Quellen der Menschheit

Śatapatha-Brāhmaṇa (Śukla-Yajurveda) · Kāṇḍa 2

Adhyāya 2 Die Vollopfergabe, die drei Agni-Anrufungen, die Priestergaben (Dakṣiṇā) und der Ursprungsmythos von Agni, den Pflanzen und der Kuh

Kaṇḍikā 2.2.1 (22 Kaṇḍikās) und 2.2.2 (Brāhmaṇa 2, 20 Kaṇḍikās, komplett) vollständig: Pūrṇāhuti, drei Agni-Nirvāpas, Dakṣiṇā-Etymologie, und der Mythos vom unsterblichen Agni im Kampf der Götter gegen die Asuras (Ursprung des verinnerlichten Opferfeuers gegenüber dem gewöhnlichen Kochfeuer) sowie die Pflicht zur Wahrhaftigkeit des Feuer-Trägers. Kaṇḍikā 2.2.3 (Brāhmaṇa 3, [21]-[36] von 2026-09-18, Kaṇḍikā-Zählung der Quelle springt eigentümlich direkt auf [21], s. Anm. bei [21]): Varuṇas/Somas Motive für die Feuerlegung, der Mythos von Agni und Tvaṣṭṛ (Ursprung aller Tier-/Pflanzengestalten), Begründung für Regenzeit/Mittag als Zeitpunkt, Darbha-Gras und die Fünferzahl der Jahreszeiten. Fortsetzung von 2.2.3 noch zu ergänzen (Quelle sb_02_u.htm liegt vollständig lokal vor).

uddhṛtyāhavanīyam pūrṇāhutiṃ juhoti | tadyatpūrṇāhutiṃ juhotyannādaṃ vā etamātmano janayate yadagniṃ tasmā etadannādyamapidadhāti yathā kumārāya vā jātāya vatsāya vā stanamapidadhyādevamasmā etadannādyamapidadhāti

Nachdem er (die Opferspeise) aus dem Āhavanīya-Feuer entnommen hat, opfert er die Vollopfergabe (Pūrṇāhuti). Dass er die Vollopfergabe darbringt: Diesen Agni, den er sich da als einen Speiseesser erzeugt, dem versieht er eben damit mit Speise und Trank – so wie man einem neugeborenen Knaben oder einem (neugeborenen) Kalb die Zitze anlegt, ebenso versieht er ihn mit dieser Speise.

sa etenānnena śāntaḥ | uttarāṇi havīṃṣi śrapyamāṇānyuparamati śaśvaddha vā adhvaryuṃ vā yajamānaṃ vā pradahettau hyasya nediṣṭhaṃ carato yadasminnetāmāhutiṃ na juhuyāttasmādvā etāmāhutiṃ juhoti

Durch diese Speise beruhigt, hält er (Agni) inne, während die weiteren Opferspeisen noch gekocht werden; sonst würde er wohl den Adhvaryu oder den Opferherrn verbrennen, denn diese beiden gehen ihm am nächsten – wenn man ihm diese Opfergabe nicht darbrächte (geschähe das); deshalb bringt man eben diese Opfergabe dar.

tāṃ vai pūrṇāṃ juhoti | sarvaṃ vai pūrṇaṃ sarveṇaivainametacamayati svāhākāreṇa juhotyanirukto vai svāhākāraḥ sarvaṃ vā aniruktaṃ sarveṇaivainametacamayati

Diese (Opfergabe) bringt er als eine volle dar; denn das Volle ist das Ganze – mit dem Ganzen eben lässt er ihn dies (die Speise) genießen. Mit dem Svāhā-Ruf bringt er sie dar; der Svāhā-Ruf ist unbestimmt/nicht ausdrücklich benannt, und das Unbestimmte ist das Ganze – mit dem Ganzen eben lässt er ihn dies genießen.

yāṃ vai prajāpatiḥ | prathamāmāhutimajuhotsvāheti vai tāmajuhotso svideṣā nidānena tasmātsvāheti juhoti tasyāṃ varaṃ dadāti sarvaṃ vai varaḥ sarveṇaivainametacamayati

Die erste Opfergabe, die Prajāpati einst darbrachte, die brachte er mit „Svāhā“ dar – dies ist gleichsam deren eigentlicher Grund; deshalb opfert man mit „Svāhā“. Darin legt er einen Wunsch nieder; der Wunsch ist das Ganze – mit dem Ganzen eben lässt er ihn dies genießen.

tadāhuḥ | etāmevāhutiṃ hutvāthottarāṇi havīṃṣi nādriyetaitayaiva taṃ kāmamāpnoti yamabhikāmamuttarāṇi havīṃṣi nirvapatīti

Dazu sagt man: Nachdem er eben diese Opfergabe dargebracht hat, sollte er sich um die weiteren Opferspeisen nicht mehr kümmern; denn mit eben dieser (einen Gabe) erlangt er schon jenen Wunsch, um dessentwillen er die weiteren Opferspeisen darbringt.

sa vā agnaye pavamānāya nirvapati | prāṇo vai pavamānaḥ prāṇamevāsminnetaddadhāti tadvetayaivāsmiṃstaddadhātyannaṃ hi prāṇo 'nnameṣāhutiḥ

Er bringt (die nächste Opfergabe) dem Agni Pavamāna („der sich Läuternde“) dar; Pavamāna ist der Atem – eben den Atem legt er ihm damit hinein; denn Speise ist der Atem, und Speise ist diese Opfergabe.

athāgnaye pāvakāya nirvapati | annaṃ vai pāvakamannamevāsminnetaddadhāti tadvetayaivāsmiṃstaddadhātyeṣā hyeva pratyakṣamannamāhutiḥ

Dann bringt er dem Agni Pāvaka („der Reinigende“) dar; Pāvaka ist die Speise – eben die Speise legt er ihm damit hinein; denn diese Opfergabe ist ja unmittelbar selbst Speise.

athāgnaye śucaye nirvapati | vīryaṃ vai śuci yadvā asyaitadujjvalatyetadasya vīryaṃ śuci vīryamevāsminnetaddadhāti tadvetayaivāsmiṃstaddadhāti yadā hyevāsminnetāmāhutiṃ juhotyathāsyaitadvīryaṃ śucyujjvalati

Dann bringt er dem Agni Śuci („der Lichte“) dar; Śuci ist die Manneskraft; denn was an ihm aufflammt, das ist seine lichte Manneskraft – eben die Manneskraft legt er ihm damit hinein; denn sobald er ihm diese Opfergabe darbringt, flammt eben diese seine Manneskraft licht auf.

tasmādāhuḥ | etāmevāhutiṃ hutvāthottarāṇi havīṃṣi nādriyetaitayaiva taṃ kāmamāpnoti yamabhikāmamuttarāṇi havīṃṣi nirvapatīti tadu nirvapedevottarāṇi havīṃṣi paro 'kṣamiva vā etadyadadastadidamitīva

Deshalb sagt man: Nachdem er eben diese Opfergabe dargebracht hat, sollte er sich um die weiteren Opferspeisen nicht mehr kümmern; denn mit eben dieser erlangt er schon jenen Wunsch. Dennoch soll er die weiteren Opferspeisen darbringen – gleichsam wie etwas jenseits des Sichtbaren; denn was jenes Ferne ist, das wird hierdurch gleichsam zu diesem Nahen. [Anm.: Der Satz ist im Sanskrit stark verdichtet; der vermutete Sinn ist, dass das weitere Opfern das (mittelbar) schon Erreichte sichtbar/gegenwärtig macht.]

sa yadagnaye pavamānāya nirvapati | prāṇā vai pavamāno yadā vai jāyate 'tha prāṇo 'tha yāvanna jāyate māturvaiva tāvatprāṇamanu prāṇiti yathā vā tajjāta evāsminnetatprāṇaṃ dadhāti

Dass er dem Agni Pavamāna darbringt: Pavamāna ist der Atem/die Lebenshauche; sobald ein Wesen geboren wird, dann (erst) atmet es; solange es aber noch nicht geboren ist, atmet es gleichsam nur den Atem der Mutter mit. So wie es also erst nach der Geburt (selbständig atmet) – ebenso legt er ihm hierbei diesen Atem hinein.

atha yadagnaye pāvakāya nirvapati | annaṃ vai pāvakaṃ tajjāta evāsminnetadannaṃ dadhāti

Und dass er dem Agni Pāvaka darbringt: Pāvaka ist die Speise; ebenso wie (ein Neugeborenes nach der Geburt Speise erhält), so legt er ihm hierbei diese Speise hinein.

atha yadagnaye śucaye nirvapati | vīryaṃ vai śuci yadā vā annena vardhate 'tha vīryaṃ tadannenaivainametadvardhayitvāthāsminnetadvīryaṃ śuci dadhāti tasmādagnaye śucaye

