Kapitel 5: chāndogyopaniṣat · pañcamo 'dhyāyaḥ
Adhyāya 5: Der Wettstreit der Sinne, die Fünf-Feuer-Lehre des Śvetaketu, Aśvapatis Vaiśvānara-Lehre und das innere Prāṇa-Agnihotra (ChU 5,1–24)
Adhyāya 5 (24 Khaṇḍas) verbindet drei große Lehrstücke. Kh. 1–2 erzählen den Wettstreit der Sinne und Lebenskräfte um den Vorrang, den der Atem (Prāṇa) gewinnt, gefolgt von einer knappen Übertragungsnotiz und einer dichten, an mehreren Stellen unsicher gedeuteten magischen Ritualanleitung (Mantha-Trank) zur Erlangung von Vorrang und Herrschaft. Kh. 3–10 enthalten die berühmte Erzählung von Śvetaketu Āruṇeya, der von Pravāhaṇa Jaivali mit fünf Fragen beschämt wird, die sein eigener Vater Uddālaka nicht beantworten kann – worauf dieser vom Kṣatriya-König die berühmte Fünf-Feuer-Lehre (Pañcāgni-Vidyā) empfängt: die Kette von Himmelswelt, Regen, Erde, Mensch und Frau als kosmische "Feuer", durch die Glaube über Soma, Regen, Speise und Samen bis zur Empfängnis und Geburt fließt, gefolgt von der klassischen Lehre der zwei Jenseits-Wege (Devayāna/Pitṛyāna) und dem "dritten Zustand" der unaufhörlichen Wiedergeburt als Kleingetier. Kh. 11–18 erzählen, wie sechs vedagelehrte Hausväter beim König Aśvapati Kaikeya Belehrung über den Selbst-Vaiśvānara suchen und der Reihe nach erfahren, dass sie jeweils nur einen Teil (Kopf, Auge, Atem, Rumpf, Blase, Füße) für das Ganze gehalten haben, bevor Aśvapati die zusammenfassende Lehre vom überall-ganz-gegenwärtigen Vaiśvānara und seiner Entsprechung zu den Opferfeuern im Körper gibt. Kh. 19–24 leiten daraus die Praxis des inneren Prāṇāgnihotra ab: die fünffache tägliche Speiseweihe an die fünf Atemkräfte (Prāṇa, Vyāna, Apāna, Samāna, Udāna) und ihre kosmischen Entsprechungen, mit der abschließenden Lehre, dass ein so Wissender selbst durch Almosen an einen Ausgestoßenen sein eigenes Selbst nährt. Mehrere Passagen – insbesondere die Ritualanleitung in Kh. 2 und einzelne Wortspiele in Kh. 12–17 – sind sprachlich stark verdichtet oder unsicher zu deuten und entsprechend mit [?] und [Anm.] gekennzeichnet.
yo ha vai jyeṣṭhaṃ ca śreṣṭhaṃ ca veda jyeṣṭhaś ca ha vai śreṣṭhaś ca bhavati, prāṇo vāva jyeṣṭhaś ca śreṣṭhaś ca (5.1.1). yo ha vai vasiṣṭhaṃ veda, vasiṣṭho ha svānāṃ bhavati, vāg vāva vasiṣṭhaḥ (5.1.2). yo ha vai pratiṣṭhāṃ veda, prati ha tiṣṭhaty asmiṃl loke 'muṣmiṃś ca, cakṣur vāva pratiṣṭhā (5.1.3). yo ha vai sampadaṃ veda, saṃ hāsmai kāmāḥ padyante daivāś ca mānuṣāś ca, śrotraṃ vāva sampat (5.1.4). yo ha vā āyatanaṃ veda, āyatanaṃ ha svānāṃ bhavati, mano ha vā āyatanam (5.1.5). atha ha prāṇā ahaṃśreyasi vyūdire, ahaṃ śreyān asmi, ahaṃ śreyān asmīti (5.1.6). te ha prāṇāḥ prajāpatiṃ pitaram etyocuḥ, bhagavan ko naḥ śreṣṭha iti, tān hovāca, yasminv utkrānte śarīraṃ pāpiṣṭhataram iva dṛśyeta, sa vaḥ śreṣṭha iti (5.1.7).
Wer den Ältesten und den Besten kennt, wird selbst der Älteste und der Beste; der Atem (Prāṇa) nämlich ist der Älteste und der Beste. (1) Wer den Fest-Gegründetsten (Vasiṣṭha) kennt, wird selbst der Fest-Gegründetste der Seinen; die Sprache nämlich ist der Fest-Gegründetste. (2) Wer den festen Stand (Pratiṣṭhā) kennt, gewinnt festen Stand in dieser und in jener Welt; das Auge nämlich ist der feste Stand. (3) Wer den Reichtum/Erfolg (Sampad) kennt, dem fügen sich die Wünsche, göttliche wie menschliche; das Ohr nämlich ist der Reichtum. (4) Wer den Sitz (Āyatana) kennt, wird selbst der Sitz der Seinen; der Geist nämlich ist der Sitz. (5) Da stritten die Lebenskräfte (Prāṇas) darüber, wer von ihnen der Beste sei: 'Ich bin der Beste, ich bin der Beste!' (6) Da gingen die Lebenskräfte zu ihrem Vater Prajāpati und sprachen: 'Herr, wer von uns ist der Beste?' Er sprach zu ihnen: 'Wessen Weggang der Körper gleichsam am elendesten erscheinen lässt, der ist der Beste unter euch.' (7)
Wort für Wort
yo ha vai jyeṣṭhaṃ ca śreṣṭhaṃ ca veda
wer den Ältesten und den Besten kennt
prāṇo vāva jyeṣṭhaś ca śreṣṭhaś ca
der Atem ist der Älteste und der Beste
vasiṣṭhaṃ veda
wer den Fest-Gegründetsten kennt
vāg vāva vasiṣṭhaḥ
die Sprache ist der Fest-Gegründetste
pratiṣṭhāṃ veda
wer den festen Stand kennt
cakṣur vāva pratiṣṭhā
das Auge ist der feste Stand
sampadaṃ veda
wer den Reichtum/Erfolg kennt
śrotraṃ vāva sampat
das Ohr ist der Reichtum
āyatanaṃ veda
wer den Sitz kennt
mano ha vā āyatanam
der Geist ist der Sitz
prāṇā ahaṃśreyasi vyūdire
die Lebenskräfte stritten, wer von ihnen der beste sei
prajāpatiṃ pitaram etya ūcuḥ
sie gingen zu ihrem Vater Prajāpati und sprachen
yasmin utkrānte śarīraṃ pāpiṣṭhataram iva dṛśyeta sa vaḥ śreṣṭhaḥ
wessen Weggang den Körper am elendesten erscheinen lässt, der ist der Beste
