Kapitel 4: chāndogyopaniṣat · caturtho 'dhyāyaḥ
Adhyāya 4: Jānaśruti und Raikva, Satyakāma Jābāla, Upakosala und die Weihe des Opfers (ChU 4,1–17)
Adhyāya 4 (17 Khaṇḍas) besteht aus vier großen Erzähleinheiten. Kh. 1–3 erzählen die Geschichte von Jānaśruti Pautrāyaṇa, dem freigebigen Fürsten, der durch das Gespräch zweier Wildgänse von dem verborgen unter einem Wagen lebenden Weisen Raikva erfährt und ihn schließlich – nach anfänglicher Zurückweisung als "Śūdra" – mit Reichtum und seiner eigenen Tochter für die Lehre von Wind und Atem als kosmischen "Absorbierern" (Saṃvarga) gewinnt; eingeschoben ist in Kh. 3 eine sprachlich sehr dunkle Rätselepisode um Śaunaka Kāpeya, Abhipratārin Kākṣaseni und einen bettelnden Schüler. Kh. 4–9 erzählen die berühmte Geschichte von Satyakāma Jābāla, dem unehelichen Sohn der Dienerin Jabālā, der wegen seiner rückhaltlosen Ehrlichkeit als Brahmane anerkannt wird und der der Reihe nach von einem Stier, dem Feuer, einer Wildgans und einem Wasservogel je einen der vier Füße des Brahman erfährt, bevor der menschliche Lehrer ihm die Lehre in voller Form wiederholt. Kh. 10–14 erzählen die Geschichte von Upakosala Kāmalāyana, dessen Lehrer ihn scheinbar übergeht, der aber durch die drei heiligen Feuer selbst über Atem, Ka und Kha unterwiesen wird, bevor der zurückgekehrte Lehrer ihm noch die entscheidende Lehre vom Puruṣa im Auge als unsterblichem Selbst und den "Weg der Götter" (Devayāna) hinzufügt. Kh. 15 enthält diese Devayāna-Lehre in klassischer Form. Kh. 16–17 wenden sich der rituellen Praxis zu: der Wind/Atem als Opfer, das Schweigegebot des Brahman-Priesters während der Morgenrezitation, und schließlich eine Lehre über das "Ausbessern" fehlerhafter Opferhandlungen durch die aus Welten, Gottheiten und den drei Veden gewonnenen Wesenskerne (bhūr/bhuvar/svar). Mehrere Passagen – insbesondere die Rätselverse in Kh. 3, der Dialog in Kh. 10 und 14, sowie die knappen Schlussformeln in Kh. 17 – sind im vorliegenden Quelltext sprachlich stark verdichtet oder unsicher zu deuten und wurden entsprechend mit [?] und [Anm.] gekennzeichnet.
jānaśrutir ha pautrāyaṇaḥ śraddhādeyo bahudāyī bahupākya āsa, sa ha sarvata āvasathān māpayāṃcakre, sarvata eva me 'nnam atsyantīti (4.1.1). atha ha haṃsā niśāyātipetus, tad dhaivaṃ hovāca hoḥ hoḥ bho, samabhyavāda ho hodyi bhallākṣa bhallākṣa jānaśruteḥ pautrāyaṇasya samaṃ divā jyotir ātataṃ tan mā prasāṅkṣīs tat tvā mā pra dhākṣīr iti (4.1.2). tam u ha paraḥ pratyuvāca kaṃvara enam etat santaṃ sayugvānam iva raikvam āttheti, yo nu kathaṃ sayugvā raikva iti (4.1.3).
Jānaśruti, der Sohn des Pautrāyaṇa, war ein Mann, der glaubensvoll gab, viel schenkte und viel [Speise] zubereiten ließ; er ließ überall Rasthäuser errichten in dem Gedanken: 'Überall werden die Leute mein Essen genießen.' (1) Nun flogen einst wilde Gänse (Haṃsas) in der Nacht vorüber; da sprach die eine [Gans] zur anderen: 'Hej, hej, du dort! Bhallākṣa, Bhallākṣa! Das Licht des Jānaśruti Pautrāyaṇa ist ausgebreitet wie der [Tages-]Himmel; berühre es nicht, es könnte dich versengen!' (2) Da erwiderte ihr die andere: 'Wer aber ist dieser, von dem du so sprichst, als wäre er der [weise] Raikva-mit-dem-Wagen (Sayugvan)?' – 'Nun, was ist das denn, dieser Sayugvan Raikva?' (3) [Anm.: Der Ruf der ersten Gans ("hoḥ hoḥ bho ... bhallākṣa") enthält Lautmalerei bzw. eine Anrede, deren genauer Sinn unsicher bleibt; sinngemäß wird hier ein warnender Zuruf wiedergegeben.]
Wort für Wort
jānaśrutir ha pautrāyaṇaḥ
Jānaśruti, der Sohn des Pautrāyaṇa
śraddhādeyo bahudāyī bahupākyaḥ
glaubensvoll gebend, viel schenkend, viel zubereiten lassend
sarvata āvasathān māpayāṃcakre
er ließ überall Rasthäuser errichten
sarvata eva me 'nnam atsyanti
überall werden sie mein Essen essen
haṃsā niśāyā atipetuḥ
wilde Gänse flogen in der Nacht vorüber
bhallākṣa bhallākṣa
[Anrede an die andere Gans, unsicherer Sinn]
jānaśruteḥ pautrāyaṇasya samaṃ divā jyotir ātatam
das Licht des Jānaśruti Pautrāyaṇa ist wie der Himmel ausgebreitet
yathā kṛtāya vijitāyādhareyāḥ saṃyanty evam enaṃ sarvaṃ tad abhisameti yat kiṃca prajāḥ sādhu kurvanti, yas tad veda yat sa veda, sa mayaitad ukta iti (4.1.4). tad u ha jānaśrutiḥ pautrāyaṇa upaśuśrāva, sa ha saṃjihāna eva kṣattāram uvācāṅgāre ha sayugvānam iva raikvam āttheti, yo nu kathaṃ sayugvā raikva iti (4.1.5). 'yathā kṛtāya vijitāyādhareyāḥ saṃyanty evam enaṃ sarvaṃ tad abhisameti yat kiṃca prajāḥ sādhu kurvanti, yas tad veda yat sa veda sa mayaitad ukta' iti (4.1.6). sa ha kṣattāniṣṭyā nāvidam iti pratyeyāya, taṃ hovāca yatrāre brāhmaṇasyānveṣaṇā tad enam arccheti (4.1.7). so 'dhastāc chakaṭasya pāmānaṃ kaṣamāṇam upopaviveśa, taṃ hābhyuvāda tvaṃ nu bhagavaḥ sayugvā raikva iti, hāra iti ha pratijajñe, sa ha kṣattāvidam iti pratyeyāya (4.1.8).
