athātaḥ śūkadoṣanidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Ätiologie der durch einen Fehler der *śūka* (Reizborsten/Grannenhaare) verursachten Schäden erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Nidanasthana
Das vierzehnte Kapitel behandelt die achtzehn Krankheiten, die durch einen „Fehler der śūka“ (Grannenhaare oder Reizborsten) entstehen – ausdrücklich bei Männern, die mittels eines unvorschriftsmäßigen Verfahrens eine Vergrößerung des Gliedes erreichen wollen. Beschrieben werden zahlreiche daraus entstehende Pusteln, Knoten und Geschwülste wie sarṣapikā, aṣṭhīlikā und kumbhīkā, jeweils nach Farbe, Form und Doṣa-Beteiligung unterschieden, bis hin zu schweren Komplikationen wie Fleischtumor (māṃsārbuda), Fleischvereiterung (māṃsapāka) und Abszess (vidradhi), die ausdrücklich als unheilbar gelten. Das Kapitel ist medizinhistorisch bemerkenswert, da es eine konkrete, riskante Praxis der Genitalmodifikation mit ihren Folgeschäden dokumentiert und damit einen seltenen Einblick in eine außerhalb der eigentlichen Heilkunde liegende Körperpraxis der Zeit gibt.
| Name | Doṣa | Merkmale |
|---|---|---|
| sarṣapikā | kapha, Blut | weißen Senfkörnern gleichende Pustel |
| aṣṭhīlikā | vāta, giftgetränkte śūka | harte Pustel mit unregelmäßigen Rändern |
| kumbhīkā | Blut, pitta | angefüllt, verknotet, einer Jambolan-Kernfrucht ähnlich |
| saṃmūḍhapiḍakā | erregter Wind | gedrückt, gequetscht, durch Handeinwirkung entzündet |
| avamantha | kapha, Blut | viele längliche, in der Mitte aufreißende Pusteln, Schmerz, Haaresträuben |
| puṣkarikā | pitta, Blut | mit Pusteln übersät, wie ein Lotusfruchtboden geformt |
| sparśahāni | durch śūka verdorbenes Blut | Verlust des Tastsinns |
| uttamā | Blut, pitta | mungbohnenähnliche, rote Pustel |
| śataponaka | vāta, Blut | ringsum mit feinmündigen Löchern übersät |
| tvakpāka | pitta, Blut | von Fieber und Brennen begleitet |
| śoṇitārbuda | – | dunkle, blutige Blasen und Pusteln, heftige Schmerzen |
| māṃsārbuda | Fehler des Fleischgewebes | Fleischtumor; unheilbar |
| māṃsapāka | alle drei Doṣa | Fleisch zersetzt sich, alle Schmerzarten; unheilbar |
| tilakālaka | sannipāta | Fleischgewebe wird dunkel und zersetzt sich; unheilbar |
athātaḥ śūkadoṣanidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Ätiologie der durch einen Fehler der *śūka* (Reizborsten/Grannenhaare) verursachten Schäden erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So sprach der erhabene Dhanvantari:
liṅgavṛddhimicchatāmakramapravṛttānāṃ śūkadoṣanimittā daśa cāṣṭau ca vyādhayo jāyante tadyathāsarṣapikā aṣṭhīlikā grathitaṃ kumbhīkā alajī mṛditaṃ saṃmū-ḍhapiḍakā avamanthaḥ puṣkarikā sparśahāniḥ uttamā śataponakaḥ tvakpākaḥ śoṇitārbudaṃ māṃsārbudaṃ māṃsapākaḥ vidra dhiḥ tilakālakaśceti
Bei denjenigen, die durch ein unvorschriftsmäßiges Verfahren eine Vergrößerung des Gliedes wünschen, entstehen achtzehn durch einen Fehler der *śūka* verursachte Krankheiten, nämlich: *sarṣapikā*, *aṣṭhīlikā*, *grathita*, *kumbhīkā*, *alajī*, *mṛdita*, *saṃmūḍhapiḍakā*, *avamantha*, *puṣkarikā*, *sparśahāni*, *uttamā*, *śataponaka*, *tvakpāka*, *śoṇitārbuda*, *māṃsārbuda*, *māṃsapāka*, *vidradhi* und *tilakālaka*.
gaurasarṣapatulyā tu śūkadurbhagnahetukā piḍakā kapharaktābhyāṃ jñeyā sarṣapikā budhaiḥ
Eine weißen Senfkörnern gleichende Pustel, verursacht durch schlecht verarbeitete *śūka*, erkennen die Kundigen, entstanden aus *kapha* (der Schleim-Doṣa) und Blut, als *sarṣapikā*.
kaṭhinā viṣamairantairmārutasya prakopataḥ śūkaistu viṣasaṃbhugnaiḥ piḍakā'ṣṭhīlikā bhavet
Eine harte, an den Rändern unregelmäßige Pustel, entstanden durch erregten *vāta* (der Wind-Doṣa) und durch mit Gift durchtränkte, gekrümmte *śūka*, ist *aṣṭhīlikā*.
