Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 10

Sūkta 1

yāṃ kalpayanti vahatau vadhūm iva viśvarūpāṃ hastakṛtāṃ cikitsavaḥ sārād etv apa nudāma enām

Die Zauberkundigen bereiten sie zu wie eine Braut zur Hochzeitsfahrt, allgestaltig, mit der Hand gemacht — gänzlich soll sie fortgehen, wir stoßen sie von uns.

Wort für Wort
yāṃ
die (Rel., Akk.)
kalpayanti
bereiten zu
vahatau
zur Hochzeitsfahrt (Lok.)
vadhūm
Braut (Akk.)
iva
wie
viśvarūpāṃ
viśva 'all' + rūpa 'Gestalt' → allgestaltig (Akk.)
hastakṛtāṃ
mit der Hand gemacht (Akk.)
cikitsavaḥ
die Zauberkundigen (Nom.Pl.)
sārād
gänzlich
etv
soll gehen (3.Sg.Imp.)
apa
fort
nudāma
wir stoßen (1.Pl.)
enām
sie (Akk.)

śīrṣaṇvatī nasvatī karṇiṇī kṛtyākṛtā saṃbhṛtā viśvarūpā sārād etv apa nudāma enām

Mit Kopf, mit Nase, mit Ohren versehen, durch Zauberkunst gefertigt, zusammengestellt, allgestaltig — gänzlich soll sie fortgehen, wir stoßen sie von uns.

Wort für Wort
śīrṣaṇvatī
mit Kopf versehen
nasvatī
mit Nase versehen
karṇiṇī
mit Ohren versehen
kṛtyākṛtā
durch Zauberkunst gemacht
saṃbhṛtā
zusammengestellt
viśvarūpā
viśva 'all' + rūpa 'Gestalt' → allgestaltig
sārād
gänzlich
etv
soll gehen
apa
fort
nudāma
wir stoßen
enām
sie (Akk.)

śūdrakṛtā rājakṛtā strīkṛtā brahmabhiḥ kṛtā jāyā patyā nutteva kartāraṃ bandhv ṛchatu

Von einem Śūdra gemacht, von einem König gemacht, von einer Frau gemacht, von Brahmanen gemacht — wie eine von ihrem Gatten verstoßene Gattin treffe sie den, der sie gemacht hat, und seinen Verwandten.

Wort für Wort
śūdrakṛtā
von einem Śūdra gemacht
rājakṛtā
von einem König gemacht
strīkṛtā
von einer Frau gemacht
brahmabhiḥ
von Brahmanen (Instr.Pl.)
kṛtā
gemacht
jāyā
Gattin (Nom.)
patyā
vom Gatten (Instr.)
nutteva
wie verstoßen (nuttā+iva)
kartāraṃ
den Macher (Akk.)
bandhv
Verwandten (Akk.)
ṛchatu
treffe (3.Sg.Imp.)

anayāham oṣadhyā sarvāḥ kṛtyā adūduṣam yāṃ kṣetre cakrur yāṃ goṣu yāṃ vā te puruṣeṣu

Mit dieser Pflanze habe ich alle Zaubereien unwirksam gemacht — die, die man auf dem Feld gewirkt hat, die unter dem Vieh, oder die unter deinen Leuten.

Wort für Wort
anayāham
mit dieser [Pflanze] ich (Sandhi)
oṣadhyā
Pflanze (Instr.)
sarvāḥ
alle (Akk.Pl.f.)
kṛtyā
Zaubereien (Akk.Pl.)
adūduṣam
habe ich unwirksam gemacht (1.Sg.)
yāṃ
die (Akk., Rel.)
kṣetre
auf dem Feld (Lok.)
cakrur
sie haben gewirkt (3.Pl.Perf.)
yāṃ
die
goṣu
unter dem Vieh (Lok.Pl.)
yāṃ
die
vā
oder
te
deinen (Gen.)
puruṣeṣu
unter den Leuten (Lok.Pl.)

agham astv aghakṛte śapathaḥ śapathīyate pratyak pratiprahiṇmo yathā kṛtyākṛtaṃ hanat

Unheil sei dem Unheilstifter, der Fluch dem Fluchenden! Zurück senden wir sie, auf dass sie den Zaubermacher erschlage.

