Dieser Prapāṭhaka besteht fast nur aus Mantras für das Schichten und Verehren des Feueraltars (Agnicayana) und verwandte Feuerhandlungen: Vāja-Sprüche um Gewinn und Speise, die Gandharva-Apsaras-Litanei für Brahman und Kṣatra, Sprüche zum Aufstieg des Feuers wie eines Vogels in die Himmelswelt, Segens- und Stärkungsverse für den Feuergott zugunsten des Königtums sowie am Ende eine Āprī-Reihe (Voropfergebete). Der Text ist reine Mantra-Sammlung ohne Brāhmaṇa-Erläuterung; einzelne Verse sind stark verkürzt oder verderbt überliefert (z. B. 2,12.4#9), was jeweils vermerkt ist.
Alle Maruts sollen heute unser sein, alle mit ihrer Hilfe, alle Feuer sollen entzündet sein; alle Götter sind hierher zu unserer Hilfe gekommen. Alles Gut soll uns gehören, (uns) die Stärke des Sieges.
Mein sei die Siegeskraft, (mein) die sieben Himmelsrichtungen und die vier fernen (Weiten). Die Siegeskraft soll mich mit allen Göttern hier beim Gewinnen von Gütern fördern.
vājaḥ purastād uta madhyato no vājo devān ṛtubhiḥ kalpayāti / vājasya hi prasave nannamīti viśva āśā vājapatir bhaveyam //
Die Siegeskraft (sei) vorn und mitten bei uns; die Siegeskraft wird die Götter mit den Jahreszeiten in Ordnung bringen. Denn im Antrieb der Siegeskraft neigt sich alles; alle Weltgegenden möchte ich als Herr der Siegeskraft besitzen.
vājo me adya prasuvāti dānaṃ vājo devān haviṣā vardhayāti / vājo hi mā sarvavīraṃ cakāra sarvā āśā vājapatir jayeyam //
Die Siegeskraft soll mir heute die Gabe antreiben; die Siegeskraft soll die Götter mit der Opfergabe stärken. Denn die Siegeskraft hat mich mit allen Männern (Söhnen) versehen; alle Weltgegenden möchte ich als Herr der Siegeskraft erobern.
Ich verbinde mich mit der Milch der Erde, ich verbinde mich mit den Wassern und den Pflanzen. So möchte ich, der ich (dies bin), die Siegeskraft gewinnen, o Agni.
ṛtāṣāḍ ṛtadhāmāgnir gandharvas tasyauṣadhayo 'psaraso mudā nāma sa na idaṃ brahma kṣatraṃ pātu tā na idaṃ brahma kṣatraṃ pāntu tasmai svāhā vaṭ tābhyaḥ svāhā vaṭ saṃhito viśvasāmā sūryo gandharvas tasya marīcayo 'psarasa āyuvo nāma suṣumṇaḥ sūryaraśmiś candramā gandharvas tasya nakṣatrāṇy apsaraso bekurayo nāmeṣiro viśvavyacā vāto gandharvas tasyāpo 'psarasā ūrjo nāma bhujī suparṇo yajño gandharvas tasya dakṣiṇā apsarasā eṣṭayo nāma bṛhaspatir viśvakarmendro gandharvas tasya maruto 'psarasā ojo nāma prajāpatiḥ parameṣṭhī mano gandharvas tasya ṛksāmāṇy apsarasaḥ stavā nāmāmṛḍayo dūrehetir mṛtyur gandharvas tasya prajā apsaraso bhīravo nāma sa no bhuvanasya pate yasya ta upari gṛhā virāṭpate 'smai brahmaṇe 'smai kṣatrāya mahi śarma yacha yasya te viśvā āśā apsarasaḥ plīyā nāma sa na idaṃ brahma kṣatraṃ pātu tā na idaṃ brahma kṣatraṃ pāntu tasmai svāhā vaṭ tābhyaḥ svāhā vaṭ
