Kapitel 2: dvitīyaḥ prapāṭhakaḥ
Zweiter Prapāṭhaka: Śākāyanyas Antwort — das unerschütterliche Selbst, das Rätsel des 'Wagen'-Körpers, und die fünffache Selbstentfaltung bis zu den Erkenntnisorganen
Dieser Prapāṭhaka enthält sprachlich besonders dichte und (auch in kritischen Ausgaben) als textlich schwierig geltende Passagen; entsprechend zahlreicher sind hier [?]-Markierungen und zusammenfassende Übersetzungen.
[zusammenfassend übersetzt, mit erheblichen Unsicherheiten [?] in diesem sprachlich besonders dichten Abschnitt:] Da sprach der ehrwürdige Śākāyanya, wohl erfreut, zum König: 'Großkönig Bṛhadratha, du bist wahrlich ein Wissender, rasch ein Selbst-Erkenner, du hast dein Ziel erreicht; als [Nachkomme] der Marut bist du bekannt.' [Der König fragte, wer denn] sein [wahres] Selbst [Ātman] sei — dies sprach der Ehrwürdige [ihm zu]. Sodann [erklärte Śākāyanya]: Jenes [Selbst], das, durch Widerstand [gegen den Körper] aufwärts entkommend, sei es erregt oder unerregt, die Finsternis vertreibt — das eben, so sagt der Ehrwürdige Maitri [Śākāyanya], ist [das Selbst]. Und jenes [Selbst], das, aus diesem [durch Schlaf] gesunkenen Körper heraustretend, zu höchster Lichtgestalt gelangt und in seiner eigenen Gestalt vollendet dasteht — DIES ist das Selbst, so sprach er; dies ist das Unsterbliche, das Furchtlose, dies ist das Brahman. (Maitrī-Up. 2,1-2) [Anm.: die genaue Bedeutung von 'erregt/unerregt' (vyathamāna/avyathamāna) bleibt in dieser knappen Fassung unsicher [?]; sie bezieht sich vermutlich — wie in verwandten Traum-/Tiefschlaf-Lehren anderer Upaniṣaden (vgl. Māṇḍūkya-Up., Bṛhadāraṇyaka-Up. 4,3) — auf den Zustand des Selbst im Traum- bzw. Tiefschlafzustand, das jenseits beider unveränderlich bleibt.]
Wort für Wort
kṛtakṛtyastvaṃ
du hast dein Ziel erreicht [Lob des Königs]
etad amṛtam abhayam etad brahma
dies ist das Unsterbliche, das Furchtlose, dies ist das Brahman
Śākāyanya lobt den König und beginnt seine Lehre mit der Bestimmung des Selbst als jenes Unsterbliche, Furchtlose, das im Schlaf zu höchster Lichtgestalt gelangt — eine sprachlich schwierige, stark verkürzte Passage.
[zusammenfassend übersetzt, mit erheblichen Unsicherheiten [?]:] 'Diese Brahman-Erkenntnis nun, [die] alle Upaniṣad-Erkenntnis [ist], o König, wurde uns vom ehrwürdigen Maitri [Śākāyanya] verkündet — ich will sie dir mitteilen.' [Es wird berichtet, dass] die vom Übel befreiten, glutstrahlenden Vālakhilya[-Weisen] [einst] zu Prajāpati [als dem obersten Opferherrn] sprachen: 'Ehrwürdiger, wie ein leblos dahinrollender Wagen ist dieser Körper — wessen ist wohl diese Herrlichkeit dessen, der jenseits der Sinne ist, durch die dieser [Körper] entflammt und wie beseelt eingesetzt, angetrieben wird? Was du davon weißt, das sage uns.' Er [Prajāpati] sprach zu ihnen: 'Jenes [Wesen], von dem man hört, dass es außerhalb [aller Sinnes-]Eigenschaften und dennoch wie in ihnen enthalten ist — eben DIES ist rein, lauter, leer, friedvoll, Lebenshauch [Prāṇa] ohne [empirisches] Selbst, unendlich, unvergänglich, fest, ewig, ungeboren, unabhängig; in seiner eigenen Größe steht es — durch dieses ist der Körper wie beseelt eingesetzt, durch dieses wird er angetrieben.' Sie [die Vālakhilyas] sprachen: 'Ehrwürdiger, wie [aber kann] durch ein solches, [den Sinnen] nicht zugängliches [Prinzip] dieser zweifache [Körper] wie beseelt eingesetzt und angetrieben werden — wie [geschieht] dies?' Er sprach zu ihnen [weiter]... (Maitrī-Up. 2,3-5, Anfang) [Anm.: FUND — dies ist die berühmte 'Wagen-Körper'-Frage der Maitrī-Upaniṣad, eingekleidet in den Dialog zwischen Prajāpati und den asketischen Vālakhilya-Weisen: wie kann ein reines, eigenschaftsloses, den Sinnen entzogenes Prinzip (das spätere Puruṣa/Ātman-Konzept) einen leblosen, materiellen Körper 'wie einen Wagen' beleben und antreiben? Diese Frage nach dem Verhältnis von reinem Bewusstsein und materiellem Körper ist ein Kernproblem der gesamten Sāṃkhya-Vedānta-Tradition und wird in den folgenden Kaṇḍikās mittels der Lehre von den Lebenshauch-Funktionen (Prāṇa-Apāna-Samāna-Udāna-Vyāna) und der fünffachen Sinnesorgan-Entfaltung beantwortet.]