Wie bei einem [Würfelspiel]: wie sich die niedrigeren Würfe dem gewonnenen Wurf, dem Kṛta, fügen und ihm zufallen – ebenso fällt diesem [Raikva] alles zu, was immer Wesen an Gutem tun; wer dies weiß, was jener [Raikva] weiß, von dem habe ich [der Gans] so gesprochen. (4) Das hörte Jānaśruti Pautrāyaṇa mit an; und sobald er sich am Morgen erhob, sprach er zu seinem Kämmerer: 'Du sprichst ja von mir, als wäre ich der Sayugvan Raikva!' – 'Nun, was ist das denn, dieser Sayugvan Raikva?' [wiederholt er die Frage der Gans]. (5) [Der Kämmerer wiederholte die Antwort der zweiten Gans:] 'Wie sich die niedrigeren Würfe dem gewonnenen Wurf, dem Kṛta, fügen ..., von dem habe ich so gesprochen.' (6) Der Kämmerer ging fort, ohne ihn gefunden zu haben, und kehrte zurück mit den Worten: 'Ich weiß es nicht.' Da sprach [Jānaśruti] zu ihm: 'Nun, so wie man nach einem [verborgenen weisen] Brahmanen sucht, so suche nach ihm dort.' (7) Er [der Kämmerer] fand ihn unter einem Wagen sitzend, sich einen Hautausschlag kratzend; er redete ihn an: 'Bist du, Herr, der Sayugvan Raikva?' – 'Hier bin ich (hāra)', erwiderte jener zustimmend. Da kehrte der Kämmerer zurück mit den Worten: 'Ich habe ihn gefunden.' (8)
Wort für Wort
yathā kṛtāya vijitāya adhareyāḥ saṃyanti
wie dem gewonnenen Wurf die niedrigeren [Würfe] zufallen
yat kiṃca prajāḥ sādhu kurvanti
was immer die Geschöpfe an Gutem tun
yas tad veda yat sa veda
wer das weiß, was jener weiß
kṣattāram uvāca
er sprach zu seinem Kämmerer
kṣattā aniṣṭyā na avidam iti pratyeyāya
der Kämmerer kehrte zurück: 'ich habe ihn nicht gefunden'
yatrāre brāhmaṇasya anveṣaṇā
so wie die Suche nach einem [verborgenen] Brahmanen [geschieht]
adhastāc chakaṭasya pāmānaṃ kaṣamāṇam
unter einem Wagen sitzend, einen Hautausschlag kratzend
tad dha jānaśrutiḥ pautrāyaṇaḥ ṣaḍ śatāni gavāṃ niṣkam aśvatarīrathaṃ tad ādāya praticakrame, taṃ hābhyuvāda (4.2.1). raikvemāni ṣaḍ śatāni gavām ayaṃ niṣka eṣo 'śvatarīratho 'nu ma etāṃ bhagavo devatāṃ śādhi yāṃ devatām upāsse iti (4.2.2). tam u ha paraḥ pratyuvācāha hārā śūdra tavaiva saha gobhir astv iti, tad u ha punar eva jānaśrutiḥ pautrāyaṇaḥ sahasraṃ gavāṃ niṣkam aśvatarīratham, duhitaraṃ tad ādāya praticakrame (4.2.3). taṃ hābhyuvāda raikveda sahasraṃ gavām ayaṃ niṣka eṣo 'śvatarīratha iyaṃ jāyāyaṃ grāmo yasminn ās sa enam eva mā bhagavaḥ śādhīti (4.2.4).
Da nahm Jānaśruti Pautrāyaṇa sechshundert Kühe, einen [goldenen] Halsschmuck und einen Maultierwagen und ging damit zu ihm; er sprach zu ihm: (1) 'Raikva, hier sind sechshundert Kühe, dies ist der Halsschmuck, dies der Maultierwagen; lehre mich, Herr, jene Gottheit, die du verehrst!' (2) Doch jener erwiderte ihm: 'Ach, [behalte sie,] Śūdra – zusammen mit dem Halsschmuck seien dir die Kühe!' Da nahm Jānaśruti Pautrāyaṇa wiederum tausend Kühe, einen Halsschmuck, einen Maultierwagen und dazu seine [eigene] Tochter und ging damit zu ihm. (3) Er sprach zu ihm: 'Raikva, hier sind tausend Kühe, dies der Halsschmuck, dies der Maultierwagen, dies die Gattin, und dies das Dorf, in dem du wohnst – lehre mich nun, Herr!' (4)
Wort für Wort
ṣaḍ śatāni gavām
sechshundert Kühe
niṣkam aśvatarīratham
einen Halsschmuck [und] einen Maultierwagen
anu ma etāṃ bhagavo devatāṃ śādhi
lehre mich, Herr, jene Gottheit
yāṃ devatām upāsse
die du verehrst
hāra śūdra tavaiva saha gobhir astu
behalte sie, Śūdra, zusammen mit den Kühen seien sie dein
tasyā ha mukham upodgṛhṇann uvācājahāra imāḥ śūdrānenaiva mukhenālāpayiṣyathā iti, te ha ete raikvaparṇā nāma mahāvṛṣeṣu yatrāsmā uvāsa, sa tasmai hovāca (4.2.5).
Ihr [der Tochter] Gesicht [zärtlich] emporhebend, sprach er: 'Du hast [mich] herbeigebracht, Śūdra – schon mit diesem Gesicht [allein] hättest du mich zum Reden gebracht.' Jene Orte, an denen er dann wohnte, heißen 'Raikvaparṇa', im Land Mahāvṛṣa. Dort sprach er dann zu ihm: (5) [Anm.: Diese kurze Übergangsszene ist im Ausdruck knapp und lässt einen leicht ironischen Ton anklingen (Raikva nimmt scherzhaft die Anrede "Śūdra" wieder auf); der genaue Ton der Bemerkung bleibt Auslegungssache.]
Wort für Wort
tasyā mukham upodgṛhṇan
ihr Gesicht emporhebend
ajahāra imāḥ śūdra
du hast [mich] herbeigebracht, Śūdra
anena eva mukhena alāpayiṣyathāḥ
schon mit diesem Gesicht hättest du mich zum Reden gebracht
vāyur vāva saṃvargo, yadā vā agnir udvāyati vāyum evāpyeti, yadā sūryo 'stam eti vāyum evāpyeti, yadā candro 'stam eti vāyum evāpyeti (4.3.1). yadāpa ucchuṣyanti vāyum evāpiyanti, vāyur hy evaitān sarvān saṃvṛṅkta ity adhidaivatam (4.3.2). athādhyātmaṃ prāṇo vāva saṃvargaḥ, sa yadā svapiti prāṇam eva vāg apyeti, prāṇaṃ cakṣuḥ, prāṇaṃ śrotraṃ, prāṇaṃ manaḥ, prāṇo hy evaitān sarvān saṃvṛṅkta iti (4.3.3). tau vā etau dvau saṃvargau, vāyur eva deveṣu, prāṇaḥ prāṇeṣu (4.3.4).
Vāyu (der Wind) ist wahrlich der Absorbierer (Saṃvarga); denn wenn das Feuer erlischt, geht es eben in den Wind ein; wenn die Sonne untergeht, geht sie eben in den Wind ein; wenn der Mond untergeht, geht er eben in den Wind ein. (1) Und wenn die Gewässer vertrocknen, gehen sie eben in den Wind ein; denn der Wind absorbiert wahrlich all diese. Soweit mit Bezug auf die Gottheiten. (2) Nun mit Bezug auf das Selbst: Der Atem (Prāṇa) ist wahrlich der Absorbierer; denn wenn man schläft, geht die Sprache eben in den Atem ein, [ebenso] das Auge in den Atem, das Ohr in den Atem, der Geist in den Atem; denn der Atem absorbiert wahrlich all diese. (3) Dies also sind die beiden Absorbierer: der Wind unter den Gottheiten, der Atem unter den Lebenskräften (Sinnen). (4)
Wort für Wort
vāyur vāva saṃvargaḥ
Vāyu ist wahrlich der Absorbierer
agnir udvāyati vāyum evāpyeti
wenn das Feuer erlischt, geht es in den Wind ein
āpaḥ ucchuṣyanti
die Gewässer vertrocknen
vāyur hy evaitān sarvān saṃvṛṅkte
der Wind absorbiert wahrlich all diese
adhidaivatam
mit Bezug auf die Gottheiten
adhyātmam prāṇo vāva saṃvargaḥ
mit Bezug auf das Selbst: der Atem ist der Absorbierer
yadā svapiti prāṇam eva vāg apyeti
wenn man schläft, geht die Sprache in den Atem ein
dvau saṃvargau
die beiden Absorbierer
vāyur eva deveṣu prāṇaḥ prāṇeṣu
der Wind unter den Göttern, der Atem unter den Lebenskräften
atha ha śaunakaṃ ca kāpeyam abhipratāriṇaṃ ca kākṣasenim pariviṣyamāṇau brahmacārī bibhikṣe, tasmā u ha na dadatuḥ (4.3.5). sa hovāca mahātmanaś caturo devaika eva ko jagāra bhuvanasya gopāḥ, taṃ kāpeya nābhipaśyanti martyā, abhipratārin bahudhā vasantam, yasmai vā etad annaṃ tasmā etan na dattam iti (4.3.6). tad u ha śaunakaḥ kāpeyaḥ pratimanvāna eyāyātmā devānāṃ janitā prajānāṃ hiraṇyadaṃṣṭro babhaso 'nasūrir mahāntam asya mahimānam āhur anadyamāno yad anannam atti, iti vai vayaṃ brahmacārin idam upāsmahe, dattā asmai bhikṣām iti (4.3.7). tasmā u ha daduḥ, te vā ete pañcānye pañcānye daśa santas tat kṛtaṃ, tasmāt sarvāsu dikṣv annam eva daśakṛtam, saiṣā virāḍ annādī, tayedaṃ sarvaṃ dṛṣṭaṃ, sarvam asyedaṃ dṛṣṭaṃ bhavati, annādo bhavati ya evaṃ veda, ya evaṃ veda (4.3.8).