Wort für Wort
agham
Unheil (Nom.)
astv
sei (3.Sg.Imp.)
aghakṛte
dem Unheilstifter (Dat.)
śapathaḥ
Fluch (Nom.)
śapathīyate
dem Fluchenden (Dat.)
pratyak
zurück, entgegen
pratiprahiṇmo
wir senden zurück (1.Pl.)
yathā
auf dass
kṛtyākṛtaṃ
den Zaubermacher (Akk.)
hanat
sie erschlage (3.Sg.Opt.)

pratīcīna āṅgiraso 'dhyakṣo naḥ purohitaḥ pratīcīḥ kṛtyā ākṛtyāmūn kṛtyākṛto jahi

Der zurückgewandte Aṅgiras, unser Aufseher und Hauspriester, wende die Zaubereien zurück und erschlage jene, die den Zauber gemacht haben.

Wort für Wort
pratīcīna
zurückgewandt (Nom.)
āṅgiraso
Aṅgiras (Nom., Sehergeschlecht)
'dhyakṣo
Aufseher (Nom.)
naḥ
unser
purohitaḥ
Hauspriester (Nom.)
pratīcīḥ
zurückgewandten (Akk.Pl.f.)
kṛtyā
Zaubereien (Akk.Pl.)
ākṛtyāmūn
zurückwendend, jene (Ger.+Pron.)
kṛtyākṛto
die Zaubermacher (Akk.Pl.)
jahi
erschlage (2.Sg.Imp.)

yas tvovāca parehīti pratikūlam udāyyam taṃ kṛtye 'bhinivartasva māsmān icho anāgasaḥ

Wer zu dir sagte: 'Geh fort', dich gegen den rechten Weg auszusenden — zu dem kehre zurück, o Kṛtyā, und suche nicht uns, die Schuldlosen.

Wort für Wort
yas
wer (Nom.)
tvovāca
zu dir sprach (tvā+uvāca)
parehīti
'geh fort!' (wörtl. Rede)
pratikūlam
gegen den rechten Weg (Akk.)
udāyyam
auszusenden (Gerundivum, Akk.)
taṃ
zu dem (Akk.)
kṛtye
o Kṛtyā (Vok.)
'bhinivartasva
kehre zurück (2.Sg.Imp.Med.)
māsmān
nicht uns (mā+asmān)
icho
suche (2.Sg.Imp.)
anāgasaḥ
die Schuldlosen (Akk.Pl.)

yas te parūṃṣi saṃdadhau rathasyeva rbhur dhiyā taṃ gacha tatra te 'yanam ajñātas te 'yaṃ janaḥ

Wer deine Glieder zusammengefügt hat, wie Ṛbhu mit kundiger Hand die Teile des Wagens — zu ihm geh, dort ist deine Heimstatt; dieses Volk hier ist dir unbekannt.

Wort für Wort
yas
wer (Nom.)
te
deine (Gen.)
parūṃṣi
Glieder (Akk.Pl.)
saṃdadhau
hat zusammengefügt (3.Sg.Perf.)
rathasyeva
wie des Wagens (rathasya+iva)
rbhur
Ṛbhu (Nom., Gott der Handwerkskunst)
dhiyā
mit Kunstfertigkeit (Instr.)
taṃ
zu ihm (Akk.)
gacha
geh (2.Sg.Imp.)
tatra
dort
te
dein (Gen.)
'yanam
Heimstatt (Nom.)
ajñātas
unbekannt (Nom.)
te
dir (Dat.)
'yaṃ
dieses (Nom.)
janaḥ
Volk (Nom.)

ye tvā kṛtvālebhire vidvalā abhicāriṇaḥ śaṃbhv idaṃ kṛtyādūṣaṇaṃ prativartma punaḥsaraṃ tena tvā snapayāmasi

Die, die dich gemacht und ergriffen haben, die kundigen Behexer — heilsam ist dieses Mittel, das den Zauber vernichtet, ein Rückweg, der wieder zurückläuft: damit besprengen wir dich.

Wort für Wort
ye
die (Nom.Pl.)
tvā
dich
kṛtvālebhire
gemacht und ergriffen haben
vidvalā
die Kundigen (Nom.Pl.)
abhicāriṇaḥ
Behexer (Nom.Pl.)
śaṃbhv
heilsam (Nom.)
idaṃ
dieses
kṛtyādūṣaṇaṃ
das den Zauber vernichtet (Nom.)
prativartma
Rückweg (Nom.)
punaḥsaraṃ
der wieder zurückläuft (Nom.)
tena
damit (Instr.)
tvā
dich
snapayāmasi
wir besprengen (1.Pl.)

yad durbhagāṃ prasnapitāṃ mṛtavatsām upeyima apaitu sarvaṃ mat pāpaṃ draviṇaṃ mopa tiṣṭhatu ||10|| {1}

Falls wir uns dabei einer Unglücklichen genähert haben, einer rituell Gebadeten, einer, deren Kind gestorben ist — alles Übel gehe von mir, Reichtum stehe mir bei.

