Von diesem lieben, altehrwürdigen Hotar-Priester (Agni) ist der mittlere Bruder der ‚Fressende' [Anm.: das Sanskrit-Wort „aśnaḥ" ist hier so überliefert, möglicherweise Variante zu „aśvaḥ", Pferd; die Bedeutung bleibt unsicher], der dritte Bruder ist der Schmalzrückige. Hier sah ich den Herrn des Volkes mit sieben Söhnen.
Wort für Wort
asya
von diesem (Gen.Sg.)
vāmasya
lieben (Gen.Sg.)
palitasya
altehrwürdigen (Gen.Sg.)
hotus
Hotar-Priesters (Gen.Sg.)
tasya
dessen (Gen.Sg.)
bhrātā
Bruder (Nom.Sg.)
madhyamo
der mittlere (Nom.Sg.)
asty
ist (3Sg.Präs.)
aśnaḥ
der 'Fressende' [?] (Nom.Sg.)
tṛtīyo
der dritte (Nom.Sg.)
bhrātā
Bruder (Nom.Sg.)
ghṛtapṛṣṭho
ghṛta 'Ghī' + pṛṣṭha 'Rücken' → der Schmalzrückige (Nom.Sg.)
asyātrāpaśyaṃ
von diesem, hier sah ich (asya+atra+apaśyam)
viśpatiṃ
den Herrn des Volkes (Akk.Sg.)
saptaputram
sapta 'sieben' + putra 'Sohn' → mit sieben Söhnen (Akk.Sg.)
Sieben spannen den einradigen Wagen an; ein einziges Ross mit sieben Namen zieht ihn. Das dreinabige Rad, alterlos, unaufhaltsam – darauf ruhen alle diese Welten.
Wort für Wort
sapta
sieben
yuñjanti
spannen an (3Pl.Präs.)
ratham
den Wagen (Akk.Sg.)
ekacakram
eka 'ein' + cakra 'Rad' → einradigen (Akk.Sg.)
eko
ein einziges (Nom.Sg.)
aśvo
Ross (Nom.Sg.)
vahati
zieht (3Sg.Präs.)
saptanāmā
sapta 'sieben' + nāman 'Name' → mit sieben Namen (Nom.Sg.)
Auf diesem Wagen stehen die Sieben; sieben Rosse ziehen den siebenrädrigen Wagen; die sieben Schwestern rufen ihm gemeinsam zu, dort, wo die sieben Namen der Kühe (der Lichtstrahlen) geborgen sind.
ko dadarśa prathamaṃ jāyamānam asthanvantaṃ yad anasthā bibharti bhūmyā asur asṛg ātmā kva svit ko vidvāṃsam upa gāt praṣṭum etat
Wer hat das Erstgeborene gesehen, das Beknochte, das die Unbeknochte trägt? Wo ist wohl der Lebenshauch, das Blut, die Seele der Erde? Wer ist zu einem Wissenden gegangen, um dies zu fragen?
iha bravītu ya īm aṅga vedāsya vāmasya nihitaṃ padaṃ veḥ śīrṣṇaḥ kṣīraṃ duhrate gāvo asya vavriṃ vasānā udakaṃ padā 'puḥ
Es künde hier, wer dies wahrhaft weiß: die verborgene Spur dieses lieben Vogels. Aus seinem Haupte melken die Kühe Milch; seine Hülle anlegend, haben sie mit dem Fuß das Wasser erlangt.
pākaḥ pṛchāmi manasā 'vijānan devānām enā nihitā padāni vatse baṣkaye 'dhi sapta tantūn vi tatnire kavaya otavā u
Als Unwissender frage ich mit nicht-begreifendem Sinn nach diesen verborgenen Spuren der Götter. Über dem einjährigen Kalb haben die Seher sieben Fäden ausgespannt, um zu weben.
acikitvāṃs cikituṣaś cid atra kavīn pṛchāmi vidvano na vidvān vi yas tastambha ṣaṭ imā rajāṃsy ajasya rūpe kiṃ api svid ekam
Unwissend befrage ich hier die Wissenden, die Seher, als ein Nichtwisser wie ein Wissender: der diese sechs Räume auseinandergestemmt hat – was mag wohl das Eine sein in der Gestalt des Ungeborenen?
