kutas tau jātau katamaḥ so ardhaḥ kasmāl lokāt katamasyāḥ pṛthivyāḥ vatsau virājaḥ salilād ud aitāṃ tau tvā pṛchāmi katareṇa dugdhā
Woher sind die beiden geboren? Welche ist jene Hälfte? Aus welcher Welt, von welcher Erde? Die beiden Kälber der Virāj sind aus dem Wasser hervorgetreten – ich frage dich: durch welches von beiden wurde sie gemolken?
yo akrandayat salilaṃ mahitvā yoniṃ kṛtvā tribhujaṃ śayānaḥ vatsaḥ kāmadugho virājaḥ sa guhā cakre tanvaḥ parācaiḥ
Der das Wasser mit seiner Größe erschallen ließ, der, in einem dreifach gebogenen Schoß liegend – das wunscherfüllende Kalb der Virāj – er hat seinen Leib verborgen, ferngerückt.
Wort für Wort
yo
der (Rel.Pron.Nom.Sg.)
akrandayat
erschallen ließ (Kaus.Impf.3Sg.)
salilaṃ
das Wasser (Akk.Sg.)
mahitvā
mit seiner Größe (Instr.Sg.)
yoniṃ
Schoß (Akk.Sg.)
kṛtvā
gemacht habend (Ger.)
tribhujaṃ
dreifach gebogen (Akk.Sg.)
śayānaḥ
liegend (Nom.Sg.Ptz.)
vatsaḥ
das Kalb (Nom.Sg.)
kāmadugho
kāma 'Wunsch' + dugha 'melkend, erfüllend' → das wunscherfüllende (Nom.Sg.)
Die drei großen Dinge, deren viertes die Rede in Bewegung setzt [Anm.: Bezug der „drei Großen“ ist eine berühmte Crux der Rätselhymne, evtl. kosmische Grundmächte oder Versmaße] – das soll der weise Kenner durch Askese als Brahman erkennen: worin das Eine sich fügt, worin das Eine ist.
Von der Bṛhat her, aus dem sechsten [Anm.: Bezug von „sechstem“ unklar], sind die fünf Sāmans gebildet; das Bṛhat ist aus der Bṛhatī gebildet – woraus aber ist die Bṛhatī gemessen?
bṛhatī pari mātrāyā mātur mātrādhi nirmitā māyā ha jajñe māyāyā māyāyā mātalī pari
Die Bṛhatī ist aus dem Maß gebildet, das Maß aus dem Maß der Mutter; die Māyā (die Schöpferkraft) ist ja aus der Māyā geboren, aus der Māyā stammt die „Messende“ [Anm.: mātalī hier eher fem. Nomen „Messerin“ im Wortspiel mit mātrā/māyā als der Wagenlenker-Name Mātali].
vaiśvānarasya pratimopari dyaur yāvad rodasī vibabādhe agniḥ tataḥ ṣaṣṭhād āmuto yanti stomā ud ito yanty abhi ṣaṣṭham ahnaḥ
Über das Abbild des Vaiśvānara hinaus reicht der Himmel; so weit wie beide Welten hat Agni sich ausgebreitet. Von jenem sechsten Ort her kommen von dorther die Lobgesänge, von hier gehen sie hinauf zum sechsten Teil des Tages. [Anm.: einer der dunkelsten Verse der Rätselhymne, Übersetzung im Einzelnen unsicher]
ṣaṭ tvā pṛchāma ṛṣayaḥ kaśyapeme tvaṃ hi yuktaṃ yuyukṣe yogyaṃ ca virājam āhur brahmaṇaḥ pitaraṃ tāṃ no vi dhehi yatidhā sakhibhyaḥ
Sechs Ṛṣis, wir hier, fragen dich, o Kaśyapa; du hast ja das Verbundene verbunden und was zu verbinden ist; die Virāj nennen sie den Vater des Brahman – teile sie uns zu, wie oft auch, unter den Gefährten.
