Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Nidanasthana

Adhyāya 16: mukharoganidānaṃ Die Mundkrankheiten (Mukharoga)

Das sechzehnte und letzte Kapitel des Nidānasthāna behandelt systematisch die fünfundsechzig Mundkrankheiten (mukharoga), gegliedert nach sieben anatomischen Bereichen: Lippen (acht Krankheiten), Zahnwurzeln (fünfzehn), Zähne (acht), Zunge (fünf), Gaumen (neun), Rachen (siebzehn) und der gesamte Mund (drei). Für jeden Bereich werden die einzelnen Krankheiten benannt und nach Doṣa-Ursache, Aussehen und Verlauf unterschieden, etwa das Zahnfleischbluten śītāda, der Zahnwurm krimidantaka, die Zungengeschwülste alāsa und upajihvikā oder die lebensbedrohliche Rachenwucherung rohiṇī und der wie die śataghnī-Waffe unheilbare Rachenverschluss. Das Kapitel bildet damit eine eigenständige, ausgesprochen feingliedrige Nosologie von Zahn-, Zahnfleisch-, Zungen-, Gaumen- und Rachenerkrankungen und beschließt mit dieser umfangreichen Einzelkatalogisierung das Nidānasthāna der Suśruta-Saṃhitā.

DIE FÜNFUNDSECHZIG MUNDKRANKHEITEN NACH BEREICH (Vers 3)
Bereich (āyatana)Anzahl
Lippen (oṣṭha)8
Zahnwurzeln (dantamūla)15
Zähne (danta)8
Zunge (jihvā)5
Gaumen (tālu)9
Rachen (kaṇṭha)17
gesamter Mund3
Zusammen ergeben sich 65 Mundkrankheiten (Vers 3); die folgende Tabelle stellt eine Auswahl der besonders charakteristischen Einzelkrankheiten vor.
AUSGEWÄHLTE MUNDKRANKHEITEN (AUSWAHL) (Vers 15–66)
NameBereichMerkmale
śītādaZahnwurzelgrundloses Zahnfleischbluten, übelriechend, geschwärzt; aus kapha und Blut
vardhanaZahnwurzelüberzähliger, sehr schmerzhafter Zahn, durch vāta
krimidantakaZahnschwarz, löchrig, locker, absondernd, entzündet; durch vāta („Zahnwurm“)
dantaharṣaZahnZähne ertragen weder Kälte noch Hitze noch Berührung; durch vāta
alāsaZungefeste Schwellung unter der Zunge, versteift bei Zunahme die Zunge
upajihvikāZungeSchwellung in Gestalt einer zweiten Zungenspitze, hebt die Zunge empor
tālupākaGaumenüberaus heftige, furchtbare Eiterung, durch pitta
rohiṇīRachenlebensraubende (asuharā) Wucherungen, die den Rachen verschließen; Blut-Form unheilbar
śataghnīRachendichte, walzenförmige, aus allen drei Doṣa entstandene Schwellung; unheilbar wie die gleichnamige Waffe
galavidradhiRachenRachenabszess aus allen drei Doṣa, Schmerz im ganzen Rachen
svaraghnaRachengebrochene Stimme, trockene, schlaffe Kehle bei Erschöpfung
mukhapāka (sarvasara)gesamter MundBlasen (sphoṭa) über den ganzen Mund verteilt, nach Doṣa unterschieden
Diese Auswahl greift die im Kapitel besonders hervorgehobenen Krankheiten heraus; die vollständige Liste der 65 Namen findet sich im Kapiteltext (Vers 13, 27, 36, 40, 46).

athāto mukharogāṇāṃ nidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Ursachenlehre (*nidāna*) der Mundkrankheiten (*mukharoga*) darlegen.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene *Dhanvantari* sprach:

mukharogāḥ pañcaṣaṣṭirbhavanti saptasvāyataneṣu tatrāyatanānioṣṭhau dantamūlāni dantāḥ jihvā tālukaṇṭhaḥ sarvāṇi ceti tatrāṣṭāvoṣṭhayoḥ pañcadaśadantamūleṣu aṣṭau danteṣu pañca jihvāyāṃ nava tālunisaptadaśa kaṇṭhe trayaḥ sarveṣvāyataneṣu