Wort für Wort
chakaṭamivācetanamidaṃ śarīram
wie ein leblos dahinrollender Wagen ist dieser Körper [FUND: die Wagen-Körper-Frage]
sa vā eṣa śuddhaḥ pūtaḥ śūnyaḥ śāntaḥ prāṇo nirātmā
eben dies ist rein, lauter, leer, friedvoll, Lebenshauch ohne empirisches Selbst
FUND — die 'Wagen-Körper'-Frage: die Vālakhilya-Weisen fragen Prajāpati, wie ein reines, sinnenentzogenes Prinzip den leblosen Körper beleben kann; Grundfrage nach dem Verhältnis von reinem Bewusstsein (Puruṣa) und Materie.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte, [?]:] prajāpatir vā eko'gra atiṣṭhat, na aramata eka kaḥ, sa ātmānam abhidhyātvā bahvīḥ prajāḥ asṛjata, tā asyaivātmanaḥ prabuddhāḥ, aprāṇāḥ sthāṇur ivātiṣṭhamānāḥ apaśyat, sa amanyata aitāsāṃ pratibodhanāyābhyantaraṃ prāviśānīti, atha sa vāyum ivātmānaṃ kṛtvā abhyantaraṃ prāviśat, sa ekaḥ na aśaknot, sa pañcadhātmānaṃ vibhajyocyate — yaḥ prāṇo'pānaḥ samāna udāno vyānaḥ iti, atha yo'rdhvam utkrāmati eṣa vāva sa prāṇaḥ, atha yo'vāṅ saṅkrāmati eṣa vāva so'pānaḥ, atha yena vā etāv anugṛhītāv iti eṣa vāva sa vyānaḥ, yaḥ sthaviṣṭho dhātur annapāne prāpayaty ariṣṭo vā aṅge samāne tiṣṭhati eṣa vāva sa samānaḥ, sa udgītasya rūpaṃ caitasām antarā prasūtir eva udānasya, atha yo'yaṃ pītāśitam udgirati nigarati iti eṣa vāva sa udānaḥ saṃ codāno'thopāṃśus tarpayaty abhimukho'ntaryāmam upāṃśu caitayo antarāle vaiṣayaṃ prāsuvaty adhaisoryaṃ sa puruṣo'tha yaḥ puruṣaḥ || 5 ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?]:] 'Prajāpati stand einst allein, zu Anfang; er fand keine Freude allein. Sich selbst betrachtend, erschuf er viele Geschöpfe; diese aber, obwohl aus seinem eigenen Selbst erwacht, sah er ohne Lebenshauch, unbeweglich wie ein Baumstumpf dastehend. Er dachte: Um sie zu erwecken, will ich in sie eingehen. Da machte er sich, gleichsam zu Wind [Vāyu] geworden, und ging in sie ein. [Doch] als EINER vermochte er es nicht; so teilt er sich, [wie man] sagt, fünffach: [er wird zu] Prāṇa, Apāna, Samāna, Udāna [und] Vyāna. Was aufwärts steigt, das eben ist der PRĀṆA; was abwärts sich bewegt, das eben ist der APĀNA; wodurch diese beiden zusammengehalten werden, das eben ist der VYĀNA; der grobstoffliche Bestandteil, der Speise und Trank [im Körper] verteilt, im Gliede unversehrt weilend, das eben ist der SAMĀNA — dies ist die Gestalt der 'Udgītha'[-Silbe Om], und ihre Hervorbringung inmitten dieser [Atem-Funktionen] eben ist [Sache] des UDĀNA; was nämlich Getrunkenes und Gegessenes [wieder] aufsteigen oder hinuntersinken lässt, das eben ist der UDĀNA. So [tätig,] befriedigt [der