Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 10

Sūkta 2

kena pārṣṇī ābhṛte pūruṣasya kena māṃsaṃ saṃbhṛtaṃ kena gulphau kenāṅgulīḥ peśanīḥ kena khāni kenocchlaṅkhau madhyataḥ kaḥ pratiṣṭhām

Durch wen sind dem Menschen die Fersen gebildet? Durch wen ist das Fleisch zusammengefügt? Durch wen die Knöchel? Durch wen die kunstvoll geformten Finger? Durch wen die Körperöffnungen? Durch wen die beiden Wölbungen? Wer gab ihm in der Mitte den festen Halt? [Anm.: 'ucchlaṅkhau' ist ein seltenes, unsicheres Wort, evtl. eine Bezeichnung für Kniekehlen oder Hüften]

Wort für Wort
kena
durch wen (Instr.)
pārṣṇī
die Fersen (Nom.Du.)
ābhṛte
sind gebildet (Nom.Du.Part.Perf.Pass.)
pūruṣasya
des Menschen (Gen.)
kena
durch wen
māṃsaṃ
das Fleisch (Nom.)
saṃbhṛtaṃ
ist zusammengefügt (Nom.)
kena
durch wen
gulphau
die Knöchel (Nom.Du.)
kenāṅgulīḥ
durch wen die Finger (Akk.Pl.)
peśanīḥ
kunstvoll geformt (Akk.Pl.f.)
kena
durch wen
khāni
die Öffnungen (Akk.Pl.)
kenocchlaṅkhau
durch wen die beiden Wölbungen [?] (Nom.Du.)
madhyataḥ
in der Mitte
kaḥ
wer
pratiṣṭhām
festen Halt (Akk.)

kasmān nu gulphāv adharāv akṛṇvann aṣṭhīvantāv uttarau puruṣasya jaṅghe nirṛtya ny adadhuḥ kva svij jānunoḥ saṃdhī ka u tac ciketa

Wodurch machten sie die Knöchel unten, die Kniescheiben oben? Die Schienbeine des Menschen setzten sie kunstvoll ein — wo aber sind die Gelenke der Knie? Wer nur hat das erkannt? [Anm.: 'nirṛtya' ist mehrdeutig, hier sinngemäß als 'kunstvoll' übersetzt]

Wort für Wort
kasmān
wodurch
nu
denn
gulphāv
die Knöchel (Akk.Du.)
adharāv
unten (Akk.Du.)
akṛṇvann
machten sie (3.Pl.Impf.)
aṣṭhīvantāv
die Kniescheiben (Akk.Du.)
uttarau
oben (Akk.Du.)
puruṣasya
des Menschen (Gen.)
jaṅghe
die Schienbeine (Akk.Du.)
nirṛtya
kunstvoll [?] (Ger.)
ny
hinein
adadhuḥ
setzten sie (3.Pl.Impf.)
kva
wo
svij
denn (svid)
jānunoḥ
der Knie (Gen.Du.)
saṃdhī
Gelenke (Nom.Du.)
ka
wer
u
denn
tac
das
ciketa
hat erkannt (3.Sg.Perf.)

catuṣṭayaṃ yujate saṃhitāntaṃ jānubhyām ūrdhvaṃ śithiraṃ kabandham śroṇī yad ūrū ka u taj jajāna yābhyāṃ kusindhaṃ sudṛḍhaṃ babhūva

Vierfach fügt sich das Glied mit verbundenem Ende zusammen, oberhalb der Knie der lose Rumpf — die Hüften und die Schenkel, wer hat sie hervorgebracht? Durch sie ist das Gefüge fest geworden. [Anm.: 'kusindham' ist ein unsicheres, seltenes Wort für eine Gelenk- oder Rumpfpartie (hier als 'Gefüge' wiedergegeben; in Vers 5 auf die Schulterpartie bezogen); 'yābhyāṃ' ('durch sie') bezieht sich zurück auf Hüften und Schenkel, nicht auf eine neue unbekannte Größe]

Wort für Wort
catuṣṭayaṃ
vierfach (Nom.)
yujate
fügt sich zusammen (3.Sg.Med.)
saṃhitāntaṃ
mit verbundenem Ende (Nom.)
jānubhyām
von den Knien (Abl.Du.)
ūrdhvaṃ
oberhalb
śithiraṃ
lose (Nom.)
kabandham
der Rumpf (Nom.)
śroṇī
die Hüften (Nom.Du.)
yad
die
ūrū
Schenkel (Nom.Du.)
ka
wer
u
denn
taj
das
jajāna
hat hervorgebracht (3.Sg.Perf.)
yābhyāṃ
durch sie (Instr.Du.)
kusindhaṃ
das Gefüge [?] (Nom.)
sudṛḍhaṃ
fest (Nom.)
babhūva
ist geworden (3.Sg.Perf.)

kati devāḥ katame ta āsan ya uro grīvāś cikyuḥ puruṣasya kati stanau vy adadhuḥ kaḥ kaphodau kati skandhān kati pṛṣṭīr acinvan

Wie viele Götter, welche waren es, die dem Menschen Brust und Nacken gestaltet haben? Wie viele setzten die beiden Brustwarzen ein? Wer die Schulterblätter [Anm.: 'kaphodau', ein seltenes, unsicheres anatomisches Wort]? Wie viele fügten die Schultern, wie viele die Rippen zusammen?