Nun bettelte einst ein Religionsschüler bei Śaunaka Kāpeya und Abhipratārin Kākṣaseni, während sie beim Essen bedient wurden; doch sie gaben ihm nichts. (5) Da sprach er [der Schüler]: 'Wer ist der Eine der vier großen Seelen [Anm.: "caturo devaika" – Sinn und Bezug unklar, evtl. Anspielung auf eine der vier Weltgegenden/Urelemente], der Verschlinger, der Hüter der Welt? Ihn, o Kāpeya, erkennen die Sterblichen nicht, [ihn], o Abhipratārin, der vielfach [in allem] wohnt – wem dies Essen [gegeben wird], dem ist es [in Wahrheit] nicht gegeben.' (6) [Anm.: Dieser Spruch ist sprachlich stark verdichtet und rätselhaft formuliert; die Übersetzung folgt dem mutmaßlichen Sinn, ohne ihn mit letzter Sicherheit auflösen zu können.] Da erwiderte ihm Śaunaka Kāpeya, den Sinn erwägend: '[Er ist] die Seele der Götter, der Erzeuger der Geschöpfe, golddünstig, [von] Zähnen ...' [Anm.: dieser Gegenvers ist im Quelltext ebenso dunkel und lückenhaft überliefert] '... man sagt, seine Größe sei gewaltig, dass er, ohne gegessen zu werden, isst, was nicht Speise ist. Ebendies verehren wir, o Religionsschüler; gebt ihm Almosen!' (7) Da gaben sie ihm. Diese fünf [Sinne/Finger?] und die anderen fünf, das sind zusammen zehn – das ist der [Würfel-]Kṛta; darum ist in allen Himmelsrichtungen die Speise zehnfach vollzogen; das ist jene Virāj, die Speise-Esserin; durch sie wird all dies gesehen; ihm wird all dies sichtbar, [und] er wird ein Speisenesser, wer dies so weiß, wer dies so weiß. (8) [Anm.: Der Schlussabschnitt ("pañcānye pañcānye daśa ... kṛtam") verbindet die vorangehende Rätselrede mit der Würfelspiel-Metaphorik aus Kh. 4.1 und bleibt in seiner genauen arithmetisch-symbolischen Logik unsicher.]
Wort für Wort
śaunakaṃ ca kāpeyam abhipratāriṇaṃ ca kākṣasenim
Śaunaka Kāpeya und Abhipratārin Kākṣaseni
pariviṣyamāṇau brahmacārī bibhikṣe
während sie bedient wurden, bettelte ein Religionsschüler
tasmā u ha na dadatuḥ
sie gaben ihm nichts
mahātmanaś caturo devaika eva ko jagāra
wer ist der eine [von den] vier großen Seelen, der Verschlinger [?]
bhuvanasya gopāḥ
der Hüter der Welt
nābhipaśyanti martyāḥ
die Sterblichen erkennen [ihn] nicht
bahudhā vasantam
der vielfach wohnt
yasmai vā etad annaṃ tasmā etan na dattam
wem diese Speise [gegeben wird], dem ist sie nicht [wirklich] gegeben
mahāntam asya mahimānam āhuḥ
man sagt, seine Größe sei gewaltig
anadyamāno yad anannam atti
der isst, ohne gegessen zu werden, was nicht Speise ist
satyakāmo ha jābālo jabālāṃ mātaram āmantrayāṃcakre, brahmacaryaṃ bhavati vivatsyāmi, kiṃgotro nv aham asmīti (4.4.1). sā hainam uvāca nāham etad veda tāta, yad gotras tvam asi, bahv ahaṃ carantī paricāriṇī yauvane tvām alabhe, sāham etan na veda yad gotras tvam asi, jabālā tu nāmāham asmi, satyakāmo nāma tvam asi, sa satyakāma eva jābālo bravīthā iti (4.4.2).
Satyakāma Jābāla wandte sich an seine Mutter Jabālā: 'Mutter, ich möchte als Religionsschüler leben; von welcher Sippe (Gotra) bin ich?' (1) Sie erwiderte ihm: 'Das weiß ich nicht, mein Kind, von welcher Sippe du bist. In meiner Jugend, als ich vieldienend umherzog, habe ich dich empfangen; ich weiß nicht, von welcher Sippe du bist. Jabālā heiße ich, Satyakāma heißt du; so nenne dich Satyakāma Jābāla.' (2)
Wort für Wort
satyakāmo ha jābālo
Satyakāma, [Sohn] der Jabālā
jabālāṃ mātaram āmantrayāṃcakre
wandte sich an seine Mutter Jabālā
brahmacaryaṃ bhavati vivatsyāmi
ich möchte als Religionsschüler leben
kiṃgotro nv aham asmi
von welcher Sippe bin ich denn
bahv ahaṃ carantī paricāriṇī yauvane
in meiner Jugend, viel umherziehend, [vielen] dienend
sa ha hāridrumataṃ gautamam etyovāca, brahmacaryaṃ bhagavati vatsyāmy upeyāṃ bhagavantam iti (4.4.3). taṃ hovāca kiṃgotro nu somyāsīti, sa hovāca nāham etad veda bho yad gotro 'ham asmi, apṛcchaṃ mātaram, sā mā pratyabravīd bahv ahaṃ carantī paricāriṇī yauvane tvām alabhe, sāham etan na veda yad gotras tvam asīti, jabālā tu nāmāham asmi, satyakāmo nāma tvam asīti, so 'haṃ satyakāmo jābālo 'smi bho iti (4.4.4). taṃ hovāca naitad abrāhmaṇo vivaktum arhati, samidhaṃ somyāhara, upa tvā neṣye, na satyād agā iti, tam upanīya kṛśānām abalānāṃ catuḥśatā gā nirakṛtyovāca, imāḥ somyānusaṃvrajeti; tā abhiprasthāpayan uvāca, nāsahasreṇāvarteyeti, sa ha varṣagaṇaṃ provāsa, tā yadā sahasraṃ sampeduḥ (4.4.5).
