Sie mögen diesen Mann vor der Yakṣma-Krankheit (der Auszehrung), die von den Göttern gesandt ist, bewahren – sie, deren Vater der Himmel, deren Mutter die Erde ist, deren Wurzel der Ozean geworden ist.
Die sich ausbreitenden, büscheligen, einschösslingig sprossenden, die sich ausdehnenden Pflanzen rufe ich an; die stängelreichen, knotigen, vielverzweigten rufe ich für dich herbei – die Allgötter-Kräuter, die gewaltigen, die menschenbelebenden.
Wort für Wort
prastṛṇatī
sich ausbreitende (Nom.Pl.f.Ptz.)
stambinīr
büschelige (Nom.Pl.f.)
ekaśuṅgāḥ
einschösslingige (Nom.Pl.f.)
pratanvatīr
sich ausdehnende (Nom.Pl.f.Ptz.)
oṣadhīr
Pflanzen (Akk.Pl.)
ā
herbei (Präverb)
vadāmi
rufe ich an (Präs.1Sg.)
aṃśumatīḥ
stängelreiche (Akk.Pl.f.)
kaṇḍinīr
knotige (Akk.Pl.f.)
yā
die (Rel.Pron.Nom.Pl.f.)
viśākhā
vielverzweigte (Nom.Pl.f.)
hvayāmi
rufe ich herbei (Präs.1Sg.)
te
für dich (Dat.Sg.)
vīrudho
die Kräuter (Akk.Pl.)
vaiśvadevīr
viśva 'alle' + deva 'Gott' + -ī → die Allgötter-Kräuter (Akk.Pl.f.)
yad vaḥ sahaḥ sahamānā vīryaṃ1 yac ca vo balam tenemam asmād yakṣmāt puruṣaṃ muñcatauṣadhīr atho kṛṇomi bheṣajam
Welche bezwingende Kraft ihr habt, welche Manneskraft und welche Stärke euch eigen ist – damit befreit diesen Mann von dieser Yakṣma-Krankheit, ihr Pflanzen; so bereite ich ein Heilmittel.
Die Jīvalā, die Naghāriṣā, die lebendig machende Pflanze rufe ich, die Arundhatī, die Emporhebende, die Blühende, die Honigreiche – hier rufe ich sie herbei, ihm zur Unversehrtheit.
Wort für Wort
jīvalāṃ
die Jīvalā (Pflanzenname, Akk.Sg.)
naghāriṣāṃ
die Naghāriṣā (Pflanzenname, Akk.Sg.)
jīvantīm
die lebendig machende (Akk.Sg.f.Ptz.)
oṣadhīm
Pflanze (Akk.Sg.)
aham
ich
arundhatīm
die Arundhatī (Pflanzenname, Akk.Sg.)
unnayantīṃ
die Emporhebende (Akk.Sg.f.Ptz.)
puṣpām
die Blühende (Akk.Sg.)
madhumatīm
die Honigreiche (Akk.Sg.)
iha
hier
huve
rufe ich (Präs.1Sg.Med.)
'smā
ihm (Dat.Sg., Sandhi)
ariṣṭatātaye
ariṣṭa 'unversehrt' + tāti 'Zustand' → zur Unversehrtheit (Dat.Sg.)
Die von einer Hülle umschlossenen Pflanzen [Anm.: avakolba unsicher, wörtl. etwa „in eine Eihaut/Hülle gehüllt“], von wässriger Wesensart, mit scharfen Trieben, sollen das Unheil hinwegregnen.
Wort für Wort
avakolbā
von einer Hülle umschlossen (Nom.Pl.f.) [?]
udakātmāna
udaka 'Wasser' + ātman 'Wesen' → von wässriger Wesensart (Nom.Pl.f.)
unmuñcantīr vivaruṇā ugrā yā viṣadūṣanīḥ atho balāsanāśanīḥ kṛtyādūṣaṇīś ca yās tā ihā yantv oṣadhīḥ ||10|| {17}
Die Befreienden, die von der Varuṇa-Krankheit [der Wassersucht] heilenden [Anm.: vivaruṇāḥ unsicher – eher „von Varuṇas Krankheit befreiend“ als „feindabwehrend“], die gewaltigen, die Gift verderbenden, auch die Balāsa-Krankheit vernichtenden und die Kṛtyā verderbenden Pflanzen – die sollen hierher kommen.
Wort für Wort
unmuñcantīr
die Befreienden (Nom.Pl.f.Ptz.)
vivaruṇā
von der Varuṇa-Krankheit heilend (Nom.Pl.f.) [?]
ugrā
die gewaltigen (Nom.Pl.f.)
yā
die (Rel.Pron.Nom.Pl.f.)
viṣadūṣanīḥ
viṣa 'Gift' + dūṣana 'verderbend' → die Gift verderbenden (Nom.Pl.f.)
atho
auch, dann
balāsanāśanīḥ
balāsa 'Balāsa-Krankheit' + nāśana 'vernichtend' → die Balāsa-Krankheit vernichtenden (Nom.Pl.f.)
kṛtyādūṣaṇīś
kṛtyā 'Kṛtyā-Zauber' + dūṣaṇa 'verderbend' → die Kṛtyā verderbenden (Nom.Pl.f.)
