Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 10

Sūkta 4

indrasya prathamo ratho devānām aparo ratho varuṇasya tṛtīya it ahīnām apamā ratha sthānum ārad athārṣat

Indras Wagen ist der erste, der Götter Wagen der zweite, Varuṇas Wagen ist wahrlich der dritte, der Schlangen Wagen der letzte — er näherte sich einem toten Baumstumpf, dann glitt er dahin. [Anm.: Die genaue Bezugslogik dieses rätselhaften Verses aus einem Schlangenbeschwörungszauber ist unsicher]

Wort für Wort
indrasya
Indras (Gen.)
prathamo
der erste (Nom.)
ratho
Wagen (Nom.)
devānām
der Götter (Gen.Pl.)
aparo
der zweite (Nom.)
ratho
Wagen (Nom.)
varuṇasya
Varuṇas (Gen.)
tṛtīya
der dritte (Nom.)
it
wahrlich
ahīnām
der Schlangen (Gen.Pl.)
apamā
der letzte (Nom.)
ratha
Wagen (Nom.)
sthānum
toten Baumstumpf (Akk.)
ārad
näherte sich (3.Sg.Aor.)
athārṣat
dann glitt er dahin (atha+arṣat)

darbhaḥ śocis tarūṇakam aśvasya vāraḥ paruṣasya vāraḥ rathasya bandhuram

Darbha-Gras, Flamme, junger Trieb, das Schweifhaar des Pferdes, das Haar des Rohres, der Sitz des Wagens. [Anm.: Dieser Vers besteht, wie im Original, aus einer elliptischen Aufzählung ohne verbindende Syntax]

Wort für Wort
darbhaḥ
Darbha-Gras (Nom.)
śocis
Flamme (Nom.)
tarūṇakam
junger Trieb (Nom.)
aśvasya
des Pferdes (Gen.)
vāraḥ
Schweifhaar (Nom.)
paruṣasya
des Rohres (Gen.)
vāraḥ
Haar (Nom.)
rathasya
des Wagens (Gen.)
bandhuram
Sitz (Nom.)

ava śveta padā jahi pūrveṇa cāpareṇa ca udaplutam iva dārv ahīnām arasaṃ viṣaṃ vār ugram

Schlage nieder, o Weißer, mit dem Fuß, mit dem vorderen und dem hinteren — mach der Schlangen kraftloses Gift wie treibendes Holz auf dem Wasser, das gewaltige Giftwasser.

Wort für Wort
ava
nieder
śveta
o Weißer (Vok.)
padā
mit dem Fuß (Instr.)
jahi
schlage (2.Sg.Imp.)
pūrveṇa
mit dem vorderen (Instr.)
cāpareṇa
und dem hinteren (ca+apareṇa)
ca
und
udaplutam
treibend auf dem Wasser (Akk.)
iva
wie
dārv
Holz (Akk.)
ahīnām
der Schlangen (Gen.Pl.)
arasaṃ
kraftlose (Akk.)
viṣaṃ
Gift (Akk.)
vār
Wasser (Akk.)
ugram
gewaltiges (Akk.)

araṃghuṣo nimajyonmaja punar abravīt udaplutam iva dārv ahīnām arasaṃ viṣaṃ vār ugram

Eintauchend und wieder auftauchend sprach er abermals: Wie treibendes Holz auf dem Wasser sei der Schlangen kraftloses Gift, das gewaltige Giftwasser. [Anm.: 'araṃghuṣaḥ' ist ein unklares Wort, möglicherweise ein Eigenname]

Wort für Wort
araṃghuṣo
Araṃghuṣa [?] (Nom., wohl Eigenname)
nimajyonmaja
eintauchend und auftauchend (nimajya+unmajya)
punar
wieder
abravīt
sprach (3.Sg.Impf.)
udaplutam
treibend auf dem Wasser (Akk.)
iva
wie
dārv
Holz (Akk.)
ahīnām
der Schlangen (Gen.Pl.)
arasaṃ
kraftlose (Akk.)
viṣaṃ
Gift (Akk.)
vār
Wasser (Akk.)
ugram
gewaltiges (Akk.)

paidvo hanti kasarṇīlaṃ paidvaḥ śvitram utāsitam paidvo ratharvyāḥ śiraḥ saṃ bibheda pṛdākvāḥ

Der Paidva erschlägt die Kasarṇīla-Schlange, der Paidva die weißliche und die schwarze, der Paidva hat der Ratharvī, der giftigen Schlange, den Kopf zerschmettert.