Und dass er dem Agni Śuci darbringt: Śuci ist die Manneskraft; sobald ein Wesen sich durch Speise nährt, entsteht die Manneskraft; nachdem er ihn also eben durch die Speise gestärkt hat, legt er ihm dann diese lichte Manneskraft hinein – deshalb (opfert man) dem Agni Śuci.

tadvetadeva sadviparyastamiva | agnirha yatra devebhyo manuṣyānabhyupāvavarta taddhekṣāṃ cakre maiva sarveṇevātmanā manuṣyānabhyupāvṛtamiti

Und eben dies ist gleichsam einem (früheren Vorgang) entgegengesetzt: Als sich nämlich Agni von den Göttern ab- und den Menschen zuwandte, da überlegte er sich: „Nicht mit meinem ganzen Selbst habe ich mich den Menschen zugewandt.“ [Anm.: Dies knüpft an den Mythos von Agnis Aufteilung in mehrere Körper an, wie er u.a. im Bṛhad-Āraṇyaka-Teil des Śatapatha-Brāhmaṇa und im Kauṣītaki-Brāhmaṇa (Adhyāya 1, Khaṇḍa 1: „Agnis drei Körper“) erzählt wird – hier mit denselben drei Namen Pavamāna/Pāvaka/Śuci.]

sa etāstisrastanūreṣu lokeṣu vinyadhatta | yadasya pavamānaṃ rūpamāsīttadasyām pṛthivyāṃ nyadhattātha yatpāvakaṃ tadantarikṣe 'tha yacuci taddivi tadvā ṛṣayaḥ pratibubudhire ya u tarhyṛṣaya āsurasarveṇa vai na ātmanāgnirabhyupāvṛtaditi tasmā etāni havīṃṣi nirvapati

Er (Agni) legte diese drei Körper in (drei) Welten nieder: Was an ihm die Gestalt des Pavamāna war, das legte er in diese Erde; was die des Pāvaka war, das (legte er) in den Luftraum; was die des Śuci (war), das (legte er) in den Himmel. Und eben dies erkannten die Ṛṣis, die es damals waren: „Nicht mit seinem ganzen Selbst hat sich Agni (den Menschen) zugewandt“ – deshalb bringt man ihm diese Opferspeisen dar.

sa yadagnaye pavamānāya nirvapati | yadevāsyāsyām pṛthivyāṃ rūpaṃ tadevāsyaitenāpnotyatha yadagnaye pāvakāya nirvapati yadevāsyāntarikṣe rūpaṃ tadevāsyaitenāpnotyatha yadagnaye śucaye nirvapati yadevāsya divi rūpaṃ tadevāsyaitenāpnotyevamu kṛtsnamevāgnimanapanihitamādhatte tasmādu nirvapedevottarāṇi havīṃṣi

Dass er dem Agni Pavamāna darbringt: Was von ihm (Agni) diese Gestalt in dieser Erde ist, die erlangt er eben dadurch. Und dass er dem Agni Pāvaka darbringt: was von ihm die Gestalt im Luftraum ist, die erlangt er eben dadurch. Und dass er dem Agni Śuci darbringt: was von ihm die Gestalt im Himmel ist, die erlangt er eben dadurch. So legt er sich eben den ganzen, ungeteilten Agni bei – deshalb soll er eben dennoch die weiteren Opferspeisen darbringen. [Anm.: „anapanihitam“ (wörtl. „nicht beiseitegelegt/nicht entzogen“) hier als „vollständig, ungeteilt“ gedeutet.]

kevalabarhiḥ prathamaṃ havirbhavati | samānabarhiṣī uttare ayaṃvai lokaḥ prathamaṃ havirathedamantarikṣaṃ dvitīyaṃ dyaureva tṛtīyam bahuleva vā iyam pṛthivī lelayevāntarikṣaṃ lelayevāsau dyaurubhe cidenām pratyudyāminī stāmiti tasmātsamānabarhiṣī

Die erste Opfergabe hat ihr eigenes Barhis (Opferstreu); die weiteren haben ein gemeinsames Barhis. Diese Erde ist die erste Opfergabe, dieser Luftraum die zweite, jener Himmel die dritte. Denn diese Erde ist gleichsam ausgedehnt, der Luftraum gleichsam schwankend, jener Himmel gleichsam schwankend – auf dass beide, Erde und Himmel, diesem (Luftraum) entgegenwirkend/stützend seien – deshalb haben die weiteren Gaben ein gemeinsames Barhis. [Anm.: Die kosmologische Bildrede um „schwankend“ (lelāya) und „entgegenwirkend“ (pratyudyāminī) bleibt im Einzelnen unsicher.]

aṣṭākapālāḥ sarve puroḍāśā bhavanti | aṣṭākṣarā vai gāyatrī gāyatramagneścandaḥ svenaivainametaccandasādhatte tāni sarvāṇi caturviṃśatiḥ kapālāni sampadyante caturviṃśatyakṣarā vai gāyatrī gāyatramagneścandaḥ svenaivainametaccandasādhatte

Alle Opferkuchen werden auf acht Scherben dargebracht; denn die Gāyatrī hat acht Silben, und Gāyatrī ist Agnis Metrum – mit eben seinem eigenen Metrum richtet er ihn damit ein. Alle diese Scherben zusammen ergeben vierundzwanzig; denn die Gāyatrī hat (im vollen Vers) vierundzwanzig Silben, und Gāyatrī ist Agnis Metrum – mit eben seinem eigenen Metrum richtet er ihn damit ein.

athādityai caruṃ nirvapati | pracyavata iva vā eṣo 'smāllokādya etāni havīṃṣi nirvapatīmānhi lokāntsamārohanneti

Dann bringt er der Aditi einen Caru (Milchbrei-Opfer) dar; denn wer diese Opferspeisen darbringt, weicht gleichsam von dieser Welt fort, da er im Geiste diese (drei kosmischen) Welten ersteigt.

sa yadadityai caruṃ nirvapati | iyaṃ vai pṛthivyaditiḥ seyam pratiṣṭhā tadasyāmevaitatpratiṣṭhāyām pratitiṣṭhati tasmādadityai caruṃ nirvapati

Dass er der Aditi einen Caru darbringt: Diese Erde ist ja Aditi, sie ist der feste Grund; so gewinnt er eben auf diesem festen Grund wieder einen sicheren Stand – deshalb bringt er der Aditi einen Caru dar.

tasyai virājau saṃyājye syātāmityāhuḥ | virāḍḍhīyamityatho triṣṭubhau triṣṭubbhīyamityatho jagatyau jagatī hīyamiti virājāvityeva syātām

Für sie (Aditi) sollten die beiden Samyājya-Verse im Virāj-Metrum sein, sagt man; denn diese Erde sei ja Virāj. Oder auch im Triṣṭubh-Metrum, denn diese sei Triṣṭubh. Oder auch im Jagatī-Metrum, denn diese sei Jagatī. Dennoch sollen es eben die beiden Virāj-Verse sein.

tasyai dhenurdakṣiṇā | dhenuriva vā iyam manuṣyebhyaḥ sarvān kāmānduhe mātā dhenurmāteva vā iyam manuṣyānbibharti tasmāddhenurdakṣiṇaitannvekamayanam

Für sie ist eine milchgebende Kuh die Priestergabe; denn wie eine milchgebende Kuh melkt diese Erde den Menschen alle Wünsche, wie eine milchgebende Mutter-Kuh nährt diese die Menschen – deshalb ist eine milchgebende Kuh die Priestergabe; dies ist gleichsam der eine, gemeinsame Zugang für all dies.

athedaṃ dvitīyam | āgneyamevāṣṭākapālam puroḍāśaṃ nirvapati paro 'kṣamiva vāetadyadagnaye pavamānāyāgnaye pāvakāyāgnaye śucaya itīvāthāñjasaivainametatpratyakṣamādhatte tasmādagnaye 'thādityai caruṃ nirvapati sa ya eva carorbandhuḥ sa bandhuḥ

Nun dies als Zweites: Er bringt einen Agni-geweihten, auf acht Scherben gebackenen Opferkuchen dar. Gleichsam jenseits des Sichtbaren war ja das, was er „dem Agni Pavamāna, dem Agni Pāvaka, dem Agni Śuci“ darbrachte; nun aber legt er ihm dies geradewegs unmittelbar sichtbar bei – deshalb bringt er wieder dem Agni, dann der Aditi einen Caru dar. Welche Verbindung dieser Caru auch habe, das ist die maßgebliche Verbindung. [Anm.: Diese Kaṇḍikā schließt Brāhmaṇa 1 von Adhyāya 2 ab.]

