Quellen der Menschheit

Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa (Tāṇḍya-Mahābrāhmaṇa) · Prapāṭhaka 6

Adhyāya 4 Die Udumbarī-Säule des Udgātṛ

Ritual der Udumbara-Säule (audumbarī) im Sadas: Herkunft aus Prajāpatis Kraft (ūrj), Aufrichten mit Mantras, Verehrung von Sāman und Meer, Sitzrichtungen der Sāman-Priester. Mantra-Übersetzungen wortnah; unsicher: tādṛśam, ūrhaṃ (Lesart ūrjaṃ), yātayāmā.

prajāpatir devebhya ūrjaṃ vyabhajat tata udumbaraḥ samabhavat prājāpatyo vā udumbaraḥ prājāpatya udgātā yad udgātaudumbarīṃ prathamena karmaṇānvārabhate svayaiva tad devatayātmānam ārtvijyāya vṛṇīte

Prajāpati teilte den Göttern die Kraft (ūrj) zu; daraus entstand der Udumbara. Prajāpati zugehörig ist der Udumbara, Prajāpati zugehörig der Udgātṛ. Wenn der Udgātṛ als erste Handlung die Udumbara-Säule ergreift, wählt er sich damit mit ihrer eigenen Gottheit selbst zum Priesterdienst.

tām ucchrayati dyutānas tvā māruta ucchrayatūd divaṃ stabhānāntarikṣaṃ pṛṇa dṛṃha pṛthivīm

Er richtet sie auf: „Der Strahlende, der Marut-zugehörige, richte dich auf; stütze den Himmel, fülle den Luftraum, festige die Erde!“

tām anvārabhata āyoṣ ṭvā sadane sādayāmy avataś chāyāyāṃ samudrasya hṛdaya iti

Er ergreift sie: „Ich setze dich in den Sitz des Lebens, in den Schatten des Schutzes, in das Herz des Meeres.“

yajño vā āyus tasya tat sadanaṃ kriyate

Das Opfer ist das Leben; dessen Sitz wird damit gemacht.

yajño vā avati tasya sā cchāyā kriyate

Das Opfer ist der Schutz; dessen Schatten wird damit gemacht.

madhyato vā ātmano hṛdayaṃ tasmān madhye sadasa audumbarī mīyate

In der Mitte des Selbst ist das Herz; daher wird die Udumbara-Säule in der Mitte des Sadas gemessen [errichtet].

namaḥ samudrāya namaḥ samudrasya cakṣuṣa ity āha vāg vai samudro manaḥ samudrasya cakṣus tābhyām eva tan namas karoti

„Verehrung dem Meer, Verehrung dem Auge des Meeres“, spricht er. Die Rede ist das Meer, der Geist das Auge des Meeres; mit diesen beiden bringt er Verehrung dar.

sāmā yūnarvāhāsīd ity āha sāma vai yūnarvā sāmna eva tan namaskaroty ārtvijyaṃ kariṣyan

„Das Sāman war der junge Gefährte“ [?], spricht er. Das Sāman ist der junge Gefährte [?]; dem Sāman also bringt er Verehrung dar, wenn er den Priesterdienst tun will.

yo vā evaṃ sāmne namaskṛtya sāmnārtvijyaṃ karoti na sāmno hīyate nainaṃ sāmāpahate

Wer so dem Sāman Verehrung dargebracht hat und mit dem Sāman den Priesterdienst verrichtet, wird vom Sāman nicht verlassen; das Sāman lässt ihn nicht im Stich.

ya enam anuvyāharati sa ārtim ārchati

Wer ihn [beim Mantra] dazwischenredet, gerät in Unheil.

ūrg asy ūrjodā ūrjaṃ me dehy ūrjaṃ me dhehy annaṃ me dehy annaṃ me dhehi prajāpater vā etad udaraṃ yat sada ūrg udumbaro yad audumbarī madhye sadaso mīyate madhyata eva tat prajābhyo 'nnam ūrjaṃ dadhāti

„Kraft bist du, Kraftgeber, gib mir Kraft, verleih mir Kraft, gib mir Speise, verleih mir Speise!“ Das ist der Bauch Prajāpatis, nämlich das Sadas; die Kraft ist der Udumbara. Dass die Udumbara-Säule in der Mitte des Sadas gemessen wird, damit legt er aus der Mitte den Geschöpfen Speise und Kraft nieder.

tasmād yatraiṣā yātayāmā kriyate tat prajā aśanāyavo bhavanti

Daher werden dort, wo diese [Säule] verbraucht [yātayāmā] gemacht wird, die Geschöpfe hungrig. [?]

sāma devānām annaṃ sāmany eva tad devebhyo 'nna ūrhaṃ dadhāti sa eva tad ūrji śritaḥ prajābhya ūrjaṃ vibhajati

Das Sāman ist die Speise der Götter; im Sāman legt er den Göttern die Speise und Kraft nieder. Er selbst, in der Kraft ruhend, verteilt den Geschöpfen die Kraft.

udaṅṅ āsīna udgāyaty udīcīṃ tādṛśam ūrjā bhājayati pratyaṅṅ āsīnaḥ prastauti pratīcīṃ tādṛśam ūrjā bhājayati dakṣiṇāsīnaḥ pratiharati dakṣiṇāṃ tādṛśam ūrjā bhājayati prāñco 'nya ṛtvija ārtvijyaṃ kurvanti tasmād eṣā diśāṃ vīryavattamaitāṃ hi bhūyiṣṭhāḥ prīṇanti

Nach Norden gewandt sitzend singt der Udgātṛ den Udgītha: so lässt er die nördliche Richtung an der Kraft teilhaben, gleichsam ebenso. Nach Westen gewandt sitzend singt der Prastotṛ das Prastāva: so die westliche Richtung. Nach Süden sitzend singt der Pratihartṛ den Pratihāra: so die südliche. Die anderen Priester tun ihren Dienst nach Osten gewandt; daher ist diese Richtung die kraftvollste der Richtungen, denn die Meisten erfreuen sie.

brahmavādino vadanti kasmāt satyāt prāñco 'nya ṛtvija ārtvijyaṃ kurvantīti viparikramyodgātāra iti diśām abhīṣṭyai diśām abhiprītyā iti brūyāt tasmāt sarvāsu dikṣv annaṃv vidyate sarvā hy abhīṣṭāḥ prītāḥ

Die Brahmavādins sagen: „Aus welchem Grund verrichten die anderen Priester den Dienst nach Osten gewandt, die Udgātṛs aber, nachdem sie sich herumgewendet haben?“ Er soll sagen: „Zur Erlangung der Richtungen, zur Erfreuung der Richtungen.“ Daher gibt es in allen Himmelsrichtungen Speise, denn alle sind erlangt und erfreut.

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