Die, wenn sie sich bewegt, dass die Opfer ihr nachfolgen, wenn sie herantritt, dass sie herantreten – in deren Gebot und Antrieb das Heilige sich regt – das ist die Virāj, ihr Ṛṣis, im höchsten Weltenraum.
aprāṇaiti prāṇena prāṇatīnāṃ virāṭ svarājam abhy eti paścāt viśvaṃ mṛśantīm abhirūpāṃ virājaṃ paśyanti tve na tve paśyanty enām
Ohne zu atmen geht sie mit dem Atem der Atmenden – die Virāj tritt der Selbstherrscherin von hinten entgegen [Anm.: Vers zählt zu den obskursten der Hymne, Deutung im Einzelnen unsicher]. Die alles Betastende, Schöngestaltige, die Virāj – manche sehen sie, manche sehen sie nicht.
Wort für Wort
aprāṇaiti
ohne zu atmen geht sie (Verneinung+Präs.3Sg., Sandhi)
ko virājo mithunatvaṃ pra veda ka ṛtūn ka u kalpam asyāḥ kramān ko asyāḥ katidhā vidugdhān ko asyā dhāma katidhā vyuṣṭīḥ ||10|| {22}
Wer kennt der Virāj Paarung? Wer die Jahreszeiten, wer ihre Ordnung? Wer kennt ihre Schritte? Wie oft ist sie gemolken worden? Wer kennt ihre Wohnstätte, wie oft ihr Aufleuchten?
Eben diese ist es, die als erste aufleuchtete; in die anderen eingegangen, wandelt sie fort. Große Größen sind in ihr enthalten; die Braut hat gesiegt, die immer neu Gebärende, die Erzeugerin.
Auf dem Flügel des Versmaßes, die beiden schmückenden Morgenröten, sollen wir demselben Schoß entlang zusammengehen; die Sonnengattin, die kundigen, mit Erkenntniszeichen versehenen, unalternden, mit reichlichem Samen, gehen zusammen [Anm.: syntaktisch schwieriger Vers, Bezüge der Attribute unsicher].
Wort für Wort
chandaḥpakṣe
chandas 'Versmaß' + pakṣa 'Flügel' → auf dem Flügel des Versmaßes (Lok.Sg.)
uṣasā
die beiden Morgenröten (Nom.Du.)
pepiśāne
die schmückenden (Nom.Du.Ptz.)
samānaṃ
denselben (Akk.Sg.)
yonim
Schoß (Akk.Sg.)
anu
entlang
saṃ
zusammen (Präverb)
careme
sollen wir gehen (Opt.1Pl.)
sūryapatnī
sūrya 'Sonne' + patnī 'Gattin' → die Sonnengattin (Nom.Du.)
saṃ
zusammen (Präverb)
carataḥ
gehen sie beide (Präs.3Du.)
prajānatī
die kundigen (Nom.Du.f.)
ketumatī
mit Erkenntniszeichen versehenen (Nom.Du.f.)
ajare
unalternden (Nom.Du.f.)
bhūriretasā
bhūri 'reichlich' + retas 'Same' → mit reichlichem Samen (Nom.Du.f.)
ṛtasya panthām anu tisra āgus trayo gharmā anu reta āguḥ prajām ekā jinvaty ūrjam ekā rāṣṭram ekā rakṣati devayūnām
Dem Pfad der Wahrheits-Ordnung entlang kamen drei; dem Samen entlang kamen drei Gharma-Kessel. Die eine belebt die Nachkommenschaft, die eine die Kraft, die eine schützt das Reich der Gottesnahen.
Agni und Soma setzten sie ein, die die vierte war, des Opfers beide Flügel – die Ṛṣis, die den Ritus ordnend, die Gāyatrī, Triṣṭubh, Jagatī, Anuṣṭubh, die große, gesangreiche, die dem Opferer das Himmelslicht herbeibringt.
pañca vyuṣṭīr anu pañca dohā gāṃ pañcanāmnīm ṛtavo 'nu pañca pañca diśaḥ pañcadaśena kḷptās tā ekamūrdhnīr abhi lokam ekam
Fünf Aufleuchten entsprechend, fünf Melkungen, die Kuh mit fünf Namen; entsprechend den Jahreszeiten fünf, fünf Himmelsrichtungen – mit dem Fünfzehnfachen sind sie geordnet, einhäuptig, hin zu der einen Welt.