Ṛtāṣāḍ (der Wahrheit-Bezwinger), Ṛtadhāman (dessen Sitz die Wahrheit ist) – Agni ist der Gandharva; seine Apsarasen sind die Pflanzen, „Mudā“ (Freuden) mit Namen. Er soll uns dieses Brahman und Kṣatra (die Priester- und die Kriegerkraft) schützen; sie sollen uns dieses Brahman und Kṣatra schützen. Ihm svāhā, vaṭ; ihnen svāhā, vaṭ. Saṃhita (der Vereinte), Viśvasāman (der Allsāman-hafte) – Sūrya ist der Gandharva; seine Apsarasen sind die Strahlen, „Āyuvaḥ“ mit Namen. Suṣumṇa (der Wohlgnädige [?]), Sūryaraśmi (der Sonnenstrahl) – der Mond ist der Gandharva; seine Apsarasen sind die Mondhäuser (Nakṣatra), „Bekurayaḥ“ mit Namen. Iṣira (der Rüstige), Viśvavyacas (der Allumfassende) – der Wind ist der Gandharva; seine Apsarasen sind die Wasser, „Ūrjaḥ“ (Kräfte) mit Namen. Bhujyu (der Genießende), Suparṇa (der Schönbeschwingte) – das Opfer ist der Gandharva; seine Apsarasen sind die Opferlöhne (Dakṣiṇā), „Eṣṭayaḥ“ mit Namen. Bṛhaspati (und) Viśvakarman (der Allschaffende) – Indra ist der Gandharva [Anm.: die Zuordnung der beiden ersten Namen ist im Text unsicher]; seine Apsarasen sind die Maruts, „Ojaḥ“ (Stärke) mit Namen. Prajāpati (und) Parameṣṭhin (der im Höchsten Stehende) – der Geist (Manas) ist der Gandharva; seine Apsarasen sind die Ṛc- und Sāman-Verse, „Stavāḥ“ (Lobgesänge) mit Namen. Amṛḍaya (der Erbarmungslose), Dūrehetī (der weithin Schleudernde) – der Tod ist der Gandharva; seine Apsarasen sind die Geschöpfe, „Bhīravaḥ“ (die Furchtsamen) mit Namen. Du (bist) unser Herr des Weltganzen, dessen Häuser oben sind, o Herr der Virāj: Gewähre diesem Brahman, diesem Kṣatra weiten Schutz. Dessen Apsarasen alle deine Himmelsgegenden sind, „Plīyā“ [?] mit Namen – er soll uns dieses Brahman und Kṣatra schützen; sie sollen uns dieses Brahman und Kṣatra schützen. Ihm svāhā, vaṭ; ihnen svāhā, vaṭ.
Ein Meer bist du, wolkenreich, mit feuchtem Tropfen (?), Heilbringer, Wohlbringer: Wehe zu mir her, svāhā. Ein Hilfesuchender bist du, ehrfurchtsvoll, Heilbringer, Wohlbringer: Wehe zu mir her, svāhā. Ein Marutischer bist du, Schar der Maruts, Heilbringer, Wohlbringer: Wehe zu mir her, svāhā. Einträchtig mit den Wolken-Gebern (?), mit den Lebendigen; einträchtig die Morgenröte mit den Rötlichen; einträchtig die beiden Aśvin mit ihren Wundertaten; einträchtig die Sonnen mit dem Etaśa (Sonnenross); einträchtig Vaiśvānara mit Iḍā und Butter – svāhā.
agniṃ yunajmi śavasā ghṛtena divyaṃ suparṇaṃ vayasaṃ bṛhantam / tena vayaṃ patema bradhnasya viṣṭapaṃ svo ruhāṇā adhi nāka uttame //
Agni schirre ich an mit Kraft und Butter, den himmlischen Schönbeschwingten, den Vogel, den Großen. Mit ihm wollen wir fliegen zum Gipfel des Rötlichen (der Sonne), aufsteigend zum Himmelsgewölbe im höchsten Firmament.