sā hāgruccakāma, sā saṃvatsaraṃ proṣya paryetyovāca, kathamaśakatarte majjīvitum iti, yathā kalā avadantaḥ prāṇantaḥ prāṇena, paśyantaś cakṣuṣā, śṛṇvantaḥ śrotreṇa, dhyāyanto manasaivam iti, praviveśa ha vāk (5.1.8). cakṣur hoccakāma, tat saṃvatsaraṃ proṣya paryetyovāca, katham aśakatarte majjīvitum iti, yathāndhā apaśyantaḥ prāṇantaḥ prāṇena, vadanto vācā, śṛṇvantaḥ śrotreṇa, dhyāyanto manasaivam iti, praviveśa ha cakṣuḥ (5.1.9). śrotraṃ hoccakāma, tat saṃvatsaraṃ proṣya paryetyovāca, katham aśakatarte majjīvitum iti, yathā badhirā aśṛṇvantaḥ prāṇantaḥ prāṇena, vadanto vācā, paśyantaś cakṣuṣā, dhyāyanto manasaivam iti, praviveśa ha śrotram (5.1.10). mano hoccakāma, tat saṃvatsaraṃ proṣya paryetyovāca, katham aśakatarte majjīvitum iti, yathā bālā amanasaḥ prāṇantaḥ prāṇena, vadanto vācā, paśyantaś cakṣuṣā, śṛṇvantaḥ śrotreṇaivam iti, praviveśa ha manaḥ (5.1.11). atha ha prāṇa uccikramiṣan sa yathā suhayaḥ paḍvīśaśaṅkūn saṃkhided evam itarān prāṇān samakhidat, taṃ hābhisametyocuḥ, bhagavann edhi, tvaṃ naḥ śreṣṭho 'si, mot krameḥ iti (5.1.12). atha hainaṃ vāg uvāca, yad ahaṃ vasiṣṭho 'smi, tvaṃ tad vasiṣṭho 'sīti, athainaṃ cakṣur uvāca, yad aham pratiṣṭhāsmi, tvaṃ tat pratiṣṭhāsīti (5.1.13). athainaṃ śrotram uvāca, yad ahaṃ sampad asmi, tvaṃ tat sampad asīti, athainaṃ mana uvāca, yad aham āyatanam asmi, tvaṃ tad āyatanam asīti (5.1.14). na vai vāco na cakṣūṃṣi na śrotrāṇi na manāṃsīty ācakṣate, prāṇā ity evācakṣate, prāṇo hy evaitāni sarvāṇi bhavati (5.1.15).
Da machte sich die Rede stolz [und zog sich zurück]. Sie blieb ein Jahr fort und kehrte zurück und sprach: 'Wie habt ihr ohne mich leben können?' [Die anderen sprachen:] 'Wie Stumme, die nicht sprechen, [aber] atmend durch den Atem, sehend durch das Auge, hörend durch das Ohr, denkend durch den Geist – so [haben wir gelebt].' Da kehrte die Rede zurück. (8) Da machte sich das Auge stolz. Es blieb ein Jahr fort und kehrte zurück und sprach ebenso; sie antworteten: 'Wie Blinde, die nicht sehen, [aber] atmend durch den Atem, sprechend durch die Rede, hörend durch das Ohr, denkend durch den Geist – so [haben wir gelebt].' Da kehrte das Auge zurück. (9) Ebenso das Ohr: 'Wie Taube, die nicht hören ...' Da kehrte das Ohr zurück. (10) Ebenso der Geist: 'Wie Kinder ohne Verstand ...' Da kehrte der Geist zurück. (11) Als aber der Atem (Prāṇa) im Begriff war fortzugehen, riss er, wie ein prächtiges Pferd die Pflöcke seiner Fesseln herausreißt, die anderen Lebenskräfte mit sich fort. Da versammelten sie sich um ihn und sprachen: 'Herr, bleib! Du bist der Beste von uns – geh nicht fort!' (12) Da sprach die Rede zu ihm: 'Was ich, der Fest-Gegründetste, bin, das bist du, der Fest-Gegründetste.' Das Auge sprach zu ihm: 'Was ich, der feste Stand, bin, das bist du, der feste Stand.' (13) Das Ohr sprach zu ihm: 'Was ich, der Reichtum, bin, das bist du, der Reichtum.' Der Geist sprach zu ihm: 'Was ich, der Sitz, bin, das bist du, der Sitz.' (14) Darum nennt man sie nicht 'die Reden', nicht 'die Augen', nicht 'die Ohren', nicht 'die Geister' – man nennt sie 'die Atemkräfte' (Prāṇāḥ); denn der Atem ist eben all dies. (15)
Wort für Wort
sā hāgruccakāma
sie [die Rede] machte sich stolz
saṃvatsaraṃ proṣya
ein Jahr fort geblieben
katham aśakata ṛte majjīvitum
wie habt ihr ohne mich leben können
yathā kalā avadantaḥ
wie Stumme, die nicht sprechen
prāṇantaḥ prāṇena
atmend durch den Atem
cakṣur hoccakāma
das Auge machte sich stolz
yathāndhā apaśyantaḥ
wie Blinde, die nicht sehen
śrotraṃ hoccakāma
das Ohr machte sich stolz
yathā badhirā aśṛṇvantaḥ
wie Taube, die nicht hören
mano hoccakāma
der Geist machte sich stolz
yathā bālā amanasaḥ
wie Kinder ohne Verstand
prāṇa uccikramiṣan
als der Atem im Begriff war fortzugehen
suhayaḥ paḍvīśaśaṅkūn saṃkhidet
wie ein prächtiges Pferd die Fesselpflöcke herausreißt
bhagavann edhi, tvaṃ naḥ śreṣṭho 'si, mā utkrameḥ
Herr, bleib, du bist der Beste von uns, geh nicht fort
Er [der Atem] sprach: 'Was wird meine Nahrung sein?' 'Was immer es hier gibt, bis hinab zu Hunden und Vögeln', sagten sie. Das ist wahrlich der offenkundige Name der Nahrung des Nicht-Fastenden [d.h. Nahrung heißt 'alles']; für einen, der dies weiß, gibt es wahrlich nichts, was nicht Nahrung wäre. (1) Er sprach: 'Was wird mein Gewand sein?' 