yad gāyatre adhi gāyatram āhitaṃ traiṣṭubhaṃ vā traiṣṭubhān niratakṣata yad vā jagaj jagaty āhitaṃ padaṃ ya it tad vidus te amṛtatvam ānuśuḥ
Was an Gāyatrī-Maß der Gāyatrī eingefügt ist, oder was sie an Triṣṭubh aus der Triṣṭubh herausgeschnitten haben, oder welcher Versfuß des Jagatī-Maßes im Jagatī ruht – wer eben dies weiß, der hat die Unsterblichkeit erlangt.
Mit dem Gāyatrī-Maß misst er das Lied, mit dem Lied das Sāman, mit dem Triṣṭubh das heilige Wort; Wort mit Wort, mit zwei- und vierfüßigem Versmaß, mit der Silbe messen sie die sieben Stimmen.
Wort für Wort
gāyatreṇa
mit dem Gāyatrī-Maß (Instr.Sg.)
prati
(Präverb)
mimīte
misst er (3Sg.Präs.Med.)
arkam
das Lied (Akk.Sg.)
arkeṇa
mit dem Lied (Instr.Sg.)
sāma
das Sāman (Akk.Sg.)
traiṣṭubhena
mit dem Triṣṭubh (Instr.Sg.)
vākam
das Wort (Akk.Sg.)
vākena
mit dem Wort (Instr.Sg.)
vākaṃ
das Wort (Akk.Sg.)
dvipadā
mit zweifüßigem (Instr.Sg.)
catuṣpadākṣareṇa
catuṣpada 'vierfüßig' + akṣara 'Silbe' → mit vierfüßigem, mit der Silbe (Instr.Sg., Kompositum)
jagatā sindhuṃ divy askabhāyad rathaṃtare sūryaṃ pary apaśyat gāyatrasya samidhas tisra āhus tato mahnā pra ririce mahitvā
Mit dem Jagatī-Maß stützte er den Strom am Himmel; im Rathaṃtara-Sāman erblickte er ringsum die Sonne. Vom Gāyatrī sagt man, es habe drei Brennhölzer; darum überragt es durch seine eigene Größe an Erhabenheit.
upa hvaye sudughāṃ dhenum etāṃ suhasto godhug uta dohad enām śreṣṭhaṃ savaṃ savitā sāviṣan no 'bhīddho gharmas tad u ṣu pra vocat
Ich rufe diese gutmelkende Kuh herbei; der geschickthändige Melker möge sie melken. Savitar möge uns seinen besten Antrieb gewähren; der entzündete Gharma-Trank möge dies wohl verkünden.
Hiṅ-rufend, die Herrin der Güter, der Schätze, ist sie, ihr Kalb suchend, im Geiste herbeigekommen. Diese unverletzliche Kuh gebe den Aśvins Milch; sie wachse zu großem Glück.
gaur amīmed abhi vatsaṃ miṣantaṃ mūrdhānaṃ hiṅṅ akṛṇon mātavā u sṛkvāṇaṃ gharmam abhi vāvaśānā mimāti māyuṃ payate payobhiḥ
Die Kuh brüllte ihrem blinzelnden Kalbe zu, sie machte mit dem Kopf ein Hiṅ-Geräusch, um gemolken zu werden; brüllend zum siedenden Gharma-Topf hin, stößt sie ihren Ruf aus und strömt über von Milch.
ayaṃ sa śiṅkte yena gaur abhivṛtā mimāti mayuṃ dhvasanāv adhi śritā sā cittibhir ni hi cakāra martyān vidyud bhavantī prati vavrim auhata
Der ist es, der tost, durch den die umhüllte Kuh ihren Ruf erschallen lässt, auf Vergänglichkeit gegründet; sie hat sich den Sterblichen durch ihre Erscheinungen kundgetan; zur Blitzesleuchte werdend, hat sie ihre Hülle abgeworfen. [Anm.: die bildhafte Rede dieses Verses bleibt im Sanskrit nur unsicher deutbar]
Reglos liegt es da, doch eilig ist sein Leben; das Bewegliche und das Feste ruhen inmitten der Wohnstätten. Der Lebende wandelt nach den Eigengesetzen des Toten; der Unsterbliche teilt mit dem Sterblichen denselben Ursprung.