Es gibt fünfundsechzig Mundkrankheiten, verteilt auf sieben Bereiche (*āyatana*); diese Bereiche sind: die beiden Lippen (*oṣṭha*), die Zahnwurzeln (*dantamūla*), die Zähne (*danta*), die Zunge (*jihvā*), Gaumen (*tālu*) und Rachen (*kaṇṭha*), sowie der gesamte Mund. Davon entfallen acht auf die Lippen, fünfzehn auf die Zahnwurzeln, acht auf die Zähne, fünf auf die Zunge, neun auf den Gaumen, siebzehn auf den Rachen und drei auf den gesamten Mund.

tatrauṣṭhaprakopā vātapittaśleṣmasannipātaraktamāṃsamedobhighātanimittāḥ

Die Erkrankungen der Lippen entstehen durch die Erregung (*prakopa*) von *vāta* (dem Wind- oder Bewegungsprinzip), *pitta* (dem Feuer- oder Gallenprinzip) und *kapha* (dem Schleimprinzip, hier *śleṣma* genannt) – den drei *doṣa* (Körpersäften) –, durch deren Zusammenwirken (*sannipāta*), sowie durch Schädigung von Blut, Fleisch und Fettgewebe.

karkaśau paruṣau stabdhau kṛṣṇau tīvraruganvitau dālyete paripāṭyete hyoṣṭhau mārutakopataḥ

Rau, trocken, starr und schwarz, von heftigem Schmerz begleitet – so bersten und schälen sich die Lippen bei Erregung des *vāta*.

ācitau piḍakābhistu sarṣapākṛtibhirbhṛśam sadāhapākasaṃsrāvau nīlau pītau ca pittataḥ

Bei Erregung des *pitta* sind sie dicht mit Pusteln (*piḍakā*) in der Form von Senfkörnern bedeckt, mit Brennen, Eiterung und Ausfluss, und erscheinen bläulich oder gelblich.

savarṇābhistu cīyete piḍakābhiravedanau kaṇḍūmantau kaphācchūnau picchilau śītalau gurū

Durch *kapha* sind sie mit gleichfarbigen, schmerzlosen Pusteln bedeckt, jucken, sind geschwollen, schleimig, kühl und schwer.

sakṛt kṛṣṇau sakṛt pītau sakṛcchvetau tathaiva ca sannipātena vijñeyāvanekapiḍikācitau

Bald schwarz, bald gelb, bald ebenso weiß, dicht mit zahlreichen Pusteln übersät – so sind sie bei *sannipāta* zu erkennen.

kharjūraphalavarṇābhiḥ piḍakābhiḥ samācitau raktopasṛṣṭau rudhiraṃ sravataḥ śoṇitaprabhau

Bei Blutbeteiligung sind sie mit Pusteln von der Farbe der Dattelfrucht bedeckt, bluten und schimmern in der Farbe von Blut.

māṃsaduṣṭau gurū sthūlau māṃsapiṇḍavadudgatau jantavaścātra mūrcchanti sṛkkasyobhayato mukhāt

Bei Schädigung des Fleisches (*māṃsa*) sind sie schwer, dick, wie ein hervorgetretener Fleischklumpen; hier setzen sich an beiden Mundwinkeln Maden fest.

medasā ghṛtamaṇḍābhau kaṇḍūmantau sthirau mṛdū acchaṃ sphaṭikasaṅkāśamāsrāvaṃ sravato gurū

Bei Schädigung des Fettgewebes (*medas*) gleichen sie dem Schaum geschmolzener Butter, jucken, sind fest und weich zugleich und sondern eine klare, kristallhelle, schwere Flüssigkeit ab.

kṣatajābhau vidīryete pāṭyete cābhighātataḥ grathitau ca samākhyātāvoṣṭhau kaṇḍūsamanvitau

Durch eine Verletzung (*abhighāta*) reißen und spalten sich die Lippen wie bei einem Bluterguss; man nennt sie dann auch 'verknotet' (*grathita*), begleitet von Juckreiz.

