Er vollzieht [das Opfer] mit dem Āditya-Caru (Brei-Opfer), dem Udayanīya (dem „Aufsteigenden“, dem Abschlussopfer). Was den Grund betrifft, dass es ein Āditya-Caru ist: Weil die Götter zu ihr (Aditi) Folgendes sprachen [Anm.: das Bezugswort von „enām“ ist nicht ganz eindeutig, vermutlich Aditi]: „Dir gehört sowohl das Prāyaṇīya als auch das Udayanīya“ – eben dies macht er zu ihrem Anteil an beiden [Opfern].
sa yadamutra rājānaṃ kreṣyannupapraiṣyanyajate | tasmāttatprāyaṇīyaṃ nāmātha yadatrāvabhṛthādudetya yajate tasmādetadudayanīyaṃ nāma tadvā etatsamānameva haviradityā eva prāyaṇīyamadityā udayanīyamiyaṃ hyevāditiḥ
Da er, wenn er sich anschickt, dorthin zum König [Soma] zu gehen, um ihn zu erwerben, opfert, deshalb heißt jenes Opfer Prāyaṇīya (das dem Aufbruch Vorausgehende). Und da er, nachdem er vom Avabhṛtha zurückgekehrt ist, [hier] opfert, deshalb heißt dieses Udayanīya (das Wiederkehrende). Dies ist ja ein und dieselbe Opfergabe: das Prāyaṇīya gehört der Aditi, das Udayanīya gehört der Aditi – denn diese [Erde] ist ja eben Aditi.
sa vai pathyāmevāgre svastiṃ yajati | taddevā aprajñāyamāne vācaiva pratyapadyanta vācā hi mugdham prajñāyate 'thātra prajñāte yathāpūrvaṃ karoti
Er opfert zuerst der Pathyā Svasti (dem „Wohlergehen auf dem Weg“). Als [der rechte Weg] noch nicht erkannt war, gelangten die Götter eben mittels der Rede (Vāc) dorthin – denn durch die Rede wird das Unklare erkannt; ist es dann hier erkannt, verfährt er wie zuvor [gewohnt].
Er opfert zuerst dem Agni, dann dem Soma, dann dem Savitṛ, dann der Pathyā Svasti, dann der Aditi. Die Pathyā Svasti ist nämlich die Rede (Vāc), und diese [Erde] ist Aditi; eben in ihr setzten die Götter die Rede fest; diese Rede, in ihr festgesetzt, spricht.
atha maitrāvaruṇīṃ vaśāmanūbandhyāmālabhate | sa eṣo 'nya eva yajñastāyate paśubandha eva samiṣṭayajūṃṣi hyevānto yajñasya
Dann berührt (opfert) er die dem Mitra-Varuṇa geweihte, unfruchtbare Kuh (vaśā), die anzubinden ist. Dies ist nun ein eigenständiges, gesondertes Opfer, das sich [hier] fortsetzt – eben ein Tieropfer (paśubandha); die Samiṣṭayajus (Sammelopfer-Sprüche) bilden ja erst den [eigentlichen] Abschluss des Opfers.
Was den Grund betrifft, dass es eine dem Mitra-Varuṇa geweihte Vaśā-Kuh ist: Was auch immer dem Opfernden [an seinem Opfer] wohlgeraten (sviṣṭa) ist, das ergreift für ihn Mitra; was ihm missraten (duriṣṭa) ist, das ergreift für ihn Varuṇa.
Dazu sagt man: „Wohin ist das Unheil gelangt?“ [Anm.: „jana“ hier von unsicherer Bedeutung, möglicherweise fehlerhaft überliefert]. Was auch immer Mitra hierbei an Wohlgeratenem für ihn ergreift, das gibt er ihm, durch diese Kuh besänftigt, zurück; und was Varuṇa an Missratenem für ihn ergreift, das macht er ihm, durch diese Kuh besänftigt, ebenfalls zum Wohlgeratenen und gibt es ihm zurück. So wird dies ihm zu seinem ureigenen Opfer, seinem ureigenen guten Werk (sukṛta).
Was ferner den Grund betrifft, dass es eine dem Mitra-Varuṇa geweihte Vaśā-Kuh ist: Dort, wo die Götter den vergossenen Samen [wieder] zeugungsfähig machten, [dazu gehört] das Āgnimāruta genannte Ukthya (Lobgesangs-Formel); darin wird erklärt, wie die Götter jenen Samen zeugungsfähig machten: Daraus entstanden Kohlen (aṅgāra), aus den Kohlen die Aṅgiras, und diesen folgten die übrigen Tiere (paśu).
atha yadāsāḥ pāṃsavaḥ paryaśiṣyanta | tato gardabhaḥ samabhavattasmādyatra pāṃsulam bhavati gardabhasthānamiva batetyāhuratha yadā na kaścana rasaḥ paryaśiṣyata tata eṣā maitrāvaruṇī vaśā samabhavattasmādeṣā na prajāyate rasāddhi retaḥ sambhavati retasaḥ paśavastadyadantataḥ samabhavattasmādantaṃ yajñasyānuvartate tasmādvā eṣātra maitrāvaruṇī vaśāvakLptatamā bhavati yadi vaśāṃ na vindedapyukṣavaśa eva syāt
Und als von diesem [Samen] der Staub (pāṃsu) übrigblieb, daraus entstand der Esel (gardabha); deshalb sagt man, wo es staubig ist: „Das ist ja wie eine Eselsstätte, fürwahr“. Und als dann kein Saft (rasa) mehr übrigblieb, daraus entstand diese dem Mitra-Varuṇa geweihte Vaśā-Kuh; deshalb gebiert sie nicht (ist unfruchtbar) – denn aus dem Saft entsteht der Same, aus dem Samen die Tiere; da sie als Letztes entstand, deshalb tritt sie [im Ritual] am Ende des Opfers auf. Deshalb ist eben diese dem Mitra-Varuṇa geweihte Vaśā-Kuh hierbei die am ehesten geeignete [Opfergabe]; fände er keine unfruchtbare Kuh, so sollte es auch eine gewöhnliche Kuh sein [Anm.: „ukṣavaśā“ unsicherer Begriff, wörtl. etwa „Stier-Kuh“, wohl eine andersartige Ersatzkuh].
athetaraṃ viśve devā amarīmṛtsyanta | tato vaiśvadevī samabhavadatha bārhaspatyā so 'nto 'nto hi bṛhaspatiḥ
Und das Übrige leckten die Viśve Devāḥ (Alle-Götter) auf; daraus entstand die Vaiśvadevī-Kuh und die Bārhaspatya-Kuh – denn Bṛhaspati ist ja das Ende, das Ende [von allem].
Wer tausend [Kühe] oder mehr [als Dakṣiṇā] gibt, der sollte alle diese drei Kühe darbringen; alles ist ja demjenigen erlangt, alles gewonnen, der tausend oder mehr gibt; alle diese [Kühe opfert er] ebenso wie zuvor der Reihe nach: zuerst eben die Maitrāvaruṇī, dann die Vaiśvadevī, dann die Bārhaspatya.
atho ye dīrghasattramāsīran | saṃvatsaraṃ vā bhūyo vā ta enāḥ sarvā ālabherantsarvaṃ vai teṣāmāptam bhavati sarvaṃ jitaṃ ye dīrghasattramāsate saṃvatsaraṃ vā bhūyo vā sarvametā evameva yathāpūrvam
Und diejenigen, die eine lange Opfersitzung (dīrghasattra) durchführen – ein Jahr oder länger – die sollten alle diese drei Kühe darbringen; alles ist ja denjenigen erlangt, alles gewonnen, die eine lange Opfersitzung durchführen, ein Jahr oder länger; alle diese [Kühe opfern sie] ebenso wie zuvor der Reihe nach.
athodavasānīyayeṣṭyā yajate | sa āgneyam pañcakapālam puroḍāśaṃ nirvapati tasya pañcapadāḥ paṅktayo yājyānuvākyā bhavanti yātayāmeva vā etadījānasya yajño bhavati so 'smātparāṅiva bhavatyagnirvai sarve yajñā agnau hi sarvānyajñāṃstanvate ye ca pākayajñā ye cetare tadyajñamevaitatpunarārabhate tathāsyāyātayāmā yajño bhavati tatho asmānna parāṅ bhavati
Dann opfert er mit dem Udavasānīya-Opfer (dem Schluss- oder Abbruch-Opfer). Er bereitet einen dem Agni geweihten, auf fünf Scherben [gebackenen] Puroḍāśa; dessen Yājyā- und Anuvākyā-Sprüche haben das Paṅkti-Versmaß mit je fünf Versfüßen. Für den Opfernden ist das Opfer [ohne dieses Schlussopfer] gleichsam verbraucht (yātayāma); es entfernt sich gleichsam von ihm – denn Agni ist ja alle Opfer, in Agni werden ja alle Opfer vollzogen, sowohl die Pāka-Opfer (die einfachen Speiseopfer) als auch die übrigen; damit nimmt er eben das Opfer von neuem auf; so wird sein Opfer nicht-verbraucht (ayātayāma), und so entfernt es sich nicht von ihm.
Was den Grund betrifft, dass es ein auf fünf Scherben [gebackener] Puroḍāśa ist, und dass die Yājyā- und Anuvākyā-Sprüche das Paṅkti-Versmaß mit fünf Versfüßen haben: Das Opfer ist ja [seinem Wesen nach] paṅkti-artig (fünfteilig); damit nimmt er eben das Opfer von neuem auf; so wird sein Opfer nicht-verbraucht, und so entfernt es sich nicht von ihm.
tasya hiraṇyaṃ dakṣiṇā | āgneyo vā eṣa yajño bhavatyagne reto hiraṇyaṃ tasmāddhiraṇyaṃ dakṣiṇānaḍvānvā sa hi vahenāgneyo 'gnidagdhamiva hyasya vaham bhavati
Dessen Dakṣiṇā (Priestergabe) ist Gold. Dies ist ja ein dem Agni geweihtes Opfer, und Gold ist der Same Agnis; deshalb ist die Dakṣiṇā Gold. Oder auch ein Zugochse (anaḍvāh) – denn dieser gehört durch das Ziehen (vaha) dem Agni; wie von Agni verbrannt ist gleichsam sein Zuggeschirr.