ghnanti vā etadyajñam | yadenaṃ tanvate yannveva rājānamabhiṣuṇvanti tattaṃ ghnanti yatpaśuṃ samjñapayanti viśāsati tattaṃ ghnantyulūkhalamusalābhyāṃ dṛṣadupalābhyāṃ haviryajñaṃ ghnanti

Man tötet doch gleichsam dieses Opfer: Indem man es vollzieht, tötet man es damit; wenn man den König (Soma) auspresst, tötet man ihn damit; wenn man das Opfertier zurichtet und zerlegt, tötet man es damit; mit Mörser und Stößel, mit den Presssteinen tötet man das Opfer der Opfergabe.

sa eṣa yajño hato na dadakṣe | taṃ devā dakṣiṇābhiradakṣayaṃstadyadenaṃ dakṣiṇābhiradakṣayaṃstasmāddakṣiṇā nāma tadyadevātra yajñasya hatasya vyathate tadevāsyaitaddakṣiṇābhirdakṣayatyatha samṛddha eva yajño bhavati tasmāddakṣiṇā dadāti

Dieses so getötete Opfer nun gedieh nicht. Die Götter ließen es durch die Priestergaben (dakṣiṇā) erstarken – daher, weil sie es durch die dakṣiṇās erstarken ließen, heißt es „dakṣiṇā“. Was auch immer an dem getöteten Opfer dabei geschädigt wird, das eben lässt er durch die Priestergaben erstarken; dann wird das Opfer vollkommen. Deshalb gibt man Priestergaben.

tā vai ṣaḍdadyāt | ṣaḍvā ṛtavaḥ saṃvatsarasya saṃvatsaro yajñaḥ prajāpatiḥ sa yāvāneva yajño yāvatyasya mātrā tāvatībhirdakṣayati

Man soll sechs Priestergaben geben; denn sechs sind die Jahreszeiten des Jahres, das Jahr ist das Opfer, ist Prajāpati; so groß wie das Opfer ist, so groß sein Maß ist, mit ebenso vielen lässt er es erstarken.

dvādaśa dadyāt | dvādaśa vai māsāḥ saṃvatsarasya saṃvatsaro yajñaḥ prajāpatiḥ sa yāvāneva yajño yāvatyasya mātrā tāvatībhirdakṣayati

Man soll zwölf geben; denn zwölf sind die Monate des Jahres, das Jahr ist das Opfer, ist Prajāpati; so groß wie das Opfer ist, so groß sein Maß ist, mit ebenso vielen lässt er es erstarken.

caturviṃśatiṃ dadyāt | caturviṃśatirvai saṃvatsarasyārdhamāsāḥ saṃvatsaro yajñaḥ prajāpatiḥ sa yāvāneva yajño yāvatyasya mātrā tāvatībhirdakṣayatyeṣā mātrā dakṣiṇānāṃ dadyāttveva yathāśraddham bhūyasīstadyaddakṣiṇā dadāti

Man soll vierundzwanzig geben; denn vierundzwanzig sind die Halbmonate des Jahres, das Jahr ist das Opfer, ist Prajāpati; so groß wie das Opfer ist, so groß sein Maß ist, mit ebenso vielen lässt er es erstarken – dies ist das Grundmaß der Priestergaben; man mag aber je nach Freigebigkeit auch mehr geben. Das ist, warum man Priestergaben gibt.

dvayā vai devā devāḥ | ahaiva devā atha ye brāhmaṇāḥ śruśruvāṃso 'nūcānāste manuṣyadevāsteṣāṃ dvedhā vibhakta eva yajña āhutaya eva devānāṃ dakṣiṇā manuṣyadevānām brāhmaṇānāṃ śuśruvuṣāmanūcānānāmāhutibhireva devānprīṇāti dakṣiṇābhirmanuṣyadevānbrāhmaṇācruśruvuṣo 'nūcānāṃsta enamubhaye devāḥ prītāḥ sudhāyāṃ dadhati

Zweierlei sind die Götter, die Götter: die eigentlichen Götter selbst, und dann die Brahmanen, die die heiligen Texte gehört haben und weitergeben – das sind die Menschen-Götter. Für diese beiden ist das Opfer gleichsam zweigeteilt: die Opfergüsse sind für die eigentlichen Götter, die Priestergabe für die Menschen-Götter, die Brahmanen. Mit den Opfergüssen erfreut er die eigentlichen Götter, mit den Priestergaben die Menschen-Götter, die Brahmanen; diese beiderlei Götter, zufriedengestellt, gewähren ihm Wohlergehen. [Anm.: „sudhāyāṃ dadhati“, wörtl. „setzen ihn in die Wohltat“, sinngemäß als „gewähren Wohlergehen“ wiedergegeben.]

tadyathā yonau reto dadhyāt | evamevaitadṛtvijo yajamānaṃ loke dadhati tadyadebhya etaddadāti ye medaṃ samprāpipanniti nu dakṣiṇānām

So wie man den Samen in den Schoß legt, ebenso legen die Priester diesen Opferherrn wieder in die jeweilige Welt. Dass er ihnen dies gibt: „weil sie mich dies haben erlangen lassen“ – soweit zu den Priestergaben.

devāśca vā asurāśca | ubhaye prājāpatyāḥ paspṛdhire ta ubhaya evānātmāna āsurmartyā hyāsuranātmā hi martyasteṣūbhayeṣu martyeṣvagnirevāmṛta āsa taṃ ha smobhaye 'mṛtamupajīvanti sa yaṃ ha smaiṣāṃ ghnanti taddha sma vai sa bhavati

Götter und Asuras, beide von Prajāpati abstammend, stritten miteinander. Beide waren gleichermaßen „ohne eigenes Selbst“ – denn sterblich ist das Selbst des Asura, sterblich das Selbst des Menschen. Unter diesen beiden sterblichen Parteien war allein Agni unsterblich; von ihm lebten beide. Wen auch immer von ihnen er tötete, der wurde eben zu ihm. [Anm.: Diese Kaṇḍikā ist dunkel; der Sinn scheint, dass Agni als das einzig Unsterbliche in beiden sterblichen Lagern fortlebte.]

tato devāḥ | tanīyāṃsa iva pariśiśiṣire tercantaḥ śrāmyantaścerurutāsurāntsapatnānmartyānabhibhavemeti ta etadamṛtamagnyādheyaṃ dadṛśuḥ

Da blieben die Götter gleichsam als die Schwächeren übrig; strebend und sich abmühend zogen sie umher mit dem Gedanken: „Wie mögen wir die Asuras, unsere sterblichen Rivalen, überwältigen?“ Da erblickten sie dieses Unsterbliche: die Feuerlegung.

te hocuḥ | hantedamamṛtamantarātmannādadhāmahai ta idamamṛtamantarātmannādhāyāmṛtā bhūtvāstaryā bhūtvā staryāntsapatnānmartyānabhibhaviṣyāma iti

Sie sprachen: „Wohlan, legen wir dieses Unsterbliche in unser inneres Selbst; dann werden wir, unsterblich und unüberwindlich geworden, unsere sterblichen, überwindlichen Rivalen überwältigen.“

te hocuḥ | ubhayeṣu vai no 'yamagniḥ pra tvevāsurebhyo bravāmeti

Sie sprachen weiter: „Dieser Agni gehört uns doch beiden; lasst es uns aber den Asuras zuvor ankündigen.“

te hocuḥ | ā vai vayamagnī dhāsyāmahe 'tha yūyaṃ kiṃ kariṣyatheti

Sie sprachen zu den Asuras: „Wir werden nun die Feuer in uns aufnehmen – was werdet ihr dann tun?“

te hocuḥ | athainaṃ vayaṃ nyeva dhāsyāmahe 'tra tṛṇāni dahātra dārūṇi dahātraudanam pacātra māṃsam paceti sa yaṃ tamasurā nyadadhata tenānena manuṣyā bhuñjate

Die Asuras sprachen: „Dann werden wir ihn eben nur äußerlich einsetzen: hier soll er Gras verbrennen, hier Holz verbrennen, hier Reisbrei kochen, hier Fleisch kochen.“ Diesen äußeren Agni, den die Asuras so einsetzten, mit eben diesem speisen auch die Menschen. [Anm.: Erklärt, warum das gewöhnliche Kochfeuer als Asura-Erbe gilt, im Unterschied zum verinnerlichten Opferfeuer der Götter.]

athainaṃ devāḥ | antarātmannādadhata ta imamamṛtamantarātmannādhāyāmṛtā bhūtvāstaryām bhūtvā staryāntsapatnānmartyānabhyabhavaṃstatho evaiṣa etadamṛtamantarātmannādhatte nāmṛtatvasyāśāsti sarvamāyuretyastaryo haiva bhavati na hainaṃ sapatnastustūrṣamāṇaścana stṛṇute tasmādyadāhitāgniścānāhitāgniśca spardhete 'āhitāgnirevābhibhavatyastaryo hi khalu sa tarhi bhavatyamṛtaḥ

