Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Nidanasthana

Adhyāya 1: vātavyādhinidānaṃ Die Ursachen der Vāta-Krankheiten

Das Eröffnungskapitel des Nidānasthāna, des Buches über die Krankheitsursachen, ist als Lehrdialog gestaltet: Suśruta befragt den erhabenen Dhanvantari nach Sitz, Funktion und Störungen des vāta, des Wind-Doṣa. Zunächst wird vāta kosmologisch als „Selbstentstandener“ (svayaṃbhū) und Seele aller Dinge beschrieben, dann in seine fünf Unterarten gegliedert – prāṇa, udāna, samāna, vyāna und apāna –, deren Sitz, Funktion und spezifische Störungsbilder dargelegt werden. Den Hauptteil bildet ein systematischer Katalog vāta-bedingter Krankheiten an den einzelnen Körperteilen, darunter das Vāta-Blutleiden vātarakta, die Krampfleiden ākṣepaka, apatānaka und dhanustambha, die Halbseitenlähmung pakṣāghāta, die Gesichtsverdrehung ardita sowie Ischias (gṛdhrasī) und zahlreiche weitere, jeweils nach Sitz, Erscheinungsbild und Heilbarkeit unterschiedene Leiden. Das Kapitel legt damit die diagnostische Grundlage für die spätere Behandlung der Vāta-Krankheiten.

DIE FÜNF VĀTA-UNTERARTEN (Vers 13–21)
UnterartSitzFunktionBei Störung
Prāṇazieht durch den Mundträgt den Körper, führt Nahrung ein, stützt den LebensatemSchluckauf, Atemnot u. ä.
Udānazieht nach obenSprechen, Singen und ÄhnlichesKrankheiten oberhalb des Schlüsselbeins
Samānazwischen Magen und Dickdarmverdaut die Nahrung, trennt ihre BestandteileGulma, Erlöschen des Verdauungsfeuers, Durchfall
Vyānader ganze KörperTransport der Körpersäfte (rasa), Ausscheidung von Schweiß und Blut, BewegungKrankheiten, die den ganzen Körper erfassen
ApānaDickdarmzieht Kot, Harn, Samen, Embryo und Menstrualblut nach untenKrankheiten in Blase und After, Samenstörungen, Prameha
GLOSSAR DER VĀTA-BEDINGTEN KRANKHEITEN (Vers 41–92)
KrankheitKennzeichen
VātaraktaVāta mit verdorbenem Blut vermischt; Füße berührungsempfindlich, stechend, taub (rein vāta-bedingt), zusätzlich Brennen/Rötung (mit pitta) bzw. Juckreiz/Kälte/Schwellung (mit kapha)
ĀkṣepakaKrampfleiden: wiederholtes Verkrampfen des Körpers
Apatānakawirft den Kranken immer wieder zu Boden
Daṇḍāpatānaka„Stab-Krampf“: Versteifung des ganzen Körpers wie ein Stab, mit Kieferklemme
Dhanustambha„Bogenstarre“: der Körper krümmt sich wie ein Bogen
Abhyantarāyāma / Bāhyāyāmainnere bzw. äußere Streckung durch Sehnenverkrampfung; die äußere Form gilt als unheilbar
PakṣāghātaHalbseitenlähmung: vāta löst die Gelenkverbindungen einer Körperseite
ApatantrakaBewusstlosigkeit mit verkrampften, gebeugten Gliedern (vāta mit kapha)
ManyāstambhaNackensteifheit
ArditaGesichtsverdrehung/-lähmung mit Sprachstörung
GṛdhrasīIschias: die Sehne von Ferse zu Zehen behindert die Beinstreckung
Viśvācīentsprechende Sehnenstörung am Arm
„Schakalskopf-Knie“schmerzhafte, wie ein Schakalsschädel geformte Knieschwellung durch vāta und Blut
Khañja / PaṅguHinken (ein Bein) bzw. Lähmung (beide Beine)
Kalāyakhañjazittriger, hinkender Gang durch gelockerte Gelenkverbindung
VātakaṇṭakaFersenschmerz bei unregelmäßigem Fußaufsatz
PādadāhaFußbrennen, besonders nach dem Gehen
PādaharṣaFußkribbeln, wie eingeschlafen
AvabāhukaAustrocknung der Schultermuskulatur, Steifheit/Lähmung des Arms
BādhiryaTaubheit
KarṇaśūlaOhrenschmerz
Tūnī / Pratitūnīdurchbohrender Schmerz von After und Schamregion, abwärts bzw. mit Krämpfen aufwärts zum Dickdarm ziehend
Ādhmāna / PratyādhmānaBlähsucht mit aufgeblähtem, schmerzhaftem Bauch bzw. Lösegefühl in Seite und Herz
Vātāṣṭhīlā / Pratyāṣṭhīlāsteinharte, knotige Verhärtung, die den Ausscheidungsweg verlegt
Repräsentativer Überblick über den ausführlichen Krankheitskatalog des Kapitels; die genauen Symptombeschreibungen im Text sind teils deutlich ausführlicher.

athāto vātavyādhinidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Ursachen der durch *Vāta* (den Wind, einen der drei *Doṣas* oder Körpersäfte) verursachten Krankheiten erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat:

dhanvantariṃ dharmabhṛtāṃ variṣṭhamamṛtodbhavam caraṇāvupasaṃgṛhya suśrutaḥ paripṛcchati

