Quellen der Menschheit

Maitrāyaṇī-Saṃhitā · Kāṇḍa 2

Prapāṭhaka 9

Dieser Prapāṭhaka enthält die Rudra-Litanei (Śatarudrīya) nebst einem vorangestellten Anrufungsteil und einem Entlassungsteil: Rudra-Śarva wird herbeigerufen, mit Verneigungen gepriesen, seine Waffen werden abgewandt und seine Scharen in die Ferne gebannt, am Ende wird er entlassen. Der Text (Anuvāka 1 und 10 sowie mehrere Verse in 9) ist deutlich jünger als der Kern und trägt puranische Züge (Gāyatrī-artige Anrufungen an Skanda, Gaṇeśa, Brahmā, Viṣṇu usw.). Die Namenlisten in den Anuvākas 3–8 sind teils dunkel; unsichere Deutungen sind mit [?] markiert.

ā tvā vahantu harayaḥ sucetasaḥ śvetair aśvair iha ketumadbhiḥ / vātajavair balavadbhir manojavair asmin yajñe mama havyāya śarva //

Es sollen dich herfahren die Falben, wohlgesinnten, mit weißen Rossen hier, die Banner tragen, windschnell, kraftvoll, gedankenschnell – zu diesem Opfer, zu meiner Opfergabe, Śarva.

devānāṃ ca ṛṣīṇāṃ cāsurāṇāṃ ca pūrvajam / mahādevaṃ sahasrākṣaṃ śivam āvāhayāmy aham //

Den Erstgeborenen der Götter, der Seher und der Asuras, den Mahādeva, den Tausendäugigen, den Gütigen (Śiva) rufe ich herbei.

tat puruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi / tan no rudraḥ pracodayāt //

Diesen Puruṣa wollen wir erkennen, auf Mahādeva wollen wir sinnen; das soll uns Rudra antreiben.

tad gāṅgaucyāya vidmahe girisutāya dhīmahi / tan no gaurī pracodayāt //

Jenen wollen wir erkennen als den Gāṅgaucya [?], auf den Bergsohn wollen wir sinnen [Anm.: girisuta ist hier grammatisch maskulin; gemeint ist wohl die Bergtochter Gaurī]; das soll uns Gaurī antreiben.

tat kumārāya vidmahe kārttikeyāya dhīmahi / tan naḥ skandaḥ pracodayāt //

Jenen wollen wir erkennen als den Kumāra (Knaben), auf den Kārttikeya wollen wir sinnen; das soll uns Skanda antreiben.

tat karāṭāya vidmahe hastimukhāya dhīmahi / tan no dantī pracodayāt //

Jenen wollen wir erkennen als den Karāṭa [?], auf den Elefantengesichtigen wollen wir sinnen; das soll uns der Gezahnte (Dantin) antreiben.

tac caturmukhāya vidmahe padmāsanāya dhīmahi / tan no brahmā pracodayāt //

Jenen wollen wir erkennen als den Vierköpfigen, auf den Lotossitzenden wollen wir sinnen; das soll uns Brahmā antreiben.

tat keśavāya vidmahe nārāyaṇāya dhīmahi / tan no viṣṇuḥ pracodayat //

Jenen wollen wir erkennen als Keśava, auf Nārāyaṇa wollen wir sinnen; das soll uns Viṣṇu antreiben.

tad bhāskarāya vidmahe prabhākarāya dhīmahi / tan no bhānuḥ pracodayāt //

Jenen wollen wir erkennen als den Lichtmacher (Bhāskara), auf den Strahlenspender (Prabhākara) wollen wir sinnen; das soll uns Bhānu (die Sonne) antreiben.

tat somarājāya vidmahe mahārājāya dhīmahi / tan naś candraḥ pracodayāt //

Jenen wollen wir erkennen als den Königssoma, auf den Großkönig wollen wir sinnen; das soll uns Candra (der Mond) antreiben.

taj jvalanāya vidmahe vaiśvānarāya dhīmahi / tan no vahniḥ pracodayāt //

Jenen wollen wir erkennen als den Flammenden (Jvalana), auf Vaiśvānara wollen wir sinnen; das soll uns Vahni (das Feuer) antreiben.

tat tyajapāya vidmahe mahājapāya dhīmahi / tan no dhyānaḥ pracodayāt //

Jenen wollen wir erkennen als den Tyajapa [?], auf den Großen Murmler (Mahājapa) wollen wir sinnen; das soll uns Dhyāna (die Versenkung) antreiben.

tat paramātmāya vidmahe vainateyāya dhīmahi / tan naḥ sṛṣṭiḥ pracodayāt

Jenen wollen wir erkennen als den Paramātman (Höchsten Selbst), auf den Sohn der Vinatā (Garuḍa) wollen wir sinnen; das soll uns Sṛṣṭi (die Schöpfung) antreiben.

