Adhyāya 5
Der Droṇakalaśa, die Rede und die Wahl der Udgātṛs
Herkunft des Droṇakalaśa (Holzbecher für Soma) aus Prajāpatis Haupt; Mantra beim Vorwärtsschieben; Mythos von der Rede (vāc), die zu den Wassern und zu den Bäumen (Wagen, Trommel, Laute) geht. Begründung, warum die Udgātṛs durch den Droṇakalaśa gewählt sind. Text in 530 abgebrochen („/“), 531 beginnt mitten im Satz; unsicher: kiṣkuṇā, akṣa, upasadyam.
prajāpatir akāmayata bahu syāṃ prajāyeyeti so 'śocat tasya śocata ādityo mūrdhno 'sṛjyata so 'sya mūrdhānam udahan sa droṇakalaśo 'bhavat tasmin devāḥ śukram agṛhṇata tāṃ vai sa āyuṣārtim atyajīvat
Prajāpati wünschte: „Möge ich viele sein, möge ich mich fortpflanzen.“ Er grämte sich. Aus seinem sich grämenden Haupt wurde der Āditya [Sonne] erschaffen. Dieser schlug ihm das Haupt heraus; das wurde der Droṇakalaśa. Darin fassten die Götter den Śukra-Trank. Damit überlebte er das Unheil des [Lebens-]Alters.
Das Unheil des [Lebens-]Alters überlebt, wer so weiß. [Anm.: Im Text folgt ein Trennstrich „/“; der Anfang der nächsten Kaṇḍikā ist offenbar verloren.]
…[Anm.: Anfang fehlt, vermutlich „er soll den Droṇakalaśa vorwärts schieben“] – er soll [ihn] vorwärts schieben [mit den Worten]: „Du gehörst dem Waldbaum, du gehörst dem Bṛhaspati, du gehörst dem Prajāpati, du bist das Haupt Prajāpatis, du bist das Gefäß, das das Alter übersteigt. Diesen mich [selbst] schiebe ich nach Osten vor, zu Glanz, zu Brahmaglanz.“
yad āha prājāpatya iti prājāpatyo hy eṣa devatāyā yad droṇakalaśo yad āha prajāpater mūrdheti prajāpater hy eṣa mūrdhna udahanyata
Dass er sagt „dem Prajāpati zugehörig“: dem Prajāpati gehört ja dieser, der Droṇakalaśa, als Gottheit. Dass er sagt „das Haupt Prajāpatis“: von Prajāpatis Haupt wurde er ja herausgeschlagen.
brāhmaṇaṃ pātre na mīmāṃseta yaṃ brāhmaṇam iva manyate pra devapātram āpnoti na manuṣyapātrāc chidyate
Über einen Brahmanen soll man nicht nach dem Gefäß urteilen, den man für einen [bloßen] Brahmanen hält; er erlangt das Götter-Gefäß und wird nicht vom Menschen-Gefäß abgeschnitten. [?]
vāg vai devebhyo 'pakrāmat sāpaḥ prāviśat tāṃ devāḥ punar ayācaṃs tā abruvan yat punar dadyāma kiṃ nas tataḥ syād iti yat kāmayadhva ity abruvaṃs tā abruvan yad evāsmāsu manuṣyā apūtaṃ praveśayāṃs tenāsaṃsṛṣṭā asāmeti
Die Rede entwich den Göttern; sie ging in die Wasser ein. Die Götter baten sie um Rückkehr. Sie [die Wasser] sagten: „Wenn wir sie zurückgeben, was haben wir davon?“ – „Was ihr wollt“, sagten sie. Sie sagten: „Was die Menschen Unreines in uns hineinbringen, davon sollen wir unberührt sein.“
Sie ging wieder fort; sie ging in die Bäume ein. Die Götter baten sie um Rückkehr; sie gaben sie nicht zurück. Sie verfluchten sie: „Mit eigenem Kiṣku [Stiel/Griff?] als Keil [vajra] soll man euch fällen.“ Daher fällt man die Bäume mit eigenem Kiṣku als Vajra, denn sie sind von den Göttern verflucht. [?]
Die Bäume verteilten die Rede vierfach: in die Trommel, die Laute, die Achse, den Köcher. Daher ist diese [Rede] die am meisten redende, sie die lieblichste; die Rede der Bäume war ja die Rede der Götter.
Unterhalb der Achse schieben sie den Droṇakalaśa vor, um jene Rede zu gewinnen; oberhalb der Achse geben sie das Sieb [pavitra]; so umfassen sie die Rede von beiden Seiten. [Anm.: Text „adho-'dho ’kṣam“ = jeweils unterhalb; Sinn wortnah.] [?]
yasya kāmayetāsuryam asya yajñaṃ kuryāṃv vācaṃv vṛñjīyeti droṇakalaśaṃ prohan bāhubhyām akṣan upaspṛśed asuryam asya yajñaṃ karoti vācaṃv vṛṅkte yo 'sya priyaḥ syād anupaspṛśann akṣaṃ prohet prāṇā vai droṇakalaśaḥ prāṇān evāsya kalpayati
Wem er wünscht: „Möge ich sein Opfer dämonisch [asurisch] machen, möge ich [ihm] die Rede entziehen“: beim Vorschieben des Droṇakalaśa soll er die Achse [oder: mit den Armen die Achse] berühren. Dann macht er sein Opfer dämonisch und entzieht [ihm] die Rede. Wer ihm lieb sein soll: ohne die Achse zu berühren soll er ihn vorschieben. Die Lebenshauche sind der Droṇakalaśa; dessen Lebenshauche richtet er zurecht. [?]
„Was nun?“, sagen sie: „Mit der Rede wählen sie [die Sprecher] die anderen Priester; weshalb verrichten die Udgātṛs, die [nur] gewählt sind, den Priesterdienst?“
Nicht erobert ist für die Udgātṛs diese Richtung, nämlich die östliche; dass sie den Droṇakalaśa nach Osten vorschieben, das ist zur Eroberung der Richtungen.
yan nv ity āhur antarāśvaḥ prāsevau yujyate 'ntarā śamya anaḍvān ka udgātṝṇāṃ yoga iti yad droṇakalaśam upasīdanti sa eṣāṃ yogas tasmād yuktair evopasadyaṃ na hy ayukto vahati
„Was nun?“, sagen sie: „Ein Pferd dazwischen, an beiden Deichseln, wird angeschirrt; dazwischen [zwischen den] Jochstiften ein Stier: welches ist das Anschirren der Udgātṛs?“ Dass sie sich an den Droṇakalaśa heransetzen, das ist ihr Anschirren. Daher soll man nur mit Angeschirrten herantreten; ein Nicht-Angeschirrter zieht ja nicht. [?]