Suśruta ergriff die Füße Dhanvantaris, des Vortrefflichsten der Rechtschaffenen, des aus dem *Amṛta* (dem Nektar der Unsterblichkeit) Entstandenen, und befragte ihn:

vāyoḥ prakṛtibhūtasya vyāpannasya ca kopanaiḥ sthānaṃ karma ca rogāṃśca vada me vadatāṃ vara

O Bester der Redner, sprich zu mir vom Sitz und von der Funktion des *Vāta* in seinem natürlichen Zustand und wenn er durch erregende Ursachen aus dem Gleichgewicht gerät, und nenne mir die Krankheiten, die er hervorruft.

tasya tadvacanaṃ śrutvā prābravīdbhiṣajāṃ varaḥ svayaṃbhūreṣa bhagavān vāyurityabhiśabditaḥ

Als der Beste der Ärzte diese Worte gehört hatte, sprach er: Dieser erhabene *Vāta* wird als der Selbstentstandene (Svayaṃbhū) bezeichnet.

svātantryānnityabhāvācca sarvagatvāttathaiva ca sarveṣāmeva sarvātmā sarvalokanamaskṛtaḥ

Wegen seiner Unabhängigkeit, seiner Ewigkeit und seiner Allgegenwart ist er die Seele von allem und wird von der ganzen Welt verehrt.

sthityutpattivināśeṣu bhūtānāmeṣa kāraṇam avyakto vyaktakarmā ca rūkṣaḥ śīto laghuḥ kharaḥ

Er ist die Ursache von Bestehen, Entstehen und Vergehen der Wesen; unmanifest ist er selbst, doch offenbar in seinem Wirken; er ist trocken, kalt, leicht und rau.

tiryaggo dviguṇaścaiva rajobahula eva ca acintyavīryo doṣāṇāṃ netā rogasamūharāṭ

Er bewegt sich quer, ist zweifach gesteigert und reich an Rajas (der Bewegungsqualität); von unvorstellbarer Kraft ist er der Führer der *Doṣas* (der drei Körpersäfte) und der Herrscher über die Vielzahl der Krankheiten.

āśukārī muhuścārī pakvādhānagudālayaḥ dehe vicaratastasya lakṣaṇāni nibodha me

Er wirkt schnell, bewegt sich beständig hin und her und hat seinen Sitz im Dickdarm, im Enddarm und im After; vernimm von mir die Kennzeichen seines Wirkens, während er im Körper umherzieht.

doṣadhātvagnisamatāṃ saṃprāptiṃ viṣayeṣu ca kriyāṇāmānulomyaṃ ca karotyakupito'nilaḥ

Der nicht erregte *Vāta* bewirkt das Gleichgewicht der *Doṣas*, der Gewebe (*Dhātus*) und des Verdauungsfeuers (*Agni*), das rechte Erreichen der Sinnesobjekte sowie den ungehinderten, natürlichen Ablauf der Körperfunktionen.

indriyārthopasaṃprāptiṃ doṣadhātvagnyavaikṛtam kriyāṇāmānulomyaṃ ca kuryādvāyuradūṣitaḥ

Der unverdorbene *Vāta* bewirkt das rechte Erfassen der Sinnesobjekte durch die Sinne, die Unversehrtheit von *Doṣas*, *Dhātus* und *Agni* sowie den geregelten Ablauf der Körperfunktionen.

yathā'gni pañcadhā bhinno nāmasthānakriyāmayaiḥ bhinno'nilastasthā hyeko nāmasthānakriyāmayaiḥ

So wie das Feuer durch Namen, Sitz und Wirkung fünffach unterschieden wird, so ist auch der *Vāta*, obgleich einer, durch Namen, Sitz und Wirkung fünffach unterschieden.

prāṇodānau samānaśca vyānaścāpāna eva ca sthānasthā mārutāḥ pañca yāpayanti śarīriṇam

*Prāṇa*, *Udāna*, *Samāna*, *Vyāna* und *Apāna* – dies sind die fünf Winde (die fünf Vāta-Unterarten), die, jeweils an ihrem eigenen Sitz, das verkörperte Wesen am Leben erhalten.

yo vāyurvaktrasaṃcārī sa prāṇo nāma dehadhṛk so'nna praveśayatyantaḥ prāṇāṃścāpyavalambate

Der *Vāta*, der durch den Mund zieht und den Körper trägt, heißt *Prāṇa* (die Vāta-Unterart, die für Einatmung und Nahrungsaufnahme zuständig ist); er führt die Nahrung ins Innere ein und stützt die Lebensatem.

prāyaśaḥ kurute duṣṭo hikkāśvāsādikān gadān udāno nāma yastūrdhvamupaiti pavanottamaḥ

Gestört, verursacht er meist Schluckauf, Atemnot und ähnliche Leiden. Jener oberste Wind, der nach oben zieht, heißt *Udāna* (die aufwärtsgerichtete Vāta-Unterart).

tena bhāṣitagītādiviśeṣo'bhipravartate ūrdhvajatrugatān rogān karoti ca viśeṣataḥ

Durch ihn kommt die Besonderheit von Sprechen, Singen und dergleichen zustande; und er verursacht besonders Krankheiten, die oberhalb des Schlüsselbeins sitzen.

