Den Rivalen-Töter, den Stier, den Kāma (das personifizierte Verlangen), bediene ich mit Schmelzbutter, mit der Opfergabe, mit Ghī: Wirf du meine Rivalen zu Boden, du, gepriesen durch große Manneskraft!
Wort für Wort
sapatnahanam
sapatna 'Rivale' + han 'tötend' → den Rivalen-Töter (Akk.Sg.)
ṛṣabhaṃ
den Stier (Akk.Sg.)
ghṛtena
mit Schmelzbutter (Instr.Sg.)
kāmaṃ
den Kāma, das Verlangen (Akk.Sg.)
śikṣāmi
bediene ich (Präs.1Sg.)
haviṣājyena
havis 'Opfergabe' + ājya 'Schmelzbutter' → mit der Opfergabe, mit Ghī (Instr.Sg.)
yan me manaso na priyaṃ cakṣuṣo yan me babhasti nābhinandati tad duṣvapnyaṃ prati muñcāmi sapatne kāmaṃ stutvod ahaṃ bhideyam
Was meinem Sinn nicht lieb ist, meinem Auge, was mir nicht behagt [Anm.: die Bedeutung von babhasti ist unsicher] – das binde ich der Rivalin als bösen Traum um; nachdem ich Kāma gepriesen habe, möge ich selbst emporsprießen [Anm.: ud-bhideyam bedeutet wörtlich 'aufbrechen/hervorsprießen', nicht 'sie spalten'].
duṣvapnyaṃ kāma duritaṃ ca kamāprajastām asvagatām avartim ugra īśānaḥ prati muñca tasmin yo asmabhyam aṃhūraṇā cikitsāt
Bösen Traum, o Kāma, und Missgeschick, Kinderlosigkeit, Viehlosigkeit, Unheil – binde das, du gewaltiger Herrscher, auf jenen, der uns mit böser Arglist zu schaden sucht.
nudasva kāma pra ṇudasva kāmāvartiṃ yantu mama ye sapatnāḥ teṣāṃ nuttānām adhamā tamāṃsy agne vāstūni nir daha tvam
Stoße fort, o Kāma, stoße gänzlich fort: ins Unglück sollen geraten, die meine Rivalen sind; von ihnen, den Fortgestoßenen, verbrenne du, Agni, die Wohnstätten in tiefster Finsternis.
sā te kāma duhitā dhenur ucyate yām āhur vācaṃ kavayo virājam tayā sapatnān pari vṛṅgdhi ye mama pary enān prāṇaḥ paśavo jīvanaṃ vṛṇaktu
Deine Tochter, o Kāma, wird die Milchkuh genannt, die die Seher als die Rede, als die Herrscherin (Virāj), bezeichnen; mit ihr entferne die Rivalen, die meine sind; von ihnen sollen Lebensatem, Vieh und Leben weichen.
Mit der Kraft des Kāma, des Indra, des Königs Varuṇa, des Viṣṇu, mit dem Antrieb des Savitṛ, mit dem Priesteramt des Agni stoße ich die Rivalen fort, wie ein Kundiger mit der Stake ein Boot im Wasser.
adhyakṣo vājī mama kāma ugraḥ kṛṇotu mahyam asapatnam eva viśve devā mama nāthaṃ bhavantu sarve devā havam ā yantu ma imam
Der Aufseher, der siegreiche, gewaltige Kāma, er mache mich rivalenlos; alle Götter seien mein Beistand, alle Götter sollen zu diesem meinem Ruf kommen.
indrāgnī kāma sarathaṃ hi bhūtvā nīcaiḥ sapatnān mama pādayāthaḥ teṣāṃ pannānām adhamā tamāṃsy agne vāstūny anunirdaha tvam
Indra und Agni, o Kāma, werdet eins auf einem Wagen und werft meine Rivalen zu Boden; von ihnen, den Gefallenen, verbrenne, Agni, die Wohnstätten immer wieder in tiefster Finsternis.
jahi tvam kāma mama ye sapatnā andhā tamāṃsy ava pādayainān nirindriyā arasāḥ santu sarve mā te jīviṣuḥ katamac canāhaḥ ||10|| {3}
Erschlage du, o Kāma, die meine Rivalen sind, wirf sie hinab in blinde Finsternis; kraftlos, saftlos sollen sie alle sein – nicht einen einzigen Tag sollen sie leben.
avadhīt kāmo mama ye sapatnā uruṃ lokam akaran mahyam edhatum mahyaṃ namantāṃ pradiśaś catasro mahyaṃ ṣaḍ urvīr ghṛtam ā vahantu
Erschlagen hat Kāma, die meine Rivalen waren; weiten Raum haben sie mir zum Gedeihen geschaffen; mir sollen sich die vier Himmelsrichtungen neigen, mir sollen die sechs weiten Räume Ghī herbeitragen.
agnir yava indro yavaḥ somo yavaḥ yavayāvāno devā yavayantv enam
Agni ist die Gerste, Indra ist die Gerste, Soma ist die Gerste [Anm.: Wortspiel mit yava 'Gerste' und der Verbwurzel yu- 'fernhalten'] – die Götter, die Fernhalter, sollen ihn fernhalten.
asarvavīraś caratu praṇutto dveṣyo mitrānāṃ parivargyaḥ svānām uta pṛthivyām ava syanti vidyuta ugro vo devaḥ pra mṛṇat sapatnān
Ohne all seine Mannen soll er umherirren, fortgestoßen, verhasst den Freunden, ausgestoßen von den Seinen; und auf die Erde sollen die Blitze niederfahren – der gewaltige Gott soll euch die Rivalen zermalmen.