Wort für Wort
kati
wie viele
devāḥ
Götter (Nom.Pl.)
katame
welche (Nom.Pl.)
ta
die (Nom.Pl.)
āsan
waren (3.Pl.Impf.)
ya
die (Nom.Pl.)
uro
Brust (Akk.)
grīvāś
Nacken (Akk.Pl.)
cikyuḥ
haben gestaltet (3.Pl.Perf.)
puruṣasya
des Menschen (Gen.)
kati
wie viele
stanau
Brustwarzen (Akk.Du.)
vy
aus-
adadhuḥ
setzten sie ein (3.Pl.Impf.)
kaḥ
wer
kaphodau
die Schulterblätter [?] (Akk.Du.)
kati
wie viele
skandhān
Schultern (Akk.Pl.)
kati
wie viele
pṛṣṭīr
Rippen (Akk.Pl.)
acinvan
fügten sie zusammen (3.Pl.Impf.)

ko asya bāhū sam abharad vīryāṃ karavād iti aṃsau ko asya tad devaḥ kusindhe adhy ā dadhau

Wer hat seine Arme zusammengefügt, auf dass sie Heldenkraft üben könnten? Die Schultern — welcher Gott hat sie ihm auf das Gefüge [Anm.: 'kusindhe', s. Anm. zu 10.2.3] gesetzt?

Wort für Wort
ko
wer
asya
seine (Gen.)
bāhū
Arme (Akk.Du.)
sam
zusammen
abharad
hat gefügt (3.Sg.Impf.)
vīryāṃ
Heldenkraft (Akk.)
karavād
könnten üben (3.Sg.Opt.)
iti
so, dass
aṃsau
die Schultern (Nom.Du.)
ko
welcher
asya
seine
tad
das
devaḥ
Gott (Nom.)
kusindhe
auf das Gefüge (Lok.)
adhy
darauf
ā
hin
dadhau
hat gesetzt (3.Sg.Perf.)

kaḥ sapta khāni vi tatarda śīrṣaṇi karṇāv imau nāsike cakṣaṇī mukham yeṣāṃ purutrā vijayasya mahnani catuṣpādo dvipado yanti yāmam

Wer hat die sieben Öffnungen im Kopf durchbohrt — diese beiden Ohren, die Nasenlöcher, die Augen, den Mund —, durch deren Macht die Vierfüßler und Zweifüßler weithin ihren Weg gehen?

Wort für Wort
kaḥ
wer
sapta
sieben
khāni
Öffnungen (Akk.Pl.)
vi
durch-
tatarda
hat durchbohrt (3.Sg.Perf.)
śīrṣaṇi
im Kopf (Lok.)
karṇāv
Ohren (Akk.Du.)
imau
diese beiden (Akk.Du.)
nāsike
Nasenlöcher (Akk.Du.)
cakṣaṇī
Augen (Akk.Du.)
mukham
Mund (Akk.)
yeṣāṃ
durch deren (Gen.Pl.)
purutrā
weithin
vijayasya
der Macht (Gen.)
mahnani
durch die Größe (Instr.)
catuṣpādo
catus 'vier' + pāda 'Fuß' → die Vierfüßler (Nom.Pl.)
dvipado
dvi 'zwei' + pāda 'Fuß' → die Zweifüßler (Nom.Pl.)
yanti
gehen (3.Pl.)
yāmam
ihren Weg (Akk.)

hanvor hi jihvām adadhāt purūcīm adhā mahīm adhi śiśrāya vācam sa ā varīvarti bhuvaneṣv antar apo vasānaḥ ka u tac ciketa

Zwischen die Kiefer hat er die vielgewandte Zunge gesetzt, dann die große Rede hinzugefügt — sie bewegt sich hin und her inmitten der Welten, in Wasser gehüllt. Wer nur hat das erkannt?