namas te rudra manyava uto tā iṣave namaḥ / namas te astu dhanvane bāhubhyām uta te namaḥ //

Verehrung deinem Zorn, Rudra, und diesem deinem Pfeil Verehrung; Verehrung sei deinem Bogen, und deinen beiden Armen Verehrung.

yā te rudra śivā tanūr aghorāpāpakāśinī / tayā nas tanvā śaṃtamayā giriśantābhicākaśīhi //

Deine glückverheißende Gestalt, Rudra, die nicht schreckliche, die nichts Übles offenbart – mit dieser heilsamsten Gestalt blicke uns an, Giriśanta (Bergbewohner, der Berge Beruhigende).

yām iṣuṃ giriśanta haste bibharṣy astave / śivāṃ giriśa tāṃ kuru mā hiṃsīḥ puruṣaṃ jagat //

Den Pfeil, den du, Giriśanta, in der Hand trägst, um ihn zu schleudern, mache ihn gütig, Giriśa (Bergherr); verletze nicht Mensch noch Welt.

śivena vacasā tvā giriśāchā vadāmasi / yathā naḥ sarvā ij janaḥ saṃgame sumanā asat //

Mit gütigem Wort, Giriśa, sprechen wir dich an, damit alle unsere Leute bei der Zusammenkunft wohlgesinnt seien.

adhyavocad adhivaktā prathamo daivyo bhiṣak / ahīṃś ca sarvān jambhayant sarvāś ca yātudhānyo 'dharācīḥ parāsuva //

Er sprach für uns ein, der erste Fürsprecher, der göttliche Arzt; und alle Schlangen zermalmend und alle Yātudhānī-Dämoninnen treibe abwärts gewandt fort.

asau yas tāmro aruṇa uta babhruḥ sumaṅgalaḥ / ye ceme abhito rudrā dikṣu śritāḥ sahasraśo 'vaiṣāṃ heḍa īmahe //

Der dort, der kupferrot ist, rötlich und auch braun, sehr glückbringend; und diese Rudras, die ringsum in den Himmelsrichtungen zu Tausenden weilen – ihren Groll bitten wir weg (avaiṣāṃ heḍa īmahe).

asau yo 'vasarpati nīlagrīvo vilohitaḥ / utainaṃ gopā adṛśrann utainam udahāryaḥ / utainaṃ viśvā bhūtāni sa dṛṣṭo mṛḍayātu naḥ //

Der dort herabsteigt, der Blaunackige, Rotgestreifte: ihn sahen die Kuhhirten, ihn sahen die Wasserträgerinnen, ihn sahen alle Wesen; er, der Gesehene, sei uns gnädig.

namo nīlakapardāya sahasrākṣāya mīḍhuṣe / atho ye asya satvāna idaṃ tebhyo 'karaṃ namaḥ //

Verehrung dem Blauzopfigen, dem Tausendäugigen, dem Spender (Mīḍhvas); und ferner den Wesen, die die seinen sind – ihnen habe ich diese Verehrung dargebracht.

namas tā āyudhāyānātatāya dhṛṣṇave / ubhābhyām uta te namo bāhubhyāṃ tava dhanvane //

Verehrung dir [Anm.: der Text hat tā, wohl te], dem Waffenträger mit ungespanntem (Bogen), dem Kühnen; und beiden deinen Armen Verehrung, und deinem Bogen.

pramuñca dhanvanas tvam ubhayor ārtnyor jyām / yāś ca te hastā iṣavaḥ parā tā bhagavo vapa //

Löse die Sehne des Bogens von beiden Bogenenden her; und die Pfeile in deiner Hand, Erhabener, wirf weg.

avatatya dhanuṣ ṭvaṃ sahasrākṣa śateṣudhe / praśīrya śalyānāṃ mukhaṃ śivo naḥ sumanā bhava //

Nachdem du den Bogen entspannt hast, Tausendäugiger, Hundertpfeiliger, und die Spitzen der Pfeile zerbrochen hast, sei uns gütig und wohlgesinnt.

vijyaṃ dhanuḥ kapardino viśalyo bāṇavaṃ uta / aneśann asya yā iṣava ābhūr asya niṣaṅgathiḥ //

Sehnenlos sei der Bogen des Zopfträgers, und ohne Spitze seien seine Pfeile [?]; seine Pfeile sollen nicht treffen [?], sein Köcher sei [?] ein bloßes Behältnis [Anm.: ābhūḥ und niṣaṅgathiḥ sind unsicher].