Dies sind deine beiden Flügel, unaltrig, beflügelt, mit denen du die Rakṣas vertreibst, o Agni. Mit ihnen wollen wir fliegen zur Welt der Wohlgetanen, wohin die ersten Ṛṣis gegangen sind, die alten.
Der Tropfen (Soma), der Geschickte, der Falke, der Wahrheitsgemäße, der Goldgeflügelte, der Vogel, der Rege; im Sitzplatz sitzt er groß und fest. Verehrung sei dir: tu mir nichts zuleide.
Du bist das Haupt des Himmels, der Nabel der Erde, die Kraft der Wasser und der Pflanzen. Vollständiges Leben, Schutz, mit weiter Ausdehnung: Verehrung dem Pfad! Du stehst auf dem Haupt des Alls, an ihm Zuflucht nehmend (?).
samudre te hṛdayam antar āyur apo dattodadhiṃ bhinta / divaḥ parjanyād antarikṣāt pṛthivyās tato no vṛṣṭyāvata //
Im Meer ist dein Herz, im Innern das Leben. Ihr Wasser, gebt (uns) (Lebenskraft); durchbrecht das Wasserreservoir. Aus dem Himmel, aus dem Regengott, aus dem Luftraum, von der Erde – von dort aus fördert uns mit Regen.
vi te muñcāmi raśanāṃ vi raśmīn vi yoktrāṇi paricartanāni / dhattād asmabhyaṃ draviṇeha bhadraṃ pra mā brūtād bhāgadāṃ devatāsu //
Ich löse deinen Zügel, ich löse die Strahlen, ich löse die Riemen, die Umwickelungen. Gib uns hier Gutes, Reichtum; verkünde mich unter den Göttern als Teilhaber (Spender von Anteilen).
Geopfert ist das Opfer durch die Bhṛgus, Gutgeber, das Segen-Gebende durch die Yatis, mit den Vasus. Geopfert ist Agni, angerufen; er soll uns füllen. Geopfert ist die Opfergabe: svagā (Heil!). Den Göttern Verehrung. [Anm.: Lesart yattibhir statt yatibhir laut Fußnote der Ausgabe.]
Durch welche Glut die Ṛṣis die Opfersitzung hielten, Agni entflammend und den Himmel herbeitragend, den die Manus den mit ausgebreitetem Barhis (Opfergras) Versehenen nennen – in ihn, im Firmament, setze ich Agni nieder.
Ihm wollen wir Götter folgen mit den Gattinnen, mit Söhnen, Brüdern oder auch mit Gold, das Firmament ergreifend in der Welt des Wohlgetanen, im dritten Rücken, im Lichtraum des Himmels.
Er ist auf die Mitte der Rede (Vāc) gestiegen, der Rege, dieser Agni, der Herr der Guten, der Wache. Auf den Rücken der Erde gelegt hat er geblitzt; er soll die, die Kampfeslust haben, unter die Füße bringen.
Dieser Agni, der männlichste, Lebenskraft-Geber, tausendfach, soll leuchten, unermüdlich. Strahlend aus der Mitte des Wassers, komm heran zu den himmlischen Stätten.
agne cyavasva sam anu prayāhy āviṣ patho devayānān kṛṇuṣva / idamidaṃ sukṛtam ārabhasva yatrā ṛṣayo jagmuḥ prathamā ye purāṇāḥ //
Agni, brich auf, geh hinterher; mach die zu den Göttern führenden Wege sichtbar. Ergreife dies und jenes Wohlgetane, wohin die Ṛṣis gegangen sind, die ersten, die alten.