Wort für Wort
hanvor
zwischen die Kiefer (Lok.Du.)
hi
doch
jihvām
die Zunge (Akk.)
adadhāt
hat gesetzt (3.Sg.Impf.)
purūcīm
die vielgewandte (Akk.f.)
adhā
dann
mahīm
die große (Akk.f.)
adhi
hinzu
śiśrāya
hat gefügt (3.Sg.Perf.)
vācam
die Rede (Akk.)
sa
sie
ā
hin
varīvarti
bewegt sich hin und her (3.Sg.Intens.)
bhuvaneṣv
in den Welten (Lok.Pl.)
antar
inmitten
apo
in Wasser (Akk.Pl.)
vasānaḥ
gehüllt (Nom.Sg.Part.Med.)
ka
wer
u
denn
tac
das
ciketa
hat erkannt (3.Sg.Perf.)

mastiṣkam asya yatamo lalātaṃ kakāṭikāṃ prathamo yaḥ kapālam citvā cityaṃ hanvoḥ pūruṣasya divaṃ ruroha katamaḥ sa devaḥ

Wer von den Göttern bildete sein Gehirn, Stirn und Hinterhaupt [Anm.: 'kakāṭikā', ein seltenes Wort, evtl. auch 'Schläfe']? Wer war es, der zuerst, nachdem er den Schädel des Menschen aufgeschichtet und an den Kiefern befestigt hatte, zum Himmel emporstieg — welcher Gott war das?

Wort für Wort
mastiṣkam
Gehirn (Akk.)
asya
sein (Gen.)
yatamo
wer von den Göttern (Nom.)
lalātaṃ
Stirn (Akk.)
kakāṭikāṃ
Hinterhaupt [?] (Akk.)
prathamo
zuerst (Nom.)
yaḥ
wer (Nom.)
kapālam
Schädel (Akk.)
citvā
aufgeschichtet habend (Ger.)
cityaṃ
aufgeschichtet (Akk.)
hanvoḥ
an den Kiefern (Lok.Du.)
pūruṣasya
des Menschen (Gen.)
divaṃ
zum Himmel (Akk.)
ruroha
ist emporgestiegen (3.Sg.Perf.)
katamaḥ
welcher
sa
der
devaḥ
Gott (Nom.)

priyāpriyāṇi bahulā svapnaṃ saṃbādhatandyaḥ ānandān ugro nandāṃś ca kasmād vahati pūruṣaḥ

Liebes und Unliebes in Fülle, Schlaf, Bedrängnis, Mattigkeit, gewaltige Wonnen und Freuden — woher trägt der Mensch das alles?

Wort für Wort
priyāpriyāṇi
Liebes und Unliebes (Akk.Pl.)
bahulā
in Fülle (Akk.Pl.)
svapnaṃ
Schlaf (Akk.)
saṃbādhatandyaḥ
Bedrängnis, Mattigkeit (Akk.Pl.)
ānandān
Wonnen (Akk.Pl.)
ugro
gewaltig (Nom.)
nandāṃś
Freuden (Akk.Pl.)
ca
und
kasmād
woher
vahati
trägt
pūruṣaḥ
der Mensch (Nom.)

ārtir avartir nirṛtiḥ kuto nu puruṣe 'matiḥ rāddhiḥ samṛddhir avyṛddhir matir uditayaḥ kutaḥ ||10|| {4}

Leid, Missgeschick, Verderben — woher kommt im Menschen die Torheit? Gelingen, Gedeihen, Misslingen, Einsicht und Erfolg — woher kommen sie?

Wort für Wort
ārtir
Leid (Nom.)
avartir
Missgeschick (Nom.)
nirṛtiḥ
Verderben (Nom.)
kuto
woher
nu
denn
puruṣe
im Menschen (Lok.)
'matiḥ
Torheit (Nom.)
rāddhiḥ
Gelingen (Nom.)
samṛddhir
Gedeihen (Nom.)
avyṛddhir
Misslingen (Nom.)
matir
Einsicht (Nom.)
uditayaḥ
Erfolg (Nom.Pl.)
kutaḥ
woher
||10||
(Versnummer)
{4}
(Abschnittszählung)

ko asminn āpo vy adadhāt viṣūvṛtaḥ purūvṛtaḥ sindhusṛtyāya jātāḥ tīvrā aruṇā lohinīs tāmradhūmrā ūrdhvā avācīḥ puruṣe tiraścīḥ

Wer hat in ihm die Säfte verteilt, nach allen Seiten, vielfach kreisend, zum Strömen wie ein Fluss geboren, scharfe, rötliche, blutrote, kupfer- und rauchfarbene, aufwärts, abwärts, im Menschen quer fließende?