dantamūlagatāstu-śītādo dantapuppuṭako dantaveṣṭakaḥ śauṣiro mahāśauṣiraḥ paridara upakuśo dantavaidarbho vardhanaḥ adhimāṃso nāḍyaḥ pañceti

Die an den Zahnwurzeln entstehenden Krankheiten sind: *śītāda*, *dantapuppuṭaka*, *dantaveṣṭaka*, *śauṣira*, *mahāśauṣira*, *paridara*, *upakuśa*, *dantavaidarbha*, *vardhana*, *adhimāṃsa* sowie die fünf *nāḍī*-Krankheiten.

śoṇitaṃ dantaveṣṭebhyo yasyākasmāt pravartate durgandhīni sakṛṣṇāni prakledīni mṛdūni ca

Wessen Zahnfleisch (*dantaveṣṭa*) grundlos und plötzlich zu bluten beginnt, dessen Zahnfleisch wird übelriechend, geschwärzt, feucht und weich.

dantamāṃsāni śīryante pacanti ca parasparam śītādo nāma sa vyādhiḥ kaphaśoṇitasaṃbhavaḥ

Das Zahnfleisch löst sich auf, und die betroffenen Stellen zersetzen sich gegenseitig – diese Krankheit heißt *śītāda* und entsteht aus *kapha* und Blut.

dantayostriṣu vā yasya śvayathuḥ sarujo mahān dantapuppuṭako jñeyaḥ kapharaktanimittajaḥ

Wessen zwei oder drei Zähne eine große, schmerzhafte Schwellung zeigen, das ist als *dantapuppuṭaka* zu erkennen, verursacht durch *kapha* und Blut.

sravanti pūyarudhiraṃ calā dantā bhavanti ca dantaveṣṭaḥ sa vijñeyo duṣṭaśoṇitasaṃbhavaḥ

Wenn Eiter und Blut ausfließen und die Zähne locker werden, ist dies als *dantaveṣṭaka* zu erkennen, entstanden aus verdorbenem Blut.

śvayathurdantamūleṣu rujāvān kapharaktajaḥ lālāsrāvī sa vijñeyaḥ kaṇḍūmāñ śauṣiro gadaḥ

Eine schmerzhafte Schwellung an den Zahnwurzeln, entstanden aus *kapha* und Blut, mit Speichelfluss und Juckreiz – diese Krankheit ist als *śauṣira* zu erkennen.

dantāścalanti veṣṭebhyastālu cāpyavadīryate dantamāṃsāni pacyante mukhaṃ ca paripīḍyate

Die Zähne lockern sich im Zahnfleisch, auch der Gaumen reißt auf, das Zahnfleisch eitert, und der ganze Mund wird gequält.

yasmin sa sarvajo vyādhirmahāśauṣirasaṃjñakaḥ dantamāṃsāni śīryante yasmin ṣṭhīvati cāpyasṛk

Diese von allen drei *doṣa* zugleich hervorgerufene Krankheit heißt *mahāśauṣira*; das Zahnfleisch löst sich auf, und man spuckt dabei Blut aus.

pittāsṛkkaphajo vyādhirjñeyaḥ paridaro hi saḥ veṣṭeṣu dāhaḥ pākaśca tebhyo dantāścalanti ca

Diese aus *pitta*, Blut und *kapha* entstandene Krankheit ist als *paridara* zu erkennen: im Zahnfleisch entstehen Brennen und Eiterung, wodurch sich die Zähne lockern.

āghaṭṭitāḥ prasravanti śoṇitaṃ mandavedanāḥ ādhmāyante srute rakte mukhaṃ pūti ca jāyate

Bei Berührung bluten sie, mit nur geringem Schmerz; sie schwellen an, und ist das Blut erst geflossen, wird der Mund übelriechend.

yasminnupakuśaḥ sa syāt pittaraktakṛto gadaḥ ghṛṣṭeṣu dantamūleṣu saṃrambho jāyate mahān