Lebenshauch] gleichsam im Stillen, dem [Selbst] zugewandt; im Innern regierend, bringt er im Stillen zwischen [den Atemfunktionen] die Sinnesobjekte zur Erscheinung — darüber [west] jener, der PURUṢA [ist]. (Maitrī-Up. 2,5) [Anm.: FUND — die klassische Lehre von den fünf Lebenshauch-Funktionen (Pañcaprāṇa: Prāṇa, Apāna, Vyāna, Samāna, Udāna), hier eingebettet in einen eigenen Schöpfungsmythos: Prajāpati, allein und unzufrieden, erschafft Geschöpfe, die zunächst leblos wie Baumstümpfe dastehen, bis er selbst, zu 'Wind' geworden, in sie eingeht und sich dabei notwendig in die fünf Atemfunktionen aufteilt — eine originelle physiologisch-kosmogonische Begründung dieser auch in vielen anderen Upaniṣaden (Praśna-Up., Bṛhadāraṇyaka-Up.) bekannten Fünfteilung.]
Wort für Wort
sa pañcadhātmānaṃ vibhajyocyate
so teilt er sich fünffach [Beginn der Pañcaprāṇa-Lehre]
yo'rdhvamutkrāmati eṣa vāva sa prāṇaḥ
was aufwärts steigt, das eben ist der Prāṇa
yo'vāṅ saṅkrāmati eṣa vāva so'pānaḥ
was abwärts sich bewegt, das eben ist der Apāna
FUND — die Lehre von den fünf Lebenshauch-Funktionen (Prāṇa, Apāna, Vyāna, Samāna, Udāna), begründet durch einen eigenen Mythos: Prajāpatis Geschöpfe sind leblos, bis er selbst als 'Wind' in sie eingeht und sich dabei fünffach teilt.
so'gnir vaiśvānaro'py, anyatrāpy uktam — ayam agnir vaiśvānaro yo'yam antaḥ puruṣe yenedam annaṃ pacyate, yad idam adyate, tasyaiṣa ghoṣo bhavati yam etat karṇāv api dhāya śṛṇoti, sa yadotkramiṣyan bhavati, naitaṃ ghoṣaṃ śṛṇoti || 6, Anfang ||
Dieser [Udāna/Puruṣa] ist auch der Feuer VAIŚVĀNARA; anderswo ist es ebenso gesagt: 'Dies ist jener Feuer Vaiśvānara, das im Innern des Menschen [wohnt], durch das diese Speise verdaut wird, die man isst; von diesem stammt jener KLANG, den man hört, wenn man sich die Ohren zuhält. Wenn er [der Mensch] im Begriff ist zu sterben, hört er diesen Klang nicht mehr.' (Maitrī-Up. 2,6, Beginn) [Anm.: GRÖSSTER FUND dieses Prapāṭhaka — dies ist die weltberühmte Identifikation des inneren Verdauungsfeuers (Agni Vaiśvānara) mit dem physiologisch wahrnehmbaren 'Ohren-Klang' (dem leisen Rauschen/Summen, das man hört, wenn man sich die Ohren zuhält oder in völliger Stille lauscht) — eine der konkretesten körperphysiologischen Beobachtungen der gesamten Upaniṣaden-Literatur, die später in Haṭha-Yoga- und Nāda-Yoga-Traditionen (innerer Klang, Anāhata-Nāda) breit aufgegriffen wird. Bemerkenswert ist auch die Beobachtung, dass dieser Klang beim Sterbenden verstummt — eine frühe empirische Verknüpfung von Lebenszeichen und innerem Klangphänomen.]
