Dem Antaka, dem Beender, dem Tod, sei Verehrung; deine Ein- und Ausatmung sollen hier verweilen; hier soll dieser Mann bleiben, mitsamt seinem Lebenshauch, im Anteil der Sonne, in der Welt des Unsterblichen.
Wort für Wort
antakāya
dem Antaka (Dat., „Beender“)
mṛtyave
dem Tod (Dat.)
namaḥ
Verehrung (Nom.)
prānā
Einatmung (Nom.Pl.)
apānā
Ausatmung (Nom.Pl.)
iha
hier
te
deine (Gen.)
ramantām
sollen verweilen (3.Pl.Imp.Med.)
ihāyam
hier dieser (Adv.+Nom.)
astu
soll bleiben (3.Sg.Imp.)
puruṣaḥ
der Mann (Nom.)
sahāsunā
saha 'mitsamt' + asunā 'mit dem Lebenshauch' → mitsamt seinem Lebenshauch (Instr.)
iha te 'sur iha prāṇa ihāyur iha te manaḥ ut tvā nirṛtyāḥ pāśebhyo daivyā vacā bharāmasi
Hier ist deine Lebenskraft, hier dein Atem, hier dein Lebensalter, hier dein Geist; aus den Fesseln der Nirṛti heben wir dich empor mit göttlichen Worten.
Steig empor von dort, o Mann, falle nicht hinab, indem du dich von der Fußfessel des Todes löst; scheide nicht aus dieser Welt, aus dem Anblick von Agni und der Sonne.
tubhyaṃ vātaḥ pavatāṃ mātariśvā tubhyaṃ varṣantv amṛtāny āpaḥ sūryas te tanve śaṃ tapāti tvām mṛtyur dayatāṃ mā pra meṣṭhāḥ
Dir soll der Wind wehen, der Mātariśvan; dir sollen die unsterblichen Wasser regnen; die Sonne soll deinem Leib wohltuend scheinen; der Tod soll dich verschonen – falle nicht dahin.
udyānaṃ te puruṣa nāvayānaṃ jīvātuṃ te dakṣatātiṃ kṛnomi ā hi rohemam amṛtaṃ sukhaṃ ratham atha jirvir vidatham ā vadāsi
Ein Aufsteigen, o Mann, bereite ich dir, kein Absteigen; dein Leben mache ich zu einem Werk der Tüchtigkeit; lass uns diesen unsterblichen, glücklichen Wagen besteigen; dann sollst du, alt geworden, bei der Versammlung sprechen.
Wort für Wort
udyānaṃ
ein Aufsteigen (Akk.)
te
dir (Dat.)
puruṣa
o Mann (Vok.)
nāvayānaṃ
na 'nicht' + avayānam 'Absteigen' → kein Absteigen (Neg.+Akk.)
mā te manas tatra gān mā tiro bhūn mā jīvebhyaḥ pra mado mānu gāḥ pitṝn viśve devā abhi rakṣantu tveha
Nicht soll dein Geist dorthin gehen, nicht soll er sich verirren, nicht sollst du fern von den Lebenden hingerissen werden, nicht den Vätern nachfolgen; alle Götter sollen dich hier beschützen.
Wort für Wort
mā
nicht
te
dein (Gen.)
manas
Geist (Nom.)
tatra
dorthin (Adv.)
gān
soll gehen (3.Sg.Aor.)
mā
nicht
tiro
sich verirren (Adv.)
bhūn
soll werden (3.Sg.Aor.)
mā
nicht
jīvebhyaḥ
von den Lebenden (Abl.Pl.)
pra
hin (Präfix)
mado
sollst du hingerissen werden (2.Sg.Präs.)
mānu
mā 'nicht' + anu 'nach, entlang' → nicht nachfolgen (Neg.+Adv.)
śyāmaś ca tvā mā śabalaś ca preṣitau yamasya yau pathirakṣī śvānau arvāṅ ehi mā vi dīdhyo mātra tiṣṭhaḥ parāṅmanāḥ
Nicht sollen dich der Braune und der Gescheckte ergreifen, die beiden von Yama entsandten, den Weg bewachenden Hunde; komm hierher zurück, sinne nicht dorthin, verweile nicht dort mit abgewandtem Sinn.
maitaṃ panthām anu gā bhīma eṣa yena pūrvaṃ neyatha taṃ bravīmi tama etat puruṣa mā pra patthā bhayaṃ parastād abhayaṃ te arvāk ||10|| {1}
Geh nicht diesen Weg, furchtbar ist er, auf dem sie einst geführt wurden; ich spreche von ihm; fall nicht auf ihn, o Mann; Furcht ist jenseits, Furchtlosigkeit ist diesseits für dich.
rakṣantu tvāgnayo ye apsv antā rakṣatu tvā manuṣyā yam indhate vaiśvānaro rakṣatu jātavedā divyas tvā mā pra dhāg vidyutā saha
Es sollen dich die Feuer beschützen, die in den Wassern sind; es soll dich das Feuer beschützen, das die Menschen entzünden; Vaiśvānara, der himmlische Allwissende, soll dich beschützen; er soll dich nicht mitsamt dem Blitz verbrennen.
mā tvā kravyād abhi maṃstārāt saṃkasukāc cara rakṣatu tvā dyau rakṣatu pṛthivī sūryaś ca tvā rakṣatāṃ candramāś ca antarikṣaṃ rakṣatu devahetyāḥ
Nicht soll dich der Leichenfresser erfassen, [Anm.: 'saṃkasukāt', Bedeutung unsicher, wohl Name eines Krankheits- oder Todesdämons] geh fern von ihm; es soll dich der Himmel beschützen, die Erde beschützen, Sonne und Mond sollen dich beschützen, der Luftraum beschütze dich vor dem Geschoss der Götter.
