divas pṛthivyā antarikṣāt samudrād agner vātān madhukaśā hi jajñe tāṃ cāyitvāmṛtaṃ vasānāṃ hṛdbhiḥ prajāḥ prati nandanti sarvāḥ
Aus dem Himmel, aus der Erde, aus dem Luftraum, aus dem Meer, aus dem Feuer und aus den Winden ist ja die Madhukaśā, die Honigpeitsche, entstanden; ihr, der Verehrten, in Unsterblichkeit Gekleideten, freuen sich mit dem Herzen alle Geschöpfe entgegen.
Wort für Wort
divas
aus dem Himmel (Abl.Sg.)
pṛthivyā
aus der Erde (Abl.Sg.)
antarikṣāt
aus dem Luftraum (Abl.Sg.)
samudrād
aus dem Meer (Abl.Sg.)
agner
aus dem Feuer (Abl.Sg.)
vātān
aus den Winden (Abl.Pl.)
madhukaśā
die Madhukaśā, Honigpeitsche (Nom.Sg.)
hi
ja
jajñe
ist entstanden (Perf.3Sg.Med.)
tāṃ
ihr (Dat.Sg.f.)
cāyitvāmṛtaṃ
und der Verehrten, Unsterblichkeit (Dat.Sg.+Akk.Sg., Sandhi)
mahat payo viśvarūpam asyāḥ samudrasya tvota reta āhuḥ yata aiti madhukaśā rarāṇā tat prāṇas tad amṛtaṃ niviṣṭam
Große Milch, allgestaltig, ist von ihr – vom Meer behütet, sagt man, ist ihr Same; woher die Madhukaśā, freigebig, kommt, dort ist der Atem, dort ist Unsterblichkeit eingesenkt.
Es sehen ihren Wandel auf der Erde die Männer, jeder für sich, auf vielfache Weise nachdenkend; aus dem Feuer und den Winden ist ja die Madhukaśā entstanden, die gewaltige Enkelin der Marut.
Mutter der Ādityas, Tochter der Vasus, Atem der Geschöpfe, Nabel der Unsterblichkeit; goldfarben, ghee-triefend, wandelt die Madhukaśā als großer Glanz unter den Sterblichen.
madhoḥ kaśām ajanayanta devās tasyā garbho abhavad viśvarūpaḥ taṃ jātaṃ taruṇaṃ piparti mātā sa jāto viśvā bhuvanā vi caṣṭe
Aus Honig erzeugten die Götter die Peitsche; ihr wurde eine Leibesfrucht, allgestaltig; den geborenen, jungen Sohn nährt die Mutter; er, geboren, überschaut alle Welten.
kas taṃ pra veda ka u taṃ ciketa yo asyā hṛdaḥ kalaśaḥ somadhāno akṣitaḥ brahmā sumedhāḥ so asmin madeta
Wer kennt ihn wohl, wer erkennt ihn, der in ihrem Herzen der Krug ist, der Soma bergende, unerschöpfliche? Der weise Brahmane soll sich an ihm ergötzen.
Sie, die Hiṅ-rufende, die Große, die Lebenskraft-Spendende, laut tönend, tritt sie in ihr Gebot ein; nach den drei Gharma-Kesseln brüllend verlangend, blökt sie mit dem Blöklaut, sie schwillt an mit Milch.
Wort für Wort
hiṅkarikratī
die Hiṅ-rufende (Nom.Sg.f.)
bṛhatī
die Große (Nom.Sg.f.)
vayodhā
die Lebenskraft-Spendende (Nom.Sg.f.)
uccairghoṣābhyeti
laut tönend tritt sie ein (Adv.+Präs.3Sg., Sandhi)
yām āpīnām upasīdanty āpaḥ śākvarā vṛṣabhā ye svarājaḥ te varṣanti te varṣayanti tadvide kāmam ūrjam āpaḥ
Sie, dem euterschwellenden Wesen, dem sich die Wasser nähern, die kräftigen Bullen, die Selbstherrscher – die lassen regnen, die lassen die Wasser regnen: dem, der dies weiß, schenken sie Wunsch und Kraft.
stanayitnus te vāk prajāpate vṛṣā śuṣmaṃ kṣipasi bhūmyām adhi agner vātān madhukaśā hi jajñe marutām ugrā naptiḥ ||10|| {1}
Der Donner ist deine Stimme, o Prajāpati; als Bulle wirfst du deine Wut auf die Erde; aus dem Feuer und den Winden ist ja die Madhukaśā entstanden, die gewaltige Enkelin der Marut.
yad giriṣu parvateṣu goṣv aśveṣu yan madhu surāyāṃ sicyamānāyāṃ yat tatra madhu tan mayi
Was an Honig in den Bergen, in den Felsen ist, was in den Kühen, in den Pferden, was an Honig in der ausgegossenen Surā, dem Bier, ist – der Honig, der dort ist, der sei in mir.
stanayitnus te vāk prajāpate vṛṣā śuṣmaṃ kṣipasi bhūmyāṃ divi tāṃ paśava upa jīvanti sarve teno seṣam ūrjaṃ piparti
Der Donner ist deine Stimme, o Prajāpati; als Bulle wirfst du deine Wut auf Erde und Himmel; von ihr leben alle Herdentiere; durch sie nährt er Labung und Kraft.
yo vai kaśāyāḥ sapta madhūni veda madhumān bhavati brāhmaṇaś ca rājā ca dhenuś cānaḍvāṃś ca vrīhiś ca yavaś ca madhu saptamam
Wer die sieben Honige der Peitsche kennt, wird honigreich – der Brahmane, der König, die Milchkuh, der Zugochse, der Reis, die Gerste, und der Honig als siebter.
yad vīdhre stanayati prajāpatir eva tat prajābhyaḥ prādur bhavati tasmāt prācīnopavītas tiṣṭhe prajāpate 'nu mā budhyasveti anv enaṃ prajā anu prajāpatir budhyate ya evaṃ veda ||24|| {2}
Wenn es am wolkenlosen Himmel donnert, dann erscheint eben Prajāpati vor den Geschöpfen; darum soll ich, die heilige Schnur in der „prācīna“-Weise [Anm.: prācīnopavīta ist ein technischer Ritualterminus für eine bestimmte Art, die heilige Schnur zu tragen (meist über die rechte statt die linke Schulter); die genaue Ausrichtung/Übersetzung ist in den Quellen nicht einheitlich] tragend, dastehen und sprechen: „O Prajāpati, erwache nach mir!“ Ihm folgen die Geschöpfe, ihm folgt Prajāpati im Erwachen, wer dies so weiß.
Wort für Wort
yad
wenn
vīdhre
am wolkenlosen Himmel (Lok.Sg.)
stanayati
donnert es (Präs.3Sg.)
prajāpatir
Prajāpati (Nom.Sg.)
eva
eben
tat
dann
prajābhyaḥ
vor den Geschöpfen (Dat.Pl.)
prādur
hervor (Adv.)
bhavati
erscheint (Präs.3Sg.)
tasmāt
darum
prācīnopavītas
die heilige Schnur „prācīna“-artig tragend (Nom.Sg.)