Wort für Wort
pañca
fünf
vyuṣṭīr
Aufleuchten (Akk.Pl.)
anu
entsprechend
pañca
fünf
dohā
Melkungen (Akk.Pl.)
gāṃ
die Kuh (Akk.Sg.)
pañcanāmnīm
pañca 'fünf' + nāman 'Name' → mit fünf Namen (Akk.Sg.)
ṣaṭ jātā bhūtā prathamajā ṛtasya ṣaṭ u sāmāni ṣaṭahaṃ vahanti ṣaṭyogaṃ sīram anu sāmasāma ṣaṭ āhur dyāvāpṛthivīḥ ṣaṭ urvīḥ
Sechs geboren, entstanden, erstgeboren der Wahrheits-Ordnung, auch sechs Sāmans; sechs Tage lang ziehen sie den sechsspännigen Pflug, jedem Sāman entsprechend; sechs, sagt man, sind Himmel und Erde, sechs die weiten Räume.
Wort für Wort
ṣaṭ
sechs
jātā
geboren (Nom.Pl.n.Ptz.)
bhūtā
entstanden (Nom.Pl.n.Ptz.)
prathamajā
erstgeboren (Nom.Pl.n.)
ṛtasya
der Wahrheits-Ordnung (Gen.Sg.)
ṣaṭ
sechs
u
auch
sāmāni
Sāmans (Nom.Pl.)
ṣaṭahaṃ
sechs Tage lang (Akk.Sg., Adv.)
vahanti
ziehen (Präs.3Pl.)
ṣaṭyogaṃ
ṣaṭ 'sechs' + yoga 'Gespann' → den sechsspännigen (Akk.Sg.)
ṣaḍ āhuḥ śītān ṣaḍ u māsa uṣṇān ṛtuṃ no brūta yatamo 'tiriktaḥ sapta suparṇāḥ kavayo ni ṣeduḥ sapta chandāṃsy anu sapta dīkṣāḥ
Sechs Monate, sagt man, sind kalt, sechs auch heiß – sagt uns, welche Jahreszeit die übrige ist. Sieben schönfedrige Seher-Vögel haben sich niedergelassen; sieben Versmaße, entsprechend sieben Weihen.
sapta homāḥ samidho ha sapta madhūni sapta ṛtavo ha sapta saptājyāni pari bhūtam āyan tāḥ saptagṛdhrā iti śuśrumā vayam
Sieben Opferspenden, sieben Brennhölzer, sieben Süßigkeiten, sieben Jahreszeiten, sieben, siebenfach die Schmelzbutter-Spenden – sie umschritten das Seiende; 'die sieben Geier', so haben wir gehört.
Sieben Versmaße, je um vier Silben zunehmend, sind eines ins andere gefügt – wie stehen die Lobgesänge in ihnen fest, wie sind jene in diesen Lobgesängen eingefügt?
Wort für Wort
sapta
sieben
chandāṃsi
Versmaße (Nom.Pl.)
caturuttarāṇy
catur 'vier' + uttara 'zunehmend' → je um vier zunehmend (Nom.Pl.n.)
Wie erlangte die Gāyatrī das Dreifache? Wie fügt sich die Triṣṭubh mit dem Fünfzehnfachen? Mit dem Dreiunddreißigfachen die Jagatī, wie die Anuṣṭubh, wie das Einundzwanzigfache?
aṣṭa jātā bhūtā prathamajā ṛtasyāṣṭendra ṛtvijo daivyā ye aṣṭayonir aditir aṣṭaputrāstamīṃ rātrim abhi havyam eti
Acht geboren, entstanden, erstgeboren der Wahrheits-Ordnung; acht sind, Indra, die göttlichen Opferpriester; die achtschößige Aditi mit acht Söhnen – zur achten Nacht hin geht die Opferspende.
Wort für Wort
aṣṭa
acht
jātā
geboren (Nom.Pl.n.Ptz.)
bhūtā
entstanden (Nom.Pl.n.Ptz.)
prathamajā
erstgeboren (Nom.Pl.n.)
