Quellen der Menschheit

Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa (Tāṇḍya-Mahābrāhmaṇa) · Prapāṭhaka 6

Adhyāya 6 Droṇakalaśa auf den Pressteinen; Sieb (pavitra) und Läuterung

Riten beim Droṇakalaśa: Aufsetzen auf die Pressteine (Feind- und Freundvariante), Läuterung mit den Metren, Mythos von Svarbhānu, Atri und den Farben des Siebs, Ergreifen des Siebs und Mantra des Udgātṛ. Unsicher: nirūhati/adhyūhati (Sinn der Handlung), āsaktiśukla, hastaveṣya.

grāvṇaḥ saṃsādya droṇakalaśam adhyūhanti viḍ vai grāvāṇo 'nnaṃ somo rāṣṭraṃ droṇakalaśo yad grāvasu droṇakalaśam adhyūhanti viśy eva tad rāṣṭram adhyūhanti

Nachdem sie die Pressteine zusammengesetzt haben, legen sie den Droṇakalaśa auf [sie]. Die Pressteine sind das Volk (viś), der Soma die Speise, der Droṇakalaśa die Herrschaft (rāṣṭra). Dass sie den Droṇakalaśa auf die Pressteine legen, damit legen sie die Herrschaft auf das Volk.

yaṃ dviṣyād vimukhān grāvṇaḥ kṛtvedam aham amum amuṣyāyaṇam amuṣyāḥ putram amuṣyā viśo 'muṣmād annādyān nirūhāmīti nirūhed viśa evainam annādyān nirūhati

Wen er hassen soll: Nachdem er die Pressteine [von ihm] abgewandt gemacht hat, soll er [sie] entfernen [mit den Worten]: „Hier entferne ich diesen da, den Sohn des N.N., aus der Sippe des N.N., aus dem Volk des N.N., von der Speisenahrung.“ Dann entfernt er ihn von der Speisenahrung des Volkes.

yo 'sya priyaḥ syāt saṃmukhān grāvṇaḥ kṛtvedam aham amuṣyāyaṇam amuṣyāḥ putram amuṣyāṃ viśy amuṣinn annādye 'dhyūhāmīty adhyūhed viśy evainam annādye 'dhyūhati

Wer ihm lieb sein soll: Nachdem er die Pressteine zugewandt gemacht hat, soll er [den Kalaśa] auflegen [mit den Worten]: „Hier lege ich diesen da, den Sohn des N.N., auf das Volk des N.N., auf die Speisenahrung des N.N.“ Dann legt er ihn auf das Volk, auf die Speisenahrung.

atho tad ubhayam anādṛtyedam ahaṃ māṃ tejasi brahmavarcasse 'dhyūhāmīty adhyūhet tejasy eva brahmavarcasa ātmānam adhyūhati

Nun, beides nicht beachtend, soll er auflegen [mit den Worten]: „Hier lege ich mich selbst auf Glanz und Brahmaglanz.“ Damit legt er sich selbst auf Glanz und Brahmaglanz.

yaḥ kāmayeta viśā rāṣṭraṃ hanyām iti vyūhya grāvṇo 'dho droṇakalaśaṃ sādayitvopāṃśusavanam upariṣṭād abhinidadhyād idam aham amuyā viśā 'do rāṣṭraṃ hanmīti viśaiva tad rāṣṭraṃ hanti

Wer wünscht: „Möge ich mit dem Volk die Herrschaft schlagen“: Nachdem er die Pressteine auseinandergelegt und den Droṇakalaśa unten hingesetzt hat, soll er das Upāṃśusavana oben darauf stellen [mit den Worten]: „Hier schlage ich mit jenem Volk jene Herrschaft.“ Damit schlägt er die Herrschaft eben mit dem Volk.

yo vai daivāni pavitrāṇi veda pūto yajñiyo bhavati cchandāṃsi vai daivāni pavitrāṇi tair droṇakalaśaṃ pāvayanti

Wer die göttlichen Siebe kennt, wird rein und opferfähig. Die Metren sind die göttlichen Siebe; mit ihnen läutern sie den Droṇakalaśa.

vasavas tvā gāyatreṇa cchandasā punantu rudrās tvā traiṣṭubhena cchandasā punantv ādityās tvā jāgatena cchandasā punantv etāni vai daivāni pavitrāṇi pūto yajñiyo bhavati ya evaṃv veda

„Die Vasus sollen dich mit dem gāyatra-Metrum läutern, die Rudras dich mit dem traiṣṭubha-Metrum läutern, die Ādityas dich mit dem jāgata-Metrum läutern.“ Dies sind die göttlichen Siebe. Rein und opferfähig wird, wer so weiß.