Wort für Wort
acikitvāṃs
unwissend (Nom.Sg.Part.)
cikituṣaś
die Wissenden (Akk.Pl.)
cid
eben (Partikel)
atra
hier (Adv.)
kavīn
die Seher (Akk.Pl.)
pṛchāmi
befrage ich (1Sg.Präs.)
vidvano
unklare Form [?] (evtl. Verschreibung für vidmane "um zu wissen", Dat.Inf.)
mātā pitaram ṛta ā babhāja 'dhīty agre manasā saṃ hi jagme sā bībhatsur garbharasā nividdhā namasvanta id upavākam īyuḥ
Die Mutter vereinte sich in rechter Ordnung mit dem Vater; im Geiste kamen sie von Anfang an in Gedanken zusammen. Sie, zunächst zurückschreckend, ward durchdrungen von der Kraft des Keims; nur die Ehrfürchtigen gelangten zu jenem geheimen Wort.
Die Mutter war an die rechte Deichsel gespannt; der Keim weilte innerhalb der Bereiche. Das Kalb brüllte, als es die Kuh erblickte, in vielgestaltiger Weise bei den drei Verbindungen.
Wort für Wort
yuktā
gespannt (Nom.Sg.)
mātāsid
die Mutter war (mātā+āsīt)
dhuri
an die Deichsel (Lok.Sg.)
dakṣiṇāyā
rechte (Gen.Sg.)
atiṣṭhad
weilte (3Sg.Impf.)
garbho
der Keim (Nom.Sg.)
vṛjanīṣv
in den Bereichen (Lok.Pl.)
antaḥ
innerhalb (Adv.)
amīmed
brüllte (3Sg.Impf.)
vatso
das Kalb (Nom.Sg.)
anu
entsprechend (Präverb)
gām
die Kuh (Akk.Sg.)
apaśyad
erblickte (3Sg.Impf.)
viśvarūpyaṃ
viśva 'all' + rūpya 'gestaltig' → in vielgestaltiger Weise (Akk.Sg./Adv.)
tisro matṝs trīn pitṝn bibhrad eka urdhvas tasthau nem ava glāpayanta mantrayante divo amuṣya pṛṣṭhe viśvavido vācam aviśvavinnām ||10|| {24}
Einer, drei Mütter und drei Väter tragend, stand aufrecht da; ein Teil ließ ihn ermatten. Auf dem Rücken jenes Himmels beraten die Allwissenden über die Rede, die nicht allen verständlich ist.
Wort für Wort
tisro
drei (Akk.Pl.Fem.)
matṝs
Mütter (Akk.Pl.)
trīn
drei (Akk.Pl.)
pitṝn
Väter (Akk.Pl.)
bibhrad
tragend (Nom.Sg.Part.)
eka
einer (Nom.Sg.)
urdhvas
aufrecht (Nom.Sg.)
tasthau
stand da (3Sg.Perf.)
nem
ein Teil (Nom.Sg. [?])
ava
hin- (Präverb)
glāpayanta
ließ ermatten (3Pl.Impf.Kaus. [?])
mantrayante
beraten (3Pl.Präs.Med.)
divo
jenes Himmels (Gen.Sg.)
amuṣya
jenes (Gen.Sg.)
pṛṣṭhe
auf dem Rücken (Lok.Sg.)
viśvavido
viśva 'all' + vid 'wissend' → die Allwissenden (Nom.Pl.)
vācam
über die Rede (Akk.Sg.)
aviśvavinnām
a 'nicht' + viśvavid 'allwissend' → die nicht allen verständlich ist (Akk.Sg.Fem.)
pañcāre cakre parivartamāne yasminn ātasthur bhuvanāni viśvā tasya nākṣas tapyate bhūribhāraḥ sanād eva na chidyate sanābhiḥ
Auf dem fünfspeichigen Rad, das sich dreht und auf dem alle Welten ruhen – dessen Achse, obgleich schwer beladen, wird nicht heiß; von alters her zerbricht sie nie, trotz der mitlaufenden Radnaben.
Wort für Wort
pañcāre
pañca 'fünf' + ara 'Speiche' → fünfspeichigen (Lok.Sg.)
Den fünffüßigen Vater von zwölf Gestalten nennen sie wohnhaft in der fernen Hälfte des Himmels, reich an Gewässern; diese anderen aber sagen, er sei in der unteren, weitschauenden Hälfte auf einem siebenrädrigen, sechsspeichigen Wagen eingesetzt.
Wort für Wort
pañcapādaṃ
pañca 'fünf' + pāda 'Fuß' → den fünffüßigen (Akk.Sg.)
pitaraṃ
Vater (Akk.Sg.)
dvādaśākṛtiṃ
dvādaśa 'zwölf' + ākṛti 'Gestalt' → von zwölf Gestalten (Akk.Sg.)
diva
des Himmels (Gen.Sg.)