Das ist *upakuśa*, eine durch *pitta* und Blut verursachte Krankheit; werden die Zahnwurzeln gerieben, entsteht eine starke Entzündung (*saṃrambha*),

bhavanti ca calā dantāḥ sa vaidarbho'bhighātajaḥ mārutenādhiko danto jāyate tīvravedanaḥ

und die Zähne werden locker – das ist *dantavaidarbha*, durch eine Verletzung entstanden. Durch *vāta* entsteht zudem ein überzähliger Zahn mit heftigem Schmerz.

vardhanaḥ sa mato vyādhirjāte ruk ca praśāmyati hānavye paścime dante mahāñchotho mahārujaḥ

Diese Krankheit gilt als *vardhana*; sobald der Zahn hervorgetreten ist, lässt der Schmerz nach. Am hintersten Backenzahn entsteht eine große, sehr schmerzhafte Schwellung,

lālāsrāvī kaphakṛto vijñeyaḥ so'dhimāṃsakaḥ dantamūlagatā nāḍyaḥ pañca jñeyā yatheritāḥ

mit Speichelfluss, durch *kapha* verursacht – das ist als *adhimāṃsa* zu erkennen. So sind die fünf an den Zahnwurzeln entstehenden *nāḍī*-Krankheiten zu verstehen, wie sie beschrieben wurden.

dantagatāstu-dālanaḥ krimidantako dantaharṣo bhañjanakaḥ dantaśarkarā kapālikā śyāvadantako hanumokṣaśceti

Die an den Zähnen selbst entstehenden Krankheiten sind: *dālana*, *krimidantaka*, *dantaharṣa*, *bhañjanaka*, *dantaśarkarā*, *kapālikā*, *śyāvadantaka* und *hanumokṣa*.

dālyante bahudhā dantā yasmiṃstīvraruganvitāḥ dālanaḥ sa iti jñeyaḥ sadāgatinimittajaḥ

Wessen Zähne sich unter heftigem Schmerz vielfach spalten, das ist als *dālana* zu erkennen, ständig durch *vāta*, den 'immer Wehenden' (*sadāgati*), verursacht.

kṛṣṇaśchidrī calaḥ srāvī sasaṃrambho mahārujaḥ animittarujo vātādvijñeyaḥ kṛmidantakaḥ

Schwarz, löchrig, locker, absondernd, entzündet, sehr schmerzhaft, mit grundlosem Schmerz – das ist als *krimidantaka*, durch *vāta* verursacht, zu erkennen.

śītamuṣṇaṃ ca daśanāḥ sahante sparśanaṃ na ca yasya taṃ dantaharṣaṃ tu vyādhiṃ vidyāt samīraṇāt

Wessen Zähne weder Kälte noch Hitze noch Berührung ertragen, diese Krankheit erkenne man als *dantaharṣa*, durch *vāta* verursacht.

vaktraṃ vakraṃ bhavedyasmin dantabhaṅgaśca tīvraruk kaphavātakṛto vyādhiḥ sa bhañjanakasaṃjñitaḥ

Bei wem sich der Mund verzieht und die Zähne unter heftigem Schmerz zerbrechen, diese durch *kapha* und *vāta* verursachte Krankheit heißt *bhañjanaka*.

śarkareva sthirībhūto malo danteṣu yasya vai sā dantānāṃ guṇaharī vijñeyā dantaśarkarā

Wessen Zähne einen wie Grieß verhärteten Belag (*mala*) tragen, der ihnen ihre guten Eigenschaften raubt, das ist als *dantaśarkarā* zu erkennen.

dalanti dantavalkāni yadā śarkarayā saha jñeyā kapālikā saiva daśanānāṃ vināśinī

Wenn zusammen mit diesem Belag auch die Zahnschichten (*dantavalka*) abbrechen, ist eben dies als *kapālikā* zu erkennen, die die Zähne zerstört.

yo'sṛṅmiśreṇa pittena dagdho dantastvaśeṣataḥ śyāvatāṃ nīlatāṃ vā'pi gataḥ sa śyāvadantakaḥ

Ein Zahn, der durch mit Blut vermischtes *pitta* gänzlich 'verbrannt' und dabei bräunlich oder bläulich verfärbt ist – das ist *śyāvadantaka*.

