ṛtasya dvārau stho mā mā saṃ tāptam
Ihr beiden seid die Tore der kosmischen Ordnung (Ṛta) – versengt mich nicht!
Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa (Tāṇḍya-Mahābrāhmaṇa) · Prapāṭhaka 1
Kaṇḍikā 1–19 (PB 1.5.1–19): Anrufungen an Soma und die kosmischen Anschirrungsmächte beim Fortschreiten zum Soma-Trank, mit dem wiederkehrenden „sarvagaṇa“-Formelmuster (technische Priesteranteils-Bezeichnung) und den Metren Gāyatrī/Triṣṭubh/Jagatī. Kaṇḍikā 17–19 enthalten eine bemerkenswerte Formel zur Rückholung des zu Yama entschwundenen Geistes.
ṛtasya dvārau stho mā mā saṃ tāptam
Ihr beiden seid die Tore der kosmischen Ordnung (Ṛta) – versengt mich nicht!
namaḥ sakhibhyaḥ pūrvasadbhyo namo parasadbhyaḥ
Verehrung den Freunden, die zuvor sitzen, Verehrung denen, die danach sitzen.
śyeno nṛcakṣā agneṣ ṭvā cakṣuṣāva paśyāmi
Ein Falke mit Menschenaugen – mit Agnis Auge blicke ich auf dich herab.
indav indrapītasya ta indriyāvato gāyatracchandasaḥ sarvagaṇasya sarvagaṇa upahūta upahūtasya bhakṣayāmi
O Indu (Soma-Tropfen), von dir, dem von Indra Getrunkenen, dem Kraftvollen, dem Gāyatrī-metrischen, dem „Allgruppen“-Anteil – ich, der „Allgruppen“-Priester, Herbeigerufener, koste vom Trank des Herbeigerufenen. [Anm.: „sarvagaṇa“ ist vermutlich eine technische Bezeichnung für einen bestimmten Becher/Anteil im sāmavedischen Soma-Ritual.]
ūrdhvaḥ sapta ṛṣīn upa tiṣṭhasvendrapīto vācas pate saptartvijo 'bhyuc chrayasva juṣasva lokam mārvāg ava gāḥ
Aufrecht stehe bei den sieben Ṛṣis, von Indra getrunken, o Herr der Rede; erhebe dich über die sieben Priester, liebe deinen Ort, gehe nicht abwärts herab!
soma rārandhi no hṛdi pitā no 'si mama tan mā mā hiṃsīḥ
O Soma, erfreue dich in unserem Herzen; du bist mein Vater – deshalb verletze mich nicht.
soma gīrbhiṣ ṭvā vayaṃ vardhayāmo vācovidaḥ sumṛḍīko na ā viśa
O Soma, mit Lobliedern stärken wir dich, die wir die Rede kennen; gnädig gehe in uns ein.
ā pyāyasva sam etu te viśvataḥ soma vṛṣṇyam / bhavā vājasya saṃgathe
Schwelle an, o Soma, von allen Seiten möge dir die männliche Kraft zukommen; sei uns beim Zusammentreffen des Wettkampfgutes hilfreich. [Anm.: bekannter Rigveda-Vers, hier als Formel verwendet.]
avamais ta ūrdhvais te kāvyais te pitṛbhir bhakṣitasya madhumato nārāśaṃsasya sarvagaṇasya sarvagaṇa upahūta upahūtasya bhakṣayāmi
Mit deinen untersten, mit deinen obersten, mit deinen dichterischen Kräften, mit den Vätern – vom gekosteten, honigsüßen Nārāśaṃsa-Trank, dem „Allgruppen“-Anteil – ich, der „Allgruppen“-Priester, Herbeigerufener, koste vom Trank des Herbeigerufenen.
dīkṣāyai varṇena tapaso rūpeṇa manaso mahimnā vāco vibhūtyā prajāpatis tvā yunaktu prajābhyo 'pānāya
Zur Weihe mit deiner Farbe, zur Glut mit deiner Gestalt, zur Größe des Geistes, zur Fülle der Rede – Prajāpati möge dich anschirren, für die Geschöpfe, zum Ausatmen.