von diesem stammt jener Klang, den man hört, wenn man sich die Ohren zuhält [GRÖSSTER FUND: Vaiśvānara-Ohr-Experiment]
sa yadotkramiṣyan bhavati naitaṃ ghoṣaṃ śṛṇoti
wenn er im Begriff ist zu sterben, hört er diesen Klang nicht mehr
GRÖSSTER FUND — die Identifikation des inneren Verdauungsfeuers (Agni Vaiśvānara) mit dem beim Ohrenzuhalten hörbaren inneren Klang, der beim Sterbenden verstummt — Vorläufer der späteren Nāda-Yoga-Lehre vom inneren Klang.
Dieser [Puruṣa] nun, sich selbst fünffach teilend, ist verborgen in der Höhle [des Herzens]: [als] MANOMAYA [aus Geist bestehend], PRĀṆAŚARĪRA [den Lebenshauch als Körper habend], BHĀRŪPA [von Lichtgestalt], SATYASAṄKALPA [von wahrem Entschluss/Willen] und ĀKĀŚĀTMA [den Äther/Raum als Selbst habend]. Dieser [Puruṣa] nun, aus diesem Inneren des Herzens [heraus], dachte sich unerfüllt: 'Ich will die [Sinnes-]Gegenstände genießen'; deshalb, diese Öffnungen [im Kopf] durchbohrend, aufsteigend, genießt er mit den fünf Strahlen [Sinnen] die Objekte — dies [sind] die ERKENNTNISORGANE [Buddhīndriyas]. (Maitrī-Up. 2,6, Abschluss) [Anm.: FUND — die klassische Fünf-Namen-Formel für das im Herzen verborgene Selbst (Manomaya, Prāṇaśarīra, Bhārūpa, Satyasaṅkalpa, Ākāśātma), die eng mit der berühmten 'puruṣo'ntarhṛdaya'-Lehre der Chāndogya-Upaniṣad (8,3) und der Śāṇḍilya-Vidyā (Ch. Up. 3,14) verwandt ist. Die anschließende Erklärung, wie aus dem unerfüllten Wunsch dieses Selbst nach Genuss der Sinnesgegenstände die fünf Sinnesorgane (Buddhīndriyas) durch 'Durchbohrung' der Kopf-Öffnungen entstehen, liefert eine originelle physiologisch-mythologische Ableitung der Sinneswahrnehmung aus dem innersten, an sich vollkommenen Selbst.]
aus Geist bestehend, den Lebenshauch als Körper habend, von Lichtgestalt, von wahrem Entschluss, den Äther als Selbst habend [FUND: Fünf-Namen-Formel des Herzens-Selbst]
khānyamāni bhittvā pañcabhī raśmibhirviṣayānatti
die Öffnungen durchbohrend, genießt er mit den fünf Strahlen die Objekte [Entstehung der Sinnesorgane]
FUND — die Fünf-Namen-Formel des im Herzen verborgenen Selbst (Manomaya, Prāṇaśarīra, Bhārūpa, Satyasaṅkalpa, Ākāśātma; vgl. Chāndogya-Up. 3,14/8,3) und die Ableitung der fünf Sinnesorgane aus seinem Verlangen nach Genuss der Sinnesgegenstände.
'Diese hier, [seine] Sinnesorgane der Tätigkeit, sind gleichsam seine Zügel; der Körper wahrlich ist der Wagen für [das Erreichen der Sinnes-]Gegenstände; der Geist [ist] der Lenker; die Natur [Prakṛti] ist ihm die Peitsche. Von diesem [Geist] eben angetrieben, dreht sich dieser Körper wie ein Rad; und im Toten ist dieser Körper nicht [mehr] wie beseelt eingesetzt, [noch] wird er angetrieben — auch dies gehört zu ihm [dem Selbst].' (Maitrī-Up. 2,6, Abschluss) [Anm.: FUND — dies ist das berühmte WAGEN-GLEICHNIS der Maitrī-Upaniṣad, das in enger Verwandtschaft zum noch bekannteren Wagen-Gleichnis der Kaṭha-Upaniṣad (1,3,3-9: 'wisse die Seele als den Wagenherrn, den Körper wahrlich als den Wagen...') steht, hier jedoch mit abweichender Zuordnung: die Sinnesorgane sind die Zügel, der Körper der Wagen, der GEIST [nicht der Intellekt/Buddhi wie bei Kaṭha] ist der Lenker, und die Natur [Prakṛti] selbst ist die treibende Peitsche. Damit liefert dieser Vers zugleich die abschließende Antwort auf das eingangs gestellte 'Wagen-Körper'-Rätsel: Der Körper bewegt sich, solange das beseelende Prinzip [Puruṣa/Ātman über den Geist] ihn antreibt; im Tod hört dieser Antrieb auf.]