'Das Wasser', sagten sie. Deshalb umgeben [die Essenden] die Speise vor und nach dem Essen mit Wasser; wer [dieses Wasser] erlangt hat, hat ein Gewand, ist nicht nackt. (2) Dies verkündete Satyakāma Jābāla dem Gośruti Vaiyāghrapadya mit den Worten: selbst wenn man dies einem dürren Baumstumpf verkünden würde, würden ihm Zweige entsprießen und Blätter hervorwachsen. (3) [Anm.: Dieser Übertragungsvermerk (mit einem erneut auftretenden Namen 'Satyakāma') dient offenbar der Beglaubigung der Lehrkette und steht hier ohne weiteren erzählerischen Zusammenhang.] Wenn man aber etwas Großes zu erlangen wünscht: nach der Weihe am Neumondtag soll man in der Vollmondnacht einen Mahltrank (Mantha) aus allen Kräutern, mit Quark und Honig verrührt, bereiten und, nachdem man Schmalz mit '[dem] Ältesten, [dem] Besten, svāhā!' ins Feuer geopfert hat, den Opferrest in den Mahltrank geben. (4) [Es folgen weitere Opferungen mit den Formeln] '[dem] Fest-Gegründetsten, svāhā!', '[dem] festen Stand, svāhā!', '[dem] Reichtum, svāhā!', '[dem] Sitz, svāhā!' – jeweils mit Einbringen des Opferrests in den Mahltrank. (5) Dann tritt man zurück, nimmt den Mahltrank mit gefalteten Händen und murmelt: 'Du bist Ama ["das Nahe/Daheim-Sein", zugleich Beiname für Macht], denn dir gehört dies alles zu Hause; er [der so Verehrte] ist der Älteste, der Beste, der König, der Oberherr – er möge mir Erstgeburtsrang, Vorrang, Königtum und Oberherrschaft verschaffen; ich möchte all dies selbst sein.' (6) Dann trinkt man mit diesem Vers, Schluck für Schluck: 'das erwählen wir vom Antreiber [Savitṛ]', 'die Genusskraft des Gottes', 'das Beste, das Allerbeständigste', 'die kraftvolle Gunst des Bhaga sinnen wir' – und trinkt so alles; danach wischt oder reinigt man den Becher, legt sich hinter dem Feuer nieder, auf einem Fell oder auf bloßem Boden, schweigend, ohne sich zu bemühen [um Weiteres]. Sollte er dabei eine Frau [im Traum] sehen, so möge er wissen: das Werk ist gelungen. (7) [Anm.: Dieser ganze Ritualabschnitt (5.2.4–7) ist sprachlich und sachlich sehr dicht und in mehreren Details unsicher gedeutet.] Dazu gibt es diesen Vers: Wenn man bei begehrten Unternehmungen im Traum eine Frau sieht, soll man darin ein Zeichen des Gelingens erkennen – in diesem Traumzeichen, in diesem Traumzeichen. (8)
śvetaketur ha āruṇeyaḥ pañcālānāṃ samitim eyāya, taṃ ha pravāhaṇo jaivaliḥ uvāca, kumāra anv aśiṣat tvā pitā iti, hoveti (5.3.1). vettha yathemāḥ prajāḥ prayatyo nānā pratipadyanta iti, na bhagava iti (5.3.2). vettha yathā punarāvartanta iti, na bhagava iti, vettha pathor devayānasya pitṛyāṇasya ca vyāvartanāv iti, na bhagava iti (5.3.2). vettha yathāsau loko na sampūryata iti, na bhagava iti, vettha yathā pañcamyām āhutāv āpaḥ puruṣavaco bhavantīti, naiva bhagava iti (5.3.3). athānu kim anuśiṣṭho 'vocathā, yo hīmāni na vidyāt kathaṃ so 'nuśiṣṭo bruvīteti, sa hāyastaḥ pitur ardham eyāya, taṃ hovācānanuśiṣya vāva kila mā bhagavān avocan nu tvā aśiṣam iti (5.3.4). pañca mā rājanyabandhuḥ praśnān aprākṣīt, naikañcanāśakaṃ vivaktum iti, sa hovāca yathā mā tvam etān avado, tathaitān nāhaṃ veda, yadi hy imān avediṣyaṃ, katham iva te nāvakṣyam (5.3.5). sa ha gautamo rājño 'rdham eyāya, tasmai ha prāptāyārhāṃ cakāra, sa ha prātaḥ sabhāgha udeyāya, taṃ hovāca mānuṣasya bhagavan gautama vittasya varaṃ vṛṇīṣvā iti, sa hovāca tavaiva rājan mānuṣaṃ vittaṃ, yāmeva kumārasyānte vācam abhāṣathāḥ, tām eva me brūhīti, sa ha kṛcchrī babhūva (5.3.6). taṃ ha ciraṃ vasaty ājñāpayāṃcakāra, taṃ hovāca yathā mā tvaṃ gautamāvado, yathetthaṃ na prāk tvattaḥ purā vidyā brāhmaṇān agacchati, tasmāt sarveṣu lokeṣu kṣatrasyaiva praśāsanam abhūd iti, tasmai hovāca (5.3.7).
Śvetaketu Āruṇeya kam zur Versammlung der Pañcālas. Pravāhaṇa Jaivali sprach zu ihm: 'Junger Mann, hat dich dein Vater unterwiesen?' – 'Ja', antwortete er. (1) 'Weißt du, wie diese Geschöpfe, wenn sie [von hier] fortgehen, sich in verschiedene Richtungen wenden?' – 'Nein, Herr.' (2) 'Weißt du, wie sie zurückkehren?' – 'Nein, Herr.' 'Weißt du den Scheidepunkt der beiden Wege, des Weges der Götter und des Weges der Väter?' – 'Nein, Herr.' (2) 'Weißt du, warum jene Welt niemals voll wird?' – 'Nein, Herr.' 'Weißt du, wie bei der fünften Opferspende die Gewässer mit menschlicher Stimme sprechen?' – 'Ganz und gar nicht, Herr.' (3) 'Wie konntest du dann behaupten, unterwiesen zu sein? Denn wie könnte einer, der dies nicht weiß, sich unterwiesen nennen?' Da ging er, bekümmert, zu seinem Vater und sprach: 'Ohne mich wahrhaft unterwiesen zu haben, hast du mir doch gesagt, du hättest mich unterwiesen!' (4) 'Ein Angehöriger des Kriegeradels stellte mir fünf Fragen, und ich vermochte nicht eine einzige davon zu beantworten.' Er [der Vater] sprach: 'So wie du mir diese [Fragen] mitgeteilt hast, kenne ich sie auch nicht; denn hätte ich sie gewusst, wie hätte ich sie dir nicht mitgeteilt?' (5) Da ging Gautama [der Vater] zum [Hof] des Königs. Diesem, als er ankam, erwies man gebührende Ehre. Am Morgen erhob er sich zur Versammlung. Er [der König] sprach zu ihm: 'Wähle eine Gabe menschlichen Reichtums, ehrwürdiger Gautama.' Er sprach: 'Dein bleibe, o König, der menschliche Reichtum; nenne mir eben jene Worte, die du am Ende [des Gesprächs] mit dem jungen Mann gesprochen hast.' Da geriet er [der König] in Bedrängnis. (6) Er ließ ihn lange [bei sich] verweilen und sprach dann zu ihm: 'Wie du mir gesagt hast, so ist es: bis zu dir ist dieses Wissen nie zuvor zu den Brahmanen gelangt; deshalb war in allen Welten die Herrschaft (Lehrautorität) allein Sache des Kriegeradels.' Dann verkündete er es ihm: (7)
