athāto granthapacyarbudagalagaṇḍānāṃ nidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Ursachenlehre von *granthi* (dem Knoten), apacī (der Skrofulose), *arbuda* (dem Tumor) und *galagaṇḍa* (dem Kropf) erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Nidanasthana
Das elfte Kapitel behandelt vier verwandte Arten von Weichteilgeschwülsten: granthi (Knoten), apacī (Skrofulose), arbuda (Tumor) und galagaṇḍa (Kropf). Der granthi wird nach den drei Doṣas sowie nach Fettgewebe und Blutgefäßen unterschieden, wobei ein an einem lebenswichtigen Punkt (marman) entstandener, schmerzloser und unbeweglicher Knoten als unheilbar gilt. Die apacī entsteht aus Fettgewebe und kapha an Kiefer, Achsel, Schlüsselbein und Hals und breitet sich über Jahre in vermehrten Knoten aus. Das arbuda, eine Vermehrung des Muskelfleisches oder Blutes, gilt in seiner blut- und fleischbedingten Form ausdrücklich als unheilbar, ebenso die Sonderformen adhyarbuda (Übertumor) und dvirarbuda (Doppeltumor). Der galagaṇḍa schließlich, eine hodensackartig herabhängende Halsschwellung aus vāta, kapha oder Fettgewebe, wird nach Wachstumsgeschwindigkeit und Prognose beschrieben.
| Krankheit | Ursache | Merkmale | Heilbarkeit |
|---|---|---|---|
| granthi | vāta | gedehnt, schmerzt, stechend, schwarz; öffnet sich mit klarer, blutähnlicher Flüssigkeit | – |
| granthi | pitta | brennt, dampft, rot oder gelblich; sondert sehr heißes Blut ab | – |
| granthi | kapha | kühl, wenig schmerzhaft, sehr juckend, steinartig fest, wächst langsam | – |
| granthi | Fettgewebe | ölig, groß, wenig schmerzhaft, sehr juckend; öffnet sich mit fettartigem Sekret | – |
| granthi | Blutgefäße | erhaben, rund, rasch entstanden | schwer heilbar, wenn beweglich; unheilbar, wenn schmerzlos, unbeweglich und an einem marman |
| apacī | Fettgewebe und kapha | Knoten an Kiefer, Achsel, Schlüsselbein, Hals, wachsend über Jahre | nur schwer zu überwinden |
| arbuda | vāta, pitta, kapha, Fett, Muskelfleisch (Vermehrung) | rund, fest, wenig schmerzhaft, breite Basis, wächst langsam; Kennzeichen wie beim granthi | – |
| arbuda | Blut | schwillt mit Ausfluss zu Muskelfleischklumpen an, sondert unaufhörlich verdorbenes Blut ab | unheilbar |
| arbuda | Fleisch (nach Verletzung) | schmerzlos, ölig, steinhart, unbeweglich | unheilbar |
| adhyarbuda / dvirarbuda | auf bestehendem arbuda / paarweise entstanden | Über- bzw. Doppeltumor | unheilbar |
| galagaṇḍa | vāta | stechend, schwarze Adern, schwarz oder rötlich, wächst langsam | – |
| galagaṇḍa | kapha | fest, hautfarben, wenig schmerzhaft, sehr juckend, kühl, groß | – |
| galagaṇḍa | Fettgewebe | ölig, weich, blass, hängt wie ein Flaschenkürbis herab | – |
athāto granthapacyarbudagalagaṇḍānāṃ nidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Ursachenlehre von *granthi* (dem Knoten), apacī (der Skrofulose), *arbuda* (dem Tumor) und *galagaṇḍa* (dem Kropf) erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So sprach der erhabene Dhanvantari:
vātādayo māṃsamasṛk ca duṣṭāḥ saṃdūṣya medaśca kaphānuviddham vṛttonnataṃ vigrathitaṃ tu śophaṃ kurvantyato granthiriti pradiṣṭaḥ
*vāta* und die übrigen *doṣa*, erregt, verderben Muskelfleisch, Blut und Fettgewebe, begleitet von *kapha*, und erzeugen dadurch eine runde, erhabene, fest verknotete Schwellung; diese wird deshalb als *granthi* bezeichnet.