Wort für Wort
yad
falls
durbhagāṃ
einer Unglücklichen (Akk.)
prasnapitāṃ
einer rituell Gebadeten (Akk.)
mṛtavatsām
deren Kind gestorben ist (Akk.)
upeyima
wir uns genähert haben (1.Pl.Opt.Perf.)
apaitu
gehe fort (3.Sg.Imp.)
sarvaṃ
alles
mat
von mir
pāpaṃ
Übel (Nom.)
draviṇaṃ
Reichtum (Nom.)
mopa
mir bei (mā+upa)
tiṣṭhatu
stehe (3.Sg.Imp.)
||10||
(Versnummer)
{1}
(Abschnittszählung)

yat te pitṛbhyo dadato yajñe vā nāma jagṛhuḥ saṃdeśyāt sarvasmāt pāpād imā muñcantu tvauṣadhīḥ

Was man dir gebend an die Väter, oder beim Opfer deinen Namen nennend an Schuld auf sich lud — von jeder derart zugefügten Sünde sollen dich diese Pflanzen befreien.

Wort für Wort
yat
was
te
dir
pitṛbhyo
an die Väter (Dat.Pl.)
dadato
gebend (Nom.Sg.Part.)
yajñe
beim Opfer (Lok.)
vā
oder
nāma
Namen (Akk.)
jagṛhuḥ
sie nannten (3.Pl.Perf.)
saṃdeśyāt
von der zugefügten [Sünde] (Abl.)
sarvasmāt
von jeder (Abl.)
pāpād
Sünde (Abl.)
imā
diese (Nom.Pl.f.)
muñcantu
sollen befreien (3.Pl.Imp.)
tvauṣadhīḥ
dich die Pflanzen (tvā+oṣadhīḥ)

devainasāt pitryān nāmagrāhāt saṃdeśyād abhiniṣkṛtāt muñcantu tvā vīrudho vīryeṇa brahmaṇā ṛgbhiḥ payasā ṛṣīṇām

Von der Sünde gegen die Götter, von der die Ahnen betreffenden, von der durch Namensnennung entstandenen, von der durch bloße Zuweisung, von der durch Sühne noch anhaftenden Sünde — es sollen dich die Pflanzen befreien, mit ihrer Kraft, mit der heiligen Formel, mit den Ṛc-Versen, mit dem Saft der Ṛṣis. [Anm.: 'abhiniṣkṛtāt' ist ein unsicher gedeutetes Wort; 'payasā' bedeutet wörtl. 'mit der Milch/dem Saft']

Wort für Wort
devainasāt
von der Sünde gegen die Götter (Abl.)
pitryān
die Ahnen betreffend (Abl.)
nāmagrāhāt
durch Namensnennung entstandenen (Abl.)
saṃdeśyād
durch bloße Zuweisung (Abl.)
abhiniṣkṛtāt
durch Sühne noch anhaftenden [?] (Abl.)
muñcantu
sollen befreien (3.Pl.Imp.)
tvā
dich
vīrudho
die Pflanzen (Nom.Pl.)
vīryeṇa
mit Kraft (Instr.)
brahmaṇā
mit der heiligen Formel (Instr.)
ṛgbhiḥ
mit den Ṛc-Versen (Instr.Pl.)
payasā
mit dem Saft (Instr.)
ṛṣīṇām
der Ṛṣis (Gen.Pl.)

yathā vātaś cyāvayati bhūmyā reṇum antarikṣāc cābhram evā mat sarvaṃ durbhūtaṃ brahmanuttam apāyati

Wie der Wind den Staub von der Erde wegtreibt und die Wolke vom Luftraum, so weiche von mir alles Übel, durch die heilige Formel fortgestoßen.