āhuḥ
nennen sie (3Pl.Perf.)
pare
in der fernen (Lok.Sg.)
ardhe
Hälfte (Lok.Sg.)
purīṣiṇam
reich an Gewässern (Akk.Sg.)
atheme
diese aber (atha+ime)
anya
andere (Nom.Pl.)
upare
in der unteren (Lok.Sg.)
vicakṣaṇe
weitschauenden (Lok.Sg.)
saptacakre
sapta 'sieben' + cakra 'Rad' → auf dem siebenrädrigen (Lok.Sg.)
ṣaḍara
ṣaṣ 'sechs' + ara 'Speiche' → sechsspeichigen (Lok.Sg. [?])
dvādaśāraṃ nahi taj jarāya varvarti cakraṃ pari dyām ṛtasya ā putrā agne mithunāso atra sapta śatāni viṃśatiś ca tasthuḥ
Das zwölfspeichige Rad der kosmischen Ordnung dreht sich, ohne dem Alter zu verfallen, rings um den Himmel. Auf ihm stehen, o Agni, siebenhundertundzwanzig gepaarte Söhne.
Wort für Wort
dvādaśāraṃ
dvādaśa 'zwölf' + ara 'Speiche' → zwölfspeichige (Nom.Sg.)
Das felgenversehene, alterlose Rad hat sich gedreht; zehn Rosse, angeschirrt, ziehen es über die weite Bahn. Das Auge der Sonne wandert, vom Weltenstaub verhüllt – das Rad, auf dem alle Welten ruhen.
Wort für Wort
sanemi
sa 'mit' + nemi 'Felge' → felgenversehene (Nom.Sg.)
striyaḥ satīs tām u me puṃsaḥ āhuḥ paśyad akṣaṇvānn vi cetad andhaḥ kavir yaḥ putraḥ sa īm ā ciketa yas tā vijānāt sa pituṣ pitāsat
Die, obwohl weiblich, nennen die Männer bei männlichem Namen; wer Augen hat, mag es sehen, der Blinde erkennt es nicht. Der Sohn, der ein Seher ist, hat es wahrgenommen; wer dies erkennt, der wird zum Vater seines eigenen Vaters.
Den siebenten der zusammen Geborenen nennen sie den Einzelgeborenen; die sechs übrigen, heißt es, sind Zwillingsseher, gottgeboren. Deren Opfergaben sind je nach ihrer Stätte zugeteilt; um den Feststehenden erzittern sie, mannigfach an Gestalt.
avaḥ pareṇa para enā avareṇa padā vatsaṃ bibhratī gaur ud asthāt sā kadrīcī kaṃ svid ardhaṃ parāgāt kva svit sūte nahi yūthe asmin
Unten durch das Obere, oben durch das Untere – ihr Kalb mit dem Fuße tragend, ist die Kuh emporgestiegen. Wohin, sich wendend, ist sie fortgegangen? Wo gebiert sie wohl? – nicht in dieser Herde.
avaḥ pareṇa pitaraṃ yo asya vedāvaḥ pareṇa para enāvareṇa kavīyamānaḥ ka iha pra vocad devaṃ manaḥ kuto adhi prajātam
Wer seinen Vater kennt – unten durch das Obere, oben durch das Untere –, wer, sich als Seher gebend, möchte hier verkünden, woher der göttliche Geist entstanden ist?
ye arvāñcas tām u parāca āhur ye parāñcas tāṃ u arvāca āhuḥ indraś ca yā cakrathuḥ soma tāni dhurā na yuktā rajaso vahanti
Die Diesseitigen nennen sie die Ferne, die Fernen nennen sie die Nahe. Was ihr, Indra und Soma, gewirkt habt – das trägt, wie an der Deichsel angeschirrt, die Last des Weltraums.
yasmin vṛkṣe madhvadaḥ suparṇā niviśante suvate cādhi viśve tasya yad āhuḥ pippalaṃ svādv agre tan non naśad yaḥ pitaraṃ na veda
Auf dem Baum, in dem die honigverzehrenden Vögel sich niederlassen und alle dort gebären, dessen süße Frucht an der Spitze, wie man sagt – die erreicht nicht, wer den Vater nicht kennt.
Wo die Vögel den Anteil der Unsterblichkeit genießen, unaufhörlich bei den heiligen Versammlungen ertönend – sie, die Hüter der ganzen Welt: der Weise ist hier in mich, den Einfältigen, eingegangen.
Wort für Wort
yatrā
wo (Adv.)
suparṇā
die Vögel (Nom.Pl.)
amṛtasya
der Unsterblichkeit (Gen.Sg.)
bhakṣam
den Anteil (Akk.Sg.)
animeṣaṃ
unaufhörlich (Akk.Sg./Adv.)
vidathābhisvaranti
bei den Versammlungen ertönend (vidatha+abhisvaranti)