāva tad etarhi hūyata iti.
Etad vā agnihotram anyedur hūyate, yad astamite sāyaṃ juhoty anudite prātaḥ. Athaitad agnihotram ubhayedur hūyate, yad astamite sāyaṃ juhoty udite prātaḥ. Tasmād udite hotavyam. Eṣa hā vā ahorātrayos tejasi juhoti yo 'stamite sāyaṃ juhoty udite prātaḥ. Ādityena tejasā tejasvad dhutaṃ bhavati ya evaṃ vidvān udite juhoti.
Tasmād udite hotavyam. || 29 || 4 ||
Vṛṣasuṣma, Sohn des Vātavata, aus dem Geschlecht des Jātūkarṇya, sprach: "Ich werde dies den Göttern verkünden: daß dieses Agnihotra (scheinbar) an beiden Tagen dargebracht wird, während es (in Wahrheit) am jeweils anderen (nämlich folgenden) Tag dargebracht wird." Ebendies verkündete auch ein von einem Gandharva ergriffenes Mädchen: "Ich werde dies den Vätern (Manen) verkünden: daß dieses Agnihotra (scheinbar) an beiden Tagen dargebracht wird, während es am jeweils anderen Tag dargebracht wird."
Dieses Agnihotra wird nämlich (eigentlich nur) am (jeweils) anderen Tag dargebracht, wenn man es nach Sonnenuntergang abends darbringt, aber vor Sonnenaufgang morgens (schon wieder, also noch am Vortag). Dagegen wird dieses Agnihotra (wirklich) an beiden (den ihm zugehörigen) Tagen dargebracht, wenn man es nach Sonnenuntergang abends darbringt und nach Sonnenaufgang morgens. Darum solle man erst nach Sonnenaufgang (morgens) opfern. Denn wer nach Sonnenuntergang abends und nach Sonnenaufgang morgens opfert, der opfert fürwahr im Glanz von Tag und Nacht (zugleich); mit dem Glanz der Sonne (Āditya) wird ihm das Opfer glanzvoll dargebracht, wer, so wissend, nach Sonnenaufgang opfert.
Darum solle man erst nach Sonnenaufgang opfern. || 29 || 4 ||
Ete ha vai saṃvatsarasya cakre yad ahorātre, tābhyām eva tat saṃvatsaram eti, ya evaṃ vidvān udite juhoti. Yathaikataścakreṇa yāyāt, tādṛk tad; atha ya udite juhoti, yathobhayataścakreṇa yān kṣipram adhvānaṃ samaśnuvīta, tādṛk tat.
Tad eṣābhi yajñagāthā gīyate:
bṛhadrathaṃtarābhyām idam eti yuktam |
yad bhūtaṃ bhaviṣyac cāpi sarvam ||
tābhyām iyāj juhuyān nakim anyad |
iti rāthaṃtaraṃ vai rātrir, ahar bārhataṃ.
Iti rāthaṃtaram Ādityo bṛhad, ete ha vā enaṃ devate bradhnasya viṣṭapaṃ svargaṃ lokaṃ gamayato ya evaṃ vidvān udite juhoti. Tasmād udite hotavyam.
Tad eṣābhi yajñagāthā gīyate:
yathā ha vai sthūriṇaikena yāyād |
akṛtvānyad upayojanāya |
evaṃ yanti te bahavo janāsaḥ |
purodayāj juhvati ye 'gnihotram ||
Tāṃ vā etāṃ devatāṃ prayastiṃ sarvam idam anupraiti, yad idaṃ kiñcaitasyai hīdaṃ devatāyā anucaraṃ sarvaṃ yad idaṃ kiñca, saiṣānucaravatī devatā. Vindate ha vā anucaraṃ bhavaty asyānucaro ya evaṃ veda. Sa vā eṣa ekātithiḥ, sa eṣa juhvatsu vasati. || 30 || 5 ||
Tad ado gāthā bhavati:
anenasam enāso so 'bhiśastād |
enasvato vāpaharād enaḥ |
ekātithim apa sāyaṃ ruṇaddhi |
biṣāṇi steno apa so jabharety ||
Eṣa ha vai sa Ekātithiḥ, sa eṣa juhvatsu vasaty. Etāṃ vāva sa devatāṃ aparuṇaddhi, yo 'gnihotrāya nāgnihotraṃ juhoti; tam eṣā devatāparuddhāparunaddhy asmāc ca lokād amuṣmāc ca. Tasmād yo 'gnihotrāya syāj juhuyāt.