Wort für Wort
yathā
wie
vātaś
der Wind (Nom.)
cyāvayati
treibt weg
bhūmyā
von der Erde (Abl./Instr.)
reṇum
Staub (Akk.)
antarikṣāc
vom Luftraum (Abl.)
cābhram
und die Wolke (ca+abhram, Akk.)
evā
so
mat
von mir
sarvaṃ
alles
durbhūtaṃ
Übel (Nom.)
brahmanuttam
durch die heilige Formel fortgestoßen (Nom.)
apāyati
weiche fort (3.Sg.)

apa krāma nānadatī vinaddhā gardabhīva kartṝn nakṣasveto nuttā brahmaṇā vīryāvatā

Geh fort, laut schreiend wie eine angeschirrte Eselin — erreiche wieder die, die dich gemacht haben, von hier fortgestoßen durch die kraftvolle heilige Formel.

Wort für Wort
apa
fort
krāma
geh (2.Sg.Imp.)
nānadatī
laut schreiend (Nom.Sg.f.Part.)
vinaddhā
angeschirrt (Nom.Sg.f.)
gardabhīva
wie eine Eselin (gardabhī+iva)
kartṝn
die Macher (Akk.Pl.)
nakṣasveto
erreiche wieder von hier (nakṣasva+itaḥ)
nuttā
fortgestoßen (Nom.f.)
brahmaṇā
durch die heilige Formel (Instr.)
vīryāvatā
kraftvolle (Instr.)

ayaṃ panthāḥ kṛtyeti tvā nayāmo 'bhiprahitāṃ prati tvā pra hiṇmaḥ tenābhi yāhi bhañjaty anasvatīva vāhinī viśvarūpā kurūtinī

Dies ist der Weg, o Kṛtyā: so führen wir dich, die Entsandte, zurück; wir schicken dich fort — auf ihm geh dahin, alles zerbrechend, wie ein Zuggespann mit Wagen, allgestaltig, ihr Werk vollbringend. [Anm.: 'kurūtinī' ist ein unklares Wort, hier sinngemäß als 'ihr Werk vollbringend' wiedergegeben; 'anasvatī' bedeutet wörtl. 'einen Wagen habend' (nicht 'ohne Wagen')]

Wort für Wort
ayaṃ
dies (Nom.)
panthāḥ
Weg (Nom.)
kṛtyeti
'o Kṛtyā' (Vok.+iti)
tvā
dich
nayāmo
wir führen (1.Pl.)
'bhiprahitāṃ
die Entsandte (Akk.)
prati
zurück
tvā
dich
pra
fort
hiṇmaḥ
wir schicken (1.Pl.)
tenābhi
auf ihm dahin (tena+abhi)
yāhi
geh (2.Sg.Imp.)
bhañjaty
zerbrechend (Nom.Sg.Part.)
anasvatīva
wie ein Zuggespann mit Wagen
vāhinī
Wagen ziehend (Nom.f.)
viśvarūpā
viśva 'all' + rūpa 'Gestalt' → allgestaltig (Nom.f.)
kurūtinī
ihr Werk vollbringend [?] (Nom.f.)

parāk te jyotir apathaṃ te arvāg anyatrāsmad ayanā kṛṇuṣva pareṇehi navatiṃ nāvyā ati durgāḥ srotyā mā kṣaṇiṣṭhāḥ parehi

Fern sei dir das Licht, ungangbar sei dir dieser Weg hierher — anderswo als bei uns bahne dir deine Wege! Geh weiter fort, über neunzig schiffbare, schwer zu durchquerende Strömungen — verletze niemanden, geh fort!

Wort für Wort
parāk
fern
te
dir
jyotir
Licht (Nom.)
apathaṃ
ungangbar, wegloser (Nom.)
te
dir
arvāg
hierher
anyatrāsmad
anderswo als bei uns (anyatra+asmat)
ayanā
Wege (Akk.Pl.)
kṛṇuṣva
bahne dir (2.Sg.Imp.Med.)
pareṇehi
geh weiter fort (pareṇa+ihi)
navatiṃ
neunzig (Akk.)
nāvyā
schiffbare (Akk.Pl.f.)
ati
über
durgāḥ
dur 'schwierig' + ga 'gehbar' → schwer zu durchquerende (Akk.Pl.f.)
srotyā
Strömungen (Akk.Pl.f.)
mā
nicht
kṣaṇiṣṭhāḥ
verletze (2.Sg.Aor.Konj.)
parehi
geh fort (2.Sg.Imp.)

vāta iva vṛkṣān ni mṛṇīhi pādaya mā gām aśvaṃ puruṣam uc chiṣa eṣām kartṝn nivṛtyetaḥ kṛtye 'prajāstvāya bodhaya