Die erkauften [Anm.: apakrītāḥ wörtl. „gekauft“ – Bezug auf den rituellen „Kauf“ der Heilkräuter, nicht „gewachsen“], die überaus starken, gepriesenen Kräuter – sie sollen in diesem Dorf Rind, Pferd, Mensch und Vieh bewahren.
Honigsüß ist ihre Wurzel, honigsüß ihre Spitze, honigsüß ist die Mitte der Kräuter geworden, honigsüß ihr Blatt, honigsüß ihre Blüte – am Honig, an der Unsterblichkeit teilhabend, sollen sie Ghee und Speise geben, angeführt von der Kuh.
Wort für Wort
madhuman
honigsüß (Nom.Sg.n.)
mūlaṃ
Wurzel (Nom.Sg.)
madhumad
honigsüß (Nom.Sg.n.)
agram
Spitze (Nom.Sg.)
āsām
ihrer (Gen.Pl.f.)
madhuman
honigsüß (Nom.Sg.n.)
madhyaṃ
Mitte (Nom.Sg.)
vīrudhāṃ
der Kräuter (Gen.Pl.)
babhūva
ist geworden (Perf.3Sg.)
madhumat
honigsüß (Nom.Sg.n.)
parṇaṃ
Blatt (Nom.Sg.)
madhumat
honigsüß (Nom.Sg.n.)
puṣpam
Blüte (Nom.Sg.)
āsāṃ
ihrer (Gen.Pl.f.)
madhoḥ
am Honig (Gen.Sg.)
sambhaktā
teilhabend (Nom.Pl.f.Ptz.)
amṛtasya
der Unsterblichkeit (Gen.Sg.)
bhakṣo
Anteil, Genuss (Nom.Sg.)
ghṛtam
Ghee (Akk.Sg.)
annaṃ
Speise (Akk.Sg.)
duhratāṃ
sie sollen geben (Imp.3Pl.Med.)
gopurogavam
go 'Kuh' + purogava 'vorangehend' → angeführt von der Kuh (Akk.Sg.)
Wie vor des Löwen Gebrüll erschrecken sie, wie vor dem herangetragenen Feuer erschrecken sie – die Yakṣma-Krankheit der Rinder und der Menschen soll, von den Kräutern fortgetrieben, den schiffbaren Strom entlanggehen.
Der Aśvattha, der Feigenbaum, das Darbha-Gras unter den Kräutern, König Soma, die unsterbliche Opferspende, Reis und Gerste, die beiden Heilmittel – am Himmel geboren, unsterbliche Söhne.
varāho veda vīrudhaṃ nakulo veda bheṣajīm sarpā gandharvā yā vidus tā asmā avase huve
Der Eber kennt das Kraut, der Mungo kennt das Heilmittel; die Kräuter, welche die Schlangen und Gandharven kennen – die rufe ich ihm zum Beistand herbei.
Die Kräuter, die die Adler kennen, die von den Aṅgiras stammenden, himmlischen, die „die Schnellen“ [Anm.: raghataḥ unsicher, wohl Kenning für Antilopen/Gazellen] kennen, die die Vögel und Schwäne kennen, und alle geflügelten Wesen, die die wilden Tiere kennen – diese Kräuter rufe ich ihm zum Beistand herbei.
So viele Pflanzen die Kühe, die Unverletzlichen, fressen, so viele die Ziegen und Schafe – ebenso viele Pflanzen sollen dir, herbeigebracht, Schutz gewähren.
Die blütenreichen, die fruchtansetzenden, die fruchttragenden und auch die fruchtlosen – wie Milchmütter sollen sie ihm Milch geben, zur Unversehrtheit.
Wort für Wort
puṣpavatīḥ
die blütenreichen (Nom.Pl.f.)
prasūmatīḥ
die fruchtansetzenden (Nom.Pl.f.)
phalinīr
die fruchttragenden (Nom.Pl.f.)
aphalā
die fruchtlosen (Nom.Pl.f.)
uta
und auch
saṃmātara
Milchmütter (Nom.Pl.f.)
iva
wie
duhrām
sollen sie Milch geben (Imp.3Pl.Med.)
asmā
ihm (Dat.Sg.)
ariṣṭatātaye
ariṣṭa 'unversehrt' + tāti 'Zustand' → zur Unversehrtheit (Dat.Sg.)
Herausgeholt habe ich dich aus dem Fünffach-Pfahl, auch aus dem Zehnfach-Pfahl, auch aus der Fußfessel des Yama, aus jeder Verfehlung gegen die Götter.
Wort für Wort
ut
heraus (Präverb)
tvāhārṣaṃ
habe ich dich geholt (Aor.1Sg.+Akk.Sg., Sandhi)
pañcaśalād
aus dem Fünffach-Pfahl (Abl.Sg.)
atho
auch
daśaśalād
aus dem Zehnfach-Pfahl (Abl.Sg.)
uta
auch
atho
auch
yamasya
des Yama (Gen.Sg.)
paḍvīśād
aus der Fußfessel (Abl.Sg.)
viśvasmād
aus jeder (Abl.Sg.)
devakilbiṣāt
deva 'Gott' + kilbiṣa 'Verfehlung' → Verfehlung gegen die Götter (Abl.Sg.)