Wort für Wort
asarvavīraś
a- 'ohne' + sarva 'alle' + vīra 'Mannen' → ohne all seine Mannen (Nom.Sg.)
cyutā ceyaṃ bṛhaty acyutā ca vidyud bibharti stanayitnūṃś ca sarvān udyann ādityo draviṇena tejasā nīcaiḥ sapatnān nudatāṃ me sahasvān
Bewegt ist diese große Erde und zugleich unbewegt; der Blitz trägt alle Donner; der aufgehende Āditya (Sonnengott) soll mit Reichtum und Glut, der Überwältigende, meine Rivalen niederstoßen.
yat te kāma śarma trivarūtham udbhu brahma varma vitatam anativyādhyaṃ kṛtam tena sapatnān pari vṛṅgdhi ye mama pary enān prāṇaḥ paśavo jīvanaṃ vṛṇaktu
Dein Schutz, o Kāma, der dreifach schirmende, mächtige, der ausgebreitete, undurchdringliche Zauberwort-Panzer, der bereitet ward – mit ihm entferne die Rivalen, die meine sind; von ihnen sollen Lebensatem, Vieh und Leben weichen.
Wort für Wort
yat
der (Rel.Pron.Nom.Sg.n.)
te
dein (Gen.Sg.)
kāma
o Kāma (Vok.Sg.)
śarma
Schutz (Nom.Sg.)
trivarūtham
tri 'drei' + varūtha 'Schutz' → dreifach schirmend (Nom.Sg.n.)
yena devā asurān prāṇudanta yenendro dasyūn adhamaṃ tamo nināya tena tvaṃ kāma mama ye sapatnās tān asmāl lokāt pra ṇudasva dūram
Womit die Götter die Asuras fortstießen, womit Indra die Dasyus in tiefste Finsternis führte – damit stoße du, Kāma, die meine Rivalen sind, weit fort aus dieser Welt.
yathā devā asurān prāṇudanta yathendro dasyūn adhamaṃ tamo babādhe tathā tvaṃ kāma mama ye sapatnās tān asmāl lokāt pra ṇudasva dūram
Wie die Götter die Asuras fortstießen, wie Indra die Dasyus in tiefste Finsternis zwang, so stoße du, Kāma, die meine Rivalen sind, weit fort aus dieser Welt.
kāmo jajñe prathamo nainaṃ devā āpuḥ pitaro na martyāḥ tatas tvam asi jyāyān viśvahā mahāṃs tasmai te kāma nama it kṛnomi
Kāma ward als Erster geboren; ihn erreichten weder Götter noch Väter (Ahnen) noch Sterbliche; darum bist du für immer der Größere, der Gewaltige – darum erweise ich dir, Kāma, allein die Verehrung.
yāvatī dyāvāpṛthivī varimṇā yāvad āpaḥ siṣyadur yāvad agniḥ tatas tvam asi jyāyān viśvahā mahāṃs tasmai te kāma nama it kṛṇomi ||20|| {4}
So weit Himmel und Erde an Breite reichen, so weit die Wasser strömten, so weit Agni reicht – darum bist du für immer der Größere, der Gewaltige – darum erweise ich dir, Kāma, allein die Verehrung.
yāvatīr diśaḥ pradiśo viṣūcīr yāvatīr āśā abhicakṣaṇā divaḥ tatas tvam asi jyāyān viśvahā mahāṃs tasmai te kāma nama it kṛṇomi
So viele Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen es nach allen Seiten gibt, so viele Weiten, die den Himmel überschauen, es gibt – darum bist du für immer der Größere, der Gewaltige – darum erweise ich dir, Kāma, allein die Verehrung.
yāvatīr bhṛṅgā jatvaḥ kurūravo yāvatīr vaghā vṛkṣasarpyo babhūvuḥ tatas tvam asi jyāyān viśvahā mahāṃs tasmai te kāma nama it kṛṇomi
So viele Bhṛṅga-, Jatu- und Kurūru-Insekten [Anm.: genaue Insektenarten unsicher], so viele Vaghā- und Vṛkṣasarpya-Wesen [Anm.: vermutlich Baumschlangen oder baumbewohnende Kriechtiere, Bedeutung unsicher] es gibt – darum bist du für immer der Größere, der Gewaltige – darum erweise ich dir, Kāma, allein die Verehrung.
jyāyān nimiṣato 'si tiṣṭhato jyāyānt samudrād asi kāma manyo tatas tvam asi jyāyān viśvahā mahāṃs tasmai te kāma nama it kṛnomi
Größer bist du als das, was blinzelt, größer als das, was stillsteht; größer als das Meer bist du, o Kāma, o Leidenschaft – darum bist du für immer der Größere, der Gewaltige – darum erweise ich dir, Kāma, allein die Verehrung.
na vai vātaś cana kāmam āpnoti nāgniḥ sūryo nota candramāḥ tatas tvam asi jyāyān viśvahā mahāṃs tasmai te kāma nama it kṛṇomi
Nicht einmal der Wind erreicht Kāma, nicht Agni, nicht Sūrya, noch der Mond – darum bist du für immer der Größere, der Gewaltige – darum erweise ich dir, Kāma, allein die Verehrung.
yās te śivās tanvaḥ kāma bhadrā yābhiḥ satyaṃ bhavati yad vṛṇiṣe tābhiṣ ṭvam asmāṃ abhisaṃviśasvānyatra pāpīr apa veśayā dhiyaḥ ||25|| {5}
Die gütigen, heilsamen Gestalten, die dein sind, o Kāma, durch die wahr wird, was du erwählst – mit ihnen komm zu uns herab; anderswohin verbanne die bösen Gedanken.