Wie der Wind die Bäume, so zermalme und wirf nieder — verschone nicht Rind, Pferd und Mensch von diesen, den Zaubermachern! Kehre von hier zurück, o Kṛtyā, und bringe die Macher zur Kinderlosigkeit. [Anm.: 'eṣām' ('von diesen') bezieht sich auf die Zaubermacher, nicht auf das eigene Vieh]

Wort für Wort
vāta
Wind (Nom.)
iva
wie
vṛkṣān
die Bäume (Akk.Pl.)
ni
nieder
mṛṇīhi
zermalme (2.Sg.Imp.)
pādaya
wirf nieder (2.Sg.Imp.Kaus.)
mā
nicht
gām
Rind (Akk.)
aśvaṃ
Pferd (Akk.)
puruṣam
Mensch (Akk.)
uc
aus (ucchiṣa)
chiṣa
verschone (2.Sg.Imp.)
eṣām
von diesen (Gen.Pl.)
kartṝn
die Macher (Akk.Pl.)
nivṛtyetaḥ
kehre zurück von hier (nivṛtya+itaḥ)
kṛtye
o Kṛtyā (Vok.)
'prajāstvāya
zur Kinderlosigkeit (Dat.)
bodhaya
bringe (2.Sg.Imp.Kaus.)

yāṃ te barhiṣi yāṃ śmaśāne kṣetre kṛtyāṃ valagaṃ vā nicakhnuḥ agnau vā tvā gārhapatye 'bhiceruḥ pākaṃ santaṃ dhīratarā anāgasam

Die Kṛtyā oder den Zauberspruch, den man für dich im Barhis, auf dem Leichenfeld, auf dem Feld vergraben hat, oder womit man dich im Hausfeuer behext hat — dich, den Arglosen, Schuldlosen, taten es die Klügeren.

Wort für Wort
yāṃ
die (Akk.)
te
dir (Dat.)
barhiṣi
im Barhis-Opferstreu (Lok.)
yāṃ
die
śmaśāne
auf dem Leichenfeld (Lok.)
kṣetre
auf dem Feld (Lok.)
kṛtyāṃ
Kṛtyā-Zauber (Akk.)
valagaṃ
Zauberspruch (Akk.)
vā
oder
nicakhnuḥ
haben vergraben (3.Pl.Perf.)
agnau
im Feuer (Lok.)
vā
oder
tvā
dich
gārhapatye
im Hausfeuer (Lok.)
'bhiceruḥ
haben behext (3.Pl.Perf.)
pākaṃ
den Arglosen (Akk.)
santaṃ
seiend (Akk.Part.)
dhīratarā
die Klügeren (Nom.Pl.)
anāgasam
den Schuldlosen (Akk.)

upāhṛtam anubuddhaṃ nikhātaṃ vairaṃ tsāry anv avidāma kartram tad etu yata ābhṛtaṃ tatrāśva iva vi vartatāṃ hantu kṛtyākṛtaḥ prajām

Das Herbeigebrachte, das Erkannte, das Vergrabene, den feindseligen Trug haben wir aufgespürt als ihr Werkzeug: das gehe zurück, woher es gebracht wurde, dort wende es um wie ein Pferd — es töte die Nachkommenschaft des Zaubermachers. [Anm.: 'tsāri' ist ein seltenes, unsicher gedeutetes Wort, hier als 'Trug' wiedergegeben]

Wort für Wort
upāhṛtam
das Herbeigebrachte (Akk.)
anubuddhaṃ
das Erkannte (Akk.)
nikhātaṃ
das Vergrabene (Akk.)
vairaṃ
Feindseliges (Akk.)
tsāry
Trug [?] (Akk.)
anv
(verstärkend zu avidāma)
avidāma
wir haben aufgespürt (1.Pl.Perf.)
kartram
ihr Werkzeug (Akk.)
tad
das
etu
gehe (3.Sg.Imp.)
yata
von wo
ābhṛtaṃ
gebracht (Nom./Akk.)
tatrāśva
dort wie ein Pferd (tatra+aśvaḥ)
iva
wie
vi
um-
vartatāṃ
es wende (3.Sg.Imp.)
hantu
es töte (3.Sg.Imp.)
kṛtyākṛtaḥ
des Zaubermachers (Gen.)
prajām
Nachkommenschaft (Akk.)

svāyasā asayaḥ santi no gṛhe vidmā te kṛtye yatidhā parūṃṣi ut tiṣṭhaiva parehīto 'jñāte kim ihechasi ||20|| {2}

Eiserne Schwerter sind in unserem Haus; wir kennen, o Kṛtyā, wie viele Glieder du hast! Steh auf und geh fort von hier — o Unbekannte, was suchst du hier?