Wort für Wort
ko
wer
asminn
in ihm (Lok.)
āpo
die Säfte (Akk.Pl.)
vy
ver-
adadhāt
hat verteilt (3.Sg.Impf.)
viṣūvṛtaḥ
nach allen Seiten (Akk.Pl.)
purūvṛtaḥ
vielfach kreisend (Akk.Pl.)
sindhusṛtyāya
zum Strömen wie ein Fluss (Dat.)
jātāḥ
geboren (Nom.Pl.)
tīvrā
scharfe (Nom.Pl.)
aruṇā
rötliche (Nom.Pl.)
lohinīs
blutrote (Nom.Pl.)
tāmradhūmrā
kupfer- und rauchfarbene (Nom.Pl.)
ūrdhvā
aufwärts (Nom.Pl.)
avācīḥ
abwärts (Nom.Pl.)
puruṣe
im Menschen (Lok.)
tiraścīḥ
quer fließende (Nom.Pl.)

ko asmin rūpam adadhāt ko mahmānaṃ ca nāma ca gātuṃ ko asmin kaḥ ketuṃ kaś caritrāni puruṣe

Wer hat ihm die Gestalt gegeben? Wer die Größe und den Namen? Wer ihm den Gang? Wer die Erkenntniskraft? Wer dem Menschen die Verhaltensweisen?

Wort für Wort
ko
wer
asmin
ihm (Lok.)
rūpam
Gestalt (Akk.)
adadhāt
hat gegeben (3.Sg.Impf.)
ko
wer
mahmānaṃ
Größe (Akk.)
ca
und
nāma
Namen (Akk.)
ca
und
gātuṃ
Gang (Akk.)
ko
wer
asmin
ihm
kaḥ
wer
ketuṃ
Erkenntniskraft (Akk.)
kaś
wer
caritrāni
Verhaltensweisen (Akk.Pl.)
puruṣe
dem Menschen (Lok.)

ko asmin prāṇaṃ avayat ko apānaṃ vyānam u samānam asmin ko devo 'dhi śiśrāya puruṣe

Wer hat ihm den Atem eingewoben? Wer den Ausatem, den Zwischenatem und den Verdauungsatem — welcher Gott hat sie dem Menschen eingefügt?

Wort für Wort
ko
wer
asmin
ihm (Lok.)
prāṇaṃ
Atem (Akk.)
avayat
hat eingewoben (3.Sg.Impf.)
ko
wer
apānaṃ
Ausatem (Akk.)
vyānam
Zwischenatem (Akk.)
u
und
samānam
Verdauungsatem (Akk.)
asmin
ihm
ko
welcher
devo
Gott (Nom.)
'dhi
hinzu
śiśrāya
hat gefügt (3.Sg.Perf.)
puruṣe
dem Menschen (Lok.)

ko asmin yajñam adadhād eko devo 'dhi puruṣe ko asmint satyaṃ ko 'nṛtaṃ kuto mṛtyuḥ kuto 'mṛtam

Welcher eine Gott hat dem Menschen das Opfer eingefügt? Wer legte in ihn Wahrheit, wer Unwahrheit? Woher kommt der Tod, woher die Unsterblichkeit?

Wort für Wort
ko
wer
asmin
ihm (Lok.)
yajñam
Opfer (Akk.)
adadhād
hat eingefügt (3.Sg.Impf.)
eko
der eine (Nom.)
devo
Gott (Nom.)
'dhi
hinein
puruṣe
dem Menschen (Lok.)
ko
wer
asmint
in ihm (Lok.)
satyaṃ
Wahrheit (Akk.)
ko
wer
'nṛtaṃ
Unwahrheit (Akk.)
kuto
woher
mṛtyuḥ
Tod (Nom.)
kuto
woher
'mṛtam
Unsterblichkeit (Nom.)

ko asmai vāsaḥ pary adadhāt ko asyāyur akalpayat balaṃ ko asmai prāyachat ko asyākalpayaj javam

Wer hat ihm ein Gewand umgelegt? Wer hat seine Lebenszeit bemessen? Wer hat ihm die Kraft verliehen? Wer seine Schnelligkeit bemessen?

Wort für Wort
ko
wer
asmai
ihm (Dat.)
vāsaḥ
Gewand (Akk.)
pary
um-
adadhāt
hat gelegt (3.Sg.Impf.)
ko
wer
asyāyur
seine Lebenszeit (Gen.+Akk.)
akalpayat
hat bemessen (3.Sg.Impf.Kaus.)
balaṃ
Kraft (Akk.)
ko
wer
asmai
ihm
prāyachat
hat verliehen (3.Sg.Impf.)
ko
wer
asyākalpayaj
seine hat bemessen (Gen.+Kaus.)
javam
Schnelligkeit (Akk.)

kenāpo anv atanuta kenāhar akarod ruce uṣasaṃ kenānv ainddha kena sāyaṃbhavaṃ dade

Durch wen hat er die Wasser ausgebreitet? Durch wen den Tag zum Leuchten gebracht? Durch wen die Morgenröte entzündet? Durch wen den Abend eingerichtet?