Die Götter aber legten ihn in ihr inneres Selbst; dadurch unsterblich und unüberwindlich geworden, überwältigten sie ihre sterblichen Rivalen. Ebenso legt sich auch der Opferer dieses Unsterbliche in sein inneres Selbst; er erlangt zwar nicht die Unsterblichkeit selbst, wohl aber die volle Lebensspanne, und wird eben dadurch unüberwindlich; kein Rivale vermag ihn niederzuwerfen. Deshalb obsiegt, wenn ein Feuer-Träger und ein Nicht-Feuer-Träger wetteifern, stets der Feuer-Träger, denn er ist dann gleichsam unsterblich.

tadyatrainamado manthanti | tajjātamabhiprāṇiti prāṇo vā agnirjātamevainametatsantaṃ janayati sa punarapāniti tadenamantarātmannādhatte so 'syaiṣo 'ntarātmannagnirāhito bhavati

Wenn man ihn durch Reiben erzeugt: Sobald er entstanden ist, atmet er sofort; denn Agni ist der Atem. So erzeugt man den an sich schon Seienden gleichsam als neu Entstandenen. Dann legt man ihn in das innere Selbst; so wird dieser Opferer zu einem, dessen Agni im inneren Selbst niedergelegt ist.

tamuddīpya saminddhe | iha yakṣya iha sukṛtaṃ kariṣyāmītyevainametatsaminddhe yo 'syaiṣo 'ntarātmannāgnirāhito bhavati

Nachdem er ihn entfacht hat, entzündet er ihn weiter mit dem Gedanken: „Hier will ich opfern, hier will ich gute Werke vollbringen“ – so entzündet er den ihm im inneren Selbst niedergelegten Agni.

antareṇāgādvyavṛtaditi | na ha vā asyaitaṃ kaścanāntareṇaiti yāvajjīvati yo 'syaiso 'ntarātmannagnirāhito bhavati tasmādu tannādriyeta yadanugacenna ha vā asyaiṣo 'nugacati yāvajjīvati yo 'syaiso 'ntarātmannagnirāhito bhavati

„Er ist zwischen die Feuer gegangen und wieder herausgetreten“ – doch niemals geht ihm dieser innere Agni „dazwischen“, solange er lebt. Ebenso wenig sollte man sich sorgen, ob er ihm „nachfolgt“ – denn dieser innere Agni verlässt ihn niemals, solange er lebt.

te vā ete prāṇā eva yadagnayaḥ | prāṇodānāvevāhavanīyaśca gārhapatyaśca vyāno 'nvāhāryapacanaḥ

Diese Feuer nun sind eben die Lebenshauche: Der Āhavanīya und der Gārhapatya sind Ein- und Ausatem, der Anvāhāryapacana (das Südfeuer) ist der Zwischenatem.

tasya vā etasyāgnyādheyasya | satyamevopacāraḥ sa yaḥ satyaṃ vadati yathāgniṃ samiddhaṃ taṃ ghṛtenābhiṣiñcedevaṃ hainaṃ sa uddīpayati tasya bhūyo bhūya eva tejo bhavati śvaḥ śvaḥ śreyānbhavatyatha yo 'nṛtaṃ vadati yathāgniṃ samiddhaṃ tamudakenābhiṣiñcedevaṃ hainaṃ sa jāsayati tasya kanīyaḥ kanīya eva tejo bhavati śvaḥ śvaḥ pāpīyānbhavati tasmādu satyameva vadet

Für diese Feuerlegung ist die Wahrhaftigkeit die eigentliche Pflege: Wer die Wahrheit spricht, entfacht das entzündete Feuer, wie man es mit Schmelzbutter besprengt – dessen Glut wird immer größer, er wird Tag für Tag vortrefflicher. Wer Unwahrheit spricht, lässt es ersterben, wie mit Wasser besprengt – dessen Glut wird geringer, er wird Tag für Tag schlechter. Deshalb soll man nur die Wahrheit sprechen.

tadu hāpyaruṇamaupaveśiṃ jñātaya ūcuḥ | sthaviro vā asyagnī ādhatsveti sa hovāca te maitadbrūtha vācaṃyama evaidhi na vā āhitāgninānṛtaṃ vaditavyaṃ na vadañjātu nānṛtaṃ vadettāvatsatyamevopacāra iti

Dazu sprachen einst die Verwandten zu Aruṇa Aupaveśi: „Du bist schon alt, richte doch endlich deine Feuer ein!“ Er aber sprach: „Sagt mir das nicht; sei du selbst schweigsam! Denn ein Feuer-Träger darf keine Unwahrheit sprechen; und wer nicht unnötig redet, spricht auch niemals Unwahrheit – so weit reicht eben die Wahrhaftigkeit als rechte Pflege.“ [Anm.: Dies beschließt Brāhmaṇa 2 von Adhyāya 2.]

varuṇo hainadrājyakāma ādadhe | sa rājyamagacattasmādyaśca vada yaśca na varuṇo rājetyevāhuḥ somo yaśaskāmaḥ sa yaśo 'bhavattasmādyaśca some labhate yaśca nobhāvevāgacato yaśa evaitaddraṣṭumāgacanti yaśo ha bhavati rājyaṃ gacati ya evaṃ vidvānādhatte

Varuṇa richtete dieses Feuer ein, weil er nach der Königsherrschaft verlangte; da gelangte er zur Königsherrschaft – deshalb sagt man: „Ob man davon spricht oder nicht, Varuṇa ist dennoch König.“ Soma richtete es ein, weil er nach Ruhm verlangte; da wurde er berühmt – deshalb: „Ob man bei Soma Ruhm erlangt oder nicht, beide (Ruhm und Königtum) kommen dennoch zu“; um diesen Ruhm zu sehen, kommen die Leute herbei. Wer dies wissend das Feuer einrichtet, dem wird Ruhm zuteil, und er gelangt zur Königsherrschaft. [Anm.: Die Kaṇḍikā-Zählung der Quelle springt hier von der eigenständigen Zählung des Brāhmaṇa 2 (endend bei [20]) auf [21] für den Beginn von Brāhmaṇa 3 – eine Eigenheit/Unregelmäßigkeit der Editions-Nummerierung, hier unverändert aus dem Digitalisat übernommen.]

agnau ha vai devāḥ | sarvāṇi rūpāṇi nidadhire yāni ca grāmyāṇi yāni cāraṇyāni vijayaṃ vopapraiṣyantaḥ kāmacārasya vā kāmāyāyaṃ no gopiṣṭho gopāyaditi vā

In Agni legten die Götter alle Gestalten nieder, sowohl die dörflichen als auch die wilden – sei es, weil sie zu einer Eroberung aufbrachen, sei es aus Verlangen nach freier Bewegung, mit dem Gedanken: „Dieser soll für uns der beste Hüter sein und sie hüten.“

tānyu hāgnirnicakame | taiḥ saṃgṛhya 'rtūnpraviveśa punarema iti devā edagniṃ tirobhūtaṃ teṣāṃ heyasevāsa kimiha kartavyaṃ keha prajñeti vā

Diese aber begehrte Agni für sich; nachdem er sie an sich genommen hatte, ging er in die Jahreszeiten ein, mit dem Gedanken: „Ich werde wiederkommen.“ Da war den Göttern dieser Agni verschwunden; es war ihnen, als hätten sie etwas verloren, und sie fragten: „Was ist hier zu tun, wer weiß hier Bescheid?“

tata etattvaṣṭā punarādheyaṃ dadarśa | tadādadhe tenāgneḥ priyaṃ dhāmopajagāma so 'smā ubhayāni rūpāṇi pratiniḥsasarja yāni ca grāmyāṇi yāni cāraṇyāni tasmādāhustvāṣṭrāṇi vai rūpāṇīti tvaṣṭurhyeva sarvaṃ rūpamupa ha tvevānyāḥ prajā yāvatso yāvatsa iva tiṣṭhante

Da erblickte Tvaṣṭṛ diese Möglichkeit der Wiedereinrichtung; er richtete sie ein und gelangte dadurch zu Agnis liebem Aufenthaltsort. Dieser gab ihm daraufhin beiderlei Gestalten wieder frei, die dörflichen wie die wilden. Deshalb sagt man: „Alle Gestalten sind Tvaṣṭṛs Werk“ – denn Tvaṣṭṛ allein gehört die ganze Gestaltenwelt; die übrigen Geschöpfe bestehen nur, insofern sie an ihm teilhaben.

tasmai kam punarādheyamādadhīta | evaṃ haivāgneḥ priyaṃ dhāmopagacati so 'smā ubhayāni rūpāṇi pratiniḥsṛjati yāni ca grāmyāṇi yāni cāraṇyāni tasminnetānyubhayāni rūpāṇi dṛśyante paramatā vai sā spṛhayantyu hāsmai tathā puṣyati lokyamvevāpi

Für wen sollte man diese Wiedereinrichtung vollziehen? Ebenso gelangt er zu Agnis liebem Aufenthaltsort; dieser gibt ihm beiderlei Gestalten wieder frei; an ihm werden diese Gestalten sichtbar. Das ist die höchste Stufe; man begehrt sie, und der Opferer gedeiht dadurch auch in weltlicher Hinsicht.