Wort für Wort
paidvo
der Paidva (Nom., Ross Indras/Zaubertier)
hanti
erschlägt
kasarṇīlaṃ
die Kasarṇīla-Schlange (Akk.)
paidvaḥ
der Paidva (Nom.)
śvitram
die weißliche (Akk.)
utāsitam
und die schwarze (uta+asitam)
paidvo
der Paidva (Nom.)
ratharvyāḥ
der Ratharvī (Gen., Schlangenname)
śiraḥ
Kopf (Akk.)
saṃ
zusammen
bibheda
hat zerschmettert (3.Sg.Perf.)
pṛdākvāḥ
der giftigen Schlange (Gen.)

paidva prehi prathamo 'nu tvā vayam emasi ahīn vy asyatāt patho yena smā vayam emasi

O Paidva, geh voran, als erster — dir folgen wir. Schleudere die Schlangen vom Weg, auf dem wir zu gehen pflegen.

Wort für Wort
paidva
o Paidva (Vok.)
prehi
geh voran (2.Sg.Imp.)
prathamo
als erster (Nom.)
'nu
nach
tvā
dir
vayam
wir
emasi
folgen (1.Pl.)
ahīn
die Schlangen (Akk.Pl.)
vy
fort-
asyatāt
schleudere (2.Sg.Imp.)
patho
vom Weg (Abl.)
yena
auf dem (Instr.)
smā
gewöhnlich
vayam
wir
emasi
zu gehen pflegen (1.Pl.)

idaṃ paidvo ajāyatedam asya parāyaṇam imāny arvataḥ padāhighnyo vājinīvataḥ

Hier ist der Paidva geboren worden, dies ist sein Zufluchtsort — dies sind die schlangentötenden Hufspuren des kraftvollen Rennpferdes.

Wort für Wort
idaṃ
hier
paidvo
der Paidva (Nom.)
ajāyatedam
ist geboren worden, dies (ajāyata+idam)
asya
sein (Gen.)
parāyaṇam
Zufluchtsort (Nom.)
imāny
dies (Nom.Pl.)
arvataḥ
des Rennpferdes (Gen.)
padāhighnyo
die schlangentötenden Hufspuren (Nom.Pl.)
vājinīvataḥ
des kraftvollen (Gen.)

saṃyataṃ na vi ṣparad vyāttaṃ na saṃ yamat asmin kṣetre dvāv ahī strī ca pumāṃś ca tāv ubhāv arasā

Das Geschlossene soll sich nicht öffnen, das Geöffnete sich nicht schließen — auf diesem Feld seien zwei Schlangen, eine weibliche und eine männliche, beide kraftlos.

Wort für Wort
saṃyataṃ
das Geschlossene (Nom.)
na
nicht
vi
auf-
ṣparad
soll sich öffnen (3.Sg.Konj.)
vyāttaṃ
das Geöffnete (Nom.)
na
nicht
saṃ
zusammen
yamat
soll sich schließen (3.Sg.Konj.)
asmin
auf diesem (Lok.)
kṣetre
Feld (Lok.)
dvāv
zwei (Nom.Du.)
ahī
Schlangen (Nom.Du.)
strī
weiblich (Nom.)
ca
und
pumāṃś
männlich (Nom.)
ca
und
tāv
beide (Nom.Du.)
ubhāv
beide (Nom.Du.)
arasā
kraftlos (Nom.Du.)

arasāsa ihāhayo ye anti ye ca dūrake ghanena hanmi vṛścikam ahiṃ daṇḍenāgatam

Kraftlos seien hier die Schlangen, die nahen und die fernen — mit der Keule erschlage ich den Skorpion, mit dem Stock die herangekommene Schlange.

Wort für Wort
arasāsa
kraftlos (Nom.Pl.)
ihāhayo
hier die Schlangen (iha+ahayaḥ)
ye
die (Nom.Pl.)
anti
nahen
ye
die (Nom.Pl.)
ca
und
dūrake
fernen (Nom.Pl.)
ghanena
mit der Keule (Instr.)
hanmi
erschlage ich (1.Sg.)
vṛścikam
den Skorpion (Akk.)
ahiṃ
die Schlange (Akk.)
daṇḍenāgatam
mit dem Stock, die herangekommene (daṇḍena+āgatam)

aghāśvasyedaṃ bheṣajam ubhayo svajasya ca indro me 'him aghāyantam ahiṃ paidvo arandhayat ||10|| {10}

Dies ist das Heilmittel gegen den Aghāśva, und gegen beide Arten des Svaja — Indra hat mir die böswillige Schlange, die Schlange hat der Paidva unterworfen.