vātena taistairbhāvaistu hanusandhirvisaṃhataḥ hanumokṣa iti jñeyo vyādhirarditalakṣaṇaḥ

Wird durch *vāta*, hervorgerufen durch mancherlei Ursachen, das Kiefergelenk (*hanusandhi*) ausgerenkt, ist diese Krankheit als *hanumokṣa* zu erkennen, mit den Merkmalen der *ardita* (Gesichtslähmung).

jihvāgatāstukaṇṭakāstrividhāstribhirdoṣaiḥ alāsa upajihvikā ceti

Die an der Zunge entstehenden Krankheiten sind: die 'Dornen' (*kaṇṭaka*) in drei Arten, je nach den drei *doṣa*, sowie *alāsa* und *upajihvikā*.

jihvā'nilena sphuṭitā prasuptā bhavecca śākacchadanaprakāśā pittena pītā paridahyate ca citā saraktairapi kaṇṭakaiśca kaphena gurvī bahalā citā ca māṃsodgamaiḥ śālmalikaṇṭakābhaiḥ

Durch *vāta* wird die Zunge rissig und taub und erscheint wie ein welkes Gemüseblatt; durch *pitta* wird sie gelb, brennt und ist mit blutunterlaufenen Dornen bedeckt; durch *kapha* wird sie schwer und dick und mit fleischigen Wucherungen bedeckt, die den Dornen des *Śālmali*-Baumes gleichen.

jihvātale yaḥ śvayathuḥ pragāḍhaḥ so'lāsasaṃjñaḥ kapharaktamūrtiḥ jihvāṃ sa tu stambhayati pravṛddho mūle tu jihvā bhṛśameti pākam

Eine feste Schwellung unter der Zunge, aus *kapha* und Blut bestehend, heißt *alāsa*; nimmt sie zu, versteift sie die Zunge, und an der Zungenwurzel kommt es zu heftiger Eiterung.

jihvāgrarūpaḥ śvayathurhi jihvāmunnamya jātaḥ kapharaktayoniḥ prasekakaṇḍūparidāhayuktā prakathyate'sāvupajihviketi

Eine Schwellung in Gestalt einer zweiten Zungenspitze, die entsteht, indem sie die Zunge emporhebt, aus *kapha* und Blut hervorgegangen, mit Speichelfluss, Juckreiz und Brennen verbunden – diese nennt man *upajihvikā*.

tālugatāstu-galaśuṇḍikā tuṇḍikerī adhruṣaḥ kacchapaḥ arbudaṃ māṃsasaṅghātaḥ tālupuppuṭaḥ tāluśoṣaḥ tālupākaiti

Die am Gaumen entstehenden Krankheiten sind: *galaśuṇḍikā*, *tuṇḍikerī*, *adhruṣa*, *kacchapa*, *arbuda*, *māṃsasaṅghāta*, *tālupuppuṭa*, *tāluśoṣa* und *tālupāka*.

śleṣmāsṛgbhyāṃ tālumūlāt pravṛddho dīrghaḥ śopho dhmātabastiprakāśaḥ tṛṣṇākāsaśvāsakṛt saṃpradiṣṭo vyādhirvaidyaiḥ kaṇṭhaśuṇḍīti nāmnā

Eine durch *kapha* und Blut von der Gaumenwurzel her entstandene, lang herabhängende Schwellung, die wie ein aufgeblasener Wasserschlauch aussieht und Durst, Husten und Atemnot hervorruft – diese Krankheit wird von den Ärzten mit dem Namen *kaṇṭhaśuṇḍī* bezeichnet.