pari te dhanvano hetir asmān vṛṇaktu viśvataḥ / atho ya iṣudhis tavāre asmin nidhehi tam //

Das Geschoß deines Bogens möge uns ringsum meiden; und deinen Köcher, den lege fern von uns nieder.

yā te hetir mīḍhuṣṭama śivaṃ babhūva te dhanuḥ / tayāsmān viśvatas tvam ayakṣmayā paribhuja

Dein Geschoß, Spendendster, wurde dir zu einem gütigen Bogen; mit diesem – ohne Krankheit – umfange uns ringsum.

namo hiraṇyabāhave senānye diśāṃ ca pataye namo namo vṛkṣebhyo harikeśebhyaḥ paśūnāṃ pataye namo namo harikeśāyopavītine puṣṭānāṃ pataye namo namaḥ śaṣpiñjarāya tviṣīmate pathīnāṃ pataye namo namo babhluśāya vyādhine 'nnasya pataye namo namo rudrāyātatāyine kṣetrasya pataye namo namo bhavasya hetyai jagatas pataye namo namaḥ sūtāyāhantvāya vanānāṃ pataye namo namo rohitāya sthapataye vṛkṣāṇāṃ pataye namo namo mantriṇe vāṇijāya kakṣāṇāṃ pataye namo namo bhuvantaye vārivaskṛtāyauṣadhīnāṃ pataye namo namaḥ sahamānāya nivyādhina āvyādhinīnāṃ pataye namo nama ākrandayata uccairghoṣāya satvānāṃ pataye namo namaḥ kṛtsnavītāya dhāvate pattīnāṃ pataye namo namo niṣaṅgiṇe kakubhāya stenānāṃ pataye namo namo vañcate parivañcate stāyūnāṃ pataye namo namo nicerave paricarāyāraṇyānāṃ pataye namo namo niṣaṅgiṇa iṣudhimate taskarāṇāṃ pataye namo namaḥ sṛgāyibhyo jighāṃsadbhyo muṣṇatāṃ pataye namo namo 'simadbhyo naktaṃ caradbhyaḥ prakṛntānāṃ pataye namo nama uṣṇīṣiṇe giricarāya kuluñcānāṃ pataye namo namaḥ

Verehrung dem Goldarmigen, dem Heerführer, dem Herrn der Himmelsrichtungen, Verehrung; Verehrung den Bäumen, den gelbhaarigen (grünlaubigen), dem Herrn der Tiere, Verehrung; Verehrung dem Gelbhaarigen, dem Schnurträger, dem Herrn der Wohlgenährten, Verehrung; Verehrung dem Grasgelben, dem Glanzvollen, dem Herrn der Wege, Verehrung; Verehrung dem Braungelben, dem Durchbohrer, dem Herrn der Speise, Verehrung; Verehrung dem Rudra mit gespanntem Bogen, dem Herrn des Feldes, Verehrung; Verehrung dem Geschoß des Bhava, dem Herrn der Welt, Verehrung; Verehrung dem Wagenlenker, dem Unbezwingbaren [?], dem Herrn der Wälder, Verehrung; Verehrung dem Roten, dem Baumeister, dem Herrn der Bäume, Verehrung; Verehrung dem Ratgeber, dem Kaufmann, dem Herrn der Dickichte, Verehrung; Verehrung dem Bhuvanti, dem Reichtum Schaffenden, dem Herrn der Pflanzen, Verehrung; Verehrung dem Überwältigenden, dem Niederdurchbohrenden, dem Herrn der Durchbohrerinnen, Verehrung; Verehrung dem zum Schreien Bringenden, dem laut Rufenden, dem Herrn der Krieger, Verehrung; Verehrung dem vollständig Gerüsteten, dem Laufenden, dem Herrn der Fußsoldaten, Verehrung; Verehrung dem Köcherträger, dem Hohen [?], dem Herrn der Diebe, Verehrung; Verehrung dem Täuschenden, dem Umtäuschenden, dem Herrn der Heimlichen (Diebe), Verehrung; Verehrung dem Niederschleichenden, dem Umherstreifenden, dem Herrn der Wildnisse, Verehrung; Verehrung dem Köcherträger, dem mit Pfeilköcher, dem Herrn der Räuber, Verehrung; Verehrung den mit Dolchen [?] Laufenden, den Tötenwollenden, dem Herrn der Plünderer, Verehrung; Verehrung den Schwertbewehrten, die nachts umherstreifen, dem Herrn der Zerschneider [?], Verehrung; Verehrung dem Turbanträger, dem Bergstreifer, dem Herrn der Kuluñcas [?], Verehrung.