Wort für Wort
śvetaketur ha āruṇeyaḥ pañcālānāṃ samitim eyāya
Śvetaketu Āruṇeya kam zur Versammlung der Pañcālas
Jene Welt dort, o Gautama, ist das [Opfer-]Feuer; die Sonne ist sein Brennholz, die Strahlen der Rauch, der Tag die Flamme, der Mond die Glut, die Sterne die Funken. (4.1) In diesem Feuer opfern die Götter den Glauben; aus dieser Opferung entsteht König Soma. (4.2) Parjanya [der Regengott], o Gautama, ist das Feuer; der Wind ist sein Brennholz, die Wolke der Rauch, der Blitz die Flamme, der Donnerkeil die Glut, die Donnerschläge die Funken. (5.1) In diesem Feuer opfern die Götter König Soma; aus dieser Opferung entsteht der Regen. (5.2)
Die Erde, o Gautama, ist das Feuer; das Jahr ist ihr Brennholz, der Luftraum der Rauch, die Nacht die Flamme, die Himmelsrichtungen die Glut, die Zwischenrichtungen die Funken. (6.1) In diesem Feuer opfern die Götter den Regen; aus dieser Opferung entsteht die Speise. (6.2) Der Mensch, o Gautama, ist das Feuer; die Sprache ist sein Brennholz, der Atem der Rauch, die Zunge die Flamme, das Auge die Glut, das Ohr die Funken. (7.1) In diesem Feuer opfern die Götter die Speise; aus dieser Opferung entsteht der Same. (7.2)
yoṣā vāva gautamāgniḥ, tasyā upastha eva samit, yad upamantrayate sa dhūmaḥ, yonir arciḥ, yad antaḥ karoti te 'ṅgārāḥ, abhinandā visphuliṅgāḥ (5.8.1). tasminn etasminn agnau devā reto juhvati, tasyā āhuter garbhaḥ saṃbhavati (5.8.2). iti tu pañcamyām āhutāv āpaḥ puruṣavaco bhavantīti, sa ulbāvṛto garbho daśa vā nava vā māsān antaḥ śayitvā, yāvad vātha jāyate (5.9.1). sa jāto yāvad āyuṣaṃ jīvati, taṃ pretaṃ diṣṭam ito 'gnaya eva haranti, yata eva yataḥ saṃbhūto bhavati (5.9.2).
Die Frau, o Gautama, ist das Feuer; ihr Schoß ist das Brennholz; wenn er sie umwirbt, das ist der Rauch; die Scham ist die Flamme; was er im Innern vollzieht, das ist die Glut; die Wonne ist die Funken. (8.1) In diesem Feuer opfern die Götter den Samen; aus dieser Opferung entsteht der Keim (Embryo). (8.2) So also kommt es, dass bei der fünften Opferspende die Gewässer eine menschliche Stimme erhalten: dieser von der Fruchthülle umgebene Keim, nachdem er zehn oder neun Monate darinnen gelegen hat, wird geboren, wie lange es eben dauert. (9.1) Geboren, lebt er die ihm zugemessene Lebenszeit; wenn er dahingeschieden, bestimmt [zum Tod], ist, tragen sie ihn eben von dort fort zu dem Feuer, aus dem, von dem er entstanden ist. (9.2)
Wort für Wort
yoṣā vāva gautamāgniḥ
die Frau, o Gautama, ist das Feuer
upastha eva samit
ihr Schoß ist das Brennholz
upamantrayate sa dhūmaḥ
wenn er sie umwirbt, ist das der Rauch
yonir arciḥ
die Scham ist die Flamme
abhinandā visphuliṅgāḥ
die Wonne ist die Funken
devā reto juhvati
die Götter opfern den Samen
garbhaḥ saṃbhavati
der Keim entsteht
pañcamyām āhutāv āpaḥ puruṣavaco bhavanti
bei der fünften Opferspende erhalten die Gewässer Menschenstimme
ulbāvṛto garbho daśa vā nava vā māsān
der von der Fruchthülle umgebene Keim zehn oder neun Monate
tad ya itthaṃ vidus, ye ceme 'raṇye śraddhā tapa ity upāsate, te 'rciṣam abhisaṃbhavanti, arciṣo 'har, ahna āpūryamāṇapakṣam, āpūryamāṇapakṣād yān ṣaḍ udaṅṅ eti māsāṃs tān (5.10.1). māsebhyaḥ saṃvatsaraṃ, saṃvatsarād ādityam, ādityāc candramasam, candramaso vidyutam, tat puruṣo 'mānavaḥ, sa enān brahma gamayati, eṣa devayānaḥ panthā iti (5.10.2). atha ya ime grāma iṣṭāpūrte datta ity upāsate, te dhūmam abhisaṃbhavanti, dhūmād rātriṃ, rātrer aparapakṣam, aparapakṣād yān ṣaḍ dakṣiṇaiti māsāṃs tān, naite saṃvatsaram abhipraviśanti (5.10.3). māsebhyaḥ pitṛlokaṃ, pitṛlokād ākāśam, ākāśāc candramasam, eṣa somo rājā, tad devānām annaṃ, taṃ devā bhakṣayanti (5.10.4). tasmin yāvat sampātam uṣitvāthaitam evādhvānaṃ punarnivartante, yathetam ākāśam, ākāśād vāyuṃ, vāyur bhūtvā dhūmo bhavati, dhūmo bhūtvābhraṃ bhavati (5.10.5). abhraṃ bhūtvā megho bhavati, megho bhūtvā pravarṣati, ta iha vrīhiyavā oṣadhivanaspatayas tilamāṣā iti jāyante, ato vai khalu durniṣprapataraṃ, yo yo hy annam atti, yo retaḥ siñcati tadbhūya eva bhavati (5.10.6). tad ya iha ramaṇīyacaraṇā, abhyāśo ha yat te ramaṇīyāṃ yonim āpadyeran, brāhmaṇayoniṃ vā kṣatriyayoniṃ vā vaiśyayoniṃ vā, atha ya iha kapūyacaraṇā, abhyāśo ha yat te kapūyāṃ yonim āpadyeran, śvayoniṃ vā sūkarayoniṃ vā caṇḍālayoniṃ vā (5.10.7). athaitayoḥ pathor na katareṇa cana, tāni imāni kṣudrāṇy asakṛd āvartīni bhūtāni bhavanti, jāyasva mriyasveti, etat tṛtīyaṃ sthānam, tenāsau loko na saṃpūryate, tasmāj jugupseta, tad eṣa ślokaḥ (5.10.8). steno hiraṇyasya suraṃ pibaṃś ca, guros talpam āvasan, brahmahā caite patanti catvāraḥ, pañcamaś cācaraṃs tair iti (5.10.9). atha ha ya etān evaṃ pañcāgnīn veda, na saha teṣām api ācaran pāpmanā lipyate, śuddhaḥ pūtaḥ puṇyaloko bhavati ya evaṃ veda, ya evaṃ veda (5.10.10).