Tasmād āhuḥ: Nagarī Jānaśruteyā Aikādaśākṣam Mānutantavyam uvāca: "prajayaivam enaṃ vijñātāsmo, yadi vidvān yathā u juhoti veti." Tasyo haikādaśākṣe rāṣṭram iva prajā babhūva. Rāṣṭram iva ha vā asya prajā bhavati ya evaṃ vidvān udite juhoti. || 30 || 5 ||
Diese beiden, Tag und Nacht, sind fürwahr die beiden Räder des Jahres; mit ihnen (beiden) fährt es das Jahr ab, wer, so wissend, (erst) nach Sonnenaufgang opfert. Wer (schon vor Sonnenaufgang) opfert, gleicht einem, der mit nur einem Rad führe; wer aber nach Sonnenaufgang opfert, gleicht einem, der mit beiden Rädern fährt und so den Weg rasch zurücklegt.
Dazu wird folgendes Opferlied (Yajñagāthā) gesungen:
"Mit Bṛhat und Rathaṃtara zugleich fährt dies gespannte (Gefährt),
was gewesen ist und was sein wird, alles;
mit diesen beiden möge man opfern, mit keinem anderen (Paar)" —
so heißt es: Rathaṃtara ist die Nacht, Bṛhat der Tag.
So ist Rathaṃtara der Mond (bzw. die Nachtseite), Bṛhat die Sonne (Āditya); diese beiden Gottheiten führen ihn zur Höhe der (Sonnen-)Scheibe, zur Himmelswelt, wer, so wissend, nach Sonnenaufgang opfert. Darum solle man erst nach Sonnenaufgang opfern.
Dazu wird folgendes Opferlied gesungen:
"Wie einer mit nur einem Zugtier führe,
ohne ein anderes zum Anspannen bereitzuhalten,
so gehen jene vielen Leute (in die Irre),
die vor Sonnenaufgang das Agnihotra opfern."
Dieser (rechten) Gottheit, der "Vorausgeeilten" (Prayasti), folgt alles, was irgend ist; denn ihr ist alles, was irgend ist, Gefolge — sie ist die Gottheit mit Gefolge. Wer dies weiß, findet ein Gefolge, wird ihm zum Gefolgsmann. Er ist fürwahr der "eine Gast" (Ekātithi), er wohnt bei den Opfernden. || 30 || 5 ||
Udyann u khalu vā Āditya āhavanīyena raśmiṃ saṃdadhāti. Sa yo 'nudite juhoti, yathā kumārāya vā vatsāya stanaṃ pratidadhyāt tādṛk tat. Atha ya udite juhoti, yathā kumārāya vā vatsāya jātaṃ stanaṃ pratidadhyāt tādṛk tat. Tasmai pratidhīyamānam ubhayor lokayor annādyam anu pratidhīyate 'smāc ca lokād amuṣmāc cobhābhyām.
Sa yo 'nudite juhoti, yathā puruṣāya vā hastine vā prayate hasta ādadhyāt tādṛk tat; atha ya udite juhoti, yathā puruṣāya vā hastine vā prayate hasta ādadhyāt tādṛk tat. Tam eṣa etenaiva hastenordhvaṃ kṛtvā svarge loka ādadhāti ya evaṃ vidvān udite juhoti.
Tasmād udite hotavyam. Udyann u khalu vā Ādityaḥ sarvāṇi bhūtāni praṇayati; tasmād udite hotavyam ācakṣate. Prāṇe hāsya samprati hutaṃ bhavati ya evaṃ vidvān udite juhoti. Tasmād udite hotavyam. Eṣa ha vai satyaṃ vadan satye juhoti, yo 'stamite sāyaṃ juhoty udite prātaḥ.
"Bhūr bhuvaḥ svar om Agnir jyotir jyotir Agnir" iti sāyaṃ juhoti, "bhūr bhuvaḥ svar om Sūryo jyotir jyotiḥ Sūrya" iti prātaḥ. Satyaṃ hāsya vadataḥ satyaṃ hutaṃ bhavati ya evaṃ vidvān udite juhoti.