āmapakvāśayacaraḥ samāno vahnisaṅgataḥ so'nna pacati tajjāṃśca viśeṣānvivinakti hi

Der *Samāna* (die für die Verdauung zuständige Vāta-Unterart) bewegt sich zwischen Magen und Dickdarm, verbunden mit dem *Agni*; er verdaut die Nahrung und scheidet ihre Bestandteile voneinander.

gulmāgnisādātīsāraprabhṛtīn kurute gadān kṛtsnadehacaro vyāno rasasaṃvahanodyataḥ

Gestört verursacht er Geschwulstbildungen (*Gulma*), Erlöschen des *Agni*, Durchfall und ähnliche Krankheiten. Der *Vyāna* (die den ganzen Körper durchziehende Vāta-Unterart) bewegt sich im gesamten Leib und ist mit dem Transport der Körpersäfte (*Rasa*) beschäftigt.

svedāsṛksrāvaṇaścāpi pañcadhā ceṣṭayatyapi kruddhaśca kurute rogān prāyaśaḥ sarvadehagān

Er bewirkt auch die Ausscheidung von Schweiß und Blut und lässt die fünf Arten der Bewegung ablaufen; erzürnt verursacht er meist Krankheiten, die den ganzen Körper erfassen.

pakvādhānālayo'pānaḥ kāle karṣati cāpyadhaḥ samīraṇaḥ śakṛnmūtraṃ śukragarbhārtavāni ca

Der *Apāna* (die für die Ausscheidung zuständige Vāta-Unterart) hat seinen Sitz im Dickdarm; er zieht zur rechten Zeit Kot, Harn, Samen (*Śukra*), Embryo und Menstrualblut (*Ārtava*) nach unten.

kruddhaśca kurute rogān ghorān bastigudāśrayān śukradoṣapramehāstu vyānāpānaprakopajāḥ

Erzürnt verursacht er furchtbare Krankheiten, die in Blase und After ihren Sitz haben; Samenstörungen und Harnkrankheiten (*Prameha*) entstehen aus der Erregung von *Vyāna* und *Apāna*.

yugapat kupitāścāpi dehaṃ bhindyurasaṃśayam ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi nānāsthānāntarāśritaḥ

Sind sie zugleich erregt, so zerrütten sie zweifellos den Körper. Von da an will ich weiter berichten, wie der *Vāta* an den verschiedenen Sitzen im Einzelnen wirkt.

bahuśaḥ kupito vāyurvikārān kurute hi yān vāyurāmāśaye kruddhaśchardyādīn kurute gadān

Vielfach erregt, verursacht der *Vāta* mancherlei Störungen: Im Magen erzürnt, verursacht er Erbrechen und ähnliche Krankheiten.

mohaṃ mūrcchāṃ pipāsāṃ ca hṛdgrahaṃ pārśvavedanām pakvāśayastho'ntrakūjaṃ śūlaṃ nābhau karoti ca

Er verursacht Verwirrung, Ohnmacht, Durst, ein Beklemmungsgefühl im Herzen und Schmerzen in der Seite; im Dickdarm sitzend verursacht er Poltern der Gedärme und Schmerzen im Nabelbereich.

kṛcchramūtrapurīṣatvamānāhaṃ trikavedanām śrotrādiṣvindri yavadhaṃ kuryāt kruddhaḥ samīraṇaḥ

Der erzürnte Wind verursacht erschwerte Harn- und Kotausscheidung, Blähungsverhalt, Schmerzen im Kreuzbeinbereich und eine Schädigung der Sinnesorgane, etwa des Gehörs.

vaivarṇyaṃ sphuraṇaṃ raukṣyaṃ suptiṃ cumucumāyanam tvakstho nistodanaṃ kuryāt tvagbhedaṃ paripoṭanam

In der Haut sitzend verursacht er Verfärbung, Zucken, Trockenheit, Taubheit, ein Kribbeln, stechende Schmerzen, Rissigwerden der Haut und Blasenbildung.

vraṇāṃśca raktago granthīn saśūlān māṃsasaṃśritaḥ tathā medaḥśritaḥ kuryādgranthīnmandarujo'vraṇān

Im Blut sitzend verursacht er Geschwüre; im Fleisch (*Māṃsa*, dem Muskelgewebe) sitzend schmerzhafte Knoten; im Fettgewebe (*Medas*) sitzend ebenso Knoten, doch mit geringem Schmerz und ohne Geschwürbildung.

kuryāt sirāgataḥ śūlaṃ sirākuñcanapūraṇam snāyuprāptaḥ stambhakampau śūlamākṣepaṇaṃ tathā

In den Blutgefäßen (*Sirā*) sitzend verursacht er Schmerzen sowie Zusammenziehen und Anschwellen der Gefäße; in den Sehnen (*Snāyu*) sitzend Steifheit, Zittern, Schmerzen und Krämpfe.

hanti sandhigataḥ sandhīn śūlaśophau karoti ca asthiśoṣaṃ prabhedaṃ ca kuryācchūlaṃ ca tacchritaḥ