śophaḥ sthūlastodadāhaprapākī prāguktābhyāṃ tuṇḍikerī matā tu śophaḥ stabdho lohitastāludeśe raktājjñeyaḥ so'dhruṣo rugjvarāḍhyaḥ

Eine dicke Schwellung mit stechendem Schmerz, Brennen und Eiterung, durch die beiden zuvor genannten Ursachen (*kapha* und Blut) hervorgerufen, gilt als *tuṇḍikerī*. Eine starre, gerötete Schwellung im Bereich des Gaumens, aus Blut entstanden, ist als *adhruṣa* zu erkennen, reich an Schmerz und Fieber.

kūrmotsanno'vedano'śīghrajanmā'rakto jñeyaḥ kacchapaḥ śleṣmaṇā syāt padmākāraṃ tālumadhye tu śophaṃ vidyādra ktādarbudaṃ proktaliṅgam

Eine schildkrötenartig erhabene, schmerzlose, langsam entstehende, nicht blutige Schwellung ist als *kacchapa*, durch *kapha* verursacht, zu erkennen. Eine lotusförmige Schwellung inmitten des Gaumens erkenne man als *arbuda*, aus Blut entstanden, mit den genannten Merkmalen.

duṣṭaṃ māṃsaṃ śleṣmaṇā nīrujaṃ ca tālvantaḥsthaṃ māṃsasaṅghātamāhuḥ nīruk sthāyī kolamātraḥ kaphāt syānmedoyuktāt puppuṭastāludeśe

Verdorbenes, durch *kapha* entstandenes und schmerzloses Fleisch im Innern des Gaumens nennt man *māṃsasaṅghāta*. Schmerzlos, beständig und von der Größe einer Jujube, entsteht der *puppuṭa* am Gaumen durch mit Fett verbundenes *kapha*.

śoṣo'tyarthaṃ dīryate cāpi tāluḥ śvāso vātāttāluśoṣaḥ sapittāt pittaṃ kuryāt pākamatyarthaghoraṃ tālunyenaṃ tālupākaṃ vadanti

Bei starker Austrocknung reißt der Gaumen auf, und es besteht Atemnot durch *vāta* – zusammen mit *pitta* entstanden, heißt dies *tāluśoṣa*. Verursacht *pitta* am Gaumen eine überaus heftige, furchtbare Eiterung, so nennt man dies *tālupāka*.

kaṇṭhagatāsturohiṇyaḥ pañca kaṇṭhaśālūkam adhijihvo balayo balāsa eka-vṛndo vṛndaḥ śataghnī gilāyuḥ galavidra dhiḥ galaughaḥ svaraghno māṃsatāno vidārī ceti

Die im Rachen entstehenden Krankheiten sind: die fünf *rohiṇī*, *kaṇṭhaśālūka*, *adhijihva*, *valaya*, *balāsa*, *ekavṛnda*, *vṛnda*, *śataghnī*, *gilāyu*, *galavidradhi*, *galaugha*, *svaraghna*, *māṃsatāna* und *vidārī*.

gale'nilaḥ pittakaphau ca mūrcchitau pṛthak samastāśca tathaiva śoṇitam pradūṣya māṃsaṃ galarodhino'ṅakurān sṛjanti yān sā'suharā hi rohiṇī

Wenn *vāta*, *pitta* und *kapha* im Rachen erregt sind – einzeln oder alle zugleich – und dabei ebenso das Blut verderben und das Fleisch schädigen, sodass sie den Rachen verschließende Wucherungen (*aṅkura*) hervorbringen, so ist dies die lebensraubende (*asuharā*) *rohiṇī*.

jihvāṃ samantādbhṛśavedanā ye māṃsāṅkurāḥ kaṇṭhanirodhinaḥ syuḥ tāṃ rohiṇīṃ vātakṛtāṃ vadanti vātātmakopadra vagāḍhayuktām

Jene Fleischwucherungen, die die Zunge ringsum mit heftigem Schmerz bedecken und den Rachen verschließen, nennt man die durch *vāta* verursachte *rohiṇī*, verbunden mit den schweren, dem *vāta* eigenen Begleiterscheinungen.

kṣiprodgamā kṣipravidāhapākā tīvrajvarā pittanimittajā syāt srotonirodhinyapi mandapākā gurvī sthirā sā kaphasaṃbhavā vai

Schnell entstehend, rasch brennend und eiternd, mit heftigem Fieber – so ist die durch *pitta* verursachte Form. Die die Kanäle verschließende, langsam eiternde, schwere und feste Form entsteht aus *kapha*.

gambhīrapākā'prativāravīryā tridoṣaliṅgā trayasaṃbhavā syāt sphoṭācitā pittasamānaliṅgā'sādhyā pradiṣṭā rudhirātmikeyam