Und nachdem er die vierfach genommene Ghee-Portion genommen hat, opfert er mit einem Vaiṣṇava-Vers: „Weit, o Viṣṇu, schreite aus, schaffe uns weiten Wohnraum; trink das Ghee, o im Ghee Heimischer; fördere, fördere den Opferherrn – Svāhā!“ Viṣṇu ist ja das Opfer; damit nimmt er eben das Opfer von neuem auf; so wird sein Opfer nicht-verbraucht, und so entfernt es sich nicht von ihm. Was er dabei [an Dakṣiṇā] vermag, das soll er geben – denn man sagt: „Die Opfergabe soll nicht ohne Priestergabe sein.“ Und sobald dieses Udavasānīya-Opfer vollendet ist, opfert er die Abendopferung; die Zeit selbst [entscheidet dann wieder] über die Morgenopferung.
vaśāmālabhate | tāmālabhya saṃjñapayanti saṃjñapyāha vapāmutkhidetyutkhidya vapāmanumarśaṃ garbhameṣṭavai brūyātsa yadi na vindanti kimādriyeranyadyu vindanti tatra prāyaścittiḥ kriyate
Er berührt (opfert) die Vaśā-Kuh. Nachdem sie sie berührt haben, betäuben sie sie [zur Tötung]; nach der Betäubung spricht er: „Schneidet das Bauchfell heraus!“ Nachdem sie es herausgeschnitten haben, sollte man, während man das Bauchfell abtastet, sagen: „Man soll nach einem Embryo (garbha) suchen.“ Finden sie keinen, worum sollten sie sich dann noch kümmern? Finden sie aber einen, so wird dafür eine Sühnehandlung (prāyaścitti) vollzogen.
na vai tadavakalpate | yadekām manyamānā ekayevaitayā careyuryaddve manyamānā dvābhyāmiva careyu sthālīṃ caivoṣṇīṣaṃ copakalpayitavai brūyāt
Das schickt sich nämlich nicht: dass sie, in der Annahme, es sei nur ein einziges Wesen, nur mit diesem einen umgingen, obwohl sie, in der Annahme, es seien zwei, gleichsam mit zweien umgehen [sollten]. Man sollte sagen: „Ein zusätzlicher Topf und ein Kopftuch (uṣṇīṣa) sind bereitzustellen.“
atha vapayā caranti | yathaiva tasyai caraṇaṃ vapayā caritvādhvaryuśca yajamānaśca punaretaḥ sa āhādhvaryurnirūhaitaṃ garbhamiti taṃ ha nodarato nirūhedārtāyā vai mṛtāyā udarato nirūhanti yadā vai garbhaḥ samṛddho bhavati prajananena vai sa tarhi pratyaṅṅaiti tamapi virujya śroṇī pratyañcaṃ nirūhitavai brūyāt
Dann verfahren sie mit dem Bauchfell [wie üblich]: So wie eben das übliche Vorgehen mit dem Bauchfell ist, so verfahren der Adhvaryu und der Opferherr damit wiederum. Der Adhvaryu spricht: „Ziehe diesen Embryo heraus!“ Man sollte ihn aber nicht aus dem Bauch herausziehen – denn bei einer Kuh, die leidend gestorben ist, zieht man ihn aus dem Bauch heraus; wenn aber der Embryo ausgereift (samṛddha) ist, dann kommt er durch den Geburtskanal (prajanana) rückwärts [heraus]; man sollte sagen: „Man soll auch ihn, nachdem man die Hüften geöffnet hat, rückwärts durch die Hüfte herausziehen.“
Während er herausgezogen wird, bespricht er ihn: „Es rege sich der zehnmonatige Embryo samt der Nachgeburt (jarāyu)!“ Wenn er „es rege sich“ sagt, so legt er ihm damit eben den Atem (prāṇa) hinein. [Wenn er] „zehnmonatig“ [sagt] – wenn nämlich der Embryo ausgereift ist, dann ist er zehnmonatig; damit macht er diesen, obwohl er nicht zehnmonatig ist, durch die brahmanische Kraft des Yajus eben zu einem zehnmonatigen.
„Samt der Nachgeburt“ – so wie ein zehnmonatiger Embryo mit der Nachgeburt zusammen herauskäme, ebenso sagt er dies. „So wie sich dieser Wind regt, so wie sich das Meer regt“ (spricht er) – damit legt er ihm eben den Atem hinein. „Ebenso ist dieser zehnmonatige Embryo samt der Nachgeburt herabgeglitten“ (spricht er) – so wie ein zehnmonatiger Embryo samt der Nachgeburt herabgleiten würde, ebenso sagt er dies.
Dazu sagt man: „Wie soll man mit diesem Embryo verfahren?“ Man könnte von ihm, Glied für Glied, Stücke abschneiden, so wie das Abschneiden bei den übrigen Opferanteilen üblich ist – so sollte man aber nicht verfahren, denn er hat ja unversehrte Glieder. Vielmehr sollten sie, nachdem sie ihn unterhalb des Halses zusammengelegt haben, in diesem Topf das Fett (medha) von ihm abtropfen lassen; von all seinen Gliedern tropft ja dieses Fett ab; damit ist gleichsam von all seinen Gliedern ein Anteil genommen. Sie schneiden dann die Anteile der Vaśā-Kuh ab, genau wie deren übliche Anteilnahme.
Diese Anteile kochen sie im Paśuśrapaṇa (dem Kochtopf für das Opfertier). Eben dieses Fett kochen sie; nachdem er den Embryo mit dem Kopftuch umwickelt hat, legt er ihn seitlich an das Paśuśrapaṇa. Wenn es gekocht ist, opfert er die aufgehobenen Anteile zusammen dazu. Dieses Fett lassen sie zunächst nicht abtragen [wie sonst das gekochte Opfertier abgetragen wird] – eben dieses Fett selbst lassen sie erst später abtragen.
Ihn (den Embryo) tragen sie hinter der Cātvāla-Grube vorbei, zwischen dem Opferpfahl (yūpa) und dem Feuer hindurch. Nachdem er ihn südlich niedergelegt hat, schneidet der Pratiprasthātṛ ein Stück ab; dann breitet er Gras unter die beiden Opferlöffel; dann spricht er den Anuvākyā-Spruch für die Manotā-Opfergabe; danach schneiden sie weitere Anteile ab, genau wie deren übliche Anteilnahme bei der Vaśā-Kuh.
Dann gibt es einen „Pracaraṇī“ genannten Opferlöffel. In diesem breitet der Pratiprasthātṛ Gras für das Fett unter; er schneidet zweimal ab, begießt einmal mit Ghee, bestreicht die Schnittstellen; dann spricht er den Anuvākyā-Spruch; nachdem er den Ruf gegeben hat, spricht er: „Opfere!“ Beim Vaṣaṭ-Ruf opfert der Adhvaryu; nach dem Opfer des Adhvaryu opfert der Pratiprasthātṛ.
„Für die, deren Embryo opferwürdig ist“ (spricht er) – Embryonen sind ja an sich nicht opferwürdig; damit macht er ihn eben durch die brahmanische Kraft des Yajus opferwürdig. „Deren Mutterschoß aus Gold ist“ (spricht er) – man zerreißt ja dort beim Herausziehen ihren Mutterschoß, da man den Embryo gewaltsam herauszieht; das Unvergängliche, die Lebenskraft, das Gold – eben dies macht er zu ihrem unvergänglichen Mutterschoß. „Mit unversehrten Gliedern habe ich ihn mit der Mutter wieder vereint – Svāhā!“ (spricht er) – falls es ein Männliches wäre; wäre es ein Weibliches: „Mit unversehrten Gliedern habe ich sie mit der Mutter wieder vereint – Svāhā!“ Ist das Geschlecht des Embryos nicht erkennbar, so sollte er es als männlich behandeln und entsprechend opfern – denn Embryonen gelten grundsätzlich als männlich: „Mit unversehrten Gliedern habe ich ihn mit der Mutter wieder vereint – Svāhā!“ (spricht er) – man macht ihn ja dort beim Herausziehen von der Mutter getrennt, da man ihn gewaltsam herauszieht; eben diesen vereint er durch die brahmanische Kraft des Yajus, indem er ihn zur Mitte des Opfers hin zur Vollendung bringt, wieder mit der Mutter.
Dann verfährt der Adhvaryu mit dem Anteil für Vanaspati (den „Herrn des Waldes“, d.h. den Opferpfahl). Nachdem er damit verfahren ist, sammelt er die mittels des Löffels Upabhṛt genommenen Anteile ein und spricht: „Sag an für Agni Sviṣṭakṛt!“ Dabei überholt er den Pratiprasthātṛ; dieser nimmt nun das gesamte Fett; danach begießt er es oben zweimal mit Ghee; nachdem er den Ruf gegeben hat, spricht er: „Opfere!“ Beim Vaṣaṭ-Ruf opfert der Adhvaryu; nach dem Opfer des Adhvaryu opfert der Pratiprasthātṛ.