Er ging zu Gautama Hāridrumata und sprach: 'Ich möchte als Religionsschüler bei Euch, Herr, wohnen; möge ich mich Euch, Herr, [als Schüler] nähern.' (3) Der sprach zu ihm: 'Von welcher Sippe bist du, Lieber?' Er erwiderte: 'Das weiß ich nicht, Herr, von welcher Sippe ich bin. Ich fragte meine Mutter; sie antwortete mir: "In meiner Jugend, als ich vieldienend umherzog, habe ich dich empfangen; ich weiß nicht, von welcher Sippe du bist. Jabālā heiße ich, Satyakāma heißt du." So bin ich Satyakāma Jābāla, Herr.' (4) Da sprach er zu ihm: 'Kein Nicht-Brahmane könnte so [freimütig] sprechen. Bring das Brennholz, Lieber, ich will dich einweihen; du bist nicht von der Wahrheit abgewichen.' Nachdem er ihn eingeweiht hatte, wählte er vierhundert magere, schwache Kühe aus und sprach: 'Diese, Lieber, treibe hinaus.' Sie forttreibend sprach er: 'Ich werde nicht zurückkehren, ehe sie nicht tausend sind.' Er weilte [in der Fremde] eine Reihe von Jahren, bis sie sich zu tausend vermehrt hatten. (5)
Wort für Wort
hāridrumataṃ gautamam etya uvāca
er ging zu Gautama Hāridrumata und sprach
brahmacaryaṃ bhagavati vatsyāmi
ich möchte als Schüler bei Euch, Herr, wohnen
kiṃgotro nu somya asi
von welcher Sippe bist du, Lieber
so 'haṃ satyakāmo jābālo 'smi
so bin ich Satyakāma Jābāla
naitad abrāhmaṇo vivaktum arhati
kein Nicht-Brahmane könnte dies so sprechen
samidhaṃ somya āhara
bring das Brennholz, Lieber
upa tvā neṣye
ich will dich einweihen
na satyād agāḥ
du bist nicht von der Wahrheit abgewichen
kṛśānām abalānāṃ catuḥśatā gāḥ
vierhundert magere, schwache Kühe
nāsahasreṇa āvarteya
ich werde nicht zurückkehren, ehe [es] nicht tausend [sind]
atha hainam ṛṣabho 'bhyuvāda satyakāma3 iti, bhagava iti ha pratiśuśrāva, prāptāḥ somya sahasraṃ smaḥ, prāpaya na ācāryakulam (4.5.1). brahmaṇaś ca te pādaṃ bravāṇīti, bravītu me bhagavān iti, tasmai hovāca prācī dik kalā, pratīcī dik kalā, dakṣiṇā dik kalā, udīcī dik kalā, eṣa vai somya catuṣkalaḥ pādo brahmaṇaḥ prakāśavān nāma (4.5.2). sa ya etam evaṃ vidvāṃś catuṣkalaṃ pādaṃ brahmaṇaḥ prakāśavān ity upāste, prakāśavān asmiṃl loke bhavati, prakāśavato ha lokāñ jayati ya etam evaṃ vidvāṃś catuṣkalaṃ pādaṃ brahmaṇaḥ prakāśavān ity upāste (4.5.3).
Da redete ihn ein Stier an: 'Satyakāma!' – 'Herr!', antwortete er. '[Ihr Kühe] seid nun, Lieber, tausend geworden; bring uns zum Haus des Lehrers zurück. (1) Ich will dir einen Fuß des Brahman verkünden.' 'Verkünde ihn mir, Herr!' Er sprach zu ihm: 'Die Ostrichtung ist ein Teil, die Westrichtung ist ein Teil, die Südrichtung ist ein Teil, die Nordrichtung ist ein Teil – das, Lieber, ist der vierteilige Fuß des Brahman namens "der Leuchtende" (Prakāśavat). (2) Wer diesen vierteiligen Fuß des Brahman, "den Leuchtenden", so wissend verehrt, wird in dieser Welt leuchtend; er gewinnt die leuchtenden Welten, wer diesen vierteiligen Fuß des Brahman, "den Leuchtenden", so wissend verehrt. (3)
Wort für Wort
ṛṣabho 'bhyuvāda satyakāma
ein Stier redete Satyakāma an
prāptāḥ somya sahasraṃ smaḥ
wir sind, Lieber, tausend geworden
prāpaya na ācāryakulam
bring uns zum Haus des Lehrers
brahmaṇaś ca te pādaṃ bravāṇi
ich will dir einen Fuß des Brahman verkünden
prācī dik kalā pratīcī dik kalā dakṣiṇā dik kalā udīcī dik kalā
Ost, West, Süd, Nord [sind je] ein Teil
catuṣkalaḥ pādo brahmaṇaḥ prakāśavān nāma
der vierteilige Fuß des Brahman, 'der Leuchtende' genannt
agniṣ ṭe pādaṃ vaktety, sa ha śvobhūte gā abhiprasthāpayāṃcakāra, tā yatrābhi sāyaṃ babhuvus tatrāgnim upasamādhāya gā uparudhya samidham ādhāya paścād agneḥ prāṅ upaviveśa (4.6.1). tam agnir abhyuvāda satyakāma3 iti, bhagava iti ha pratiśuśrāva (4.6.2). brahmaṇaḥ somya te pādaṃ bravāṇīti, bravītu me bhagavān iti, tasmai hovāca pṛthivī kalā, antarikṣaṃ kalā, dyauḥ kalā, samudraḥ kalā, eṣa vai somya catuṣkalaḥ pādo brahmaṇo 'nantavān nāma (4.6.3). sa ya etam evaṃ vidvāṃś catuṣkalaṃ pādaṃ brahmaṇo 'nantavān ity upāste, anantavān asmiṃl loke bhavati, anantavato ha lokāñ jayati ya etam evaṃ vidvāṃś catuṣkalaṃ pādaṃ brahmaṇo 'nantavān ity upāste (4.6.4).
Da sprach [ein anderes Mal ein Stier oder der Text setzt fort]: 'Ich will dir einen Fuß verkünden.' Als der [nächste] Morgen anbrach, trieb er die Kühe weiter; und als sie gegen Abend [an einen Ort] kamen, entzündete er dort das Feuer, hemmte die Kühe [ein], legte Brennholz nach und setzte sich hinter dem Feuer, [mit Blick] nach Osten. (1) Da redete ihn das Feuer (Agni) an: 'Satyakāma!' – 'Herr!', antwortete er. (2) 'Ich will dir, Lieber, einen Fuß des Brahman verkünden.' 'Verkünde ihn mir, Herr!' Er sprach zu ihm: 'Die Erde ist ein Teil, der Luftraum ist ein Teil, der Himmel ist ein Teil, der Ozean ist ein Teil – das, Lieber, ist der vierteilige Fuß des Brahman namens "der Unendliche" (Anantavat). (3) Wer diesen vierteiligen Fuß des Brahman, "den Unendlichen", so wissend verehrt, wird in dieser Welt unendlich [reich an Gütern]; er gewinnt die unendlichen Welten, wer diesen vierteiligen Fuß des Brahman, "den Unendlichen", so wissend verehrt. (4)
Wort für Wort
śvobhūte gā abhiprasthāpayāṃcakāra
als der Morgen anbrach, trieb er die Kühe weiter
agnim upasamādhāya
das Feuer entzündend
samidham ādhāya
Brennholz nachlegend
paścād agneḥ prāṅ upaviveśa
hinter dem Feuer setzte er sich, [mit Blick] nach Osten
atha hainaṃ haṃsa upanipatyābhyuvāda satyakāma3 iti, bhagava iti ha pratiśuśrāva (4.7.1). brahmaṇas te pādaṃ bravāṇīti, bravītu me bhagavān iti, tasmai hovācāgniḥ kalā, sūryaḥ kalā, candraḥ kalā, vidyut kalā, eṣa vai somya catuṣkalaḥ pādo brahmaṇo jyotiṣmān nāma (4.7.2). sa ya etam evaṃ vidvāṃś catuṣkalaṃ pādaṃ brahmaṇo jyotiṣmān ity upāste, jyotiṣmān asmiṃl loke bhavati, jyotiṣmato ha lokāñ jayati ya etam evaṃ vidvāṃś catuṣkalaṃ pādaṃ brahmaṇo jyotiṣmān ity upāste (4.7.3).