āgneyo 'yaṃ yajñaḥ | jyotiragniḥ pāpmano dagdhā so 'sya pāpmānaṃ dahati sa iha jyotireva śriyā yaśasā bhavati jyotiramutra puṇyalokatvaitannu tadyasmādādadhīta

Dieses Opfer ist Agni-geweiht; Agni ist Licht, ein Verbrenner des Übels – er verbrennt dessen Übel; so wird der Opferer hier zu einem Licht durch Glanz und Ruhm, und dort zu einem Licht durch den Besitz einer verdienstvollen Welt. Das eben ist der Grund, weshalb man das Feuer einrichtet.

sa vai varṣāsvādadhīta | varṣā vai sarva ṛtavo varṣā hi vai sarva ṛtavo 'thādo varṣamakurmādo varṣamakurmeti saṃvatsarāntsampaśyanti varṣā ha tveva sarveṣāmṛtūnāṃ rūpamuta hi tadvarṣāsu bhavati yadāhurgrīṣma iva vā adyetyuto tadvarṣāsu bhavati yadāhuḥ śiśira iva vā adyeti varṣādidvarṣāḥ

Man sollte das Feuer in der Regenzeit einrichten; denn die Regenzeit vereint gleichsam alle Jahreszeiten – man sagt „in jenem Jahr hatten wir Regen“ und rechnet so die Jahre; die Regenzeit ist das bezeichnende Erscheinungsbild aller Jahreszeiten. Auch kommt in der Regenzeit Wetter vor, von dem man sagt „heute ist es wie im Sommer“ oder „wie im Winter“ – Regenzeit folgt auf Regenzeit.

athaitadeva paro 'kṣaṃ rūpam | yadeva purastādvāti tadvasantasya rūpaṃ yatstanayati tadgrīṣmasya yadvarṣati tadvarṣāṇāṃ yadvidyotate tacarado yadvṛṣṭvodgṛhṇāti taddhemantasya varṣāḥ sarva ṛtava ṛtūnprāviśadṛtubhya evainametannirmimīte

Dies nun ist die verborgene Gestalt davon: Was von vorn weht, ist die Gestalt des Frühlings; was donnert, des Sommers; was regnet, der Regenzeit; was aufblitzt, des Herbstes; was nach dem Regen sich kühl zusammenzieht, des Winters. Die Regenzeit ist alle Jahreszeiten in sich; er ging in die Jahreszeiten ein – aus ihnen gestaltet man ihn bei der Feuerlegung neu.

ādityastveva sarva ṛtavaḥ | yadaivodetyatha vasanto yadā saṃgavo 'tha grīṣmo yadā madhyandino 'tha varṣā yadāparāhṇo 'tha śaradyadaivāstametyatha hemantastasmādu madhyandina evādadhīta tarhi hyeṣo 'sya lokasya nediṣṭhaṃ bhavati tannediṣṭhādevainametanmadhyānnirmimīte

Die Sonne aber ist noch unmittelbarer alle Jahreszeiten in einem Tag: bei Sonnenaufgang Frühling, am Vormittag Sommer, zu Mittag Regenzeit, am Nachmittag Herbst, bei Sonnenuntergang Winter. Deshalb sollte man zur Mittagszeit einrichten; denn dann ist die Sonne dieser Welt am nächsten – aus dieser Nähe, aus der Mitte, gestaltet man ihn neu.

cāyayeva vā ayam puruṣaḥ | pāpmanānuṣaktaḥ so 'syātra kaniṣṭho bhavatyadhaspadamiveyasyate tatkaniṣṭhamevaitatpāpmānamavabādhate tasmādu madhyandina evādadhīta

Wie von einem Schatten ist dieser Mensch vom Übel begleitet; dieser wird zur Mittagszeit am kleinsten, gleichsam unter die Füße gedrängt – ebendieses geringste Maß drängt das Übel zurück. Deshalb sollte man zur Mittagszeit einrichten.

taṃ vai darbhairuddharati | dārubhirvai pūrvamuddharati dārubhiḥ pūrvaṃ dārubhiraparaṃ jāmi kuryātsamadaṃ kuryādāpo darbhā āpo varṣā ṛtūnprāviśadadbhirevainametadadbhyo nirmimīte tasmāddarbhairuddharati

Man hebt das Feuer mit Darbha-Gras heraus; mit Holzscheiten hebt man es zunächst heraus – doch nur mit Holzscheiten zu verfahren wäre eintönig, man sollte Abwechslung schaffen. Darbha-Gras ist gleichsam Wasser, Wasser ist die Regenzeit; er ging in die Jahreszeiten ein – aus dem Wasser gestaltet man ihn so neu. Deshalb hebt man ihn mit Darbha-Gras heraus.

arkapalāśābhyāṃ | vrīhimayamapūpaṃ kṛtvā yatra gārhapatyamādhāsyanbhavati tannidadhāti tadgārhapatyamādadhāti

Mit Arka- und Palāśa-Blättern: Nachdem er einen Kuchen aus Reis gemacht hat, legt er ihn dort nieder, wo er den Gārhapatya (das Hausfeuer) einrichten will; damit richtet er den Gārhapatya ein.

arkapalāśābhyāṃ yavamayamapūpaṃ kṛtvā yatrāhavanīyamādhāsyanbhavati tannidadhāti tadāhavanīyamādadhāti pūrvābhyāmevaināvetadagnibhyāmantardadhma iti vadantastadu tathā na kuryādrātribhirhyevāntarhitau bhavataḥ

Mit Arka- und Palāśa-Blättern: Nachdem er einen Kuchen aus Gerste gemacht hat, legt er ihn dort nieder, wo er den Āhavanīya einrichten will; damit richtet er ihn ein. Manche sagen, man solle dabei sprechen: „Wir verbergen diese beiden vor den übrigen Feuern“ – das aber sollte man nicht tun, denn sie sind ohnehin schon durch die Nächte dazwischen verborgen.

āgneyameva pañcakapālam puroḍāśaṃ nirvapati | tasya pañcapadāḥ paṅktayo yājyānuvākyā bhavanti pañca vā ṛtava ṛtūnprāviśadṛtubhya evainametannirmimīte

Er bringt einen Agni-geweihten, auf fünf Scherben gebackenen Opferkuchen dar; dessen Anrufungs- und Opferverse sind im fünfgliedrigen Paṅkti-Metrum, denn fünf sind die Jahreszeiten; er ging in die Jahreszeiten ein – aus ihnen gestaltet man ihn so neu.

sarva āgneyo bhavati | evaṃ hi tvaṣṭāgneḥ priyaṃ dhāmopāgacattasmātsarva āgneyo bhavati

Das ganze Opfer ist Agni-geweiht; denn ebenso gelangte Tvaṣṭṛ zu Agnis liebem Aufenthaltsort – deshalb ist das ganze Opfer Agni-geweiht.

tenopāṃśu caranti | yadvai jñātaye vā sakhye vā niṣkevalyaṃ cikīrṣati tira ivaitena bībhavadvaiśvadevo 'nyo yajño 'thaiṣa niṣkevalya āgneyo yadvai tira iva tadupāṃśu tasmādupāṃśu caranti

Damit verfährt man leise/unhörbar. Wenn man nämlich für einen Verwandten oder Freund ein ausschließliches, nur Agni geweihtes Opfer (Niṣkevalya) vollziehen will, geschähe dies gleichsam verstohlen, da das übliche Opfer das Vaiśvadeva (Allgötter-Opfer) ist; und was verstohlen geschieht, das geschieht leise – deshalb verfährt man dabei leise. [Anm.: Der genaue Sinn dieser Begründung bleibt im Detail unsicher; dies beschließt den hier übersetzten Abschnitt von Brāhmaṇa 3.]

uccairuttamamanuyājaṃ yajati | kṛtakarmeva hi sa tarhi bhavati sarvo hi kṛtamanubudhyate