„Vielwirkend, vielgestaltig, ein Soma-Tropfen“ (spricht er) – „vielgebend“ meint er damit, wenn er „vielwirkend“ (purudasma) sagt; „vielgestaltig“ (viṣurūpa) [sagt er], denn Embryonen sind ja gleichsam vielgestaltig. „Der Soma-Tropfen (indu) hat drinnen die Macht gesalbt, der Weise“ (spricht er) – denn eben dieser ist innen, im Innern der Mutter, verbunden. „Die Einfüßige, Zweifüßige, Dreifüßige, Vierfüßige, Achtfüßige soll sich über die Welten hin ausbreiten – Svāhā!“ (spricht er) – damit breitet er eben diese aus; dadurch gewinnt er weit mehr, wenn er mit der 'Achtfüßigen' geopfert hat, als ohne sie [Anm.: die genaue Bedeutung der Fuß-Zahlen-Reihe (ekapadī...aṣṭāpadī) ist unsicher, möglicherweise Versmaß- oder Weltenklassen-Symbolik].
tadāhuḥ | kvaitaṃ garbhaṃ kuryāditi vṛkṣa evainamuddadhyurantarikṣāyatanā vai garbhā antarikṣamivaitadyadvṛkṣastadenaṃ sva evāyatane pratiṣṭhāpayati tadu vā āhurya enaṃ tatrānuvyāharedvṛkṣa enam mṛtamuddhāsyantīti tathā haiva syāt
Dazu sagt man: „Wohin soll man diesen Embryo tun?“ In einen Baum sollte man ihn hineinlegen – Embryonen haben ja den Luftraum (antarikṣa) zur Wohnstätte, und der Baum ist gleichsam wie der Luftraum; damit setzt er ihn in seine eigene Wohnstätte. Man sagt dazu ferner: Würde man dort aussprechen: „Sie werden ihn, den Toten, aus dem Baum wieder herausholen“, so würde es auch tatsächlich so geschehen [Anm.: unklar, ob dies eine Warnung vor unbedachtem Aussprechen oder eine allgemeine Feststellung ist].
apa evainamabhyavahareyuḥ | āpo vā asya sarvasya pratiṣṭhā tadenamapsveva pratiṣṭhāpayati tadu vā āhurya enaṃ tatrānuvyāharedapsveva mariṣyatīti tathā haiva syāt
Man sollte ihn auch ins Wasser tragen – die Wasser sind ja der feste Grund (pratiṣṭhā) von allem; damit setzt er ihn eben ins Wasser als seinen festen Grund. Man sagt dazu ferner: Würde man dort aussprechen: „Er wird im Wasser sterben“, so würde es auch tatsächlich so geschehen.
In einen Maulwurfshügel (ākhūtkara) sollte man ihn einbetten – diese Erde ist ja der feste Grund von allem; damit setzt er ihn eben in diese als seinen festen Grund. Man sagt dazu ferner: Würde man dort aussprechen: „Sie werden ihm, dem bald Verstorbenen, eine Grabstätte bereiten“, so würde es auch tatsächlich so geschehen.
paśuśrapaṇa evainam marudbhyo juhuyāt | ahutādo vai devānām maruto viḍahutamivaitadyadaśṛto garbha āhavanīyādvā eṣa āhṛto bhavati paśuśrapaṇastathāha na bahirdhā yajñādbhavati na pratyakṣamivāhavanīye devānāṃ vai marutastadenam marutsveva pratiṣṭhāpayati
Im Paśuśrapaṇa (Kochtopf) selbst sollte man ihn den Maruts opfern – die Maruts sind ja unter den Göttern diejenigen, die auch Ungekochtes verzehren; gleichsam wie ein für das Volk bestimmtes Opfer (viḍahuta) ist es, wenn der Embryo ungekocht bleibt; vom Āhavanīya-Feuer her ist ja dieses Paśuśrapaṇa entnommen; so gerät es nicht außerhalb des Opfers, bleibt gleichsam sichtbar am Āhavanīya; die Maruts gehören ja zu den Göttern; damit setzt er ihn eben bei den Maruts als seinem festen Grund ein.
sa hutvaiva samiṣṭayajūṃṣi | prathamāvaśānteṣvaṅgāreṣvetaṃ soṣṇīṣaṃ garbhamādatte taṃ prāṅ tiṣṭhañjuhoti mārutyarcā maruto yasya hi kṣaye pāthā divo vimahasaḥ sa sugopātamo jana iti na svāhākarotyahutādo vai devānām maruto viḍahutamivaitadyadasvāhākṛtaṃ devānāṃ vai marutastadenam marutsveva pratiṣṭhāpayati
Nachdem er die Samiṣṭayajus geopfert hat, nimmt er, wenn die ersten Kohlen erloschen sind, diesen Embryo samt dem Kopftuch; während er nach Osten gewandt steht, opfert er ihn mit einem Maruts-Vers: „O Maruts, in wessen Behausung ihr aus dem gewaltigen Himmel Schutz findet, das ist ein trefflich behüteter Mensch“ (spricht er); er spricht dabei kein 'Svāhā' – die Maruts sind ja unter den Göttern diejenigen, die auch Ungeopfertes verzehren; gleichsam wie ein für das Volk bestimmtes Opfer ist es, wenn ohne Svāhā geopfert wird; die Maruts gehören ja zu den Göttern; damit setzt er ihn eben bei den Maruts als seinem festen Grund ein.
athāṅgārairabhisamūhati | mahī dyauḥ pṛthivī ca na imaṃ yajñam mimikṣatām pipṛtāṃ no bharīmabhiriti
Dann bedeckt er ihn mit Kohlen: „Der große Himmel und die Erde mögen dieses Opfer für uns fest zusammenfügen; mögen sie uns mit reichlicher Fülle beschenken“ (spricht er) [Anm.: „bharīmabhiḥ“ unsichere Wortform/Bedeutung].
indro ha vai ṣoḍaśī | taṃ nu sakṛdindram bhūtānyatyaricyanta prajā vai bhūtāni tā hainena sadṛgbhavamivāsuḥ
Indra ist ja der Ṣoḍaśī (der „Sechzehnte“, ein Soma-Preßtrunk-Anteil). Ihn übertrafen einst die Geschöpfe (bhūta) um eins – die Geschöpfe sind ja die Nachkommenschaft; diese waren ihm gleichsam ebenbürtig geworden.
indro ha vā īkṣāṃ cakre | kathaṃ nvahamidaṃ sarvamatitiṣṭheyamarvāgeva madidaṃ sarvaṃ syāditi sa etaṃ grahamapaśyattamagṛhṇīta sa idaṃ sarvamevātyatiṣṭhadarvāgevāsmādidaṃ sarvamabhavatsarvaṃ ha vā idamatitiṣṭhatyarvāgevāsmādidaṃ sarvam bhavati yasyaivaṃ viduṣa etaṃ grahaṃ gṛhṇanti
Indra überlegte: „Wie könnte ich all dies übertreffen, so dass dies alles unterhalb von mir bliebe?“ Da erblickte er diesen Graha (Preßtrunk-Anteil); ihn ergriff er. Da überragte er all dies wirklich, und all dies blieb unterhalb von ihm. Alles dies überragt nämlich, wer diesen Graha ergreift, wenn er so weiß, und all dies bleibt unterhalb von ihm.
tasmādetadṛṣiṇābhyānūktam | na te mahitvamanubhūdadha dyauryadanyayā sphigyā kṣāmavasthā iti na ha vā asyāsau dyauranyatarāṃ cana sphicīmanubabhūva tathedaṃ sarvamevātyatiṣṭhadarvāgevāsmādidaṃ sarvamabhavatsarvaṃ ha vā idamatitiṣṭhatyarvāgevāsmādidaṃ sarvam bhavati yasyaivaṃ viduṣa etaṃ grahaṃ gṛhṇanti
Deshalb ist dies von einem Ṛṣi (Seher) besungen worden: „Nicht kam dir, deiner Größe, selbst der Himmel gleich, als du mit nur einer Hüfte auf der Erde standest“ [Anm.: Konstruktion und genauer Sinn des Verses unsicher, wohl ein Bild für Indras gewaltige Ausdehnung]. Jener Himmel hat ja auch nicht eine seiner beiden Hüften erreicht. Ebenso überragte er all dies wirklich, und all dies blieb unterhalb von ihm. Alles dies überragt nämlich, wer diesen Graha ergreift, wenn er so weiß, und all dies bleibt unterhalb von ihm.
Diesen Graha ergreift er mit einem Hari-Vers (einem Vers, der das Wort 'hari', die falben [Rosse Indras], enthält); mit Hari-Versen lobsingt man, mit Hari-Versen rezitiert man dazu. 'Hara' (Raub, Beute) ist ja die Manneskraft (vīrya) [Anm.: Wortspiel hari/hara]; Indra entriss den Asuras, seinen Rivalen, einst ihre Manneskraft; ebenso entreißt der Opfernde eben diese Manneskraft-als-Beute seinen Rivalen; deshalb ergreift er ihn mit einem Hari-Vers, singt mit Hari-Versen, rezitiert mit Hari-Versen dazu.
Diesen Graha ergreift er auch mit dem Anuṣṭubh-Versmaß. Die Morgenpressung gehört dem Gāyatrī, die Mittagspressung dem Triṣṭubh, die dritte Pressung dem Jagatī; das Anuṣṭubh aber ist überzählig; damit eben löst er ihn aus dem regulären Zyklus; deshalb ergreift er ihn mit dem Anuṣṭubh.
taṃ vai catuḥsraktinā pātreṇa gṛhṇāti | trayo vā ime lokāstadimāneva lokāṃstisṛbhiḥ sraktibhirāpnotyatyevainaṃ caturthyā sraktyā recayati tasmāccatuḥsraktinā pātreṇa gṛhṇāti
Diesen Graha ergreift er mit einem viereckigen (catuḥsrakti) Gefäß. Drei sind ja diese Welten; mit drei Ecken erlangt er eben diese Welten; mit der vierten Ecke aber übertrifft/entlässt er ihn darüber hinaus; deshalb ergreift er ihn mit dem viereckigen Gefäß.
taṃ vai prātaḥsavane gṛhṇīyāt | āgrayaṇaṃ gṛhītvā sa prātaḥsavane gṛhīta etasmātkālādupaśete tadenaṃ sarvāṇi savanānyatirecayati
Man sollte diesen Graha bei der Morgenpressung ergreifen: Nachdem man den Āgrayaṇa (den Erstlings-Graha) ergriffen hat, wird er (der Ṣoḍaśī) bei der Morgenpressung ergriffen; von dieser Zeit an ruht man [Anm.: „upaśete“ unklar, evtl. Bezug auf eine rituelle Pause]; damit übertrifft er mit diesem Graha alle drei Pressungen.