nama iṣukṛdbhyo dhanuṣkṛdbhyaś ca vo namo namā iṣumadbhyo dhanvāyibhyaś ca vo namo nama ātanvānebhyaḥ pratidadhānebhyaś ca vo namo nama āyachadbhyo visṛjadbhyaś ca vo namo namo 'syadbhyo vidhyadbhyaś ca vo namo namaḥ svapadbhyo jāgradbhyaś ca vo namo namaḥ śayānebhyā āsīnebhyaś ca vo namo namas tiṣṭhadbhyo dhāvadbhyaś ca vo namo namaḥ sabhābhyaḥ sabhāpatibhyaś ca vo namo namo 'śvebhyo 'śvapatibhyaś ca vo namo nama āvyādhinībhyo vividhyantībhyaś ca vo namo namā ugaṇābhyas tṛṃhatībhyaś ca vo namo namo gaṇebhyo gaṇapatibhyaś ca vo namo namo vrātebhyo vrātapatibhyaś ca vo namo namaḥ kṛchrebhyaḥ kṛchrapatibhyaś ca vo namo namo virūpebhyo viśvarūpebhyaś ca vo namo namaḥ senābhyaḥ senānībhyaś ca vo namo namo rathibhyo varūthibhyaś ca vo namo namaḥ kṣattṛbhyaḥ saṃgrahītṛbhyaś ca vo namo namo bṛhadbhyo 'rbhakebhyaś ca vo namo namo yuvabhya āśīnebhyaś ca vo namo namaḥ

Verehrung euch, den Pfeilmachern und den Bogenmachern, Verehrung; Verehrung euch, den Pfeilbesitzern und den Bogenträgern, Verehrung; Verehrung euch, den Spannenden und den Anlegenden, Verehrung; Verehrung euch, den Anziehenden und den Abschießenden, Verehrung; Verehrung euch, den Schießenden und den Treffenden, Verehrung; Verehrung den Schlafenden und den Wachenden, Verehrung; Verehrung den Liegenden und den Sitzenden, Verehrung; Verehrung den Stehenden und den Laufenden, Verehrung; Verehrung euch, den Versammlungen und den Herren der Versammlungen, Verehrung; Verehrung euch, den Rossen und den Rosseherren, Verehrung; Verehrung euch, den Durchbohrerinnen und den vielfach Durchbohrenden, Verehrung; Verehrung euch, den Ugaṇās [?] und den Zerschmetternden, Verehrung; Verehrung euch, den Scharen und den Scharherren, Verehrung; Verehrung euch, den Trupps und den Truppherren, Verehrung; Verehrung euch, den Bedrängten [?] und den Herren der Bedrängten, Verehrung; Verehrung euch, den Missgestalteten und den Allgestalteten, Verehrung; Verehrung euch, den Heeren und den Heerführerinnen, Verehrung; Verehrung euch, den Wagenkämpfern und den Gedeckten (Schutzwehr Tragenden), Verehrung; Verehrung euch, den Wagenlenkern und den Zusammenhaltern (Aufnehmern), Verehrung; Verehrung euch, den Großen und den Kleinen, Verehrung; Verehrung euch, den Jungen und den Alten [?], Verehrung.

namo brāhmaṇebhyo rājanyebhyaś ca vo namo namaḥ sūtebhyo viśyebhyaś ca vo namo namas takṣabhyo rathakārebhyaś ca vo namo namaḥ kulālebhyaḥ karmārebhyaś ca vo namo namo niṣādebhyaḥ puñjiṣṭebhyaś ca vo namo namaḥ śvanībhyo mṛgayubhyaś ca vo namo namaḥ śvabhyaḥ śvapatibhyaś ca vo namo namo bhavāya ca śarvāya ca namo rudrāya ca paśupataye ca namo vyuptakeśāya ca kapardine ca namo nīlagrīvāya ca śitikaṇṭhāya ca namaḥ sahasrākṣāya ca śatadhanvane ca namo giriśāya ca śipiviṣṭāya ca namo mīḍhuṣṭarāya ceṣumate ca namo hrasvāya ca vāmanāya ca namo bṛhate ca varṣīyase ca namo vṛddhāya ca suvṛdhvane ca namo 'grīyāya ca prathamāya ca nama āśave cājirāya ca namaḥ śībhāya ca śīghrāya ca namā ūrmyāya cāvasvanyāya ca namo dvīpyāya ca srotrasyāya ca