vāyur yunaktu manasā stomaṃ yajñāya voḍhave dadhātv indra indriyaṃ satyāḥ kāmā yajamānasya santu
Vāyu möge dich mit dem Geiste anschirren, den Lobgesang, um ihn zum Opfer zu fahren; Indra verleihe die Sinneskraft; wahr mögen die Wünsche des Opferherrn sein.
vṛṣako 'si triṣṭupchandā anu tvā rabhe svasti mā saṃ pārayā mā stotrasya stotraṃ gamyād indravanto vanemahi bhakṣīmahi prajām iṣam
Ein kleiner Stier bist du, dem Triṣṭubh-Metrum zugehörig; dich ergreife ich. Führe mich heil hinüber. Nicht möge das Lob des Lobsängers verlorengehen. Mit Indra mögen wir gewinnen, mögen wir Nachkommenschaft und Labsal genießen.
indav indrapītasya ta indriyāvato triṣṭupchandasaḥ sarvagaṇasya sarvagaṇa upahūta upahūtasya bhakṣayāmi
O Indu, von dir, dem von Indra Getrunkenen, dem Kraftvollen, dem Triṣṭubh-metrischen, dem „Allgruppen“-Anteil – ich, der „Allgruppen“-Priester, Herbeigerufener, koste vom Trank des Herbeigerufenen.
sūryo yunaktu vācā stomaṃ yajñāya voḍhave dadhātv indra indriyaṃ satyāḥ kāmā yajamānasya santu
Sūrya möge dich mit der Rede anschirren, den Lobgesang, um ihn zum Opfer zu fahren; Indra verleihe die Sinneskraft; wahr mögen die Wünsche des Opferherrn sein.
svaro 'si gayo 'si jagacchandā anu tvā rabhe svasti mā saṃ pārayā mā stotrasya stotraṃ gamyād indravanto vanemahi bhakṣīmahi prajām iṣam
Ein Klang bist du, ein Hausstand bist du, dem Jagatī-Metrum zugehörig; dich ergreife ich. Führe mich heil hinüber. Nicht möge das Lob des Lobsängers verlorengehen. Mit Indra mögen wir gewinnen, mögen wir Nachkommenschaft und Labsal genießen.
indav indrapītasya ta indriyāvato triṣṭupchandasaḥ sarvagaṇasya sarvagaṇa upahūta upahūtasya bhakṣayāmi
O Indu, von dir, dem von Indra Getrunkenen, dem Kraftvollen, dem Triṣṭubh-metrischen, dem „Allgruppen“-Anteil – ich, der „Allgruppen“-Priester, Herbeigerufener, koste vom Trank des Herbeigerufenen. [Anm.: Diese Formel wiederholt wörtlich Kaṇḍikā 13 („triṣṭupchandasaḥ“), obwohl in Kaṇḍikā 15 vom Jagatī-Metrum die Rede war – im Quelltext keine Anpassung erkennbar; möglicherweise Übertragungseigenheit der Quelle.]
āyur me prāṇo mano 'si me prāṇa āyupatnyām ṛci yan me mano yamaṃ gataṃ yad vā me aparāgataṃ rājñā somena tad vayaṃ punar asmāsu dadhnasi
Meine Lebenszeit bist du, mein Atem, mein Geist; im Vers, der die Lebenszeit zur Gattin hat: Was von meinem Geist zu Yama gegangen ist, oder was von mir anderswohin gegangen ist, das setzen wir mit dem königlichen Soma wieder in uns ein.
yan me yamaṃ vaivasvataṃ mano jagāma dūragās tan ma āvartayā punar jīvātave na martave 'tho ariṣṭatātaye
Was von meinem Geist zu Yama, dem Sohn des Vivasvant, gegangen ist, weit fortgegangen, das führe mir wieder zurück – zum Leben, nicht zum Sterben, und zur Unversehrtheit.
yenāhy ājim ajayad vicakṣya yena śyenaṃ śakunaṃ suparṇaṃ yad āhuś cakṣur aditāv anantaṃ somo nṛcakṣā mayi tad dadhātu
Womit er einst, weitschauend, den Wettlauf gewann, womit er den Falken, den Vogel, den Adler beflügelte – was man das unendliche Auge der Aditi nennt, das möge Soma, mit Menschenblick, in mich legen.