mādhyandine vainaṃ savane gṛhṇīyāt | āgrayaṇaṃ gṛhītvā so eṣā mīmāṃsaiva prātaḥsavana evainaṃ gṛhṇīyādāgrayaṇaṃ gṛhītvā sa prātaḥsavane gṛhīta aitasmātkālādupaśete
Oder man sollte ihn bei der Mittagspressung ergreifen, nachdem man den Āgrayaṇa ergriffen hat. Dies ist eine reine Streitfrage (mīmāṃsā) unter den Ritualisten: Man sollte ihn eben bei der Morgenpressung ergreifen, nachdem man den Āgrayaṇa ergriffen hat; dann wird er bei der Morgenpressung ergriffen, und von dieser Zeit an ruht man.
athāto gṛhṇātyeva | ātiṣṭha vṛtrahanratha yuktā te brahmaṇā harī arvācīnaṃ su te mano grāvā kṛṇotu vagnunā upayāmagṛhīto 'sīndrāya tvā ṣoḍaśina eṣa te yonirindrāya tvā ṣoḍaśina iti
Nun aber ergreift er ihn mit folgendem Spruch: „Besteige den Wagen, o Vṛtratöter, angeschirrt sind dir durch die brahmanische Kraft die beiden Falben (hari); herwärts gewandt möge dir der Preßstein mit seinem Getöse den Sinn lenken. Zum Upayāma bist du ergriffen; für Indra ergreife ich dich, den Ṣoḍaśī; dies ist dein Ursprungsort; für Indra ergreife ich dich, den Ṣoḍaśī“ (spricht er).
anayā vā | yukṣvā hi keśinā harī vṛṣaṇā kakṣyaprā athā na indra somapā girāmupaśrutiṃ cara upayāmagṛhīto 'sīndrāya tvā ṣoḍaśina eṣa te yonirindrāya tvā ṣoḍaśina iti
Oder mit diesem Vers: „Schirre doch die beiden mähnigen, stiergleichen, gurtausfüllenden Falben an; dann wandle, o Indra, Somatrinker, zum Erhören unserer Lobreden. Zum Upayāma bist du ergriffen; für Indra ergreife ich dich, den Ṣoḍaśī; dies ist dein Ursprungsort; für Indra ergreife ich dich, den Ṣoḍaśī“ (spricht er).
Dann geht er hin und leitet den Lobgesang (stotra) ein: „Der Soma hat sich als überzählig erwiesen, kehrt um!“ (spricht er) – damit löst er eben diesen Graha als überzähligen. Diesen leitet er nämlich vor Sonnenuntergang ein, rezitiert aber erst nach Sonnenuntergang dazu; damit verbindet er ihn mit Tag und Nacht; deshalb leitet er vor Sonnenuntergang ein und rezitiert nach Sonnenuntergang.
sarve ha vai devāḥ | agre sadṛśā āsuḥ sarve puṇyāsteṣāṃ sarveṣāṃ sadṛśānāṃ sarveṣām puṇyānāṃ trayo 'kāmayantātiṣṭhāvānaḥ syāmetyagnirindraḥ
Alle Götter waren einst einander gleich, alle heilig/verdienstvoll (puṇya). Von ihnen allen, den Gleichen, den Verdienstvollen, wünschten sich drei: „Wir möchten die Überragenden (atiṣṭhāvat) sein!“ – Agni, Indra [Anm.: der dritte Name fehlt im überlieferten Quelltext; nach dem Kontext von Einh.3-5 (Agni/Glanz, Indra/Kraft, Sūrya/Strahlenglanz) ist hier offenbar 'Sūrya' im Quelltext ausgefallen].
te 'rcantaḥ śrāmyantaśceruḥ | ta etānatigrāhyāndadṛśustānatyagṛhṇata tadyadenānatyagṛhṇata tasmādatigrāhyā nāma te 'tiṣṭhāvāno 'bhavanyathaita etadatiṣṭhevātiṣṭheva ha vai bhavati yasyaivaṃ viduṣa etāngrahāngṛhṇanti
Diese gingen umher, lobsingend und sich abmühend. Da erblickten sie diese „Atigrāhya“ genannten Preßtrünke (wörtl. die „zu übertreffenden/hinzuzunehmenden Gefäße“); sie ergriffen sie. Weil sie diese ergriffen, deshalb heißen sie Atigrāhya. So wurden jene zu den Überragenden; ebenso wird, wer diese Grahas ergreift, wenn er so weiß, gleichsam zum Überragenden.
no ha vā idamagre 'gnau varca āsa | yadidamasminvarcaḥ so 'kāmayatedam mayi varcaḥ syāditi sa etaṃ grahamapaśyattamagṛhṇīta tato 'sminnetadvarca āsa
Anfangs war in Agni noch nicht dieser Glanz (varcas), der jetzt in ihm ist. Er wünschte sich: „Möge dieser Glanz in mir sein!“ Da erblickte er diesen Graha; ihn ergriff er. Daraufhin war in ihm dieser Glanz.
no ha vā idamagra indra oja āsa | yadidamasminnojaḥ so 'kāmayatedam mayyojaḥ syāditi sa etaṃ grahamapaśyattamagṛhṇīta tato 'sminnetadoja āsa
Anfangs war in Indra noch nicht diese Kraft (ojas), die jetzt in ihm ist. Er wünschte sich: „Möge diese Kraft in mir sein!“ Da erblickte er diesen Graha; ihn ergriff er. Daraufhin war in ihm diese Kraft.
no ha vā idamagre sūrye bhrāja āsa | yadidamasminbhrājaḥ so 'kāmayatedam mayi bhrājaḥ syāditi sa etaṃ grahamapaśyattamagṛhṇīta tato 'sminnetadbhrāja āsaitāni ha vai tejāṃsyetāni vīryāṇyātmandhatte yasyaivaṃ viduṣa etāngrahān gṛhṇanti
Anfangs war in Sūrya noch nicht dieser Strahlenglanz (bhrājas), der jetzt in ihm ist. Er wünschte sich: „Möge dieser Strahlenglanz in mir sein!“ Da erblickte er diesen Graha; ihn ergriff er. Daraufhin war in ihm dieser Strahlenglanz. Eben diese Glutkräfte (tejas), diese Manneskräfte (vīrya) legt sich in sich hinein, wer diese Grahas ergreift, wenn er so weiß.
Man sollte diese drei Grahas bei der Morgenpressung ergreifen, nachdem man den Āgrayaṇa ergriffen hat – der Āgrayaṇa ist ja das Selbst (ātman); vielfach ist ja dieses Selbst, und je eines dieser drei Grahas ist zusätzlich dazu, wie die Lunge zum Herzen [Anm.: Konstruktion und genauer Sinn dieses Vergleichs (klomahṛdayaṃ tvadyattvat) unsicher].
mādhyandine vaināntsavane gṛhṇīyāt | ukthyaṃ gṛhītvopākariṣyanvā pūtabhṛto 'yaṃ ha vā asyaiṣo 'nirukta ātmā yadukthyaḥ so eṣā mīmāṃsaiva prātaḥsavana evaināngṛhṇīyādāgrayaṇaṃ gṛhītvā
Oder man sollte sie bei der Mittagspressung ergreifen, nachdem man den Ukthya-Graha ergriffen hat, wenn man im Begriff steht, den Lobgesang einzuleiten [Anm.: „pūtabhṛtaḥ“, Sinn unsicher]. Dies ist nämlich sein unausgesprochenes Selbst, nämlich das, was der Ukthya-Graha ist. Dies ist jedoch nur eine Streitfrage (mīmāṃsā) unter den Ritualisten: Man sollte sie eben bei der Morgenpressung ergreifen, nachdem man den Āgrayaṇa ergriffen hat.
Diese werden im Anschluss an das Opfer des Māhendra-Grahas geopfert. Dies ist ja der Indra allein zugehörige (niṣkevalya) Graha, nämlich der Māhendra; auch dessen Lobgesang ist eben ein Niṣkevalya-Lobgesang, sein Śastra ein Niṣkevalya-Śastra. Indra ist ja der Opferherr; für den Wunsch des Opferherrn werden diese drei Grahas ergriffen; deshalb werden sie im Anschluss an das Opfer des Māhendra-Grahas geopfert.
Nun aber ergreift er den ersten Graha mit folgendem Spruch: „Läutere dich, o Agni, du Wohlwirkender, uns Glanz und gute Manneskraft verleihend, Reichtum, mir Gedeihen gewährend. Zum Upayāma bist du ergriffen; für Agni ergreife ich dich, den Glanz-Graha; dies ist dein Ursprungsort; für Agni ergreife ich dich, den Glanz-Graha“ (spricht er).
uttiṣṭhannojasā | saha pītvī śipre avepayaḥ somamindra camūsutam upayāmagṛhīto 'sīndrāya tvaujasa eṣa te yonirindrāya tvaujase
„Dich erhebend mit Kraft, hast du, o Indra, mit deinen beiden Kinnbacken zitternd den in der Camū-Schale gepressten Soma zusammen getrunken. Zum Upayāma bist du ergriffen; für Indra ergreife ich dich, den Kraft-Graha; dies ist dein Ursprungsort; für Indra ergreife ich dich, den Kraft-Graha“ (spricht er).
adṛśramasya ketavaḥ | vi raśmayo janāṃ anu bhrājanto agnayo yathā upayāmagṛhīto 'si sūryāya tvā bhrājāyaiṣa te yoniḥ sūryāya tvā bhrājāyeti
„Sichtbar geworden sind seine Erscheinungszeichen, seine Strahlen, über die Menschen hin, leuchtend wie Feuer. Zum Upayāma bist du ergriffen; für Sūrya ergreife ich dich, den Strahlenglanz-Graha; dies ist dein Ursprungsort; für Sūrya ergreife ich dich, den Strahlenglanz-Graha“ (spricht er).
Deren (dieser drei Grahas) Genussformel lautet: „O Agni, Glanzvoller: Du bist glanzvoll unter den Göttern; möge ich glanzvoll sein unter den Menschen. O Indra, Kräftigster: Du bist der Kräftigste unter den Göttern; möge ich der Kräftigste sein unter den Menschen. O Sūrya, Strahlendster: Du bist der Strahlendste unter den Göttern; möge ich der Strahlendste sein unter den Menschen.“ Eben diese Glutkräfte, diese Manneskräfte legt sich in sich hinein, wer diese Grahas ergreift, wenn er so weiß.
