Quellen der Menschheit

Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa (Tāṇḍya-Mahābrāhmaṇa) · Prapāṭhaka 7

Adhyāya 8 Ursprung des Vāmadevya und der Pṛṣṭha-Sāmans

Erzählung vom Wasser, aus dem das Vāmadevya („das Liebe unter den Göttern“) entstand, und dem Streit um dessen Besitz; Deutung als Prājāpatya, Āgneya, Aindra, Maitrāvaruṇa und Vaiśvadeva; anschließend Erschaffung der Pṛṣṭhas aus der Gāyatrī mit ihren Geräuschen (ghoṣa). Kaṇḍikā 1 und 10 sind dunkel; Kaṇḍikā 10 und 11 nennen beide das Vairūpa, vermutlich Textverderbnis.

apo vā ṛtvyam ārcchat tāsāṃv vāyuḥ pṛṣṭhe vyavartata tato vasu vāmaṃ samabhavat tasmin mitrāvaruṇau paryapaśyatāṃ tāv abrūtāṃv vāmaṃ maryā idaṃ deveṣv ājānīti tasmād vāmadevyam

Die Wasser erlangten [ārcchat] das ṛtvya [Anm.: ṛtvya, ‚zeitgerecht/richtig fürs Opfer‘, unsicher] [?]. Auf ihrem Rücken wendete sich Vāyu. Daraufhin entstand ein begehrenswertes Gut (vāma). Mitra und Varuṇa erblickten es in ihm; die beiden sagten: „Erkennt, ihr Sterblichen: dies ist unter den Göttern das Liebe [vāma]“ [?]. Deshalb „Vāmadevya“.

tat parigṛhṇantāv abrūtām idam avidāvedaṃ nau mābhyartiḍhvam iti tat prajāpatir abravīn mad vā etad dhy ajani mama vā etad iti tad agnir abravīn māṃ (?) vā etad annam ajani mama vā etad iti tad indro 'bravīc chreṣṭhasthā vā etad ahaṃ vaḥ śreṣṭho 'smi mama vā etad iti tad viśve devā abruvann asmaddevatyaṃ vā etad yad adbhyo 'dhi samabhūd asmākaṃ vā etad iti tat prajāpatir abravīt sarveṣāṃ na idam astu sarva idam upajīvāmeti tat pṛṣṭheṣu nyadadhuḥ sarvadevatyaṃ vai vāmadevyam

Indem die beiden es an sich nahmen, sagten sie: „Dies haben wir gefunden; tastet uns beide damit nicht an [mābhyartiḍhvam] [?]; es gehört uns beiden.“ Da sagte Prajāpati: „Von mir ist dies geboren; es gehört mir.“ Da sagte Agni: „Als meine Speise ist dies geboren; es gehört mir.“ Da sagte Indra: „Ihr seid auf den Besten gestellt [śreṣṭhasthāḥ] [?]; ich bin euer Bester; es gehört mir.“ Da sagten die Viśve Devāḥ: „Uns gehörig ist dies, da es aus den Wassern hervorgegangen ist; es gehört uns.“ Da sagte Prajāpati: „Dies soll uns allen gehören; wir alle wollen davon leben.“ Sie legten es in die Pṛṣṭhas. Allen Göttern gehörig ist das Vāmadevya.

yat kavatīṣu tena prājāpatyaṃ ko hi prajāpatir yad aniruktāsu tena prājāpatyam anirukto hi prajāpatiḥ

Dass es in den Kavatī-[Versen] ist, dadurch ist es prajāpatisch: „Ka“ [wer] nämlich ist Prajāpati. Dass es in den nicht ausgesprochenen [aniruktā] ist, dadurch ist es prajāpatisch: unausgesprochen nämlich ist Prajāpati.

yad gāyatrīṣu tenāgneyaṃ gāyatracchandā hy agniḥ

Dass es in den Gāyatrī-[Versen] ist, dadurch ist es agnisch: gāyatra-metrig nämlich ist Agni.

yat pṛṣṭheṣu nyadadadhus tenaindraṃ sarvāṇi hi pṛṣṭhānīndrasya niṣkevalyāni

Dass sie es in die Pṛṣṭhas legten, dadurch ist es indrisch: alle Pṛṣṭhas nämlich sind Indras Niṣkevalya-[Stücke].

yan maitrāvaruṇo 'nuśaṃsati tena maitrāvaruṇam

Dass der Maitrāvaruṇa [-Priester] nachrezitiert [anuśaṃsati], dadurch ist es mitrāvaruṇisch.

yad bahudevatyam uttamaṃ padaṃ tena vaiśvadevaṃ sarveṣv eva rūpeṣu pratitiṣṭhati

Dass der letzte Pāda vielen Gottheiten gehört, dadurch ist es allgötterhaft [vaiśvadeva]; in allen Gestalten findet er Halt.

prajāpatir vā etāṃ gāyatrīṃ yonim apaśyat sa ādīdhītāsmād yoneḥ pṛṣṭhāni sṛjā iti

Prajāpati erblickte diese Gāyatrī als Schoß. Er sann: „Aus diesem Schoß will ich die Pṛṣṭhas schaffen.“

sa rathantaram asṛjata tad rathasya ghoṣo 'nvasṛjyata

Er schuf das Rathantara; danach wurde das Getöse [ghoṣa] des Wagens geschaffen.

sa bṛhad asṛjata tat stanayitnor ghoṣo 'nvasṛjyata sa vairūpam asṛjata tad vā tasya ghoṣo 'nvasṛjyata

Er schuf das Bṛhat; danach wurde das Getöse des Donners geschaffen. Er schuf das Vairūpa; danach wurde dessen [?] Getöse geschaffen [Anm.: Text unsicher: tad vā tasya ghoṣa] [?].

sa vairūpam asṛjata tad agner ghoṣo 'nvasṛjyata

Er schuf das Vairūpa; danach wurde das Getöse des Feuers geschaffen [Anm.: Wiederholung des Vairūpa vermutlich Textverderbnis; hier Vairāja zu erwarten?] [?].

sa śakvarīr asṛjata tad apāṃ ghoṣo 'nvasṛjyata

Er schuf die Śakvarī-Verse; danach wurde das Getöse der Wasser geschaffen.

sa revatīr asṛjata tad gavāṃ ghoṣo 'nvasṛjyata

Er schuf die Revatī-Verse; danach wurde das Getöse der Kühe geschaffen.

etair vā etāni saha ghoṣair asṛjyanta

Mit diesen Getösen zusammen wurden diese [Sāmans] geschaffen.

sarve 'smin ghoṣāḥ sarvāḥ puṇyā vāco vadanti ya evaṃv veda

Alle Getöse, alle heilvollen Stimmen sprechen bei ihm, der so weiß.

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