Als nächstes [während einer weiteren nächtlichen Rast] flog eine wilde Gans (Haṃsa) heran und redete ihn an: 'Satyakāma!' – 'Herr!', antwortete er. (1) 'Ich will dir einen Fuß des Brahman verkünden.' 'Verkünde ihn mir, Herr!' Er sprach zu ihm: 'Das Feuer ist ein Teil, die Sonne ist ein Teil, der Mond ist ein Teil, der Blitz ist ein Teil – das, Lieber, ist der vierteilige Fuß des Brahman namens "der Leuchtkraftvolle" (Jyotiṣmat). (2) Wer diesen vierteiligen Fuß des Brahman, "den Leuchtkraftvollen", so wissend verehrt, wird in dieser Welt leuchtkraftvoll; er gewinnt die leuchtkraftvollen Welten, wer diesen vierteiligen Fuß des Brahman, "den Leuchtkraftvollen", so wissend verehrt. (3)
Wort für Wort
haṃsa upanipatya abhyuvāda
eine wilde Gans flog heran und redete ihn an
agniḥ kalā sūryaḥ kalā candraḥ kalā vidyut kalā
Feuer, Sonne, Mond, Blitz [sind je] ein Teil
catuṣkalaḥ pādo brahmaṇo jyotiṣmān nāma
der vierteilige Fuß des Brahman, 'der Leuchtkraftvolle' genannt
atha hainaṃ madgur upanipatyābhyuvāda satyakāma3 iti, bhagava iti ha pratiśuśrāva (4.8.1). brahmaṇaḥ somya te pādaṃ bravāṇīti, bravītu me bhagavān iti, tasmai hovāca prāṇaḥ kalā, cakṣuḥ kalā, śrotraṃ kalā, manaḥ kalā, eṣa vai somya catuṣkalaḥ pādo brahmaṇa āyatanavān nāma (4.8.2). sa ya etam evaṃ vidvāṃś catuṣkalaṃ pādaṃ brahmaṇa āyatanavān ity upāste, āyatanavān asmiṃl loke bhavati, āyatanavato ha lokāñ jayati ya etam evaṃ vidvāṃś catuṣkalaṃ pādaṃ brahmaṇa āyatanavān ity upāste (4.8.3).
Als nächstes flog ein Taucher-Wasservogel (Madgu) heran und redete ihn an: 'Satyakāma!' – 'Herr!', antwortete er. (1) 'Ich will dir, Lieber, einen Fuß des Brahman verkünden.' 'Verkünde ihn mir, Herr!' Er sprach zu ihm: 'Der Atem ist ein Teil, das Auge ist ein Teil, das Ohr ist ein Teil, der Geist ist ein Teil – das, Lieber, ist der vierteilige Fuß des Brahman namens "der Sitz-Habende" (Āyatanavat). (2) Wer diesen vierteiligen Fuß des Brahman, "den Sitz-Habenden", so wissend verehrt, erhält in dieser Welt einen [festen] Sitz; er gewinnt die Welten, die einen [festen] Sitz haben, wer diesen vierteiligen Fuß des Brahman, "den Sitz-Habenden", so wissend verehrt. (3)
Wort für Wort
madgur upanipatya abhyuvāda
ein Taucher-Wasservogel flog heran und redete ihn an
prāṇaḥ kalā cakṣuḥ kalā śrotraṃ kalā manaḥ kalā
Atem, Auge, Ohr, Geist [sind je] ein Teil
catuṣkalaḥ pādo brahmaṇa āyatanavān nāma
der vierteilige Fuß des Brahman, 'der Sitz-Habende' genannt
prāpa hācāryakulam, tam ācāryo 'bhyuvāda satyakāma3 iti, bhagava iti ha pratiśuśrāva (4.9.1). brahmavid iva vai somya bhāsi, ko nu tvānuśaśāseti, anye manuṣyebhya iti ha pratijajñe, bhagavāṃs tv eva me kāme brūyād iti (4.9.2). śrutaṃ hy eva me bhagavaddṛśebhyaḥ, ācāryād dhaiva vidyā viditā sādhiṣṭhaṃ prāpatīti, tasmai hai tad evovāca, atra ha na kiṃcana vīyāyeti, vīyāyeti (4.9.3).
Er erreichte das Haus des Lehrers. Der Lehrer redete ihn an: 'Satyakāma!' – 'Herr!', antwortete er. (1) 'Du glänzt ja geradezu wie einer, der das Brahman kennt, Lieber! Wer hat dich denn unterwiesen?' 'Andere als Menschen [haben mich unterwiesen]', bekannte er, 'doch mögest du, Herr, es mir nach [meinem eigentlichen] Wunsch [noch einmal förmlich] verkünden.' (2) 'Denn ich habe von Leuten wie Euch, Herr, gehört, dass das vom Lehrer selbst erlangte Wissen am sichersten zum Ziel führt.' Da verkündete er ihm eben dasselbe [noch einmal]; dabei blieb nichts, aber auch gar nichts ausgelassen. (3)
Wort für Wort
ācāryo 'bhyuvāda satyakāma
der Lehrer redete Satyakāma an
brahmavid iva vai somya bhāsi
du glänzt ja wie einer, der das Brahman kennt
ko nu tvā anuśaśāsa
wer hat dich denn unterwiesen
anye manuṣyebhyaḥ
andere als Menschen
bhagavāṃs tv eva me kāme brūyāt
mögest du es mir nach meinem Wunsch verkünden
ācāryād dhaiva vidyā viditā sādhiṣṭhaṃ prāpati
das vom Lehrer erlangte Wissen führt am sichersten zum Ziel
upakosalo ha vai kāmalāyanaḥ satyakāme jābāle brahmacaryam uvāsa, tasya ha dvādaśa varṣāṇy agnīn paricacāra, sa ha smānyān antevāsinaḥ samāvartayaṃs taṃ ha smaiva na samāvartayati (4.10.1). taṃ jāyovāca tapasā brahmacārī kuśalam agnīn paricacārīmā tvāgnayaḥ parivaktāro mā tvā abrahmavantam abhipraveṣṭsyaṃs, tasmai hā procyaiva pravāsāṃ cakre (4.10.2). sa ha vyādhinānaśitum dadhre, tam ācāryajāyovāca brahmacārinn aśnāsi, kiṃ nu nāśāsīti, sa hovāca bahava ime 'smin puruṣe kāmā nānātyayā vyādhibhiḥ pratipūrṇo 'smi, nāśiṣyāmīti (4.10.3). atha hāgnayaḥ samūdire tapasā brahmacārī kuśalaṃ naḥ paryacārīd anta u asmai pravocāmeti, tasmai hocuḥ prāṇo brahma kaṃ brahma khaṃ brahmeti (4.10.4). sa hovāca vijānāmy ahaṃ yat prāṇo brahma, kaṃ ca tu khaṃ ca na vijānāmīti, te hocur yad vāva kaṃ tad eva khaṃ, yad eva khaṃ tad eva kam iti, prāṇaṃ ca hāsmai tad ākāśaṃ cocuḥ (4.10.5).