Tad eṣābhi yajñagāthā gīyate:
prātaḥ-prātar anṛtaṃ te vadanti |
purodayāj juhvati ye 'gnihotram |
divā kīrtyam adivā kīrtayantaḥ |
Sūryo jyotir na tad jyotir eṣāṃ || iti || 31 || 6 ||
Beim Aufgehen fürwahr verbindet Āditya (die Sonne) seinen Strahl mit dem Āhavanīya-Feuer. Wer (das Agnihotra) vor Sonnenaufgang opfert, gleicht einem, der einem Kind oder Kalb die (leere) Brust anlegt; wer aber nach Sonnenaufgang opfert, gleicht einem, der dem Kind oder Kalb die (bereits von Milch) gefüllte Brust anlegt. Was ihm so dargereicht wird, ihm wird dann Speise in beiden Welten dargereicht, aus dieser Welt und aus jener, aus beiden.
Wer vor Sonnenaufgang opfert, gleicht einem, der einem (leer) ausgestreckten Menschen oder Elefanten die Hand reicht; wer nach Sonnenaufgang opfert, gleicht einem, der einem (schon gefüllten) Menschen oder Elefanten die Hand reicht. Ihn hebt diese (Sonne) mit eben dieser Hand empor und setzt ihn in die Himmelswelt, wer, so wissend, nach Sonnenaufgang opfert.
Darum solle man erst nach Sonnenaufgang opfern. Beim Aufgehen fürwahr führt Āditya alle Wesen; darum sagt man, man solle nach Sonnenaufgang opfern. Ihm wird es dann im (rechten) Augenblick in den Atem (Prāṇa, d.h. in die Sonne selbst) geopfert, wer, so wissend, nach Sonnenaufgang opfert. Darum solle man erst nach Sonnenaufgang opfern. Wer nach Sonnenuntergang abends und nach Sonnenaufgang morgens opfert, der spricht fürwahr die Wahrheit und opfert in Wahrheit.
"Bhūr bhuvaḥ svar, oṃ, Agni ist das Licht, das Licht ist Agni" — so opfert man abends; "Bhūr bhuvaḥ svar, oṃ, Sūrya ist das Licht, das Licht ist Sūrya" — so morgens. Wahrheit wird ihm, der die Wahrheit spricht, wahrhaftig geopfert, wer, so wissend, nach Sonnenaufgang opfert.
Dazu wird folgendes Opferlied gesungen:
"Morgen für Morgen sprechen sie Unwahres,
die vor Sonnenaufgang das Agnihotra opfern;
bei Tage rühmen sie, was nicht bei Tage geschah —
die Sonne ist das Licht, nicht (ihr eigenes) Licht ist das ihre." || 31 || 6 ||
Prajāpatir akāmayata: prajayeva bhūyān syām iti. Sa tapo 'tapyata, sa tapas taptvā imāl lokān asṛjata: pṛthivīm antarikṣaṃ divam. Tāl lokān abhyatapat, tebhyas trīṇi jyotīṃṣy ajāyantāgnir eva pṛthivyā, Vāyur antarikṣād, Ādityo divaḥ.
Tāni jyotīṃṣy abhyatapat, tebhyo 'bhitāpebhyas trayo vedā ajāyanta: ṛgveda evāgner ajāyata, yajurvedo Vāyoḥ, sāmaveda Ādityāt. Tān vedān abhyatapat, tebhyo 'bhitāpebhyas trīṇi śukrāṇy ajāyanta: bhūr ity eva ṛgvedād ajāyata, bhuva iti yajurvedāt, svar iti sāmavedāt.
Tāni śukrāṇy abhyatapat, tebhyo 'bhitāpebhyas trayo varṇā ajāyantākāra ukāro makāra iti. Tān ekadhā samabharat, tad etad om iti. Tasmād om iti praṇauti; om iti vai svargo lokaḥ, om ity asau yo 'sau tapati.