Wort für Wort
aghāśvasyedaṃ
des Aghāśva, dies (aghāśvasya+idam)
bheṣajam
Heilmittel (Nom.)
ubhayo
beider Arten (Gen.Du.)
svajasya
des Svaja (Gen., Schlangenname)
ca
und
indro
Indra (Nom., Gott)
me
mir
'him
die Schlange (Akk.)
aghāyantam
die böswillige (Akk.)
ahiṃ
die Schlange (Akk.)
paidvo
der Paidva (Nom.)
arandhayat
hat unterworfen (3.Sg.Impf.Kaus.)
||10||
(Versnummer)
{10}
(Abschnittszählung)

paidvasya manmahe vayaṃ sthirasya sthiradhāmnaḥ ime paścā pṛdākavaḥ pradīdhyata āsate

Des Paidva gedenken wir, des festen, von fester Kraft — diese Giftschlangen sitzen nun dahinten lauernd da.

Wort für Wort
paidvasya
des Paidva (Gen.)
manmahe
gedenken wir (1.Pl.Med.)
vayaṃ
wir
sthirasya
des festen (Gen.)
sthiradhāmnaḥ
von fester Kraft (Gen.)
ime
diese (Nom.Pl.)
paścā
dahinten
pṛdākavaḥ
Giftschlangen (Nom.Pl.)
pradīdhyata
lauernd (Nom.Pl.Part.)
āsate
sitzen da (3.Pl.Med.)

naṣṭāsavo naṣṭaviṣā hatā indreṇa vajriṇā jaghānendro jaghnimā vayam

Ihres Lebensodems beraubt, ihres Giftes beraubt, erschlagen von Indra, dem Keulenträger — Indra hat sie erschlagen, auch wir haben sie erschlagen.

Wort für Wort
naṣṭāsavo
ihres Lebensodems beraubt (Nom.Pl.)
naṣṭaviṣā
ihres Giftes beraubt (Nom.Pl.)
hatā
erschlagen (Nom.Pl.)
indreṇa
von Indra (Instr.)
vajriṇā
dem Keulenträger (Instr.)
jaghānendro
hat erschlagen, Indra (jaghāna+indraḥ)
jaghnimā
haben erschlagen (1.Pl.Perf.)
vayam
wir

hatās tiraścirājayo nipiṣṭāsaḥ pṛdākavaḥ darviṃ karikrataṃ śvitraṃ darbheṣv asitaṃ jahi

Erschlagen sind die quergestreiften Schlangen, zermalmt die Giftschlangen — die zischende Darvi, die weißliche, und im Darbha-Gras die schwarze erschlage!

Wort für Wort
hatās
erschlagen (Nom.Pl.)
tiraścirājayo
die quergestreiften [Schlangen] (Nom.Pl.)
nipiṣṭāsaḥ
zermalmt (Nom.Pl.)
pṛdākavaḥ
Giftschlangen (Nom.Pl.)
darviṃ
die Darvi (Akk., Schlangenname)
karikrataṃ
die zischende (Akk.)
śvitraṃ
die weißliche (Akk.)
darbheṣv
im Darbha-Gras (Lok.Pl.)
asitaṃ
die schwarze (Akk.)
jahi
erschlage (2.Sg.Imp.)

kairātikā kumārikā sakā khanati bheṣajam hiraṇyayībhir abhribhir girīnām upa sānuṣu

Das Kirāta-Mädchen, die Junge, gräbt selbst das Heilmittel aus, mit goldenen Spaten, auf den Höhen der Berge.

Wort für Wort
kairātikā
das Kirāta-Mädchen (Nom., Bergvolk)
kumārikā
die Junge (Nom.)
sakā
selbst (Nom.)
khanati
gräbt aus
bheṣajam
das Heilmittel (Akk.)
hiraṇyayībhir
mit goldenen (Instr.Pl.)
abhribhir
Spaten (Instr.Pl.)
girīnām
der Berge (Gen.Pl.)
upa
auf
sānuṣu
den Höhen (Lok.Pl.)