Verehrung euch, den Brāhmaṇas und den Rājanyas, Verehrung; Verehrung euch, den Sūtas und den Stammesleuten (Viś), Verehrung; Verehrung euch, den Zimmerleuten und den Wagenbauern, Verehrung; Verehrung euch, den Töpfern und den Schmieden, Verehrung; Verehrung euch, den Niṣādas und den Puñjiṣṭhas [?], Verehrung; Verehrung euch, den Hundehaltern und den Jägern, Verehrung; Verehrung euch, den Hunden und den Herren der Hunde, Verehrung; Verehrung dem Bhava und dem Śarva; Verehrung dem Rudra und dem Herrn der Tiere; Verehrung dem mit geschorenem Haar und dem Zopfträger; Verehrung dem Blaunackigen und dem Weißkehligen; Verehrung dem Tausendäugigen und dem mit hundert Bogen; Verehrung dem Giriśa und dem Śipiviṣṭa [?]; Verehrung dem Spendenderen und dem Pfeilbesitzer; Verehrung dem Kleinen und dem Zwerg; Verehrung dem Großen und dem Älteren; Verehrung dem Alten und dem Wohlgewachsenen; Verehrung dem Vordersten und dem Ersten; Verehrung dem Schnellen und dem Raschen; Verehrung dem Šībha [?] und dem Hurtigen; Verehrung dem in den Wellen und dem im Wasserfall [?]; Verehrung dem auf der Insel und dem im Strom.

nama āśuṣeṇāya cāśurathāya ca namo bilmine ca kavacine ca namo varmiṇe ca varūthine ca namaḥ śūrāya cāvabhindate ca namaḥ śrutāya ca śrutasenāya ca namo jyāyase ca kanīyase ca namaḥ pūrvajāya cāparajāya ca namo madhyamāya cāpagalbhāya ca namo jaghanyāya ca budhnyāya ca namaḥ sobhyāya ca pratisarāya ca namo yāmyāya ca kṣemyāya ca namo 'vasānyāya ca ślokyāya ca nama urvaryāya ca khalyāya ca namo vanyāya ca kakṣyāya ca namaḥ śravāya ca pratiśravāya ca namaḥ pathyāya ca srutyāya ca namo nādyāya ca vaiśantāya ca namo nīpyāya ca bhidyāya ca namo 'vaṭyāya ca kūpyāya ca namaḥ sūdyāya ca sarasyāya ca

Verehrung dem mit schnellem Heer [?] und dem mit schnellem Wagen; Verehrung dem Helmträger und dem Panzerträger; Verehrung dem mit Rüstung und dem mit Schutzwehr; Verehrung dem Helden und dem Zerbrecher (der Schlachtreihen); Verehrung dem Berühmten und dem Śrutasena; Verehrung dem Älteren und dem Jüngeren; Verehrung dem Erstgeborenen und dem Spätgeborenen; Verehrung dem Mittleren und dem Unerwachsenen [?]; Verehrung dem Letzten und dem aus der Tiefe; Verehrung dem in den Zusammenkünften [?] und dem Gefolgsmann [?]; Verehrung dem zum Zug Gehörigen und dem der Geborgenheit; Verehrung dem der Ruhestätte und dem Rühmlichen; Verehrung dem des fruchtbaren Ackers und dem der Tenne; Verehrung dem des Waldes und dem des Gestrüpps; Verehrung dem Ruf und dem Widerhall; Verehrung dem des Weges und dem des Pfades; Verehrung dem im Fluss und dem im Teich; Verehrung dem in der Quelle [?] und dem im Spalt [?]; Verehrung dem in der Grube und dem im Brunnen; Verehrung dem im Wasserloch [?] und dem im See.

namo dundubhaye cāhananīyāya ca namo dhṛṣṇave ca pramṛśāya ca namo niṣaṅgiṇe ceṣudhimate ca namas tigmeṣave cāyudhine ca namaḥ svāyudhāya ca sudhanvane ca namo meghyāya ca vidyutyāya ca namo varṣyāya cāvarṣyāya ca namo vīdhriyāya cātapyāya ca namo vātyāya ca reṣmaṇyāya ca namo vāstavyāya ca vāstupāya ca namaḥ somāya ca rudrāya ca namas tāmrāya cāruṇāya ca namaḥ śaṃgave ca paśupataye ca nama ugrāya ca bhīmāya ca namo 'grevadhāya ca dūrevadhāya ca namo hantre ca hanīyase ca namo vṛkṣebhyo harikeśebhyo namas tārāya namaḥ śaṃbhave ca mayobhave ca namaḥ śaṃkarāya ca mayaskarāya ca namaḥ śivāya ca śivatarāya ca