Prajāpatir yajñam atanuta, tam āharat, tenāyajata. Sa ṛcaiva hautram akarod, yajuṣā ādhvaryavaṃ, sāmnodgītham. Yad etat trayyai vidyāyai śukraṃ, tena brahmatvam akarot. Sa Prajāpatir yajñaṃ devebhyaḥ samprāyachat, te devā yajñam atanvata, tam āharanta, tenāyajanta. Te ṛcaiva hautram akurvan, yajuṣā ādhvaryavaṃ, sāmnodgītham. Yad evaitat trayyai vidyāyai śukraṃ, tena brahmatvam akurvan.
Te devā abruvan Prajāpatim: yadi no yajña ṛktā ārtiḥ syād, yadi yajuṣto, yadi sāmato, yady avijñātā sarvavyāpad vā, kā prāyaścittir iti. Sa Prajāpatir abravīd devān: yadi vo yajña ṛktā ārtir bhavati, bhūr iti gārhapatye juhavātha; yadi yajuṣṭo, bhuva ity āgnīdhrīye 'nvāhāryapacane vā haviṣi; yadi sāmato, svar ity āhavanīye; yady avijñātā sarvavyāpad vā, "bhūr bhuvaḥ svar" iti sarvā anudrutyāhavanīya eva juhavātheti.
Athātmanātmānaṃ saṃdadhyāt, yathā parvaṇā parva, yathā śleṣmaṇā carmaṇyaṃ vā viśliṣṭaṃ saṃśleṣayet, evam evaitāṃ brahmaṇā yajñasya viśliṣṭaṃ saṃdadhāti. Saiṣā sarvaprāyaścittir, yad etad vyāhṛtayas; tasmāc chaiva yajñe prāyaścittiḥ kartavyā. || 32 || 7 ||
Prajāpati wünschte: "Möge ich mich durch Nachkommenschaft vervielfachen." Er übte Askese (Tapas); nachdem er Askese geübt hatte, schuf er diese Welten: Erde, Luftraum und Himmel. Er erhitzte diese Welten mit Askese; aus ihnen entstanden drei Lichter: Agni aus der Erde, Vāyu aus dem Luftraum, Āditya aus dem Himmel.
Er erhitzte diese Lichter; aus dieser Erhitzung entstanden die drei Veden: der Ṛgveda entstand aus Agni, der Yajurveda aus Vāyu, der Sāmaveda aus Āditya. Er erhitzte diese Veden; aus dieser Erhitzung entstanden drei helle Silben: "Bhūḥ" entstand aus dem Ṛgveda, "Bhuvaḥ" aus dem Yajurveda, "Svar" aus dem Sāmaveda.
Er erhitzte diese hellen Silben; aus dieser Erhitzung entstanden drei Laute: A, U und M. Diese vereinigte er zu einem, und dies ist eben "Oṃ". Deshalb tönt man "Oṃ"; "Oṃ" ist ja die Himmelswelt, "Oṃ" ist jene (Sonne), die dort brennt.
Prajāpati breitete das Opfer aus, brachte es herbei und opferte damit. Mit dem Ṛc-Vers vollzog er das Hotṛ-Amt, mit dem Yajus das Adhvaryu-Amt, mit dem Sāman das Udgātṛ-Amt. Was von diesen dreien der Wissenschaft nach hell (śukra, d.h. der reine Wesenskern) war, damit vollzog er das Brahman-Priesteramt. Prajāpati übergab dieses Opfer den Göttern; die Götter breiteten das Opfer aus, brachten es herbei und opferten damit. Auch sie vollzogen mit dem Ṛc das Hotṛ-Amt, mit dem Yajus das Adhvaryu-Amt, mit dem Sāman das Udgātṛ-Amt; und was davon der hellste Wesenskern der dreifachen Wissenschaft war, damit vollzogen sie das Brahman-Amt.
Da sprachen die Götter zu Prajāpati: "Wenn unser Opfer durch einen Ṛc-Vers Schaden nähme, oder durch ein Yajus, oder durch ein Sāman, oder durch einen unbekannten, alles durchdringenden Fehler — was ist da die Sühne?" Prajāpati sprach zu den Göttern: "Nimmt euer Opfer durch einen Ṛc-Vers Schaden, so opfert 'Bhūḥ' auf dem Gārhapatya-Feuer; nimmt es durch ein Yajus Schaden, 'Bhuvaḥ' auf dem Āgnīdhrīya- oder beim Anvāhāryapacana-Opfer; nimmt es durch ein Sāman Schaden, 'Svar' auf dem Āhavanīya; ist der Fehler unbekannt oder alles durchdringend, so opfert, alle (drei Silben) zusammennehmend, 'Bhūr bhuvaḥ svar', eben auf dem Āhavanīya."