āyam agan yuvā bhiṣak pṛśnihāparājitaḥ sa vai svajasya jambhana ubhayor vṛścikasya ca

Hierher ist der junge Heiler gekommen, der Pṛśni-Töter, der Unbezwungene — er ist wahrlich der Zermalmer des Svaja und beider Skorpionarten.

Wort für Wort
āyam
hierher (ā+ayam)
agan
ist gekommen (3.Sg.Aor.)
yuvā
der junge (Nom.)
bhiṣak
Heiler (Nom.)
pṛśnihāparājitaḥ
der Pṛśni-Töter, der Unbezwungene (pṛśnihā+aparājitaḥ)
sa
er
vai
wahrlich
svajasya
des Svaja (Gen.)
jambhana
Zermalmer (Nom.)
ubhayor
beider (Gen.Du.)
vṛścikasya
des Skorpions (Gen.)
ca
und

indro me 'him arandhayan mitraś ca varuṇaś ca vātāparjanyobhā

Indra hat mir die Schlange unterworfen, und Mitra und Varuṇa, und Vāta und Parjanya, beide.

Wort für Wort
indro
Indra (Nom., Gott)
me
mir
'him
die Schlange (Akk.)
arandhayan
hat unterworfen (3.Sg.Impf.Kaus.)
mitraś
Mitra (Nom., Gott)
ca
und
varuṇaś
Varuṇa (Nom., Gott)
ca
und
vātāparjanyobhā
Vāta und Parjanya, beide (Nom.Du.)

indro me 'him arandhayat pṛdākuṃ ca pṛdākvam svajaṃ tiraścirājiṃ kasarṇīlaṃ daśonasim

Indra hat mir die Schlangen unterworfen: die Giftschlange und ihresgleichen, den Svaja, die Quergestreifte, die Kasarṇīla, die Daśonasi.

Wort für Wort
indro
Indra (Nom.)
me
mir
'him
die Schlangen (Akk.)
arandhayat
hat unterworfen (3.Sg.Impf.Kaus.)
pṛdākuṃ
die Giftschlange (Akk.)
ca
und
pṛdākvam
ihresgleichen (Akk.)
svajaṃ
den Svaja (Akk.)
tiraścirājiṃ
die Quergestreifte (Akk.)
kasarṇīlaṃ
die Kasarṇīla (Akk.)
daśonasim
die Daśonasi (Akk., Schlangenname)

indro jaghāna prathamaṃ janitāram ahe tava teṣām u tṛhyamāṇānāṃ kaḥ svit teṣām asad rasaḥ

Indra hat zuerst deinen Erzeuger erschlagen, o Schlange — von diesen, die jetzt zermalmt werden, welche Kraft wird da wohl noch in ihnen sein?

Wort für Wort
indro
Indra (Nom.)
jaghāna
hat erschlagen (3.Sg.Perf.)
prathamaṃ
zuerst (Akk.)
janitāram
Erzeuger (Akk.)
ahe
o Schlange (Vok.)
tava
deinen (Gen.)
teṣām
von diesen (Gen.Pl.)
u
denn
tṛhyamāṇānāṃ
die zermalmt werden (Gen.Pl.Part.Pass.)
kaḥ
welche
svit
wohl
teṣām
von ihnen (Gen.Pl.)
asad
wird sein (3.Sg.Opt.)
rasaḥ
Kraft (Nom.)

saṃ hi śīrṣāṇy agrabhaṃ pauñjiṣṭha iva karvaram sindhor madhyaṃ paretya vy anijam aher viṣam

Ich habe ja die Köpfe zusammengerafft, wie ein Fischer das Gebündelte einsammelt — zur Mitte des Flusses gegangen, habe ich das Gift der Schlange abgewaschen. [Anm.: 'pauñjiṣṭha' und 'karvaram' sind seltene, unsicher gedeutete Wörter]

Wort für Wort
saṃ
zusammen
hi
doch
śīrṣāṇy
die Köpfe (Akk.Pl.)
agrabhaṃ
habe ich gerafft (1.Sg.Impf.)
pauñjiṣṭha
wie ein Fischer [?] (Nom.)
iva
wie
karvaram
das Gebündelte [?] (Akk.)
sindhor
des Flusses (Gen.)
madhyaṃ
zur Mitte (Akk.)
paretya
gegangen (Ger.)
vy
weg-
anijam
habe ich abgewaschen (1.Sg.Impf.)
aher
der Schlange (Gen.)
viṣam
Gift (Akk.)

ahīnāṃ sarveṣāṃ viṣaṃ parā vahantu sindhavaḥ hatās tiraścirājayo nipiṣṭāsaḥ pṛdākavaḥ ||20|| {11}

Aller Schlangen Gift sollen die Flüsse forttragen — erschlagen sind die Quergestreiften, zermalmt die Giftschlangen.