Man sollte sie bei dem Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha (dem sechstägigen Rücken-Opfer) wie folgt ergreifen: In den ersten drei Tagen am ersten Tag den Agni-Graha, am zweiten den Indra-Graha, am dritten den Sūrya-Graha; ebenso wiederholt sich dies Tag für Tag.
Manche ergreifen sie hingegen erst in den zweiten drei Tagen. So sollte man aber nicht verfahren; man sollte sie vielmehr eben in den ersten drei Tagen ergreifen. Wollte man sie aber doch in den zweiten drei Tagen ergreifen, so sollte man sie trotzdem zusätzlich in den ersten drei Tagen ergreifen und dann auch in den zweiten drei Tagen ergreifen, ganz genauso wie zuvor. Beim Viśvajit-Opfer, das ganz aus Pṛṣṭha-Sāmans besteht, werden sie dagegen an einem einzigen Tag ergriffen.
eṣa vai prajāpatiḥ | ya eṣa yajñastāyate yasmādimāḥ prajāḥ prajātā etamvevāpyetarhyanu prajāyante
Dies ist ja Prajāpati: dieses Opfer, das sich fortsetzt, von dem diese Geschöpfe einst geboren wurden; eben diesem entsprechend werden sie auch jetzt noch geboren.
Dem Upāṃśu-Gefäß entsprechend werden die Ziegen geboren. Eben dieses wird wiederum im Opfer verwendet; deshalb werden diese Geschöpfe immer wieder von neuem geboren.
Dem Antaryāma-Gefäß entsprechend werden die Schafe geboren. Eben dieses wird wiederum im Opfer verwendet; deshalb werden diese Geschöpfe immer wieder von neuem geboren.
atha yadetayorubhayoḥ | saha satorupāṃśu pūrvaṃ juhoti tasmādu saha sato 'jāvikasyobhayasyaivājāḥ pūrvā yantyanūcyo 'vayaḥ
Und was den Grund betrifft, dass er, obwohl beide Gefäße zusammen bestehen (gleichzeitig sind), zuerst das Upāṃśu-Gefäß opfert: deshalb gehen, obwohl bei Ziegen und Schafen beide Arten zusammen bestehen, die Ziegen voran, und die Schafe folgen ihnen nach.
Und was den Grund betrifft, dass er, nachdem er das Upāṃśu-Gefäß geopfert hat, es nach oben abwischt: deshalb gehen diese Ziegen mit erhobenem Kopf, hurtiger, gleichsam vorwärtsschreitend [Anm.: „arā ḍītarā“ unsichere Wortform/Bedeutung].
Und was den Grund betrifft, dass er, nachdem er das Antaryāma-Gefäß geopfert hat, es nach unten abwischt: deshalb gehen diese Schafe mit gesenktem Kopf, gleichsam den Boden aufwühlend. Diese, die Ziegen und Schafe, sind ja Prajāpati am unmittelbarsten ähnlich (pratyakṣatama); deshalb gebären diese, dreimal im Jahr werfend, je zwei oder drei Junge.
śukrapātramevānu manuṣyāḥ prajāyante | taddvai tatpunaryajñe prayujyate tasmādimāḥ prajāḥ punarabhyāvartam prajāyanta eṣa vai śukro ya eṣa tapatyeṣa u evendraḥ puruṣo vai paśūnāmaindrastasmātpaśūnāmīṣṭe
Dem Śukra-Gefäß entsprechend werden die Menschen geboren. Eben dieses wird wiederum im Opfer verwendet; deshalb werden diese Geschöpfe immer wieder von neuem geboren. Dieser Śukra-Trank ist ja jener, der dort als Sonne glüht, und eben dieser ist Indra; der Mensch ist unter den Tieren der Indra-artige (aindra); deshalb herrscht er über die Tiere.
Dem Ṛtu-Gefäß (dem Jahreszeiten-Gefäß) entsprechend wird das Einhufige (z.B. das Pferd) geboren. Eben dieses wird wiederum im Opfer verwendet; deshalb werden diese Geschöpfe immer wieder von neuem geboren. Gleichsam so ist das Ṛtu-Gefäß geformt, gleichsam so dem Kopf des Einhufigen [ähnlich] [Anm.: unklare Analogie, evtl. Bezug auf die Form des Gefäßes]. Dem Āgrayaṇa-Gefäß, dem Ukthya-Gefäß, dem Āditya-Gefäß entsprechend werden eben die Rinder geboren. Auch diese werden wiederum im Opfer verwendet; deshalb werden diese Geschöpfe immer wieder von neuem geboren.
Und was den Grund betrifft, dass die Ziegen den kleinsten Gefäßen entsprechend geboren werden: deshalb sind diese, die dreimal im Jahr werfen und je zwei oder drei gebären, die kleinsten Tiere – den kleinsten Gefäßen entsprechend werden sie ja geboren.
Und was den Grund betrifft, dass die Rinder den größten Gefäßen entsprechend geboren werden: deshalb sind diese, die nur einmal im Jahr werfen und je ein einziges gebären, die größten Tiere – den größten Gefäßen entsprechend werden sie ja geboren.
atha droṇakalaśe | antato hāriyojanaṃ grahaṃ gṛhṇāti prajāpatirvai droṇakalaśaḥ sa imāḥ prajā upāvartate tā avati tā abhijighratyetadvā enā bhavati yadenāḥ prajanayati
Und im Droṇakalaśa (dem großen Soma-Trog) ergreift er zuletzt den Hāriyojana-Graha. Der Droṇakalaśa ist ja Prajāpati; er kehrt zu diesen Geschöpfen zurück, beschützt sie, beriecht sie liebevoll; eben dies geschieht ihnen, wenn er sie wieder erzeugt.
Fünf sind nun eigentlich jene Gefäße, denen entsprechend diese Geschöpfe geboren werden – wobei Upāṃśu und Antaryāma als eines gezählt werden: das Śukra-Gefäß, das Ṛtu-Gefäß, das Āgrayaṇa-Gefäß, das Ukthya-Gefäß und das Upāṃśu-Antaryāma-Paar als eines. Fünf sind ja die Jahreszeiten des Jahres, das Jahr ist Prajāpati, Prajāpati ist das Opfer. Sind es aber, wie manche sagen, sechs Jahreszeiten des Jahres, so ist eben das Āditya-Gefäß deren sechstes.
ekaṃ ha tveva tatpātram | yadimāḥ prajā anu prajāyanta upāṃśupātrameva prāṇo hyupāṃśuḥ prāṇo hi prajāpatiḥ prajāpatiṃ hyevedaṃ sarvamanu
Eigentlich ist es aber ein einziges Gefäß, dem entsprechend diese Geschöpfe geboren werden: eben das Upāṃśu-Gefäß – denn Upāṃśu ist der Atem (prāṇa), und der Atem ist Prajāpati; alles dies wird ja eben Prajāpati entsprechend geboren.
eṣa vai prajāpatiḥ | ya eṣa yajñastāyate yasmādimāḥ prajāḥ prajātā etamvevāpyetarhyanu prajāyante sa āśvinaṃ grahaṃ gṛhītvāvakāśānavakāśayati
Dies ist ja Prajāpati: dieses Opfer, das sich fortsetzt, von dem diese Geschöpfe einst geboren wurden; eben diesem entsprechend werden sie auch jetzt noch geboren. Er, nachdem er den Āśvina-Graha ergriffen hat, gewährt den Sinnen/Vermögen ihre „Räume“ (avakāśa, d.h. verleiht ihnen Glanz zur Entfaltung).
sa upāṃśumeva prathamamavakāśayati | prāṇāya me varcodā varcase pavasvetyathopāṃśusavanaṃ vyānāya me varcodā varcase pavasvetyathāntaryāmamudānāya me varcodā varcase pavasvetyathaindravāyavaṃ vāce me varcodā varcase pavasvetyatha maitrāvaruṇaṃ kratūdakṣābhyām me varcodā varcase pavasvetyathāśvinaṃ śrotrāya me varcodā varcase pavasvetyatha śukrāmanthinau cakṣurbhyām me varcodasau varcase pavethāmiti
Er gewährt zuerst dem Upāṃśu seinen Raum: „Mir, dem Atem (prāṇa), Glanz verleihend, läutere dich zum Glanz!“ [Anm.: die genaue Zuordnung der folgenden Formeln zu den einzelnen Preßtrünken ist wegen der stark verdichteten Satzkonstruktion (Wechsel von Mantra und knappem 'atha [Name]') nicht in jedem Fall eindeutig, die Reihenfolge selbst ist aber klar] – dann bei der Upāṃśu-Pressung [folgt]: „Mir, dem Ausatem (vyāna), Glanz verleihend, läutere dich zum Glanz!“ – dann für den Antaryāma: „Mir, dem Einatem (udāna), Glanz verleihend, läutere dich zum Glanz!“ – dann für den Aindravāyava: „Mir, der Rede (vāc), Glanz verleihend, läutere dich zum Glanz!“ – dann für den Maitrāvaruṇa: „Mir, Willenskraft und Geschicklichkeit (kratu, dakṣa), Glanz verleihend, läutere dich zum Glanz!“ – dann für den Āśvina: „Mir, dem Gehör (śrotra), Glanz verleihend, läutere dich zum Glanz!“ – dann für Śukra und Manthin gemeinsam: „Mir, den beiden Augen, Glanz verleihend, läutert euch beide zum Glanz!“
athāgrayaṇam | ātmane me varcodā varcase pavasvetyathokthyamojase me varcodā varcase pavasvetyatha dhruvamāyuṣe me varcodā varcase pavasvetyathāmbhṛṇau viśvābhyo me prajābhyo varcodasau varcase pavethāmiti vaiśvadevau vā ambhṛṇāvato hi devebhya unnayantyato manuṣyebhyo 'taḥ pitṛbhyastasmādvaiśvadevāvambhṛṇau
Dann für den Āgrayaṇa: „Mir, dem Selbst (ātman), Glanz verleihend, läutere dich zum Glanz!“ – dann für den Ukthya: „Mir, der Kraft (ojas), Glanz verleihend, läutere dich zum Glanz!“ – dann für den Dhruva: „Mir, der Lebenszeit (āyus), Glanz verleihend, läutere dich zum Glanz!“ – dann für die beiden Ambhṛṇa-Gefäße: „Uns, allen unseren Nachkommen, Glanz verleihend, läutert euch beide zum Glanz!“ Die beiden Ambhṛṇa sind nämlich den Viśve-Devas (Allen-Göttern) zugehörig; von dort heben sie nämlich für die Götter, von dort für die Menschen, von dort für die Väter (Ahnen) Trankopfer empor; deshalb sind die beiden Ambhṛṇa den Viśve-Devas zugehörig.