Sodann verbinde man sich selbst mit sich selbst: so wie man Glied an Glied fügt, wie man mit Leim oder mit einem Lederriemen Getrenntes zusammenfügt, so fügt man mit dieser heiligen Formel (Brahman) das Getrennte des Opfers wieder zusammen. Dies ist die allgemeine Sühne, nämlich diese Vyāhṛtis (die drei heiligen Silben Bhūr, Bhuvaḥ, Svar); darum solle eben damit im Opfer die Sühne vollzogen werden. || 32 || 7 ||
Tad āhur mahāvadāṃsaḥ: kena brahmatvaṃ kriyata iti. Trayyā vidyayeti brūyāt. Kena trayī vidyā kriyata iti. Ṛcā yajuṣā sāmneti brūyāt. Kim ṛcā yajuṣā sāmnā kriyata iti. Yat trayyai vidyāyai śukraṃ, tenety, tad āhur: yad ṛcā yajuṣā sāmnodgītham [Sinn: Rc bildet das Hautra, Yajus das Ādhvaryava, Sāman das Udgītha] — yad vyārabdhā trayī vidyā śukraṃ, vyārabdhaṃ sāmnodgītham, vyārabdhaṃ sāmnodgīthaṃ, sāmnodgīthaṃ vyārabdhaṃ trayī vidyā, ādhvaryavaṃ sāmnodgītham, sāmnodgītham kriyata iti.
Trayyā vidyayeti brūyāt. Sa yathā chinatti so 'ntato bhreṣaṃ nyeti, tato yathāhīnaṃ kapāt purushaḥ. Yann ekataścakro vā ratho vartamāno bhreṣaṃ nyeti, evam eva sa yajño bhreṣaṃ nyeti, yajñasyāṃ bhreṣaṃ nyetya yajamāno bhreṣaṃ nyeti — yajñasyārthiṣṭim anu yajamāno rishyati.
Athātha ubhayataścakraḥ purusho yann ekataścakro vā ratho vartamāno bhresham nyeti, evam eva sa yajño bhresham nyeti, yajñasyābhreśam nyety abhreśam nyeti, yajñasyāriṣṭim anu yajamāno na rishyati; evam eva sa yajño na rishyati, yajñasyārishtim anu yajamāno na rishyati. || 33 || 8 ||
Dazu sagen die großen Kenner: "Wodurch wird das Brahman-Priesteramt vollzogen?" Man sage: "Durch die dreifache Wissenschaft (Trayī Vidyā)." "Wodurch wird die dreifache Wissenschaft vollzogen?" Man sage: "Durch den Ṛc-Vers, das Yajus, das Sāman." "Wodurch wird der Ṛc-Vers, das Yajus, das Sāman vollzogen?" — durch das, was der hellste Wesenskern der dreifachen Wissenschaft ist. Dazu sagt man: die dreifache Wissenschaft ist die Grundlage des Hautra (Ṛc), des Adhvaryava (Yajus) und des Udgītha (Sāman) — jeder der drei Teile ist wiederum von der ganzen dreifachen Wissenschaft getragen, so daß Hautra, Adhvaryava und Udgītha in Wechselbeziehung stehen und einander stützen.
Man sage: "Durch die dreifache Wissenschaft." Wie ein einrädriger Wagen, der (nur) auf einem Rad fährt, am Ende ins Straucheln gerät, wie ein Mann, der (nur auf einem Bein hüpft), ins Straucheln gerät — so gerät auch das Opfer, dem (die Brahman-Kenntnis) fehlt, ins Straucheln; folgt der Opferherr dem Straucheln des Opfers, so gerät der Opferherr (selbst) ins Straucheln — dem Schaden des Opfers folgend nimmt der Opferherr Schaden.