Verehrung der Pauke und dem Schlägel; Verehrung dem Kühnen und dem Bedachtsamen [?]; Verehrung dem Köcherträger und dem Pfeilbesitzer; Verehrung dem mit scharfen Pfeilen und dem Waffenträger; Verehrung dem mit guten Waffen und dem mit gutem Bogen; Verehrung dem in den Wolken und dem im Blitz; Verehrung dem im Regen und dem im Nicht-Regen; Verehrung dem im klaren Himmel [?] und dem in der Sonnenglut; Verehrung dem im Wind und dem im Sturm; Verehrung dem an der Wohnstätte und dem Wohnstättenhüter; Verehrung dem Soma und dem Rudra; Verehrung dem Kupferroten und dem Roten; Verehrung dem Heilbringer und dem Herrn der Tiere; Verehrung dem Schrecklichen und dem Furchtbaren; Verehrung dem vorn Tötenden und dem fern Tötenden; Verehrung dem Töter und dem noch mehr Tötenden; Verehrung den Bäumen, den gelbhaarigen; Verehrung dem Retter [?]; Verehrung dem Śaṃbhu und dem Mayobhu; Verehrung dem Śaṃkara und dem Mayaskara; Verehrung dem Śiva und dem Śivatara.

namaḥ śikhaṇḍine ca pulastine ca namaḥ kiṃśilāya ca kṣeṇāya ca nama iriṇyāya ca prapathyāya ca namo gṛhyāya ca goṣṭhyāya ca namo gehyāya ca talpyāya ca namaḥ kūlyāya ca tīrthyāya ca namaḥ pāryāya cāvāryāya ca namaḥ prataraṇāya cottaraṇāya ca namaḥ pravāhyāya ca sikatyāya ca namaḥ phenyāya ca śaṣpyāya ca namo nīveṣyāya ca hṛdyāya ca namaḥ kāṭyāya ca gahvareṣṭhyāya ca namaḥ śuṣyāya ca harityāya ca namaḥ pāṃsavyāya ca rajasyāya ca namo lopyāya colapāya ca namā ūrmyāya ca sūrmyāya ca namaḥ parṇāya ca parṇaśādāya ca namo 'pagurasāṇāya cābhighnate ca nama ākhidate ca prakhidate ca nama ākhidāya ca prakhidāya ca

Verehrung dem Schopfträger und dem Zopfträger [?]; Verehrung dem Kiṃśila [?] und dem Kṣeṇa [?]; Verehrung dem in der Öde und dem am Wanderweg; Verehrung dem im Haus und dem im Kuhstall; Verehrung dem im Wohnraum und dem im Bett; Verehrung dem am Ufer und dem an der Furt; Verehrung dem am jenseitigen und dem am diesseitigen (Ufer); Verehrung dem Hinüberfahren und dem Herausfahren; Verehrung dem in der Strömung und dem im Sand; Verehrung dem im Schaum und dem im Gras; Verehrung dem Nīveṣya [?] und dem im Teich; Verehrung dem in der Grube und dem im Dickicht; Verehrung dem im Dürren und dem im Grünen; Verehrung dem im Staub und dem im Dunst; Verehrung dem Lopya [?] und dem Ulapa (Gras); Verehrung dem in der Welle und dem Sūrmya [?]; Verehrung dem Blatt und dem Blattfall; Verehrung dem apagurasāṇa [?] und dem Schlagenden; Verehrung dem Aufwühlenden und dem Durchwühlenden; Verehrung dem Aufwühler und dem Durchwühler.

namo girikebhyo devānāṃ hṛdayebhyo namo vicinvatkebhyo nama ākṣiṇakebhyo nama ānṛhatebhyaḥ //

Verehrung den Bergbewohnern, den Herzen der Götter; Verehrung den Suchenden; Verehrung den Vernichtenden [?]; Verehrung den Unverletzten [?].

drāpe andhasaspate daridra nīlalohita / eṣāṃ paśūnām āsāṃ prajānāṃ mā bhair mā ruṅ mo ca naḥ kiṃ canāmamat //

Drāpi [?], Herr der Speise, Armer, Blau-Roter: Für diese Tiere, für diese Geschöpfe fürchte nicht, brich nicht (ihnen Schaden) [?]; und nichts von uns erkranke.

imā rudrāya tavase kapardine kṣayadvīrāya prabharāmahe matīḥ / yathā naḥ śam asad dvipade catuṣpade viśvaṃ puṣṭaṃ grāme asminn anāturam //

Diese Gedanken (Gebete) bringen wir dem Rudra dar, dem Kraftvollen, dem Zopfträger, der über Helden herrscht, damit für Zweibeiner und Vierbeiner bei uns Heil sei, damit in diesem Dorf alles gedeihend und ohne Krankheit sei.

yā te rudra śivā tanūḥ śivā viśvāha bheṣajā / śivā rutasya bheṣajā tayā no mṛḍa jīvase //

Deine glückverheißende Gestalt, Rudra, die glückhafte, die zu jeder Zeit Heilmittel ist, glückhaftes Heilmittel des Geschreis (der Not) [?] – mit dieser sei uns gnädig, zum Leben.

