yau te mātonmamārja jātāyāḥ pativedanau durṇāmā tatra mā gṛdhad aliṃśa uta vatsapaḥ
Die beiden Dinge, die deine Mutter bei deiner Geburt abwischte, die zum Gattenfinden Gehörigen [Anm.: pativedana wörtl. „Gattenerlangung“, Bezug hier unklar, evtl. Geburtsstoffe/Nachgeburt] – danach soll der Durṇāman (der „Übelbenannte“, ein Dämon) nicht gieren, noch der Aliṃśa, noch der Kälbersauger (Vatsapa).
Wort für Wort
yau
die beiden, die (Akk.Dual.Rel.)
te
deine (Gen.Sg.)
mātonmamārja
die Mutter abwischte (Nom.Sg.+3Sg.Perf.)
jātāyāḥ
bei deiner Geburt (Gen.Sg.Part.)
pativedanau
pati 'Gatte' + vedana 'Finden' → die zum Gattenfinden gehörigen (Akk.Dual.)
Nicht sollst du umschlossen sein, nicht krieche heran an die Schenkel, nicht krieche dazwischen – ich bereite ihr ein Heilmittel, den Baja [Anm.: wohl Name eines Schutzgeistes/Dämonenvertreibers, Bedeutung unsicher], den Durṇāman-Vertreiber.
durṇāmā ca sunāmā cobhā samvṛtam ichataḥ arāyān apa hanmaḥ sunāmā straiṇam ichatām
Durṇāman, der 'Übelbenannte', und Sunāman, der 'Gutbenannte' – beide trachten nach der Verschlossenen (der Frau); die Unheilsgeister schlagen wir fort – Sunāman möge das Weibliche begehren.
Der Schwarze, der Langhaarige, der Asura, der Büschelgeborene und der Rüsselartige – die Unheilsgeister schlagen wir von ihren Hoden und von ihrem Schoß fort.
Den Beschnüffelnden, den Betastenden, den Fleischfresser, den Beleckenden – die hundeartigen Unheilsgeister [Anm.: chvakiṣkiṇaḥ unklar, wörtl. etwa „hundeartige“] hat der Baja, der Piṅga (der „Rötliche“, ein Schutzgeist), vernichtet.
Wer sich im Traum auf dich legt, als Bruder oder wie ein Vater – der Baja bezwinge sie von hier fort, die unmännlich-gestaltigen, mit Turban [Anm.: tirīṭin unsicher, evtl. „mit Kopfschmuck/Turban“].
Wort für Wort
yas
wer (Nom.Sg.Rel.)
tvā
auf dich (Akk.Sg.)
svapne
im Traum (Lok.Sg.)
nipadyate
sich legt (3Sg.Präs.Med.)
bhrātā
als Bruder (Nom.Sg.)
bhūtvā
geworden (Ger.)
piteva
wie ein Vater
ca
und (Partikel)
bajas
der Baja (Nom.Sg.)
tānt
sie (Akk.Pl.)
sahatām
möge bezwingen (Imp.3Sg.)
itaḥ
von hier (Adv.)
klībarūpāṃs
klība 'unmännlich' + rūpa 'Gestalt' → die unmännlich-gestaltigen (Akk.Pl.Adj.)
Wer diese Frau zur Totgeburt-Gebärerin, zur Kinderlosen macht – den lass, o Pflanze, verschwinden; ihre Leibesfrucht [Anm.: kamala wörtl. „Lotus“, hier wohl euphemistisch für Mutterleib/Leibesfrucht] bewahre am Leben.
ye śālāḥ parinṛtyanti sāyaṃ gardabhanādinaḥ kusūlā ye ca kukṣilāḥ kakubhāḥ karumāḥ srimāḥ tān oṣadhe tvaṃ gandhena viṣūcīnān vi nāśaya ||10|| {14}
Die um die Häuser herumtanzen, abends wie Esel schreiend, die Kusūla-, Kukṣila-, Kakubha-, Karuma-, Srima-Dämonen [Anm.: Dämonennamen, Bedeutung im Einzelnen unsicher] – die lass, o Pflanze, durch deinen Duft nach allen Seiten verschwinden.
Wort für Wort
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
śālāḥ
um die Häuser (Akk.Pl.)
parinṛtyanti
herumtanzen (3Pl.Präs.)
sāyaṃ
abends (Adv.)
gardabhanādinaḥ
gardabha 'Esel' + nādin 'schreiend' → wie Esel schreiend (Nom.Pl.Adj.)
ye kukundhāḥ kukirabhāḥ kṛttīr dūrśāni bibhrati klībā iva pranṛtyanto vane ye kurvate ghoṣaṃ tān ito nāśayāmasi
Die Kukundha- und Kukirabha-Dämonen, die Felle und Fetzen tragen [Anm.: kṛtti/dūrśāni unsicher], die wie Unmännliche im Wald tanzen und Lärm machen – die lassen wir von hier verschwinden.
ye sūryaṃ na titikṣanta ātapantam amuṃ divaḥ arāyān bastavāsino durgandhīṃl lohitāsyān makakān nāśayāmasi
Die die Sonne nicht ertragen, wenn jene am Himmel brennt – die Unheilsgeister, in Bocksfelle gekleidet, übelriechend, rotmäulig, die Makaka-Dämonen lassen wir verschwinden.