atha droṇakalaśam | ko 'si katamo 'sīti prajāpatirvai kaḥ kasyāsi ko nāmāsīti prajāpatirvai ko nāma yasya te nāmāmanmahīti manute hyasya nāma yaṃ tvā somenātītṛpāmeti tarpayati hyenaṃ somena sa āśvinaṃ grahaṃ gṛhītvānvaṅgamāśiṣamāśāste suprajāḥ prajābhiḥ syāmiti tatprajāmāśāste suvīro vīrairiti tadvīrānāśāste supoṣaḥ poṣairiti tatpuṣṭimāśāste
Dann spricht er zum Droṇakalaśa: „Wer bist du, welcher bist du?“ – Prajāpati ist ja „Wer“ (ka). „Wessen bist du?“ [ebenso Prajāpati]. „Wie ist dein Name?“ – Prajāpati ist ja der Name „Wer“. „Deinen Namen haben wir uns gemerkt“ (spricht er) – er denkt ja dabei an dessen Namen. „Dich habe ich mit Soma sattgetränkt“ – er sättigt ihn ja mit Soma. Er, nachdem er den Āśvina-Graha ergriffen hat, spricht anschließend einen Segenswunsch aus: „Möge ich reich an Nachkommenschaft sein durch Nachkommen“ – damit wünscht er sich Nachkommenschaft; „Reich an Mannen durch Mannen“ – damit wünscht er sich Mannen (vīra); „Reich an Gedeihen durch Gedeihen“ – damit wünscht er sich Wohlstand (puṣṭi).
Diese Segensformeln sollte man nicht gleichsam an jeden beliebigen gewähren; nur wem sie bekannt ist, dem sollte man sie gewähren, oder wer ihm lieb ist, oder wer sie, selbst darin unterwiesen, durch das Rezitierte erlangen könnte. Er, nachdem er den Āśvina-Graha ergriffen hat, erzeugt das vollständige Opfer; nachdem er das vollständige Opfer erzeugt hat, legt er es sich selbst ins Innere, macht er es sich zu eigen.
tā vā etāḥ | catustriṃśadvyāhṛtayo bhavanti prāyaścittayo nāmaiṣa vai prajāpatirya eṣa yajñastāyate yasmādimāḥ prajāḥ prajātā etamvevāpyetarhyanu prajāyante
Dies sind also die vierunddreißig „Ausrufungen“ (vyāhṛti), die „Sühnungen“ (prāyaścitti) genannt werden. Dies ist ja Prajāpati: dieses Opfer, das sich fortsetzt, von dem diese Geschöpfe einst geboren wurden; eben diesem entsprechend werden sie auch jetzt noch geboren.
aṣṭau vasavaḥ | ekādaśa rudrā dvādaśādityā ime eva dyāvāpṛthivī trayastriṃśyau trayastriṃśadvai devāḥ prajāpatiścatustriṃśastadenam prajāpatiṃ karotyetadvā astyetaddhyamṛtaṃ yaddhyamṛtaṃ taddhyastyetadu tadyanmartyaṃ sa eṣa prajāpatiḥ sarvaṃ vai prajāpatistadenam prajāpatiṃ karoti tasmādetāścatustriṃśadvyāhṛtayo bhavanti prāyaścittayo nāma
Acht sind die Vasus, elf die Rudras, zwölf die Ādityas; eben diese, zusammen mit Himmel und Erde, sind die Dreiunddreißigheit; dreiunddreißig sind ja die Götter, Prajāpati der Vierunddreißigste; damit macht er ihn zu Prajāpati. Dies (die Zahl 33) ist nämlich das Seiende (asti) – denn das ist ja unvergänglich (amṛta); was aber unvergänglich ist, das ist eben das Seiende; und was sterblich ist, das ist eben Prajāpati, der Vierunddreißigste; alles ist ja Prajāpati; damit macht er ihn zu Prajāpati. Deshalb gibt es diese vierunddreißig Vyāhṛtis, die 'Sühnungen' genannt werden.
tā haike | yajñatanva ityācakṣate yajñasya ha tvevaitāni parvāṇi sa eṣa yajñastāyamāna etā eva devatā bhavanneti
Diese nennen manche 'Opferkörperglieder' (yajñatanu); es sind ja eben die Glieder (parvan) des Opfers. Dieses Opfer, während es sich fortsetzt, durchläuft eben diese Gottheiten.
sa yadi gharmadughā hvalet | anyāmupasaṃkrāmeyuḥ sa yasyāmevainaṃ velāyām purā pinvayanti tadvaivaināmudīcīṃ sthāpayedagreṇa vā śālām prācīm
Wenn die Gharma-melkende Kuh strauchelt (versagt), so sollten sie zu einer anderen übergehen. Um welche Zeit sie sie sonst zum Fließen bringen, zu eben dieser Zeit sollte man sie nach Norden aufstellen, oder vor der Halle nach Osten [Anm.: unklare rituelle Anweisung zur Positionierung der Ersatzkuh].
Diese beiden, die dort auf beiden Seiten aufgeschichtet sind, das „Schwanzbündel“ und das „Federknochenhäufchen“ [Anm.: pucakāṇḍa/śikhaṇḍāsthi, unsichere technische Ausdrücke], von diesen beiden opfert man in das rechts gelegene diese vierunddreißig Ghee-Opfergüsse. So groß ist ja das ganze Opfer, wie diese vierunddreißig Vyāhṛtis sind; damit legt er in dieses Häufchen das gesamte, ganze Opfer hinein – denn von hier aus bringt diese Kuh den Gharma zum Fließen; dort wird eben diese Sühnung vollzogen.
atha yadyajñasya hvalet | tatsamanvīkṣya juhuyāddīkṣopasatsvāhavanīye prasuta āgnīdhre vi vā etadyajñasya parva srṃsate yaddhvalati sā yaiva tarhi tatra devatā bhavati tayaivaitadbhiṣajyati tayā saṃdadhāti
Und wenn beim Opfer etwas misslingt: Das sollte man genau betrachten und ein Opfer dazu darbringen – bei der Weihe (dīkṣā) oder den Upasad-Tagen am Āhavanīya-Feuer, nach dem Beginn des Preßrituals am Āgnīdhra-Feuer. Es löst sich ja dann ein Glied (parvan) des Opfers, wenn etwas misslingt; welche Gottheit dann gerade dort zuständig ist, mit eben dieser heilt er dies, mit ihr fügt er es wieder zusammen.
Und falls Soma/Opfersubstanz verschüttet wird: Das sollte man mit Wasser nachbegießen – mit Wasser ist ja dies alles erreicht, zur Durchdringung von allem – mit einem Viṣṇu-Varuṇa-Vers. Was auch immer man da rezitiert, gilt eben Varuṇa, der dies alles zuweist: „Die beiden, durch deren Kraft die Räume gestützt sind, die tapfersten durch Heldenkräfte, die gewaltigsten, die unbezwungen herrschen mit ihren Kräften – Viṣṇu und Varuṇa sind zur ersten Anrufung gekommen“ (spricht er) – Viṣṇu ist ja das Opfer, ihm gilt dies der Rezitation; Varuṇa aber ist der Zuweiser; was man also von dieser Gottheit her rezitiert und wer die Gottheit zuweist, mit diesen beiden heilt er dies, mit beiden fügt er es wieder zusammen.
atho abhyeva mṛśet | devāndivamaganyajñastato mā draviṇamaṣṭu manuṣyānantarikṣamaganyajñastato mā draviṇamaṣṭu pitṝnpṛthivīmaganyajñastato mā draviṇamaṣṭu yaṃ kaṃ ca lokamaganyajñastato me bhadramabhūdityevaitadāha
Und dann sollte er es berühren: „Zu den Göttern, zum Himmel ist das Opfer gegangen; von dort möge mir Reichtum zuteilwerden. Zu den Menschen, zum Luftraum ist das Opfer gegangen; von dort möge mir Reichtum zuteilwerden. Zu den Vätern, zur Erde ist das Opfer gegangen; von dort möge mir Reichtum zuteilwerden. Zu welcher Welt auch immer das Opfer gegangen ist, von dort ist mir Segen zuteilgeworden“ – das eben sagt er damit.
taddha smaitadāruṇirāha | kiṃ sa yajeta yo yajñasya vyṛddhyā pāpīyānmanyeta yajñasya vā ahaṃ vyṛddhyā śreyānbhavāmītyetaddha sma sa tadabhyāha yadetā āśiṣa upagacati
Dazu pflegte Āruṇi (ein bekannter vedischer Lehrer) Folgendes zu sagen: „Wozu sollte der noch opfern, der sich durch ein Missgeschick beim Opfer für schlechter hält? Vielmehr werde ich durch das Missgeschick beim Opfer sogar noch vorzüglicher“ – dies pflegte er stets dazu zu sagen, wenn diese Segenswünsche eintreffen [Anm.: der genaue Bezug des letzten Satzteils ist unsicher].
Wenn man bei diesem Dreitage-Ritus tausend Kühe als Dakṣiṇā gibt: dabei wird diese 'Sāhasrī' (die 'Tausend-Repräsentierende'-Kuh) hergerichtet. Am ersten Tag führt man dreihundertunddreiunddreißig Kühe vor, ebenso am zweiten Tag dreihundertunddreiunddreißig, ebenso am dritten Tag dreihundertunddreiunddreißig; dann bleibt diese Sāhasrī als überzählige übrig.
sā vai trirūpā syādityāhuḥ | etaddhyasyai rūpatamamiveti rohiṇī ha tvevopadhvastā syādetaddhaivāsyai rūpatamamiva
Diese sollte dreifarbig sein, sagt man – denn dies ist gleichsam ihre eigentliche/schönste Gestalt (rūpa). Wäre sie aber eine rötlich-braune, wenn auch makelbehaftete Kuh [Anm.: „upadhvastā“ unsicher], so wäre dies auch schon gleichsam ihre schönste Gestalt.