Wort für Wort
mā
nicht
tvā
dich (Akk.)
kravyād
der Leichenfresser (Nom.)
abhi
hin zu (Präfix)
maṃstārāt
möge er antasten (3.Sg.Konj.) [?]
saṃkasukāc
vom Saṃkasuka (Abl., Krankheitsdämon) [?]
cara
geh (Imp.2.Sg.)
rakṣatu
soll beschützen (3.Sg.Imp.)
tvā
dich (Akk.)
dyau
der Himmel (Nom.)
rakṣatu
soll beschützen (3.Sg.Imp.)
pṛthivī
die Erde (Nom.)
sūryaś
die Sonne (Nom.)
ca
und
tvā
dich (Akk.)
rakṣatāṃ
soll beschützen (3.Sg.Imp.)
candramāś
der Mond (Nom.)
ca
und
antarikṣaṃ
der Luftraum (Nom.)
rakṣatu
beschütze (3.Sg.Imp.)
devahetyāḥ
deva 'Götter' + hetyāḥ 'Geschoss' → vor dem Geschoss der Götter (Abl.)
bodhaś ca tvā pratibodhaś ca rakṣatām asvapnaś ca tvānavadrāṇaś ca rakṣatām gopāyaṃś ca tvā jāgṛviś ca rakṣatām
Wachheit und Gegenwacht sollen dich beschützen; Schlaflosigkeit und Nichtschlummern sollen dich beschützen; der Hütende und der Wachsame sollen dich beschützen.
jīvebhyas tvā samude vāyur indro dhātā dadhātu savitā trāyamāṇaḥ mā tvā prāṇo balaṃ hāsīd asuṃ te 'nu hvayāmasi
Für die Lebenden sollen dich am Übergang [Anm.: 'samude', ungewöhnliche Form, Bedeutung unsicher] Vāyu, Indra, Dhātar, Savitar, der Beschützer, festhalten; nicht soll dich der Atem, die Kraft, verlassen; deiner Lebenskraft rufen wir nach.
mā tvā jambhaḥ saṃhanur mā tamo vidan mā jihvā barhis pramayuḥ kathā syāḥ ut tvādityā vasavo bharantūd indrāgnī svastaye
Nicht soll dich der Kiefer mit zusammengeschlagenen Zähnen ergreifen, nicht die Finsternis dich finden; [Anm.: 'jihvā barhis pramayuḥ', Satzbau unsicher] wie könnte die Zunge auf dem Opferstreu vergehen; empor sollen dich die Ādityas, die Vasus tragen, empor Indra und Agni, zum Heil.
ut tvā dyaur ut pṛthivy ut prajāpatir agrabhīt ut tvā mṛtyor oṣadhayaḥ somarājñīr apīparan
Empor hat dich der Himmel gehoben, empor die Erde, empor Prajāpati; empor über den Tod haben dich die Kräuter, die vom Soma beherrschten, hinübergeführt.
Wort für Wort
ut
empor (Präfix)
tvā
dich (Akk.)
dyaur
der Himmel (Nom.)
ut
empor (Präfix)
pṛthivy
die Erde (Nom.)
ut
empor (Präfix)
prajāpatir
Prajāpati (Nom.)
agrabhīt
hat gehoben (3.Sg.Aor.)
ut
empor (Präfix)
tvā
dich (Akk.)
mṛtyor
über den Tod (Abl.)
oṣadhayaḥ
die Kräuter (Nom.Pl.)
somarājñīr
soma 'Soma' + rājñīḥ 'herrschend' → die vom Soma beherrschten (Nom.Pl.f.)
Über den Tod habe ich dich hinübergeführt; die Lebenskraft-Spendenden sollen dich zusammen beleben; nicht sollen dich die Frauen mit aufgelöstem Haar, nicht die Unglücksweinenden beweinen.
Wort für Wort
ut
hinüber (Präfix)
tvā
dich (Akk.)
mṛtyor
über den Tod (Abl.)
apīparaṃ
habe ich hinübergeführt (1.Sg.Aor.)
saṃ
zusammen (Präfix)
dhamantu
sollen beleben (3.Pl.Imp.)
vayodhasaḥ
vayas 'Lebenskraft' + dhasaḥ 'spendend' → die Lebenskraft-Spendenden (Nom.Pl.)
mā
nicht
tvā
dich (Akk.)
vyastakeśyo
vyasta 'aufgelöst' + keśyaḥ 'haarig, Frauen' → die Frauen mit aufgelöstem Haar (Nom.Pl.)
āhārṣam avidaṃ tvā punar āgāḥ punarṇavaḥ sarvāṅga sarvaṃ te cakṣuḥ sarvam āyuś ca te 'vidam
Ich habe dich hergebracht, ich habe dich gefunden; du bist zurückgekehrt, erneuert; ganz an Gliedern bist du, dein ganzes Augenlicht, dein ganzes Leben habe ich dir wiederverschafft.
Wort für Wort
āhārṣam
ich habe hergebracht (1.Sg.Aor.)
avidaṃ
ich habe gefunden (1.Sg.Aor.)
tvā
dich (Akk.)
punar
zurück
āgāḥ
du bist gekommen (2.Sg.Aor.)
punarṇavaḥ
punar 'wieder' + navaḥ 'neu' → erneuert (Nom.)
sarvāṅga
sarva 'ganz' + aṅga 'Glied' → o Ganzgliedriger (Vok.)