āyamyate vyathyata eti todaṃ pratyasyate kṛtyata eti bhedam kṛṣṇo'mṛdurbastirivātataśca bhinnaḥ sraveccānilajo'sramaccham
Die aus *vāta* entstandene *granthi* wird gedehnt, schmerzt, geht in Stechen über, fühlt sich wie zurückgezogen an, geht in ein Zerreißen über; sie ist schwarz, nicht weich, wie eine aufgeblähte Harnblase ausgedehnt, und wenn sie sich öffnet, sondert sie klare, blutähnliche Flüssigkeit ab.
dandahyate dhūpyati cūṣyate ca pāpacyate prajvalatīva cāpi raktaḥ sapīto'pyathavā'pi pittādbhinnaḥ sraveduṣṇamatīva cāsram
Die aus *pitta* entstandene brennt, dampft, zieht sich zusammen, reift, lodert wie Feuer; sie ist rot oder auch gelblich, und wenn sie sich öffnet, sondert sie sehr heißes Blut ab.
śīto'vivarṇo'lparujo'tikaṇḍūḥ pāṣāṇavat saṃhananopapannaḥ cirābhivṛddhiśca kaphaprakopādbhinnaḥ sravecchuklaghanaṃ ca pūyam
Die aus der Erregung von *kapha* entstandene ist kühl, von unveränderter Farbe, wenig schmerzhaft, sehr juckend, von steinartiger Festigkeit, wächst langsam, und wenn sie sich öffnet, sondert sie dicken, weißen Eiter ab.
śarīravṛddhikṣayavṛddhihāniḥ snigdho mahānalparujo'tikaṇḍūḥ medaḥkṛto gacchati cātra bhinne piṇyākasarpiḥpratimaṃ tu medaḥ
Die aus dem Fettgewebe entstandene wächst und schwindet mit dem Wachstum und Schwund des Körpers, ist ölig, groß, wenig schmerzhaft und sehr juckend; öffnet sie sich, so tritt daraus fettartiges Sekret hervor, das Ölkuchen-Schmalz gleicht.
vyāyāmajātairabalasya taistairākṣipya vāyurhi sirāpratānam saṃpīḍya saṅkocya viśoṣya cāpi granthiṃ karotyunnatamāśu vṛttam
Bei einem geschwächten Menschen ergreift der *vāta*, durch eben jene aus übermäßiger Anstrengung entstandenen Ursachen bewegt, das Geflecht der Blutgefäße, drückt es zusammen, zieht es zusammen und trocknet es aus, und erzeugt so rasch einen erhabenen, runden *granthi* -
granthiḥ sirājaḥ sa tu kṛcchrasādhyo bhavedyadi syāt sarujaścalaśca aruk sa evāpyacalo mahāṃśca marmotthitaścāpi vivarjanīyaḥ
dieser aus den Blutgefäßen entstandene *granthi* ist schwer heilbar, wenn er schmerzhaft und beweglich ist; ist er hingegen schmerzlos, unbeweglich, groß und an einem marman entstanden, so ist er als unheilbar zu meiden.
hanvasthikakṣākṣakabāhusandhimanyāgaleṣūpacitaṃ tu medaḥ granthiṃ sthiraṃ vṛttamathāyataṃ vā snigdhaṃ kaphaścālparujaṃ karoti
Am Kieferknochen, in der Achselhöhle, am Schlüsselbein, am Armgelenk, am Nacken oder am Hals erzeugt das dort angesammelte Fettgewebe, zusammen mit *kapha*, einen festen, runden oder auch länglichen, öligen, wenig schmerzhaften *granthi* -
taṃ granthibhistvāmalakāsthimātrairmatsyāṇḍajālapratimaistathā'nyai ananyavarṇairupacīyamānaṃ cayaprakarṣādapacīṃ vadanti
diesen, wenn er mit weiteren Knoten von der Größe eines Amalaka-Kerns oder Fischeiern in einem Netz ähnlich und noch anderen, von gleicher Farbe, vermehrt anwächst, nennt man wegen des fortschreitenden Anwachsens apacī.
kaṇḍūyutāste'lparujaḥ prabhinnāḥ sravanti naśyanti bhavanti cānye medaḥkaphābhyāṃ khalu roga eṣa sudustaro varṣagaṇānubandhī
Diese Knoten sind mit Juckreiz verbunden, wenig schmerzhaft; geöffnet sondern sie Sekret ab und heilen teilweise ab, während andere neu entstehen. Diese Krankheit, aus Fettgewebe und *kapha* entstanden, ist wahrlich nur schwer zu überwinden und zieht sich über viele Jahre hin.