Wort für Wort
ahīnāṃ
der Schlangen (Gen.Pl.)
sarveṣāṃ
aller (Gen.Pl.)
viṣaṃ
Gift (Akk.)
parā
fort
vahantu
sollen tragen (3.Pl.Imp.)
sindhavaḥ
die Flüsse (Nom.Pl.)
hatās
erschlagen (Nom.Pl.)
tiraścirājayo
die Quergestreiften (Nom.Pl.)
nipiṣṭāsaḥ
zermalmt (Nom.Pl.)
pṛdākavaḥ
Giftschlangen (Nom.Pl.)
||20||
(Versnummer)
{11}
(Abschnittszählung)

oṣadhīnām ahaṃ vṛṇa urvarīr iva sādhuyā nayāmy arvatīr ivāhe niraitu viṣam

Der Kräuter Kraft wähle ich aus — wie fruchtbare Äcker führe ich sie recht, wie Rennstuten. O Schlange, dein Gift trete heraus! [Anm.: die Verbform 'vṛṇa' ist grammatisch unklar überliefert]

Wort für Wort
oṣadhīnām
der Kräuter (Gen.Pl.)
ahaṃ
ich
vṛṇa
wähle aus [?] (1.Sg.)
urvarīr
fruchtbare Äcker (Akk.Pl.)
iva
wie
sādhuyā
recht
nayāmy
führe ich
arvatīr
Rennstuten (Akk.Pl.)
ivāhe
wie, o Schlange (iva+ahe)
niraitu
trete heraus (3.Sg.Imp.)
viṣam
Gift (Nom.)

yad agnau sūrye viṣaṃ pṛthivyām oṣadhīṣu yat kāndāviṣaṃ kanaknakaṃ niraitv aitu te viṣam

Was für Gift im Feuer, in der Sonne, was in der Erde, in den Kräutern ist, das Kāndāviṣa-, das Kanaknaka-Gift — heraustreten, weggehen soll dein Gift. [Anm.: 'kāndāviṣam' und 'kanaknakam' sind vermutlich Pflanzennamen, ihre genaue Bedeutung ist unsicher]

Wort für Wort
yad
was (Rel.Pron. n.)
agnau
im Feuer (Lok.)
sūrye
in der Sonne (Lok.)
viṣaṃ
Gift (Nom./Akk.)
pṛthivyām
in der Erde (Lok.)
oṣadhīṣu
in den Kräutern (Lok.Pl.)
yat
was (Rel.Pron. n.)
kāndāviṣaṃ
Kāndāviṣa-Gift [?] (Pflanzenname, unsicher)
kanaknakaṃ
Kanaknaka-Gift [?] (Pflanzenname, unsicher)
niraitv
heraustreten soll (Imp. 3.Sg.)
aitu
weggehen soll (Imp. 3.Sg.)
te
dein/dir (Gen./Dat.)
viṣam
Gift (Nom./Akk.)

ye agnijā oṣadhijā ahīnāṃ ye apsujā vidyuta ābabhūvuḥ yeṣāṃ jātāni bahudhā mahānti tebhyaḥ sarpebhyo namasā vidhema

Den feuergeborenen, den krautgeborenen unter den Schlangen, den wassergeborenen, den aus dem Blitz entstandenen — deren Geschlechter vielfach und groß sind — diesen Schlangen wollen wir mit Verehrung dienen.