Wort für Wort
svāyasā
eiserne (Nom.Pl.)
asayaḥ
Schwerter (Nom.Pl.)
santi
sind
no
unserem
gṛhe
im Haus (Lok.)
vidmā
wir wissen (1.Pl.)
te
dich betreffend
kṛtye
o Kṛtyā (Vok.)
yatidhā
wie viele Male
parūṃṣi
Glieder (Akk.Pl.)
ut
auf-
tiṣṭhaiva
steh auf (tiṣṭha+eva)
parehīto
geh fort von hier (parehi+itaḥ)
'jñāte
o Unbekannte (Vok.)
kim
was
ihechasi
suchst du hier (iha+icchasi)
||20||
(Versnummer)
{2}
(Abschnittszählung)

grīvās te kṛtye pādau cāpi kartsyāmi nir drava indrāgnī asmān rakṣatāṃ yau prajānāṃ prajāvatī

Deinen Nacken, o Kṛtyā, und auch die Füße werde ich abschneiden — entfliehe! Indra und Agni sollen uns schützen, sie, die uns mit Nachkommenschaft reich machen. [Anm.: der Bezug dieses Versendes ist grammatisch unstimmig überliefert]

Wort für Wort
grīvās
Nacken (Akk.Pl.)
te
deinen
kṛtye
o Kṛtyā (Vok.)
pādau
Füße (Akk.Du.)
cāpi
und auch
kartsyāmi
werde ich abschneiden (1.Sg.Fut.)
nir
hinaus
drava
entfliehe (2.Sg.Imp.)
indrāgnī
Indra und Agni (Nom.Du., Götter)
asmān
uns
rakṣatāṃ
sollen schützen (3.Du.Imp.)
yau
die beiden (Nom.Du.)
prajānāṃ
der Nachkommenschaft (Gen.Pl.)
prajāvatī
reich an Nachkommenschaft (Nom.f.)

somo rājādhipā mṛḍitā ca bhūtasya naḥ patayo mṛḍayantu

König Soma und die Gebieter, die den Wesen gnädig sind — unsere Herren mögen uns gnädig sein.

Wort für Wort
somo
Soma (Nom., Gott)
rājādhipā
König und Gebieter (Nom.Du.)
mṛḍitā
gnädig (Nom.Du.)
ca
und
bhūtasya
den Wesen (Gen.)
naḥ
unsere
patayo
Herren (Nom.Pl.)
mṛḍayantu
sollen gnädig sein (3.Pl.Imp.)

bhavāśarvāv asyatāṃ pāpakṛte kṛtyākṛte duṣkṛte vidyutaṃ devahetim

Bhava und Śarva sollen auf den Übeltäter, den Zaubermacher, den Missetäter den Blitz schleudern, das Geschoss der Götter.

Wort für Wort
bhavāśarvāv
Bhava und Śarva (Nom.Du., Gottheiten)
asyatāṃ
sollen schleudern (3.Du.Imp.)
pāpakṛte
auf den Übeltäter (Dat.)
kṛtyākṛte
auf den Zaubermacher (Dat.)
duṣkṛte
auf den Missetäter (Dat.)
vidyutaṃ
den Blitz (Akk.)
devahetim
das Geschoss der Götter (Akk.)

yady eyatha dvipadī catuṣpadī kṛtyākṛtā saṃbhṛtā viśvarūpā seto 'ṣṭāpadī bhūtvā punaḥ parehi duchune

Wenn du, zweifüßig, vierfüßig, durch Zauberkunst gemacht, zusammengestellt, allgestaltig, gekommen bist — so geh, achtfüßig geworden, wieder fort von hier, o Verderben!