Upakosala Kāmalāyana lebte als Religionsschüler bei Satyakāma Jābāla; zwölf Jahre lang pflegte er dessen [heilige] Feuer. Der [Lehrer] entließ [nach der üblichen Frist] andere seiner Schüler nach Hause, ihn aber entließ er nicht. (1) Seine Frau sprach zu ihm: 'Dieser Religionsschüler hat mit Fleiß die Feuer gepflegt; mögen dich die Feuer selbst nicht [dafür] tadeln, dass du ihn nicht als einen ohne Brahman-Wissen [wieder] hineingehen lässt [?] – lehre ihn.' Doch er sagte ihm nur so etwas [Ausweichendes] und begab sich auf eine Reise. (2) [Anm.: Der genaue Wortlaut und Sinn von Kh. 10.2 ("parivaktāro mā tvā abrahmavantam abhipraveṣṭsyan") bleibt im Quelltext unklar; die Übersetzung folgt dem mutmaßlichen Grundgedanken – der Lehrer zieht fort, ohne den Schüler zu unterrichten.] Da beschloss jener [Upakosala], krank vor Kummer, nicht zu essen. Die Frau des Lehrers sprach zu ihm: 'Religionsschüler, du isst nicht – warum isst du nicht?' Er sprach: 'Viele Begierden sind in diesem Menschen [in mir]; von mannigfachen, unaufhörlichen Leiden bin ich erfüllt, ich werde nicht essen.' (3) Da besprachen sich die Feuer untereinander: 'Dieser Religionsschüler hat uns mit Fleiß gepflegt; wohlan, lasst uns ihm [selbst die Lehre] verkünden.' Sie sprachen zu ihm: 'Der Atem ist Brahman, Ka ["Freude"] ist Brahman, Kha ["Raum"] ist Brahman.' (4) Er sprach: 'Ich verstehe, dass der Atem Brahman ist, aber Ka und Kha verstehe ich nicht.' Sie sprachen: 'Was eben Ka ist, das eben ist Kha; was eben Kha ist, das eben ist Ka.' Und sie verkündeten ihm den Atem zusammen mit dem Raum (Ākāśa). (5)
Wort für Wort
upakosalo ha vai kāmalāyanaḥ
Upakosala Kāmalāyana
dvādaśa varṣāṇy agnīn paricacāra
zwölf Jahre lang pflegte er die Feuer
anyān antevāsinaḥ samāvartayan
die anderen Schüler entlassend
taṃ na samāvartayati
ihn entließ er nicht
tapasā kuśalam agnīn paricacāra
er hat die Feuer mit Fleiß gepflegt
pravāsāṃ cakre
er begab sich auf eine Reise
vyādhinā anaśitum dadhre
er beschloss, krank [vor Kummer], nicht zu essen
bahava ime 'smin puruṣe kāmāḥ
viele Begierden sind in diesem Menschen
agnayaḥ samūdire
die Feuer besprachen sich
prāṇo brahma kaṃ brahma khaṃ brahma
der Atem ist Brahman, Ka ist Brahman, Kha ist Brahman
yad vāva kaṃ tad eva khaṃ
was Ka ist, das ist Kha
prāṇaṃ ca hāsmai tad ākāśaṃ cocuḥ
sie verkündeten ihm den Atem zusammen mit dem Raum
atha hainaṃ gārhapatyo 'nuśaśāsa pṛthivy agnir annam ādityaḥ, ya eṣa āditye puruṣo dṛśyate so 'ham asmi, sa evāham asmīti (4.11.1). sa ya etam evaṃ vidvān upāste, apahate pāpakṛtyāṃ, lokī bhavati, sarvam āyur eti, jyogjīvati, nāsyāvarapuruṣāḥ kṣīyante, upa vayaṃ taṃ bhuñjāmo 'smiꣳś ca loke 'muṣmiꣳś ca, ya etam evaṃ vidvān upāste (4.11.2). atha hainam anvāhāryapacano 'nuśaśāsāpo diśo nakṣatrāṇi candramā iti, ya eṣa candramasi puruṣo dṛśyate so 'ham asmi, sa evāham asmīti (4.12.1). sa ya etam evaṃ vidvān upāste, apahate pāpakṛtyāṃ, lokī bhavati, sarvam āyur eti, jyogjīvati, nāsyāvarapuruṣāḥ kṣīyante, upa vayaṃ taṃ bhuñjāmo 'smiꣳś ca loke 'muṣmiꣳś ca, ya etam evaṃ vidvān upāste (4.12.2). atha hainam āhavanīyo 'nuśaśāsa prāṇa ākāśo dyaur vidyud iti, ya eṣa vidyuti puruṣo dṛśyate so 'ham asmi, sa evāham asmīti (4.13.1). sa ya etam evaṃ vidvān upāste, apahate pāpakṛtyāṃ, lokī bhavati, sarvam āyur eti, jyogjīvati, nāsyāvarapuruṣāḥ kṣīyante, upa vayaṃ taṃ bhuñjāmo 'smiꣳś ca loke 'muṣmiꣳś ca, ya etam evaṃ vidvān upāste (4.13.2).
Da unterwies ihn das Gārhapatya-Feuer: 'Die Erde, das Feuer, die Speise, die Sonne [sind meine Gestalten] – jener Puruṣa (Mensch), der in der Sonne gesehen wird, der bin ich, eben der bin ich.' (11.1) Wer, dies so wissend, [dies] verehrt, dem werden böse Taten getilgt; er erlangt jene Welt, erreicht die volle Lebensspanne, lebt lange, seine Nachkommen (die 'geringeren Menschen [nach ihm]') gehen nicht zugrunde; wir [die Feuer] nehmen ihn auf, sowohl in dieser als auch in jener Welt, wer, dies so wissend, [dies] verehrt. (11.2) Da unterwies ihn das Anvāhāryapacana-Feuer [das südliche Opferfeuer]: 'Die Gewässer, die Himmelsrichtungen, die Sterne, der Mond [sind meine Gestalten] – jener Puruṣa, der im Mond gesehen wird, der bin ich, eben der bin ich.' (12.1) [Dieselbe Segensformel wie oben.] (12.2) Da unterwies ihn das Āhavanīya-Feuer: 'Der Atem, der Raum, der Himmel, der Blitz [sind meine Gestalten] – jener Puruṣa, der im Blitz gesehen wird, der bin ich, eben der bin ich.' (13.1) [Dieselbe Segensformel wie oben.] (13.2)
Wort für Wort
gārhapatyo 'nuśaśāsa
das Gārhapatya-Feuer unterwies [ihn]
pṛthivy agnir annam ādityaḥ
Erde, Feuer, Speise, Sonne
ya eṣa āditye puruṣo dṛśyate so 'ham asmi
der Puruṣa, der in der Sonne gesehen wird, der bin ich
te hocur upakosalaiṣā somya te 'smad ātmavidyā ca brahmavidyā ca, ācāryas tu te gatiṃ vaktā, tam ācāryo 'bhyājagāma, tam ācāryo 'bhyuvādopakosala3 iti (4.14.1). bhagava iti ha pratiśuśrāva, brahmavid iva somya te mukhaṃ bhāti, ko nu tvānuśaśāseti, ko nu mānuśiṣyād bho iti ha pratijānīta iva, ime nūnam īdṛśā anyādṛśā ityāgnīn abhyūde, kiṃ nu somya kila te 'vocann iti (4.14.2). idam iti ha pratijajñe, lokān vāva kila somya te 'vocan, tv aham dhi te tad vakṣyāmi yathā puṣkarapalāśa āpo na śliṣyanta evam evaṃvidi pāpaṃ karma na śliṣyata iti, bravītu me bhagavān iti, tasmai hovāca (4.14.3).
Da sprachen sie [die Feuer]: 'Upakosala, dies, Lieber, ist von uns [gegeben] die Lehre vom Selbst und die Lehre vom Brahman; doch der [rechte] Weg [nach dem Tod] wird dir dein Lehrer verkünden.' Der Lehrer kehrte zurück. Der Lehrer redete ihn an: 'Upakosala!' (1) 'Herr!', antwortete er, '[dein Gesicht] leuchtet, Lieber, wie [das] eines Brahman-Kenners – wer hat dich denn unterwiesen?' [Upakosala] gab, gleichsam ausweichend, vor: 'Wer sollte mich denn unterwiesen haben, Herr?' – [und deutete an:] 'Diese hier [scil. die Feuer] erscheinen wohl nun anders als sonst [d.h. sie haben zu ihm gesprochen, doch er zögert, es offen zuzugeben].' Auf die Feuer weisend [fragte der Lehrer]: 'Was, Lieber, haben sie dir denn gesagt?' (2) 'Dies', bekannte er [schließlich]. '[Nur] von den Welten haben sie dir wohl gesprochen, Lieber; ich aber will dir das [Eigentliche] verkünden: wie das Wasser nicht am Lotusblatt haftet, so haftet an einem, der so weiß, keine böse Tat. Verkünde es mir, Herr!' Da sprach er zu ihm: (3) [Anm.: Diese Dialogpassage (4.14.2) ist im Quelltext sprachlich stark verdichtet und an mehreren Stellen unsicher zu deuten; die Übersetzung gibt den mutmaßlichen Sinn wieder – Upakosala zögert zunächst, seine Unterweisung durch die Feuer offen einzugestehen, worauf der Lehrer ihm die vollständigere, den Feuern noch fehlende Lehre verspricht.]