Wer dies so weiß, und wer im Wald mit Glaube und Askese als seinem [religiösen] Bekenntnis verehrt – die gehen ein in die Flamme, von der Flamme in den Tag, vom Tag in die wachsende Monatshälfte, von der wachsenden Monatshälfte in die sechs Monate, in denen die Sonne nach Norden geht; (10.1) von den Monaten in das Jahr, vom Jahr in die Sonne, von der Sonne in den Mond, vom Mond in den Blitz; dort [führt sie] ein nicht-menschlicher Puruṣa; er führt sie zum Brahman. Dies ist der Weg der Götter (Devayāna). (10.2) Wer aber im Dorf Opfer, gemeinnützige Werke und Gaben als sein Bekenntnis verehrt – die gehen ein in den Rauch, vom Rauch in die Nacht, von der Nacht in die abnehmende Monatshälfte, von der abnehmenden Monatshälfte in die sechs Monate, in denen die Sonne nach Süden geht; diese durchqueren das Jahr nicht [d.h. gelangen nicht darüber hinaus]. (10.3) Von den Monaten in die Welt der Väter, von der Welt der Väter in den Luftraum, vom Luftraum in den Mond – das ist König Soma, das ist die Speise der Götter, ihn essen die Götter. (10.4) Dort verweilen sie, solange ein [karmischer] Rest besteht, und kehren dann auf demselben Weg zurück: wie sie kamen, in den Luftraum, vom Luftraum in den Wind; Wind geworden, wird man Rauch; Rauch geworden, wird man Dunst; (10.5) Dunst geworden, wird man Wolke; Wolke geworden, regnet man herab; hier werden sie dann als Reis, Gerste, Kräuter, Bäume, Sesam und Bohnen geboren; von hier aus ist es fürwahr am schwersten, wieder herauszukommen; denn wer immer die Speise isst, wer den Samen ausgießt, wird wieder eben zu diesem [Kreislauf]. (10.6) Wer nun hier von angenehmem Wandel war, für den besteht die Aussicht, eine angenehme Geburt zu erlangen, die Geburt eines Brahmanen, eines Kriegers oder eines Handelsmannes; wer aber hier von übler Führung war, für den besteht die Aussicht, eine üble Geburt zu erlangen, die Geburt eines Hundes, eines Schweins oder eines Ausgestoßenen (Caṇḍāla). (10.7) Diejenigen aber, die auf keinem der beiden Wege [gehen], werden zu jenen winzigen, sich ständig wiederholenden Geschöpfen: 'werde geboren, stirb' – dies ist der dritte Zustand; dadurch wird jene Welt nicht voll. Deshalb soll man [vor diesem Schicksal] Abscheu empfinden. Dazu gibt es diesen Vers: (10.8) 'Der Golddieb, der Trinker berauschenden Tranks, der Schänder des Lehrerbettes, der Brahmanenmörder – diese vier fallen [in Verderben], und als fünfter, wer mit ihnen verkehrt.' (10.9) Wer aber diese fünf Feuer so kennt, wird selbst wenn er mit solchen [Sündern] verkehrt, nicht von Übel befleckt; er wird rein, lauter, [und gelangt] in eine verdienstvolle Welt, wer dies so weiß, wer dies so weiß. (10.10)
Wort für Wort
ye 'raṇye śraddhā tapa ity upāsate
die im Wald mit Glaube und Askese verehren
te 'rciṣam abhisaṃbhavanti
sie gehen ein in die Flamme
yān ṣaḍ udaṅṅ eti māsāṃs
die sechs Monate, in denen [die Sonne] nach Norden geht
saṃvatsarād ādityam, ādityāc candramasam
vom Jahr zur Sonne, von der Sonne zum Mond
puruṣo 'mānavaḥ ... brahma gamayati
ein nicht-menschlicher Puruṣa ... führt zum Brahman
eṣa devayānaḥ panthāḥ
dies ist der Weg der Götter
ya ime grāma iṣṭāpūrte datta ity upāsate
die im Dorf Opfer, Werke und Gaben verehren
te dhūmam abhisaṃbhavanti
sie gehen ein in den Rauch
yān ṣaḍ dakṣiṇā eti māsāṃs
die sechs Monate, in denen [die Sonne] nach Süden geht
pitṛlokād ākāśam, ākāśāc candramasam
von der Welt der Väter zum Luftraum, vom Luftraum zum Mond
eṣa somo rājā tad devānām annam
das ist König Soma, die Speise der Götter
yāvat sampātam uṣitvā punarnivartante
solange ein Rest besteht, kehren sie zurück
vāyur bhūtvā dhūmo bhavati
Wind geworden wird man Rauch
vrīhiyavā oṣadhivanaspatayas tilamāṣā iti jāyante
sie werden als Reis, Gerste, Kräuter, Sesam, Bohnen geboren
durniṣprapataram
am schwersten [wieder] herauszukommen
ramaṇīyacaraṇā ramaṇīyāṃ yonim āpadyeran
die angenehm wandelten, erlangen eine angenehme Geburt
kapūyacaraṇā kapūyāṃ yonim āpadyeran
die übel wandelten, erlangen eine üble Geburt
etat tṛtīyaṃ sthānam
dies ist der dritte Zustand
steno hiraṇyasya suraṃ pibaṃś ca guros talpam āvasan brahmahā
der Golddieb, der Berauschte, der Bettschänder, der Brahmanenmörder
prācīnaśālaḥ aupamanyavaḥ, satyayajñaḥ pauluṣiḥ, indradyumno bhāllaveyaḥ, jano śārkarākṣyaḥ, budilaḥ āśvatarāśviḥ, te haite mahāśālā mahāśrotriyāḥ sametya mīmāṃsāṃ cakruḥ, ko na ātmā, kiṃ brahmeti (5.11.1). te ha saṃpādayāṃcakruḥ, uddālako vai bhagavanto 'yam āruṇiḥ, saṃpratīmam ātmānaṃ vaiśvānaram adhyeti, taṃ hantābhyāgacchāmeti, taṃ hābhyājagmuḥ (5.11.2). sa ha saṃpādayāṃcakāra, praśnaṃ nu mā ime mahāśālā mahāśrotriyāḥ pratipatsyante, na ca vai sarvam iva pratipatsye, hantāham anyam abhyanuśāsānīti (5.11.3). tān hovācāśvapatir vai bhagavanta eṣāṃ kaikeyaḥ saṃpratīmam ātmānaṃ vaiśvānaram adhyeti, taṃ hantābhyāgacchāmeti, taṃ hābhyājagmuḥ (5.11.4). tebhyo ha prāptebhyaḥ pṛthag arhāṇi kārayāṃcakāra, sa ha prātaḥ saṃjihāna uvāca, na me steno janapade, na kadaryo, na madyapo, nānāhitāgnir, nāvidvān, na svairī svairiṇī, kutaḥ, yakṣmāṇo vai bhagavanto 'haṃ, yajñe dhanaṃ dāsyāmi, tāvad brāhmaṇā dāsyāmi, vasantu bhagavanta iti (5.11.5). te hocur, yena haivārthena puruṣaś caret, tam eva vaded, ātmānam evemaṃ vaiśvānaraṃ saṃpraty adhyeṣi, tam eva no brūhīti (5.11.6). tān hovāca prātar vaḥ prativaktāsmīti, te ha samitpāṇayaḥ pūrvāhṇe praticakramire, tān hānupanīyaivaitad uvāca (5.11.7).