Den letzten Anuyāja opfert er laut; denn dann ist er gleichsam einer, der die Opferhandlung schon vollbracht hat – jedermann erkennt ja das Vollbrachte.

sa āśrāvyāha | samidho yajeti tadāgneyaṃ rūpam paro 'kṣaṃ tvagnīnyajeti tveva brūyāttadeva pratyakṣamāgneyaṃ rūpam

Er spricht den Āśrāvaya-Ruf: „Opfere die Brennhölzer!“ – das ist die verhüllte (indirekte) Agni-Form; „Opfere die Agnis!“ sollte man eigentlich sagen – das eben ist die unverhüllte (direkte) Agni-Form.

sa yajati | agna ājyasya vyanta vaukagagnimājyasya vetu vaukagagninājyasya vyantu vaukagagnirājyasya vetu vaukagiti

Er opfert: „O Agni (Vokativ), sie mögen des Schmalzopfers teilhaftig werden – vauṣaṭ! Den Agni (Akkusativ) möge es erreichen – vauṣaṭ! Durch Agni (Instrumental) mögen sie des Schmalzopfers teilhaftig werden – vauṣaṭ! Agni (Nominativ) möge es erreichen – vauṣaṭ!“ [Anm.: Die viermal wiederkehrende Quellform „vaukag“ ist vermutlich eine verderbte/OCR-fehlerhafte Wiedergabe des rituellen Schlussrufs „vauṣaṭ“; die vier Formeln deklinieren „agni“ demonstrativ durch Vokativ, Akkusativ, Instrumental und Nominativ, vgl. die Erklärung in Kaṇḍikā 46.]

atha svāhāgnimityāha | āgneyamājyabhāgaṃ svāhāgnim pavamānamiti yadi pavamānāya dhriyerantsvāhāgnimindumantamiti yadyagnaya indumate dhriyerantsvāhāgniṃ svāhāgnīnājyapāñjuṣāṇo agnirājyasya vetviti yajati

Dann spricht er: „Svāhā [dem] Agni!“ – das ist der auf Agni bezogene Schmalzanteil: „Svāhā [dem] Agni Pavamāna!“, falls die Feuer für [den] Pavamāna[-Soma] unterhalten würden; „Svāhā [dem] Agni Indumant!“, falls sie für Agni Indumant unterhalten würden. [Anm.: Der Wortlaut „svāhāgniṃ svāhāgnīnājyapāñjuṣāṇo“ ist an dieser Stelle unklar/verderbt überliefert, offenbar eine verkürzte Wiederholung der vorangehenden Svāhā-Formeln.] Er opfert: „Die Opfergaben genießend, möge Agni des Schmalzopfers teilhaftig werden.“

athāhāgnaye 'nubrūhīti | āgneyamājyabhāgaṃ so 'nvāhāgniṃ stomena bodhaya samidhāto amartyam havyā deveṣu no dadhaditi svapitīva khalu vā etadyadudvāsito bhavati samprabodhayatyevainametatsamudīryayati juṣāṇo agnirājyasya vetviti yajati

Dann spricht er: „Rezitiere für Agni!“ – das ist der auf Agni bezogene Schmalzanteil. Er rezitiert darauf: „Erwecke Agni durch den Lobgesang und durch das Brennholz, den Unsterblichen – er möge unsere Opfergaben unter den Göttern niederlegen.“ Es ist nämlich gleichsam, als schliefe er, wenn er (das Feuer) weggetragen worden ist; eben dadurch weckt und belebt er ihn vollständig. Er opfert: „Der genießende Agni möge des Schmalzopfers teilhaftig werden.“

atha yadyagnaye pavamānāya dhriyeran | agnaye pavamānāyānubrūhīti brūyātso 'nvāhāgna āyūṃṣi pavasa āsuvorjamiṣaṃ ca naḥ āre bādhasva ducunāmiti tathāhāgneyo bhavati somo vai pavamānastadu saumyādājyabhāgānnayanti juṣāṇo agniḥ pavamāna ājyasya vetviti yajati

Wenn aber die Feuer für Agni Pavamāna unterhalten würden, sollte man sagen: „Rezitiere für Agni Pavamāna!“ Er rezitiert darauf: „O Agni, läutere die Lebenszeiten, verschaffe uns Kraft und Speise, halte das Unheil fern!“ Damit bleibt es dennoch Agni-bezogen; Soma nämlich ist der Pavamāna – deshalb aber entnimmt man die Schmalzanteile dem Soma-Bereich. Er opfert: „Der genießende Agni Pavamāna möge des Schmalzopfers teilhaftig werden.“

atha yadyagnaya indumate dhriyeran | agnaya indumate 'nubrūhīti brūyātso 'nvāhehyū ṣu bravāṇi te 'gna itthetarā giraḥ ebhirvardhasa indubhiriti tathā hāgneyo bhavati somo vā industadu saumyādājyabhāgānnayanti juṣāṇo agnirindumānājyasya vetviti yajatyevamu sarvamāgneyaṃ karoti

Wenn aber die Feuer für Agni Indumant unterhalten würden, sollte man sagen: „Rezitiere für Agni Indumant!“ Er rezitiert darauf: „Komm her, wohlan, ich will zu dir sprechen, o Agni, ebenso wie die anderen Lobreden [zu dir sprechen] – durch diese Somatropfen mögest du wachsen.“ Damit bleibt es dennoch Agni-bezogen; Soma nämlich ist der Indu (Somatropfen) – deshalb entnimmt man die Schmalzanteile dem Soma-Bereich. Er opfert: „Der genießende Agni Indumant möge des Schmalzopfers teilhaftig werden.“ So macht er alles durchweg Agni-bezogen.

athāhāgnaye 'nubrūhīti haviṣaḥ | agniṃ yajāgnaye sviṣṭakṛte 'nubrūhyagniṃ sviṣṭakṛtaṃ yajetyatha yaddevānyajetyagnīnyajetyevaitadāha

Dann spricht er, im Hinblick auf die Opferspeise: „Rezitiere für Agni!“ – „Opfere Agni!“ Ebenso: „Rezitiere für Agni Sviṣṭakṛt!“ – „Opfere Agni Sviṣṭakṛt!“ Wenn er aber sagt „Opfere den Göttern!“, so meint er damit eigentlich: „Opfere den Agnis!“

sa yajati | agnervasuvane vasudheyasya vetu vaukagagnā u vasuvane vasudheyasya vetu vaukagdevo agniḥ sviṣṭakṛditi svayamāgneyastṛtīya evamvāgneyānanuyājān karoti

Er opfert: „Des Agni (Genitiv), im Güter-Gewinnen, möge er der Güterspende teilhaftig werden – vauṣaṭ! Durch Agni (Instrumental), im Güter-Gewinnen, möge er der Güterspende teilhaftig werden – vauṣaṭ! ‚Der Gott Agni ist der Sviṣṭakṛt‘“ – der dritte [Anuyāja], der von selbst Agni-bezogen ist. So macht er die Anuyājas durchweg Agni-bezogen.

tā vā etāḥ | ṣaḍvibhaktīryajati catasraḥ prayājeṣu dve anuyājeṣu ṣaḍvā ṛtava ṛtūnprāviśadṛtubhya evainametannirmimīte

Diese sechs grammatischen Formen (vibhakti) nämlich opfert er: vier bei den Prayājas, zwei bei den Anuyājas. Sechs nämlich sind die Jahreszeiten – er (Agni) ging in die Jahreszeiten ein; aus den Jahreszeiten gestaltet man ihm dies so neu.

dvādaśa vā trayodaśa vākṣarāṇi bhavanti | dvādaśa vā vai trayodaśa vā saṃvatsarasya māsāḥ saṃvatsaramṛtūnprāviśadṛtubhya evainametatsaṃvatsarānnirmimīte na dve cana sahājāmitāyai jāmi ha kuryādyaddve citsaha syātāṃ vyantu vetvityeva prayājānāṃ rūpaṃ vasuvane vasudheyasyetyanuyājānām

Zwölf oder dreizehn Silben sind es in diesen Formelversen; zwölf oder dreizehn sind auch die Monate des Jahres. Er ging in das Jahr und in die Jahreszeiten ein; aus den Jahreszeiten gestaltet man ihm dies so zum Jahr. Nicht zwei Formeln zugleich sollen gleichlautend sein, um der Vermeidung von Eintönigkeit willen; eintönig nämlich würde es, wenn zwei zugleich gleich wären. „Vyantu“ und „vetu“ eben ist die Grundform der Prayāja-Formeln, „vasuvane vasudheyasya“ die der Anuyāja-Formeln.