vidhuṃ dadrāṇaṃ salilasya pṛṣṭhe yuvānaṃ santaṃ palito jagāra devasya paśya kāvyaṃ mahitvādya mamāra sa hyaḥ sam āna
Den Mond, der auf dem Rücken der Gewässer dahinläuft – obgleich jung, hat ihn der Graue verschlungen. Sieh die Dichterweisheit des Gottes durch seine Größe: heute starb er, gestern ward er wiedergeboren.
ya īṃ cakāra na so asya veda ya īṃ dadarśa hirug in nu tasmāt sa mātur yonā parivīto antar bahuprajā nirṛtir ā viveśa ||10|| {26}
Wer es geschaffen hat, kennt es nicht; wer es erblickt hat, bleibt ihm eben dadurch entzogen. [Anm.: der grammatische Bezug von 'er' (mask.) und der (fem.) 'Nirṛti' im Sanskrit ist unklar] Eingehüllt im Schoße der Mutter ist die vielgebärende Nirṛti, die Auflösung, darin eingegangen.
apaśyaṃ gopām anipadyamānam ā ca parā ca pathibhiś carantam sa sadhrīcīḥ sa viṣūcīr vasāna ā varīvarti bhuvaneṣv antaḥ
Ich sah den Hirten, der niemals rastet, der auf seinen Bahnen bald hierhin, bald dorthin wandert. Er, gehüllt in die zusammenlaufenden und die auseinandergehenden Wege, dreht sich beständig innerhalb der Welten.
Der Himmel ist unser Vater, der Erzeuger; hier ist der Nabel. Unsere Verwandte, die Mutter, ist diese große Erde. Zwischen den beiden ausgebreiteten Weltschalen liegt der Schoß; hier legte der Vater der Tochter den Keim ein.
Ich frage dich nach dem äußersten Ende der Erde; ich frage nach dem Samen des zeugungskräftigen Rosses; ich frage nach dem Nabel der ganzen Welt; ich frage nach dem höchsten Himmelsraum der Rede.
Dieser Altar ist das äußerste Ende der Erde; dieser Soma ist der Same des zeugungskräftigen Rosses; dieses Opfer ist der Nabel der ganzen Welt; dieses heilige Wort (Brahman) ist der höchste Himmelsraum der Rede.
na vi jānāmi yad ivedam asmi niṇyaḥ saṃnaddho manasā carāmi yadā māgan prathamajā ṛtasyād id vāco aśnuve bhāgam asyāḥ
Ich weiß nicht recht, was ich eigentlich bin; verhüllt, gebunden, wandle ich im Geiste umher. Als aber das Erstgeborene der kosmischen Ordnung zu mir kam, da erst erlange ich einen Anteil an dieser Rede.
apāṅ prāṅ eti svadhayā gṛbhīto 'martyo martyenā sayoniḥ tā śaśvantā viṣūcīnā viyantā ny anyaṃ cikyur na ni cikyur anyam
Rückwärts, vorwärts geht es, von der eigenen Natur ergriffen – das Unsterbliche, mit dem Sterblichen von gleichem Ursprung. Diese beiden, ewig bestehend, in entgegengesetzte Richtungen auseinandergehend – den einen haben sie erkannt, den anderen nicht erkannt.
saptārdhagarbhā bhuvanasya reto viṣṇos tiṣṭhanti pradiśā vidharmaṇi te dhītibhir manasā te vipaścitaḥ paribhuvaḥ pari bhavanti viśvataḥ
Die sieben Halbkeime sind der Same der Welt; sie stehen nach Viṣṇus Weisung in seiner Ordnung. Diese Weisen, mit Einsicht und Geist, die Allesumfassenden, herrschen ringsum von allen Seiten.
Wort für Wort
saptārdhagarbhā
sapta 'sieben' + ardha 'halb' + garbha 'Keim' → die sieben Halbkeime (Nom.Pl.)
bhuvanasya
der Welt (Gen.Sg.)
reto
der Same (Nom.Sg.)
viṣṇos
Viṣṇus (Gen.Sg.)
tiṣṭhanti
stehen (3Pl.Präs.)
pradiśā
nach der Weisung (Instr.Sg.)
vidharmaṇi
in der Ordnung (Lok.Sg.)
te
diese (Nom.Pl.)
dhītibhir
mit Einsicht (Instr.Pl.)
manasā
und Geist (Instr.Sg.)
te
diese (Nom.Pl.)
vipaścitaḥ
vipas 'Weisheit' + cit 'wissend' → die Weisen (Nom.Pl.)