Sie sollte ohne Nasenseil (apravīta, d.h. nicht durch die Nase geführt) sein: Diese Kuh ist ja der Ursache (nidāna) nach die Rede (Vāc), da sie 'Sāhasrī' heißt; unverbraucht (ayātayāman) ist ja diese Rede, unverbraucht und ungeführt (apravīta); deshalb sollte sie ohne Nasenseil sein.
Man sollte sie am ersten Tag vorführen: Diese Kuh ist ja der Ursache nach die Rede, da sie 'Sāhasrī' heißt; dieses Tausend an Kühen ist von ihrer Rede hervorgebracht; sie selbst geht voran, und die Nachkommenschaft folgt ihr danach nach. Oder man sollte sie am letzten Tag vorführen: dann ist die Nachkommenschaft ihr zuvor entstanden, und sie folgt danach nach. Dies ist jedoch nur eine Streitfrage: Man sollte sie eben am letzten Tag vorführen – dann ist ihr die Nachkommenschaft zuvor entstanden, und sie folgt danach nach.
tāmuttareṇa havirdhāne | dakṣiṇenāgnīdhraṃ droṇakalaśamavaghrāpayati yajño vai droṇakalaśo yajñamevaināmetaddarśayati
Nördlich vom Havirdhāna, südlich vom Āgnīdhra lässt man sie am Droṇakalaśa riechen. Der Droṇakalaśa ist ja das Opfer; damit zeigt man ihr eben das Opfer.
„Rieche am Kalaśa; mögen die Soma-Tropfen (indavaḥ) reichlich in dich eingehen“ (spricht er) – gleichsam entleert wird ja, wer tausend Kühe gibt; eben diesen Entleerten lässt er dadurch wieder anschwellen, wenn er spricht: „Rieche am Kalaśa; mögen die Soma-Tropfen reichlich in dich eingehen.“
„Kehre mit neuer Kraft (ūrj) zurück“ (spricht er) – eben damit lässt er den Entleerten wieder anschwellen, wenn er spricht: „Kehre mit neuer Kraft zurück.“
„Sie möge uns Tausendfaches spenden“ (spricht er) – damit lässt er den Entleerten durch das Tausendfache wieder anschwellen, wenn er spricht: „Sie möge uns Tausendfaches spenden.“
„Mit weitem Strahl, milchreich, möge der Reichtum wieder in mich eingehen“ (spricht er) – eben damit lässt er den Entleerten wieder anschwellen, wenn er spricht: „Möge der Reichtum wieder in mich eingehen.“
Dann murmelt er ihr ins rechte Ohr: „O Iḍā, Erfreuende, Begehrenswerte, Verehrungswürdige, Wunschgewährende, Mondgleiche, Leuchtende, Aditi, Sarasvatī, Große, Weitberühmte – dies sind deine Namen, o Unverletzliche (aghnyā); mögen sie den Göttern von meinem guten Werk künden“ – so sollte man sprechen. Dies sind nämlich ihre göttlichen Namen; mit den Worten „welches auch deine göttlichen Namen sind, mit ihnen mögen sie den Göttern von meinem guten Werk künden“ – das eben sagt er damit.
Man lässt sie dann loslaufen. Ginge sie, ohne von einem Menschen geleitet zu werden, nach Osten, so sollte man daran erkennen: „Von jetzt an hat dieser Opferherr eine glückliche Welt errungen.“ Ginge sie nach Norden: „Der Opferherr wird in dieser Welt hervorragend sein.“ Ginge sie nach Westen: „Er wird wie ein von Schädlingen zerfressenes Korn verkommen“ [Anm.: „atilvila“ unsicherer Begriff]. Ginge sie nach Süden: „Der Opferherr wird bald aus dieser Welt scheiden.“ Dies sind die entsprechenden Erkenntniszeichen.
tadyā etāstisrastisrastriṃśatyadhi bhavanti | tāsvetāmupasamākurvanti vi vā etāṃ virājaṃ vṛhanti yāṃ vyākurvanti vicinno eṣā virāḍyā vivṛḍhā daśākṣarā vai virāṭtatkṛtsnāṃ virājaṃ saṃdadhāti tāṃ hotre dadyāddhotā hi sāhasastasmāttāṃ hotre dadyāt
Was nun die je drei mal dreiunddreißig Kühe betrifft, die darüber hinausgehen (also die drei Gruppen von je 333): Zu diesen fügt man die Sāhasrī-Kuh noch hinzu. Man zerteilt diese Virāj (die Kuhgruppen-Zahl) ja, wenn man sie aufteilt; zerteilt ist diese Virāj, wenn sie so aufgespalten wurde; zehn Silben hat ja die Virāj; damit fügt er die vollständige Virāj wieder zusammen. Diese Sāhasrī-Kuh sollte man dem Hotṛ-Priester geben – der Hotṛ gehört ja zum Tausend (sahasra); deshalb sollte man sie dem Hotṛ geben.
Man sollte zwei Unnetṛ-Priester (Aufheber) einsetzen. Wer von beiden nicht den Āśrāvaya-Ruf gegeben hat, dem sollte man die Sāhasrī-Kuh geben. Fehlerhaft ist nämlich der Unnetṛ, der, obwohl er ein Ritvij ist, den Ruf nicht gibt; fehlerhaft/unvollständig aufgespalten ist diese Virāj; damit fügt er dem Fehlerhaften eben das Fehlerhafte hinzu [Anm.: die genaue Logik dieser Zuordnung ist etwas unklar, wohl ein Ausgleichsprinzip].
Dazu sagt man: „Man sollte zu den tausend Kühen nichts hinzugeben – denn durch das Tausend allein erlangt man ja alle Wünsche.“ Dazu aber sagte Āsuri (ein bekannter Lehrer): „Man sollte nach Belieben zusätzlich geben – durch das Tausend erlangt er zwar alle Wünsche, aber nach Belieben wird ihm dann das Übrige gegeben.“
Und wenn man zusätzlich einen angeschirrten Wagen geben will, oder etwas für die Vaśā-Kuh, so sollte man es geben, wenn deren Bauchfell geopfert ist, oder beim Udavasānīya-Opfer, beim 'Veṣṭu' [Anm.: unsicherer Begriff für einen weiteren rituellen Zeitpunkt].
sa vai dakṣiṇā nayan | anyūnā daśato nayedyasmā ekāṃ dāsyantsyāddaśabhyastebhyo daśatamupāvartayedyasmai dve dāsyantsyātpañcabhyastebhyo daśatamupāvartayedyasmai tisro dāsyantsyāttribhyastebhyo daśatamupāvartayedyasmai pañca dāsyantsyāddvābhyāṃ tābhyāṃ daśatamupāvartayedevamā śatāttatho hāsyaiṣānyūnā virāḍamuṣmiṃloke kāmadughā bhavati
Er, der die Dakṣiṇā vorführt, sollte sie in vollständigen Zehnergruppen (daśata) vorführen, ohne Fehlbetrag: Wem er eine Kuh geben will, für den sollte er von zehn Kühen zusammen eine Zehnergruppe zuführen; wem er zwei geben will, von fünf Fünfergruppen eine Zehnergruppe; wem er drei geben will, von drei Dreiergruppen eine Zehnergruppe; wem er fünf geben will, von zwei Zweiergruppen eine Zehnergruppe – so bis hundert. So wird diese Virāj für ihn ohne Fehlbetrag, und sie wird ihm in jener Welt zur Wunscherfüllerin (kāmadughā).
tadyatraitaddvādaśāhena vyūḍhacandasā yajate | tadgrahānvyūhati vyūhata udgātā ca hotā ca candāṃsi sa eṣa prajñāta eva pūrvastryaho bhavati samūḍacandāstadaindravāyavāgrāngṛhṇāti
Wenn man mit diesem Zwölftage-Ritus mit umgestelltem Versmaß (vyūḍhacandas) opfert: Dabei stellt man die Grahas um; der Udgātṛ und der Hotṛ stellen die Versmaße um. Diese ersten drei Tage sind wie bekannt (d.h. wie üblich), mit unverändertem Versmaß; dabei ergreift man die Aindravāyava-Erstlinge (agra).
Am vierten Tag aber stellt man um: Man stellt die Grahas um, ebenso die Versmaße; dabei ergreift man die Āgrayaṇa-Erstlinge. Dieser vierte Tag ist nämlich Prajāpati zugehörig; der Āgrayaṇa ist ja das Selbst (ātman), und das Selbst ist ja Prajāpati; deshalb ergreift man die Āgrayaṇa-Erstlinge.
Nachdem man diesen Āgrayaṇa ergriffen hat, setzt man ihn nicht sofort ab: „Die Grahas sind ja der Atem (prāṇa); ich möchte den Atem nicht in Verwirrung bringen“ – man würde ja den Atem in Verwirrung bringen, wenn man ihn vorzeitig absetzte. So verweilt man, ihn haltend, und ergreift dann weitere Grahas; und wenn man die Grahas ergriffen hat, dann, sobald eben seine Zeit gekommen ist, setzt man ihn, nachdem man 'Hiṃ' gerufen hat, ab. Der fünfte Tag ist dann wieder wie bekannt; dabei ergreift man die Aindravāyava-Erstlinge.
atha ṣaṣṭhe 'hanvyūhati | grahānvyūhanti candāṃsi tacukrāgrān gṛhṇātyaindraṃ vā etatṣaṣṭhamaharbhavatyeṣa vai śukro ya eṣa tapatyeṣa u evendrastasmācukrāgrān gṛhṇāti
Am sechsten Tag aber stellt man um: Man stellt die Grahas um, die Versmaße; dabei ergreift man die Śukra-Erstlinge. Dieser sechste Tag ist nämlich Indra zugehörig; dieser Śukra-Trank ist ja jener, der dort als Sonne glüht, und eben dieser ist Indra; deshalb ergreift man die Śukra-Erstlinge.
