athāto vṛddhypudaṃśaślīpadānāṃ nidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Ursachenlehre von *vṛddhi* (der Schwellung, dem Bruch), *upadaṃśa* (dem Genitalgeschwür) und *ślīpada* (der Elephantiasis) erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Nidanasthana
Das zwölfte Kapitel vereint drei Krankheitsgruppen im Genital- und Beinbereich: vṛddhi (Hodensackschwellung), upadaṃśa (Genitalgeschwür) und ślīpada (Elephantiasis). Die vṛddhi wird in sieben Formen unterschieden, darunter die durch Harnverhalt und die durch eine in den Hodensack hinabgleitende Darmschlinge verursachte, unheilbare Darm-vṛddhi. Beim upadaṃśa listet der Text ungewöhnlich detailliert schädliche sexuelle Praktiken und Verletzungen des Gliedes als Ursachen auf und unterscheidet fünf Formen nach Doṣa und Blutbeteiligung. Die ślīpada, dreifach nach vāta, pitta und kapha bedingt, wird ausdrücklich mit stehenden, kühlen Gewässern in Verbindung gebracht und kann neben den Füßen auch Hände, Ohren, Augen, Nase und Lippen betreffen. Als unheilbar gelten jeweils lang bestehende, übermäßig große oder bereits ausgebreitete Formen.
| Typ | Merkmale |
|---|---|
| vāta-vṛddhi | ganz von Wind erfüllt wie eine aufgeblähte Harnblase, rau, windbedingte Schmerzen ohne äußeren Anlass |
| pitta-vṛddhi | der reifen Udumbara-Frucht ähnlich, Fieber, brennende Hitze, rasche Entstehung und Reifung |
| kapha-vṛddhi | hart, wenig schmerzhaft, kühl, juckend |
| Blut-vṛddhi | von schwarzen Pusteln bedeckt, Kennzeichen der pitta-vṛddhi |
| Fett-vṛddhi | weich, ölig, juckend, wenig schmerzhaft, Farbe einer Palmyra-Frucht |
| Harn-vṛddhi | schwankt wie ein Schlauch, mit Wasser gefüllt, schmerzhafter Harnabgang, Schwellung von Hoden und Hodensack |
| Darm-vṛddhi | wie eine aufgeblähte, sehr lange Harnblase, macht bei Druck ein Geräusch und steigt nach oben |
| Typ | Merkmale |
|---|---|
| vāta | Rauheit, Zusammenschrumpfen der Haut, Steifheit des Gliedes, mannigfache windbedingte Schmerzen |
| pitta | Fieber, der reifen Udumbara-Frucht ähnliche Schwellung, heftiges Brennen, rasche Reifung |
| kapha | Schwellung mit Juckreiz, hart, ölig |
| aus Blut | schwarze Pusteln, starker Blutaustritt, starkes Fieber und Brennen, Auszehrung |
| alle drei Doṣa zugleich | alle genannten Kennzeichen, Zerreißen des Gliedes, Würmer, Tod |
athāto vṛddhypudaṃśaślīpadānāṃ nidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Ursachenlehre von *vṛddhi* (der Schwellung, dem Bruch), *upadaṃśa* (dem Genitalgeschwür) und *ślīpada* (der Elephantiasis) erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So sprach der erhabene Dhanvantari:
vātapittaśleṣmaśoṇitamedomūtrāntranimittāḥ saptavṛddhayo bhavanti tāsāṃ mūtrāntranimitte vṛddhī vātasamutthe kevalamutpattiheturanyatamaḥ
Durch *vāta*, *pitta*, *kapha*, Blut, Fettgewebe, Harn und Darm verursacht, gibt es sieben Arten der *vṛddhi*. Bei den durch Harn und Darm verursachten Arten sowie bei der aus *vāta* entstandenen Art liegt jeweils nur eine einzelne Ursache des Entstehens vor.