Prācīnaśāla Aupamanyava, Satyayajña Pauluṣi, Indradyumna Bhāllaveya, Jana Śārkarākṣya, Budila Āśvatarāśvi – diese großen Hausväter und großen Vedagelehrten kamen zusammen und stellten eine Untersuchung an: 'Wer ist unser Selbst? Was ist Brahman?' (11.1) Sie kamen überein: 'Uddālaka Āruṇi, ihr Herren, studiert gegenwärtig eben dieses Selbst, den Vaiśvānara; wohlan, lasst uns zu ihm gehen.' Sie gingen zu ihm. (11.2) Er aber überlegte: 'Diese großen Hausväter und großen Vedagelehrten werden mich sicherlich befragen, und ich werde nicht alles beantworten können; wohlan, lass mich sie an einen anderen verweisen.' (11.3) Er sprach zu ihnen: 'Aśvapati Kaikeya, ihr Herren, studiert gegenwärtig eben dieses Selbst, den Vaiśvānara; wohlan, lasst uns zu ihm gehen.' Sie gingen zu ihm. (11.4) Als sie angekommen waren, ließ er ihnen einzeln gebührende Ehren erweisen. Am Morgen, sich erhebend, sprach er: 'In meinem Land gibt es keinen Dieb, keinen Geizhals, keinen Trinker, keinen ohne heiliges Feuer, keinen Unwissenden, keinen Ehebrecher oder keine Ehebrecherin – wie sollte es sie geben? Ich bin, ihr Herren, im Begriff zu opfern; jedem Priester werde ich Reichtum geben, ebensoviel werde ich euch Brahmanen geben; möget ihr Herren [hier] verweilen.' (11.5) Sie sprachen: 'Man soll eben von dem Zweck sprechen, weswegen ein Mensch [zu einem anderen] geht. Eben dieses Selbst, den Vaiśvānara, studierst du gegenwärtig; von eben diesem sprich zu uns.' (11.6) Er sprach zu ihnen: 'Morgen früh werde ich euch antworten.' Am folgenden Vormittag traten sie mit Brennholz in Händen [als förmliche Schüler] vor ihn; ohne sie förmlich aufzunehmen, sprach er Folgendes zu ihnen: (11.7)
Wort für Wort
te haite mahāśālā mahāśrotriyāḥ sametya mīmāṃsāṃ cakruḥ
diese großen Hausväter und Vedagelehrten kamen zusammen und stellten eine Untersuchung an
ko na ātmā kiṃ brahma
wer ist unser Selbst, was ist Brahman
uddālako vai bhagavanto 'yam āruṇiḥ ātmānaṃ vaiśvānaram adhyeti
Uddālaka Āruṇi studiert gegenwärtig das Selbst Vaiśvānara
praśnaṃ nu mā ime pratipatsyante
sie werden mich sicherlich befragen
aśvapatir vai bhagavanta eṣāṃ kaikeyaḥ
Aśvapati Kaikeya, ihr Herren
pṛthag arhāṇi kārayāṃcakāra
er ließ ihnen einzeln gebührende Ehren erweisen
na me steno janapade
in meinem Land gibt es keinen Dieb
yakṣmāṇo vai bhagavanto 'ham
ich bin im Begriff zu opfern
yena haivārthena puruṣaś caret tam eva vadet
man spreche von dem Zweck, weswegen jemand geht
prātar vaḥ prativaktā asmi
morgen werde ich euch antworten
samitpāṇayaḥ pūrvāhṇe praticakramire
mit Brennholz in Händen traten sie am Vormittag vor
aupamanyava, kaṃ tvam ātmānam upāssa iti, divam eva bhagavo rājann iti hovāca, eṣa vai sutejā ātmā vaiśvānaro yaṃ tvam ātmānam upāsse, tasmāt tava sutaṃ prasutam asutaṃ kule dṛśyate (5.12.1). atyannaṃ pratyasi, priyam atyannaṃ paśyasi, bhavaty asya brahmavarcasaṃ kule, ya etam evaṃ ātmānaṃ vaiśvānaram upāste, mūrdhā tv eṣa ātmana iti hovāca, mūrdhā te vyapatiṣyad, yan māṃ nāgamiṣyaḥ iti (5.12.2). athovāca satyayajñaṃ pauluṣim prācīnayogya, kaṃ tvam ātmānam upāssa ity ādityam eva bhagavo rājann iti hovāca, eṣa vai viśvarūpa ātmā vaiśvānaro yaṃ tvam ātmānam upāsse, tasmāt tava bahu viśvarūpaṃ kule dṛśyate (5.13.1). pravṛtto 'śvatarīratho dāsīniṣko 'tyannaṃ pratyasi, priyam atyannaṃ paśyasi, bhavaty asya brahmavarcasaṃ kule, ya etam evam ātmānaṃ vaiśvānaram upāste, cakṣus tv eṣa ātmana iti hovāca, andho 'bhaviṣyo yan māṃ nāgamiṣyaḥ iti (5.13.2). athovācendradyumnaṃ bhāllaveyaṃ vaiyāghrapadya, kaṃ tvam ātmānam upāssa ity vāyum eva bhagavo rājann iti hovāca, eṣa vai pṛthagvartmātmā vaiśvānaro yaṃ tvam ātmānam upāsse, tasmāt tvāṃ pṛthagbalaya āyanti, pṛthagrathaśreṇayo 'nuyanti (5.14.1). atyannaṃ pratyasi, priyam atyannaṃ paśyasi, bhavaty asya brahmavarcasaṃ kule, ya etam evam ātmānaṃ vaiśvānaram upāste, prāṇas tv eṣa ātmana iti hovāca, prāṇas ta udakramiṣyad yan māṃ nāgamiṣyaḥ iti (5.14.2).