Wort für Wort
kenāpo
durch wen die Wasser (Instr.+Akk.Pl.)
anv
aus-
atanuta
hat ausgebreitet (3.Sg.Impf.Med.)
kenāhar
durch wen den Tag (Instr.+Akk.)
akarod
hat gebracht (3.Sg.Impf.)
ruce
zum Leuchten (Dat.)
uṣasaṃ
die Morgenröte (Akk.)
kenānv
durch wen (Instr.+anu)
ainddha
hat entzündet (3.Sg.Impf.)
kena
durch wen
sāyaṃbhavaṃ
den Abend (Akk.)
dade
hat eingerichtet (3.Sg.Perf.Med.)

ko asmin reto ny adadhāt tantur ā tāyatām iti medhāṃ ko asminn adhy auhat ko bāṇaṃ ko nṛto dadhau

Wer hat ihm den Samen eingelegt, auf dass sich der Faden des Geschlechts fortspinne? Wer hat ihm die Weisheit eingegeben? Wer die Musik, wer den Tanz verliehen? [Anm.: 'bāṇam' bedeutet gewöhnlich 'Pfeil', hier im Zusammenhang mit 'Tanz' eher ein Musikinstrument oder Klang — die Deutung ist unsicher]

Wort für Wort
ko
wer
asmin
ihm (Lok.)
reto
Samen (Akk.)
ny
hinein
adadhāt
hat eingelegt (3.Sg.Impf.)
tantur
der Faden (Nom.)
ā
hin
tāyatām
soll sich fortspinnen (3.Sg.Imp.Med.)
iti
so, dass
medhāṃ
die Weisheit (Akk.)
ko
wer
asminn
ihm
adhy
hinzu
auhat
hat eingegeben (3.Sg.Impf.)
ko
wer
bāṇaṃ
die Musik [?] (Akk.)
ko
wer
nṛto
den Tanz (Akk.)
dadhau
hat verliehen (3.Sg.Perf.)

kenemāṃ bhūmim aurṇot kena pary abhavad divam kenābhi mahnā parvatān kena karmāṇi puruṣaḥ

Durch wen hat er diese Erde bedeckt? Durch wen den Himmel umfasst? Durch wen mit Macht die Berge überragt? Durch wen vollbringt der Mensch seine Werke?

Wort für Wort
kenemāṃ
durch wen diese (Instr.+Akk.f.)
bhūmim
Erde (Akk.)
aurṇot
hat bedeckt (3.Sg.Impf.)
kena
durch wen
pary
um-
abhavad
hat umfasst (3.Sg.Impf.)
divam
den Himmel (Akk.)
kenābhi
durch wen (Instr.+abhi)
mahnā
mit Macht (Instr.)
parvatān
die Berge (Akk.Pl.)
kena
durch wen
karmāṇi
Werke (Akk.Pl.)
puruṣaḥ
der Mensch (Nom.)

kena parjanyam anv eti kena somaṃ vicakṣaṇam kena yajñam ca śraddhāṃ ca kenāsmin nihitaṃ manaḥ

Durch wen erlangt er den Regengott? Durch wen den weitblickenden Soma? Durch wen Opfer und Glauben? Durch wen ist ihm der Geist eingelegt?

Wort für Wort
kena
durch wen
parjanyam
den Regengott (Akk.)
anv
er-
eti
erlangt
kena
durch wen
somaṃ
Soma (Akk.)
vicakṣaṇam
weitblickenden (Akk.)
kena
durch wen
yajñam
Opfer (Akk.)
ca
und
śraddhāṃ
Glauben (Akk.)
ca
und
kenāsmin
durch wen ihm (Instr.+Lok.)
nihitaṃ
eingelegt (Nom.)
manaḥ
der Geist (Nom.)

kena śrotriyam āpnoti kenemaṃ parameṣṭhinam kenemam agniṃ pūruṣaḥ kena saṃvatsaraṃ mame ||20|| {5}

Durch wen erlangt er die heilige Überlieferung? Durch wen diesen Höchsten? Durch wen erlangt der Mensch dieses Feuer? Durch wen hat er das Jahr ausgemessen?