Wort für Wort
eṣā somya te 'smad ātmavidyā ca brahmavidyā ca
dies ist von uns [gegeben] die Lehre vom Selbst und vom Brahman
ācāryas tu te gatiṃ vaktā
der Lehrer aber wird dir den Weg verkünden
brahmavid iva somya te mukhaṃ bhāti
dein Gesicht leuchtet wie das eines Brahman-Kenners
ya eṣo 'kṣiṇi puruṣo dṛśyata eṣa ātmeti hovācaitad amṛtam abhayam etad brahmeti, tad yady apy asmin sarpir vodakaṃ vā siñcati vartmanī eva gacchati (4.15.1). etaꣳ saṃyadvāma ity ācakṣate, etaṃ hi sarvāṇi vāmāny abhisaṃyanti, sarvāṇy enaṃ vāmāny abhisaṃyanti ya evaṃ veda (4.15.2). eṣa u eva vāmanīr eṣa hi sarvāṇi vāmāni nayati, sarvāṇi vāmāni nayati ya evaṃ veda (4.15.3). eṣa u eva bhāmanīr eṣa hi sarveṣu lokeṣu bhāti, sarveṣu lokeṣu bhāti ya evaṃ veda (4.15.4). atha yad u caivāsmiñ chavyaṃ kurvanti, yadi ca nārciṣam evābhisaṃbhavanty arciṣo 'harahar āpūryamāṇapakṣam āpūryamāṇapakṣād yān ṣaḍ udaṅṅ eti māsāꣳs tān māsebhyaḥ saṃvatsaraꣳ, saṃvatsarād ādityam, ādityāc candramasaṃ, candramaso vidyutam (4.15.4). tat puruṣo 'mānavaḥ, sa enān brahma gamayaty, eṣa devapatho brahmapatha etena pratipadyamānā imaṃ mānavam āvartaṃ nāvartante, nāvartante (4.15.5).
'Jener Puruṣa, der im Auge gesehen wird, das ist das Selbst', so sprach er, 'das ist das Unsterbliche, das Furchtlose, das ist das Brahman.' Selbst wenn man auf dieses [Auge] Schmalz oder Wasser gießt, läuft es an dessen Rändern [ab, ohne zu haften]. (1) Diesen [Puruṣa im Auge] nennen sie den 'Zusammenführer des Guten' (Saṃyadvāma), denn ihm strömt alles Gute zu; alles Gute strömt dem zu, wer dies weiß. (2) Er ist auch der 'Führer des Guten' (Vāmanī), denn er führt alles Gute; er führt alles Gute, wer dies weiß. (3) Er ist auch der 'Leuchter' (Bhāmanī), denn er leuchtet in allen Welten; er leuchtet in allen Welten, wer dies weiß. (4) Nun, was immer man an diesem [Verstorbenen] an Bestattungsriten (śavya) auch vollzieht – ob sie [ihn] nicht zur Flamme gelangen lassen [oder doch] –, [so gilt für den Wissenden:] von der Flamme [gelangt er] zum Tag, vom Tag zur wachsenden Monatshälfte, von der wachsenden Monatshälfte zu den sechs Monaten, in denen die Sonne nach Norden geht, von diesen Monaten zum Jahr, vom Jahr zur Sonne, von der Sonne zum Mond, vom Mond zum Blitz. (4) Dort [ist] ein Puruṣa, der nicht-menschlich (übermenschlich) ist; der führt sie zum Brahman. Das ist der Weg der Götter, der Weg zum Brahman; die auf diesem Weg dahinschreiten, kehren nicht in dieses menschliche Wirbeln (Kreisen) zurück, kehren nicht zurück. (5) [Anm.: Kh. 15.4 ist ein knapp formulierter Übergang zur berühmten "Weg-der-Götter"-Lehre (Devayāna); die genaue syntaktische Verbindung von "śavyaṃ kurvanti" zur folgenden Aufzählung bleibt im Quelltext elliptisch.]
Wort für Wort
ya eṣo 'kṣiṇi puruṣo dṛśyate eṣa ātmā
der Puruṣa, der im Auge gesehen wird, ist das Selbst
etad amṛtam abhayam etad brahma
das ist das Unsterbliche, das Furchtlose, das Brahman
sarpir vodakaṃ vā siñcati
man gießt Schmalz oder Wasser [darauf]
vartmanī eva gacchati
es läuft an den Rändern ab
saṃyadvāma
'der Zusammenführer des Guten'
sarvāṇi vāmāny abhisaṃyanti
alles Gute strömt ihm zu
vāmanīḥ ... nayati
der 'Führer' ... er führt
bhāmanīḥ ... sarveṣu lokeṣu bhāti
der 'Leuchter' ... er leuchtet in allen Welten
arciṣo 'harahaḥ āpūryamāṇapakṣam
von der Flamme zum Tag, zur wachsenden Monatshälfte
ṣaḍ udaṅṅ eti māsān
die sechs Monate, in denen [die Sonne] nach Norden geht
saṃvatsarād ādityam ādityāc candramasaṃ
vom Jahr zur Sonne, von der Sonne zum Mond
candramaso vidyutam
vom Mond zum Blitz
puruṣo 'mānavaḥ sa enān brahma gamayati
ein übermenschlicher Puruṣa führt sie zum Brahman
eṣa devapatho brahmapathaḥ
das ist der Weg der Götter, der Weg zum Brahman
imaṃ mānavam āvartaṃ nāvartante
sie kehren nicht in dieses menschliche Wirbeln zurück
eṣa ha vai yajño yo 'yaṃ pavata, eṣa ha yann idaṃ sarvaṃ punāti, yad eṣa yann idaṃ sarvaṃ punāti, tasmād eṣa eva yajñas, tasya manaś ca vāk ca vartanī (4.16.1). tayor anyataraṃ manasā saṃskaroti brahmā, vācā hotādhvaryur udgātānyatarā, sa yatropākṛte prātaranuvāke purā paridhānīyāyā brahmā vyavadati (4.16.2). anyataram eva vartanīṃ saṃskaroti, hīyate 'nyatarā, sa yathaikapād vrajañ jñeṣṭhā vekena cakreṇa vartamāno riṣyaty evam asya yajño riṣyati, yajñaṃ riṣyantaṃ yajamāno 'nu riṣyati, sa iṣṭvā pāpīyān bhavati (4.16.3). atha yatropākṛte prātaranuvāke na purā paridhānīyāyā brahmā vyavadaty ubhe eva vartanī saṃskurvanti, na hīyate 'nyatarā (4.16.4). sa yathobhayapād vrajaṃs cobhābhyāṃ cakrābhyāṃ vartamānaḥ pratitiṣṭhaty evam asya yajñaḥ pratitiṣṭhati, yajñaṃ pratitiṣṭhantaṃ yajamāno 'nupratitiṣṭhati, sa iṣṭvā śreyān bhavati (4.16.5).