pari no rudrasya hetir vṛṇaktu pari tveṣasya durmatir aghāyoḥ / ava sthirā maghavadbhyas tanuṣva mīḍhvas tokāya tanayāya mṛḍa //

Rudras Geschoß möge uns umgehen; ringsum (möge uns umgehen) die Missgunst des Glühenden, des Unheilwollenden. Entspanne die festen (Bogen) für die Gabenreichen, Spender; sei unserem Kind und unserem Nachkommen gnädig.

mīḍhuṣṭama śivatama śivo na edhi sumanā bhava / avatatya dhanuṣ ṭvam akruddhaḥ sumanā bhava / pinākaṃ bibhrad āgahi kṛttiṃ vasānā uccara //

Spendendster, Glückhaftester, sei uns glückhaft, sei wohlgesinnt. Nachdem du den Bogen entspannt hast, sei ohne Zorn, sei wohlgesinnt. Den Pināka tragend komm herbei, ein Fell angetan, tritt auf.

vyakṛḍa vilohita namas te astu bhagavaḥ / yās te sahasraṃ hetayo 'nyāṃs te asman nivapantu tāḥ //

[?] Rotgestreifter, Verehrung sei dir, Erhabener. Deine tausend Geschosse – sie sollen andere als uns niederstrecken [?].

sahasrāṇi sahasraśo hetayas tava bāhvoḥ / tāsām īśāno maghavan parācīnā mukhā kṛdhi //

Tausende, tausendfach, sind die Geschosse in deinen Armen; über sie gebietend, Gabenreicher, richte ihre Spitzen nach hinten (abgewandt).

asaṃkhyātā sahasrāṇi ye rudrā adhi bhūmyām / teṣāṃ sahasrayojane 'va dhanvāni tanmasi //

Die unzählbaren Tausende von Rudras, die auf der Erde sind – ihre Bögen spannen wir ab auf tausend Yojanas Entfernung.

ye asmin mahaty arṇave antarikṣe bhavā adhi / teṣāṃ sahasrayojane 'va dhanvāni tanmasi //

Die in diesem großen Ozean, im Luftraum, als Bhavas sind – ihre Bögen spannen wir ab auf tausend Yojanas Entfernung.

ye nīlagrīvāḥ śitikaṇṭhā divaṃ rudrā upaśritāḥ / teṣāṃ sahasrayojane 'va dhanvāni tanmasi //

Die Blaunackigen, Weißkehligen, die Rudras, die zum Himmel ihre Zuflucht genommen haben – ihre Bögen spannen wir ab auf tausend Yojanas Entfernung.

ye nīlagrīvāḥ śitikaṇṭhāḥ śarvā adhaḥ kṣāmācarāḥ / teṣāṃ sahasrayojane 'va dhanvāni tanmasi //

Die Blaunackigen, Weißkehligen, die Śarvas unten, die auf der Erde umherwandeln – ihre Bögen spannen wir ab auf tausend Yojanas Entfernung.

ye vṛkṣeṣu śaṣpiñjarā nīlagrīvā vilohitāḥ / teṣāṃ sahasrayojane 'va dhanvāni tanmasi //

Die in den Bäumen sind, grasgelb, blaunackig, rotgestreift – ihre Bögen spannen wir ab auf tausend Yojanas Entfernung.

ye bhūtānām adhipatayo viśikhāsaḥ kapardinaḥ / teṣāṃ sahasrayojane 'va dhanvāni tanmasi //

Die Herren der Wesen, die Haarlosen [?], die Zopfträger – ihre Bögen spannen wir ab auf tausend Yojanas Entfernung.

ye pathāṃ pathirakṣaya ailamṛḍā vo yudhaḥ / teṣāṃ sahasrayojane 'va dhanvāni tanmasi //

Die die Wächter der Wege der Pfade sind, die ailamṛḍā [?], eure Kämpfer – ihre Bögen spannen wir ab auf tausend Yojanas Entfernung.

ye tīrthāni pracaranti sṛgavanto niṣaṅgiṇaḥ //

Die zu den Furten hinausziehen, mit Speeren [?] und Köchern versehen.

teṣāṃ sahasrayojane 'va dhanvāni tanmasi //

Ihre Bögen spannen wir ab auf tausend Yojanas Entfernung.

ye anneṣu vividhyanti pātreṣu pibato janān / teṣāṃ sahasrayojane 'va dhanvāni tanmasi //

Die in den Speisen und in den Trinkgefäßen die trinkenden Leute durchbohren – ihre Bögen spannen wir ab auf tausend Yojanas Entfernung.