Wort für Wort
kena
durch wen
śrotriyam
die heilige Überlieferung (Akk.)
āpnoti
erlangt
kenemaṃ
durch wen diesen (Instr.+Akk.)
parameṣṭhinam
Höchsten (Akk.)
kenemam
durch wen dieses (Instr.+Akk.)
agniṃ
Feuer (Akk.)
pūruṣaḥ
der Mensch (Nom.)
kena
durch wen
saṃvatsaraṃ
das Jahr (Akk.)
mame
hat ausgemessen (3.Sg.Perf.Med.)
||20||
(Versnummer)
{5}
(Abschnittszählung)

brahma śrotriyam āpnoti brahmemaṃ parameṣṭhinam brahmemam agniṃ pūruṣo brahma saṃvatsaraṃ mame

Durch das Brahman erlangt er die heilige Überlieferung, durch das Brahman diesen Höchsten, durch das Brahman erlangt der Mensch dieses Feuer, durch das Brahman hat er das Jahr ausgemessen.

Wort für Wort
brahma
durch das Brahman (Instr./Nom.)
śrotriyam
die heilige Überlieferung (Akk.)
āpnoti
erlangt
brahmemaṃ
durch das Brahman diesen (brahma+imam)
parameṣṭhinam
Höchsten (Akk.)
brahmemam
durch das Brahman dieses (brahma+imam)
agniṃ
Feuer (Akk.)
pūruṣo
der Mensch (Nom.)
brahma
durch das Brahman
saṃvatsaraṃ
das Jahr (Akk.)
mame
hat ausgemessen (3.Sg.Perf.Med.)

kena devāṃ anu kṣiyati kena daivajanīr viśaḥ kenedam anyan nakṣatraṃ kena sat kṣatram ucyate

Durch wen wohnt er bei den Göttern? Durch wen gelangt er zu den göttlichen Völkern? Durch wen erreicht er jenes andere Gestirn? Durch wen wird einem wahre Herrschaft zuerkannt?

Wort für Wort
kena
durch wen
devāṃ
bei den Göttern (Akk.Pl.)
anu
nach
kṣiyati
wohnt
kena
durch wen
daivajanīr
göttlichen Völkern (Akk.Pl.f.)
viśaḥ
Völker (Akk.Pl.)
kenedam
durch wen dieses (Instr.+Akk.)
anyan
andere (Akk.)
nakṣatraṃ
Gestirn (Akk.)
kena
durch wen
sat
wahre (Akk.)
kṣatram
Herrschaft (Akk.)
ucyate
wird zuerkannt

brahma devāṃ anu kṣiyati brahma daivajanīr viśaḥ brahmedam anyan nakṣatraṃ brahma sat kṣatram ucyate

Durch das Brahman wohnt er bei den Göttern, durch das Brahman gelangt er zu den göttlichen Völkern, durch das Brahman erreicht er jenes andere Gestirn, durch das Brahman wird einem wahre Herrschaft zuerkannt.

Wort für Wort
brahma
durch das Brahman
devāṃ
bei den Göttern (Akk.Pl.)
anu
nach
kṣiyati
wohnt
brahma
durch das Brahman
daivajanīr
göttlichen Völkern (Akk.Pl.f.)
viśaḥ
Völker (Akk.Pl.)
brahmedam
durch das Brahman dieses (brahma+idam)
anyan
andere (Akk.)
nakṣatraṃ
Gestirn (Akk.)
brahma
durch das Brahman
sat
wahre (Akk.)
kṣatram
Herrschaft (Akk.)
ucyate
wird zuerkannt

keneyaṃ bhūmir vihitā kena dyaur uttarā hitā kenedam ūrdhvaṃ tiryak cāntarikṣam vyaco hitam

Durch wen ist diese Erde eingerichtet? Durch wen der Himmel darüber gesetzt? Durch wen ist dieser Luftraum, aufwärts und quer sich erstreckend, als weiter Raum gesetzt?

Wort für Wort
keneyaṃ
durch wen diese (Instr.+Nom.f.)
bhūmir
Erde (Nom.)
vihitā
eingerichtet (Nom.f.)
kena
durch wen
dyaur
Himmel (Nom.)
uttarā
darüber (Nom.)
hitā
gesetzt (Nom.f.)
kenedam
durch wen dieses (Instr.+Nom.)
ūrdhvaṃ
aufwärts
tiryak
quer
cāntarikṣam
und der Luftraum (ca+antarikṣam, Nom.)
vyaco
weiter Raum (Nom.)
hitam
gesetzt (Nom.)

brahmaṇā bhūmir vihitā brahma dyaur uttarā hitā brahmedam ūrdhvaṃ tiryak cāntarikṣaṃ vyaco hitam

Durch das Brahman ist diese Erde eingerichtet, durch das Brahman ist der Himmel darüber gesetzt, durch das Brahman ist dieser Luftraum, aufwärts und quer, als weiter Raum gesetzt.