svarbhānur vā āsura ādityaṃ tamasāvidhyat taṃ devā na vyajānaṃs te 'trim upādhāvaṃs tasyātrir bhāsena tamo 'pāhan yat prathamam apāhan sā kṛṣṇāvir abhavad yad dvitīyaṃ sā rajatā yat tṛtīyaṃ sā lohinī yayā varṇam abhyatṛṇat sā śuklāsīt

Svarbhānu, der Asura, durchbohrte den Āditya mit Finsternis. Die Götter erkannten ihn nicht [mehr]. Sie liefen zu Atri. Atri vertrieb die Finsternis mit Glanz [?]. Was er als Erstes vertrieb, wurde die schwarze [Farbe des Siebs]; was als Zweites, die silbrig-weiße [rajatā, „silberfarbene“] [?]; was als Drittes, die rote; womit er die Farbe [ganz] durchbrach [?], die wurde die weiße.

tasmāc chuklaṃ pavitraṃ śukraḥ somaḥ sa śukratvāya

Daher ist das Sieb weiß; der Soma ist der Strahlende (śukra), damit er Strahlendheit erlange.

yaṃ dviṣyāt tasyaiteṣāṃ varṇānām api pavitre kuryāt pāpmanaivainaṃ tamasā vidhyati kṛṣṇam iva hi tamo yo 'sya priyaḥ syād āsaktiśuklaṃ kuryāj jyotir vai hiraṇyaṃ jyotir evāsmin dadhāti

Wen er hassen soll: dessen soll er das Sieb auch aus diesen [dunklen] Farben machen; dann durchbohrt er ihn mit Übel und Finsternis, denn die Finsternis ist gleichsam schwarz. Wer ihm lieb sein soll: dem soll er es weiß mit angeheftetem [Gold] machen [?]; das Gold ist Licht, [so] legt er Licht in ihn.

tasmād ātreyaṃ candreṇecchanty atrir hi tasya jyotiḥ

Daher wünscht man den Ātreya [Nachkommen des Atri] mit dem Mond, denn Atri ist dessen Licht. [?]

abhyatṛṇat pavitraṃv vigṛhṇanti hastakāryam eva tad yajñasya kriyata etad vā udgātṝṇāṃ hastakāryaṃ yat pavitrasya vigrahaṇam

Er durchbrach [die Finsternis]; sie fassen das Sieb auseinander; das wird als Handarbeit des Opfers verrichtet. Dies ist die Handarbeit der Udgātṛs, nämlich das Auseinanderfassen des Siebs. [?]

na hastaveṣyān nir ṛcchati ya evaṃv veda

Er kommt nicht in Bedrängnis durch das, was mit den Händen zu tun ist [?], wer so weiß.

yo 'pi na vigṛhṇāti prāṇād enam antaryanti

Auch wer [das Sieb] nicht auseinanderfasst: den bringen sie [die Hände] vom Atem ab [?].

taṃ brūyād vepamānaḥ prameṣyasa iti vepamāna eva pramīyate

Zu dem soll man sagen: „Zitternd wirst du sterben“; zitternd stirbt er. [?]

pra śukraitu devī manīṣāsmad rathaḥ sutaṣṭo na vājīty udgātā dhārām anumantrayate

„Vorwärts komme, Strahlender, die göttliche Einsicht; von uns [gefertigt] wie ein wohlgezimmerter Wagen, ein Renner“: mit [diesem Vers] richtet der Udgātṛ den Mantra an den Strahl.

āyuṣe me pavasva varcase me pavasva viduḥ pṛthivyā divo janitrāc chṛṇvantv āpo 'dhaḥ kṣarantīḥ somehodgāyety āha mahyaṃ tejase brahmavarcasāyeti

„Für Leben läutere dich mir, für Glanz läutere dich mir; die Kenner der Erde, des Himmels Erzeuger, sollen es hören, die Wasser, die abwärts fließen. O Soma, singe hier den Udgītha“, sagt er: „für mich, zu Glanz und Brahmaglanz.“

eṣa vai somasyodgītho yat pavate somodgītham eva sāma gāyati

Dies ist der Udgītha des Soma, dass er sich läutert; so singt er das Sāman, den Soma-Udgītha.

ācchinnaṃ pāvayanti yajñaṃ caiva prāṇāṃś ca saṃtanvanti saṃtataṃ pāvayanti yajñasya saṃtatyai

Sie läutern ununterbrochen; so verbinden sie das Opfer und die Lebenshauche; zusammenhängend läutern sie, zur Verbindung des Opfers.

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