Wenn aber (das Opfer) wie ein zweirädriger Wagen ist (d.h. wenn die Brahman-Kenntnis hinzukommt), gerät er nicht ins Straucheln — so gerät auch das Opfer nicht ins Straucheln, und dem Nicht-Straucheln des Opfers folgend nimmt der Opferherr keinen Schaden; ebenso nimmt das Opfer keinen Schaden, und dem Nicht-Schaden des Opfers folgend nimmt der Opferherr keinen Schaden. || 33 || 8 ||
Tad āhuḥ: yad grahān me 'grahīt, prācārin ma āhutīr me 'hauṣīd ity adhvaryave dakṣiṇā niyanta, udagāsīn ma ity udgātre, kiṃ svid eva chakruṣe brahmaṇe dakṣiṇā niyante, 'kritāho svid eva harati brahmeti hotre. Kiṃ svid eva kṛtvāho brahmaṇā harati.
Yajñasya haiṣā puchagrahaṇā, yad brahmā, yajñasyaiṣā haritā, yajñasya haiṣā bheṣajyā, yajñasyāsyāṃ pratiṣṭhāyāṃ ritvijāṃ agra āsa yad brahmā. Ardhabhāga vā eṣa itareṣāṃ ritvijāṃ, agra āsa yad brahmā, ardhabhāga eva tarešāṃ ritvijām, agra āsa yad brahmā, ardhabhāgam ritvijāṃ agra āsa yad brahmā — brahmavarcasa evaṃ prajāyate ya evaṃ veda.
Tad āhur: kimarthaṃ brahmā vaset, tūṣṇīm āsīnaḥ paśyet karma kriyamāṇam ity. Prāṇo vai brahmā, prāṇenaivaitad yajñam abhirakṣati; prāṇa evāsyaitat pāpakṛtyāṃ pratīkṣate. Prāṇo vai brahmā, yajño vai prāṇa; prāṇenaivaitad yajñenaiva yajñam abhirakṣati. || 34 || 9 ||
Iti pañcamapañcikāyāṃ pañcamo 'dhyāyaḥ.
Iti pañcaviṃśādhyāye navamaḥ khaṇḍaḥ.
Dazu sagt man: "Was mir an (den Soma-)Schöpfungen zugefallen ist, was ich (im Opfer) betrieben, welche Spenden ich dargebracht habe" — so lautet die Formel, mit der man dem Adhvaryu-Priester den Opferlohn (Dakṣiṇā) zuteilt; "was mir aufgestiegen ist" — so dem Udgātṛ. Aufgrund welcher (Formel) aber teilt man dem Brahman-Priester den Opferlohn zu? Bringt er (das Opfer) ungetan (schon vollendet) dar, so nennt man ihn "Brahman" beim Hotṛ-Amt. Was hat er getan, daß er (den Lohn) mit dem Titel "Brahman" trägt?
Dies ist fürwahr die "Schwanz-Ergreifung" des Opfers, nämlich der Brahman-Priester; er ist des Opfers Trägerin (Haritā), er ist des Opfers Heilmittel (Bheṣajī); in dieser seiner Verankerung im Opfer stand der Brahman-Priester an der Spitze der übrigen Priester. Er ist der "hälftige Anteil" der übrigen Priester — an der Spitze stand er, der Brahman-Priester; wirklich der hälftige Anteil der übrigen Priester — an der Spitze stand der Brahman-Priester; den hälftigen Anteil der Priester(schaft) hatte an der Spitze der Brahman-Priester inne. Priesterlicher Glanz (Brahmavarcasa) wird so erzeugt, wer dies weiß.
Dazu sagt man: "Wozu sitzt der Brahman-Priester (überhaupt beim Opfer)? Er sitzt schweigend da und schaut nur zu, wie das Werk vollzogen wird." (Antwort:) Der Brahman-Priester ist ja der Atem (Prāṇa); mit dem Atem eben behütet er dieses Opfer; mit dem Atem eben wacht er über etwaiges fehlerhaftes Tun bei ihm (dem Opfer). Der Brahman-Priester ist der Atem, das Opfer ist der Atem; mit dem Atem eben, mit dem Opfer eben, behütet er das Opfer. || 34 || 9 ||
So endet in der fünften Pañcikā das fünfte Kapitel (Adhyāya).
So endet im fünfundzwanzigsten Adhyāya der neunte Khaṇḍa.