Wort für Wort
yady
wenn
eyatha
du gekommen bist (2.Sg.Perf.)
dvipadī
zweifüßig (Nom.f.)
catuṣpadī
vierfüßig (Nom.f.)
kṛtyākṛtā
durch Zauberkunst gemacht (Nom.f.)
saṃbhṛtā
zusammengestellt (Nom.f.)
viśvarūpā
viśva 'all' + rūpa 'Gestalt' → allgestaltig (Nom.f.)
seto
so geh (sā+itaḥ / sā+itaḥ, Imp.)
'ṣṭāpadī
achtfüßig (Nom.f.)
bhūtvā
geworden (Ger.)
punaḥ
wieder
parehi
geh fort (2.Sg.Imp.)
duchune
o Verderben (Vok.)

abhyaktāktā svaraṃkṛtā sarvaṃ bharantī duritaṃ parehi jānīhi kṛtye kartāraṃ duhiteva pitaraṃ svam

Gesalbt und geschmückt, alles Übel mit dir tragend, geh fort! Erkenne, o Kṛtyā, deinen Macher, wie eine Tochter ihren eigenen Vater erkennt.

Wort für Wort
abhyaktāktā
gesalbt (Nom.f., Reduplikation)
svaraṃkṛtā
geschmückt (Nom.f.)
sarvaṃ
alles
bharantī
tragend (Nom.f.Part.)
duritaṃ
Übel (Akk.)
parehi
geh fort (2.Sg.Imp.)
jānīhi
erkenne (2.Sg.Imp.)
kṛtye
o Kṛtyā (Vok.)
kartāraṃ
den Macher (Akk.)
duhiteva
wie eine Tochter (duhitā+iva)
pitaraṃ
Vater (Akk.)
svam
eigenen (Akk.)

parehi kṛtye mā tiṣṭho viddhasyeva padaṃ naya mṛgaḥ sa mṛgayus tvaṃ na tvā nikartum arhati

Geh fort, o Kṛtyā, bleib nicht stehen — verfolge die Spur wie die eines verwundeten Wildes: er, dein Macher, ist das Wild, du bist der Jäger — dich zu überwältigen vermag er nicht. [Anm.: die Wendung 'tvaṃ na tvā' ist im Text unklar überliefert]

Wort für Wort
parehi
geh fort (2.Sg.Imp.)
kṛtye
o Kṛtyā (Vok.)
mā
nicht
tiṣṭho
bleib stehen (2.Sg.Imp.)
viddhasyeva
wie die eines verwundeten [Wildes] (viddhasya+iva)
padaṃ
Spur (Akk.)
naya
verfolge (2.Sg.Imp.)
mṛgaḥ
Wild (Nom.)
sa
er
mṛgayus
Jäger (Nom.)
tvaṃ
du
na
nicht
tvā
dich
nikartum
zu überwältigen
arhati
vermag (3.Sg.)

uta hanti pūrvāsinaṃ pratyādāyāpara iṣvā uta pūrvasya nighnato ni hanty aparaḥ prati

Und es erschlägt den, der zuerst das Schwert zog, der andere greift zurück mit dem Pfeil; und den ersten, der zuschlägt, erschlägt der andere zurück.

Wort für Wort
uta
und
hanti
erschlägt
pūrvāsinaṃ
den, der zuerst das Schwert zog (Akk.)
pratyādāyāpara
der andere greift zurück (pratyādāya+aparaḥ)
iṣvā
mit dem Pfeil (Instr.)
uta
und
pūrvasya
des ersten (Gen.)
nighnato
der zuschlägt (Gen.Part.)
ni
nieder
hanty
erschlägt
aparaḥ
der andere (Nom.)
prati
zurück

etad dhi śṛṇu me vaco 'thehi yata eyatha yas tvā cakāra taṃ prati

Höre doch dieses mein Wort, dann geh dorthin zurück, von wo du gekommen bist, zu dem zurück, der dich gemacht hat.

Wort für Wort
etad
dieses
dhi
doch
śṛṇu
höre (2.Sg.Imp.)
me
mein
vaco
Wort (Akk.)
'thehi
dann geh dorthin (atha+ihi)
yata
von wo
eyatha
du gekommen bist (2.Sg.Perf.)
yas
der (Nom.)
tvā
dich
cakāra
gemacht hat (3.Sg.Perf.)
taṃ
zu dem (Akk.)
prati
zurück

anāgohatyā vai bhīmā kṛtye mā no gām aśvaṃ puruṣaṃ vadhīḥ yatrayatrāsi nihitā tatas tvot thāpayāmasi parṇāl laghīyasī bhava

Furchtbar ist das Töten eines Schuldlosen — o Kṛtyā, töte nicht unser Rind, Pferd, unseren Menschen! Wo immer du vergraben bist, von dort heben wir dich empor — sei leichter als ein Blatt!