In den Gelenken sitzend zerstört er die Gelenke und verursacht Schmerzen und Schwellung; in den Knochen (*Asthi*) sitzend verursacht er Auszehrung der Knochen, ein Zerspaltungsgefühl und Schmerzen.

tathā majjagate ruk ca na kadācit praśāmyati apravṛttiḥ pravṛttirvā vikṛtā śukrage'nile

Ebenso hört, wenn er ins Knochenmark (*Majjā*) eingedrungen ist, der Schmerz niemals auf; sitzt der *Vāta* im Samen, so kommt es zu dessen Ausbleiben oder zu krankhaftem Abgang.

hastapādaśirodhātūṃstathā saṃcarati kramāt vyāpnuyādvākhilaṃ dehaṃ vāyuḥ sarvagato nṛṇām

Ebenso durchzieht er der Reihe nach die Gewebe von Händen, Füßen und Kopf; oder er erfasst, über den ganzen Körper des Menschen ausgebreitet, den gesamten Leib.

stambhanākṣepaṇasvāpaśophaśūlāni sarvagaḥ sthāneṣūkteṣu saṃmiśraḥ saṃmiśrāḥ kurute rujaḥ

Über den ganzen Körper verbreitet, verursacht er Steifheit, Krämpfe, Taubheit, Schwellung und Schmerzen; an den genannten Sitzen mit anderen *Doṣas* vermischt, verursacht er entsprechend gemischte Schmerzen.

kuryādavayavaprāpto mārutastvamitān gadān dāhasaṃtāpamūrcchāḥ syurvāyau pittasamanvite

So verursacht der *Vāta*, wenn er die einzelnen Körperteile erreicht, unzählige Krankheiten. Ist er mit *Pitta* (dem Gallen-*Doṣa*, dem Feuer- und Stoffwechselprinzip) verbunden, so treten Brennen, Hitzegefühl und Ohnmacht auf.

śaityaśophagurutvāni tasminneva kaphāvṛte sūcībhiriva nistodaḥ sparśadveṣaḥ prasuptatā

Ist er von *Kapha* (dem Schleim-*Doṣa*, dem Struktur- und Feuchtigkeitsprinzip) umhüllt, so treten Kälte, Schwellung und Schweregefühl auf, ferner ein Stechen wie mit Nadeln, Berührungsempfindlichkeit und Taubheit.

śeṣāḥ pittavikārāḥ syurmārute śoṇitānvite prāṇe pittāvṛte chardirdāhaścaivopajāyate

Die übrigen Symptome entsprechen den *Pitta*-Störungen, wenn der *Vāta* mit Blut verbunden ist. Ist der *Prāṇa* von *Pitta* umhüllt, so entstehen Erbrechen und Brennen.

daurbalyaṃ sadanaṃ tandrā vaivarṇyaṃ ca kaphāvṛte udāne pittasaṃyukte mūrcchādāhabhramaklamāḥ

Ist er von *Kapha* umhüllt, so entstehen Schwäche, Erschlaffung, Schläfrigkeit und Verfärbung. Ist der *Udāna* mit *Pitta* verbunden, so treten Ohnmacht, Brennen, Schwindel und Erschöpfung auf.

asvedaharṣau mando'gni śītastambhau kaphāvṛte samāne pittasaṃyukte svedadāhauṣṇyamūrcchanam

Ist er von *Kapha* umhüllt, so treten Schweißlosigkeit, Haarsträuben, ein geschwächtes Verdauungsfeuer, Kältegefühl und Steifheit auf. Ist der *Samāna* mit *Pitta* verbunden, so treten Schwitzen, Brennen, Hitzegefühl und Ohnmacht auf.

kaphādhikaṃ ca viṇmūtraṃ romaharṣaḥ kaphāvṛte apāne pittasaṃyukte dāhauṣṇye syādasṛgdaraḥ

Ist er von *Kapha* umhüllt, so sind Kot und Harn von vermehrtem Schleim durchsetzt, und es kommt zu Haarsträuben. Ist der *Apāna* mit *Pitta* verbunden, so treten Brennen und Hitzegefühl auf, und es kann zu Blutfluss (*Asṛgdara*) kommen.

adhaḥkāyagurutvaṃ ca tasminneva kaphāvṛte vyāne pittāvṛte dāho gātravikṣepaṇaṃ klamaḥ

Ist er von *Kapha* umhüllt, so entsteht ein Schweregefühl im unteren Körperbereich. Ist der *Vyāna* von *Pitta* umhüllt, so treten Brennen, unwillkürliches Umherwerfen der Glieder und Erschöpfung auf.

gurūṇi sarvagātrāṇi stambhanaṃ cāsthiparvaṇām liṅgaṃ kaphāvṛte vyāne ceṣṭāstambhastathaiva ca

Ist der *Vyāna* von *Kapha* umhüllt, so sind alle Glieder schwer, es kommt zu Steifheit von Knochen und Gelenken sowie zu einer Erstarrung der Bewegungen – dies sind die Kennzeichen.

prāyaśaḥ sukumārāṇāṃ mithyāhāravihāriṇām rogādhvapramadāmadyavyāyāmaiścātipīḍanāt