Wort für Wort
arthasya hyayaṃ rathaḥ śarīraṃ manau niyantā
der Körper wahrlich ist der Wagen für die Sinnesgegenstände, der Geist der Lenker [FUND: Wagen-Gleichnis]
prakṛtirmayā'sya pratodaḥ
die Natur ist ihm die Peitsche
FUND — das Wagen-Gleichnis (Sinne=Zügel, Körper=Wagen, Geist=Lenker, Natur=Peitsche), eng verwandt mit dem berühmteren Wagen-Gleichnis der Kaṭha-Upaniṣad 1,3,3-9, hier als Antwort auf das eingangs gestellte 'Wagen-Körper'-Rätsel.
'Dieses SELBST nun — so nennen es die Weisen [Kavis] — wandelt, gleichsam unberührt von hellen und dunklen Tatfrüchten, durch die verschiedenen Körper hindurch; wegen [seiner] Unmanifestiertheit, Feinheit, Unsichtbarkeit, Ungreifbarkeit und Besitzlosigkeit ist es, obwohl ohne [festen] Zustand, [dennoch] Handelnder — [nur] gleichsam Handelnder [im übertragenen Sinn ist sein] Zustand. Dieses Selbst nun ist rein, unbewegt, unbeweglich, unbefleckt [wie von Schmutz], ungestört, wunschlos, wie ein Zuschauer [Prekṣaka] verharrend und in sich selbst ruhend; die Frucht [seiner] Taten genießend, [aber] mittels der von den [Natur-]Eigenschaften [Guṇas] durchwirkten [Hülle] sich selbst verbergend, verharrt es — daher heißt es 'der Verharrende' [Avasthita].' SO ENDET IM MAITRĀYAṆĪYA-ĀRAṆYAKA — ODER, GLEICHBEDEUTEND, IN DER MAITRĀYAṆĪYA-ŚĀKHĀ-UPANIṢAD — DER ZWEITE PRAPĀṬHAKA. [Anm.: diese Schlusslehre des zweiten Prapāṭhaka — das Selbst als reiner, unbeteiligter 'Zuschauer' [Prekṣaka], der handelt, ohne wirklich zu handeln, und der die Tatfrüchte 'genießt', ohne von ihnen berührt zu werden — ist eine frühe und einflussreiche Formulierung der später in Sāṃkhya und Yoga zentralen PURUṢA-ALS-ZEUGE-(Sākṣin-)Lehre, sowie ein Vorläufer der Bhagavadgītā-Lehre vom unbeteiligten Handeln (Niṣkāma-Karma, vgl. BG 3,27-28: der Gunas-verwirrte Tor meint 'ich handle', während der Wissende weiß, dass die Guṇas [an den Guṇas] wirken).]
Wort für Wort
sa vā eṣa śuddhaḥ sthiro'calo'śālepyo'vyagro niḥspṛhaḥ prekṣakavadavasthitaḥ
dieses Selbst ist rein, unbewegt, unbeweglich, unbefleckt, ungestört, wunschlos, wie ein Zuschauer verharrend [FUND: Sākṣin-Lehre]
so endet im Maitrāyaṇīya-Āraṇyaka, oder in der Maitrāyaṇīya-Śākhā-Upaniṣad, der zweite Prapāṭhaka
Schlusslehre des zweiten Prapāṭhaka: das Selbst als reiner, unbeteiligter Zuschauer (Sākṣin/Prekṣaka), der die Tatfrüchte genießt, ohne von ihnen berührt zu werden — früher Vorläufer der Sāṃkhya-Yoga-Zeugenlehre und der Bhagavadgītā-Lehre vom unbeteiligten Handeln.