Wort für Wort
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
sūryaṃ
die Sonne (Akk.Sg.)
na
nicht (Neg.)
titikṣanta
ertragen (3Pl.Präs.)
ātapantam
die brennende (Akk.Sg.Part.)
amuṃ
jene (Akk.Sg.)
divaḥ
am Himmel (Abl./Gen.Sg.)
arāyān
die Unheilsgeister (Akk.Pl.)
bastavāsino
basta 'Bock' + vāsin 'gekleidet' → in Bocksfelle gekleidet (Akk.Pl.Adj.)
ye pūrve badhvo yanti haste śṛṅgāni bibhrataḥ āpākesthāḥ prahāsina stambe ye kurvate jyotis tān ito nāśayāmasi
Die vorn gebunden gehen, Hörner in der Hand tragend, die im rohen [ungekochten] Zustand Verweilenden [Anm.: āpākesthāḥ unklar], die Lachenden, die am Pfahl ein Licht machen – die lassen wir von hier verschwinden.
Wort für Wort
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
pūrve
vorn (Adv./Adj.)
badhvo
gebunden (Nom.Pl.Part.)
yanti
gehen (3Pl.Präs.)
haste
in der Hand (Lok.Sg.)
śṛṅgāni
Hörner (Akk.Pl.)
bibhrataḥ
tragend (Nom.Pl.Part.)
āpākesthāḥ
im rohen Zustand Verweilende [Anm.: unklar] (Nom.Pl.)
Deren Fußspitzen nach hinten, deren Fersen nach vorn weisen, deren Gesicht nach vorn gerichtet ist – die aus der Tenne, die aus Kuhmist-Rauch geborenen Uruṇḍa- und Maṭmaṭa-Dämonen, die Kumbhamuṣka- und Ayāśava-Dämonen – die lass, o Brahmaṇaspati, durch dein Erwachen-Machen verschwinden.
Wort für Wort
yeṣām
deren (Gen.Pl.Rel.)
paścāt
nach hinten (Adv.)
prapadāni
Fußspitzen (Nom.Pl.Ntr.)
puraḥ
nach vorn (Adv.)
pārṣṇīḥ
Fersen (Nom.Pl.)
puro
nach vorn (Adv.)
mukhā
Gesicht (Nom.Pl.Ntr.)
khalajāḥ
die aus der Tenne Geborenen (Nom.Pl.)
śakadhūmajā
śakṛt 'Kuhmist' + dhūma 'Rauch' + -ja 'geboren' → die aus Kuhmist-Rauch Geborenen (Nom.Pl.)
uruṇḍā
die Uruṇḍa-Dämonen (Nom.Pl.)
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
ca
und (Partikel)
maṭmaṭāḥ
die Maṭmaṭa-Dämonen (Nom.Pl.)
kumbhamuṣkā
kumbha 'Topf' + muṣka 'Hode' → die 'Topfhoden'-Dämonen (Nom.Pl.)
paryastākṣā apracaṅkaśā astraiṇāḥ santu paṇḍagāḥ ava bheṣaja pādaya ya imāṃ saṃvivṛtsaty apatiḥ svapatiṃ striyam
Mit verdrehten Augen, ohne Sehkraft, ohne Weib sollen die Unfruchtbaren sein – wirf nieder, o Heilmittel, den, der ohne Gatten diese Frau, die einen guten Gatten hat, zu umgarnen sucht.
Wort für Wort
paryastākṣā
pari-asta 'verdreht' + akṣa 'Auge' → mit verdrehten Augen (Nom.Pl.Adj.)
uddharṣiṇaṃ munikeśaṃ jambhayantaṃ marīmṛśam upeṣantam udumbalaṃ tuṇḍelam uta śāluḍam padā pra vidhya pārṣṇyā sthālīṃ gaur iva spandanā
Den Aufgeilenden, den Wildhaarigen, den Zermalmenden, den Betastenden, den Andrängenden, den Udumbala, den Tuṇḍela und den Śāluḍa – zerstoße ihn mit dem Fuß, mit der Ferse, wie eine Kuh den Topf, zappelnd.
yas te garbhaṃ pratimṛśāj jātaṃ vā mārayāti te piṅgas tam ugradhanvā kṛṇotu hṛdayāvidham
Wer deine Leibesfrucht betastet, oder wer dein geborenes Kind zu töten sucht – den durchbohre der Piṅga, der mit dem gewaltigen Bogen, mitten ins Herz.