Nachdem man diesen ergriffen hat, setzt man ihn nicht sofort ab: „Die Grahas sind ja der Atem; ich möchte den Atem nicht in Verwirrung bringen“ – man würde ja den Atem in Verwirrung bringen, wenn man ihn absetzte. So verweilt man, ihn haltend, und ergreift dann weitere Grahas; und wenn man die Grahas ergriffen hat, dann, sobald eben seine Zeit gekommen ist, setzt man ihn ab.
atha saptame 'hanvyūhati | grahānvyūhanti candāṃsi tacukrāgrān gṛhṇāti bārhataṃ vā etatsaptamamaharbhavatyeṣa vai śukro ya eṣa tapatyeṣa u eva bṛhaṃstasmācukrāgrān gṛhṇāti
Am siebten Tag aber stellt man um: Man stellt die Grahas um, die Versmaße; dabei ergreift man die Śukra-Erstlinge. Dieser siebte Tag ist nämlich dem 'Großen' (Bṛhaspati, bārhata) zugehörig; dieser Śukra-Trank ist ja jener, der dort glüht, und eben dieser ist der Große (bṛhant); deshalb ergreift man die Śukra-Erstlinge.
Nachdem man diesen ergriffen hat, setzt man ihn nicht sofort ab [wie oben]. So verweilt man, ihn haltend, und ergreift dann weitere Grahas; und wenn man die Grahas ergriffen hat, dann, sobald eben seine Zeit gekommen ist, setzt man ihn ab. Der achte Tag ist dann wieder wie bekannt; dabei ergreift man die Aindravāyava-Erstlinge.
Am neunten Tag aber stellt man um: Man stellt die Grahas um, die Versmaße; dabei ergreift man die Āgrayaṇa-Erstlinge. Dieser neunte Tag ist nämlich dem Jagatī-Versmaß zugehörig; der Āgrayaṇa ist ja das Selbst, und alles bewegte Sein (jagat) ist ja das Selbst; deshalb ergreift man die Āgrayaṇa-Erstlinge.
Nachdem man diesen ergriffen hat, setzt man ihn nicht sofort ab [wie oben]. So verweilt man, ihn haltend, und ergreift dann weitere Grahas; und wenn man die Grahas ergriffen hat, dann, sobald eben seine Zeit gekommen ist, setzt man ihn, nachdem man 'Hiṃ' gerufen hat, ab.
tadāhuḥ | na vyūhedgrahānprāṇā vai grahā netprāṇānmohayānīti mohayeddha prāṇānyadvyūhettasmānna vyūhet
Dazu sagt man: „Man sollte die Grahas nicht umstellen – die Grahas sind ja der Atem; ich möchte den Atem nicht in Verwirrung bringen; man würde ja den Atem in Verwirrung bringen, wenn man umstellte; deshalb sollte man nicht umstellen.“
Dazu sagt man aber auch: „Man sollte aber doch umstellen – die Grahas sind ja die Glieder (aṅga) des Körpers; nach Belieben liegen ja diese Glieder auch in wechselnder Anordnung; deshalb sollte man doch umstellen.“
Dazu sagt man aber wiederum: „Man sollte eben doch nicht umstellen – die Grahas sind ja der Atem; ich möchte den Atem nicht in Verwirrung bringen; man würde ja den Atem in Verwirrung bringen, wenn man umstellte; deshalb sollte man nicht umstellen.“
kiṃ nu tatrādhvaryo | yadudgātā ca hotā ca candāṃsi vyūhata etadvā adharyurvyūhati grahānyadaindravāyavāgrānprātaḥsavane gṛhṇāti śukrāgrānmādhyandine savana āgrayaṇāgrāṃstṛtīyasavane
Was tut aber dabei der Adhvaryu, wenn der Udgātṛ und der Hotṛ die Versmaße umstellen? Eben dies ist es, was der Adhvaryu an den Grahas umstellt: dass er die Aindravāyava-Erstlinge bei der Morgenpressung ergreift, die Śukra-Erstlinge bei der Mittagspressung, die Āgrayaṇa-Erstlinge bei der dritten Pressung [Anm.: die genaue Auflösung des scheinbaren Widerspruchs zwischen den vorangehenden 'nicht umstellen'/'doch umstellen'-Aussagen bleibt implizit; offenbar wird zwischen der Umstellung der Gesänge/Versmaße (Udgātṛ/Hotṛ) und der bloßen Verschiebung der Grahas selbst (Adhvaryu) unterschieden].
yadi somamapahareyuḥ | vidhāvatecateti brūyātsa yadi vindanti kimādriyeranyadyu na vindanti tatra prāyaścittiḥ kriyate
Falls man den Soma stehlen sollte: Man sollte sagen: „Lauft ihm nach, sucht danach!“ Finden sie ihn, worum sollten sie sich dann noch kümmern? Finden sie ihn aber nicht, so wird dafür eine Sühnehandlung (prāyaścitti) vollzogen.
dvayāni vai phālgunāni | lohitapuṣpāṇi cāruṇapuṣpāṇi ca sa yānyaruṇapuṣpāṇi phālgunāni tānyabhiṣuṇuyādeṣa vai somasya nyaṅgo yadaruṇapuṣpāṇi phālgunāni tasmādaruṇapuṣpāṇyabhiṣuṇuyāt
Zweierlei sind die Phālguna-Pflanzen: rotblütige und rötlichbraunblütige (aruṇa). Man sollte die rötlichbraunblütigen Phālgunas als Ersatz pressen – dies ist nämlich das Abbild (nyaṅga) des Soma, dass die Phālgunas rötlichbraune Blüten haben; deshalb sollte man die rötlichbraunblütigen Phālgunas pressen.
yadyaruṇapuṣpāṇi na vindeyuḥ | śyenahṛtamabhiṣuṇuyādyatra vai gāyatrī somamacāpatattasyā āharantyai somasyāṃśurapatattacyenahṛtamabhavattasmācyenahṛtamabhiṣuṇuyāt
Fänden sie keine rötlichbraunblütigen Phālgunas, so sollte man die 'Śyenahṛtā' (die 'vom Falken Getragene') pressen: Dort, wo die Gāyatrī den Soma raubte, fiel ihr beim Herbeitragen ein Trieb des Soma herab; daraus entstand die Śyenahṛtā; deshalb sollte man die Śyenahṛtā pressen.
yadi śyenahṛtaṃ na vindeyuḥ | ādārānabhiṣuṇuyādyatra vai yajñasya śiro 'cidyata tasya yo raso vyapruṣyattata ādārāḥ samabhavaṃstasmādādārānabhiṣuṇuyāt
Fänden sie keine Śyenahṛtā, so sollte man die Ādāra-Pflanzen pressen: Dort, wo dem Opfer einst das Haupt abgeschlagen wurde, daraus, was an Saft dabei umhersprühte, entstanden die Ādāras; deshalb sollte man die Ādāras pressen.
yadyādārānna vindeyuḥ | aruṇadūrvā abhiṣuṇuyādeṣa vai somasya nyaṅgo yadaruṇadūrvāstasmādaruṇadūrvā abhiṣuṇuyāt
Fänden sie keine Ādāras, so sollte man rötlichbraunes Dūrva-Gras pressen – dies ist nämlich das Abbild des Soma, dass es rötlichbraunes Dūrva-Gras gibt; deshalb sollte man rötlichbraunes Dūrva-Gras pressen.
yadyaruṇadūrvā na vindeyuḥ | api yāneva kāṃśca haritānkuśānabhiṣuṇuyāttatrāpyekāmeva gāṃ dadyādathāvabhṛthādevodetya punardīkṣeta punaryajño hyeva tatra prāyaścittiriti nu somāpahṛtānām
Fänden sie kein rötlichbraunes Dūrva-Gras, so sollte man selbst nur irgendwelches grünes Kuśa-Gras pressen; dazu sollte man auch nur eine einzige Kuh geben, und, nachdem man vom Avabhṛtha (der Reinigungswaschung) zurückgekehrt ist, sollte man sich von Neuem weihen lassen (dīkṣā) – ein von Neuem begonnenes Opfer ist es ja eben; dies also ist die Sühnehandlung im Falle des weggetragenen Soma.
Und nun zum Bersten des Kalaśa-Gefäßes: Falls der Kalaśa berstet, sollte man sagen: „Fangt es auf!“ Fingen sie auch nur eine Handvoll (prasṛta) oder eine Hohlhand voll (añjali) auf, so sollten sie damit, nachdem sie es mit anderen Ekadhana-Gefäßen aufgefüllt haben, entsprechend dem verbliebenen Vermögen fortfahren. Könnten sie dagegen nichts auffangen, so sollten sie, ohne dass der Āgrayaṇa-Anteil verlorengeht [Anm.: „praskandya“ unsicher], mit anderen Ekadhana-Gefäßen auffüllen und entsprechend dem Vermögen fortfahren. Berstet der Kalaśa, bevor die Dakṣiṇās vergeben sind, sollte man auch dafür nur eine einzige Kuh geben, und, nachdem man vom Avabhṛtha zurückgekehrt ist, sollte man sich von Neuem weihen lassen – ein von Neuem begonnenes Opfer ist es ja eben; dies also ist die Sühnehandlung im Falle des berstenden Kalaśa.
Und nun zum überschüssigen Soma: Wenn beim Agniṣṭoma-Ritus etwas übrigbliebe, so sollte man als Träger des Gereinigten [Anm.: „pūtabhṛt“ unsicher, evtl. Bezeichnung für einen zusätzlichen Priesteranteil] eben den Ukthya-Graha ergreifen; bliebe auch beim Ukthya-Ritus etwas übrig, so sollten sie zum Ṣoḍaśin übergehen; bliebe beim Ṣoḍaśin etwas übrig, so sollten sie zur Nacht übergehen; bliebe bei der Nacht etwas übrig, so sollten sie zum nächsten Tag übergehen – ansonsten gibt es überhaupt keinen Überschuss.