Wort für Wort
anāgohatyā
das Töten eines Schuldlosen (Nom.)
vai
doch, wahrlich
bhīmā
furchtbar (Nom.f.)
kṛtye
o Kṛtyā (Vok.)
mā
nicht
no
unser
gām
Rind (Akk.)
aśvaṃ
Pferd (Akk.)
puruṣaṃ
Mensch (Akk.)
vadhīḥ
töte (2.Sg.Inj.)
yatrayatrāsi
wo immer du bist (yatra-yatra+asi)
nihitā
vergraben (Nom.f.)
tatas
von dort
tvot
dich (tvā+ut)
thāpayāmasi
heben wir empor (1.Pl.Kaus.)
parṇāl
als ein Blatt (Abl.)
laghīyasī
leichter (Nom.f.Kompar.)
bhava
sei (2.Sg.Imp.)

yadi stha tamasāvṛtā jālenabhihitā iva sarvāḥ saṃlupyetaḥ kṛtyāḥ punaḥ kartre pra hiṇmasi

Wenn ihr, vom Dunkel umhüllt, wie mit einem Netz umschlossen verborgen liegt — alle Kṛtyās raffen wir von hier zusammen und schicken sie wieder zurück zu ihrem Macher.

Wort für Wort
yadi
wenn
stha
ihr seid (2.Pl.)
tamasāvṛtā
vom Dunkel umhüllt (tamasā+āvṛtāḥ, Nom.Pl.f.)
jālenabhihitā
mit einem Netz umschlossen (jālena+abhihitāḥ, Nom.Pl.f.)
iva
wie
sarvāḥ
alle (Akk.Pl.f.)
saṃlupyetaḥ
raffen wir von hier zusammen (1.Pl.+itaḥ)
kṛtyāḥ
Kṛtyās (Akk.Pl.)
punaḥ
wieder
kartre
zu ihrem Macher (Dat.)
pra
fort
hiṇmasi
wir schicken (1.Pl.)

kṛtyākṛto valagino 'bhiniṣkāriṇaḥ prajām mṛṇīhi kṛtye moc chiṣo 'mūn kṛtyākṛto jahi

Vernichte die Nachkommenschaft der Zaubermacher, der Zauberkundigen, der Behexer — o Kṛtyā, verschone sie nicht, erschlage jene Zaubermacher!

Wort für Wort
kṛtyākṛto
der Zaubermacher (Gen.Pl.)
valagino
der Zauberkundigen (Gen.Pl.)
'bhiniṣkāriṇaḥ
der Behexer (Gen.Pl.)
prajām
Nachkommenschaft (Akk.)
mṛṇīhi
vernichte (2.Sg.Imp.)
kṛtye
o Kṛtyā (Vok.)
moc
nicht (mā+uc)
chiṣo
verschone (2.Sg.Imp.)
'mūn
jene (Akk.Pl.)
kṛtyākṛto
die Zaubermacher (Akk.Pl.)
jahi
erschlage (2.Sg.Imp.)

yathā sūryo mucyate tamasas pari rātriṃ jahāty uṣasaśca ketūn evāhaṃ sarvaṃ durbhūtaṃ kartraṃ kṛtyākṛtā kṛtaṃ hastīva rajo duritaṃ jahāmi ||32|| {3}

Wie die Sonne sich vom Dunkel löst, die Nacht hinter sich lässt und der Morgenröte Zeichen, so lasse ich alles üble Machwerk, von der Zaubermacherin bereitet, hinter mir, wie ein Elefant den Staub — ich werfe das Übel von mir.

Wort für Wort
yathā
wie
sūryo
die Sonne (Nom.)
mucyate
sich löst
tamasas
vom Dunkel (Abl.)
pari
weg, ringsum
rātriṃ
die Nacht (Akk.)
jahāty
hinter sich lässt
uṣasaśca
und der Morgenröte (Gen.)
ketūn
Zeichen (Akk.Pl.)
evāhaṃ
so ich (evā+aham)
sarvaṃ
alles
durbhūtaṃ
üble Machwerk (Akk.)
kartraṃ
Werk (Akk.)
kṛtyākṛtā
von der Zaubermacherin (Instr.)
kṛtaṃ
bereitet (Akk.)
hastīva
wie ein Elefant (hastī+iva)
rajo
den Staub (Akk.)
duritaṃ
das Übel (Akk.)
jahāmi
ich lasse hinter mir (1.Sg.)
||32||
(Versnummer)
{3}
(Abschnittszählung)

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