Tief eiternd, von unaufhaltsamer Kraft, mit den Merkmalen aller drei *doṣa* zugleich, entsteht die aus allen dreien gemeinsam hervorgegangene Form. Die mit Blasen (*sphoṭa*) bedeckte, den Merkmalen der *pitta*-Form gleichende Form gilt als unheilbar – dies ist die aus Blut entstandene *rohiṇī*.

kolāsthimātraḥ kaphasaṃbhavo yo granthirgale kaṇṭakaśūkabhūtaḥ kharaḥ sthiraḥ śastranipātasādhyastaṃ kaṇṭhaśālūkamiti bruvanti

Ein aus *kapha* entstandener Knoten im Rachen, von der Größe eines Jujubenkerns, einer Dornspitze gleichend, rau und fest, nur durch den Einsatz des Messers heilbar – diesen nennt man *kaṇṭhaśālūka*.

jihvāgrarūpaḥ śvayathuḥ kaphāttu jihvāprabandhopari raktamiśrāt jñeyo'dhijihvaḥ khalu roga eṣa vivarjayedāgatapākamenam

Eine Schwellung in Gestalt einer zweiten Zungenspitze, oberhalb des Zungenbändchens, durch mit Blut vermischtes *kapha* entstanden, ist als *adhijihva* zu erkennen; sobald diese Krankheit zu eitern beginnt, ist sie zu meiden, da unheilbar.

balāsa evāyatamunnataṃ ca śophaṃ karotyannagatiṃ nivārya taṃ sarvathaivāprativāravīryaṃ vivarjanīyaṃ valayaṃ vadanti

*Balāsa* selbst verursacht eine längliche, erhabene Schwellung, die den Durchgang der Nahrung versperrt; diese, von durchweg unaufhaltsamer Kraft und daher zu meidende Krankheit nennt man *valaya*.

gale tu śophaṃ kurutaḥ pravṛddhau śleṣmānilau śvāsarujopapannam marmacchidaṃ dustarametadāhurbalāsasaṃjñaṃ nipuṇā vikāram

Wenn *kapha* und *vāta* im Rachen anwachsen, verursachen sie eine Schwellung, verbunden mit Atemnot und Schmerz; diese lebensbedrohliche, schwer zu überwindende Krankheit nennen die Kundigen *balāsa*.

vṛttonnato yaḥ śvayathuḥ sadāhaḥ kaṇḍvanvito'pākyamṛdurguruśca nāmnaikavṛndaḥ parikīrtito'sau vyādhirbalāsakṣatajaprasūtaḥ

Eine runde, erhabene Schwellung mit Brennen und Juckreiz, nicht eiternd, weich und schwer – diese aus *balāsa* und Blut entstandene Krankheit wird mit dem Namen *ekavṛnda* bezeichnet.

samunnataṃ vṛttamamandadāhaṃ tīvrajvaraṃ vṛndamudāharanti taṃ cāpi pittakṣatajaprakopādvidyāt satodaṃ pavanāsrajaṃ tu

Eine ebenso erhabene, runde Schwellung mit starkem Brennen und heftigem Fieber nennt man *vṛnda*; man erkennt sie als durch die Erregung von *pitta* und Blut entstanden – eine Form mit stechendem Schmerz jedoch entsteht aus *vāta* und Blut.

vartirghanā kaṇṭhanirodhinī yā citā'timātraṃ piśitaprarohaiḥ nānārujocchrāyakarī tridoṣājjñeyā śataghnīva śataghnyasādhyā

Eine dichte, den Rachen verschließende, walzenförmige Schwellung, übermäßig mit Fleischwucherungen bedeckt, die vielfältige Schmerzen und Anschwellungen hervorruft, entsteht aus allen drei *doṣa* zugleich; sie ist wie die *śataghnī*-Waffe zu erkennen und, wie diese, unheilbar.

granthirgale tvāmalakāsthimātraḥ sthiro'lparuk syāt kapharaktamūrtiḥ saṃlakṣyate saktamivāśanaṃ ca sa śastrasādhyastu gilāyusaṃjñaḥ