'Aupamanyava, was verehrst du als das Selbst?' 'Den Himmel allein, ehrwürdiger König', sprach er. 'Dies ist der Selbst-Vaiśvānara, genannt "Wohlleuchtend" (Sutejas), den du verehrst; deshalb sieht man in deinem Geschlecht [Wechsel von] Erfolg, großem Erfolg [und] Misserfolg [Anm.: "sutam prasutam asutam" – wörtlich Anspielung auf gepressten/nicht gepressten Soma, Sinn unsicher]. (12.1) Du isst überreichlich, du siehst [nur] das geliebte Übermaß an Speise; in der Familie dessen, der dieses Selbst Vaiśvānara so verehrt, herrscht heilige Glut. Doch dies ist nur der Kopf des Selbst', sprach er, 'dein Kopf wäre dir abgefallen, wärest du nicht zu mir gekommen!' (12.2) Dann sprach er zu Satyayajña Pauluṣi, aus dem Geschlecht des Prācīnayoga: 'Was verehrst du als das Selbst?' 'Die Sonne allein, ehrwürdiger König', sprach er. 'Dies ist der Selbst-Vaiśvānara, genannt "Allgestaltig" (Viśvarūpa), den du verehrst; deshalb sieht man in deinem Geschlecht viel Vielgestaltigkeit. (13.1) Ein fahrender Maultierwagen, das Halsband einer Dienerin – du isst überreichlich, du siehst [nur] das geliebte Übermaß; heilige Glut herrscht in der Familie dessen, der dies so verehrt. Doch dies ist nur das Auge des Selbst', sprach er, 'blind wärst du geworden, wärest du nicht zu mir gekommen!' (13.2) Dann sprach er zu Indradyumna Bhāllaveya, aus dem Geschlecht der Vaiyāghrapadyas: 'Was verehrst du als das Selbst?' 'Den Wind allein, ehrwürdiger König', sprach er. 'Dies ist der Selbst-Vaiśvānara, genannt "Vielweg-Wandelnd" (Pṛthagvartman), den du verehrst; deshalb kommen dir getrennte Heerscharen entgegen, folgen dir getrennte Wagenreihen. (14.1) Du isst überreichlich ...; heilige Glut herrscht in der Familie dessen, der dies so verehrt. Doch dies ist nur der Atem des Selbst', sprach er, 'dein Atem wäre entwichen, wärest du nicht zu mir gekommen!' (14.2)
Wort für Wort
kaṃ tvam ātmānam upāsse
was verehrst du als das Selbst
divam eva bhagavo rājan
den Himmel allein, ehrwürdiger König
sutejā ātmā vaiśvānaraḥ
der Selbst-Vaiśvānara 'Wohlleuchtend'
atyannaṃ pratyasi priyam atyannaṃ paśyasi
du isst überreichlich, siehst [nur] das geliebte Übermaß
mūrdhā tv eṣa ātmanaḥ
dies ist nur der Kopf des Selbst
mūrdhā te vyapatiṣyad yan māṃ nāgamiṣyaḥ
dein Kopf wäre abgefallen, wärest du nicht gekommen
athovāca janaṃ śārkarākṣyaṃ, kaṃ tvam ātmānam upāssa ity ākāśam eva bhagavo rājann iti hovāca, eṣa vai bahula ātmā vaiśvānaro yaṃ tvam ātmānam upāsse, tasmāt tvaṃ bahulo 'si prajayā ca dhanena ca (5.15.1). atyannaṃ pratyasi, priyam atyannaṃ paśyasi, bhavaty asya brahmavarcasaṃ kule, ya etam evam ātmānaṃ vaiśvānaram upāste, saṃdehas tv eṣa ātmana iti hovāca, saṃdehas te vyaśīryad yan māṃ nāgamiṣyaḥ iti (5.15.2). athovāca budilam āśvatarāśviṃ vaiyāghrapadya, kaṃ tvam ātmānam upāssa ity āpa eva bhagavo rājann iti hovāca, eṣa vai rayir ātmā vaiśvānaro yaṃ tvam ātmānam upāsse, tasmāt tvaṃ rayimān puṣṭimān asi (5.16.1). atyannaṃ pratyasi, priyam atyannaṃ paśyasi, bhavaty asya brahmavarcasaṃ kule, ya etam evam ātmānaṃ vaiśvānaram upāste, bastis tv eṣa ātmana iti hovāca, bastis te vyabhetsyata yan māṃ nāgamiṣyaḥ iti (5.16.2). athovācoddālakam āruṇiṃ, gautama, kaṃ tvam ātmānam upāssa iti pṛthivīm eva bhagavo rājann iti hovāca, eṣa vai pratiṣṭhātmā vaiśvānaro yaṃ tvam ātmānam upāsse, tasmāt tvaṃ pratiṣṭhito 'si prajayā ca paśubhiś ca (5.17.1). atyannaṃ pratyasi, priyam atyannaṃ paśyasi, bhavaty asya brahmavarcasaṃ kule, ya etam evam ātmānaṃ vaiśvānaram upāste, pādau tv etāv ātmana iti hovāca, pādau te vyakṣetsyetām yan māṃ nāgamiṣyaḥ iti (5.17.2).
Dann sprach er zu Jana Śārkarākṣya: 'Was verehrst du als das Selbst?' 'Den Luftraum allein, ehrwürdiger König', sprach er. 'Dies ist der Selbst-Vaiśvānara, genannt "Ausgedehnt" (Bahula), den du verehrst; deshalb bist du ausgedehnt (reich) an Nachkommen und an Reichtum. (15.1) Du isst überreichlich ...; heilige Glut herrscht in der Familie dessen, der dies so verehrt. Doch dies ist nur der Rumpf des Selbst', sprach er, 'dein Rumpf wäre auseinandergefallen, wärest du nicht zu mir gekommen!' (15.2) Dann sprach er zu Budila Āśvatarāśvi, aus dem Geschlecht der Vaiyāghrapadyas: 'Was verehrst du als das Selbst?' 'Das Wasser allein, ehrwürdiger König', sprach er. 'Dies ist der Selbst-Vaiśvānara, genannt "Reichtum" (Rayi), den du verehrst; deshalb bist du reich und wohlgenährt. (16.1) Du isst überreichlich ...; heilige Glut herrscht in der Familie dessen, der dies so verehrt. Doch dies ist nur die Blase des Selbst', sprach er, 'deine Blase wäre geborsten, wärest du nicht zu mir gekommen!' (16.2) Dann sprach er zu Uddālaka Āruṇi: 'Gautama, was verehrst du als das Selbst?' 'Die Erde allein, ehrwürdiger König', sprach er. 'Dies ist der Selbst-Vaiśvānara, genannt "Feste Grundlage" (Pratiṣṭhā), den du verehrst; deshalb bist du fest gegründet in Nachkommen und Vieh. (17.1) Du isst überreichlich ...; heilige Glut herrscht in der Familie dessen, der dies so verehrt. Doch dies sind nur die beiden Füße des Selbst', sprach er, 'deine beiden Füße wären verdorrt/gebrochen, wärest du nicht zu mir gekommen!' (17.2)
tān hovācaite vai khalu yūyaṃ pṛthag ivemam ātmānaṃ vaiśvānaraṃ vidvāṃso 'nnam attha, yas tv etam evaṃ prādeśamātram abhivimānam ātmānaṃ vaiśvānaram upāste sa sarveṣu lokeṣu sarveṣu bhūteṣu sarveṣv ātmasv annam atti (5.18.1). tasya ha vā etasyātmano vaiśvānarasya mūrdhaiva sutejāḥ, cakṣur viśvarūpaḥ, prāṇaḥ pṛthagvartmā, ātmā saṃdeho bahulaḥ, bastir eva rayiḥ, pṛthivyeva pādāv, ura eva vediḥ, lomāni barhiḥ, hṛdayaṃ gārhapatyaḥ, mano 'nvāhāryapacanaḥ, āsyam āhavanīyaḥ (5.18.2).