ṛco akṣare parame vyoman yasmin devā adhi viśve niṣeduḥ yas tan na veda kim ṛcā kariṣyati ya it tad vidus te amī sam āsate
In der unvergänglichen Silbe, im höchsten Himmelsraum, in dem alle Götter Platz genommen haben – wer dies nicht weiß, was soll er mit dem Vers anfangen? Die aber dies wissen, jene sitzen dort versammelt.
ṛcaḥ padaṃ mātrayā kalpayanto 'rdharcena cakḷpur viśvam ejat tripād brahma pururūpaṃ vi taṣṭhe tena jīvanti pradiśaś catasraḥ
Indem sie den Versfuß nach dem Maß gestalteten, formten sie mit dem Halbvers alles Bewegliche. Das dreifüßige, vielgestaltige Brahman hat sich ausgebreitet; durch es leben die vier Weltrichtungen.
Von guter Weide mögest du, glückspendend, sein; dann mögen auch wir Glückliche sein. Friss das Gras, o unverletzliche Kuh, zu jeder Zeit; trink reines Wasser, wenn du umherziehst.
gaur in mimāya salilāni takṣatī ekapadī dvipadī sā catuṣpadī aṣṭāpadī navapadī babhūvuṣī sahasrākṣarā bhuvanasya paṅktis tasyāḥ samudrā adhi vi kṣaranti
Die Kuh hat wahrlich gebrüllt, die Gewässer bildend – sie, einfüßig, zweifüßig, vierfüßig, achtfüßig, neunfüßig geworden, tausendsilbig, die Weltordnung selbst; aus ihr strömen die Meere hervor.
kṛṣṇaṃ niyānaṃ harayaḥ suparṇā apo vasānā divam ut patanti taṃ āvavṛtrant sadanād ṛtasyād id ghṛtena pṛthivīṃ vy ūduḥ
Auf dunkler Bahn fliegen die goldgelben, geflügelten Vögel, sich in Wasser hüllend, zum Himmel empor; sie haben ihn vom Sitz der kosmischen Ordnung zurückgewandt, und dann die Erde mit Schmalz überströmt.
apād eti prathamā padvatīnāṃ kas tad vāṃ mitrāvaruṇā ciketa garbho bhāraṃ bharaty ā cid asyā ṛtaṃ piparti anṛtaṃ ni pāti
Die Fußlose geht als Erste der Fußhabenden voran; wer hat dies von euch beiden erkannt, o Mitra und Varuṇa? Der Keim trägt sogar ihre Last; er fördert das Rechte und hemmt das Unrechte.
Virāj ist die Rede, Virāj die Erde, Virāj der Luftraum, Virāj Prajāpati; Virāj, der Tod, ist zum Oberherrscher der Sādhya-Götter geworden. In seiner Macht liegt, was gewesen ist und was sein wird; er möge mir das Gewesene und das Künftige in meine Macht geben.
trayaḥ keśina ṛtuthā vi cakṣate saṃvatsare vapata eka eṣām viśvam anyo abhicaṣṭe śacībhir dhrājir ekasya dadṛśe na rūpam
Drei Langhaarige erscheinen zu ihrer Zeit; einer von ihnen schert sich sein Haar im Laufe des Jahres; ein anderer überschaut alles mit seinen Kräften; von einem sieht man nur das rasche Dahinschießen, nicht die Gestalt.
Vier abgemessene Stufen hat die Rede; diese kennen die weisen Brahmanen. Drei, im Verborgenen geborgen, bringen sie nicht zum Klingen; die vierte Stufe der Rede sprechen nur die Menschen.
Indra, Mitra, Varuṇa, Agni nennen sie es, und auch den himmlischen, schönbeschwingten Garutmān. Das Eine Seiende benennen die Weisen auf vielfache Weise; sie nennen es Agni, Yama, Mātariśvan.