adhaḥ prakupito'nyatamo hi doṣaḥ phalakośavāhinīrabhiprapadya dhamanīḥ phalakoṣayorvṛddhiṃ janayati tāṃvṛddhimityācakṣate
Wenn irgendeiner der *doṣa* im unteren Körperbereich erregt wird und in die zum Hodensack führenden Gefäße eindringt, erzeugt er eine Schwellung des Hodensacks; diese nennt man *vṛddhi*.
tāsāṃ bhaviṣyatīnāṃ pūrvarūpāṇi bastikaṭīmuṣkameḍhreṣu vedanā mārutanigrahaḥ phalakośaśophaśceti
Die Vorzeichen dieser Krankheiten, bevor sie ausbrechen, sind: Schmerzen an Blase, Hüfte, Hodensack und Glied, Rückhaltung des Windes sowie eine Schwellung des Hodensacks.
tatrānilaparipūrṇāṃ bastimivātatāṃ paruṣāmanimittānilarujāṃ vātavṛddhimāca-kṣate pakvodumbarasaṅkāśāṃjvaradāhoṣmavatīṃ cāśusamutthānapākāṃ pittavṛddhiṃkaṭhināmalpavedanāṃ śītāṃ kaṇḍūmatīṃ śleṣmavṛddhiṃ kṛṣṇasphoṭāvṛtāṃ pittavṛddhi-liṅgāṃ raktavṛddhiṃ mṛdusnigdhāṃ kaṇḍūmatīmalpavedanāṃ tālaphalaprakāśāṃ medovṛ-ddhiṃ mūtrasaṃdhāraṇaśīlasya mūtravṛddhirbhavati sā gacchatombupūrṇā dṛtiriva kṣubhya-ti mūtrakṛcchravedanāṃ vṛṣaṇayoḥ śvayathuṃ kośayoścāpādayati tāṃ mūtravṛddhiṃ vidyāt bhāraharaṇabalavadvigrahavṛkṣaprapatanādibhirāyāsa viśeṣairvāyurabhipravṛddha prakupitaśca sthūlāntrasyetarasya caikadeśaṃ viguṇamādāyādho gatvā vaṅkṣaṇasandhimupetya gra-nthirūpeṇa sthitvā'pratikriyamāṇe ca kālāntareṇaphalakośaṃ praviśya muṣka-śophamāpādayati ādhmāto bastirivātataḥ pradīrghaḥ sa śopho bhavati saśabda-mavapīḍitaścordhvamupaiti vimuktaścapunarādhmāyate tāmantravṛddhimasādhyāmityācakṣate
Dabei nennt man die *vāta*-*vṛddhi* diejenige, die, ganz von Wind erfüllt, ausgedehnt wie eine aufgeblähte Harnblase, rau ist und ohne äußeren Anlass windbedingte Schmerzen zeigt; die *pitta*-*vṛddhi* diejenige, die der reifen Udumbara-Frucht ähnlich ist, mit Fieber und brennender Hitze einhergeht und rasch entsteht und rasch zur Reifung gelangt; die *kapha*-*vṛddhi* diejenige, die hart, wenig schmerzhaft, kühl und juckend ist; die Blut-*vṛddhi* diejenige, die von schwarzen Pusteln bedeckt ist und die Kennzeichen der *pitta*-*vṛddhi* trägt; die Fett-*vṛddhi* diejenige, die weich, ölig, juckend, wenig schmerzhaft und von der Farbe einer Palmyra-Frucht ist. Bei jemandem, der die Gewohnheit hat, den Harndrang zurückzuhalten, entsteht die Harn-*vṛddhi*; diese bewegt sich, mit Wasser gefüllt, hin und her wie ein schwankender Schlauch, verursacht schmerzhaften, erschwerten Harnabgang sowie eine Schwellung der Hoden und des Hodensacks; dies erkenne man als die Harn-*vṛddhi*. Durch das Tragen von Lasten, durch Ringkämpfe mit einem Ebenbürtigen, durch das Fällen von Bäumen und ähnliche besondere Anstrengungen wird der *vāta* stark vermehrt und erregt; er erfasst einen Teil des Dickdarms oder eines anderen Darmabschnitts in gestörtem Zustand, geht nach unten, gelangt zum Leistengelenk, verharrt dort zunächst in Gestalt eines Knotens, und wenn er unbehandelt bleibt, dringt er nach einiger Zeit in den Hodensack ein und verursacht eine Schwellung des Hodens: Diese Schwellung ist wie eine aufgeblähte, ausgedehnte, sehr lange Harnblase, macht bei Druck ein Geräusch, steigt bei Druck nach oben und bläht sich, losgelassen, wieder auf. Diese erkenne man als die Darm-*vṛddhi*, die unheilbar ist.