Wort für Wort
brahmaṇā
durch das Brahman (Instr.)
bhūmir
Erde (Nom.)
vihitā
eingerichtet (Nom.f.)
brahma
durch das Brahman
dyaur
Himmel (Nom.)
uttarā
darüber (Nom.)
hitā
gesetzt (Nom.f.)
brahmedam
durch das Brahman dieses (brahma+idam)
ūrdhvaṃ
aufwärts
tiryak
quer
cāntarikṣaṃ
und der Luftraum (ca+antarikṣam)
vyaco
weiter Raum (Nom.)
hitam
gesetzt (Nom.)

mūrdhānam asya saṃsīvyātharvā hṛdayaṃ ca yat mastiṣkād ūrdhvaḥ prairayat pavamāno 'dhi śīrṣataḥ

Nachdem Atharvan seinen Scheitel zusammengenäht hatte, und auch das Herz — dieses hat der reinigende Hauch, oberhalb des Gehirns, vom Scheitel her in Bewegung gesetzt. [Anm.: der Bezug zwischen 'Herz' und dem folgenden Verb ist im Text verdichtet und nicht ganz eindeutig]

Wort für Wort
mūrdhānam
Scheitel (Akk.)
asya
seinen (Gen.)
saṃsīvyātharvā
hat zusammengenäht Atharvan (saṃsīvya+atharvā)
hṛdayaṃ
Herz (Akk.)
ca
und
yat
das
mastiṣkād
vom Gehirn (Abl.)
ūrdhvaḥ
oberhalb (Nom.)
prairayat
hat in Bewegung gesetzt (3.Sg.Impf.Kaus.)
pavamāno
der reinigende Hauch (Nom.)
'dhi
hinzu
śīrṣataḥ
vom Scheitel her

tad vā atharvaṇaḥ śiro devakośaḥ samubjitaḥ tat prāṇo abhi rakṣati śiro annam atho manaḥ

Das ist ja das Haupt des Atharvan, der fest verschlossene Schrein der Götter — das behütet der Lebensatem, das Haupt, die Speise und auch der Geist.

Wort für Wort
tad
das
vā
ja
atharvaṇaḥ
des Atharvan (Gen.)
śiro
Haupt (Nom.)
devakośaḥ
deva 'Götter' + kośa 'Schrein' → Schrein der Götter (Nom.)
samubjitaḥ
fest verschlossen (Nom.)
tat
das
prāṇo
der Lebensatem (Nom.)
abhi
hin
rakṣati
behütet
śiro
das Haupt (Nom.)
annam
die Speise (Nom.)
atho
und auch
manaḥ
der Geist (Nom.)

ūrdhvo nu sṛṣṭā3s tiryaṅ nu sṛṣṭā3s sarvā diśaḥ puruṣa ā babhūvā3ṃ puraṃ yo brahmaṇo veda yasyāḥ puruṣa ucyate

Aufwärts erstreckt, quer erstreckt, nach allen Richtungen ist der Puruṣa geworden — für den, der die Burg des Brahman kennt, von der gesagt wird, dass Puruṣa ihr Herr sei. [Anm.: 'yasyāḥ puruṣa ucyate' ist knapp formuliert, wörtl. etwa 'von der Puruṣa gesagt wird' — die genaue Beziehung (Bewohner, Herr, Namensgeber) bleibt im Text offen]

Wort für Wort
ūrdhvo
aufwärts (Nom.)
nu
denn
sṛṣṭā3s
erstreckt (Nom.)
tiryaṅ
quer
nu
denn
sṛṣṭā3s
erstreckt (Nom.)
sarvā
nach allen (Akk.Pl.f.)
diśaḥ
Richtungen (Akk.Pl.)
puruṣa
Puruṣa (Nom.)
ā
hin
babhūvā3ṃ
ist geworden (3.Sg.Perf.)
puraṃ
die Burg (Akk.)
yo
der (Nom.)
brahmaṇo
des Brahman (Gen.)
veda
kennt (3.Sg.Perf.)
yasyāḥ
von der (Gen.f.)
puruṣa
Puruṣa (Nom.)
ucyate
wird gesagt

yo vai tāṃ brahmaṇo vedāmṛtenāvṛtāṃ puram tasmai brahma ca brāhmāś ca cakṣuḥ prāṇaṃ prajāṃ daduḥ

Wer wahrlich diese Burg des Brahman kennt, die mit Unsterblichkeit umhüllte, dem geben das Brahman und die Brahman-Mächte [Anm.: 'brāhmāḥ' könnte auch 'die Brahmanen(-Priester)' bedeuten] Sehkraft, Lebensatem und Nachkommenschaft.

Wort für Wort
yo
wer (Nom.)
vai
wahrlich
tāṃ
diese (Akk.f.)
brahmaṇo
des Brahman (Gen.)
vedāmṛtenāvṛtāṃ
kennt, die mit Unsterblichkeit umhüllte (veda+amṛtena+āvṛtām)
puram
Burg (Akk.)
tasmai
dem (Dat.)
brahma
das Brahman (Nom.)
ca
und
brāhmāś
die Brahman-Mächte (Nom.Pl.)
ca
und
cakṣuḥ
Sehkraft (Akk.)
prāṇaṃ
Lebensatem (Akk.)
prajāṃ
Nachkommenschaft (Akk.)
daduḥ
geben (3.Pl.Perf.)

na vai tam cakṣur jahāti na prāṇo jarasaḥ purā puraṃ yo brahmaṇo veda yasyāḥ puruṣa ucyate

Ihn verlässt wahrlich nicht die Sehkraft, noch der Lebensatem vor dem hohen Alter — ihn, der die Burg des Brahman kennt, von der gesagt wird, dass Puruṣa ihr Herr sei. [Anm.: s. Anm. zu 10.2.28]

Wort für Wort
na
nicht
vai
wahrlich
tam
ihn (Akk.)
cakṣur
die Sehkraft (Nom.)
jahāti
verlässt
na
nicht
prāṇo
der Lebensatem (Nom.)
jarasaḥ
vor dem Alter (Abl.)
purā
vor
puraṃ
die Burg (Akk.)
yo
der (Nom.)
brahmaṇo
des Brahman (Gen.)
veda
kennt (3.Sg.Perf.)
yasyāḥ
von der (Gen.f.)
puruṣa
Puruṣa (Nom.)
ucyate
wird gesagt

aṣṭācakrā navadvārā devānāṃ pūr ayodhyā tasyāṃ hiraṇyayaḥ kośaḥ svargo jyotiṣāvṛtaḥ

Achträdrig, neuntorig ist die unbezwingbare Burg der Götter; in ihr ist ein goldener Schrein, himmlisch, von Licht umhüllt.

Wort für Wort
aṣṭācakrā
aṣṭa 'acht' + cakra 'Rad' → achträdrig (Nom.f.)
navadvārā
nava 'neun' + dvāra 'Tor' → neuntorig (Nom.f.)
devānāṃ
der Götter (Gen.Pl.)
pūr
Burg (Nom.)
ayodhyā
unbezwingbar (Nom.f.)
tasyāṃ
in ihr (Lok.)
hiraṇyayaḥ
golden (Nom.)
kośaḥ
Schrein (Nom.)
svargo
himmlisch (Nom.)
jyotiṣāvṛtaḥ
jyotis 'Licht' + āvṛta 'umhüllt' → von Licht umhüllt (Nom.)

tasmin hiraṇyaye kośe tryare tripratiṣṭhite tasmin yad yakṣam ātmanvat tad vai brahmavido viduḥ

In diesem goldenen Schrein, dreispeichig, auf drei Stützen ruhend — was darin als das beseelte Geheimnisvolle wohnt, das kennen wahrlich die Kenner des Brahman.

Wort für Wort
tasmin
in diesem (Lok.)
hiraṇyaye
goldenen (Lok.)
kośe
Schrein (Lok.)
tryare
dreispeichig (Lok.)
tripratiṣṭhite
tri 'drei' + pratiṣṭhita 'gestützt' → auf drei Stützen ruhend (Lok.)
tasmin
darin (Lok.)
yad
was
yakṣam
Geheimnisvolles (Nom.)
ātmanvat
beseelt (Nom.)
tad
das
vai
wahrlich
brahmavido
die Kenner des Brahman (Nom.Pl.)
viduḥ
kennen (3.Pl.Perf.)

prabhrājamānāṃ hariṇīṃ yaśasā saṃparīvṛtām puraṃ hiraṇyayīṃ brahmā viveśāparājitām ||33|| {6}

In die hell erstrahlende, goldgelbe, mit Herrlichkeit ganz umhüllte, unbezwungene goldene Burg ist das Brahman eingegangen. [Anm.: 'brahmā' steht hier in maskuliner Form, meint aber wohl das (neutrische) Brahman-Prinzip, nicht den späteren Schöpfergott Brahmā]

Wort für Wort
prabhrājamānāṃ
die hell erstrahlende (Akk.f.)
hariṇīṃ
die goldgelbe (Akk.f.)
yaśasā
mit Herrlichkeit (Instr.)
saṃparīvṛtām
ganz umhüllte (Akk.f.)
puraṃ
die Burg (Akk.)
hiraṇyayīṃ
goldene (Akk.f.)
brahmā
das Brahman (Nom.)
viveśāparājitām
ist eingegangen, die unbezwungene (viveśa+aparājitām)
||33||
(Versnummer)
{6}
(Abschnittszählung)

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