śūkairyat pūritaṃ śaśvadr gathitaṃ tat kaphotthitam kumbhīkā raktapittotthā jāmbavāsthinibhā'śubhā
Was durch *śūka* stets angefüllt und verknotet ist, entsteht aus *kapha*; *kumbhīkā* entsteht aus Blut und *pitta* (der Gallen-Doṣa), ist einer Jambolan-Kernfrucht ähnlich und von übler Beschaffenheit.
alajīlakṣaṇairyuktāmalajīṃ ca vitarkayet mṛditaṃ pīḍitaṃ yattu saṃrabdhaṃ vāyukopataḥ
Was die Merkmale der *alajī* trägt, erkenne man als *alajī*. Was gedrückt, gequetscht und durch erregten Wind entzündet ist,
pāṇibhyāṃ bhṛśasaṃmūḍhe saṃmūḍhapiḍakā bhavet dīrghā bahvyaśca piḍakā dīryante madhyatastu yāḥ
und mit den Händen stark misshandelt wurde, ist *saṃmūḍhapiḍakā*. Entstehen viele längliche Pusteln, die in der Mitte aufreißen,
so'vamanthaḥ kaphāsṛgbhyāṃ vedanāromaharṣakṛt pittaśoṇitasaṃbhūtā piḍakā piḍakācitā
so ist dies *avamantha*, entstanden aus *kapha* und Blut, Schmerz und Haaresträuben verursachend. Eine aus *pitta* und Blut entstandene, mit Pusteln übersäte Pustel,
padmapuṣkarasaṃsthānā jñeyā puṣkariketi sā janayet sparśahāniṃ tu śoṇitaṃ śūkadūṣitam
die wie ein Lotusfruchtboden geformt ist, erkenne man als *puṣkarikā*. Durch *śūka* verdorbenes Blut erzeugt *sparśahāni* (den Verlust des Tastsinns).
mudgamāṣopamā raktā piḍakā raktapittajā uttamaiṣā tu vijñeyā śūkājīrṇanimittajā
Eine mungbohnen- oder urdbohnenähnliche, rote, aus Blut und *pitta* entstandene Pustel, verursacht durch unverdaute *śūka*, erkenne man als *uttamā*.
chidrai raṇumukhairvastu citaṃ yasya samantataḥ vātaśoṇitajo vyādhirvijñeyaḥ śataponakaḥ
Was ringsum mit feinmündigen Löchern übersät ist, erkenne man als die aus *vāta* und Blut entstandene Krankheit *śataponaka*.
pittaraktakṛto jñeyastvakpāko jvaradāhavān kṛṣṇaiḥ sphoṭaiḥ saraktaiśca piḍakābhiśca pīḍitam yasya vastu rujaścogrā jñeyaṃ tacchoṇitārbudam
Der von Fieber und Brennen begleitete *tvakpāka* entsteht durch *pitta* und Blut. Was mit dunklen, blutigen Blasen und Pusteln bedeckt ist und heftige Schmerzen verursacht, erkenne man als *śoṇitārbuda*.
māṃsadoṣeṇa jānīyādarbudaṃ māṃsasaṃbhavam śīryante yasya māṃsāni yatra sarvāśca vedanāḥ
Durch einen Fehler des Fleischgewebes entsteht *māṃsārbuda*, wie man wissen sollte. Wessen Fleisch sich zersetzt und wo alle Arten von Schmerz auftreten,
vidyāttaṃ māṃsapākaṃ tu sarvadoṣakṛtaṃ bhiṣak vidra dhiṃ sannipātena yathoktamabhinirdiśet
dies erkenne der Arzt als *māṃsapāka*, verursacht durch alle drei Doṣas. *vidradhi*, entstanden aus *sannipāta*, werde wie an anderer Stelle beschrieben behandelt.
kṛṣṇāni citrāṇyathavā śūkāni saviṣāṇi ca pātitāni pacantyāśu meḍhraṃ niravaśeṣataḥ
Dunkle oder bunte, giftige *śūka*, die eingebracht wurden, bringen das Glied rasch und vollständig zur Eiterung;
kālāni bhūtvā māṃsāni śīryante yasya dehinaḥ sannipātasamutthānaṃ taṃ vidyāttilakālakam
wessen Fleischgewebe dunkel wird und sich zersetzt, erkenne man, entstanden aus *sannipāta*, als *tilakālaka*.
tatra māṃsārbudaṃ yacca māṃsapākaśca yaḥ smṛtaḥ vidra dhiśca na sidhyanti ye ca syustilakālakāḥ
Von diesen sind *māṃsārbuda*, das genannte *māṃsapāka*, *vidradhi* und die Fälle von *tilakālaka* nicht heilbar.