Er sprach zu ihnen: 'Ihr esst nun wahrlich Speise, indem ihr diesen Selbst-Vaiśvānara gleichsam nur getrennt [in Teilen] kennt. Wer aber diesen Selbst-Vaiśvānara so verehrt, als spannenmäßig bemessen [d.h. als in jedem noch so kleinen Maß ganz gegenwärtig], der isst Speise in allen Welten, in allen Wesen, in allen Selbsten. (18.1) Von diesem Selbst Vaiśvānara ist der Kopf eben "Wohlleuchtend" (Sutejas), das Auge "Allgestaltig" (Viśvarūpa), der Atem "Vielweg-Wandelnd" (Pṛthagvartman), der Rumpf "Ausgedehnt" (Bahula), die Blase eben "Reichtum" (Rayi), die Erde eben seine beiden Füße, die Brust eben der [Opfer-]Altar, die [Körper-]Haare das Opfergras, das Herz das Gārhapatya-Feuer, der Geist das Anvāhāryapacana-Feuer, der Mund das Āhavanīya-Feuer. (18.2)
Die Speise, die zuerst ankommt, ist die für die Opferung [geeignete]; wer die erste Opferspende darbringt, soll sie darbringen mit '[dem] Atem (Prāṇa), svāhā!' – [dann] wird der Atem gesättigt. (19.1) Ist der Atem gesättigt, wird das Auge gesättigt; ist das Auge gesättigt, wird die Sonne gesättigt; ist die Sonne gesättigt, wird der Himmel gesättigt; ist der Himmel gesättigt, wird alles gesättigt, worüber Himmel und Sonne walten. Diesem folgend wird er [der Wissende] gesättigt mit Nachkommenschaft, Vieh, Speise, Glanz und heiliger Glut. (19.2) Die zweite Opferspende soll man darbringen mit 'dem Ausatem (Vyāna), svāhā!' – der Ausatem wird gesättigt; ist er gesättigt, wird das Ohr gesättigt; ist das Ohr gesättigt, wird der Mond gesättigt; ist der Mond gesättigt, werden die Himmelsrichtungen gesättigt; [ebenso folgt die Sättigung mit Nachkommenschaft usw.] (20.1–2) Die dritte Opferspende soll man darbringen mit 'dem Abatem (Apāna), svāhā!' – der Abatem wird gesättigt; ist er gesättigt, wird die Sprache gesättigt; ist die Sprache gesättigt, wird das Feuer gesättigt; ist das Feuer gesättigt, wird die Erde gesättigt; [ebenso folgt die Sättigung mit Nachkommenschaft usw.] (21.1–2) Die vierte Opferspende soll man darbringen mit 'dem Gleichatem (Samāna), svāhā!' – der Gleichatem wird gesättigt; ist er gesättigt, wird der Geist gesättigt; ist der Geist gesättigt, wird Parjanya [der Regengott] gesättigt; ist Parjanya gesättigt, wird der Blitz gesättigt; [ebenso folgt die Sättigung mit Nachkommenschaft usw.] (22.1–2) Die fünfte Opferspende soll man darbringen mit 'dem Aufatem (Udāna), svāhā!' – der Aufatem wird gesättigt; ist er gesättigt, wird die Haut gesättigt; ist die Haut gesättigt, wird der Wind gesättigt; ist der Wind gesättigt, wird der Luftraum gesättigt; [ebenso folgt die Sättigung mit Nachkommenschaft, Vieh, Speise, Glanz und heiliger Glut]. (23.1–2)
Wort für Wort
yad bhaktaṃ prathamam āgacchet tad dhomīyam
die zuerst ankommende Speise ist die opferungswürdige
prāṇāya svāhā, prāṇas tṛpyati
'dem Atem, svāhā' – der Atem wird gesättigt
prāṇe tṛpyati cakṣus tṛpyati
ist der Atem gesättigt, wird das Auge gesättigt
ādityas tṛpyati dyaus tṛpyati
die Sonne wird gesättigt, der Himmel wird gesättigt
sa ya idam avidvān agnihotraṃ juhoti, yathāṅgārān apohya bhasmani juhuyāt, tādṛk tat syāt (5.24.1). atha ya etad evaṃ vidvān agnihotraṃ juhoti, tasya sarveṣu lokeṣu sarveṣu bhūteṣu sarveṣv ātmasu hutaṃ bhavati (5.24.2). tad yathaiṣīkātūlam agnau protaṃ pradūyetaivaṃ hāsya sarve pāpmānaḥ pradūyante ya etad evaṃ vidvān agnihotraṃ juhoti (5.24.3). tasmād u haivaṃvic-cāṇḍālāyāpi ucchiṣṭaṃ prayacchet, ātmani hy asya tad dhutaṃ syāt, iti tad eṣa ślokaḥ (5.24.4). yatheha kṣudhitā bālā mātaraṃ paryupāsate, evaṃ sarvāṇi bhūtāny agnihotram upāsata, ity agnihotram upāsata iti (5.24.5).
Wer, ohne dies zu wissen, das Agnihotra (Feueropfer) darbringt – es wäre, als hätte man die Glut entfernt und opferte in bloße Asche. (24.1) Wer aber, dies so wissend, das Agnihotra darbringt, dessen Opfer wird dargebracht in allen Welten, in allen Wesen, in allen Selbsten. (24.2) So wie ein Büschel Schilfrohr-Wolle, ins Feuer geworfen, verbrennt, so verbrennen alle seine Übeltaten, wer, dies so wissend, das Agnihotra darbringt. (24.3) Deshalb mag ein solcher Wissender selbst einem Ausgestoßenen (Caṇḍāla) [seine] Speisereste geben; denn es wäre ihm [ohnehin] in seinem eigenen Selbst geopfert. Dazu gibt es diesen Vers: (24.4) 'Wie hier hungrige Kinder auf ihre Mutter warten, so warten alle Wesen auf das Agnihotra' – so warten sie auf das Agnihotra. (24.5)
Wort für Wort
avidvān agnihotraṃ juhoti
wer, ohne zu wissen, das Agnihotra darbringt
aṅgārān apohya bhasmani juhuyāt
als hätte man die Glut entfernt und opferte in Asche