tasya hiraṇyaṃ dakṣiṇā | āgneyo vā eṣa yajño bhavatyagne reto hiraṇyaṃ tasmāddhiraṇyaṃ dakṣiṇānaḍvānvā sa hi vahenāgneyo 'gnidagdhamiva hyasya vahaṃ bhavati devānāṃ havyavāhano 'gniriti vahati vā eṣa manuṣyebhyastasmādanaḍvāndakṣiṇā

Für dieses Opfer ist Gold die Priestergabe (Dakṣiṇā); Agni-bezogen nämlich ist dieses Opfer, Gold ist der Same Agnis – deshalb ist Gold die Priestergabe. Oder aber ein Zugochse: denn dieser ist durch sein Ziehen Agni-bezogen [Anm.: Der Sinn der Wendung „agnidagdhamiva hyasya vahaṃ bhavati“ bleibt im Einzelnen unsicher, etwa: „denn sein Ziehen gleicht gleichsam dem eines von Agni Gebrannten“]. „Agni ist der Opferträger (Havyavāhana) der Götter“, heißt es; er (der Ochse) trägt nämlich für die Menschen – deshalb ist der Zugochse die Priestergabe.

prajāpatirha vā idamagra eka evāsa | sa aikṣata kathaṃ nu prajāyeyeti so 'śrāmyatsa tapo 'tapyata so 'gnimeva mukhājjanayāṃ cakre tadyadenam mukhādajanayata tasmādannādo 'gniḥ sa yo haivametamagnimannādaṃ vedānnādo haiva bhavati

Prajāpati allein war am Anfang [nur] dies hier. Er überlegte: „Wie könnte ich mich fortpflanzen?“ Er mühte sich ab, er übte Askese. Da erzeugte er Agni aus seinem Mund. Weil er ihn aus dem Mund erzeugte, deshalb ist Agni ein Speisenverzehrer (Annāda). Wer Agni so als Speisenverzehrer kennt, der wird selbst ein Speisenverzehrer.

tadvā enametadagre devānāmajanayata | tasmādagniragnirha vai nāmaitadyadagniriti sa jātaḥ pūrvaḥ peyāya yo vai pūrva etyagra etīte vai tamāhuḥ so evāsyāgnitā

Diesen (Agni) erzeugte er da zuerst unter den Göttern; deshalb heißt er Agni – „Agni“ ist ja der Name dafür, dass er der „Voranstehende“ (agra-) ist [Anm.: etymologisches Wortspiel Agni/agra „voran, zuerst“]. Er, als Erster geboren, [ward zum Vorangehen bestimmt; Wortlaut „peyāya“ unsicher überliefert]: wer nämlich zuerst geht, von dem sagt man ja, er „gehe voran“ (agre eti) – eben das ist sein Agni-Sein.

sa aikṣata prajāpatiḥ | annādaṃ vā imamātmano 'jījane yadagniṃ na vā iha madanyadannamasti yaṃ vā ayaṃ nādyāditi kālvālīkṛtā haiva tarhi pṛthivyāsa nauṣadhaya āsurna vanaspatayastadevāsya manasyāsa

Prajāpati überlegte: „Diesen Agni habe ich ja als einen Speisenverzehrer aus mir selbst erzeugt; es gibt hier ja außer mir keine andere Speise, die er fressen könnte.“ [Anm.: Die Erde war damals noch unfertig/ungestaltet – der genaue Wortlaut „kālvālīkṛtā“ ist unsicher überliefert.] Es gab noch keine Kräuter, keine Bäume – das eben lag ihm im Sinn.

athainamagnirvyāttenopaparyāvavarta | tasya bhītasya svo mahimāpacakrāma vāgvā asya svo mahimā vāgasyāpacakrāma sa ātmannevāhutimīṣe sa udamṛṣṭa tadyadudamṛṣṭa tasmādidaṃ cālomakamidaṃ ca tatra viveda ghṛtāhuti vaiva payāahutiṃ vobhayaṃ ha tveva tatpaya eva

Da wandte sich Agni ihm mit aufgesperrtem Rachen zu. Als er (Prajāpati) sich fürchtete, wich seine eigene Erhabenheit (Mahiman) von ihm – seine Rede (Vāc) nämlich ist seine eigene Erhabenheit, und seine Rede wich von ihm. Da suchte er, an sich selbst eine Opfergabe darzubringen. Er strich sich ab; und weil er sich abstrich, entstand dadurch dies hier, das Härchen, und dabei fand er zugleich eine Opfergabe – sei es nun eine Schmalz-Spende oder eine Milch-Spende, beides aber ist eben im Grunde die Milch.

sā hainaṃ nābhirādhayāṃ cakāra | keṣamiśreva hāsa tāṃ vyaukṣadoṣa dhayeti tata oṣadhayaḥ samabhavaṃstasmādoṣadhayo nāma sa dvitīyamudamṛṣṭa tatrāparāmāhutiṃ viveda ghṛtāhutiṃ vaiva payāahutiṃ vobhayaṃ ha tveva tatpaya eva

Diese (Opfergabe) nun legte er sich an den Nabel; sie war gleichsam mit Härchen vermischt. Er besprengte sie [und rief]: „Brenne, sauge!“ Daraus entstanden die Pflanzen (Oṣadhayaḥ); deshalb heißen sie „Oṣadhi“ [Anm.: Wortspiel oṣa „brenne“ + dhaya „sauge“]. Er strich sich ein zweites Mal ab; dabei fand er eine weitere Opfergabe – sei es eine Schmalz-Spende oder eine Milch-Spende, beides aber ist eben die Milch.

sā hainamabhirādhayāṃ cakāra | sa vyacikitsajjuhavānī3 mā hauṣā3miti taṃ svo mahimābhyuvāda juhudhīti sa prajāpatirvidāṃ cakāra svo vai mā mahimāheti sa svāhetyevājuhottasmādu svāhetyeva hūyate tata eṣa udiyāya ya eṣa tapati tatoyam prababhūva yo 'yam pavate tata evāgniḥ parāṅ paryāvavarta

Diese ließ er sich an einer anderen Stelle anlegen. Da war er unschlüssig: „Soll ich opfern – oder soll ich nicht opfern?“ Da redete ihn seine eigene Erhabenheit an: „Opfere!“ Da erkannte Prajāpati: „Meine eigene Erhabenheit spricht ja zu mir.“ Da opferte er eben mit dem Ruf „Svāhā!“ – deshalb wird eben mit „Svāhā“ geopfert. Daraus stieg jener auf, der (als Sonne) brennt; daraus wiederum entstand jener, der (als Wind) weht. Daraufhin wandte sich Agni wieder ab.

sa hutvā prajāpatiḥ | pra cājāyatātsyataścāgnermṛtyorātmānamatrāyata sa yo haivaṃ vidvānagnihotraṃ juhotyetāṃ haiva prajātim prajāyate yāṃ prajāpatiḥ prājāyataivamu haivātsyato 'gnermṛtyorātmānaṃ trāyate

Prajāpati pflanzte sich, nachdem er geopfert hatte, fort und rettete sich vor Agni, dem ihn verschlingen-wollenden Tod. Wer nun so wissend das Agnihotra darbringt, der pflanzt sich eben mit derselben Nachkommenschaft fort, mit der sich Prajāpati fortpflanzte, und rettet sich ebenso vor Agni, dem ihn verschlingen-wollenden Tod.

sa yatra mriyate | yatrainamagnāvabhyādadhati tadeṣo 'gneradhijāyate 'thāsya śarīramevāgnirdahati tadyathā piturvā māturvā jāyetaivameṣo 'gneradhijāyate śaśvaddha vā eṣa na sambhavati yo 'gnihotraṃ na juhoti tasmādvā agnihotraṃ hotavyam

Wenn er (der Opferer) stirbt und man ihn ins Feuer legt, dann wird er aus Agni wiedergeboren; sein Körper aber wird dabei nur von Agni verbrannt. So wie er von Vater oder Mutter geboren würde, so wird er aus Agni wiedergeboren. Beständig aber gedeiht nicht, wer das Agnihotra nicht darbringt; deshalb muss das Agnihotra dargebracht werden.

tadvā etat | eva vicikitsāyai janma yatprajāpatirvyacikitsatsa vicikitsañcreyasyadhriyata yaḥ pra cājāyatātsyataścāgnermṛtyorātmānamatrāyata sa yo haivametadvicikitsāyai janma veda yaddha kiṃ ca vicikitsati śreyasi haiva dhriyate

Das eben ist der Ursprung aus dem Zweifel: dass Prajāpati zweifelte. Der Zweifelnde blieb im Vorzüglicheren bestehen – er, der sich fortpflanzte und sich vor Agni, dem ihn verschlingen-wollenden Tod, rettete. Wer nun so diesen Ursprung aus dem Zweifel kennt: was auch immer er bezweifelt, er bleibt eben im Vorzüglicheren bestehen.