Wort für Wort
ye
die/welche (Nom.Pl.)
agnijā
feuergeboren
oṣadhijā
krautgeboren
ahīnāṃ
der Schlangen (Gen.Pl.)
ye
die/welche (Nom.Pl.)
apsujā
wassergeboren
vidyuta
aus dem Blitz (Abl.)
ābabhūvuḥ
sind entstanden (Perf. 3.Pl.)
yeṣāṃ
deren (Gen.Pl.)
jātāni
Geburten/Geschlechter (Nom.Pl.n.)
bahudhā
vielfach
mahānti
groß (Nom.Pl.n.)
tebhyaḥ
diesen (Dat.Pl.)
sarpebhyo
den Schlangen (Dat.Pl.)
namasā
mit Verehrung (Instr.)
vidhema
wollen wir dienen (Opt. 1.Pl.)

taudī nāmāsi kanyā ghṛtācī nāma vā asi adhaspadena te padam ā dade viṣadūṣaṇam

Taudī ist dein Name, Jungfrau, oder Ghṛtācī ist dein Name — mit dem unteren Fuß trete ich auf deine Spur, das Gift vernichtend.

Wort für Wort
taudī
Taudī (Eigenname, Schlangengöttin)
nāmāsi
Name – bist du (nāma+asi)
kanyā
Jungfrau (Vok./Nom.)
ghṛtācī
Ghṛtācī (Eigenname)
nāma
Name
vā
oder
asi
bist du
adhaspadena
mit dem unteren Fuß (Instr.)
te
dein/dir (Gen./Dat.)
padam
Stätte (Nom.n.)
ā
heran/auf (Präverb)
dade
ich ergreife/trete (Perf.Med. 1.Sg.)
viṣadūṣaṇam
viṣa 'Gift' + dūṣaṇa 'Verderber/verderbend' → 'das Gift verderbend' (Akk., Kompositum)

aṅgādaṅgāt pra cyāvaya hṛdayam pari varjaya adhā viṣasya yat tejo 'vācīnaṃ tad etu te

Aus jedem Glied treibe das Gift fort, das Herz umgehe — dann soll die Kraft des Giftes abwärts von dir weichen.

Wort für Wort
aṅgādaṅgāt
von Glied zu Glied (Abl.)
pra
fort/hervor (Präverb)
cyāvaya
treibe fort! (Imp. 2.Sg. Kaus.)
hṛdayam
das Herz (Akk.)
pari
heraus (Präverb)
varjaya
umgehe/meide! (Imp. 2.Sg.)
adhā
dann, darauf
viṣasya
des Giftes (Gen.)
yat
was (Rel.Pron. n.)
tejo
Kraft (Nom.n.)
'vācīnaṃ
abwärts gerichtet (Nom.n.)
tad
das (Nom.n.)
etu
sie gehe (Imp. 3.Sg.)
te
dein/dir (Gen./Dat.)

āre abhūd viṣam araud viṣe viṣam aprāg api agnir viṣam aher nir adhāt somo nir aṇayīt daṃṣṭāram anv agād viṣam ahir amṛta ||26|| {12}

Fern ist das Gift geworden, es wich zurück, im Gift blieb das Gift nicht vor — Agni hat der Schlange Gift beseitigt, Soma hat es hinausgeführt; dem Beißer selbst ist das Gift wieder zugegangen, zurück zur unsterblichen Schlange. [Anm.: dieser Schlussvers ist syntaktisch stark verdichtet und in Details unsicher, insbesondere die Wendung 'ahir amṛta']

Wort für Wort
āre
fern (Adv.)
abhūd
ist geworden (Aor. 3.Sg.)
viṣam
Gift (Nom./Akk.)
araud
es wich zurück [?] (Aor. 3.Sg., unsicher)
viṣe
im Gift (Lok.)
viṣam
Gift (Nom./Akk.)
aprāg
nicht voran [?] (Adv.)
api
sogar/blieb [?]
agnir
Agni (Nom., Feuergott)
viṣam
Gift (Nom./Akk.)
aher
der Schlange (Gen.)
nir
fort/heraus (Präverb)
adhāt
hat beseitigt/gesetzt (Aor. 3.Sg.)
somo
Soma (Nom., Gott/Pflanze)
nir
fort/heraus (Präverb)
aṇayīt
hat hinausgeführt (Aor. 3.Sg. Kaus.)
daṃṣṭāram
den Beißer (Akk.)
anv
nach/zu (Präverb)
agād
ist gegangen (Aor. 3.Sg.)
viṣam
Gift (Nom./Akk.)
ahir
Schlange (Nom.)
amṛta
unsterblich (Nom./Vok., Adj.)
||26||
(Versmarkierung)
{12}
(Abschnittsmarkierung)

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks