yo bhūtaṃ ca bhavyaṃ ca sarvaṃ yaś cādhitiṣṭhati sv aryasya ca kevalaṃ tasmai jyeṣṭhāya brahmaṇe namaḥ
Der über alles Gewordene und Künftige gebietet, und ganz allein über das eigene Gut des Herrn [Anm.: "sv aryasya" im Sanskrit unsicher, evtl. "das Eigentum des Edlen"] — diesem höchsten heiligen Wort sei Verehrung.
tisro ha prajā atyāyam āyan ny anyā arkam abhito 'viśanta bṛhan ha tasthau rajaso vimāno harito hariṇīr ā viveśa
Drei Geschöpfe gingen über dieses Dasein hinaus, andere ließen sich rings um das leuchtende Licht nieder; hoch stand der Vermesser des Luftraums, der goldgelbe, und ging in die goldgelben Stuten ein. [Anm.: Vers in der Überlieferung stark dunkel, Bezüge unsicher]
idaṃ savitar vi jānīhi ṣaḍ yamā eka ekajaḥ tasmin hāpitvam ichante ya eṣām eka ekajaḥ
Dies erkenne, o Savitṛ: sechs Zwillinge gibt es, einer ist einzeln geboren. Bei dem, der von ihnen der einzeln Geborene ist, suchen sie Vaterschaft [Anm.: 'hāpitvam' ist ein seltenes, unsicher gedeutetes Wort].
Offenbar seiend und doch in der Höhle verborgen, trägt es den Namen 'das Alternde', die große Stätte; darin ist all dies eingefügt, was sich bewegt, was atmet, was gegründet ist.
ekacakraṃ vartata ekanemi sahasrākṣaraṃ pra puro ni paścā ardhena viśvaṃ bhuvanaṃ jajāna yad asyārdhaṃ kva tad babhūva
Das einrädrige, einfelgige Rad dreht sich, mit tausend unvergänglichen Silben, vorn nach vorn, hinten nach hinten. Mit seiner einen Hälfte hat es die ganze Welt hervorgebracht — wo blieb seine andere Hälfte?
pañcavāhī vahatyagram eṣāṃ praṣṭayo yuktā anusaṃvahanti ayātam asya dadṛśe na yātaṃ paraṃ nedīyo 'varaṃ davīyaḥ
Das Fünfgespann zieht an ihrer Spitze, die angeschirrten Nebenpferde ziehen mit; sein noch nicht Gegangenes ist sichtbar, das schon Gegangene nicht — das Ferne ist näher, das Nahe ferner.
tiryagbilaś camasa ūrdhvabudhnas tasmin yaśo nihitaṃ viśvarūpam tad āsata ṛṣayaḥ sapta sākaṃ ye asya gopā mahato babhūvuḥ
Ein Becher mit querliegender Öffnung, mit dem Boden nach oben — darin ruht der allgestaltige Glanz. Dort sitzen die sieben Ṛṣis beisammen, die zu Hütern dieses Großen wurden.
Die vorn angeschirrt wird, und die hinten, die von allen Seiten angeschirrt wird, die von überall her — durch die sich das Opfer vorwärts entfaltet — nach dieser frage ich dich: welche der Ṛc-Verse ist sie?
yad ejati patati yac ca tiṣṭhati prāṇad aprāṇan nimiṣac ca yad bhuvat tad dādhāra pṛthivīṃ viśvarūpaṃ tat saṃbhūya bhavaty ekam eva
Was sich bewegt und fliegt, und was stillsteht, was atmet, nicht atmet, was blinzelnd entstand — das hat die Erde getragen, allgestaltig; das wird, zusammenkommend, zu einem Einzigen.
anantaṃ vitataṃ purutrānantam antavac cā samante te nākapālaś carati vicinvan vidvān bhūtam uta bhavyam asya
Endlos, weit ausgebreitet an vielen Orten, endlos und zugleich endlich an seinen beiden Rändern — der Hüter des Himmelsgewölbes wandert prüfend umher, kundig des Gewordenen und des Künftigen von ihm.
prajāpatiś carati garbhe antar adṛśyamāno bahudhā vi jāyate ardhena viśvaṃ bhuvanaṃ jajāna yad asyārdhaṃ katamaḥ sa ketuḥ
Prajāpati wandert im Innern des Mutterleibs, unsichtbar, wird vielfach geboren; mit seiner Hälfte hat er die ganze Welt hervorgebracht — was seine andere Hälfte ist, welches Zeichen ist das?
Fern wohnt er mit dem Vollen, fern bleibt er hinter dem Unvollständigen zurück — ein großes Wunderwesen inmitten der Welt; ihm bringen die Herrscher der Reiche Tribut dar.
ye arvāṅ madhya uta vā purāṇaṃ vedaṃ vidvāṃsam abhito vadanti ādityam eva te pari vadanti sarve agniṃ dvitīyaṃ trivṛtaṃ ca haṃsam
Die, welche diesseits, in der Mitte oder über das uralte Wissen, den Kundigen, ringsum reden — die alle reden eigentlich über die Sonne, über das Feuer als den zweiten, und über den dreifach gewundenen Schwan.
sahasrāhṇyaṃ viyatāv asya pakṣau harer haṃsasya patataḥ svargam sa devānt sarvān urasy upadadya saṃpaśyan yāti bhuvanāni viśvā
Tausend Tage lang auseinandergebreitet sind seine beiden Flügel, des goldgelben Schwans, der zum Himmel fliegt; alle Götter an seine Brust gedrückt, zieht er, alles überschauend, durch alle Welten.
Durch Wahrheit glüht er nach oben, durch das heilige Wort blickt er nach unten, durch den Atem atmet er in die Breite — er, in dem das Höchste geborgen ist.
yo vai te vidyād araṇī yābhyāṃ nirmathyate vasu sa vidvān jyeṣṭhaṃ manyeta sa vidyād brāhmaṇaṃ mahat ||20|| {27}
Wer die beiden Reibhölzer kennte, aus denen das Gut herausgerieben wird — der Kundige dürfte sich für den Höchsten halten, der würde das große heilige Wort kennen.
bhogyo bhavad atho annam adad bahu yo devam uttarāvantam upāsātai sanātanam
Zum Genießbaren wurde er und aß dann viel Speise — auf dass man den ranghöheren, urewigen Gott verehre. [Anm.: Satzbau im Sanskrit an dieser Stelle unregelmäßig, Sinn nicht ganz sicher]
Wort für Wort
bhogyo
zum Genießbaren (Nom.)
bhavad
wurde (Impf. 3.Sg.)
atho
und
annam
Speise (Akk.)
adad
aß (Impf. 3.Sg.)
bahu
viel (Akk.n., Adj.)
yo
welcher (Rel.Nom.Sg.)
devam
den Gott (Akk.)
uttarāvantam
den ranghöheren (Akk., Adj.)
upāsātai
auf dass man verehre [?] (ungewöhnliche Verbform, Inf./Konj., unsicher)
śataṃ sahasram ayutaṃ nyarbudam asaṃkhyeyaṃ svam asmin niviṣṭam tad asya ghnanty abhipaśyata eva tasmād devo rocat eṣa etat
Hundert, Tausend, Zehntausend, Nyarbuda [Anm.: eine sehr große, im Deutschen nicht sicher zu beziffernde Zahl], Unzählbares — sein Eigentum ist in ihm hineingelegt; das zerstören sie, während er selbst nur zusieht — und dennoch strahlt dieser Gott.
Wort für Wort
śataṃ
hundert
sahasram
tausend
ayutaṃ
zehntausend
nyarbudam
Nyarbuda [Anm.: sehr große, unsicher zu beziffernde Zahl]
Diese Schöne, Alterslose, Unsterbliche ruht im Hause des Sterblichen; für wen sie geschaffen ward, bei dem liegt sie — doch der, der sie schuf, ist gealtert.
utaiṣāṃ pitota vā putra eṣām utaiṣāṃ jyeṣṭha uta vā kaniṣṭhaḥ eko ha devo manasi praviṣṭaḥ prathamo jātaḥ sa u garbhe antaḥ
Du bist ihr Vater, oder auch ihr Sohn, du bist ihr Ältester oder auch ihr Jüngster; ein einziger Gott ist in den Geist eingegangen, zuerst geboren, und er ist zugleich noch im Mutterleib.
eṣā sanatnī sanam eva jātaiṣā purāṇī pari sarvaṃ babhūva mahī devy uṣaso vibhātī saikenaikena miṣatā vi caṣṭe ||30|| {28}
Sie ist die Uralte, von jeher geboren, sie, die Urzeitliche, ist alles rings umschließend geworden — die große Göttin, die aufleuchtende Morgenröte; mit einem einzigen Blinzeln durchschaut sie alles.
avir vai nāma devatartenāste parīvṛtā tasyā rūpeṇeme vṛkṣā haritā haritasrajaḥ
'Aviḥ', die Offenbare, heißt fürwahr die Gottheit; sie thront, von der Weltordnung umhüllt; durch ihre Gestalt sind diese Bäume grün, mit grünen Kränzen geschmückt.
apūrveṇeṣitā vācas tā vadanti yathāyatham vadantīr yatra gachanti tad āhur brāhmaṇaṃ mahat
Von dem, was nie zuvor war, angetrieben, sprechen diese Reden, jede an ihrem Platz; wohin die sprechenden gehen — das nennt man das große heilige Wort.
Wort für Wort
apūrveṇeṣitā
von dem nie Dagewesenen angetrieben (Sandhi, Nom.f., Ptz.)
yatra devāś ca manuṣyāś cārā nābhāv iva śritāḥ apāṃ tvā puṣpaṃ pṛchāmi yatra tan māyayā hitam
Wo Götter und Menschen wie Speichen in einer Nabe geborgen sind — nach dir, der Blüte der Wasser, frage ich: wo ist jenes durch Zauberkraft hingesetzt?
yebhir vāta iṣitaḥ pravāti ye dadante pañca diśaḥ sadhrīcīḥ ya āhutim atyamanyanta devā apāṃ netāraḥ katame ta āsan
Durch die der angetriebene Wind weht, die die fünf zusammenlaufenden Himmelsrichtungen halten, die die Opfergabe geringschätzten — welche waren das, die Götter, die Führer der Wasser?
imām eṣāṃ pṛthivīṃ vasta eko 'ntarikṣaṃ pary eko babhūva divam eṣāṃ dadate yo vidhartā viśvā āśāḥ prati rakṣanty eke
Diese ihre Erde bekleidet einer von ihnen, einer ist rings um den Luftraum geworden; den Himmel von ihnen hält der, der Verteiler ist; alle Himmelsgegenden bewachen manche von ihnen.
yad antarā dyāvāpṛthivī agnir ait pradahan viśvadāvyaḥ yatrātiṣṭhann ekapatnīḥ parastāt kvevāsīn mātariśvā tadānīm
Als Agni, alles verzehrend, zwischen Himmel und Erde brannte, als die einem Einzigen zugehörigen Gattinnen jenseits standen — wo mochte da wohl der Wind Mātariśvan gewesen sein?
apsv āsīn mātariśvā praviṣṭaḥ praviṣṭā devāḥ salilāny āsan bṛhan ha tasthau rajaso vimānaḥ pavamāno harita ā viveśa
Im Wasser war der Wind, hineingegangen; hineingegangen waren die Götter, sie waren in den Urfluten; hoch stand der Vermesser des Luftraums; der sich läuternde Wind ging in die goldgelben Wasser ein.
uttareṇeva gayatrīm amṛte 'dhi vi cakrame sāmnā ye sāma saṃvidur ajas tad dadṛśe kva
Wie über die Gāyatrī hinaus mit der Uttara-Strophe, so schritt er in der Unsterblichkeit voran; die durch den Sāman-Gesang das Sāman erkennen — wo mag der Ungeborene das wohl gesehen haben? [Anm.: liturgisch-metrischer Bezug im Sanskrit unklar]
Wort für Wort
uttareṇeva
wie über die Uttara-Strophe [?] (Sandhi, liturgischer Bezug unsicher)
akāmo dhīro amṛtaḥ svayaṃbhū rasena tṛpto na kutaś canonaḥ tam eva vidvān na bibhāya mṛtyor ātmānaṃ dhīram ajaraṃ yuvānam ||44|| {29}
Begierdelos, weise, unsterblich, selbstentstanden, gesättigt an Saft, in nichts mangelhaft — wer eben ihn kennt, fürchtet den Tod nicht: das weise, alterslose, jugendliche Selbst.