Brecht auf, geht zusammen heran; macht die zu den Göttern führenden Wege sichtbar. Mit diesen Wohltaten wollen wir, ihr Götter, hingelangen, wo unsere früheren Väter hingegangen sind.
udbudhyasvāgne pratijāgṛhy enam iṣṭāpūrte saṃsṛjethām ayaṃ ca / punaḥ kṛṇvantaḥ pitaro yuvāno 'nvātāṃsus tava tantum etam //
Erwache, Agni; wache über diesen. Ihr beiden, Ișṭa und Pūrta (Opfer und fromme Werke), verbindet euch, und dieser (Yajamāna). Die jungen Väter, (alles) wieder herrichtend, haben diesen deinen Faden fortgesponnen.
Die Jahreszeiten sollen dich stärken, Agni, die Jahre, die Ṛṣis, die wahren; entflamme dich mit himmlischem Lichtglanz, leuchte über alle vier Himmelsrichtungen hin.
saṃ cedhyasvāgne pra ca bodhayainam uc ca tiṣṭha mahate saubhagāya / mā ca riṣad upasattā te agne brahmāṇas te yaśasaḥ santu mānye //
Entflamme dich, Agni, und erwecke diesen (Yajamāna); steh auf zu großem Glück. Möge dein Verehrer keinen Schaden nehmen, Agni; deine Brahmanen sollen ruhmreich sein, o Verehrungswürdiger.
tvām agne vṛṇate brāhmaṇā ime śivo agne saṃvaraṇe bhavā naḥ / sapatnahāgne abhimātijid bhava sve gaye jāgṛhy aprayuchan //
Dich, Agni, wählen diese Brahmanen; sei uns gnädig, Agni, beim Einschluss (Wahl). Sei Feindtöter, Agni, Bezwinger der Gegner; wache unermüdlich in deinem eigenen Hausstand.
Nur hier, Agni, halte Reichtum fest; die Übeltäter sollen dich nicht bei der Vorbedacht (?) niederwerfen. Das Kṣatra sei dir, Agni, wohlgelenkt; dein Verehrer soll wachsen, unbezwungen.
Mit eigener Kṣatra-Macht, Agni, fasse zu; mit Mitra, Agni, bemühe dich in der Mitra-Freundschaft; um unter den Stammverwandten der Mittlere-Stehende zu sein, der Rājas, Agni, leuchte hier, du Anzurufender.
ati niho ati sṛdho aty acittim ati nirṛtim adya / viśvā hy agne duritā tara tvam athāsmabhyaṃ sahavīraṃ rayiṃ dāḥ //
Über Feindseligkeit hinweg, über Gegner hinweg, über Unverstand hinweg, über Nirṛti (Verderben) hinweg heute: Denn alle Übel, Agni, überwinde du; und dann gib uns Reichtum mit Männern (Helden).
Unbezwingbar, Jātavedas, unbesiegt, Virāj, Agni, das Kṣatra tragend, leuchte hier. Die Krankheiten der Menschen lösend, beschütze uns heute mit gnädigen (Hilfen) zum Gedeihen.
Bṛhaspati, Savitṛ, erwecke diesen; den Angeschärften schärfe noch weiter; lass ihn zu großem Glück wachsen, und alle Götter sollen sich an ihm erfreuen.
Drüben soll er sein, und dann, o Bṛhaspati, hast du (ihn) von Yamas Fluch befreit. Die beiden Aśvin, die Ärzte der Götter, o Agni, sollen mit ihren Kräften den Tod von diesem abwehren.
īḍāno vahnir namasāgniṃ sruco adhvareṣu prayatsu / sa yakṣad asya mahimānam agneḥ / sa īṃ mandrā suprayasā starīman / barhiṣo mitramahāḥ / vasuś cetiṣṭho vasudhātamaś ca //
Angerufen, der Fahrer, mit Verehrung Agni, (mit) den Opferlöffeln, bei den fortlaufenden Opfern; er soll die Größe dieses Agni verehren. Er möge (ihn) mit den Freudigen, gut Genährten am Barhis-Lager (erfreuen), der Freundesgroße, der hellste Erkennende und der reichste Güterverleiher.