Dieser hier, der [als Wind] weht, ist wahrlich das Opfer; er, im Gehen, reinigt all dies; weil er, gehend, all dies reinigt, deshalb ist eben er das Opfer; seine beiden Bahnen sind Geist und Sprache. (1) Von diesen beiden bereitet der Brahman-Priester die eine mit dem Geist [im Stillen]; durch Sprache [bereiten] der Hotṛ, der Adhvaryu und der Udgātṛ die andere. Wenn nun, während die Morgenrezitation (Prātaranuvāka) begonnen ist, vor der Paridhānīyā-[Strophe], der Brahman-Priester [unbedacht] spricht [d.h. das Schweigegebot bricht], (2) dann bereitet er nur die eine Bahn, die andere bleibt mangelhaft; und so, wie einer, der auf einem Fuß geht, oder ein Wagen, der sich auf einem Rad bewegt, zu Schaden kommt, ebenso kommt sein Opfer zu Schaden; und dem zu Schaden kommenden Opfer folgt der Opfernde in den Schaden nach; nachdem er geopfert hat, ergeht es ihm schlechter [als zuvor]. (3) Wenn aber, während die Morgenrezitation begonnen ist, der Brahman-Priester nicht vor der Paridhānīyā-Strophe spricht, dann bereiten beide [Priestergruppen zusammen] beide Bahnen, keine bleibt mangelhaft. (4) Und so, wie einer, der auf beiden Füßen geht, oder ein Wagen, der sich auf beiden Rädern bewegt, fest steht, ebenso steht sein Opfer fest; und dem fest stehenden Opfer folgt der Opfernde im Feststehen nach; nachdem er geopfert hat, ergeht es ihm besser [als zuvor]. (5)
Wort für Wort
eṣa ha vai yajño yo 'yaṃ pavate
dieser, der [als Wind] weht, ist wahrlich das Opfer
yann idaṃ sarvaṃ punāti
gehend reinigt er all dies
manaś ca vāk ca vartanī
Geist und Sprache sind seine [beiden] Bahnen
anyataraṃ manasā saṃskaroti brahmā
die eine bereitet der Brahman-Priester mit dem Geist
vācā hotā adhvaryur udgātā anyatarām
durch Sprache [bereiten] Hotṛ, Adhvaryu, Udgātṛ die andere
purā paridhānīyāyā brahmā vyavadati
vor der Paridhānīyā spricht der Brahman-Priester [unbedacht]
prajāpatir lokān abhyatapat, teṣāṃ tapyamānānāṃ rasān prāvṛhad, agniṃ pṛthivyā, vāyum antarikṣād, ādityaṃ divaḥ (4.17.1). sa etās tisro devatā abhyatapat, tāsāṃ tapyamānānāṃ rasān prāvṛhad, agner ṛco, vāyor yajūṃṣi, sāmāny ādityāt (4.17.2). sa etāṃ trayīṃ vidyām abhyatapat, tasyās tapyamānāyā rasān prāvṛhad, bhūr ity ṛgbhyo, bhuvar iti yajurbhyaḥ, svar iti sāmabhyaḥ (4.17.3). tad yady ṛgbhyo riṣyed, gārhapatye juhuyād bhūḥ svāheti, tad ṛcām eva tad rasenarcāṃ vīryeṇa yajñasya viriṣṭaṃ saṃdadhāti (4.17.4). sa yadi yajuṣo riṣyed, dakṣiṇāgnau juhuyād bhuvaḥ svāheti, tad yajuṣām eva tad rasena yajuṣāṃ vīryeṇa yajñasya viriṣṭaṃ saṃdadhāti (4.17.5). atha yadi sāmato riṣyet, svāhety āhavanīye juhuyāt, tat sāmnām eva tad rasena sāmnāṃ vīryeṇa yajñasya viriṣṭaṃ saṃdadhāti (4.17.6). tad yathā lavaṇena suvarṇaṃ saṃdadhyāt, suvarṇena rajataṃ, rajatena trapu, trapuṇā sīsaṃ, sīsena lohaṃ, lohena dāru, dāru carmaṇā (4.17.7). evam eṣāṃ lokānām asau devatānām asyā ṛcayā vidyayā vīryeṇa yajñasya viriṣṭaṃ saṃdadhāti, bheṣajakṛto ha vā eṣa yajño yatraivaṃvid brahmā bhavati (4.17.8). eṣa ha vā udakcravaṇo yajño yatraivaṃvid brahmā bhavaty, eṣā vā ā brahmāṇam anugāthā, yato yata āvartate tat tad gacchati (4.17.9). mānavo brahmaivaika ṛtvik kṛtāny abhirakṣati, vaiśvo yajñaṃ yajamānaṃ sarvāṃś cartvijo 'bhirakṣati, tasmād evaṃvidam eva brahmāṇaṃ kurvīta, nānevaṃvidaṃ, nānevaṃvidam (4.17.10).
Prajāpati erhitzte die Welten [durch Askese]; von ihnen, den so Erhitzten, zog er die Wesenskerne (Essenzen) heraus: das Feuer aus der Erde, den Wind aus dem Luftraum, die Sonne aus dem Himmel. (1) Er erhitzte diese drei Gottheiten; von ihnen, den so Erhitzten, zog er die Wesenskerne heraus: die Ṛc-Verse aus dem Feuer, die Yajus-Sprüche aus dem Wind, die Sāman-Gesänge aus der Sonne. (2) Er erhitzte dieses dreifache Wissen [die drei Veden]; von ihm, dem so Erhitzten, zog er die Wesenskerne heraus: 'Bhūḥ' aus den Ṛc-Versen, 'Bhuvaḥ' aus den Yajus-Sprüchen, 'Svaḥ' aus den Sāman-Gesängen. (3) Wenn nun [ein Fehler] die Ṛc-Verse betreffend geschieht, soll man in das Gārhapatya-Feuer 'Bhūḥ, svāhā!' opfern; damit fügt man durch die Kraft und den Wesenskern der Ṛc-Verse das im Opfer Beschädigte wieder zusammen. (4) Wenn ein Fehler die Yajus-Sprüche betreffend geschieht, soll man in das südliche Feuer 'Bhuvaḥ, svāhā!' opfern; damit fügt man durch die Kraft der Yajus-Sprüche das im Opfer Beschädigte wieder zusammen. (5) Wenn aber ein Fehler die Sāman-Gesänge betreffend geschieht, soll man in das Āhavanīya-Feuer 'Svaḥ, svāhā!' opfern; damit fügt man durch die Kraft der Sāman-Gesänge das im Opfer Beschädigte wieder zusammen. (6) So, wie man Gold mit Borax verlötet, Silber mit Gold, Zinn mit Silber, Blei mit Zinn, Kupfer mit Blei, Holz mit Kupfer, Leder mit Holz [verbindet] – (7) ebenso fügt man durch die Kraft dieses Wissens von diesen Welten, jenen Gottheiten und diesen Versen das im Opfer Beschädigte wieder zusammen. Dieses Opfer ist wahrlich heilend (bheṣajakṛt), wenn darin ein Brahman-Priester waltet, der dies so weiß. (8) Dieses Opfer [behebt seinen Mangel] wahrlich an seiner Quelle [?], wenn darin ein Brahman-Priester waltet, der dies so weiß; dies ist der Lehrvers über den Brahman-Priester: 'Von wo immer [das Opfer] abweicht, dorthin [d.h. an eben jene Stelle wird es wieder ausgerichtet].' (9) [Anm.: Kh. 17.9 ("udakcravaṇaḥ ... yato yata āvartate tat tad gacchati") ist im Quelltext besonders knapp und dunkel formuliert; die Übersetzung gibt nur den mutmaßlichen Grundgedanken wieder.] Der Brahman-Priester allein unter den Priestern, gleichsam menschenhaft [?], bewacht die vollzogenen [Riten]; allumfassend bewacht er das Opfer, den Opfernden und alle [übrigen] Priester; darum ernenne man nur einen solchen, der dies so weiß, zum Brahman-Priester, nicht einen, der dies nicht so weiß, nicht einen, der dies nicht so weiß. (10) [Anm.: Auch Kh. 17.10 enthält mit "mānavo ... ṛtvik" eine sprachlich schwer aufzulösende Wendung; sinngemäß wird die besondere Schutzfunktion des Brahman-Priesters betont.]
Wort für Wort
prajāpatir lokān abhyatapat
Prajāpati erhitzte die Welten
rasān prāvṛhat
er zog die Wesenskerne heraus
agniṃ pṛthivyā vāyum antarikṣād ādityaṃ divaḥ
das Feuer aus der Erde, den Wind aus dem Luftraum, die Sonne aus dem Himmel
agner ṛco vāyor yajūṃṣi sāmāny ādityāt
die Ṛc aus dem Feuer, die Yajus aus dem Wind, die Sāman aus der Sonne