tatrātimaithunādatibrahmacaryādvā tathā'tibrahmacāriṇīṃ cirotsṛṣṭāṃ rajasvalāṃ dī-rgharomāṃ karkaśaromāṃsaṅkīrṇaromāṃ nigūḍharomāmalpadvārāṃ mahādvārāmapriṃyāmakā-māmacaukṣasalilaprakṣālitayonimaprakṣālitayoniṃ yonirogopasṛṣṭāṃ svabhāvato vā duṣṭayoniṃ viyoniṃ vā nārīmatyarthamupasevamānasya tathā karajada śanavi-ṣaśūkanipātanādbandhanāddhastābhighātāccatuṣpadīgamanādacaukṣasalilaprakṣālanādavapīḍanācchukravegavidhāraṇānmaithunānte vā'prakṣālanādibhirmeḍhra māgamya prakupitādoṣāḥ kṣate'kṣate vā śvayathumupajanayanti tamupadaṃśamityācakṣate
Durch übermäßigen Geschlechtsverkehr oder übermäßige Enthaltsamkeit, sowie durch übermäßigen Verkehr mit einer lange enthaltsam gebliebenen Frau, mit einer menstruierenden Frau, mit einer mit langen Schamhaaren, mit rauen Schamhaaren, mit ungleichmäßigen Schamhaaren, mit verborgenen Schamhaaren, mit zu enger Scheidenöffnung, mit zu weiter Scheidenöffnung, mit einer unliebsamen, mit einer nicht begehrenden Frau, mit einer Frau, deren Scheide mit unreinem Wasser gewaschen wurde oder gar nicht gewaschen wurde, mit einer von Scheidenkrankheit befallenen Frau, oder von Natur aus mit einer schadhaften oder fehlgebildeten Scheide - sowie durch Verletzung des Gliedes durch Nagel- oder Zahnbisse, durch das Auftreffen von Gift oder Grannen, durch Fesselung, durch Schlag mit der Hand, durch Verkehr auf allen vieren nach Art der Tiere, durch Waschen mit unreinem Wasser, durch Quetschung, durch Zurückhalten des Samenerguss-Dranges, oder durch Unterlassen des Waschens nach dem Geschlechtsverkehr und Ähnliches - gelangen die erregten *doṣa* zum Glied und erzeugen dort, ob verletzt oder unverletzt, eine Schwellung; diese nennt man *upadaṃśa*.
sa pañcavidhastribhirdoṣaiḥ pṛthak samastairasṛjā ceti
Dieser *upadaṃśa* ist fünffach: durch die drei *doṣa* je einzeln, durch alle drei zusammen sowie durch verdorbenes Blut.