gātrapradeśe kvacideva doṣāḥ saṃmūrcchitā māṃsamabhipradūṣya vṛttaṃ sthiraṃ mandarujaṃ mahāntamanalpamūlaṃ ciravṛddhypākam
An irgendeiner Stelle des Körpers verderben die zusammenwirkenden *doṣa* das Muskelfleisch und erzeugen eine runde, feste, wenig schmerzhafte, große Schwellung mit breiter Basis, die langsam wächst und nur langsam zur Reifung kommt -
kurvanti māṃsopacayaṃ tu śophaṃ tamarbudaṃ śāstravido vadanti vātena pittena kaphena cāpi raktena māṃsena ca medasā ca
diese Schwellung, die eine Vermehrung des Muskelfleisches darstellt, nennen die in der Lehre Kundigen *arbuda*; es entsteht durch *vāta*, *pitta*, *kapha*, durch Blut, durch Muskelfleisch sowie durch Fettgewebe.
tajjāyate tasya ca lakṣaṇāni grantheḥ samānāni sadā bhavanti doṣaḥ praduṣṭo rudhiraṃ sirāstu saṃpīḍya saṅkocya gatastvapākam
Es entsteht, und seine Kennzeichen sind stets denen des *granthi* gleich. Wenn der erregte *doṣa* das Blut und die Blutgefäße zusammendrückt und zusammenzieht, gelangt es in einen Zustand ohne Reifung -
sāsrāvamunnahyati māṃsapiṇḍaṃ māṃsāṅkurairācitamāśuvṛddhim sravatyajasraṃ rudhiraṃ praduṣṭamasādhyametadrudhirātmakaṃ syāt
das aus Blut entstandene *arbuda* schwillt mit Ausfluss zu einem Muskelfleischklumpen an, der mit Fleischsprossen bedeckt ist und rasch wächst; es sondert unaufhörlich verdorbenes Blut ab; dieses auf Blut beruhende *arbuda* ist unheilbar.
raktakṣayopadra vapīḍitatvāt pāṇḍurbhavet so'budapīḍitastu muṣṭiprahārādibhirardite'ṅge māṃsaṃ praduṣṭaṃ prakaroti śopham
Durch die Begleiterscheinungen des Blutverlustes bedrängt, wird der von diesem *arbuda* Geplagte blass. Wenn ein Körperteil durch Faustschlag oder Ähnliches verletzt wird, verdirbt das Muskelfleisch und erzeugt eine Schwellung -
avedanaṃ snigdhamananyavarṇamapākamaśmopamamapracālyam praduṣṭamāṃsasya narasya bāḍhametadbhavenmāṃsaparāyaṇasya
diese ist schmerzlos, ölig, von unveränderter Farbe, ohne Reifung, einem Stein gleich hart und unbeweglich; sie entsteht bei einem Menschen mit fortwährend verdorbenem Muskelfleisch, der besonders zu Fleischbildung neigt.
māṃsārbudaṃ tvetadasādhyamuktaṃ sādhyeṣvapīmāni vivarjayettu saṃprasrutaṃ marmaṇi yacca jātaṃ srotaḥsu vā yacca bhavedacālyam
Dieses Fleisch-*arbuda* gilt als unheilbar. Auch von den grundsätzlich heilbaren Arten meide man aber jene: die bereits durchgebrochenen, die an einem marman entstandenen, die in den Körperkanälen entstandenen sowie die, welche unbeweglich sind.
yajjāyate'nyat khalu pūrvajāte jñeyaṃ tadadhyarbudamarbudajñaiḥ yaddvandvajātaṃ yugapat kramādvā dvirarbudaṃ tacca bhavedasādhyam
Was auf einem bereits vorhandenen *arbuda* noch ein weiteres entstehen lässt, das wird von den Kennern des *arbuda* als adhyarbuda (Übertumor) bezeichnet; was paarweise, gleichzeitig oder nacheinander entsteht, das gilt als dvirarbuda (Doppeltumor), und auch dieses ist unheilbar.
na pākamāyānti kaphādhikatvānmedobahutvācca viśeṣatastu doṣasthiratvādgrathanācca teṣāṃ sarvārbudānyeva nisargatastu
Wegen des Übergewichts von *kapha* und besonders wegen der Fülle an Fettgewebe, wegen der Beständigkeit der *doṣa* und wegen ihrer Verknotung gelangen alle *arbuda* von Natur aus nicht zur Reifung.
vātaḥ kaphaścaiva gale pravṛddhau manye tu saṃsṛtya tathaiva medaḥ kurvanti gaṇḍaṃ kramaśaḥ svaliṅgaiḥ samanvitaṃ taṃ galagaṇḍamāhuḥ
*vāta* und *kapha*, im Hals vermehrt, ebenso wie das dorthin geflossene Fettgewebe, erzeugen am Nacken allmählich eine Beule, die mit ihren jeweils eigenen Kennzeichen versehen ist; diese nennt man *galagaṇḍa*.
todānvitaḥ kṛṣṇasirāvanaddhaḥ kṛṣṇo'ruṇo vā pavanātmakastu medonvitaścopacitaśca kālādbhavedatisnigdhataro'rujaśca
Der auf *vāta* beruhende *galagaṇḍa* ist mit Stechen verbunden, von schwarzen Adern durchzogen, schwarz oder rötlich; wenn er mit Fettgewebe verbunden ist und mit der Zeit anwächst, wird er sehr ölig und schmerzlos,
pāruṣyayuktaściravṛddhayapāko yadṛcchayā pākamiyāt kadācit vairasyamāsyasya ca tasya jantorbhavettathā tālugalapraśoṣaḥ
ist mit Rauheit verbunden, wächst langsam und kommt nicht zur Reifung; gelegentlich kann er von selbst zur Reifung gelangen. Bei diesem Menschen tritt zudem ein schaler Geschmack im Mund sowie Austrocknung von Gaumen und Hals auf.
sthiraḥ savarṇo'lparugugrakaṇḍūḥ śīto mahāṃścāpi kaphātmakastu cirābhivṛddhiṃ kurute cirācca prapacyate mandarujaḥ kadācit
Der auf *kapha* beruhende *galagaṇḍa* ist fest, von der Haut gleicher Farbe, wenig schmerzhaft, sehr juckend, kühl anzufühlen und groß; er wächst langsam und reift auch nur langsam, gelegentlich mit geringem Schmerz.
mādhuryamāsyasya ca tasya jantorbhavettathā tālugalapralepaḥ snigdho mṛduḥ pāṇḍuraniṣṭagandho medaḥkṛto nīrugathātikaṇḍūḥ
Bei diesem Menschen tritt zudem ein süßlicher Geschmack im Mund sowie ein Belag an Gaumen und Hals auf. Der aus Fettgewebe entstandene *galagaṇḍa* ist ölig, weich, blass, von unangenehmem Geruch, schmerzlos und sehr juckend.
pralambate'lābuvadalpamūlo dehānurūpakṣayavṛddhiyuktaḥ snigdhāsyatā tasya bhavecca jantorgale'nuśabdaṃ kurute ca nityam
Er hängt herab wie ein Flaschenkürbis, mit schmaler Basis, wächst und schwindet entsprechend dem Zustand des Körpers; bei diesem Menschen entsteht zudem Öligkeit des Mundes, und er verursacht ständig ein Geräusch im Hals.
kṛcchrācchvasantaṃ mṛdusarvagātraṃ saṃvatsarātītamarocakārtam kṣīṇaṃ ca vaidyo galagaṇḍinaṃ tu bhinnasvaraṃ caiva vivarjayettu
Einen an *galagaṇḍa* Leidenden, der mühsam atmet, dessen ganzer Körper welk ist, bei dem die Krankheit länger als ein Jahr besteht, der an Appetitlosigkeit leidet, abgemagert ist und eine gebrochene Stimme hat, meide der Arzt als unheilbar.
nibaddhaḥ śvayathuryasya muṣkavallambate gale mahān vā yadi vā hrasvo galagaṇḍaṃ tamādiśet
Wessen fest gebundene Schwellung, dem Hodensack gleich, am Hals herabhängt, sei sie groß oder klein - diese bezeichne man als *galagaṇḍa*.