Wort für Wort
yas
wer (Nom.Sg.Rel.)
te
deine (Gen.Sg.)
garbhaṃ
Leibesfrucht (Akk.Sg.)
pratimṛśāj
betastet (Opt.3Sg.)
jātaṃ
geborenes Kind (Akk.Sg.)
vā
oder (Partikel)
mārayāti
zu töten sucht (3Sg.Präs.Kaus.)
te
dein (Gen.Sg.)
piṅgas
der Piṅga (Nom.Sg.)
tam
den (Akk.Sg.)
ugradhanvā
der mit dem gewaltigen Bogen (Nom.Sg.)
kṛṇotu
möge machen (Imp.3Sg.)
hṛdayāvidham
hṛdaya 'Herz' + āvidha 'durchbohrend' → mitten ins Herz durchbohrt (Akk.Sg.Adj.)
Die die neugeborenen Lämmer töten, die den Wöchnerinnen nachliegen, die nach dem Weiberanteil [Anm.: strībhāgān unklar] Trachtenden – die vertreibe der Piṅga, wie der Wind die Wolke.
Wort für Wort
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
amno
der Lämmer (Gen.)
jatān
neugeborenen (Akk.Pl.Adj.)
mārayanti
töten (3Pl.Präs.Kaus.)
sūtikā
den Wöchnerinnen (Akk.Pl.Fem.)
anuśerate
nachliegen (3Pl.Präs.Med.)
strībhāgān
nach dem Weiberanteil [Anm.: unklar] Trachtende (Akk.Pl.)
parisṛṣṭaṃ dharayatu yad dhitaṃ māva pādi tat garbhaṃ ta ugrau rakṣatām bheṣajau nīvibhāryau ||20|| {15}
Was freigelassen und doch geborgen ist, das halte fest, dass es nicht falle. Deine Leibesfrucht sollen die beiden gewaltigen Heilmittel schützen, die im Gewandbund getragenen.
Wort für Wort
parisṛṣṭaṃ
freigelassen (Akk.Sg.Ntr.Part.)
dharayatu
möge festhalten (Imp.3Sg.Kaus.)
yad
was (Nom.Sg.Ntr.Rel.)
dhitaṃ
geborgen (Nom.Sg.Ntr.Part.)
māva
nicht herab (mā+ava)
pādi
falle (Inj.3Sg.)
tat
das (Akk.Sg.Ntr.)
garbhaṃ
Leibesfrucht (Akk.Sg.)
ta
deine (Gen.Sg.)
ugrau
die beiden gewaltigen (Nom.Dual.Adj.)
rakṣatām
sollen schützen (Imp.3Dual.)
bheṣajau
die beiden Heilmittel (Nom.Dual.)
nīvibhāryau
nīvi 'Gewandbund' + bhārya 'getragen' → die im Gewandbund getragenen (Nom.Dual.Adj.)
Vor dem Pavīnasa, dem Taṅgalva, dem Śāyaka und dem Nagnaka – zur Nachkommenschaft, zum Gatten, möge dich der Piṅga rings beschützen vor den Kimīdin-Dämonen.
dvyāsyāc caturakṣāt pañcapadād anaṅgureḥ vṛntād abhi prasarpataḥ pari pāhi varīvṛtāt
Vor dem Zweimäuligen, dem Vieräugigen, dem Fünffüßigen, dem Fingerlosen, vor dem, der aus dem Stiel heranschleicht, dem sich immer wieder Windenden – schütze rings.
Wort für Wort
dvyāsyāc
vor dem Zweimäuligen (Abl.Sg.)
caturakṣāt
vor dem Vieräugigen (Abl.Sg.)
pañcapadād
vor dem Fünffüßigen (Abl.Sg.)
anaṅgureḥ
vor dem Fingerlosen (Abl.Sg.)
vṛntād
aus dem Stiel (Abl.Sg.)
abhi
heran (Präverb)
prasarpataḥ
vor dem Heranschleichenden (Abl.Sg.Part.)
pari
rings (Präverb)
pāhi
schütze (Imp.2Sg.)
varīvṛtāt
vor dem sich immer wieder Windenden (Abl.Sg.Part.)
Piṅga, schütze das Werdende, das ungeborene Kind; nicht sollen sie es zum Mann oder zur Frau [um]machen [Anm.: mā pumāṃsaṃ striyaṃ kran – wörtlich „nicht sollen sie (es) zu Mann/Frau machen“; Sinn strittig, wohl Schutz vor geschlechtlicher Schädigung/Entstellung durch Dämonen, nicht allgemein „Schaden“ – frühere Fassung war hier zu frei]; die Ei-Fresser sollen die Leibesfrüchte nicht schädigen. Vertreibe von hier die Kimīdin-Dämonen.