Bei zart veranlagten Menschen, die eine falsche Ernährungs- und Lebensweise pflegen, sowie durch übermäßige Belastung durch Krankheit, Reisen, Liebesgenuss, berauschende Getränke und körperliche Anstrengung –

ṛtusātmyaviparyāsāt snehādīnāṃ ca vibhramāt avyavāye tathā sthūle vātaraktaṃ prakupyati

– durch eine den Jahreszeiten und der eigenen Konstitution widersprechende Lebensweise, durch fehlerhafte Anwendung von Ölbehandlungen und dergleichen, bei sexueller Enthaltsamkeit ebenso wie bei fettleibigen Menschen, gerät das *Vātarakta* (das Vāta-Blutleiden) in Erregung.

hastyaśvoṣṭrairgacchato'nyaiśca vāyuḥ kopaṃ yātaḥ kāraṇaiḥ sevitaiḥ svaiḥ tīkṣṇoṣṇāmlakṣāraśākādibhojyaiḥ saṃtāpādyairbhūyasā sevitaiśca

Bei jemandem, der auf Elefanten, Pferden, Kamelen und dergleichen reitet, gerät der *Vāta* durch die ihm eigenen erregenden Ursachen in Erregung, ebenso durch den reichlichen Genuss scharfer, heißer, saurer, alkalischer und Gemüsespeisen sowie durch übermäßige Hitzeeinwirkung und Ähnliches.

kṣipraṃ raktaṃ duṣṭimāyāti tacca vāyormārgaṃ saṃruṇaddhyāśu yātaḥ kruddho'tyarthaṃ mārgarodhāt sa vāyuratyudriktaṃ dūṣayedraktamāśu

Rasch verdirbt dabei das Blut, und dieses verdorbene Blut versperrt dem *Vāta* seinen Weg; durch diese Wegversperrung äußerst erzürnt, verdirbt der *Vāta* das übermäßig angesammelte Blut schnell noch weiter.

tat saṃpṛktaṃ vāyunā dūṣitena tatprābalyāducyate vātaraktam tadvat pittaṃ dūṣitenāsṛjā'kta śleṣmā duṣṭo dūṣitenāsṛjā'kta

Dieses mit dem verdorbenen *Vāta* vermischte Blut wird, weil der *Vāta* darin überwiegt, *Vātarakta* genannt. Ebenso spricht man, wenn *Pitta* durch verdorbenes Blut befleckt ist, vom Pitta-Blutleiden, und wenn *Kapha* durch verdorbenes Blut befleckt und verdorben ist, vom Kapha-Blutleiden.

sparśodvignau todabhedapraśoṣasvāpopetau vātaraktena pādau pittāsṛgbhyāmugradāhau bhavetāmatyarthoṣṇau raktaśophau mṛdū ca

Durch das *Vātarakta* werden die Füße berührungsempfindlich, von stechenden und reißenden Schmerzen, von Austrocknung und Taubheit begleitet; durch *Pitta* und Blut werden sie von heftigem Brennen erfasst, übermäßig heiß, gerötet, geschwollen und weich.

kaṇḍūmantau śvetaśītau saśophau pīnastabdhau śleṣmaduṣṭe tu rakte sarvairduṣṭe śoṇite cāpi doṣāḥ svaṃ svaṃ rūpaṃ pādayordarśayanti

Ist das Blut durch *Kapha* verdorben, so sind die Füße juckend, weiß, kalt, geschwollen, verdickt und steif; und ist das Blut durch alle *Doṣas* zugleich verdorben, so zeigen die *Doṣas* an den Füßen jeweils ihre eigenen Kennzeichen.

prāgrūpe śithilau svinnau śītalau saviparyayau vaivarṇyatodasuptatvagurutvauṣasamanvitau

In der Vorstufe sind die Füße schlaff, feucht und kalt, oder auch im Gegenteil heiß und trocken, begleitet von Verfärbung, stechendem Schmerz, Taubheit, Schweregefühl und Brennen.

pādayormūlamāsthāya kadāciddhastayorapi ākhorviṣamiva kruddhaṃ taddehamanusarpati

Ausgehend von der Wurzel der Füße, mitunter auch der Hände, kriecht es, gleich dem erregten Gift einer Maus, durch den ganzen Körper.

ājānusphuṭitaṃ yacca prabhinnaṃ prasrutaṃ ca yat upadra vaiśca yajjuṣṭaṃ prāṇamāṃsakṣayādibhiḥ

Wenn es bis zum Knie aufgeplatzt, aufgebrochen und ausgeflossen ist, und wenn es von Komplikationen wie einer Bedrohung des Lebens und Schwund des Fleisches begleitet ist,

śoṇitaṃ tadasādhyaṃ syādyāpyaṃ saṃvatsarotthitam yadā tu dhamanīḥ sarvāḥ kupito'bhyeti mārutaḥ

– dann ist dieses Blutleiden unheilbar; ist es schon ein Jahr alt, so ist es bestenfalls lindernd behandelbar. Wenn aber der erregte *Vāta* in alle großen Gefäße (*Dhamanī*) eindringt,

tadākṣipatyāśu muhurmuhurdehaṃ muhuścaraḥ muhurmuhustadākṣepādākṣepaka iti smṛtaḥ

so verkrampft er schnell und wiederholt den Körper, indem er beständig hin und her wandert; wegen dieses wiederholten Verkrampfens wird dieses Leiden *Ākṣepaka* (Krampfleiden) genannt.

so'patānakasaṃjño yaḥ pātayatyantarā'ntarā kaphānvito bhṛśaṃ vāyustāsveva yadi tiṣṭhati

Jenes Leiden, das den Kranken zwischendurch immer wieder zu Boden wirft, heißt *Apatānaka*. Wenn der stark mit *Kapha* verbundene *Vāta* eben in diesen Gefäßen verharrt,

sa daṇḍavat stambhayati kṛcchro daṇḍāpatānakaḥ hanugrahastadā'tyarthaṃ so'nna kṛcchrānniṣevate

so versteift er den Körper wie einen Stab – dies ist der schwer heilbare *Daṇḍāpatānaka* (Stab-Krampf). Dabei tritt zudem eine heftige Kieferklemme (*Hanugraha*) auf, und der Kranke kann Nahrung nur mit Mühe zu sich nehmen.

dhanustulyaṃ namedyastu sa dhanuḥstambhasaṃjñakaḥ aṅgulīgulphajaṭharahṛdvakṣogalasaṃśritaḥ

Wenn sich der Körper wie ein Bogen krümmt, heißt dies *Dhanustambha* (Bogenstarre). Wenn der *Vāta*, der Finger, Knöchel, Bauch, Herz, Brust und Hals erfasst hat,

snāyupratānamanilo yadā'kṣipati vegavān viṣṭabdhākṣaḥ stabdhahanurbhagnapārśvaḥ kaphaṃ vaman

heftig die Ausdehnung der Sehnen verkrampft, so werden die Augen starr, der Kiefer versteift sich, die Seiten wirken wie gebrochen, und der Kranke erbricht Schleim.

abhyantaraṃ dhanuriva yadā namati mānavaḥ tadā'syābhyantarāyāmaṃ kurute māruto balī

Wenn sich der Mensch nach innen krümmt wie ein gespannter Bogen, so verursacht der starke *Vāta* bei ihm die 'innere Streckung' (*Abhyantarāyāma*).

bāhyasnāyupratānastho bāhyāyāmaṃ karoti ca tamasādhyaṃ budhāḥ prāhurvakṣaḥkaṭyūrubhañjanam

Sitzt er in der Ausdehnung der äußeren Sehnen, so verursacht er die 'äußere Streckung' (*Bāhyāyāma*), begleitet von einem Gefühl des Brechens in Brust, Hüfte und Oberschenkeln; die Weisen erklären dies für unheilbar.

kaphapittānvito vāyurvāyureva ca kevalaḥ kuryādākṣepakaṃ tvanyaṃ caturthamabhighātajam

Der mit *Kapha* und *Pitta* verbundene *Vāta*, oder auch der *Vāta* allein, kann den *Ākṣepaka* verursachen; ein vierter Typ entsteht durch eine Verletzung.

garbhapātanimittaśca śoṇitātisravācca yaḥ abhighātanimittaśca na sidhyatyapatānakaḥ

Auch das durch eine Fehlgeburt verursachte Krampfleiden sowie das durch übermäßigen Blutverlust und das durch eine Verletzung verursachte *Apatānaka* sind nicht heilbar.

adhogamāḥ satiryaggā dhamanīrūrdhvadehagāḥ yadā prakupito'tyarthaṃ mātariśvā prapadyate

Wenn der überaus erregte *Vāta* in die abwärts, quer und aufwärts im Körper verlaufenden großen Gefäße eindringt,

tadā'nyatarapakṣasya sandhivandhān vimokṣayan hanti pakṣaṃ tamāhurhi pakṣāghātaṃ bhiṣagvarāḥ

so löst er die Verbindungen der Gelenke auf einer Körperseite und lähmt diese Seite; dies nennen die besten Ärzte *Pakṣāghāta* (Halbseitenlähmung).

yasya kṛtsnaṃ śarīrārdhamakarmaṇyamacetanam tataḥ patatyasūn vā'pi tyajatyanilapīḍitaḥ

Bei wem die ganze Körperhälfte funktionsunfähig und gefühllos wird, der fällt daraufhin um, ja er kann sogar, vom *Vāta* gequält, sein Leben verlieren.

śuddhavātahataṃ pakṣaṃ kṛcchrasādhyatamaṃ viduḥ sādhyamanyena saṃsṛṣṭamasādhyaṃ kṣayahetukam

Eine allein durch *Vāta* befallene gelähmte Körperseite gilt als äußerst schwer heilbar; ist sie mit einem anderen *Doṣa* vermischt, gilt sie als heilbar; ist sie durch Gewebeschwund verursacht, gilt sie als unheilbar.

vāyurūrdhvaṃ vrajet sthānāt kupito hṛdayaṃ śiraḥ śaṅkhau ca pīḍayatyaṅgānyākṣipennamayecca saḥ

Wenn der erregte *Vāta* von seinem Sitz nach oben zieht, bedrängt er Herz, Kopf und Schläfen, verkrampft die Glieder und beugt sie.

nimīlitākṣo niśceṣṭaḥ stabdhākṣo vā'pi kūjati nirucchvāso'thavā kṛcchrāducchvasyānnaṣṭacetanaḥ

Der Kranke hat geschlossene Augen und ist bewegungslos, oder er hat starre Augen und stöhnt; er ist ohne Atem, oder er atmet nur mühsam und hat das Bewusstsein verloren.

svasthaḥ syāddhṛdaye mukte hyāvṛte tu pramuhyati kaphānvitena vātena jñeya eṣo'patantrakaḥ

Ist das Herz wieder frei, so ist er gesund; ist es aber weiterhin verhüllt, so verfällt er in Bewusstlosigkeit. Dieses Leiden, das durch mit *Kapha* verbundenen *Vāta* entsteht, ist als *Apatantraka* zu erkennen.

divāsvapnāsanasthānavivṛtādhvanirīkṣaṇaiḥ manyāstambhaṃ prakurute sa eva śleṣmaṇā'vṛtaḥ

Durch Schlaf am Tag, langes Sitzen oder Stehen sowie durch das Betrachten offener, weiter Wege verursacht ebendieser *Vāta*, wenn er von *Kapha* umhüllt ist, eine Steifheit des Nackens (*Manyāstambha*).

girbhiṇīsūtikābālavṛddhakṣīṇeṣvasṛkkṣaye uccairvyāharato'tyarthaṃ khādataḥ kaṭhināni vā hasato jṛmbhato bhārādviṣamācchayanādapi

Bei Schwangeren, Wöchnerinnen, Kindern, alten und geschwächten Menschen sowie bei Blutverlust, ferner bei jemandem, der übermäßig laut spricht, Hartes kaut, lacht oder gähnt, sowie durch das Tragen von Lasten oder unbequemes Liegen –

śironāsauṣṭhacibukalalāṭekṣaṇasandhigaḥ ardayitvā'nilo vaktramarditaṃ janayatyataḥ

– dringt der *Vāta*, in die Verbindungen von Kopf, Nase, Lippen, Kinn, Stirn und Augen eingedrungen, quälend ein und verursacht so das Leiden *Ardita* (Gesichtsverdrehung).

vakrībhavati vaktrārdhaṃ grīvā cāpyapavartate śiraścalati vāksaṅgo netrādīnāṃ ca vaikṛtam

Die eine Gesichtshälfte verzieht sich, auch der Hals verdreht sich, der Kopf zittert, die Sprache stockt, und die Augen und andere Sinnesorgane sind gestört.

grīvācibukadantānāṃ tasmin pārśve tu vedanā yasyāgrajo romaharṣo vepathurnetramāvilam

Auf jener erkrankten Seite treten Schmerzen in Hals, Kinn und Zähnen auf; als Vorzeichen zeigen sich Haarsträuben, Zittern und Trübung der Augen.

vāyurūrdhvaṃ tvaci svāpastodo manyāhanugrahaḥ tamarditamiti prāhurvyādhiṃ vyādhiviśāradāḥ

Ferner treten auf: ein Aufsteigen des *Vāta*, Taubheit der Haut, stechender Schmerz sowie Steifheit von Nacken und Kiefer – die in den Krankheiten Erfahrenen nennen dieses Leiden *Ardita*.

kṣīṇasyānimiṣākṣasya prasaktaṃ saktabhāṣiṇaḥ na sidhyatyarditaṃ bāḍhaṃ trivarṣaṃ vepanasya ca

Bei einem Erschöpften, dessen Augen nicht mehr blinzeln, der ständig zittert und dessen Sprache stockt, ist das *Ardita* nicht heilbar; ebenso wenn es, schwer ausgeprägt, schon drei Jahre und mit Zittern besteht.

pārṣṇipratyaṅgulīnāṃ tu kaṇḍarā yā'nilārditā sankthaḥ kṣepaṃ nigṛhṇīyādgṛdhrasīti hi sā smṛtā

Wenn die vom *Vāta* gequälte Sehne, die von der Ferse zu den Zehen verläuft, das Ausstrecken des Beines behindert, so wird dies *Gṛdhrasī* (Ischias) genannt.

talapratyaṅgulīnāṃ tu kaṇḍarā bāhupṛṣṭhataḥ bāhvoḥ karmakṣayakarī viśvācīti hi sā smṛtā

Wenn entsprechend die Sehne von der Handfläche zu den Fingern, über den Rücken des Armes verlaufend, die Funktionsfähigkeit der Arme mindert, so wird dies *Viśvācī* genannt.

vātaśoṇitajaḥ śopho jānumadhye mahārujaḥ śiraḥ kroṣṭukapūrvaṃ tu sthūlaḥ kroṣṭukamūrdhavat

Eine durch *Vāta* und Blut verursachte, sehr schmerzhafte Schwellung in der Mitte des Knies, die vorn wie ein Schakalskopf geformt und ebenso dick wie ein Schakalsschädel ist – dies ist das 'Schakalskopf-Knie'.

vāyuḥ kaṭyāṃ sthitaḥ sankthaḥ kaṇḍarāmākṣipedyadā khañjastadā bhavejjantuḥ paṅguḥ sankthordvayorvadhāt

Wenn der in der Hüfte sitzende *Vāta* die Sehne des Beines verkrampft, so wird der Betroffene hinkend (*Khañja*); sind beide Beine betroffen, so wird er gelähmt (*Paṅgu*).

prakrāman vepate yastu khañjanniva ca gacchati kalāyakhañjaṃ taṃ vidyānmuktasandhiprabandhanam

Wer beim Losgehen zittert und wie hinkend geht, bei dem soll man erkennen, dass die Verbindung der Gelenke gelockert ist – dies ist das *Kalāyakhañja* ('Erbsen-Hinken').

nyaste tu viṣamaṃ pāde rujaḥ kuryāt samīraṇaḥ vātakaṇṭaka ityeṣa vijñeyaḥ khuḍakāśritaḥ

Wenn der Fuß unregelmäßig aufgesetzt wird, verursacht der Wind Schmerzen; dies ist als *Vātakaṇṭaka* ('Vāta-Dorn') zu erkennen, im Fersenbereich sitzend.

pādayoḥ kurute dāhaṃ pittāsṛksahito'nilaḥ viśeṣataścaṅkramaṇāt pādadāhaṃ tamādiśet

Der mit *Pitta* und Blut verbundene *Vāta* verursacht Brennen in den Füßen, besonders nach dem Gehen; dies bezeichnet man als *Pādadāha* (Fußbrennen).

hṛṣyataścaraṇau yasya bhavataśca prasuptavat pādaharṣaḥ sa vijñeyaḥ kaphavātaprakopajaḥ

Wessen Füße sich kribbelnd anfühlen und wie eingeschlafen sind, das ist als *Pādaharṣa* (Fußkribbeln) zu erkennen, entstanden aus der Erregung von *Kapha* und *Vāta*.

aṃsadeśasthito vāyuḥ śoṣayitvāṃ'sabandhanam sirāścākuñcya tatrastho janayatyavabāhukam

Der in der Schulterregion sitzende *Vāta* trocknet die Schultermuskulatur aus, zieht die dortigen Blutgefäße zusammen und verursacht so das *Avabāhuka* (Steifheit und Lähmung des Armes).

yadā śabdavahaṃ sroto vāyurāvṛtya tiṣṭhati śuddhaḥ śleṣmānvito vā'pi bādhiryaṃ tena jāyate

Wenn der *Vāta*, sei es allein, sei es mit *Kapha* verbunden, den schallleitenden Kanal umhüllt und darin verharrt, so entsteht dadurch Taubheit (*Bādhirya*).

hanuśaṅkhaśirogrīvaṃ yasya bhindannivānilaḥ karṇayoḥ kurute śūlaṃ karṇaśūlaṃ taducyate

Wenn der *Vāta*, als spalte er Kiefer, Schläfe, Kopf und Hals, in den Ohren Schmerzen verursacht, so nennt man dies *Karṇaśūla* (Ohrenschmerz).

āvṛtya sakapho vāyurdhamanīḥ śabdavāhinī narān karotyakriyakānmūkaminmiṇagadgadān

Der mit *Kapha* verbundene *Vāta*, der die schallleitenden Gefäße umhüllt, macht die Menschen sprachunfähig, stumm, nuschelnd oder stotternd.

adho yā vedanāṃ yāti varcomūtrāśayotthitā bhindatīva gudopasthaṃ sā tūnītyabhidhīyate

Jener Schmerz, der, im Kot- und Harnbehälter entstanden, nach unten zieht und dabei After und Schamregion wie zu durchbohren scheint, wird *Tūnī* genannt.

gudopasthotthitā saiva pratilomavisarpiṇī vegaiḥ pakvāśayaṃ yāti pratitūnīti sā smṛtā

Wenn dieser Schmerz, im After und in der Schamregion entstanden, in umgekehrter Richtung ausstrahlt und mit Krämpfen zum Dickdarm hinaufzieht, wird er *Pratitūnī* genannt.

sāṭopamatyugrarujamādhmātamudaraṃ bhṛśam ādhmānamiti jānīyāddhoraṃ vātanirodhajam

Einen mit Rumoren verbundenen, überaus schmerzhaften und stark aufgeblähten Bauch soll man als das furchtbare, durch Vāta-Stau entstandene *Ādhmāna* (Blähsucht) erkennen.

vimuktapārśvahṛdayaṃ tadevāmāśayotthitam pratyādhmānaṃ vijānīyāt kaphavyākulitānilam

Ist dabei ein Lösegefühl in Seite und Herz vorhanden und entsteht es im Magen, so soll man es als *Pratyādhmāna* erkennen, verursacht durch von *Kapha* verwirrten *Vāta*.

aṣṭhīlāvaddhanaṃ granthimūrdhvamāyatamunnatam vātāṣṭhīlāṃ vijānīyādbahirmārgāvarodhinīm

Eine steinharte, knotige, nach oben ausgedehnte und erhabene Verhärtung soll man als *Vātāṣṭhīlā* erkennen, welche den äußeren Ausscheidungsweg verlegt.

enāmeva rujāyuktāṃ vātaviṇmūtrarodhinīm pratyaṣṭhīlāmiti vadejjaṭhare tiryagutthitām

Eben diese Verhärtung, wenn sie mit Schmerz verbunden ist, den Abgang von *Vāta*, Kot und Harn behindert und sich quer im Bauch erhebt, nennt man *Pratyaṣṭhīlā*.

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