Ein Knoten im Rachen von der Größe eines *Āmalaka*-Kerns, fest, wenig schmerzhaft, aus *kapha* und Blut bestehend – dabei erscheint es, als bliebe beim Schlucken die Nahrung stecken; dieser, nur durch das Messer heilbare Knoten, heißt *gilāyu*.

sarvaṃ galaṃ vyāpya samutthito yaḥ śopho rujo yatra ca santi sarvāḥ sa sarvadoṣo galavidra dhistu tasyaiva tulyaḥ khalu sarvajasya

Eine Schwellung, die sich über den ganzen Rachen ausbreitet und in der alle Arten von Schmerz zugleich auftreten, entsteht aus allen drei *doṣa* zusammen; der *galavidradhi* (Rachenabszess) gleicht eben dieser von allen *doṣa* erzeugten Krankheit.

śopho mahānannajalāvarodhī tīvrajvaro vātagaternihantā kaphena jāto rudhirānvitena gale galaughaḥ parikīrtyate'sau

Eine große Schwellung, die den Durchgang von Speise und Trank behindert, mit heftigem Fieber, die den Weg des *vāta*-Atems blockiert, entsteht durch mit Blut verbundenes *kapha* im Rachen; sie wird *galaugha* genannt.

yo'tipratāmyan śvasiti prasaktaṃ bhinnasvaraḥ śuṣkavimuktakaṇṭhaḥ kaphopadigdheṣvanilāyaneṣu jñeyaḥ sa rogaḥ śvasanāt svaraghnaḥ

Wer unter äußerster Erschöpfung ununterbrochen keucht, dessen Stimme gebrochen und dessen Kehle trocken und schlaff ist – sind dabei die Atemwege innen mit *kapha* überzogen, ist diese Krankheit, benannt nach der gestörten Atmung, als *svaraghna* zu erkennen.

pratānavān yaḥ śvayathuṃ sukaṣṭo galoparodhaṃ kurute krameṇa sa māṃsatānaḥ kathito'valambī prāṇapraṇut sarvakṛto vikāraḥ

Eine sich rankenartig ausbreitende, sehr schmerzhafte Schwellung, die allmählich den Rachen verschließt, wird *māṃsatāna* genannt; sie hängt herab, raubt den Lebensatem und entsteht aus allen drei *doṣa*.

sadāhatodaṃ śvayathuḥ saraktamantargale pūtiviśīrṇamāṃsam pittena vidyādvadane vidārīṃ pārśve viśeṣāt sa tu yena śete

Eine mit Brennen und stechendem Schmerz einhergehende Schwellung im Innern des Rachens, mit Blut vermischt, mit übelriechendem, zerfallendem Fleisch – man erkenne dies als die durch *pitta* verursachte *vidārī* im Mund; besonders auf der Seite, auf der man liegt, tritt sie auf.

sarvasarāstu vātapittakaphaśoṇitanimittāḥ

Die *sarvasara*-Krankheiten des gesamten Mundes aber werden durch *vāta*, *pitta*, *kapha* und Blut verursacht.

sphoṭaiḥ satodairvadanaṃ samantādyasyācitaṃ sarvasaraḥ sa vātāt raktaiḥ sadāhaistanubhiḥ sapītairyasyācitaṃ cāpi sa pittakopāt

Wessen Mund ringsum mit stechend schmerzenden Blasen (*sphoṭa*) bedeckt ist, der leidet an *sarvasara* durch *vāta*; wessen Mund mit feinen, brennenden, gelblichen Bläschen bedeckt ist, der leidet daran durch die Erregung von *pitta*.

kaṇḍūyutairalparujaiḥ savarṇairyasyācitaṃ cāpi sa vai kaphena raktena pittodita eka eva kaiścit pradiṣṭo mukhapākasaṃjñaḥ

Wessen Mund mit juckenden, wenig schmerzenden, gleichfarbigen Bläschen bedeckt ist, der leidet daran durch *kapha*; und die einzelne, gemeinsam durch Blut und *pitta* entstehende Form wird von manchen als *mukhapāka* bezeichnet.

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