tatra vātike pāruṣyaṃ tvakparipuṭanaṃ stabdhameḍhratā paruṣaśophatā vividhāścavā-tavedanāḥ paittike jvaraḥ śvayathuḥ pakvodumbarasaṅkāśastīvradāhaḥ kṣiprapākaḥ pi-ttavedanāśca ślaiṣmike śvayathuḥ kaṇḍūmān kaṭhinaḥ snigdhaḥ śleṣmavedanāśca ra-ktaje kṛṣṇasphoṭaprādurbhāvo'tyarthamasṛkpravṛttiḥ pittaliṅgānyatyarthaṃ jvaradāhau śoṣaśca yāpyaścaiva kadācit sarvaje sarvaliṅgadarśanamavadaraṇaṃ ca śephasaḥ kṛmi prādurbhāvo maraṇaṃ ceti
Dabei finden sich bei der *vāta*-Art: Rauheit, Zusammenschrumpfen der Haut, Steifheit des Gliedes, raue Schwellung sowie mannigfache windbedingte Schmerzen. Bei der *pitta*-Art: Fieber, eine der reifen Udumbara-Frucht ähnliche Schwellung, heftiges Brennen, rasche Reifung sowie *pitta*-bedingte Schmerzen. Bei der *kapha*-Art: Schwellung mit Juckreiz, hart, ölig, sowie *kapha*-bedingte Schmerzen. Bei der aus Blut entstandenen: das Auftreten schwarzer Pusteln, sehr starker Blutaustritt, die Kennzeichen von *pitta*, sehr starkes Fieber und Brennen sowie Auszehrung; sie ist bisweilen nur beherrschbar, nicht heilbar. Bei der aus allen drei *doṣa* zugleich entstandenen: das Zeigen aller genannten Kennzeichen, ein Zerreißen des Gliedes, das Auftreten von Würmern und der Tod.
kupitāstu doṣā vātapittaśleṣmāṇo'dhaprapannāvaṅkṣaṇorujānujaṅghāsvavatiṣṭhamā-nāḥ kālāntareṇa pādamāśritya śanaiḥ śophaṃ janayanti taṃ ślīpadamityācakṣate tattrividhaṃvātapittakaphanimittamiti
Die erregten *doṣa* - *vāta*, *pitta* und *kapha* - gelangen nach unten, verweilen zunächst in Leiste, Oberschenkel und Unterschenkel, ergreifen nach einiger Zeit den Fuß und erzeugen dort allmählich eine Schwellung; diese nennt man *ślīpada*. Sie ist dreifach, durch *vāta*, *pitta* oder *kapha* verursacht.
tatra vātajaṃ kharaṃ kṛṣṇaṃ paruṣamanimittānilarujaṃ parisphuṭati ca bahuśaḥ pittajaṃ tu pītāvabhāsamīṣanmṛdu jvaradāhaprāyaṃ ca śleṣmajaṃ tu śvetaṃ snigdhāvabhāsaṃ mandavedanaṃ bhārikaṃ mahāgranthikaṃ kaṇṭakairupacitaṃ ca
Dabei ist die aus *vāta* entstandene *ślīpada* rau, schwarz, uneben, mit ohne äußeren Anlass auftretenden windbedingten Schmerzen versehen, und sie platzt häufig auf; die aus *pitta* entstandene ist gelblich glänzend, etwas weich und meist von Fieber und Brennen begleitet; die aus *kapha* entstandene ist weiß, ölig glänzend, wenig schmerzhaft, schwer, mit großen Knoten versehen und mit dornartigen Auswüchsen besetzt.
tatra saṃvatsarātītamatimahadvalmīkajātaṃ prasṛtamiti varjanīyāni
Von diesen sind als unheilbar zu meiden: die, welche schon länger als ein Jahr besteht, die übermäßig große, die einem Ameisenhügel ähnlich gewordene sowie die bereits ausgebreitete.
bhavanti cātra trīṇyapyetāni jānīyācchlīpadāni kaphocchrayāt gurutvaṃ ca mahattvaṃ ca yasmānnāsti vinā kaphāt
Hierzu ist Folgendes zu wissen: alle drei Arten der *ślīpada* beruhen auf einer Vermehrung von *kapha*, denn Schwere und Größe entstehen nicht ohne *kapha*.
purāṇodakabhūyiṣṭhāḥ sarvartuṣu ca śītalāḥ ye deśāsteṣu jāyante ślīpadāni viśeṣataḥ
In Ländern, die reich an stehendem, altem Wasser sind und zu allen Jahreszeiten kühl bleiben, entsteht *ślīpada* besonders häufig.
pādavaddhastayoścāpi ślīpadaṃ jāyate nṛṇām karṇākṣināsikauṣṭheṣu kecidicchanti tadvidaḥ
*ślīpada* entsteht bei Menschen ebenso an den Händen wie an den Füßen; manche Kenner der Materie nehmen an, dass es auch an Ohren, Augen, Nase und Lippen entsteht.