ṛtasyāṣṭendra
der Wahrheits-Ordnung, acht, o Indra (Gen.Sg.+Nom.Pl.+Vok.Sg., Sandhi)
ṛtvijo
Opferpriester (Nom.Pl.)
daivyā
göttliche (Nom.Pl.)
ye
welche (Rel.Pron.Nom.Pl.)
aṣṭayonir
aṣṭa 'acht' + yoni 'Schoß, Ursprung' → die achtschößige (Nom.Sg.f.)
aditir
Aditi (Göttin, Nom.Sg.)
aṣṭaputrāstamīṃ
mit acht Söhnen, zur achten (Nom.Sg.+Akk.Sg., Sandhi)
itthaṃ śreyo manyamānedam āgamaṃ yuṣmākaṃ sakhye aham asmi śevā samānajanmā kratur asti vaḥ śivaḥ sa vaḥ sarvāḥ saṃ carati prajānan
So, das Bessere denkend, bin ich hierher gekommen; in eurer Freundschaft bin ich froh, von gleicher Geburt; euer Wille ist heilvoll – dieser durchwandert euch alle, kundig.
Wort für Wort
itthaṃ
so
śreyo
das Bessere (Akk.Sg.)
manyamānedam
denkend, dies (Nom.Sg.Ptz.+Akk.Sg., Sandhi)
āgamaṃ
bin ich gekommen (Aor.1Sg.)
yuṣmākaṃ
eurer (Gen.Pl.)
sakhye
in der Freundschaft (Lok.Sg.)
aham
ich (Nom.Sg.)
asmi
bin (Präs.1Sg.)
śevā
froh (Nom.Sg.f.)
samānajanmā
samāna 'gleich' + janman 'Geburt' → von gleicher Geburt (Nom.Sg.)
aṣṭendrasya ṣaḍ yamasya ṛṣīṇāṃ sapta saptadhā apo manuṣyān oṣadhīs tāṃ u pañcānu secire
Acht dem Indra, sechs dem Yama, sieben, siebenfach den Ṛṣis zugehörig – die Wasser, die Menschen, die Pflanzen – die haben sie ihr fünffach zugegossen.
Ganz allein für Indra hat die junge Kuh gemolken, den Vaśā-Trank, zuerst die Biestmilch gebend; dann hat sie die vier Gruppen, viergeteilt, gesättigt: Götter, Menschen, Asuras und Ṛṣis.
Wort für Wort
kevalīndrāya
ganz allein für Indra (Adv.+Dat.Sg., Sandhi)
duduhe
hat gemolken (Perf.3Sg.Med.)
hi
ja
gṛṣṭir
die junge Kuh (Nom.Sg.)
vaśam
den Vaśā-Trank (Akk.Sg.)
pīyūṣaṃ
die Biestmilch (Akk.Sg.)
prathamaṃ
zuerst (Adv.)
duhānā
gebend (Nom.Sg.f.Ptz.)
athātarpayac
dann hat sie gesättigt (Adv.+Kaus.Impf.3Sg., Sandhi)
ko nu gauḥ ka ekaṛṣiḥ kim u dhāma kā āśiṣaḥ yakṣam pṛthivyām ekavṛd ekartuḥ katamo nu saḥ
Wer nun ist die Kuh, wer der Einzel-Ṛṣi, was die Wohnstätte, was die Segenswünsche? Das Heilige auf der Erde, allein wachsend, allein wirkend – wer nun ist das?
Wort für Wort
ko
wer (Nom.Sg.)
nu
nun
gauḥ
die Kuh (Nom.Sg.)
ka
wer (Nom.Sg.)
ekaṛṣiḥ
eka 'ein' + ṛṣi 'Seher' → der Einzel-Ṛṣi (Nom.Sg.)
Eins die Kuh, eins der Einzel-Ṛṣi, eine Wohnstätte, einfach die Segenswünsche – das Heilige auf der Erde, allein wachsend, allein wirkend, bleibt ungeteilt.
Wort für Wort
eko
eins (Nom.Sg.)
gaur
die Kuh (Nom.Sg.)
eka
eins (Nom.Sg.)
ekaṛṣir
eka 'ein' + ṛṣi 'Seher' → der Einzel-Ṛṣi (Nom.Sg.)
ekaṃ
eine (Nom.Sg.)
dhāmaikadhāśiṣaḥ
Wohnstätte, einfach die Segenswünsche (Nom.Sg.+Nom.Pl., Sandhi)