ya etāvanto vā bhūyāṃso vā diśo rudrā vitasthire / teṣāṃ sahasrayojane 'va dhanvāni tanmasi //

Die so viele oder noch mehr Rudras sich in den Himmelsrichtungen aufgestellt haben – ihre Bögen spannen wir ab auf tausend Yojanas Entfernung.

namo astu rudrebhyo ye divi yeṣāṃ varṣam iṣavas tebhyo daśa prācīr daśa dakṣiṇā daśa pratīcīr daśodīcīr daśordhvās tebhyo namo astu te no mṛḍantu te yaṃ dviṣmo yaś ca no dveṣṭi tam eṣāṃ jambhe dadhmo namo astu rudrebhyo ye antarikṣe yeṣāṃ vātā iṣavas tebhyo daśa prācīrdaśa dakṣiṇā daśa pratīcīr daśodīcīr daśordhvās tebhyo namo astu te no mṛḍantu te yaṃ dviṣmo yaś ca no dveṣṭi tam eṣāṃ jambhe dadhmo namo astu rudrebhyo ye pṛthivyāṃ yeṣām annam iṣavas tebhyo daśa prācīr daśa dakṣiṇā daśa pratīcīr daśodīcīr daśordhvās tebhyo namo astu te no mṛḍantu te yaṃ dviṣmo yaś ca no dveṣṭi tam eṣāṃ jambhe dadhmaḥ

Verehrung sei den Rudras, die im Himmel sind, deren Regen die Pfeile sind: ihnen zehn nach Osten gerichtete, zehn nach Süden, zehn nach Westen, zehn nach Norden, zehn nach oben gerichtete [Anm.: wohl Verneigungen (gefaltete Hände) zu ergänzen]; ihnen sei Verehrung; sie sollen uns gnädig sein; wen wir hassen und wer uns hasst, den legen wir in ihren Rachen. Verehrung sei den Rudras, die im Luftraum sind, deren Winde die Pfeile sind: ihnen zehn nach Osten gerichtete, zehn nach Süden, zehn nach Westen, zehn nach Norden, zehn nach oben gerichtete; ihnen sei Verehrung; sie sollen uns gnädig sein; wen wir hassen und wer uns hasst, den legen wir in ihren Rachen. Verehrung sei den Rudras, die auf der Erde sind, deren Speise die Pfeile sind: ihnen zehn nach Osten gerichtete, zehn nach Süden, zehn nach Westen, zehn nach Norden, zehn nach oben gerichtete; ihnen sei Verehrung; sie sollen uns gnädig sein; wen wir hassen und wer uns hasst, den legen wir in ihren Rachen.

aghorebhyo atha ghorebhyo aghoraghoratarebhyaś ca / sarvataḥ śarvaśarvebhyo namas te rudra rūpebhyo namaḥ //

Den nicht Schrecklichen und den Schrecklichen, den Schrecklicheren als die Schrecklichen und den nicht Schrecklichen; von allen Seiten den Śarvas der Śarvas – Verehrung sei deinen Gestalten, Rudra, Verehrung.

yaḥ pathaḥ samanuyāti svargaṃ lokaṃ gām iva supraṇītau / tena tvaṃ bhagavān yāhi pathā //

Der Weg, der dem Himmelswelt folgt wie eine Kuh bei guter Führung – auf diesem Weg geh, Erhabener.

ime hiraṇyavarṇāḥ svaṃ yonim āviśantau //

Diese beiden Goldfarbenen, in ihren eigenen Schoß eintretend [Anm.: Dual; Bezug unklar].

gacha tvaṃ bhagavān punarāgamanāya punardarśanāya sahadevyāya sahavṛṣāya sahagaṇāya sahapārṣadāya yathāhutāya namonamāya namaḥśivāya namas te astu mā mā hiṃsīḥ //

Geh du, Erhabener, zum Wiederkommen, zum Wiedersehen, mit deiner göttlichen Gattin, mit deinem Stier, mit deiner Schar, mit deinem Gefolge, entsprechend dem Dargebrachten, Verehrung-Verehrung, Verehrung dem Heilvollen; Verehrung sei dir; verletze mich nicht.

āvāhitam āvāhita namaskṛtaṃ namaskṛta visarjitaṃ visarjita pathaṃ gacha pathaṃ gacha divaṃ gacha divaṃ gacha svar gacha svar gacha jyotir gacha jyotir gacha namas te astu mā mā hiṃsīḥ

Herbeigerufener, Herbeigerufener! Verehrter, Verehrter! Entlassener, Entlassener! Geh den Weg, geh den Weg; geh zum Himmel, geh zum Himmel; geh zu Svar, geh zu Svar; geh zum Licht, geh zum Licht; Verehrung sei dir; verletze mich nicht.