sa hutvā nyamṛṣṭa | tato vikaṅkataḥ samabhavattasmādeṣa yajñiyo yajñapātrīyo vṛkṣastata ete devānāṃ vīrā ajāyantāgniryo 'yaṃ pavate sūryaḥ sa yo haivametāndevānāṃ vīrānvedāhāsya vīro jāyate

Er strich sich, nachdem er geopfert hatte, ab; daraus entstand der Vikaṅkata-Baum – deshalb ist dies der opferwürdige, für Opfergefäße bestimmte Baum. Daraus wurden diese Helden der Götter geboren: Agni, der (als Wind) weht, und Sūrya. Wer nun so diese Helden der Götter kennt, dem wird fürwahr ein Held (Sohn) geboren.

ta u haita ūcuḥ | vayaṃ vai prajāpatim pitaramanu smo hanta vayaṃ tatsṛjāmahai yadasmānanvasaditi te pariśritya gāyatreṇāpahiṃkāreṇa tuṣṭuvire tadyatparyaśrayantsa samudro 'theyameva pṛthivyāstāvaḥ

Diese nun sprachen: „Wir folgen ja dem Vater Prajāpati nach; wohlan, lasst auch uns das erschaffen, worin wir ihm nacheiferten.“ Sie priesen ihn, ihn umschließend, mit dem gāyatrischen Apahiṃkāra-Gesang. Dass sie ihn umschlossen – daraus wurde das Meer; und dies eben [wurde die Erde] [Anm.: Der Wortlaut „pṛthivyāstāvaḥ“ ist unsicher/verderbt überliefert; Sinn und genauer Bezug zur Erde bleiben unklar].

te stutvā prāñca uccakramuḥ | punarema iti devā edgāṃ sambhūtāṃ sā hainānudīkṣya hiṃcakāra te devā vidāṃ cakrureṣa sāmno hiṃkāra ityapahiṃkāraṃ haiva purā tataḥ sāmāsa sa eṣa gavi sāmno hiṃkārastasmādeṣopajīvanīyopajīvanīyo ha vai bhavati ya evametaṃ gavi sāmno hiṃkāraṃ veda

Sie, nachdem sie ihn gepriesen hatten, schritten vorwärts. „Lasst uns zurückkehren“, sprachen die Götter, und fanden dabei eine Kuh entstanden vor. Diese machte, als sie die Götter erblickte, „Hiṃ“. Die Götter erkannten: „Dies ist der Hiṃkāra des Sāman-Gesangs.“ Vordem nämlich bestand das ganze Sāman nur aus dem Apahiṃkāra; eben dieser ist nun, in der Kuh, der Hiṃkāra des Sāman. Deshalb eignet sich diese Kuh dazu, dass man von ihr lebt; wer so diesen Hiṃkāra des Sāman in der Kuh kennt, dessen Lebensunterhalt ist fürwahr gesichert.

te hocuḥ | bhadraṃ vā idamajījanāmahi ye gāmajījanāmahi yajño hyetveyaṃ no hyṛte goryajñastāyate 'nnaṃ hyeveyaṃ yaddhi kiṃ cānnaṃ gaureva taditi

Sie sprachen: „Etwas Herrliches haben wir da erzeugt, indem wir die Kuh erzeugt haben; denn sie ist ja das Opfer selbst – ohne die Kuh wird ja kein Opfer vollzogen. Und sie ist ja auch die Speise; denn was auch immer Speise ist, das eben ist die Kuh.“

tadvā etadevaitāsāṃ nāma | etadyajñasya tasmādetatpariharetsādhu puṇyamiti bahvyo ha vā asyaitā bhavantyupanāmuka enaṃ yajño bhavati ya evaṃ vidvānetatpariharati sādhu puṇyamiti

Eben dies nun ist ihr eigentlicher Name, weil sie dem Opfer gehört; deshalb sollte man [ihren gewöhnlichen Namen] vermeiden und stattdessen sagen: „gut, verdienstvoll“. Viele Beinamen hat sie ja; wer so wissend ihren Namen vermeidet und „gut, verdienstvoll“ sagt, dem gehört das Opfer.

tāmu hāgnirabhidadhyau | mithunyanayā syāmiti tāṃ sambabhūva tasyāṃ retaḥ prāsiñcattatpayo 'bhavattasmādetadāmāyāṃ gavi satyāṃ śṛtamagnerhi retastasmādyadi kṛṣnāyāṃ yadi rohiṇyāṃ śuklameva bhavatyagnisaṃkāśamagnerhi retastasmātprathamadugdhamuṣṇam bhavatyagnerhi retaḥ

Diese nun begehrte Agni in Gedanken: „Möge ich mich mit ihr vereinigen!“ Er vereinigte sich mit ihr, ergoss in sie seinen Samen; der wurde zur Milch. Deshalb ist diese bei der noch rohen, lebenden Kuh gleichwohl schon gleichsam gekocht, denn es ist ja der Same Agnis. Deshalb ist sie, ob bei einer schwarzen oder bei einer rotbraunen Kuh, stets weiß – Agni-farben, denn es ist der Same Agnis. Deshalb ist die zuerst gemolkene Milch warm, denn es ist der Same Agnis.

te hocuḥ | hantedaṃ juhavāmahā iti kasmai na idam prathamāya hoṣyantīti mahyamiti haivāgniruvāca mahyamiti yo 'yam pavate mahyamiti sūryaste na sampādayāṃ cakruste hāsampādyocuḥ prajāpatimeva pitaram pratyayāma sa yasmai na idam prathamāya hotavyaṃ vakṣyati tasmai na idam prathamāya hoṣyantīti te prajāpatim pitaram pratītyocuḥ kasmai na idam prathamāya hoṣyantīti

Sie sprachen: „Wohlan, lasst uns dies opfern!“ [Doch sie fragten:] „Für wen sollen wir dies zuerst opfern?“ „Für mich“, sprach Agni. „Für mich“, [sprach] der, der (als Wind) weht. „Für mich“, [sprach] Sūrya. Sie konnten sich nicht einigen. Ohne Einigung sprachen sie: „Lasst uns zum Vater Prajāpati zurückkehren; wem immer er sagen wird, dass ihm dies zuerst geopfert werden soll, dem werden wir es zuerst opfern.“ Sie gingen zum Vater Prajāpati und sprachen: „Für wen sollen wir dies zuerst opfern?“

sa hovāca | agnaye 'gniranuṣṭhyā svaṃ retaḥ prajanayiṣyate tathā prajaniṣyadhva ityatha tubhyamiti sūryamatha yadeva hūyamānasya vyaśnute tadevaitasya yo 'yam pavata iti tadebhya idamapyetarhi tathaiva juhvatyagnaya eva sāyaṃ sūryāya prātaratha yadeva hūyamānasya vyaśnute tadevaitasya yo 'yam pavate

Er sprach: „Dem Agni [zuerst]! Agni wird, darauf gestützt, seinen eigenen Samen weiter zeugen – so werdet auch ihr euch fortpflanzen.“ „Und dann dir“, sprach er zu Sūrya. „Und was immer das Dargebrachte erlangt, das eben kommt jenem zugute, der (als Wind) weht.“ Deshalb opfert man ihnen auch jetzt noch ebenso: abends dem Agni, morgens dem Sūrya – und was immer das Dargebrachte erlangt, das eben kommt jenem zugute, der (als Wind) weht.

te hutvā devāḥ | imām prajātim prājāyanta yaiṣāmiyam prajātirimāṃ vijitiṃ vyajayanta yeyameṣāṃ vijitirimameva lokamagnirajayadantarikṣaṃ vāyurdivameva sūryaḥ sa yo haivaṃ vidvānagnihotraṃ juhotyetāṃ haiva prajātim prajāyate yāmeta etatprājāyantaitāṃ vijitaṃ vijayate yāmeta etadvyajayantaitairu haiva saloko bhavati ya evaṃ vidvānagnihotraṃ juhoti tasmādvā agnihotraṃ hotavyam

Diese Götter, nachdem sie geopfert hatten, pflanzten sich mit dieser Nachkommenschaft fort, die ihre Nachkommenschaft ist; sie gewannen diese Errungenschaft, die ihre Errungenschaft ist: diese Welt (die Erde) gewann Agni, den Luftraum Vāyu, den Himmel eben Sūrya. Wer nun so wissend das Agnihotra darbringt, der pflanzt sich eben mit derselben Nachkommenschaft fort, mit der sich diese Götter fortpflanzten, und gewinnt denselben Sieg, den diese Götter gewannen, und gelangt mit ihnen in dieselbe Welt (Saloka). Deshalb muss das Agnihotra dargebracht werden.

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